Seiten

Donnerstag, 28. Juli 2011

28.000 - Ich sage danke. ^^V

Tja, der Titel sagt wohl alles aus. Achtundzwanzigtausendmal wurden meine Geschichten auf Fanfiktion.de mittlerweile aufgerufen, und das bedeutet tausend Aufrufe mehr in nicht ganz zwanzig Tagen. Ein Schnitt von fünfzig Aufrufen den Tag.
Auch die Zahl der Reviews hat zugenommen, und das freut mich ganz besonders, weil ich daraus mehr ziehen kann als aus den reinen "Klicks".
Ich freue mich also immer über Reviews, über Kritik und Feedback.

Lest mich weiter und bleibt mir treu.

Ace ^^b

Dienstag, 26. Juli 2011

Perry Rhodan reloaded - jetzt geht es ans Eingemachte!

Dass mir hinterher keiner sagt, er habe vom Wettbewerb nichts gewusst, oder er hätte nicht genug Zeit gehabt. Wir sind in der letzten Woche, und am ersten August soll das Voting des Internetvolks beginnen.
Schreiberling hat dafür auf seinem Blog die letzten Regeln vorgestellt - die Wichtigste ist, auch unfertige Texte, die eventuell bis Anfang August fertig sein könnten, jedermann zugänglich im Internet zu posten und die URL an Schreiberling zu schicken. Diese URLs müssen ihm bis FREITAG geschickt werden.
Wie ich schon sagte, die Geschichten müssen dann nicht fertig sein. Das erst ab dem ersten August. Aber zugänglich. Und existieren.

Ich selbst feile gerade an meinem Text, bis er passt. Dann lade ich die Endversion hoch. Euch allen da draußen, die hoffnungsvoll mitmachen wollen, viel Erfolg und Inspiration. Ich hoffe auf viele spannende und interessante Texte, würdig des fünfzigjährigen Jubiläums unserer allseits hoch geschätzten Perry Rhodan-Serie.

Ace

Edit am 28.07.: Fertig. So wie er jetzt auf Fanfiktion.de steht, bleibt er auch.
Wichtig: Für die Abstimmung, wer den besten Text des Wettbewerbs geschrieben hat, werdet Ihr den Umweg über Schreiberlings Blog gehen müssen.
Die Abstimmung beginnt ab dem 01. August. ^^V

Edit am 29.07.: Die Abstimmung ist eröffnet! HIER geht es zum Abstimmungsfenster auf den Seiten von Schreiberling.
Vergesst nicht, eifrig für mich zu stimmen. ^^ Allerdings nur, wenn Ihr den Text gelesen und für den Besten befunden habt. ^^

Montag, 25. Juli 2011

Und schon wieder ein Tausender Aufrufe...

Mal ehrlich, vielen Dank, dass Ihr, meine treuen Leser, die vierte Staffel meiner Anime Evolution-Serie, Anime Evolution: Nami nun auch schon eintausend Mal aufgerufen habt. Das beweist Euer großes Interesse an meinem zweitverrücktesten Universum. ^^
Aber aufmerksame Leser meines Blogs werden jetzt aufhorchen. Hä? Neulich hat die zweite Staffel die Eintausend erreicht, und jetzt die vierte? Was ist denn mit der drei, Anime Evolution: Past?
Die hat im Moment knappe fünfhundert Aufrufe... Ich hoffe einfach mal, die im Verhältnis viel geringeren Aufrufzahlen hängen damit zusammen, dass Staffel zwei achtzehn Episoden, Staffel vier zwanzig, Staffel drei jedoch nur acht Episoden hat...
Und nicht etwa damit, dass Staffel drei niemanden interessiert. Das wäre doch wirklich fatal. -.-°
Die Wahrheit liegt mit Sicherheit irgendwo da draußen, auf dem Fanfiktion-Server.

Bleibt mir treu und lest mich weiter.
Und keine Sorge, wenn Euch der Drang überkommt, mich zu kommentieren: Ich beiße niemanden und kann an Kritik nur noch wachsen. ^^V

Nachtrag: Und soeben rutschte meine Crimson Skies-Geschichte Next Order, die ich mit meinem guten Autorenfreund Tyr Svenson schreibe, über die Schnapszahlgrenze, und erreichte nur wenige Tage nach der Tausend nun die 1111. ^^

Samstag, 23. Juli 2011

Anschläge in Norwegen

Ich trauere um die Toten, und meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer und den Überlebenden des Bombenanschlags in der Osloer Innenstadt sowie der Ferienfreizeit auf der Insel Utoya. Dies war kein simples Verbrechen, es war eine Unmenschlichkeit, wie jeder Terrorakt.
Ich erwarte von der norwegischen Justiz, dass sie mit dem Täter keine Gnade hat - aber einen rechtsstaatlich korrekten Prozess abhalten wird.

Aber wenn ich schon mal dabei bin: Liebe Medien, Eure erste Vermutung, dass es sich um einen Anschlag von Al Quaida handeln könnte, hat sich nicht bestätigt.
Und auch die Analyse von N-TV, die das Facebook-Profil geplündert hat und sich als Psychologe aufspielt, WoW und ein weiterer Ego-Shooter, den der Täter im Profil angegeben hat, könnten mit dem Anschlag zusammen hängen, sind hanebüchen.
Genauso wie sich die Presse zu Anfang in die falsche Richtung bewegte und einen Anschlag mit Al Quaida-Hintergrund gesehen haben wollte, sind die jetzigen Erklärungsbemühungen Spekulationen. Auch ein geplündertes Facebook-Profil bietet keine Antworten, nur neue Fragen. Nur weil bei der Religion "Christ" eingetragen ist, muss man den Mann nicht dem fundamentalistischen Lager zurechnen - auch wenn es mit ziemlicher Sicherheit stimmen wird.
Liebe Medien, in Eurer Hast lagt Ihr mit Al Quaida falsch. Erste offizielle Verlautbarungen lassen auf einen rechtsradikalen Hintergrund schließen, und einige Blogs sammelten Hinweise von eventuelle Posts des Täters in einschlägigen Foren, die dies untermauern könnten. Wahrscheinlich habt Ihr auch Recht, wenn Ihr ab sofort von einem Rechtsradikalen sprecht, der sich dieser schrecklichen Tat schuldig gemacht hat. Aber es sind erneut Spekulationen. Ich erkenne, dass die Medien nicht zu erklären versuchen, sondern die Ersten sein wollen. Wohin führt unser Journalismus bei diesen Tendenzen?

Was spricht dagegen, sich an die bisher ermittelten Fakten zu halten? Im schlimmsten Fall behindert weitere spekulative Berichterstattung die Ermittlungen gegen mutmaßliche Helfer und Hintermänner.
Ich vermisse die journalistische Sorgfalt.
Und ich vermisse Zurückhaltung, vor allem wenn man beim Spiegelfechter lesen muss, in einschlägigen Foren hätten die rechten Hetzer den Anschlag als Vorwand genommen, um den nächsten Kreuzzug auszurufen, diesmal nur im eigenen Land.

Auch eine gewisse Schuld der Medien, wie zum Beispiel N-TVs und der Zeitung mit den vier großen Buchstaben. Sie schufen die Grundlage dafür, dass sich Menschen mit solch einer Meinung GERECHTFERTIGT sehen.
Und was passiert, wenn sie sich gerechtfertigt sehen? Sie töten unschuldige Jugendliche einer Jugendfreizeit, nur weil sie der Jugendabteilung der sozialistischen Partei angehören und deshalb "der Feind" sind.
Oder sie töten in den USA Anhänger der demokratischen Partei und verletzen eine demokratische Abgeordnete lebensgefährlich. Wie mit dem Attentäter Lufford und der Abgeordneten Gifford geschehen.
Wer die Schuld trägt? Fox TV, die Tea Party?
Wer die Schuld bei uns oder in Norwegen trägt?
Ich weiß nur eines: Solche Gewalt, egal ob gegen Hotels in Kabul, Discotheken in Berlin, Flugzeuge über Lockerby oder in den Straßen Jerusalems, ist verwerflich und nicht zu rechtfertigen.
Alle, die es dennoch tun, entlarven sich als Unmenschen. Alle, die Rassenpolitik betreiben, haben Angst. Und kompensieren diese Angst mit organisierter Hetze.

Das ist nicht das Deutschland, das ich will. Das ist nicht die Welt, die ich will.
Und wenn Ihr das ebenfalls nicht wollt, könnt Ihr alle, dort wo Ihr lebt, etwas tun. Denn wenn immer jemand aus Eurem Bekanntenkreis die bekannten und platten Stammtischparolen gegen "Ausländer, Türken, Juden und Islamisten" zum Besten geben, könnt Ihr Euch dagegen positionieren. Warum solltet Ihr das tun? Nun, uns haftet das Klischee an, die Biertrinkernation zu sein, obwohl nicht jeder Deutsche Bier trinkt, und es ein paar schöne Weine im Land gibt. Ist es denkbar, dass das bei Ausländern im Allgemeinen, Türken, Juden und "Islamisten" genauso ist? Dass man jeden Menschen einzeln beurteilen muss und dies auch verlangen muss? Eine pauschalisierte Verurteilung ist ein Vorurteil, eine Dummheit, ein kleines Verbrechen, und es wird ein großes Verbrechen, wenn es durch Schweigen und ohne Widerspruch legitimiert wird.

Es waren viele kleine Verbrechen dieser Art, die im Attentäter der Insel Utoya das Gefühl wachsen ließen, im Recht zu sein bei dem was er tat: Kinder töten. Und es sind all die vielen Agitatoren, die ihre Meinung und ihren Hass in die Welt posaunen, Angst schaffen und ein Ventil für die Angst anbieten. Ihnen auf kleinster Ebene entgegen zu treten kann jeder von uns, muss jeder von uns.
Das ist meine Meinung, und ich beherzige sie selbst. Sonst würde ich es nicht schreiben.

Anschläge in Norwegen

Mein erster Versuch, zu den Anschlägen etwas zu schreiben, begann beim zweiten Absatz. Aber ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass ich eher so anfangen sollte:
Meine Gedanken und Wünsche sind bei den Opfern und deren Angehörigen der furchtbaren Anschläge in Oslo und auf der Insel Utoya. Sie wurden Opfer einer perfiden Ideologie, einer menschenverachtenden Einstellung, eines oder mehrerer Menschen ohne den Hauch eines Gewissens.
Es scheint beinahe bösartige Ironie zu sein, wenn die nie stillstehenden Massenmedien wie N-TV verkünden, der mutmaßliche Attentäter "hat auf seinem Facebook-Profil angegeben, Christ zu sein".
Nein, so verhält sich kein Christ. So verhält sich auch kein Mensch, der mit Anstand, Würde und Toleranz unter uns leben will. Der gestellte Attentäter und die m.E. zweifellos vorhandenen Hintermänner inklusive jener Helfer, die die Bombe in das Regierungsviertel gebracht haben - ich sehe da leichte Probleme, wie ein Mann all das alleine geschafft haben will - haben sich selbst von jeder Menschlichkeit freigesprochen. Es gibt im deutschen Grundgesetz einen wichtigen Satz: Wer die Grundrechte abzuschaffen versucht, verliert das Anrecht auf sie.
Ähnlich ist es in diesem Fall: Wer meint, mit Gewalt etwas ändern zu können, erntet auch nur Gewalt.

Tja, jetzt ist es passiert, könnte man sagen. Das reiche Erdölförderland Norwegen hat seinen eigenen Madrider Verkehrsanschlag. Was so rigide klingt, ist natürlich nicht meine Einstellung, lediglich eine Analyse.
Vorweg eines: Man braucht einen solchen Anschlag nicht verurteilen, wie das unser Außenminister und die Kanzlerin machen. Das ist Blödsinn und suggeriert, es gäbe tolerierbare Anschläge. Solch ein Anschlag gehört nicht verurteilt, sondern als das wahrgenommen, was er war: Ein, nein, zwei gewaltige, sinnlose, hemmungslose und unmenschliche Blutbäder, angerichtet von einer unbekannten Anzahl an Personen, die ihre Ziele darin erfüllt sehen, indem sie zufällig Menschen töten oder deren Tod in Kauf nehmen. Das ist perfide. Und ich sehe Norwegen für eine sehr lange Zeit nicht stillstehen.

Aber kommen wir zum anderen Aspekt des Geschehens. Kommen wir zu dem, was die Medien tun, nämlich den Zerfleischen des Täters. Oh, keine Sorge, ich will ihn nicht in Schutz nehmen. Ich sehe in ihm ein entmenschlichtes Wesen, das sich einem Dogma unterworfen hat und keine Gnade verdient hat. Er nicht, und seine Helfer und Hintermänner auch nicht. Aber bitte im Rahmen des Rechtsstaats.
Was gefällt mir also an der Arbeit der Medien nicht? Zum Beispiel der erste Aufschrei, der Al Quaida oder andere radikale Gruppierungen islamischen Glaubens herbeizureden versuchte.
Ganz still wurde es im Blätterwald für einen Moment, als die Nachricht kam, dass der gefasste Einzeltäter, der mit Maschinenpistole unter den Teilnehmern einer sozialistischen Jugendfreizeit gewütet hat, augenscheinlich einen christlich-fundamentalistisch rechten Hintergrund hat.
Dann stiegen die Medien auch auf diesen Zug auf, aber nicht wenige versuchten daraus die Tat eines Einzelnen herbei zu reden, denn, es gibt ja kein rechtsradikales Problem in der Welt. Und das, obwohl wir alleine in Deutschland wissen, dass die Zahl von Gewalttaten mit rechtsradikalem Hintergrund viermal so hoch ist wie jene mit linksradikalem Hintergrund. (Nebenbei bemerkt sind sowohl Gewalttaten als auch radikale Politikeinstellungen absoluter und gefährlicher Quatsch.)
Was mich aber am meisten stört: Der mutmaßliche Täter wird durch eine Übermacht an Beweisen und Zeugenaussagen wegen Dutzendfachem Mordes zur Verantwortung gezogen werden. Und ich hoffe, nicht nur er, sondern auch die Helfer und Hintermänner, die ich vermute. Gnade hat er nicht zu erwarten, und das sollte er auch nicht.
Aber ist es deshalb Rechtens, wenn Medien mit N-TV mit seinem Twitter-Auftritt und seiner Facebook-Seite Nachrichten produzieren wollen?
Ich persönlich kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn Nachrichtenkanäle sich als Psychologen versuchen, und auf Facebook nach Motiven suchen.
Okay, das führt schon wieder zu weit.

Dienstag, 19. Juli 2011

Eintausend... Juhuu!

Und wieder habe ich eine Geschichte über tausend Aufrufe gekriegt.
Genauer gesagt ist es eine Geschichtensammlung. In achtzehn Episoden hatte ich hier meine Eigenkreation Anime Evolution weiter geführt.
Anime Evolution: Erweitert ist seinem Vorgänger nun also in den Tausender-Himmel nachgeeifert.
In diesem Geschichtenblock, den ich chronologisch schreibe, tauche ich ein in eine Welt wie aus einem Manga entsprungen. Was Anfangs als Parodie begann, entwickelte ein derart interessantes Eigenleben - ohne seinen Humor zu verlieren - sodass ich mittlerweile bei der fünften Staffel bin. ^^
Und ich bin sicher, so manche Episode wird noch folgen.

Ach, eines noch, liebe Leser: Nach Anime Evolution: Erweitert ist es Zeit für die Specials.

Bleibt mir treu und lest mich weiterhin. ^^V

Freitag, 15. Juli 2011

Diverses im Juli

Manchmal blogge ich eine lange Zeit nicht. Lange ist für mich eine Woche, in etwa. Das wird nächste Woche der Fall sein, wenn ich mit Freunden an der Ostsee bin, um die Clubkasse zu versaufen. In dieser Zeit bin ich vollkommen ohne jedes Internet, komme erst Sonntag wieder an einen Zugang, und das voller Absicht. Wie lange kann ein moderner Medienmensch ohne I-Net-Zugang überhaupt überleben? Wann fing das I-Net überhaupt an, so wichtig zu werden? Ich werde es sehen, wenn ich Sonntag Abend wiederkomme und vielleicht zitternd vor meinem ersten Internetschuss an der Tastatur sitze - oder eben nicht. Das Zittern kann ja auch woanders herkommen. ^^
Manchmal passiert in dieser Zeit recht viel, und ich finde einfach nicht den passenden Einstieg in einen Blogeintrag. Das passiert. Ist aber nicht so schlimm, denn ich lebe ja weder vom Bloggen, noch ist es mein Beruf oder gar meine Berufung.
Dann schreibe ich meistens Einträge wie diesen, in denen ich viele Gedanken zur Woche zusammenfasse.

Chatzimarkakis: Dass ihm die Doktorwürde aberkannt wurde, finde ich extrem hart. Zwar sollte jemand, der Erstes Staatsexamen und Zweites Staatsexamen geschrieben hat, mittlerweile genau wissen, wie man richtig zitiert, und dass man eindeutig anzeigen muss, wo ein Zitat beginnt. Aber immerhin hat er die Zitate richtig ausgewiesen. Ich denke, hier ist eine Uni in Panik auf den Doktor-Aberkennungszug aufgesprungen und will lieber einen prominenten Möchtegerndoktor mehr als zu wenig köpfen, bevor die Rufschädigung wie in Bayreuth dem Haus schadet. Aber falsches Zitieren war, soweit ich mich erinnern kann, nicht die Fehler-Hauptrelevanz für eine Doktorarbeit. Im Gegenteil, es ging um die wissenschaftliche Kernaussage, und ob diese selbst verfasst war.
Bei KTG, Koch-Mehrin und Stoiber Junior war dies nicht gegeben, bei ihnen hat man festgestellt, dass sie Zitate - auch leicht verändert wie bei KTG - als eigene Arbeit ausgegeben haben. Chatzimarkakis war vielleicht oberflächlich und ungenau. Aber ich persönlich denke, dass er nicht zu diesen unverantwortlichen Personen gehört, die sich einen Doktor erschlichen haben. Deshalb glaube ich, dass die Kommission ihm eine Frist zur Nachbesserung hätte setzen sollen. Das wäre der Sache wesentlich angemessener gewesen. Hier kommt nämlich die Lieblingsverteidigung der Gutti-Groupies voll zum Tragen: "Er hat ja nur ein paar Anführungszeichen vergessen!" Bei KTG war das vollkommen sachlich falsch - bei Chatzimarkakis hingegen stimmt es. Zumindest wenn ich mich auf die Pressestimmen verlassen kann, die ich lesen konnte. Also, lasst den Mann in Ruhe, er hat keinen Adelstitel.

Einige, die meinen Blog öfters lesen, so wie Silvia, Olaf und Stinkstiefel (Subtra und Miyu nicht vergessen), werden sich erinnern, dass ich im April ein paar Tage zu Fuß zur Arbeit gegangen bin. Diese Tage habe ich zu einer geradezu religiösen Erfahrung hochstilisiert, aber nichts draus gelernt. ^^
Dafür habe ich jetzt endlich nach langem hin und her herausgefunden, warum mein Wagen trotz so vieler neuer Ersatzteile immer wieder ausfällt: Ein Kabelbruch in der Versorgung der Benzinpumpe. ^^°°°
WENN es denn damit gegessen ist. Ich hoffe es. Wäre jedenfalls eine gute Gelegenheit für weitere spirituelle Erfahrungen, nämlich Dankesgebete an den Allmächtigen, der mich den Fehler hat finden lassen. (Beziehungsweise den Menschen, der ihn für mich Doppellinkshänder fand.)

Dann ist da ja auch noch der Frauenfußball. Ehrlich, Samstag beim Spiel habe ich mir gesagt, dass ich nicht verlieren kann, egal wie es ausgeht. Einerseits unterstütze ich unsere Damen gerne, andererseits bin ich ausgesprochener Japan-Fan. Die Nadeshikos haben dann zwar etwas härter gespielt als ich eigentlich sehen wollte, aber die unausgewogene Leistung unserer Mannschaft, vor allem im Abschluss führte zwangsläufig zum Elfmeterschießen. Dass die Nadeshikos dann in der Verlängerung doch noch ein Tor schießen konnten, ist ein wenig wie eine Münze zu werfen. Zwei gleichstarke Mannschaften begegneten sich, und eine hatte einen Tick mehr Glück.
Beim Spiel gegen Schweden im Halbfinale gefielen mir die Nadeshikos schon viel besser. Sie waren klar überlegen, spielten sich ihre Chancen gut heraus und schlugen zu, auch mal mit nem Gewaltschuss aus vierzig Metern. So macht Fußball Spaß.
Und deshalb drücke ich ihnen für das Endspiel gegen die USA auch die Daumen. Verdient haben sie es allemal. Und für wen soll man denn sonst sein, nachdem wir rausgeflogen sind?

Was war denn noch? Ach ja, das Law Blog von Udo Vetter wurde von Bildblog verlinkt, weil der Udo damit auf einen Blogeintrag von Nadine Lantsch eingeht, der, nun, sich im Allgemeinen über eine Erstarkung der patriarchischen Strukturen in der Welt und eine Abwertung der Emanzipation auszeichnet.
Die Dame gibt sich auch sehr kämpferisch. Udo Vetter stört sich dabei an einem bestimmten Absatz, der beklagt, das Strauß-Khan "trotz relativ eindeutiger Beweislage wohl freikommt", und das mit jedem Freispruch die verkrusteten patriarchischen Strukturen und deren Macht bewiesen wird. Erinnert mich ein wenig an Claudia D., die aus dem Kachelmann-Prozess, die jeder vergewaltigten Frau riet, ihren Peiniger nicht anzuklagen, wenn er Macht und Geld hat.
Was Udo Vetter aber vermitteln wollte, ging Frau Lantsch dann nicht in den Sinn, geschweige denn Verstand: Wenn eine Frau Anklage erhebt, vergewaltigt worden zu sein, dann ist das ein sehr schlimmer Umstand, aber noch lange kein Schuldbeweis.
Im Rechtsstaat, in dem wir leben, ist jedermann unschuldig, bis ihm seine Schuld bewiesen wurde.
Dem möchte ich persönlich noch gerne hinzufügen, dass die Medien diese Unschuldsvermutung ad absurdum erklärt haben, sowohl bei Assange, als auch Kachelmann und schließlich Strauß-Kahn. Das macht es aber nicht rechtens.
Das Prinzip ist doch folgendes: Eine Vergewaltigung ist eine äußerst primitive Methode, nicht nur von Männern, um einen Machtbeweis über den oder die Dominierte zu erbringen. Vielleicht geht es auch um Sex, aber da bin ich mir nicht sicher.
Aber ein Mensch ist erst dann ein Täter, ein Vergewaltiger, wenn er der Tat überführt werden konnte. Klar bedeutet das, dass in einem Rechtsstaat dann auch mal jemand freikommt, der eigentlich schuldig war, weil ihm nichts bewiesen werden konnte. Klar ist eine Vergewaltigung ein schreckliches Verbrechen, das einer Ahndung bedarf... Aber sicher nicht der Lynchjustiz oder den Pranger der Medien.
Die Medien suggerieren hier eine allgemeine gesellschaftliche Hilflosigkeit, Misstrauen in den Rechtsstaat, und Frauen wie Nadine Lantsch und Alice Schwarzer sehen in jedem Freispruch verkrustete Männerseilschaften von jenen, die Schuldige schützen.
Aber auch hier gilt: Unser Rechtsstaat funktioniert. Leider nicht perfekt, aber er funktioniert.
Und ebenso gilt: Nicht jeder Angeklagte ist auch schuldig. In den USA haben Untersuchungen ergeben, dass Tausende, die in den Todeszellen gelandet sind und hingerichtet wurden, unschuldig waren; solche Zustände wünsche ich mir für ein zivilisiertes Land wie Deutschland auf keinen Fall.
Vielleicht müssen wir es hinnehmen, dass ein Vergewaltiger wegen unsicherer Beweislage freikommt; vielleicht wohnt ein ehemaliger Straftäter, der wegen Aufhebung der Sicherheitsverwahrung frei gekommen ist, in der Nachbarschaft; vielleicht kennt man einen Politiker aus Berlin persönlich, also "einen von denen, die nur in die eigene Tasche wirtschaften"; und vielleicht stammen die blauen Flecken vom kleinen Marcel, die die Turnlehrerin der 2A entdeckt hat, nicht vom Klettern, sondern von Papas oder Mamas Ledergürtel. Vielleicht.

Wir sind nicht perfekt, und wir leben auch nicht in einer perfekten Gesellschaft. Es passieren Fehler, Nachlässigkeiten und viele andere Dinge, die Menschen nicht passen. Dazu gehört auch, dass ein Mann, den Alice Schwarzer schon als Vergewaltiger vorverurteilt hat, freigesprochen wird (wobei es Freisprüche Zweiter Klasse nicht gibt). Vielleicht findet die New York Times tatsächlich Hinweise darauf, dass die afroamerikanische Frau, die Strauß-Kahn der Vergewaltigung bezichtigt, tatsächlich zum Oralsex angestiftet wurde, um den mächtigen Sarkozy-Gegenkandidaten schnell und nachhaltig zu stürzen.
Das mag uns nicht gefallen, nicht so laufen wie wir es wollen. Aber im Rechtsstaat müssen wir das akzeptieren.
Zweifelsfrei gehört dazu auch, dass Nadine Lantsch ihre Meinung schreiben darf, und sich über "den Chauvi-Staat" aufregen darf, der die Assanges, die Kachelmanns und die Strauß-Kahns nicht durch Kastration bestraft.
Ebenso zweifelsfrei gehört es aber auch dazu, dass sie sich die entsprechenden Antworten anhören muss. Meine zum Beispiel.
Und eine "relativ sichere Beweislage", Frau Lantsch, ist auch nur eine relativ sichere Beweislage, kein Schuldspruch. Bitte regen Sie sich auf, wenn ein verurteilter Vergewaltiger seine Haftstrafe nicht antreten muss, weil Papa das mit Geld und Beziehungen in zweihundert Sozialstunden im Mädchenpensionat gewandelt hat.
DAS wäre Ihren kämpferischen Einsatz wirklich wert. Ansonsten, respektieren Sie bitte den Rechtsstaat.
Und, um das mal klarzustellen: Mit einer rechtskräftigen Verurteilung eines Vergewaltigers habe ich absolut kein Problem. Allerdings auch nicht mit der Strafverfolgung wegen Meineids und Vortäuschung einer Straftat einer Frau, die eine nicht stattgefundene Vergewaltigung aus niederen Beweggründen angezeigt hat.



So, mehr will mir gerade nicht einfallen. Da habe ich mich aber auch für die ganze Woche genug aufgeregt. ^^
Jetzt will ich hoffen, dass Japan Sonntag gewinnt, mein Wagen bald fehlerfrei läuft, und das bei Assange und Strauß-Kahn die Wahrheit ans Licht kommt. Damit sollten wir alle zufrieden sein. Auch radikale Feministinnen.

Samstag, 9. Juli 2011

27.000 Aufrufe

Sehr viel früher als erwartet haben meine Geschichten auf Fanfiktion.de diesmal den nächsten Tausender geknackt. Normal ist ein Rhythmus von vier Wochen. Bis zur sechsundzwanzigtausend hat es sogar etwas länger gedauert.
Diesmal aber hat die Begeisterung meiner Leser das Wunder vollbracht, meine Geschichten in nur sechzehn Tagen eintausendmal aufzurufen.
Ehrlich, ich bin beeindruckt. Jetzt noch hier und da ein paar Reviews, und ein interessierter Blick in Richtung meiner Bücher, die ich als Book on Demand verkaufe, und ich bin glücklich. ^^

Bleibt mir treu, lest mich weiter, und auf die nächsten tausend Aufrufe. ^^b

Donnerstag, 7. Juli 2011

Leitfaden für untergeordnete Besatzungsmitglieder...

Manchmal frage ich mich schon, warum ich einen Blog betreibe, der primär dazu gedacht ist, um mein Hobby, das Schreiben, zu propagieren, und ich ihn dann lediglich nutze, um die Weltpolitik zu kritisieren oder obskure Aufrufserfolge meiner Geschichten zu vermelden. Auf die Idee, eine Geschichte zu posten bin ich bisher noch nicht gekommen. Das wird nun anders werden. Die eine oder andere meiner älteren Kurzgeschichten wird hier seinen Weg hinein finden.
Den Anfang macht meine so ziemlich einzige Star Trek-Fanfiction-Geschichte, die etwas abseits des üblichen Geschehens spielt.
Btw, Star Trek ist ein eingetragenes Warenzeichen von Paramount. Mir gehört weder das Label Star Trek, noch eine der Figuren, die ich erwähne. Lediglich der Ratgeber selbst ist mein geistiges Eigentum.
Nichtsdestotrotz viel Spaß beim Lesen, und vergesst nicht, eifrig die Buttons unter dem Post zu benutzen. ^^b



Leitfaden für untergeordnete Besatzungsmitglieder...


...bei Außenmissionen, Verteidigungssituationen, diplomatischen Verwicklungen und sonstigen Situationen, in denen das eigene Leben akut gefährdet ist.

Gratulation!
Sie sind jetzt stolzes Mitglied der Starfleet. Damit haben Sie Anteil an der friedlichen Erforschung und Nutzung des Raumgebietes, welches allgemein Alpha-Quadrant genannt wird. Der sogenannte Alpha-Quadrant umfasst nicht ganz ein Viertel der Milchstraße und es wird Sie freuen zu erfahren, dass - ähnlich wie auf der prästellaren Erde - noch etliche sogenannte „Weiße Flecken“ auf der Sternenkarte des Alpha-Quadranten existieren. Es gibt also noch eine Menge zu erforschen, ohne in den Gamma-Quadranten auszuweichen, den Beta-Quadranten in Anspruch zu nehmen oder sich sogar mit Hirogen oder Borg im Delta-Quadranten anzulegen.
Eine unglaubliche Fülle an neuen Orten und fremden Völkern, eine ebenso große, wenn nicht größere Zahl an stellaren Wundern wartet nur darauf, entdeckt und erforscht zu werden.

Doch der Haken ist: Das Weltall, besonders der Alpha-Quadrant ist nicht friedlich.
Immer und immer wieder kommt es zu sogenannten Scharmützeln, Gefechtssituationen, militärischen Außenmissionen und – denn darum geht es in diesem Leitfaden – tragischen Todesfällen in der Crew.
Egal, ob Sie als Crewman angeheuert haben oder als Ensign frisch von der Akademie kommen, dies ist nun Ihr Alltag.

Haben Sie einmal den Erzählungen gelauscht, die in den Hafenkneipen die Runde machen?
Haben Sie aufmerksam die Operationsberichte der großen erfolgreichen Entdeckerraumschiffe auf der Akademie studiert?
Haben Sie Veteranen von ihren Missionen berichten hören?
Ist Ihnen dabei mal etwas aufgefallen? Richtig, es sterben Crewleute. Und der Haken bei dieser Geschichte ist, es sind meistens unschuldige Forschungsoffiziere, Crewleute der Sicherheit oder harmlose Fachwissenschaftler.
Crewleute wie SIE!
Nicht der Captain. Sobald der draufgeht, ist meistens das ganze Schiff verloren. Nicht der Erste Offizier, der Chefingenieur, auch nicht der Chef der Sicherheit. Geschweige denn der Bordarzt oder der Chefpilot. Jemand wie SIE!
Die Verlustquote an Captains der Sternenflotte liegt etwa bei drei Prozent, was sich in etwa mit den Totalverlusten an Schiffen abgleicht.
Die Verlustquote an Sicherheitsoffizieren aber liegt bei stolzen dreißig Prozent, die von Forschungsassistenten sogar bei sechsunddreißig.
Eine wenig ermutigende Perspektive.

Was können Sie tun, um nicht unter diese Quote zu fallen, bei einer gefährlichen Außenmission zu sterben, betrauert zu werden (was an sich ganz nett ist), aber eben tot zu sein?
Diese zehn Punkte könnten Ihnen mal das Leben retten:


1) Nennen Sie rechtzeitig Ihren Vornamen.

Untersuchungen der Starfleet Statistik haben ergeben, dass vor allem solche Crewmen sterben, die dem Captain oder dem Chef des Außenteams nur mit Nachnamen und Rang bekannt sind. Wir wissen natürlich alle, dass der Lt. Commander für seine Leute durch die Hölle gehen würde und sie unter Einsatz seines Lebens beschützt. Er gibt während einer Außenmission oder bei einer Enterung hundert Prozent, um alle wieder lebend rauszubringen.
Aber kennt er die Vornamen seiner Begleiter, gibt er statistisch bewiesen hundertzehn Prozent. Landungsgruppen, in denen die Vornamen bekannt sind, haben gegenüber den anderen Außenmissionen eine um siebenundvierzig Prozent niedrigere Verlustrate.
Allerdings steigt in diesen Gruppen die Verletzungsrate um neunzehn auf fast sechzig Prozent.


2) Sollten Sie in ein Gefecht geraten, halten Sie den Kopf unten.

Das ist kein Scherz. Sie werden folgende Situation sehr bald kennen lernen. Auf einer Außenmission treffen Sie auf ein paar Klingonen, die hundert Jahre eingefroren waren. Nun können diese putzigen Hornplattenträger mit den biologisch wertvollen Insektenbiotopbärten nicht wissen, dass die Föderation und das Klingonische Reich – zugegeben, von ein paar Unterbrechungen abgesehen – seit mehreren Jahrzehnten sehr freundschaftliche Beziehungen unterhalten. Zudem hat der Anführer der Mission gerade Gestern (eigentlich vor hundert Jahren, aber das ist dem Klingonen egal) seinen Lehrmeister, Vater oder sein Kuscheltier bei einem Kampf gegen Föderationstruppen verloren. (Vorsicht, wenn es das Kuscheltier war. Da hilft nur die ganze Bande abschlachten, wenn Sie überleben wollen. Ein Klingone und sein Kuscheltier sind unzertrennlich, lautet ein altes Sprichwort.) Es kommt zum Kampf. Die Föderation bevorzugt Energiewaffen, die Klingonen das Battlet, eine Art bumerangförmiges, aber messerscharfes Schwert, mit dem sie zwei Crewmen gleichzeitig töten können, wenn diese so dumm sind, direkt nebeneinander zu stehen. Aber die Zotteltypen sind flexibel und haben auch Phaser.
Nun, Sie kämpfen schon eine Weile, und irgendwann erstirbt das Feuer ab. Ihr Außenkommandochef (der Erste Offizier, der Chef der Sicherheit, oder wenn’s ganz dicke kommt, der Bordarzt) sagt zu Ihnen: Watson, schauen Sie doch mal nach, warum es so ruhig ist.
Und was machen Sie? SIE TUN ES AUCH NOCH! Und schon ist die Rübe durch einen Phasertreffer perforiert. Das Gute daran ist, die Wunde wird von der Energie des Treffers sofort kauterisiert. Das Schlechte daran ist, mit einem halben Gehirn lebt es sich schlecht weiter. Besagter Watson war wesentlich schlauer. Der hat seinen Hintern rausgehalten. Okay, die Klingonen haben ihm zwei Drittel davon weggeschossen, und das hat verdammt wehgetan. Aber der Kopf war noch dran und unverletzt. Der Lt. Commander hat gemerkt, dass die Klingonen noch draußen und auf der Lauer waren und war`s zufrieden.
Und der Hintern konnte vollständig regeneriert werden.

3) Gehen Sie auf einer Außenmission niemals allein.

Ist Ihnen in den Berichten in der Akademie das nicht aufgefallen? Es sterben meistens die Crewleute, die allein irgendeiner Tätigkeit nachgehen. Die zum Beispiel die Ferengis suchen und dann plötzlich am um ihren Hals gewickelten Ende einer Neuropeitsche merken, die Segelohrjungs haben ihn gefunden. Das passiert Ihnen nicht, wenn Sie zu zweit oder zu dritt sind. Nun, was aber, wenn Ihre Truppe nur aus drei Leuten besteht?
Sie sind nur zu dritt? In einem unbekannten Terrain? Und der Außentruppboß jagt Sie alleine in die Wildnis? Wenn Sie eh nur zu dritt sind, was wollen Sie da groß erkunden? Dann lieber den Arsch zusammenkneifen und durch.

4) Seien Sie vorsichtig bei Erstkontakten und haben Sie immer die Hand auf dem Kommunikator, um den eigenen Transporterraum zu rufen.

Sie kennen das doch sicherlich aus den alten Geschichten. Captain Picard trifft mit der ENTERPRISE auf ein fremdes Schiff. Die Universaltranslatoren ermitteln das Sprachidiom der fremden Besatzung, und der Captain sagt: Wir kommen in Frieden.
Juhu, Friede, Freude und Eierkuchen. Wieder ist ein Erstkontakt erfolgreich und friedlich zustande gekommen.
Von wegen. Sie haben zwar den Finger von den Sensoren der Waffenkontrolle genommen, aber die Schwierigkeiten stehen Ihnen noch bevor.
Stellen Sie sich vor, der Captain beamt nun an Bord des neuen besten Freundes und nimmt Sie mit.
Und stellen Sie sich vor – der Kontakt ist ja noch jung - Sie tragen gerade das rote Shirt und die schwarzen Hosen. Und ausgerechnet das ist bei den neuen Freunden eine kulturelle Todsünde! Aber Hey, es ist ein Erstkontakt. Da geht man über so was hinweg.
Dann macht Captain Picard den zweiten Fehler. Die Protokolle der neuen Spezies schreiben nun unmissverständlich vor, dass bei einem Treffen mit einer zweigeschlechtlichen Spezies die ranghöchste Person des Geschlechts X von Schiff eins mit der ranghöchsten Person des Geschlechts Y von Schiff zwei sofort und unmissverständlich schlafen muss. Denn dadurch, so die Protokolle der Fremden, ist ein Frieden zwischen den Spezies schnell und erfolgreich besiegelt. Nun ist Picard, nun, etwas verklemmt, und zwar stehen die meisten anderen Spezies in der Region total auf den Erstkontakt mit dieser Spezies (Manchmal geben sie sich sogar als unbekanntes Volk aus, um mal wieder zu erstkontakten), aber Picard hat da eben seine Prinzipien, und obwohl das ranghöchste weibliche Wesen an Bord recht nach seinem Geschmack ist, schlägt er das Angebot aus, ohne zu wissen, dass es ein kultureller Zwang ist.
Und schließlich und endlich macht er Fehler Nummer drei: Er erfährt nun vom Protokoll der fremden Spezies und stellt es ernsthaft in Frage.
Nun hat er es geschafft, und die neuen Freunde sind rechtschaffend sauer. Es kommt zum Streit, und wie das nun mal bei Beleidigungen und Demütigungen ist, muss jemand sterben.
Aber wer? Captain Picard? Ah, lieber nicht. Nachher stellt sich alles als ganz großes Missverständnis heraus, und dann macht sich ein toter Captain nicht so gut als Grundlage der Beziehungen. Aber wie wäre es dann mit dem Kerl, der diesen modischen Stilbruch begangen hat? Richtig: SIE! Tja, hätten Sie jetzt die Hand bereits am Kommunikator, könnten Sie einen Notfalltransport anordnen und den Tag retten. Die ganze Truppe kommt mit dem Leben davon, der Captain glaubt, Sie hätten auch sein Leben gerettet und schreibt Ihnen eine Belobigung in die Dienstakte.
Aber haben Sie die Hand nicht am Kommunikator, dann sind Sie wenig später tot. Sie sterben blutüberströmt (nur bei Energiewaffen gibt es kein Blut) in den Armen Ihres Captains, es gibt eine sehr dramatische Szene, die zu Herzen geht – ehrlich, ich liebe diese dramatischen Szenen – und vielleicht wird das Herz des neuen Volkes von der Szene so sehr gerührt, dass sie es noch mal mit Picard versuchen. Ach, jeder macht mal Fehler. Und weil Sie es nun waren, der wegen der Mißverständnisse sterben musste, werden Straßen, Botschaften, sogar Kinder nach Ihnen benannt. Nicht schlecht, werden Sie jetzt denken, eigene Straßen kriegen sonst nur die Captains der Starfleet. Die Sache hat nur einen Haken: Sie sind tot.
In diesem Zusammenhang: Verschwenden Sie keine Luft darauf, dem Captain eine Warnung zuzurufen. Erstens kostet das genau DIE Zeit, die Sie gebraucht hätten, um den Transporterraum zu kontaktieren. Und zweitens geraten Sie dann erst recht in die Aufmerksamkeit des plötzlich aggressiv gewordenen Erstkontaktervölkchen.
Mehr als diese drei Worte sind also nicht nur zu viel, sondern LEBENSBEDROHLICH:
X (bitte richtige Summe einsetzen) zum beamen.
Capice?

5) Suchen Sie in brenzligen Situationen die Nähe des Captains oder eines Mitglieds seiner Führungscrew

So sieht es aus: Die Borg entern Ihr Schiff. Sie haben frequenzvariable Phaser und können die Ersatzteilfetischisten nach und nach zurückwerfen. Allerdings sind diese Lackfanatiker lernfähig. Es kommt zum guten alten Mal gewinne ich, mal gewinnst du-Spielchen. Eine Sektion geht verloren, die nächste wird erobert. Und klar gibt es dabei Verluste.
Wenn Sie nicht unter diesen bedauernswerten, aber für die Schiffssicherheit notwendigen Opfern sein wollen, bleiben Sie um Himmels Willen in der Nähe eines Mitgliedes der Führungscrew. Warum, fragen Sie? Ja, Himmel, das ist doch offensichtlich: Diese Männer und Frauen sind doch nicht umsonst in der Führungscrew. Die können was, sind überdurchschnittlich begabt, haben einen sechsten, einen siebten und einen achten Sinn und dazu eine eigene Orterphalanx im Hinterkopf. Zudem hat man den Eindruck, als bevorzuge das Schicksal diese wenigen Männer und Frauen auf eine nicht nachvollziehbare Weise. Vielleicht auch ein Grund, warum sie zur Gruppe um Ihren Captain gehören.

6) Wenn möglich, schließen Sie viele Freundschaften.

Ja, Freundschaften sind wichtig, sogar überlebenswichtig.
Haben Sie nicht auch Angst vor folgender Situation? Bei einer Außenmission geraten Sie an eine Horde schießwütiger Breen. Sie werden leider Gottes von Ihrer Truppe getrennt und geraten in Gefangenschaft. Wenn Sie Glück haben.
Was nun? Da gibt es den diplomatischen Weg, wenn nicht gerade Krieg herrscht. In ein, zwei Jahren hat die Föderation sicherlich einen Weg gefunden, Sie gegen Handelsgüter oder eigene Breen-Gefangene auszutauschen. Aber mal echt, Sie wollen doch keine zwei Jahre in einem Gefängnis der Breen verbringen?
Doch Sie sind ja nur Ensign oder einfacher Crewman. Wird der Captain dann wegen Ihnen eine diplomatische Verwicklung riskieren, wenn er Sie auch ohne Krieg zurückbekommt? Okay, die diplomatische Verwicklung haben die Breen begonnen. Aber es könnte ja sein, dass die Provokation doch versteckt bei der Föderation lag. Hat einer der Crewmen gegrinst und seine Zähne gezeigt, was Neid bei den Breen ausgelöst hat? Diese Frage kann nicht geklärt werden, wenn der Breen-Flieger in tausend Fetzen geschossen wurde. Also wird der Captain ein paar Mal rumverhandeln und dann das weitere Geschehen in die Hände der Diplomaten legen. Und Sie kommen zwei Jahre später zurück – vielleicht. Aber mit einer Erfahrung, um die Sie die Sozialverhaltenswissenschaftler der Föderation beneiden. Allerdings auch nur diese Eierköpfe. Der Rest hat kein Interesse daran zu erfahren, wie ein Breen-Gefängnis von innen aussieht.
Aber mal angenommen, Sie sind für den Abend mit dem Ersten Offizier zu einem gemeinsamen Holoroman auf dem Holodeck verabredet. Meinen Sie, den lässt er einfach ausfallen? Meinen Sie, er wartet zwei Jahre, um an der gleichen Stelle weiterzuspielen? Nein, tut er natürlich nicht. Er setzt alle Hebel in Bewegung, dehnt wo es geht das Protokoll der Föderation und paukt Sie raus – pünktlich zur reservierten Holoraumzeit. Falls der Bordarzt Sie nicht noch dabehält, weil ihn die Folternarben interessieren.

7) Risiken sind gut, solange sie nicht mit Risiken verbunden sind.

Kennen Sie das Sprichwort: Der Vulcanier begab sich in Gefahr und kam darin um!?
Was meinen Sie, warum die Vulcanier zugunsten der Logik ihre Emotionen weggesperrt haben? Was meinen Sie, warum die Vulcanier ein so altes Volk sind?
Sie gehen einfach keine unnötigen Risiken ein.
Aber wie erkennen Sie unnötige Risiken und meiden diese?

Beispiel eins: Der Warpkern droht zu brechen. Der Chefingenieur ist ausgefallen, sein Stellvertreter pennt und niemand fühlt sich zuständig. Eigentlich wie immer.
Es sind noch neunzig Sekunden bis zur Kernexplosion, die das halbe Schiff kastrieren würde. Sie stehen zwanzig Schritt neben der entscheidenden Konsole, mit welcher der Kern abgeworfen wird und das ganze Schiff gerettet werden kann. Und Sie wissen, Sie brauchen für die Abwurfsequenz höchstens siebzehn Sekunden.

Beispiel zwei: Sie sind mit Ihren Freunden auf Landgang. Sie trinken etwas, dann auch etwas mehr, und irgend jemand deutet auf den betrunkenen Klingonen am Tresen neben Ihnen.
Er legt fünf Streifen goldgepresstes Latinum auf den Tisch und ruft: Wer dem Klingonen sein Battlet wegnimmt und mir bringt, kassiert alle fünf.

Na? Für welches Szenario würden Sie sich entscheiden? Natürlich für das erste. Richtig? Wenn nicht, saufen Sie nicht soviel. In Szenario eins ist Ihnen eine Belobigung durch den Captain sicher und Sie retten den Tag. In Szenario zwei erwischen Sie vielleicht das Battlet und kriegen das Latinum. Aber wenn der Klingone wieder nüchtern ist, haben Sie ein echtes Problem. Und je nachdem, aus welchem Kriegerhaus die Hornplatte kommt, zwischen zweihundert und zehntausend neue Probleme dazu.

8) Beteiligen Sie sich unbedingt an den Aktivitäten an Bord.

Diesen Punkt finden Sie witzig? Sollten Sie aber nicht. Denn es kann überlebenswichtig für Sie sein.
Beispiel: Sie beherzigen den Tipp mit den Freundschaften nicht und werden ein zynischer Eigenbrödler. Der Captain, nennen wir ihn Janeway, bekommt das mit. Und da er nun mal ein Starfleet-Captain ist, kann er Sie nicht einfach im eigenen Saft schmoren lassen, so sehr es Ihnen gefällt. Nein, er wird Sie garantiert irgendwann, eventuell mit anderen Eigenbrödlern, auf eine harmlose Außenmission mitnehmen, um Sie menschlich aufzutauen.
Das Problem ist nur: Wenn Sie eine Mission mit dem Gefahrenwert eins beginnen, haben Sie keinerlei Garantie, dass sich der Gefahrenwert NICHT auf die Level zwei, drei oder sogar zehn steigert.
Das heißt, Ruckzuck sitzen Sie in einer lebensgefährlichen Situation. Und lebensgefährliche Situationen haben einen Haken: Sie könnten Ihnen das Leben kosten. Und das alles nur, weil Sie sich an Bord vergraben haben. Tja, hätten Sie ein halbes Dutzend Freundschaften gepflegt und ab und zu im Casino gegessen, statt die Giftbude zu meiden und sich was zu replizieren, dann wäre es nie so weit gekommen.

9) Wenn etwas schief gehen kann, wird es auch schief gehen

Ihr Captain geht ein temporäres Bündnis mit den Borg ein? Er prügelt sich mit einer antiken Gottheit? Oder eine wichtige Geheimoperation erfordert eine verdeckte Landungsoperation mitten im Feindesland? Starfleet gibt neue Notrationen raus? Der Biofilter des Transporters ist defekt?
Rechnen Sie mit dem Schlimmsten. Rechnen Sie damit, dass Ihnen EIN Augenblick der Nachlässigkeit den Tod einbringen kann.
Der Pakt mit den Borg könnte nicht so stabil sein, wie Sie hoffen. Der antike Gott könnte einen Crewman als Warnung an Ihren Captain töten. Man könnte für die verdeckte Operation Sie aussuchen. In der Notration könnte Raccht sein, der sich selbstständig zu einer höheren Lebensform entwickelt hat, nachdem er zwanzig Jahre eingelagert war und zu dem Schluss gekommen sein, alle Humanoiden auszulöschen. Sie werden an Bord gebeamt, und durch den Defekt entgehen Ihnen die kleinen Sprenkel am linken Hosenbein, die sich als ziemlich aggressive Pilzsporen entpuppen. Vor dem Schlafengehen juckt es nur ein wenig am Bein, aber am nächsten Morgen wachen Sie auf und sind tot. Oder in einen intelligenten Pilz integriert. Oder beides.
Also, immer die Augen auf. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Und: Der Letzte macht das Licht aus.

10) Finger weg von der/dem Freund/in des Captains.

Dies ist der mit Sicherheit wichtigste Rat, den dieser Leitfaden vergeben kann. Nicht, dass wir unseren elitären, gebildeten und moralisch hochstehenden Schiffskapitänen unterstellen wollen, unerwünschte Nebenbuhler gezielt durch Außenmissionen auszuschalten.
Aber man kann ja nie wissen.
Lieber auf eine oder zwei Bekanntschaften verzichten, sobald Sie auch nur den Hauch eines Verdachts haben, der Captain könnte ein Auge auf sie/ihn geworfen haben, anstatt mitten ins dichteste Getümmel geschickt zu werden.
Am Besten versuchen Sie, selbst der Freund/ die Freundin des Captains zu werden.
Dann werden Sie sich zwar dreimal täglich anhören müssen: Ich darf dich gegenüber der Crew einfach nicht bevorzugen, versteh das bitte.
Oder: In diesem Punkt muss ich als Captain entscheiden, versteh das bitte.
Auch sehr beliebt: Aber dadurch ändert sich doch nichts zwischen uns, oder?
Nicht sehr ansprechend? Immer noch besser, als jeden anderen potentiellen Sexualpartner auf Kontakte zum Captain zu testen.
Und seien Sie versichert, der Captain hat eine exquisite Bildung, ist diplomatisch, tolerant, meistens auf... gewissen Gebieten sehr erfahren und hat garantiert kaum Zeit, sich einen anderen Partner zu suchen, solange Sie mit ihm zusammen sind.



Dies sind die zehn Tipps, die Starfleet Ihnen mit auf den Weg zu den Sternen gibt. Wenn Sie diese beherzigen, sollten Sie in der Lage sein, wenn, dann bestenfalls verstümmelt heim zu kommen. Bedenken Sie immer: Einen abgetrennten Arm kann man regenerieren. Einen abgetrennten Kopf nicht, solange der Föderationsrat seine Hand über das Cloning hält.
Nun sind Sie in der Lage, erfolgreich an Bord eines Schiffes der Starfleet zu bestehen.

To boldly go, where no man has gone before,
Ihre Starfleet

Dienstag, 5. Juli 2011

Schünebook-Parties für alle

Ich muss mal an dieser Stelle etwas sagen. Über mich selbst. Bevor ich zum Thema komme. Ich bin keiner von diesen topaktuellen Blogger, die in ihrem Blog jemals in ihrer Blogistenz einen echten Mediencoop landen werden. Ich bin auch kein sehr aktueller Blogger. Darüber hinaus ist meine Recherche nicht die Beste, und ich berichte sehr einseitig positiv über die SPD, weil ich dort selbst Mitglied bin. Meistens, jedenfalls. Ich begehe etliche Fehler, das ist mir bewusst. Die Tippfehler sind dabei die harmlosesten. Aber ich neigte früher und mache das vielleicht heute auch noch dazu, durch die Anonymität des Netzes zu harsch zu sein, zu grausam, eventuell beleidigend.
Ich weiß, ich bin ein recht arroganter Kerl, und ich habe kaum eine Rechtfertigung, die das untermauert, außer vielleicht meine zehn Megabyte an Romanen, Sachtexten und Kurzgeschichten. Und, das kommt auch noch hinzu, ich nehme mir aus dem Internetzeitalter nur das, was ich brauche. Bloggen, zum Beispiel. Twittern mache ich nur, um einen neuen Blogeintrag bekannt zu machen. Weltbewegende Nachrichten? Nicht bei mir. Stattdessen meine eigene Meinung. Stattdessen meine Sicht der Dinge.
Zwölftausendmal wurde meine Seite seit seinem Bestehen aufgerufen. Zwölftausendmal - ohne meine eigenen Aufrufe - hatten Menschen Gelegenheit, ihre eigene Meinung über meinen Blog zu bilden.
Wie viele Menschen waren es wohl insgesamt, bei einem Profil, das Aufrufe aus den USA, Brasilien, Japan, China und vielen anderen Staaten verzeichnet? Ich weiß nur eines genau: Je mehr Aufrufe ich einer einzelnen Person verdanke, desto näher ist diese Person darin, mein Stammleser zu sein. Wenn also all die zwölftausend Aufrufe von nur zehn Personen verursacht worden wären, hätte ich zehn begeisterte Stammleser, denen ich wirklich etwas gebe, wenn ich mich mit Gott und der Welt auseinander setze.
Dafür, dass Ihr mich in meiner Unperfektheit akzeptiert, dafür, dass Ihr mich eifrig lest und auch kommentiert, dafür, dass ich all meine vielen Texte letztendlich nicht nur für mich alleine schreibe, dafür danke ich Euch. Euch allen, die mich regelmäßig lesen.


Doch kommen wir zum Thema. Kommen wir zum Titel dieses Blogeintrags.
Er besteht aus drei Begriffen. Einerseits Innenminister Uwe Schünemann, unserem Dorfsheriff für Niedersachsen. Beim perfekten Dinner hat er mir gut gefallen. Ich fand ihn sympathisch. Das gab sich allerdings bald darauf, als er tatsächlich vorschlug, junge Straftäter damit zu bestrafen, das ihnen der Führerschein entzogen wird. Oder sie ihn erst später machen dürfen. Ab da ging es mit meiner Meinung, vor allem zu seiner Professionalität, steil bergab. Heute, mit seinen Aussagen zu Facebook-Parties, hat er einen neuen Tiefstpunkt erreicht. Schlägt er doch Verbote vor, die uns näher an einen Polizeistaat bringen, der wir ohnehin durch die Antiterrorgesetze zu werden drohen.
Facebook ist mit drin. Facebook, die große Datenkrake, wie mein Freund Schreiberling immer gerne sagt. Facebook, das sich in der AGB Rechte auf jedes Bild und jeden Film sichert, die ein Nutzer hochlädt und ein anderer Nutzer sieht. Rechte, die auch Weiterverkauf beinhalten. Facebook, das die bösen Parties macht.
Party ist mit drin. Party, oder im Volksmund auch Feier genannt. Ein geselliges Treffen Gleichgesinnter zu einem bestimmten Thema, das gemeinsam zelebriert wird.

Kommen wir zur Thematik. Sheriff Schünemann hat neulich vorgeschlagen: !"Wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wird, müssen Facebook-Partys im Vorweg verboten werden", sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) der "Welt am Sonntag."!
Grund für diesen Ausspruch ist unter anderem die Party der aus allen Wolken fallenden Thessa in Hamburg, die versehentlich auf Facebook ihre Geburtstagsparty als öffentliches Ereignis markiert hatte - und daraufhin tausende Zusagen erhielt.
Daran im Anschluss berichteten etliche Medien darüber, und provozierten Internet-Nutzer und Zeitungsleser vor allem jüngeren Semesters, auch wirklich hin zu gehen. Medienpräsenz in Form von Zeitungsreportern, Kameras und Radioreportern war garantiert, und alle freuten sich auf das Medienereignis, vor allem die Presse. Nun, bis auf die Nachbarn, und bis auf Tessa selbst. Obwohl, das hat sich auch geändert, denn Bild.de ist ja so nett, ihr Foto zu veröffentlicen und ihr den oben verlinkten Artikel zu widmen. Ganz nach dem Motto und der großen Hoffnung auf künftige Berichterstattung: Findet das Original, also die Thessa-Party, nächstes Jahr einen Nachahmer? BILD wird in jedem Fall rechtzeitig an den Jahrestag erinnern, und auch mit entsprechender Medienpräsenz vor Ort sein, dessen bin ich sicher. Vielleicht ist umziehen also doch eine Option, Thessa. Und natürlich der BILD nicht die Nachsendeadresse zukommen zu lassen.

Herr Schünemann springt hier selbstverständlich auf den "alle hassen die Datenkrake"-Zug auf. Dabei sind solche spontanen Parties, Flashmobs genannt, längst ein gesellschaftliches Phänomen, so wie es in den späten Siebzigern und achtzigern die Happenings waren. Und dabei lässt Sheriff Schünemann auch andere soziale Netzwerke vollkommen außer Acht. Warum sollte er auch meinVZ, MySpace, AOL und wie sie alle heißen,erwähnen oder konsequent ein Verbot für alle Parties fordern, die die öffentliche Sicherheit gefährden könnten und auf solchen Netzwerken gestartet werden? Einerseits, weil das keiner kontrollieren kann. Andererseits, weil nicht Facebook davor steht. Es muss schon jemand mit wichtigem Namen sein, sonst interessiert es keine Medien-Sau.
Aber Herr Schünemann (Sheriff) disqualifiziert sich hier in meinen Augen wieder einmal ein wenig mehr von seiner Rolle als Innenminister. Allein die Polizei hat das Recht, bereits vor einer Straftat vorbeugend eine Festnahme auszusprechen. Er steht der Sheriff zwar vor, aber selbst die Polizei braucht schon handfeste Beweise, um so einen gewagten Schritt zu gehen. Und nur weil es am Rande eines Massenflashmobs mit dreitausend Beteiligten zu ein paar Verhaftungen wegen Sachbeschädigung gekommen ist, sehe ich die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet.
Das einzige, was hier die Öffentlichkeit gefährdet ist ein CDU-Politiker, der wahnwitzige Ideen bei der Bekämpfung des "Verbrechens" hat, und sich immer wieder mit kruden Ideen in den Vordergrund drängt. Facebook-Parties zu verbieten ist ja gut und schön, aber wann ist es ein Facebook-Party? Und was ist mit all den anderen Netzwerken? Ist nur Facebook gefährlich? Welch naiver Gedanke.
Nein, Herr Schünemann, wenn Sie etwas verbieten sollten, dann JEDE Berichterstattung über solche Parties. Denn ohne das übertriebene, übersteigerte, ja, hysterische Interesse von Medien wie BILD und RTL an diesen "Facebook-Parties" hätte es niemals Massenaufläufe, Polizeigroßeinsätze und vor allem auch keine Berichterstattung gegeben, die jungen Leuten erst noch zeigt, wie geil Facebook-Parties sind und was man alles verpasst, wenn man nicht hingeht.
Okay, nicht verbieten, denn das wäre ein Schlag gegen die Pressefreiheit. Aber man kann ja an die Vernunft der Presse appellieren - und bei den Medien, die zu einhundert Prozent gegen jede Vernunft berichten, siehe die Zeitung mit den vier großen Buchstaben, ein frostigeres Verhältnis ankündigen.
Aber Herr Schünemann (Sheriff) hat zwar die Chuzpe, für Straftäter Fahrverbot zu fordern, aber nicht, sich mit dem allmächtigen Boulevard anzulegen.

Mein Fazit: Natürlich kommt Schünemann mit so einem Vorschlag nicht weiter als bis zur Türschwelle seines Ministeriums. Aber der bürgerliche Wählerkreis wird ihn dafür lieben, vor allem wenn er scheitert und man die unvernünftige Haltung der anderen Parteien dafür schelten kann. Denn nichts ist dem Bürgertum suspekter als eine Jugend mit freiem Willen. Dass Schünemann mit seiner Forderung auch noch gegen Grundrechte verstoßen will, wird hierbei geflissentlich übersehen. Aber für den eigenen Star waren gewisse Gruppen ja schon immer bereit, eigene Grundwerte über Bord zu werfen. Wie wir in der Haargel-Affäre gesehen haben.
Tja, nun ist der Sheriff wieder in den Medien, mit einer noch hanebücheren Idee. Und was bleibt uns da noch zu tun? Auf Peter Lustig zu hören, der uns rät: "Einfach abschalten."

Nachtrag am 11.07.2011: Passend zum Thema stößt auch Verbraucherministerin Ilse Aigner ins Horn und will Facebook in die Pflicht nehmen. Es sei Aufgabe des Community-Betreibers, künftige Massenparties zu verhindern. Das wirft drei Fragen bei mir auf.
1) Versteht Ilse Aigner überhaupt irgendetwas von dem, was sie da sagt?
2) Hat sie ihren Facebook-Account nicht aus Protest gelöscht?
3) Meint sie das tatsächlich ernst?
Einmal ganz davon abgesehen, dass man Facebook ebenso wenig für Massenparties, altdeutsch Happenings genannt, verantwortlich machen kann wie Fahrzeughersteller in dem Fall wenn ein Autofahrer seine Tür öffen lässt und der Wagen ausgeraubt wird: Hat die Frau überhaupt verstanden, worum es hier geht? Nicht Facebook hat die Leute dort hinbestellt, nicht Facebook hat dazu aufgerufen, Massenparties aus Flashmobs zu kreieren. Nicht Facebook hat all die Nachahmer provoziert. Das waren einzig und allein die Medien, die nicht nur die Nachricht über die fälschlicherweise öffentlich gestellten Einladungen verbreitet haben, sondern danach auch noch für die mediale Aufmerksamkeit gesorgt haben, welche die Leute überhaupt erst angezogen hat. Es waren die Fernsehkameras und die Berichte, die Radios und die Zeitungsreporter, die aus einer peinlichen Panne eines Facebooknutzers überhaupt erst einen Flashmob gemacht haben. Wenn hier jemand in die Pflicht gehört, ist das nicht die böse Datenkrake, sondern diejenigen, die munter ohne eigenes Recht zu den Parties eingeladen haben: Nämlich die Medien wie ein gewisses Blatt mit vier großen Buchstaben. Frau Aigner, als Sie Facebook mit Löschung Ihres Accounts gedroht haben, wussten Sie da wenigstens mehr über das Internet und speziel Social Network-Seiten als vor der Anmeldung? Ich möchte es bezweifeln.

Montag, 27. Juni 2011

Wenn Kernkompetenzen neu verteilt werden...

Ich kann es nicht oft genug sagen, und ich kann es nicht deutlich genug sagen: Nur weil die CDU/CSU vor der Wirklichkeit eingeknickt ist und die Atomstromlaufzeitverlängerung zurück genommen hat, bedeuet dies nicht, dass die "bürgerliche" Doppel-Partei plötzlich grüner als die Grünen geworden ist. Dies zu behaupten und es womöglich auch noch zu glauben, kann nur eine opportunistische Presse. Nämlich genau die gleiche konservative Presse, die "die Revolution auf dem deutschen Energiemarkt" bei der Laufzeitverlängerung hochgejubelt hat, und jetzt die Kanzlerin dafür feiert, dass sie all die hehren Ziele, die jene Presse bei der Laufzeitverlängerung entdeckt haben wollte, über den Jordan kickt.
Bin ich hier der Einzige, der das so klar sieht?
Ich weiß nicht worüber ich mich mehr aufregen soll: Darüber, dass es niemanden stört, dass ein Teil der Presse heute Hü und morgen Hott sagt, oder darüber, dass die gleiche Presse beinahe schon verzweifelt versucht, grüne Neuwähler der CDU als Wahlvieh in den Schoß zu treiben, indem sie die CDU/CSU als neue Grünenpartei über den -ironischerweise - grünen Klee lobt.

Sicherlich, Frau Muberkel spürt den Verfolgeratem der Grünen im Nacken.
Sicherlich, es ist nicht einmal im Ansatz gelungen, aus der BLÖD-Kampagne gegen Grün-Rot in Baden-Württemberg eine medienübergreifende Kampagne zu machen, die deren Sieg verhindert - oder im Nachhinein ordentlich madig macht, damit sie keinen Spaß dran haben.
Sicherlich, die Grünen haben ein besseres Allzeithoch erreicht als die FDP jemals konnte - und beide Parteien teilen sich ja laut der Presse die Wähler, nämlich Besserverdienende Zweitwagenbesitzer, die ihren dritten Jahresurlaub im europäischen Ausland verbringen und deshalb am Klimawandel schuld sind.
Sicherlich, CDU/CSU laufen die Wähler weg. Die Konservativen, weil die Doppel-Partei ihre Werte verrät (KTG war ja nie als wissenschaftlicher Berater angestellt), die Liberalen, weil weder Schwarz noch Gelb irgend etwas anderes zu bieten hat als Lobby-Politik.

Und was bringt uns das als Fazit? Nackte Panik bei den Regierungsparteien, nackte Panik im schwarzen Doppel. Da steht Japan vor der größten Katastrophe der Geschichte, hat ein Super-Erdbeben hinter sich, eine unglaubliche Tsunami und muss darüber hinaus mit der radioaktiven Verseuchung rund um Fukushima Daiichi kämpfen - ab jetzt noch dreißig Jahre, um die schlimmsten Folgen zu überstehen - Deutschland wird die Unberechenbarkeit und die Gefahr von Atomkraft sehr deutlich vor Augen geführt, und die gleiche Koalition, die noch eine Wunderähnliche, Zukunftsweisende Entscheidung herbeigeredet hatte, als es an die Laufzeitverlängerung ging, sieht die gleiche Wunderähnliche, Zukunftsweisende Entscheidung darin, die eigene Verlängerung, mit der das Rot/Grüne Modell nachhaltig zerstört wurde, wieder zurückzunehmen?
Und dann wagt es die Kanzlerin auch noch, uns dies als Erfolg zu verkaufen, nicht als reine Zweckentscheidung und Notwendigkeit?
Und dann wagt es die Jubelpresse von Schwarz/Gelb tatsächlich, den Grünen eine Krise herbei zu schreiben, die gar nicht existiert?
Kernkompetenz sieht anders aus, meine Damen und Herren von der Presse.
Und wenn ich mal etwas Nachhilfe geben darf: Wenn die Grünen ihr Hauptanliegen, den Ausstieg aus der Atomkraft, erreichen, nachdem sie diese dreißig Jahre gefordert haben, ohne an der Regierung beteiligt zu sein; wenn ausgerechnet die Atomstromlobby-Partei Nummer eins, die CDU/CSU, gezwungen ist, ihre Lobby-Politik aufzugeben, ohne das die Grünen über ihre Stimmen im Bundesrat auch nur Druck ausüben müssen, dann kann nur ein wirklich verzweifelter Schreibsklave noch behaupten, es wäre "eine Revolution" und das "Ende der Kernkompetenz der Grünen".
Anders herum, meine Damen und Herren Schreiberlinge, wird ein Schuh draus. Die ganze Atomlaufzeitverlängerung stand auf mehr als tönernen Füßen. Mit Fukushima bekam der Sockel meterhohe Risse, und der Ausstieg aus dem Wiedereinstieg war die letzte Rettung für Muberkel und Konsorten.
Ich bedaure jeden, der tatsächlich glaubt, dies wäre eine Art Sieg gegenüber den Grünen. Aber ich verstehe jeden, der dies behauptet, um CDU/CSU williges Stimmvieh zuzutreiben.

Donnerstag, 23. Juni 2011

26.000 und Danke. ^^

Ich glaube, ich habe es schon mal erwähnt. Das ich die meisten Geschichten, die ich bisher geschrieben habe nicht exklusiv auf Fanfiktion.de veröffentlicht habe, und das ich in anderen Foren wie Twobt.de oder Battletech.info in einer einzigen Geschichte teilweise mehr Klicks habe als auf allen von mir bei Fanfiktion.de geposteten zusammen. Dennoch schätze ich Fanfiktion.de sehr. Nicht zuletzt deshalb, weil das Publikum weit gestreut ist und ich die unterschiedlichsten Menschen erreichen kann - praktisch wie theoretisch.
Ergo bedeutet es mir eine ganze Menge, wenn ich wieder mal eine Tausender-Marke bei meinen Aufrufen geknackt habe. So ist es heute beim einloggen geschehen; mir sprangen 26.011 Aufrufe entgegen.
Darauf bin ich sehr stolz, und ich bedanke mich herzlich bei allen, die mich auf FF.de lesen und vor allem bei denen, die die Kraft und den Mut finden, mir Kommentare zu schreiben.
Noch mal danke, und lest mich weiterhin.

Wo wir gerade beim Thema schreiben sind, ich habe mich tatsächlich mal an eine Naruto-Fanfiction gewagt.
Was, wird jetzt der eine oder andere fragen, hat der Kaiser zu viel Zeit, oder warum schreibt er nicht einfach eines seiner anderen Projekte zu Ende?
Berechtigt, berechtigt. Aber wer selbst schreibt, der weiß, dass es manchmal bei anderen Projekten ein wenig stockt, und die beste Medizin, um über Schreibblockaden hinweg zu kommen ist dann, etwas zu schreiben, was so richtig leicht von der Hand geht. Bei mir sind das momentan die Konoha Side Stories.
Da habe ich sehr großen Spaß dran, und der wird augenscheinlich noch eine Weile andauern.

Dennoch, ich habe absolut nichts dagegen, wenn man mich bei der einen oder anderen unfertigen Geschichte dazu drängt, weiter zu machen. Ein wenig Druck führt bei mir meist zu überraschenden Ergebnissen. Außerdem bedeutet "drängen" Kommentare, und die motivieren mich immer. ^^

Lest mich weiter und bleibt mir treu.

Dienstag, 21. Juni 2011

Stand by my side... EHEC.

Es ist, wie das Leben manchmal so spielt. Da denkt man, die "Epidemie" mit EHEC wäre von den Medien ausgelutscht und vergessen, und wir könnten uns endlich verdientermaßen den Themen der Saure Gurken-Zeit zuwenden:
- UFO-Nazi-Geschichten mit oder ohne Basis auf der Rückseite des Mondes
- Kätzchen, die in Flaschen groß gezogen werden (ein echter Klassiker)
- skandalöse Busenblitzer promintenter und nicht so prominenter Frauen (geht immer)
- Mann beißt Hund (noch ein Klassiker)
- BILD sprach schon wieder mit den Toten (aber das Gespräch lief sich tot)
- Nessi wurde wieder mal gesichtet

Alles zeitlose Klassiker, auch wenn man über den Informationsgehalt streiten kann.
Aber es scheint, wir sind EHEC noch nicht ganz los.
Denn seit einigen Tagen geistern zwei Meldungen durch die Pressewelt, EHEC betreffend:
- eine einzige Frau, die in einem Partyservice gearbeitet hat, soll Schuld sein an der ganzen Geschichte.
- EHEC, um genauer zu sein der besonders aggressive Erreger, über den so ausführlich berichtet wurde, wurde im Wasser eines Baches nahe eines Klärwerks nachgewiesen. Und werden wir diesen speziellen Erreger jetzt nie wieder los?
...sacken lassen.

Diese beiden Meldungen sind es wirklich wert, das man sie beleuchtet. Meldung Nummer eins, dass eine Frau bei einem Partyservice arbeitete, selbst erkrankt sei und das Essen infizierte, wird m.E. nicht so gehandhabt, wie es sein sollte. Nun bin ich kein Biologe, und erst Recht kein Seuchenforscher. Aber bisher ging ich davon aus, dass das EHEC-Bakterium, oder meinetwegen, Ihr Sensationsmedien, auch der furchtbare Killerkeim, der leider keine Tausende umgebracht hat, nur ein paar Dutzend, sich durch Schmierinfektion überträgt.
Auf unseren Fall umgelegt heißt das, dass die Frau nicht nur selbst erkrankt war, sondern dass sie sich schlicht und einfach nach einem Toilettengang NICHT DIE HÄNDE GEWASCHEN HAT. So funktioniert Schmierinfektion nämlich. Und es geht auch nicht darum, dass sie sich nicht gründlich genug die Hände gewaschen hat, oder keine Seife nahm. Es geht darum, dass genügend Bakterien von ihren Händen in die Nahrung gelangten, und anschließend von Partygästen konsumiert wurden, sich in deren Därmen ansiedelten und bei rund zwanzig von ihnen Erkrankungen bis zum HUS auslösten.
Korrigiert mich wenn ich hier irre, aber für mich sieht das in allererster Linie nach mangelnder Hygiene aus.
Es ist KEINESFALLS so, dass mit EHEC infizierte Menschen nur in die Nähe von Nahrungsmitteln kommen müssen, um diese zu kontaminieren. Oder durch eine Menschengruppe gehen, um diese alle anzustecken. Sie brauchen kontaminierte Hände, sie brauchen Kontakt zum Überträgermedium. Und sie brauchen Leute, die das Überträgermedium in ihre Verdauung einbringen. Das sind Hände am Mund, das sind infizierte Häppchen im Magen. So funktioniert Schmierinfektion.
Aber so, wie die Medien darüber berichten wirkt es ein wenig so, als müsste ein EHEC-Träger nur neben einer Salatgurke stehen, um sie zum Überträgermedium zu machen. Das ist sachlich vollkommen falsch. ...Aber ich lasse mich da fachlich gerne eines Besseren belehren.

Noch ein Punkt in diesem Zusammenhang, der mir zu denken gibt: Die Recherche ist NICHT ausführlich genug. Die Frau als Ausgangspunkt zu bezeichnen ist einseitig. Denn beim aktuellen, ansteckenden und pathogenen Erreger handelt es sich um einen Hybriden, d.h., ein Bakterium mit neuem Erbcode, das entstand, als zwei EHEC-Bakterien Teile ihrer Erbinformationen ausgetauscht haben. Das passiert vor allem dann, wenn sich zwei Bakterien in einem entsprechendem Environment befinden, also guten Umweltbedingungen. In unserem Fall tippe ich mal stark auf einen Darm. Kuhdarm, Schweinedarm, Menschendarm, ich denke das ist unserem Bakterium reichlich egal.
Um die Frau also wirklich als Ausgangspunkt eindeutig zu identifizieren, quasi als Patient Null, müssen in ihrem Darm mindestens zwei weitere Stämme von EHEC nachgewiesen werden, die große Teile ihrer Charakteristika mit dem aggressiven Erreger teilen. Sprich, aus diesen beiden Bakterien muss einhundert Prozent des Erbgut des pathogenen Bakteriums stammen. Nicht fifty fifty, aber so und nicht anders läuft die Geschichte.
Das wäre mindestens eine Meldung wert gewesen, ebenso wie die Vermutung der mangelnden Hygiene. Aber das wären ja Fakten, und Fakten sind in der deutschen Medienlandschaft wohl schwerer zu verkaufen als Tote. Ist das nicht traurig?
Nein, Herrschaften, ich bin nicht sicher, dass Patient Null tatsächlich schon gefunden ist. Hier haben wir bestenfalls Überträger Eins. Wenn überhaupt.
Ich persönlich vermute, dass wir hier die Ursache für einen starken lokalen Ausbruch haben, aber nicht den Anfang der Ereigniskette. Doch wie gesagt: Ich vermute.


Fall Nummer zwei: EHEC im Bach.
Um es kurz zu machen: Klar. Passiert. Leute, die mit dem pathogenen EHEC-Stamm infiziert sind, gehen auf Toilette, bzw. das was sie produzieren gelangt in die Kanalisation. Von dort geht's zum Klärwerk, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Bakterien soweit überleben, dass sie tatsächlich später mit dem gereinigten Wasser in die Umwelt gelangen.
Aber auch hier gilt wieder: Schmierinfektion. Gut, gut, es ist jetzt nicht so, dass das Wasser sich nicht die Hände gewaschen haben muss, um einen Menschen oder ein Tier anzustecken. Das wäre banaler Blödsinn von mir. Aber um z.B. ein Säugetier zu infizieren, das dieses Wasser trinkt, muss das Bakterium in angemessener Zahl aufgenommen werden. Wasser ist kein Darm, vor allem kein Darm, in dem sich das bakterium geschützt ausbreiten kann und sich selbst in Massen reproduziert. Was den Kot zu einer höchst infektiösen Sache macht. Ich kriege bei dieser Meldung also erst Angst, wenn ein Labor feststellt, dass das Gewässer gesperrt gehört, und Menschen sich ihm nicht näher als zehn Meter nähern dürfen, bis es auf einen größeren Fluss trifft und sich entsprechend verdünnt hat. Die Warnung an Kleingärtner, das Wasser nicht zum Wässern für ihre Pflanzungen zu verwenden, beunruhigt mich nicht besonders. Was hätten sie auch sonst sagen sollen?
Mag also sein, dass der pathogene EHEC-Stamm O104:H4 uns noch eine Zeitlang begleitet, vielleicht sogar für immer und ewig. Aber ein wenig angemessene Hygiene sollte dem Bakterium ein ausreichendes Schnippchen schlagen.


Mein Fazit: Welt.de zeigt eine tolle Karte mit bundesweiten Infektionen und durch HUS ausgelöste Todesfälle in einem Artikel zu EHEC.
Epidemie sieht anders aus. Es bleibt also meinen Lesern überlassen, was sie denken möchten: Haben die schnellen und hysterischen Warnungen vor Gurken, Tomate und Sprossen uns vor Schlimmeren bewahrt, auch wenn sie letztendlich unsinnig waren; oder war die ganze Sache für uns letztendlich gar nicht so schlimm? Abgesehen von jenen, die gestorben sind, natürlich.
Ich für meinen Teil bevorzuge es, nicht hysterisch zu werden.

Samstag, 18. Juni 2011

So nicht, Claudia D.

Tja, es ist passiert. Das erste Mal poste ich zwei Blog-Einträge am gleichen Tag.
Denn seit einigen Tagen kaue ich auf einem besonderen Aspekt des Falls Kachelmann und dem Interview des vermeintlichen Vergewaltigungsopfers Claudia D. herum. Die hatte der Zeitschrift BUNTE ein Interview gegeben, von dem ich vom österreichischen Nachrichtendienst nachrichten.at (also über Umwege) zitieren will:
>>Ihr Fazit nach dem mehrmonatigen Prozess: „Ich schäme mich dafür, das zu sagen: Ja, ich würde jeder Frau abraten, ihren Peiniger anzuzeigen, wenn dieser reich ist (...)“. Die 38-Jährige weiter: „Solange wir in einem Täterstaat leben, ist es besser, als Frau den Mund zu halten.“<< ...sacken lassen. Meine ganz ehrliche Meinung zu diesem Thema: Hat die Frau sie noch alle? Lassen wir außen vor, was sich tatsächlich abgespielt hat, ob sie eine rachsüchtige verletzte Meineiderin ist, oder Kachelmann ein perverser Trieb- und Straftäter. Konzentrieren wir uns nur auf diesen einen Punkt, diese beiden Sätze. Und wieder: Hat die Frau sie noch alle? ...sacken lassen. Gut, Claudia D. hat vor Gericht NICHT Recht bekommen. Gut, Kachelmann wurde für die vermeintliche Tat nicht bestraft, weil sie ihm nicht nachgewiesen werden konnte. Gut, egal ob sie Opfer oder Täterin ist, ihre Enttäuschung muss groß sein. Alles zu verstehen, und in einem gewissen Maße auch zu tolerieren. Aber diese Aussage, diese Worte, die treffen Millionen Frauen in Deutschland, und Milliarden weltweit in ihrem Stolz, in ihrem Selbstbewusstsein. Wie kann sie, aus ihrem Fall heraus, aus ihrer Enttäuschung heraus, anderen Frauen so etwas raten? Wie kann sie Frauen suggerieren, auf immer hilflose Spielbälle von männlicher Macht zu sein, wie kann sie ihnen raten, kampflos unterzugehen? Liebe Claudia D., ich habe für diese Ihre Worte absolut kein Verständnis, und als Mann finde ich diese Worte äußerst verachtenswert. Gerade wenn Sie als Nebenklägerin zu Unrecht den Prozess verloren haben, sollten gerade Sie so einen unglaublichen Unsinn niemals sagen. Ich frage mich, was die BILD-Kolumnistin Alice Schwarzer dazu gesagt hat, die Sie von Anfang an verteidigt hat, nachdem Sie die Frauen an sich derart getreten haben. Ich verbleibe mit Unverständnis für Ihre Worte. Nachtrag: Frau Schwarzer schreibt nichts darüber, und das ist für eine Frauenrechtlerin doch ein schwaches Bild.

Nachtrag 2: Hat nichts mit dem Thema zu tun, aber die Formatierung hat die Absätze im Text gefressen. Ich bitte alle meine Leser um Entschuldigung für die schlechte Lesbarkeit dieses Blogeintrags.

Nachtrag 3 am 14.07.2011: Andreas Zielke von der Süddeutschen Zeitung hat einen erstklassigen, stimmigen und erklärungsreichen Artikel zum Thema Vergewaltigung und der Entrüstung der Feministinnen bei jedem Freispruch verfasst.
Er legt dar, was in dieser Debatte falsch läuft.

Schon wieder eintausend...

Erneut kann ich Erfreuliches von der Schreibfront berichten:
Die Fanfiction Crimson Skies: Next Order, die ich zusammen mit meinem Autorenfreund Tyr Svenson geschrieben habe, hat heute die Eintausender-Schallgrenze durchbrochen, was mich persönlich sehr freut. Crimson Skies ist ein Alternativ-Universum, das nach dem Ersten Weltkrieg spielt und eine etwas veränderte Weltordnung zeigt, in der Luftschiffe das Transportmittel sind, und in der die in sich zerschlagene USA, ihre Diadochen, im ständigen Streit liegen.
In diesem Universum gehen mein Hauptcharakter, Dave Stone, und Tyrs Hauptcharakter, Ernst Stahl, auf die Jagd...
Auf Battletech.info, wo die Geschichte seit der Einführungsgeschichte zu lesen ist, hat sie schon 22.558 Aufrufe, was erheblich mehr ist, dennoch freuen mich die eintausend Aufrufe auf Fanfiktion.de besonders.
Ich überbringe Tyr dann mal die gute Nachricht. :D
Lest mich weiter und bleibt mir treu. ^^b

Mittwoch, 15. Juni 2011

Haut se, haut se, haut se auf die Sch*****

Tja, nun ist es also raus. Genauer gesagt sind zwei Dinge letztendlich offensichtlich geworden.
Nummer eins: Hochrangige Politiker benutzen Jura, um "billig" an einen Doktortitel zu kommen, und manche sind dabei so faul, dass sie dafür auch noch schreiben lassen... Und wenn sie für den Ghostwriter zu wenig bezahlen, schreibt der eben so viel wie möglich ab. Nach KTG, möge er für immer in seiner Versenkung bleiben und dort ein ruhiges Familienleben führen, hat Heidelberg nun auch Silvana Koch-Mehrin den Doktortitel entzogen, wie unter anderem die nicht so adäquate Gmx.de-Redaktion zu berichten weiß.
Nummer zwei: In allen Foren, Blogs und Kommentarseiten Deutschlands sind bezahlte Trolle unterwegs, die an der allgemeinen Stimmung und der Meinung der Foristen, Blogleser und Kommentatoren sägen sollen. Bisher hielt ich diese Berufsgruppe auf einen bestimmten politischen Bereich begrenzt. Besonders gut kann man die Troll-Kriege sehen, wenn sich die bezahlten Krieger beider Parteien auf einer neutralen Seite wie Tagesschau.de treffen. Mir fiel es auf, wenn es um Israel ging. Trolle beider Seiten, eventuel Aktivisten, beharkten sich mit vorgefertigten Meinungen, Tiraden und dergleichen. Ähnlich sieht es beim Thema Atomkraft aus, wenn wieder mal die User den "Blackout", den "teuren Ökostrom und die Schäden für die Wirtschaft" herbei reden. Da sehe ich die bezahlten Trolle aber eher nur auf einer Seite. Ratet mal, welche.
Auch im Fall KTG, nämlich genau nach den ersten Vorwürfen, seine Doktorarbeit sei in großen Teilen abgeschrieben, und ein erkennbares eigenes wissenschaftliches Arbeiten sei nicht erkennbar, fand ich die Trolle. Auch einseitige Trolle, die mit ihren Argumenten "niemand in Deutschland hätte ja wohl in der Schule nicht abgeschrieben, und fürs regieren braucht er den Doktor doch gar nicht, und überhaupt sind die linken Hetzmedien Schuld, weil sie es gewagt haben, so was aufzudecken" Stimmung für KTG machen wollten.
...sacken lassen.

Es gibt einen besonderen Grund, warum ich auf diesen Gmx.de-Artikel verlinkt habe. In den Kommentaren fiel mir nämlich "die Userin" (sicher sein kann man sich da ja nicht) Natalie29 auf, die als so ziemlich einzige Frau Koch-Mehrin verteidigte - nach dem gleichen Schema, mit dem auch KTG's grobe Verfehlung verteidigt wurde. Uneinsichtig bis Seite siebenundzwanzig, so weit habe ich mitgelesen, versucht sie eine Rechtfertigung für Frau Koch-Mehrin herbei zu rufen. Ich wage gar nicht an zwei Dinge zu denken, die möglich sind, nämlich erstens, dass Natalie29 tatsächlich selbst Akademikerin ist, und diesen Diebstahl gutheißt, und zweitens, dass sie den Mist wirklich glaubt, den sie da geschrieben hat.
...sacken lassen.

Damit will ich das Thema Natalie29 auch schon bewenden lassen. Jeder hat ein Recht, sich so zu äußern wie immer er will, und sei es als Lobby-Troll, meinetwegen auch unbezahlt und freiwillig.
Es gibt dabei aber auch einen Punkt, der mir noch mehr zu denken gibt als jemand, der eine Doktorarbeit gutheißen kann, die nachweislich keine eigenen Forschungsergebnisse enthält. Nämlich die endlose Zahl an Kommentatoren, die sofort und ohne zu zögern pauschalisiert ALLE POLITIKER ÜBER EINEN KAMM SCHERTEN! Und pauschal alle Politiker, nicht nur in Berlin, als korrupte, in die eigenen Taschen wirtschaftende und schmarotzende Volksschädlinge hinstellten.
Okay, kann sein, dass ich ein Gutmensch bin. Kann sein, dass ich die Welt zu positiv sehe, positiver als sie wirklich ist. Kann sein, dass ich das, was ich hier schreibe, mindestens ebenso sehr glauben will wie Natalie29 ihre Verteidigungsargumente. Aber genau wie diese Kommentatorin habe ich das Recht, meine Gedanken auszusprechen. Auch, oder gerade in meinem eigenen Blog.
...sacken lassen.


Mein Fazit: Meine lieben deutschen Mitbürger, wir leben in Zeiten der Politikverdrossenheit. Zeiten, in denen der Beruf des Politikers, der nicht erlernt werden kann, nur ausgeführt, einen sehr schlechten Ruf hat. Wir leben in Zeiten, in denen auf Stammtischen gegen "die korrupte Bande" polemisiert wird. Wir leben in Zeiten, in denen jeder Politiker für einige Menschen ein potentieller Verbrecher ist.
SAGT MAL, GEHT'S NOCH?
Liebe deutsche Mitbürger, wir haben immer mal wieder einige Fälle aufgedeckter Korruption oder erschlichener und anschließend aberkannter Doktortitel. Und sicherlich, sogar sehr wahrscheinlich, werden wir in Zukunft weitere Korruptionsfälle und falsche Doktoren in der Politik erleben. Und ja, man mag mich für meine nächsten Worte als naiv bezeichnen.
Aber ich glaube, hoffe, dass die Tatsache, dass die Zahlen dieser korrupten Politiker überschaubar bleibt, weniger etwas mit "totschweigen" oder "Macht" zu tun hat, dafür aber mehr damit, dass diese Politiker tatsächlich mit Ernst, Stolz und Hingabe ihre Aufgaben versehen, nämlich uns und unsere Interessen zu vertreten.
Denkt da mal drüber nach, meine lieben deutschen Mitbürger.
Und wenn Ihr schon mal dabei seid, sucht doch bitte das Gespräch mit Eurem Mitglied des Bundestages oder Eurem Mitglied des Landtages, und informiert Euch über die Leute, auf die so viele Eurer Mitmenschen so haltlos schimpfen.

Euer Ace Kaiser

Dienstag, 14. Juni 2011

Faktensicherheit in Zeiten wie diesen

Wen meine Überschrift verwundert - was Besseres ist mir nicht eingefallen.
Es ist nicht lange her, da habe ich über eine Frau ein Loblied gelesen. Sie bekam gerade eine bedeutende Medaille von Barry Obama, und wurde von Amerikanern hofiert, auf Deutsch, die zwar eine sehr gute Aussprache, aber eine miese Grammatik hatten. Nennen wir diese Frau doch einfach Muberkel.
Wie ich schon schrieb wurde sie hofiert, und zwar als Fels in der Brandung, als Konstante in unruhigem Gewässer - meinetwegen auch als beste Kanzlerin aller Zeiten.
Nun gut, der Teil ist schon mal nicht gelogen, da sie unsere bisher einzige Kanzlerin ist. So gesehen ist sie auch die schlechteste Kanzlerin aller Zeiten, und da kommen wir der Realität und dem Thema meines Blogs doch mal näher.

Ich gebe zu, es ist nicht leicht zu regieren, wenn der Rückhalt im Bundesrat mehr und mehr zusammen schrumpft, wenn wichtige schwarze Länder wie Baden-Württemberg ausbrechen, wenn sogar die CSU in ihrem eigenen Land die Mehrheit verliert - weil immer mehr Wähler "unanständig" wählen, und die Hetzkampagne gegen Frauen mit unterarmlangen, sexy Handschuhen in Schwarz nicht mehr so gut funktionieren...
Und es ist auch nicht leicht zu regieren, wenn der eigene Koalitionspartner plötzlich zum Halali aufruft und mitten in der Legislaturperiode die Führung fast komplett auswechselt, sogar den Vize-Kanzlerposten neu besetzt und damit den alten Vize.Kanzler vollkommen bloß stellt. Aber immerhin darf er jetzt noch auf seinem Außenministerposten sein Gnadenbrot fressen. Aber hoffentlich hat er jetzt einen englischen Dolmetscher dabei, denn wir erinnern uns: Englische Fragen hört er gar nicht gerne, vor allem nicht in Deutschland. Und im Ausland spricht er auch gerne mal, wenn ihm die Worte ausgehen, auf Deutsch weiter.
Ja, Muberkel hat es wirklich nicht leicht. Da kommt sie an die Macht, kann ohne die belehrende SPD regieren, ihr (durchaus zu Recht) die "Schuld" am sozial ungerechten Hartz IV komplett aufbürden (wo sie auch liegt, und das sage ich als Sozialdemokrat), und dann beginnen die vielen Fehlerchen.

1) Die FDP drückt ihr Steuergeschenk für Hoteliers durch und verspricht im Gegenzug billigere Hotelzimmer, was für den Urlaubsstandort Deutschland ein großer Schritt wäre. Der Bund verzichtet auf mehrstellige Millionen an Steuer-Euros, aber die erwartete Senkung der Zimmerpreise bleibt aus. Die Differenz streichen die Hoteliers trotzdem ein, aber die FDP hat nicht die Eier, um nach der gebrochenen Vereinbarung zu handeln.

2) Opel steht vor der Katastrophe, oder der großen Chance, vom Mutterkonzern GM losgekauft zu werden. Investoren stehen bereit, darunter eine russische Autofirma, die Opel für die Expansion auf dem heimischen Markt sehr gut gebrauchen könnte. Oder ein kanadischer Teilelieferant, der Know how von der anderen Seite mitbringt, nicht vom Verkauf, aber vom technischen Aspekt. Der damalige Wirtschaftsminister, nennen wir ihn Gutti, fand das aber alles gar nicht gut, und entschied sich dafür, dass Opel in GM-Verbund bleiben sollte. Ich bin mir nicht sicher, ob die anderen Varianten praktikabel gewesen wären, schließe es aber nicht aus. Aber wie fährt Opel jetzt mit Guttis Lösung? GM klagt sein Subunternehmen an, nicht genügend für die Betriebsgesundheit getan zu haben und denkt über einen Verkauf nach - nachdem EU-Hilfen geflossen sind. Eventuell kam dabei das eine oder andere Subbventionsmilliönchen auch in Detroit an, man weiß es nicht. Und die, die es wissen, werden einen Teufel tun und das laut aussprechen.

3)Kaum an der Macht, wird nicht nur der Atomausstieg gekappt, der vertraglich bis 2022 in trockenen Tüchern war, sondern der Wiedereinstieg in den Ausstieg mit möglichst hohen Hürden versehen; gravierende Konventionalstrafen werden in die Verträge geschrieben, um eine eventuelle Rot/Grüne Regierung nachträglich wie Idioten, wie Geldvernichter aussehen zu lassen. Muberkel spricht in dem Zusammenhang von "einer Revolution der Energieversorgung für Deutschland". Führende große Stadtwerke, die Milliarden in dezentralen Kraftwerken investieren wollten, sprechen davon das sie nun keine Arbeitsplätze im Bereich regenerative Energien schaffen werden. Was folgt, sind Massenproteste gegen Atomkraft, Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht, Hickhack darum ob der Bundesrat mitentscheiden darf oder nicht...
Wir erinnern uns alle, als Rot/Grün damals den Ausstieg in trockene Tücher gebracht hatte, hatte der Bundesrat auf sein Recht verzichtet, den Ausstieg durch das Gremium laufen zu lassen. Daraus aber einen Anspruch zu erheben, den Bundesrat bei der erneuten Verlängerung auszuschließen, war durchaus eine Verfassungsklage wert. Muberkel und Co. standen die ganze Zeit unter erheblichem Beschuss und mussten - trotz der empfindlichen Konventionalstrafen, die ihre versteckte Subvention bedeutete - damit rechnen, dass sie mit der Laufzeitverlängerung, mit ihrer Revolution der deutschen Energieversorgung, nicht durch kommen würden.
Dann geschah Fukushima, und die CDU hatte DIE Ausrede, warum sie den Ausstieg aus dem Ausstieg wieder zurücknahm. Natürlich NICHT konsequent, indem sie einfach wieder auf die Rot/Grünen Pläne zurückgriff, sondern vorsichtig, langsam, erst mal ein Moratorium, dazu ein paar der älteren Meiler opfern. Dann noch ein wenig Hetze in Richtung der Energieabhängigkeit von Gas aus Russland, denen wir uns ja nicht ausliefern sollen - immerhin hat der Schröder da ja seine Hand im Spiel, und Gas ist eine endliche Ressource. Uran aber leider auch. o_O
Dann wurde immer klarer, dass es mit dem Moratorium nicht getan war, und eine opportunistische Angela Muberkel entschied sich dazu, noch ein paar Bauern auf dem Brett zu opfern, und einen eigenen Ausstieg zu konstruieren - frisch kopiert von den Hausarbeiten von Rot/Grün - und als eigenen Ausstieg zu bezeichnen. Ja, jetzt wird die CDU also auch noch grüner als die Grünen, könnte man behaupten. Könnte man. Wenn man als Blinder versuchen würde, den Sehtest zu machen.
Denn diese Regierung ist in der Lage, den Ausstieg nach dem Wiedereinstieg aus dem Ausstieg erneut zu verlassen und wieder neu einzusteigen... Kompliziert? Genauso wie die ganze Regierungsarbeit. Viel heiße Luft und wenige Ergebnisse. Der "Meiler auf Standby für Energiebedarfreiche Wintermonate" macht jedenfalls physikalisch keinen Sinn, und das weiß Muberkel auch. Aber sie hofft wie immer, dass die Deutschen es nicht wissen... Und hat damit auch Recht. Ein Atomkraftwerk ist kein Kohle-Ofen, der Leistung danach liefert, wie viel Kohlen in ihm glühen, wie die Abzugswerte sind und wie viel Sauerstoff er kriegt. Ein Atomkraftwerk läuft, oder läuft nicht. Und es mal eben anfahren und in Höchstbelastungszeiten laufen zu lassen funktioniert einfach nicht.

4) Gesundheitsreformen, Ende der Wehrpflicht, deutsche Soldaten statt deutsche Polizisten in Afghanistan, schleichend erhöhte Beteiligung Deutschlands am NATO-Einsatz gegen Libyens Gaddafi-Regime, nachdem Westerwelle so laut "Nein" gesagt hatte...
Ich muß zugeben, ich sehe mich selbst, auch ohne studiert zu haben, als Wissenschaftler an. Wissenschaftler sind merkwürdige Wesen. Sie können eine Meinung haben, von der sie felsenfest überzeugt sind. Dann kriegen sie neue Fakten, die ihr Weltbild auf den Kopf stellen, und orientieren sich nach der neuen Wahrheit, vertreten eine vollkommen andere Meinung, statt stur auf der alten zu beharren. Was ihr Weltbild vereinfacht hätte. Aber es hätte die neuen Fakten nicht berücksichtigt.
Auch ich ändere meine Meinung, wenn ich neue Informationen kriege. Ich schreie nicht auf Teufel komm raus die alten in die Welt, nur weil sie gut klingen.
Nun könnte man Muberkel unterstellen, als promovierte Physikerin auch wissenschaftlich zu handeln und ihre Regierungsarbeit an den neuen Fakten zu orientieren. Man könnte es so sehen. Aber ich tue das nicht.
- Ich sehe einfach nicht ein, warum Phil Rösler den Medikamentenerzeugern ihre Markbeherrschung nicht entzogen hat.
- Ich verstehe nicht, warum die deutsche Wehrpflicht aufgegeben wurde, auch wenn sie mittlerweile wegen der stark verkleinerten Armee ungerecht war. Stattdessen opfert man auch noch nebenbei den Zivildienst, und hofft mit Werbung ein soziales Jahr schmackhaft zu machen - und mit Werbung genügend Rekruten für eine Berufsarmee zu bekommen. Ein Gutes hat es natürlich: Wenn das soziale Jahr scheitert, müssen zwangsläufig im medizinischen Bereich tausende neue Jobs entstehen.
- Ich verstehe nicht, warum es nach zehn Jahren in Afghanistan noch keine Armee gibt, die diesen Namen verdient, und stattdessen Deutsche gezielt in Krisenregionen geschickt werden, in denen sie garantiert Feindkontakt haben werden. Der Wiederaufbau des Landes sollte eine Sache der Polizei und der Wirtschaftsfachleute sein, aber doch nicht der Soldaten, die dank der Bush-Politik im Land eher als Besetzer gesehen werden, aber nicht als Hilfe.
- Ich verstehe nicht, warum Deutschland sich nicht am NATO-Einsatz in Libyen beteiligt (was ich generell gut finde), ABER jetzt plötzlich doch irgendwie dabei ist und mit Bodentruppen intervenieren will, und mit Schiffen bereits interveniert. Sind wir jetzt doch mit drin im Libyen-Einsatz, oder was? Allerdings, auf eine konkrete Aussage können wir lange warten. Aber das Nationale Übergangskomitee schon mal als Vertretung aller Libyer anerkennen, das kriegen wir hin. Jeder mit ein wenig Ahnung, der jemals etwas von der Stammesstruktur in Libyen gehört hat, wird wissen, dass weder Gaddafi, noch das Nationale Übergangskomitee für alle Libyer sprechen kann. Das wäre die Aufgabe einer wirklich demokratisch gewählten Regierung. Und ich weiß nicht, ob diese Bürde in dieser Situation das Richtige für das Komitee ist. Was, wenn sich einige der Stämme entschließen, in ihnen nach der Austreibung des Teufels Gaddafi den Beelzebub zu sehen? Anstatt es so mir nichts, dir nichts zum Vertreter aller Libyer zu ernennen, hätte man dem Komitee Gelegenheit geben müssen, diesen Anspruch durch Vertreter aller Stämme zu legitimieren. So kann ruckzuck die Legende gestrickt werden, das auf die interne Diktatur Gaddafis eine Marionettendiktatur aus dem Ausland folgen wird.


Mein Fazit: Muberkels ruhige Hand bemerkt man in dieser ganzen Regiererei vor allem durch eines - sie fehlt vollkommen. Bis auf die Verkündung des Wieder-Atomausstiegs vermisse ich konkrete Aussagen der Kanzlerin, vermisse ich ihre Führung, ihre Richtungsangabe. Stattdessen wird ein wenig herumregiert, wie es ungefähr dem Gefühl der Massen entsprechen könnte, die Wiederwahl im Auge.
Würde ich es besser machen? Anders, auf jeden Fall. Deutschland regieren ist keine leichte Aufgabe, das ist mir klar. Aber der Tag, an dem das Gesundheitsministerium als Ressort verschrien war, das seinen Minister "verbrennen" würde, weil die Gesundheitsreform durch den Widerstand der Lobby nicht zu schaffen sei, war für mich der eindeutige Beweis, dass unsere Kanzlerin nicht weiß, was ein Machtwort ist, wozu die Regierung da ist, und wie man Dinge in Angriff nimmt, die getan werden müssen. Und das ist nur eine der Baustellen, die sich auftun, und die Muberkel nicht in Angriff nimmt.

Mir tun zwei Dinge leid:
1) Die nachfolgende Regierung, die hinter Muberkel und Phil aufräumen muss.
2) Deutschland, wenn das Comedy-Duo Schwarz/Gelb tatsächlich auch die nächste Wahl gewinnt.

Samstag, 11. Juni 2011

Wie man mit Eschericha Coli umgehen sollte...

Eschericha Coli, auch E.coli genannt, ist die wisenschaftliche Beschreibung für eine bestimmte Form von Bakterium, die dafür bekannt sind, Verdauungsschwierigkeiten auszulösen. Dabei sind die einzelnen Unterstämme unterschiedlich darmpathogen, d. h. einige verursachen schlimmere Symptome als andere.
Zur Gruppe der E.coli-Bakterien gehört auch der sogenannte EHEC-Stamm, dessen aktueller, aggressiver Erreger bei manchen Menschen blutigen Durchfall als Sympton erzeugt, einhergehend mit weiteren, teils schweren Beschwerden, die bis zum Tod führen können.
Wir haben es hier also mit einem recht aggressiven Vertreter eines Bakterienstamms zu tun, den unsere Forschung recht gut kennt.
...sacken lassen.

Dennoch sind EHEC und HUS die neuen apokalyptischen Reiter, wie mir die Zeitung weis machen will. Das Verderbnis, so suggerieren sie, kann jeden jederzeit treffen, und jeder kann daran sterben.
...sacken lassen.

Vollkommen richtig. Es kann jederzeit jeden treffen, und jeder kann an EHEC und dem dadurch ausgelösten HUS sterben, nur wie wahrscheinlich ist das?
Mein letzter Stand der Dinge spricht von achtundzwanzig Toten, bei rückgängigen Infektionszahlen; und auch wenn die Medien jeden klitzekleinen Hinweis auf den möglichen Verursacher breit treten bis Leben ruiniert sind, im Moment sieht es ganz so aus als wäre die Infektionswelle so gut wie vorüber.
...sacken lassen.

Was ziehe ich persönlich für eine Lehre aus diesen Vorgängen? Vor allem eine: Viele Köche verderben den Brei. Und die Köche waren hier das Verbraucherschutzministerium, das vorschnell Fakten schuf und pauschalisiert Gemüsesorten als mögliche Ursachen nannte, während alles auf einen lokalen Ausbruch von EHEC hindeutete; das renommierte Robert Koch Institut, das nach dem Träger des Erregers fahndete, und dessen vorläufige Ergebnisse viel zu schnell an die Medien weiter gereicht wurden; die Medien, die in BILDiesker Manie nach jedem Happen schnappten und sich nicht einmal die Mühe machten, das Feigenblatt-Fragezeichen zu verwenden, die sich nicht zu schade waren, unter dem Deckmantel der "Warnung vor möglichem mit EHEC kontaminierten Gemüse" Angst und Panik zu schüren.
Wer dabei Vergleiche von den Pressestimmen zu H1N1 von 2009 und dieser Berichterstattung zieht, dem kann man es nicht verübeln. Im Gegenteil, es wurde viel Lärm um Nichts gemacht, in beiden Fällen. Natürlich gab es bei H1N1 und bei EHEC Tote. Niemand bedauert das so sehr wie die Toten und ihre Angehörigen, aber es war/ist in beiden Fällen nicht die Hysterie wert, die durch die Meldungen tobt.

Die Problematik, der wir uns stellen, ist schlicht und einfach folgende: EHEC als Bakterienstamm kommt vor allen im Darm vor. Unser Brutofen, der den "Mutantenvirus" erzeugt hat (wobei Mutant vollkommen richtig formuliert ist, aber das vollkommen falsche suggeriert), war wahrscheinlich ein Rind. Dessen Exkremente, besser bekannt unter dem Namen Gülle, diente einem Landwirt als Dünger für sein Gemüse. Soweit ist alles wie es immer war, zumindest in Betrieben die mit Gülle düngen. In diesem Fall aber kam es zu einer sogenannten Schmierinfektion mit EHEC, eventuell gab es zuvor eine kleine Massenerkrankung im Kuhstall durch das neue EHEC. Das gedüngte Gemüse wurde - äußerlich von EHEC, nun, nicht befallen, nicht kontaminiert. Das richtige Wort ist hier wohl: Verdreckt.
Nun wurde dieses Gemüse abgeerntet und verkauft; und weil es irgendwo im weiteren Verkaufsweg keine Strecke nahm, die Bakterien sicher abtötet, und weil es augenscheinlich nicht gut genug (oder auch gar nicht) abgeputzt wurde, gelangte es als Nahrung auf dem Teller der Menschen rund um Hamburg. Natürlich nicht auf jedem Teller, aber auf einigen. Manchen machte das gar nichts aus, anderen etwas mehr, einige erlitten Durchfall, einige zeigten HUS-Symptome, und schließlich verstarben über zwei Dutzend Menschen, mittelfristig zurückzuführen auf die Infektion mit EHEC.

Um die weitere Problematik zu verstehen muss man folgendes verstehen: Ohne Proben aus dem Infektionszeitraum kommt man dem Erreger nicht auf die Spur. Will sagen, die erkrankten Kühe können mittlerweile genesen sein, und ihre Gülle enthält nicht länger den gefährlichen EHEC-Stamm. Es ist auch blauäugig zu glauben, dass Landwirte weiter eifrig mit Gülle düngen und so den Wissenschaftlern des RKI freiwillig Hinweise liefern, wenn in den Medien Zeter und Mordio geschrien wird, ein möglicher - möglicher - Verursacher der Erkrankung, ein Gemüsehof in Niedersachsen, schlimmer durch Kameras und Reporter belagert wird als der rote Teppich der Berlinale.
Die Hauptfaktoren bei EHEC sind in diesem Fall die Düngung mit Gülle, die den Erreger aufs Gemüse brachte, und die schlechte Hygiene beim weiterverarbeitenden Betrieb. Aber dennoch, von einer Epidemie zu reden hat hier nur eine Rechtfertigung, nämlich die bundesweite Streuung der HUS-Fälle durch EHEC. Rein von der Sterblichkeitsrate, der Infektionsrate, wäre die ganze Situation nicht einmal eine Kurznachricht auf Twitter wert. Gefahr gering, Informationsgehalt gleich Null, aber ganz Deutschland rät mit wie beim Bingo, was denn jetzt der EHEC-Träger sein könnte.

Das Robert Koch Institut geht auch sehr unprofessionell vor. Wissenschaftler versuchen, anhand von Verhaltensmustern, Essgewohnheiten und dergleichen einem gemeinsamen kleinsten Nenner auf die Spur zu kommen. Dabei ist das eine Arbeit, die keinen Wissenschaftler erfordert, sondern einen Detektiv. Auch erfordert es jemanden, der nicht bei einem Verdacht gleich die Presse informiert, damit der unter Verdacht liegende Hof eben nicht schon vorab gekreuzigt wird und einen Imageschaden erleidet, der nicht wieder gut zu machen ist. Aber in der sabbernden und hypenden, BILDiesken Boulevardlandschaft, die auch noch großspurig "seriöse Medien" genannt wird, komt ja selbst der Verdacht eines Verdachts zu Ehren. Gnadenlos wird jede mögliche Ursacherquelle herbei gezerrt, so als ginge es tatsächlich um Bingo, in der Hoffnung die richtige Quelle gefunden und darüber berichtet zu haben.
Wahnsinn pur in gedruckter und multimedialer Form. Nutzen für den Verbraucher? Absolut keinen.

Was mich zu mehreren Fragen bringt:
1) Werden wir die Ursache der Infektion finden?
2) Was war die Ursache?
3) Warum häufen sich die Fälle rund um den Großraum Hamburg?
4) Was wird der nächste Hype, dem die Medien hinterher hecheln?

Zu 1) Wie ich schon sagte: Landwirte sind nicht doof, und das kontaminierte Gemüse sicherlich schon verkauft oder auch vernichtet. Man kann anhand von neuen Warenproben nicht mehr bestimmen, auf welchem Hof die Schmierinfektion ihren Anfang nahm.

Zu 2) In Japan gab es Mitte der Neunziger einen üblen Ausbruch mit EHEC. Eine ganze Schule war betroffen, es gab über vierhundert HUS-Fälle, und rund ein Dutzend Tote. Schlimm für die Betroffenen und ihre Angehörigen, und schlimm vor allem für die Schulkantine. Aber hier können wir die erste Parallele zu Norddeutschland im Mai ziehen.
Gemüse gründlich putzen und schälen, war am Anfang der Hysterie die Empfehlung. Ausreichende Hygiene beim Umgang mit Lebensmitteln, möchte man sagen. Nun hat aber irgendjemand diese Lebensmittelstandards nicht eingehalten und tut das womöglich auch nie. Normalerweise hätte dies auch nicht zu Problemen geführt, mit diesem EHEC-Stamm aber schon. Mein erster Verdacht war daher auch eine Großküche, in der das Gemüse schlecht verarbeitet wurde - im Anbetracht der Tatsache, dass viele alte Leute unter den Toten waren, tippte ich auf den Lieferanten eines Hamburgers Essen auf Rädern-Dienst, der auch Kantinen und/oder Betriebe beliefert.
Stellen wir aber die Fallzahlen von EHEC und HUS den Bevölkerungszahlen von Hamburg und Nordniedersachsen gegenüber, so werden diese prozentual gesehen verschwindend gering. Also ist die Infektionsursache sicher nicht DAS Gemüse, sondern lediglich eine der Sorten aus dem kontaminierten Betrieb, und aus der unsauber arbeitenden Großküche. Seien wir doch mal ehrlich: Wäre es Kopfsalat vom Hamburger Fischmarkt gewesen, dann hätten wir im geringen Umkreis um den Fischmarkt ein paar tausend Fälle HUS gehabt.
Zu 3)Die Fälle häufen sich um Hamburg, weil das kontaminierte Gemüse - also durch Schmierinfektion verseucht - hier verkauft wurde. Eher unwahrscheinlich, auf dem Wochenmarkt, eher wahrscheinlich, von Kantinen und/oder Großküchen, in denen schlampig gearbeitet wurde, und die ein paar tausend Kunden beliefert haben, aus denen die rund vierhundert HUS-Fälle und die achtundzwanzig Toten resultierten. Wohlgemerkt, das ist meine persönliche Meinung. Hilft auch den Toten nicht mehr viel. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass im Krankenhaus von Gronau Leine zwei HUS-Patienten behandelt wurden, die aus dem Kreis Hameln kamen... Also gleich um die Ecke. Nun ist HUS nicht an EHEC gebunden, aber in der Zeitung wurde diese Parallele gezogen. Ob tatsächlich EHEC-Bakterien in Proben festgestellt wurden und ob sie zum aktuellen Problemstamm gehören, stand nicht dabei. Wäre aber wichtig zu wissen gewesen, denn E.coli-Bakterien und pathologische, sprich Krankheiten auslösende Stämme gibt es viele und überall. Unser spezielles Problem, der "Killerkeim", ist dann auch nur ein Bakterium von sehr, sehr vielen. Ein pragmatischerer, sachlicher und vor allem Faktenorientierterer Umgang mit dem Thema wäre nicht nur angemessen gewesen, es hätte eine seriöse Berichterstattung ausgemacht, und nicht dieses BILDieske Wirrwarr, in dem nicht der gewonnen hat, der richtig zitierte, sondern der zuerst berichtete.

Zu 4) Die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird, steht sicher schon bereit. Und ich frage mich, was nun? Nach der Angst vor Rindfleisch, von tot vom Himmel fallenden Vögeln, Dioxin im Frühstücksei und Panik vor Obst und Gemüse, wovor könnten die Menschen noch Angst haben? Was kann sie noch in Panik versetzen? Womit lässt sich noch einmal die Auflage steigern?
Ehrlich gesagt habe ich absolut keine Ahnung. Aber die nächste unseriöse, quotenorientierte und unsachgemäße, hetzende und Panikschürende Berichterstattung unserer BILDiesken Medienlandschaft steht uns mit Sicherheit bevor.

5) Wer war es denn nun?
Zu 5) Nichts gegen die Experten vom Robert Koch Institut. Aber sie sind zur Zeit etwas kopflos. Sie gehen von den Infektionsfällen über deren Ernährung und ihr Umfeld zu den Lieferanten, von dort zu den Erzeugern, und hoffen auf einen Treffer. Das ist Symptomforschung, die zum Scheitern verurteilt ist, denn wie ich schon schrieb, sind Landwirte nicht doof. Keiner wird sein Gemüse in diesen Tagen noch mit Gülle düngen. Der Witz bei der Geschichte ist, dass die gefundenen EHEC-Bakterien darauf geprüft werden, ob sie zum pathologischen Stamm gehören, der für die Toten verantwortlich ist.
Umgekehrt wäre ein Schuh draus zu machen. Man sollte sämtliche Gemüsebetriebe, die nebenbei Viehwirtschaft betreiben (oder umgekehrt, ich bin da flexibel), darauf kontrollieren, ob ihr Viehbestand im April/Mai von Tierärzten auf HUS behandelt wurde. Mit Hilfe der Tierärztlichen Proben wäre es dann ein Leichtes, die Verwandschaft oder Nicht-Verwandschaft zu unserem Erreger festzustellen. Der Rest wäre Geschichte. Und das kann nicht aufwändiger sein als die bisherige Suche mit Pipette und Pinzette.
Aber wer bin ich, dass ich den Ermittlern Tipps gebe?
Was? Nein, das gilt auch für das Ausland, egal ob Spanien oder die Niederlande. Denkt Ihr wirklich, ein Landwirt lässt seine erkrankten Rinder nicht behandeln?
Nein, Herrschaften, das ist die narrensichere Methode, denn notfalls braucht man nicht einmal die Proben aus dem Erkrankungszeitraum, es reicht auch der Laborbericht.


Mein Fazit: Diese Sau ist totgeritten, holt schon mal die nächste, die wir durch die Dörfer Panik, Hysterie und Kopflosigkeit treiben können.
Die Berichterstattung zum Thema war vorschnell, der Informationsfluss unverständlich hektisch, und die Warnungen von Frau Aigner zum Schutz der Verbraucher haben niemandem geholfen. Das Problem ist halt, dass es ein lokaler Ausbruch war, auf Norddeutschland begrenzt, von wo die Krankheit dann teilweise in andere Teile Deutschlands und der Welt getragen wurde - ohne dort große Ansteckungskreise zu ziehen. Dessen ungeachtet aber versucht natürlich eine Politikerin, mit einer vorschnellen, ungenauen und hastigen Warnung bei den Medien zu punkten. Und wer hat das alles willig in der Welt verbreitet, und die Vorwürfe der "German Angst" bestätigt? Richtig, unsere BILDiesken Medien.

Ist es so verkehrt, wenn ich mir mehr Faktensicherheit, mehr Sorgfalt und mehr Recherche wünsche, und weniger Fernsehkameras vor dem Zaun jedes Betriebes, der der Patient Zero sein könnte? Aber das würde ja bedeuten, wir hätten gute Medien, und das wäre vielleicht in unseren Zeiten zuviel verlangt.