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Samstag, 28. Juli 2012

Trojaner noch eins

Gestern hatte ich, während ich den Livestream der Olympia-Eröffnungsfeier anschaute und nebenbei durchs Web surfte, Besuch vom einem Bewohner der berühmten Stadt, die wegen einer Frau dem Erdboden gleich gemacht wurde, wobei ein Holzpferd und ein ziemlich mieser Seemann und Navigator eine entscheidende Rolle gespielt hatten. Richtig: Ich hatte einen Trojaner auf dem System.

In meinem Fall war es der BKA-Trojaner. Dieser ziemlich ungemütliche, hartnäckige und vulgäre Zeitgenosse gibt sich -  man mag es kaum glauben -  als Werkzeug der Bundespolizei Cyber Crime Unit aus (als wenn die Bundespolizei auf Anglizismen stehen würde), sperrt den PC inklusive des Task-Managers, behauptet, jede Menge belastendes Material auf dem Rechner entdeckt zu haben, und fordert die Einsendung von einhundert Euro als Strafzahlung, um den PC wieder frei zu schalten, z.B. über ukash. Er bietet auch viele nützliche Hinweise, wie man an diese E-Geld-Zahlungen ran kommt, damit die Überweisung auch klappt. Wer dann glaubt, der PC wäre frei geschaltet, und man selbst vom Haken, dem ist nicht mehr zu helfen.
Auf der Seite, die ich über den Namen BKA-Trojaner verlinkt habe, findet jeder Betroffene narrensichere Methoden, um den üblen Mediterraner wieder los zu werden.
Mir selbst war klar, dass eine Autostart-Geschichte und der abgesicherte Modus die Ursache beseitigen mussten. Leider aber hat der fiese Möpp mir beim zweiten Hochfahren ein Stück Windows zerschossen, und nur mit viel Glück und einer Rettungs-CD, von der ich noch nicht mal weiß, wie ich sie angewendet habe (allerdings erfolgreich, wie Ihr ja gerade lesen könnt) und der Reparaturfunktion von Windows konnte ich überhaupt in den abgesicherten Modus kommen.
Hier ein Tipp für alle, die es nicht wissen: F8 ist Dein Freund.

Nun, Scareware.de beantwortet alle Fragen zu diesem üblen Möpp, weshalb ich mich auf meine Erleichterung beschränken möchte, das Ding los zu sein - hoffentlich - mich darüber zu ärgern, dass ich ihn mir im Drive by-Verfahren eingefangen habe - wozu er Sicherheitslücken meines geliebten Mozilla Firefox ausgenutzt hat, und das noch nicht mal auf einer Seite, wo man das vermutet hätte - und mir Gedanken darüber mache, ob es tatsächlich Menschen gibt, die das Geld bezahlen, ihre Kröten nie wiedersehen, und anschließend zum Computerspezi tapern müssen, der ihnen das System dann in zwei, drei Stunden flickt.
Natürlich gibt es solche Menschen. Deshalb hat der oder haben die Programmierer das ja überhaupt erst erfunden. Wenn nur ein einziger Bundesbürger diesen Betrag bezahlt hat, dann ist das ein guter Stundenlohn für diese Bande.
Davon abgesehen handelt es sich hier um die gleiche Geisteshaltung, wie sie Download-Abmahner betreiben, wobei es egal ist, ob es um eine im guten Glauben eingegebene Email-Adresse und anschließende überzogene Forderungen nach sechsundneunzig Euro geht, oder um Anwaltskanzleien, die kleine Leute wegen "Musikraubkopierens" zu weit höheren Beträgen abzocken abmahnen.
Die Leute haben Geld - man muss es ihnen abnehmen. Irgendwie klappt das immer.

Doch während die Musikpiraterie-Abmahnungen (noch) legal sind, und die Internet-Abo-Abmahner noch nicht illegal genug sind, sollten unsere unbekannten Freunde vom BKA-Trojaner-Verein sich doch ein wenig vorsehen, denn mit einfachem Betrug kommen sie nicht davon.
Schauen wir doch mal. Sie geben vor, eine Bundesbehörde zu sein. Das ist Vortäuschung einer amtlichen Handlung und Amtsanmaßung. Sie erpressen nicht nur einhundert Euro von den unglücklichen Surfern, sondern bringen ihnen nur Ärger und Kummer. Das sind Betrug, Erpressung und eigentlich Cyber-Entführung des PC. Außerdem schädigen sie die Gesundheit des Geschädigten, was ich ohne Weiteres als Körperverletzung ansehe.
Leute, das ist Betrug auf hohem Niveau. Und mit hohem Niveau meine ich das Niveau der Strafe, das die kriminellen Individuen erwartet, die sich diese äußerst üble Masche ausgedacht haben. Besonders, wenn man bedenkt, das alleine in Göttingen achttausend Anzeigen gegen die Schöpfer des BKA-Trojaners laufen.

Ich nehme stark an, das man dieses BKA-Schätzchen ursprünglich auf gehackten Seiten des illegalen pornographischen Untergrunds antreffen konnte, zumindest bis die Schöpfer gierig wurden und auch teilweise erfolgreich andere Seiten infiltrierten, von normaler Pornographie bis hin zu "normalen" Seiten, deren Abwehr man überwinden und das Drive by-Schätzchen installieren konnte. Mag man ihnen deshalb einen moralischen Bonus gewähren, weil es "ja nur Päderasten trifft", anfangs zumindest? Sicherlich nicht für eine einzige Sekunde. Diesen Menschen einhundert Euro abzuknöpfen und sie mit gesperrtem System zurückzulassen verändert nichts - außer ihrem Kontostand. Moralischer Aspekt Fehlanzeige. Und spätestens jetzt, bei der Infektion auf nicht illegalen Seiten ist davon nicht einmal im Ansatz zu sprechen. Sie sind amoralisch. Und Geldgierig. Das lässt mich dann auch weniger wütend auf sie sein, sondern es macht mich eher nachdenklich und auch ein wenig wehmütig. Wahrscheinlich wird man solchen Menschen nie begreiflich machen, was sie anderen antun, egal ob sie eine Abofalle konstruieren, Blogger für vermeintliche Zitate abmahnen, Tausende Euros wegen tatsächlicher oder vermeintlicher Musik-Downloads eintreiben, oder mit gesperrten Computern und bösen Popup-Fenstern die Zeit und den letzten Nerv rauben. Amoralisch. Sagte ich ja.

Mittwoch, 10. November 2010

Polizistenpause

Tja, nun ist er durch, der längste und teuerste Castor-Transport der jüngeren Geschichte... Begleitet wurde er von zwanzigtausend Polizisten, und einen vollen Tag Verspätung hatte er. Aber er war halt abgesegnet. Zum Beispiel von der Bundesregierung. Und das tat sie auch mit der Legitimation der Massen: Irgendjemand muss schließlich Schwarz/Gelb zur Mehrheit gewählt haben. Hoffentlich seid Ihr da draußen nächstes Mal schlauer. Was uns ansonsten bevorsteht, sah man gestern und wird man bei jedem weiteren Castor-Transport sehen. Und nicht nur da. Aber heute will ich nicht über Steuererleichterungen für Reiche meckern, Hartz IV-Ungerechtigkeiten und mangelnde Investitionen in Zeiten des Aufschwungs. Heute geht es mir um die Polizei.

Denn heute ging es durch die Medien, dass die Polizeigewerkschaft forderte, die Bundesliga-Spiele mögen dieses Wochenende ausfallen, da die Polizisten nach dem Castor-Transport eine Erholungspause brauchen. Ein Ansinnen, das natürlich prompt abgelehnt wurde.
Doch welche Konsequenz verbirgt sich hinter diesem Ansinnen der Polizeigewerkschaft?
Ich will Euch sagen, worauf dieses Spiel m.E. hinauslaufen wird: Wenn die Polizei bei Castor-Transporten laut genug jammert - und das vollkommen zu Recht, und das nicht nur aus einem Grund - dann haben wir ein anderes Thema wieder auf dem Tisch, nämlich die Bundeswehr für Polizeiaufgaben einzusetzen. Ein Schwarz/Gelbes Prestige-Projekt, das sie zu gerne durchsetzen würden.
Im Prinzip ist es so: Die Bundeswehr ist das Militär, und die Polizei ist das Para-Militär. Para=größer, höher. Also, die Polizei ist der Bundeswehr gegenüber weisungsbefugt. Sollte die BW aber für Polizeiaufgaben eingesetzt werden, würde sie selbst zu Polizei werden. Dann hätten wir zwei Ordnungskräfte gleichen Ranges im Land. Und, Leute, die Idee, die Bundeswehr gerade NICHT für Polizeiaufgaben einzusetzen hat auch nicht nur einen Grund, und die sind alle ziemlich gut.
Abgesehen von feuchten Träumen von Ordnungsstaatliebenden, fanatischen Politikern, abgesehen von einer möglichen militärstaatlichen Kontrolle unserer schönen Bundesrepublik (und was der Schweinereien mehr sein können), geht es auch darum: Wenn die Wehrpflicht weiter ausgesetzt bleibt, haben wir eine Armee, die in unserem Land ein eigenes Land bildet. Und die muss plötzlich nicht mehr auf die Polizei hören. Dass so etwas in unserer gewachsenen, in sich gefestigten Demokratie nicht gut geht, steht außer Frage.
Und abgesehen davon, dass die BW für solche Aufgaben überhaupt nicht ausgerüstet ist, frage ich: Was ist Euch lieber? Ein gut ausgebildeter Beamter im Einsatz, der genau weiß, dass, wenn er Mist baut, sein Beamtenstatus wackelt, oder ein junger Rekrut, der Bundeswehr für seinen einzigen Lebensweg hält, einen Crashkurs bekommt und dann zum Beispiel in eine Demonstrationssituation gestellt wird - womöglich noch mit scharfem G36?

Wie? Wer hat da gesagt, ich übertreibe? Nun, wir werden es sehen. Denkt an Ace, wenn jemand im Zuge des Erschöpfungszustands unserer Bereitschaftspolizei laut oder noch lauter über eine Entlastung durch den Einsatz der Bundeswehr im Inland nachdenkt.
Und der wird auch noch aus der Regierung sein.