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Donnerstag, 20. Dezember 2012

Eso-Eso-Eso

Okay, Leute, heute ist der zwanzigste Dezember 2012. Und was macht dieses Datum zu etwas besonderem, abgesehen natürlich davon, dass bald vierter Advent und bald darauf Weihnachten ist?
Richtig, die Welt soll morgen untergehen. Ach nee, doch nicht, es gibt ja nur einen Synchronisationsstrahl aus dem Zentrum der Milchstraße, der die Gesellschaft zerstört... Ach nee, doch nicht. Wir erleben ja alle nur das Ende der Zivilisation... Auch nicht. Nein, jetzt ist es nur noch der Bewusstseinssprung auf eine höhere Ebene des Bewusstseins.
Also ungefähr jene Ebene, die die Propheten dieser Botschaften beim Verbreiten ihrer Pamphlete schon erreicht hatten. Sei es durch Drogen, sei es durch psychosomatische Zustände... Tja.
Was passiert morgen also? Geht die Welt unter, oder werden wir alle nur ein wenig schlauer/besser/guter/höher/wasauchimmer?

Zuerst einmal die gute Nachricht: Passend zum Ende der Welt veranstaltet die Discothek Checkpoint die Zappenduster-Party. Auf der Tanzfläche bleibt das Licht aus, passend zum Ende aller Tage.
Und jetzt zu den schlechten Dingen: Es werden mindestens weltweit einhundertfünfzigtausend Menschen sterben.
Schauerlich, nicht wahr? Aber bei einer Gesamtbevölkerung von sechs Milliarden Menschen weltweit ist das nur der übliche statistische Wert.
Ansonsten passiert nicht mehr und nicht weniger als an allen anderen Tagen. Oh, eventuell regnet es morgen. Es könnte auch kalt genug für Eisregen oder Schnee werden. Das dürfte es dann aber auch schon gewesen sein. Abgesehen von der Checkpoint-Party natürlich. ^^V
Die Welt geht nicht unter. Garantiert nicht. Die Kultur auch nicht, der Westen nicht, und obwohl Muberkel sich bemüht hat, geht auch der Euro nicht unter. Tja. Es ist eben nur Wintersonnenwende, das ist auch schon alles.

Ich will mal ein wenig zusammenfassen, was mir so zum Thema im Gedächtnis geblieben ist. Und danach stelle ich Fragen.
1993 hat der Prediger Harold Camping das Ende der Welt terminiert. Ist was passiert? Nein.
Besagter Camping verlegte das Ende der Welt daraufhin auf Mai 2011. Als an jenem Tag nichts geschah, behauptete er, wir befänden uns bereits in der Zeit der Prüfung vor dem jüngsten Gericht, und der eigentliche Weltuntergang wäre erst im Herbst. Ist was passiert?
Nun, ich will nicht ausschließen, dass die Welt untergegangen ist und wir uns alle im Fegefeuer befinden, aber dann kann man es hier echt gut aushalten, finde ich. Das Internet läuft, das Bier schmeckt  - aber Reality TV hat schon was von ewiger Pein, zugegeben.

Etwa zur gleichen Zeit behaupteten Eso-Eso-Eso-Spinner, der frisch entdeckte Komet Elenin wäre in Wirklichkeit ein Neutronenstern, der mit der Erde kollidieren würde. Natürlich hat die NASA uns das alles verschwiegen, damit sich die Mächtigen in Ruhe retten konnten. Aber ist etwas passiert?
Der Witz bei der Geschichte ist aber, der Schweif eines Kometen ist noch nicht mal annähernd so dicht wie Morgennebel - wenngleich über eine viel größere Fläche verbreitet - während ein Neutronenstern der Überrest einer kollabierten Sonne ist, der einmal eine Million oder mehr Kilometer Durchmesser gehabt hat - und nun so ultradicht ist, dass ein starker Mann einen Teelöffel mit Materie des Neutronensterns nicht anheben könnte. (Und der arme Teelöffel würde sich wahrscheinlich verbiegen und plattgewalzt werden.)
Der Hype um Elenin ging soweit, dass sich der Entdecker des Kometen, ein promovierter Physiker, der in seiner Freizeit Kometen jagt, bei einem Interview ausweisen musste, um zu beweisen, dass es ihn gibt. Denn die Spinner sagten, der Name Elenin wäre eine versteckte Warnung an Insider, weil ELE im Namen Elenin Extinction Level Event bedeuten würde, Auslöschungslevelereignis. Ein Begriff, der vom Behörden gar nicht verwendet wird und der bisher nur im Abenteuerfilm Armageddon vorkam.
Ach ja, Erdbeben auslösen sollte er auch können. Nämlich dann, wenn er mit Sonne und Erde auf einer Linie lag. Tatsächlich fällt in die Zeit seines Einflugs das Touhoku-Erdbeben in Japan. Allerdings einen Tag zu spät für eine Linie Elenin-Erde-Sonne.
Und dann war da noch der gute Conrebbi auf Youtube, der sich mit Vorliebe mit Verschwörungstheorien beschäftigt - auf der Gegenseite, wohlgemerkt. Der hatte ein besprochenes Video zum sogenannten Elenin-PDF gemacht, das ich aber leider nicht mehr finden kann. Im Video ging es um den gekippten Saturn (also Fotos, bei denen die Kameras verschieden gehalten wurden und was prompt als gekippter Saturn ausgelegt wurde), um die Vernichtung der Erde durch den Neutronenstern Elenin, und, und, und. Die Kommentare dazu waren dann auch angefüllt mit Gläubigen und Vernünftigen. Auch ich habe mich auf der Seite verewigt und mit Fakten gegengehalten, aber wie gesagt, es ist nicht mehr zu finden... Na ja, Elenin hat die Welt nicht ausgelöscht und Chemtrails machen Conrebbi ja auch Spaß. Bei dem Thema glaube ich ihm aber erst, wenn er Kachelmann tatsächlich verklagt. Tja.

Aber das ist ja noch nicht der Höhepunkt. Das Beste kommt ja erst noch: Nibiru, eine geheimnisvolle Welt, entweder ein Riesenplanet, oder aber einer von mehreren Planeten, die einen braunen Zwergstern umkreisen, der so alle dreitausendsechshundert Jahre an der Erde vorbeikommt, damit die auf ihm lebenden Annuaki uns versklaven können.
Abgesehen davon, dass man sich fragt, warum die Annuaki freiwillig dreitausendsechshundert Jahre durch das kalte Weltall gondeln, anstatt auf der Erde zu bleiben, und abgesehen davon, dass Nibiru als Riesenplanet und erst Recht als Brauner Zwergstern seit November letzten Jahren problemlos am Himmel zu sehen sein müsste, bleibt uns hierfür nicht viel hinzuzufügen. Wenn er nicht noch morgen heranwarpt, um uns zu vernichten/versklaven/zu Tode zu langweilen/zutreffendes bitte einfügen, fällt Nibiru sowas von flach.

Da diese Option zwar immer noch möglich, aber verdammt unwahrscheinlich ist, haben sich die Eso-Eso-Eso wie Dieter Broers, der sich sicherheitshalber in Deutschland nicht mehr Doktor nennt, diverse andere Geschichten ausgedacht, die ich oben schon erwähnt habe. Herr Broers ist Erfinder des Synchronisationsstrahls aus dem Zentrum der Milchstraße, der uns erreicht, wenn wir in Konjunktion mit dem Zentrum stehen, der unser Bewusstsein erweitern soll. Der Witz bei der Geschichte ist: Es wird keine Konjunktion am morgigen Tag geben.  Und auch keinen Synchronisationsstrahl.
Auch sagte Dieter Broers in seinem Buch Checkliste 2012 eine weltumspannende Krise vorher. Dieses Buch hat sich demnach als absolut falsch erwiesen. Das Geld für dieses Buch könnt Ihr Euch schon mal sparen. Stattdessen investiert mal lieber hier drin.

Für die anderen Details weiterer Eso-Eso verlinke ich mal auf den Journalisten-Leitfaden des Astronomen Florian Freistetter, der sein Bestes tut, um verschreckte, verängstigte und potentiell selbstmordgefährdete Opfer des Hypes zu beruhigen und ihnen beizubringen, sich das Wissen dazu anzueignen, um selbst zu erkennen, warum es keinen Weltuntergang geben wird. Denn gegen Glauben hilft nur Wissen, Leute.

Was also bleibt als Fazit? Die traurige Erkenntnis, dass die Eso-Eso-Eso morgen leider nicht unglaubwürdig sein werden, obwohl die Welt nicht untergeht, oder wir einen Bewusstseinssprung erleben. Behaupten werden sie die Sache mit dem Bewusstseinssprung natürlich, logisch. Wie sollte ihnen auch das Gegenteil beweisen werden können? Und die traurige Erkenntnis, dass es immer noch Menschen gibt, die lieber glauben, als zu wissen. Dabei kann man die meisten Thesen mit logischem Nachdenken und ein wenig Recherche selbst entkräften.
Und ach ja: Der Maya-Kalender endet morgen nicht. Kalender tun so etwas nicht. Sie werden solange fortgeschrieben, wie es jemanden gibt, der sie fortschreibt. Und selbst wenn die Erde menschenleer und die Galaxis ohne jedes intelligente Leben wäre, er würde immer noch nicht enden. Kalender sind nur eine mathematische Krücke für Menschen, um auf dieser Welt in Zivilisation leben zu können, nicht mehr und nicht weniger.

Also, die Frage ist nicht mehr, ob irgendjemand vor morgen Angst haben muss, die Frage ist, was uns die Eso-Eso-Eso als Nächstes verkaufen wollen. Naturkatastrophen wie den Supervulkan unter Yellowstone vor dem Ausbruch, Chemtrails, HAARP, doch noch ein Besuch von Nibiru (leicht verspätet), ihnen wird schon etwas einfallen. Und dafür wollen sie Geld. Sagt das nicht alles?

Donnerstag, 22. November 2012

Bomben in Tel Aviv

Mein treuer Kumpel und Leser Nenos hat mich gestern gefragt, warum ich noch nicht zum derzeitigen Konflikt Gaza-Streifen - Israel geschrieben, bzw. gebloggt habe.
Ehrlich gesagt, weil das alles viel zu offensichtlich ist. Ich möchte auch erklären, wieso.

Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es in Israel große und lang anhaltende Proteste gegen die viel zu hohen Lebenshaltungskosten; gegen die hohen Militärausgaben; gegen die Bevorzugung der orthodoxen Juden, die weder Steuern zahlen, noch zum Militärdienst müssen; gegen die international nicht anerkannten Siedlungen auf palästinensischem Gebiet, deren Förderung und vor allem Bau weitere Milliarden verschlingt, und, und, und...
Dazu kommt auch noch, dass die Regierung Netanjahu bis vor kurzem nach meinem Dafürhalten bei den in naher Zukunft stattfindenden Knesset-Wahlen vor der Abwahl stand, was ich persönlich als moderater Mensch des Friedens (meine Military SF ist nur Maßstab für meine Phantasie, aber nicht für meine Persönlichkeit, btw.) nur begrüßt hätte, da Netanjahu in meinen Augen ein aggressiver Falke ist, der kein Interesse an einer friedlichen Lösung des ureigensten Israel-Problems hat. Dieses lautet: Was machen wir denn mit den Palästinensern?
Wie gesagt, es stehen Wahlen an, und plötzlich fliegen wieder Raketen aus dem Gaza-Streifen auf israelisches Gebiet. Ja, sogar auf Jerusalem werden sie abgefeuert, auf die eine Stadt, die auch den Moslems eigentlich heilig sein müsste! Oh, Moment, halt, diese eine verirrte Rakete ist ja nur irgendwo in der Nähe runtergegangen. Eine Bombardierung der heiligen Stadt wäre medientechnisch doch ganz anders ausgeschlachtet worden.
Und was ist jetzt? Die Armee zieht die Reservisten ein, an der Grenze zu Gaza ziehen massiv Truppen auf, Flugzeuge bombardieren alles, was der im kleinen Küsten-Mini-Land regierenden Hamas wichtig sein könnte, und als Antwort fliegen weitere Raketen.
Angefangen hat das alles, als man einen Hamas-Führer hat liquidieren lassen. Ab da habe ich die weiteren Reaktionen so erwartet. Aber das muss man fairerweise sagen: Nicht nur Netanjahus Falkenjungs freuen sich über diesen Krieg und über die Möglichkeit, alte Munition zu verballern. In den Reihen der Hamas gibt es auch genügend, die, über die Jahrzehnte indoktriniert und durch allzu schlechte Erfahrungen gebrannt, nur zu gerne einen Konflikt mit Israel beginnen - wenn die gefälligst auf der eigenen Seite bleiben. Denn einen Landkrieg könnte die Hamas gegen Israel nie gewinnen. Aber würde die Armee das tun, Gaza erobern, wäre das Problem das Gleiche. Wohin mit dem Palästinensern? Noch schlimmer, Israel wäre plötzlich für sie verantwortlich.
Wie gesagt, es sind Wahlen, und dieser Krieg, ausgelöst durch die Ermordung Tötung eines Hamas-Führers, nützt m.E. Netanjahu und den Hardlinern am meisten. Beziehungsweise hätte genützt, denn ich weiß nicht, wie die politischen Karten mittlerweile verteilt werden, denn Israel denkt um.
Die alte Falkenweisheit, das ein Krieg einen Wahlsieg sichert, bröckelt, spätestens seit das Land gegen den Iran trommelt, seine Bevölkerung aber frecherweise desertiert und den iranischen Menschen den Frieden erklärt. Und diese Liebe wird erwidert. Zudem sind die Erinnerungen an die schlechte Wirtschaftslage und die steigenden Lebenshaltungskosten noch viel zu frisch - jeder Israeli, der davon betroffen ist, wird mit ihnen ja einmal im Monat konfrontiert. Vielleicht ist die Zeit reif für eine israelisch-palästinensische Lösung, wenn beide Seiten ihre Falken endlich mal an die Kandare nehmen. Mit einem Präsidenten Obama ist das mehr als machbar.

Kommen wir aber mal fix zum Titel meines heutigen Blogeintrags. Bomben in Tel Aviv. Ein Anschlag auf einen Bus, bei dem es viele Verletzte gab, teilweise schwer. Aber keine Toten.
Keine Toten? Wie untypisch. Ich meine, es hätte doch mindestens einen Toten geben müssen, nämlich den Selbstmordattentäter, der als Märtyrer für seine Sache den Bus bestiegen und die Bombe an seinem Körper gezündet hat... Wie, es war kein Selbstmordattentäter?
...sacken lassen.
Okay, Hand hoch, wer das auch für ein klein wenig untypisch für Hamas und Konsorten hält. Das entspricht überhaupt nicht dem blutigen und leider sehr erfolgreichen Konzept der Anschläge vor ein paar Jahren... Erfolgreich im Sinne auf die Wirkung auf sogenannte "weiche Ziele".
Dafür gibt es meines Erachtens nur zwei Erklärungen:
1) Der Hamas sind die Selbstmordattentäter ausgegangen. Das bedeutet, das Vertrauen in und der Fanatismus der Hamas schwinden, sachliches Denken und säkularisiertes Handeln setzen sich durch, und ein pragmatischer Friedensprozess muss unmittelbar bevorstehen, wenn kein fanatisierter Moslem mehr bereit ist, für Allah zu sterben.
2) Findet selbst heraus, wer aus dem Anschlag den größten Nutzen gezogen hätte, wenn er ein größeres Medienecho ausgelöst hätte. Selbst denken ist mitterweile erste Bürgerpflicht. Gerade wenn es um Themen wie Israel und Gaza geht.

Ich bleibe dann mal bei Antwort eins und hoffe nebenbei auf ein baldiges Ende der Falkenregierung in Israel. Aber ich bin auch hoffnungsloser Optimist. ^^V

Ach ja. Mein Mitgefühl gilt sowohl der Bevölkerung des Gaza-Streifens, die unter den Luftangriffen schwer zu leiden hat, als auch den Opfern der Raketeneinschläge in Israel und den Opfern des feigen, rückgratlosen, hinterhältigen und fiesen Bombenanschlags auf den Bus in Tel Aviv.

P.S.: So, so, die Türkei kriegt das Patriot-System zur Abwehr eventueller syrischer Raketen Richtung eigenes Staatsgebiet. Hey, israelische Regierung! Warum lasst Ihr euch lieber zubomben, als auch so ein paar Dinger am Gaza-Streifen aufzustellen? Eure Bevölkerung würde es euch danken.
Oder gibt es irgendeinen versteckten Nutzen, wenn Israelis durch Raketeneinschläge sterben könnten?