...man könnte unter Verdacht geraten, einen Amoklauf damit zu planen.
Vor ein paar Wochen wurde eine Jugendliche in Sankt Augustin daran gehindert, auf ihrer Schultoilette einen Brandsatz zu zünden. Sie wurde von einer Mitschülerin überrascht, verletzte diese mit einem Messer und entkam.
Die Schulleitung löste daraufhin Terroralarm aus, ließ die Schule evakuieren und nach der Täterin fahnden. Die stellte sich daraufhin gegen Mitternacht der Polizei. Die weiteren Ermittlungen inklusive der Durchsuchung ihres Zimmers förderten weitere gefährliche Materialien zutage.
Die Sachlage ist ernst. Eine Sechzehnjährige hat versucht, Teile oder gleich die ganze Schule in Brand zu stecken. Als sie überrascht wurde, verletzte sie eine Mitschülerin und floh, ohne ihre Tat auszuführen.
Psychologen bescheinigten ihr einen Hang zum Suizid, schlossen eine Fremdgefährdung jedoch aus.
...sacken lassen.
So schlimm ein Brandanschlag auch sein mag, so hochgradig die Schüler durch einen Brand in der gekachelten Mädchentoilette gefährdet worden wären, und im Anbetracht der Verletzung des Mädchens, das die Täterin überrascht hat: Warum wird dem Fall gleich das Label "Amoklauf" aufgedrückt?
Was ist ein Amoklauf? Eine oder mehrere Personen entschließen sich dazu, an einem bestimmten Ort in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Menschen zu töten und zu verletzen.
Wenn man ganz großzügig ist, kann man einen Brandanschlag ebenfalls in diese Kategorie einordnen - und wahrscheinlich war es auch überhastet von der Schulleitung, aber zumindest nicht verkehrt, den Vorfall mit höchster Wichtigkeit zu behandeln. Immerhin wurde eine Schülerin schwer verletzt, immerhin hätte es einen Brand gegeben.
M.E. ist die weitere Vorgehensweise psychologische Behandlung der Täterin, eine Bewährungsstrafe und Sozialstunden. Die verletzte Schülerin als Nebenklägerin sollte entsprechend mit Schmerzensgeld kompensiert werden. Das wäre eine logische und konsequente weitere Vorgehensweise. Ich erwähne das auch nur der Vollständigkeit halber, bevor das Urteil gefällt wurde, und Medien wie die BLÖD beginnen, "über die zu große Milde der deutschen Justiz" zu meckern und härtere Strafen zu fordern.
Wie aber gehen die Medien damit um? Auf eine geradezu lächerliche Weise. Für sie ist der Vorfall natürlich ein Amoklauf, und die Täterin ist ihr Freiwild.
Mir bleibt das Lachen im Halse stecken, wenn ich daran denke, dass BLÖD Bilder der Täterin aus dem Gerichtssaal veröffentlichte - ungenügend anonymisiert - und BILDBLOG feststellte, das der BLÖD-Fotograf das Opfer abgelichtet hatte...
Auch dreht sich mir der Magen um, wenn das eine Medium von einem Kurzschwert als Tatwaffe berichtet, während seriöse Medien von einem Messer berichten, aber entgegen der Meldungen kurz nach der Tat darauf beharren, dem Opfer wäre ein Daumen abgetrennt worden. Während das eine Medium lächerlich sensationsheischend ist, fragt man sich bei der vermeintlich seriöseren Redaktion, ob sie einfach besser recherchiert haben, oder ebenfalls ein wenig auf den Entsetzenszug aufspringen wollten...
Im Anbetracht der Tatsache, dass die ersten Meldungen von einer Axt sprachen, behalte ich mir vor, im Bezug auf die Tatwaffe und die erlittenen Verletzungen skeptisch zu sein... Was mich nicht daran hindert, dem Opfer mein Mitgefühl auszusprechen und dem Mädchen eine vollständige Genesung zu wünschen.
...sacken lassen.
Natürlich ist das eine schlimme Sache. Wäre die Täterin erfolgreich gewesen, hätte im einfachsten Fall die Toilette gebrannt, im ungünstigsten jedoch die Schule. Potentiell gefährdet war jeder einzelne Schüler. Aber ehrlich gesagt mache ich mir darum keine großen Sorgen, wenn beim Bau der Schule die Brandschutzbestimmungen eingehalten wurden und Lehrer wie Schüler den Evakuierungsdrill beherrscht haben, bzw. das richtige Verhalten bei Feueralarm kannten.
Sorgen mache ich mir nur darum, dass dem Vorfall automatisch das Label "Amoklauf" angeheftet wurde. Ich finde, dies ist gegenüber den Opfern tatsächlicher Amokläufe hier in Deutschland oder weltweit in keinster Weise fair. Ich hasse es wirklich, wenn die Medien bewusst hypen und sachlich falsch berichten. Und all das nur für eine Schlagzeile.
Wahlberichterstattung, No-SLAPP-Handbuch, Macrons Mission
-
1. “Das Vergangene ist nie tot. Es ist nicht einmal vergangen.” (mdr.de,
René Martens) Der Medienkolumnist René Martens analysiert den Wahlerfolg
der AfD i...
vor 1 Woche