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Dienstag, 16. August 2011

Spinnerei hüben und drüben

Ideologisch verbrämte Spinner gibt es überall. Es sind Menschen, die ich ohne zu zögern so bezeichne; als Beispiel seien die Kreationisten genannt, die auch im säkularisierten Europa Fuß zu fassen versuchen, und Unterstützungsfeuer von den Trotteln der Anti-Islam-Kampagne bekommen.
Aber um Trottel zu finden, muss man nicht in diese Lager schauen. Oft reicht ein Blick in die Tageszeitung.

Ich erinnere gerne mal an unseren niedersächsischen Innenminister Schünemann, der vorgeschlagen hatte, nichtverkehrsgebundene Delikte Jugendlicher und Heranwachsender mit Führerscheinentzug oder mehrjährigem Verbot, den Führerschein zu machen, bestrafen wollte. War natürlich absoluter Blödsinn, und machte weder juristisch noch politisch Sinn. Genauso gut könnte man Verkehrsdelikte ahnden, indem man die Verkehrssünder mit Flugverbot bestraft.
Diesen Unsinn hat nun auch Bernhard Witthaut, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, wiederholt, indem er Führerscheinentzug für Straftäter forderte. Seine Aussage, dass sich Menschen, die sich durch exzessive Gewalt auszeichnen, hinter dem Steuer ebenfalls eine Gefahr sind, erscheint ebenso logisch wie eine behördlich angeordnete psychologische Beurteilung besonders schwerer Fälle und anschließendem Führerscheinentzugs. Aber Herr Witthaut addiert hier Äpfel zu Möhren, denn besonders auffällige Wiederholungsgewalttäter sollten gar nicht in der Lage sein, Auto zu fahren. Weil sie nämlich zur Resozialisierung einsitzen. Immerhin reden wir hier von besonders auffälligen Gewaltwiederholungstätern. Und im gleichen Umkehrschluss können und dürfen wir annehmen, dass das Gros diese Wiederholungstäter nicht nur resozialisiert entlassen werden, sondern auch den Straßenverkehr wieder ernster nehmen.
Was haben wir hier also? Heiße Luft. Herr Witthaut hätte seinen Atem nutzbringender verwenden können, indem er folgerichtig auf die Diskrepanz zwischen linker politischer Gewalt und rechter politische Gewalt hinweist; diese Diskrepanz fand erst vor kurzem in Oslo einen tragischen Höhepunkt.
Stattdessen suggeriert er, dass Straftäter zumindest freie Fahrt haben? Äpfel mit Möhren addiert und dann auch noch durch ein Sieb geteilt. Das ist Idiotie.
Übrigens, auffällig aggressiven Fahrern, die genügend Punkte in Flensburg sammeln, verlieren zeitweise oder auf Dauer den Führerschein. Nur falls das Herrn Witthaut noch keiner gesagt haben sollte...

Aber genug von Deutschland und von deutschen populistischen falschen Meinungen.
Seit einiger Zeit besuche ich sehr gerne das ScienceBlog. Dort fand ich heute unter dem Label Politik einen Artikel zu Michelle Bachman, einem der Aushängeschilder der Tea Party-Bewegung. Der Link unter dem Artikel war ebenfalls sehr interessant, von dort gelangt man zu einem Artikel nebst Youtube-Video, auf dem Bachman über das Thema Mathematik spricht.
Nicht ganz wörtlich nennt sie ein Beispiel, in dem sie in einem Kaufhaus von einem Verkäufer, der Mathestudent ist, einen Artikel für dreißig Dollar kauft, mit fünfzig bezahlt, aber nur fünf wiederkriegt, weil "der Student nun mal so rechnet".
...sacken lassen.
Ich bin kein Mathematiker, aber ich weiß, dass es neben dem Dezimalsystem auch Zwölfer-Systeme und auch Vierzehner-Systeme gibt. Das sind mathematische Aspekte, die für Berechnungen wichtig sind, von denen ich absolut keine Ahnung habe. Und sicherlich, wenn man einem dieser Systeme folgt, gibt es tatsächlich nur fünf Dollar zurück.
Aber auch hier haben wir wieder Äpfel und Möhren addiert, denn das Geldsystem der US-Amerikaner basiert auf dem Dezimal-System, (das der Engländer war noch vor wenigen Jahrzehnten ein Zwölfer-System, nebenbei bemerkt, aber eventuell mixe ich jetzt Äpfel und Nudeln ^^) und kein Mathematik-Student mit Ahnung würde freiwillig in einem Dezimal-System anders rechnen, wenn es ihm keine neuen Erkenntnisse verspricht, oder auch keinen Sinn macht.
...sacken lassen.
Was haben wir hier also? Eine Ultra-Konservative, die ein an den Haaren herbei gezogenes Beispiel nutzt, um die wissenschaftliche Mathematik als Ganzes zu diffamieren. Mit anderen Worten: Eine Kreationistin, die einen Stellungsangriff auf die säkularisierte Wissenschaft führt. Ich warte nur noch darauf, dass die wissenschaftliche Mathematik durch die kabbalistische Zahlenmagie ersetzt werden soll, dann hat sie sich endgültig verraten.

Fazit: Wie ich schon immer gesagt habe, ich hasse Kreationisten. Ihr einfältiges, selbstgerechtes Weltbild, ihr Unvermögen, Niederlagen einzusehen und in ihre Sicht der Dinge zu integrieren. Also dazu zu lernen. Und ihre an den Haaren herbei gezogenen Argumente, die mit den Worten ihrer wissenschaftlichen Gegner nichts zu tun haben, aber die so wunderbar ziehen. Als Beispiel hier mal die Behauptung, wir würden von den Affen abstammen; klingt gut, weil eklig, und das muss ja jeder ablehnen. Die wahre wissenschaftliche Aussage aber ist, dass wir und die Affen gemeinsame Vorfahren haben, und uns getrennt entwickelt haben. Aber diese Aussage vermeiden Kreationisten gerne, weil es zu akzeptabel ist.

Ich hasse übrigens auch Leute, die suggerieren, mehr Strafen würden mehr Frieden bedeuten. Nicht mehr Strafen verbessern die Welt, sondern das Recht so anzuwenden wie es gedacht ist. Und das bedeutet nicht mehr Strafen, sondern Justiz.
Mit einem Kopfschütteln über soviel Polemik und Unverstand - und Ernst - verbleibe ich, und hoffe, in Euch, meinen Lesern, Menschen zu finden, die sich ebenfalls nicht für blöde verkaufen lassen.

Edit am 18.08.: Die Frau heißt tatsächlich Bachmann, nicht Bachman. So etwas gibt es auch in den USA. Ich bin erstaunt, das mir das nicht eher aufgefallen ist.
Ist zwar nicht besonders wichtig, aber ich will wenigstens einen Ansatz von seriöser Arbeit vorweisen.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Kreationisten - Du kannst nicht mit ihnen...

Es ist ein offenes Geheimnis. Ich sage es jedem, der mich fragt oder der mir nicht schnell genug entkommen kann: Ich hasse Kreationisten. Das hat vielerlei Gründe. Uneinsichtigkeit, sich die Welt solange zurecht biegen wie sie diese brauchen, und offene Lügen sind nur ein paar meiner Gründe. Nun bezweifle ich nicht, dass auch Kreationisten tolle Menschen sein können. Aber ihr Bibel-Chauvinismus disqualifiziert sie für mich in jeder Form ideologischer oder religiöser Debatte. Wer so lange A ruft, bis außer A nichts mehr zu hören ist, obwohl B eindeutig richtig ist, bekommt bei mir kein Verständnis.

Ich hatte ab und an mit Kreationisten zu tun, vor allem im Internet. Ich erinnere mich noch gut an die junge Frau in einem Unterforum auf Animexx, die es tatsächlich geschafft hat mir einzureden, dass das Ursuppen-Experiment noch nie erfolgreich durchgeführt worden sei, d.h. im Versuchsaufbau tatsächlich aus Wasser, Elektrizität und toter Materie urprimitivstes Leben erschaffen worden ist. Nur um dann Jahre später zu lesen, dass das (erfolgreiche) Ursuppen-Experiment zum ersten Semester von Physik- und Chemie-Studenten gehört.
Oder die Art und Weise, in der sie längst widerlegte Ideen aufwärmen und brandneu verkaufen. Verkaufen können, weil SIE nur behaupten müssen, während die Wissenschaft widerlegen muss. Wieder und wieder und wieder. Ich denke da nur an das unsägliche Beispiel mit dem Augen, das schon um Neunzehnhundert ad absurdum geführt wurde. Und wieder, und wieder, und wieder, und immer noch als Argument pro Kreationismus gebracht wird.
Oder die penetrante Art, mit der Kreationisten frech behaupten, der Grand Canyon sei durch die Sintflut entstanden...

Gestern bin ich zufällig auf MMs Seiten auf einen Videolink nach Youtube gestoßen, das sich mit dem Thema Evolution, Kreationismus und Intelligentes Design beschäftigt. Verfasst wurden die Videos von einem Universitätsprofessor für Biologie; da sich die Fakten mit meinem Wissen decken, habe ich keine Probleme, sie auch ohne weitere Prüfung als authentisch zu bezeichnen. Ich kann jedem nur raten, da mal rein zu schauen, weil die insgesamt vier Videos einiges an Rüstzeug mitbringen - für den Fall, dass man mal wieder auf Kreationisten trifft.

Leider hat dieses Erlebnis für mich zu einer äußerst bitteren Erkenntnis geführt. das kreationistische Gift ist schleichend, langwierig und verschlagen, oh ja. Denn ich selbst rede seit Jahren auch von der EvolutionsTHEORIE.
Die Forschungsdisziplin von Professor Dr. Kutschera nennt sich aber EvolutionsBIOLOGIE. Ich weiß, es klingt wie Erbsenzählerei, aber dadurch, das ich den Kreationisten gefolgt bin und ebenfalls von der Evolutionstheorie gedacht und gesprochen habe, gab ich ihnen ein Werkzeug gegen mich und die Tatsache der Evolution in die Hand. Wieder. Und wieder. Und wieder. Denn die Evolutionsbiologie als Evolutionstheorie zu bezeichnen ermöglicht es Kreationisten, alleine schon durch dieses Wort die gesamte, bewiesene Wissenschaft der Evolutionsbiologie in Frage zu stellen, nur weil da ein "Theorie" rangehängt wurde. Und ich war willfähriger Helfer.
Darum hasse ich Kreationisten. Und da kann man mal sehen, wie weit ihr Gift aus Falschaussage, offener Lüge, Tatsachenverdrehung und Sturheit schon verbreitet wurde.

Also, meine lieben Leser, es hieß zu Darwins Zeiten noch Evolutionstheorie, weil Darwin viele Beweise für seine Worte hatte, aber die gesamte Theorie noch nicht durchgängig schlüssig bewiesen war. Das wurde im Zwanzigsten Jahrhundert vollkommen anders, als die Theorie zur Wissenschaft wurde, weil festgestellt wurde, dass Evolution stattfand und auch jetzt gerade stattfindet.
Für uns wackere Verfechter der exakten Wissenschaft muss es also in Zukunft heißen, EvolutionsBIOLOGIE zu sagen, nicht Evolutionstheorie.
So, das war mir ein Anliegen. Ich gehe mich derweil noch ein wenig ärgern, über Kreationisten.