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Donnerstag, 17. November 2011

He's back - und wir haben ihn nicht vergessen!

Tja, es ist also soweit. Karl Theodor und so weiter zu Guttenberg traut sich das erste Mal seit seinem Rücktritt und seiner Flucht nach Amerika wieder zu einem öffentlichen Auftritt. Laut dem Handelsblatt soll er auf einem Sicherheitskongress in Halifax, Kanada, eine Rede zum Thema Weltwirtschaftskrise halten.
...sacken lassen.

Nur noch einmal zur Erinnerung an den Themenkomplex: KTG ist im März als Verteidigungsminister zurückgetreten, weil ihm "die feige Linke und die heuchlerische anonyme Schwarmintelligenz im Internet" (ironische Hervorhebung von mir) nachweisen konnte, dass er nicht nur über die Hälfte seiner Doktorarbeit geklaut hatte, sondern sogar für das Fazit Fremdtexte verwendet hat - was den Sinn des Fazits ad absurdum geführt hat.
Darauf, dass er mit nur einem Staatsexamen mit seiner Doktorarbeit beginnen durfte, und dass er den Doktortitel rund ein Jahr vor Abgabe seines Machwerks bereits führen durfte - machte sich ja gut auf seinem Namensschild - will ich auch nur am Rande eingehen.
Viel wichtiger ist für mich, wofür dieser Mann steht, der bei der Bundeswehr ach so beliebt war, weil er im sicheren Masar el Sharif für die Presse mit kugelsicherer Weste Schaulaufen betrieben hat, als wäre er direkt an der Front: Nämlich für halbherzige Ausreden, stückchenweise Teilgeständnisse, ans Ausmaß der Enthüllung seiner Verfehlungen angepasst, und einen weinerlichen, rührseligen Abschied, in dem er es gewagt hat, sich als Opfer darzustellen. Ohne seine Tat zuzugeben, als er bereits entlarvt war. Dabei war er sich auch nicht zu schade, seine eigene Familie zu instrumentalisieren.
...sacken lassen.

Man kann ihm sicherlich vieles vorwerfen. Als Wirtschaftsminister hat er mir überhaupt nicht gefallen (was wohl auch an seiner Mitgliedschaft bei der Atlantikbrücke liegt, die amerikanische Interessen in Deutschland schützt und neoliberale Wirtschaftspolitik propagiert - genau, die gleiche Wirtschaftspolitik, die uns in die aktuelle Krise geführt hat), und als Verteidigungsminister werfe ich ihm Ablenkung auf Kosten der Soldaten vor. So hat er nämlich, als die Vorwürfe konkreter wurden, den Tod von drei deutschen Soldaten in Afghanistan genutzt, um sich zu verteidigen, weil "die Aufmerksamkeit nicht ihm, sondern den getöteten Soldaten gebühre". Gorch Fock-Affäre; undurchsichtige Handlungsstrategie im Zuge der Untersuchungen zur Zerstörung der von Taliban entführten Tanklaster; Ministerarbeit, als sei sie von der BILD-Redaktion diktiert; nein, ich kann nichts Gutes an KTG in der Politik entdecken.
...sacken lassen.

So, jetzt hat er also seinen ersten Auftritt in Kanada, und nicht in den USA, wo er viele persönliche Kontakte haben soll. Das ist dann wohl der erste Schritt in Richtung Comeback für ihn.

Fazit: Ich habe es ja gewusst. Er kommt durch die Hintertür wieder und wird definitiv 2013 für den Bundestag antreten. Das ist meine Prognose. Und Merkel wird, falls sie überhaupt wieder die Regierung bilden kann (was ich nicht hoffe, denn schlechter geht es nicht, besser allemal), keine Probleme haben, ihn wieder in die Regierung zu holen. Obwohl er beinahe für zehntausende Doktoren ihre hart erarbeiteten Titel zur Lächerlichkeit degradiert hatte. Obwohl er sich nicht einmal entschuldigt hat. Obwohl er der Wissenschaft großen Schaden zugefügt hat, vor allem durch seinen Abschied auf Raten. Obwohl er seinen Ghostwriter schlecht bezahlt hat... Okay, letzteres ist meine Mutmaßung.

KTG, komm ruhig wieder, wenn Du meinst, Du wirst wieder gewählt, sobald der Staub sich gelegt hat. Mit einem Mann, der sich entschuldigt, und dann wieder von unten versucht Tritt zu fassen hätte ich kein Problem. Wohl aber mit jemandem, der von Glaubwürdigkeit keine Ahnung hat, aber dieses Land regieren will. Dreister geht es wohl nicht. Es fehlt nur noch, dass am Ende "die Linke" schuld war, und alles war nur ein Komplott gegen den zukünftigen Bundeskanzler. Wundern würde mich diese Legendenbildung keinesfalls.
Ich für meinen Teil stehe dann bereit und helfe dabei, den Staub wieder aufzuwirbeln.
Aber theoretisch kannst Du Dich ja immer noch aufrichtig entschuldigen, um Dir eine zweite Chance ehrlich zu verdienen.
Allein, daran glaube ich nicht.
Komm nur, ich warte auf Dich. Die feige, anonyme Schwarmintelligenz wartet auf Dich.

Mittwoch, 27. April 2011

Alles Gutti, oder was?

Ja, ja, das Thema Guttenberg lässt einen nicht wirklich los. Mich vor allem nicht, denn ich habe ja vor, mich an ihn und seine dreiste, nicht bereuende Plagiaterie zu erinnern, wenn er pünktlich zur nächsten Bundestagswahl wieder aus dem Hut gezaubert wird.
Heute wurde auf Gmx.de/Web.de ein Artikel gepostet, dessen Titel lautet: Guttenerg meldet sich zu Wort. Was reißerisch begann, ist dann nur der Hinweis, dass KTG rechtzeitig vor Ablauf der Frist auf der Uni Bayreuth eine Stellungnahme per Fax abgegeben hat. Gut, gut, journalistische Glanzleistungen sind eh nicht von dieser Redaktion nicht zu erwarten, dafür aber geht es anschließend in den Kommentaren zum Artikel hoch her - wenngleich abzusehen ist, dass es ungefähr eins zu null Komma zwei zu acht Komma acht steht. Also Gutti-Groupies, Gibt-es-denn-kein-anderes-Thema-Jammerer und solchen wie mir, die KTG die Lügerei, die versuchte Vertuschung und den Aussitzversuch übel nehmen.
Wenn ich jetzt wieder mal über KTG blogge, dann nicht weil ich neidisch auf ihn bin, gehässig oder sein Kinn nicht mag. Nein, diesmal blogge ich über seine Fans.
Eine/r, der Gmx.de-Forums-User, 90Grad, schrieb folgenden Kommentar:
"Vielleicht sollte man alle Diplome, Dissertationen und Abschlüsse von Politikern, Vorständen und Professoren überprüfen - dann wird es sicherlich sehr leer in den Etagen.... ;-) " Zu finden als vierter Beitrag unter dem Link.

...sacken lassen.
Ist es nicht erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit, mit welcher Frechheit und mit welcher Ignoranz die KTG-Groupies einen Menschen schönreden, der sein Ehrenwort gebrochen hat (was man ihm noch verzeihen könnte) und seine Schuld nicht einmal eingesteht, wenn sie offensichtlich geworden ist (was man ihm nicht verzeihen kann)?
Oder mit anderen Worten: Warum zäumen diese speziellen Guttenberg-Fans das Pferd von hinten auf?
Alle Doktoren sind Betrüger, und deshalb durfte Guttenberg auch betrügen? Falsch, 90Grad! Wenn alle jemals in Deutschland abgegebenen Dissertationen gefälscht sind, dann muss auch allen Doktoren der Titel entzogen werden, so rum muss man es sehen! Dieses Killerargument hat sehr Recht, jeder promovierte Akademiker muss mit seiner Dissertation jeden Prüfstand überstehen. Wobei ich glaube, dass die Zahl von Dissertationen, die wegen Formfehler abgelehnt wurden, weit höher ist als die tatsächlichen Fälle von Betrug wie bei KTG. Oder anders ausgedrückt wird es noch viel mehr schwarze Schafe geben, aber dieses "viel mehr" wird sich m.E. im Promillebereich abspielen.
Anstatt also mit "Abschreiben tun doch alle"-Sprüchen Strahlemann KTG die Makel wegzuloben sollte man tatsächlich darauf bestehen, alle Dissertationen zu überprüfen. Und sich natürlich anschließend lobend über all jene äußern, die nicht abgeschrieben haben, um diesem nun sehr gebeutelten Berufsstand wenigstens etwas der Ehre wiederzugeben, die KTG und andere berühmte Plagiateure ihm genommen haben.

An 90Grad sage ich folgendes: Du hast vollkommen Recht, man muss alle Arbeiten überprüfen, auch wenn danach die Etagen leer werden. Oder eben gerade dann. Nur so kann Deutschland als Akademiker-Standort den Schaden überleben, den es bereits erlitten hat - unter anderem dadurch, dass Menschen wie Du KTG schöngeredet - und damit die Arbeit der ehrlichen, nicht guttenden Doktoren und Doktoranden abgewertet haben. Denk mal drüber nach.

Edit am 11.05.2011: Gmx.de hat den Artikel: Uni stellt Plagiatsbericht vor hochgeladen. In den Kommentaren sind die Gutti-Groupies wieder aktiv, um einen Teil der Schuld auf die Uni abzuwälzen. Die trifft sicherlich die Schuld, KTG nicht entlarvt zu haben, oder nicht ihn zu entlarven gewollt zu haben. Aber das ändert nichts daran, dass KTG gelogen, gestohlen und betrogen hat.

Dienstag, 1. März 2011

Die ganze CSU stand hinter ihm...

...aber keiner von ihnen, weder Seehofer noch Dobrindt, hat sich vor ihn gestellt.

Tja, nun ist er weg, der KTG. Er will "kein Mitleid" und bekommt von der Kanzlerin, dem Muberkel, Applaus für diesen "mutigen Schritt" und "hervorragende Arbeit" als Minister bescheinigt.
Die Tagesschau ist sich dann auch nicht zu schade, zu betonen, dass KTG an seinen eigenen strengen Wertmaßstäben gescheitert ist, an seinen menschlichen Fehlern.

...ich weiß jetzt wirklich nicht, was für mich schlimmer ist: Dass die Tagesschau diese Frechheit einer Doktorarbeit, diesen dreisten Diebstahl an Zitaten (und ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass es einen Ghostwriter gibt - sooo doof ist KTG nicht. Man sollte mal das Augenmerk auf die englische Kanzlei richten, die KTG zu Wirtschaftsministerzeiten ein Gesetz geschrieben hat), veränderte wie unveränderte, als MENSCHLICHEN FEHLER bezeichnen. Damit ist die Redaktion in die Riege der Gutti-Groupies aufgestiegen, die mit dümmlichen Argumenten pro Selbstverteidigungsminister Diskussionsforen besuchen.

Der Rücktritt von KTG war fällig, eigentlich überfällig. Das zweiwöchige Trauerspiel, mit dem er den Verlust an Glaubwürdigkeit, den Verlust seines Ehrenworts nach bester Kohlmanier aussitzen wollte, war ein grausiges Schauspiel des Entsetzens.
Aber er ist ja nur an seinen eigenen hohen Maßstäben gescheitert, und weil er Fehler hat wie alle anderen auch... Ich könnte kotzen.
Herr Exminister Karl Theodor [...] Freiherr von und zu Guttenberg, sobald Sie wieder aus der Versenkung auftauchen und mit Ihrem Frolleinwunder an der Seite in der Politik mitmischen - davon bin ich überzeugt - werde ich Ihre weitere Karriere aufmerksam verfolgen. Hätten Sie sich mit echter menschlicher Größe verabschiedet, (Ja, ich habe plagiiert oder plagiieren lassen. Ja, ich habe meine Universität vor den Kopf gestoßen. Ja, ich brauchte den Doktortitel für meine politische Karriere und konnte ihn nicht aus eigener Kraft erlangen. Ja, ich trage die Konsequenzen.) dann wäre ich bereit gewesen, Ihnen zu vergeben und Ihnen einen unbelasteten Neuanfang zuzugestehen.
Aber dieses Gejammere, weil Sie ERWISCHT wurden und UNEINSICHTIG waren, und sich ALS OPFER darstellen, ist eine beinahe so große Frechheit wie Ihr Aussitzversuch.
Aber keine Sorge, die CSU steht ja hinter Ihnen. Weit, weiiiiit hinter Ihnen.

Fazit: Herr KTG, hätte nicht vielleicht ein Mann von wahrer Größe, Integrität und Opferbereitschaft Zeit, an Ihrer Statt für die CSU und auf Bundesebene für die Union zu kandidieren? Mir schwebt da Ihr Bruder Philipp vor, der für Sie aufgestanden ist, als Sie "den Soldaten in Afghanistan nicht zumuten konnten, ihren Boss bei einer Karnevalssitzung zu sehen". Oder übersetzt: Der sich aus der Schusslinie genommen hat, weil er vor einer Karnevalssitzung gescheut hat wie ein Springpferd vor dem Hindernis. Bedanken Sie sich bei Ihren Eltern für diesen Bruder. Und kommen Sie ruhig wieder in die Politik. Ich, und viele andere Blogger werden Sie erwarten. Denn dank des Internet 2.0 - und es lebe Wikipedia - vergessen wir nicht. Die Vergebung haben Sie mit Ihrem sterbenden Schwan in meinen Augen verspielt...

Mittwoch, 23. Februar 2011

Die Mehrheit der Deutschen ist dafür, das Atmen umsonst bleibt...

Eigentlich wollte ich heute nicht bloggen. Und wenn doch, dann wollte ich das "Gibt es nichts Wichtigeres als ein bisschen Gutten als Thema in Deutschland?" mit einem vorwurfsvollen "JA!" beantworten und darauf hinweisen, dass Deutschland seine gefallenen Soldaten in Afghanistan wie verscharrte Pesttote behandelt - zugedeckt und vergessen - und dass man in anderen Ländern mit der Ehre und dem Ansehen dieser Männer und Frauen, die von den gewählten Volksvertretern zum Töten und Sterben da runter geschickt wurden ganz anders umgeht und ihr größtmögliches Opfer wenigstens angemessen würdigt. Und dass ich mir das auch für Deutschland wünsche, unabhängig davon, wie lange "Gutten" noch ein Thema in Deutschland ist.

Dann aber machte ich den riesengroßen Fehler, bei Frank Plasberg und seiner Sendung "Hart aber Fair" reinzuschauen, die in diesem Moment noch läuft. Es geht natürlich um KTG, und seine Verteidiger bringen ins Feld, dass die "große Mehrheit der Deutschen" diesen wunderbaren Politiker unbedingt im Amt halten will.
Dazu fällt mir diese Szene ein: [...]als Anthistenes den Antrag vor versammeltem Volke stellte, man solle durch Mehrheitsbeschluß die Esel zu Pferden erklären. Das Volk lachte darüber und Anthistenes meinte: 'Warum lacht ihr? Macht ihr nicht auch Nichtskönnern und Tölpel durch Abstimmung zu Feldherren?'

Davon mal abgesehen, ich habe mir Kritikthtreads angesehen auf Artikeln von tagesschau.de, Spiegel.de, Fanfiktion.de, auch Bild.de... Ich kann jetzt natürlich NICHT davon sprechen, das gesamte deutschsprachige Internet erfasst zu haben, und in dieser KTG-Frage eine Bilanz für ganz Internet-Deutschland ziehen zu können. Aber zumindest in den Threads, die ich besucht habe, waren die KTG-Befürworter fünfundneunzig zu fünf im Nachteil. Bei Bild.de eher sechzig vierzig gegen sie.
Wenn das auch nur einen Hauch von Rückschlüsse auf die Menschen in Deutschland zulässt, wage ich zu fragen: Herr Alexander Dobrindt von der CSU: Wo SIND Ihre Mehrheiten, die KTG im Amt behalten wollen? Ich konnte sie bei meiner Suche nicht finden.

An dieser Stelle, und um den, Hm, Zwischenfall?, Fehler?, Unterlassungssünde?, Verwirrung?, ungenügende Recherche?, in den Kommentaren meines letzten Blogeintrags zu vermeiden, würde ich die KTG-Befürworter bitten, mir doch diesmal ernstgemeinte Links zu den Mehrheiten zu posten, damit ich vom Gegenteil überzeugt werden kann.
Diesmal bitte keine Satire am Rande des Lesbaren.

Montag, 21. Februar 2011

Orden wider dem tierischen KTG

Gerade eben stieß ich per TV zufällig zur Karnevalssitzung der Verleihung des Ordens wider dem tierischen Ernst in Aachen. Preisträger sollte diesmal unser Verteidigungsminister KTG sein. Geschickt hat er seinen Bruder Philipp.

Zuerst mal eines vorweg: Sein Bruder war in mehr als einer Hinsicht ein würdiger Ersatz, jeder bekam sein Fett weg, von KTG selbst über Rechts und Links bis zu, man lese und staune, BILD und Spiegel. Ein Auftritt, der mir sehr gut gefallen hat, und bei dem ich mich gefragt habe, warum der gute Freiherr Philipp lieber in Österreich Forstverwalter ist, anstatt in Deutschland Politik zu machen. Wirklich, er hat einen tollen Auftritt hingelegt, seinen Bruder würdig vertreten und sicher dem einen oder anderen aus der Seele gesprochen. (Mir jedoch nicht, um das klar zu stellen.)
Zum Schluss hin ging er dann dazu über, KTG offensiv zu verteidigen, die Zitatgeschichte zu bagatellisieren, als "ob es im Land nichts Wichtigeres gäbe". "Die Heckenschützen von Rechts und Links" wären ja auch im Übermaß vorhanden.
Das war der Part, der mir nicht so gut gefallen hat, jedenfalls nicht so gut wie sein: "Lieber ein Bild von einem Mann, als ein Mann in BILD".
Nun gut, er ist sein Bruder, ein redegewandter, witziger und teilweise brillanter Mann, den ich vorsichtig beschlossen habe zu mögen. Dennoch seien auch mir ein paar letzte Worte vergönnt, um diesen spontanten Blogpost abzuschließen.

Lieber Philipp, sicherlich gibt es die Menschen, die Ihrem Bruder KTG am Zeug flicken wollen, die die Gelegenheit mit dem GuttenPlag Wiki als solche Chance erkannt haben und nutzen. Und sicher gibt es Wichtigeres als ein paar nicht gesetzte Ausrufungszeichen. Aber es sind nicht nur ein paar nicht gesetzte Ausrufungszeichen, sondern sehr, sehr viele.

Seien wir beide ehrlich miteinander. Ich mag Ihren Bruder nicht besonders, weil ich seine Politik für inkonsequent und BILD-gesteuert halte, zudem auch noch furchtbar falsch. Abschaffung der Wehrpflicht, Schaffung einer Berufsarmee, das ist für mich als ehemaliger Wehrdienstleistenden und Obergefreiten der Reserve ein Gräuel. Ich bin nun mal ein Fan des Staatsbürgers in Uniform.
Als ich davon erfuhr, dass Ihr Bruder KTG in seiner Doktorarbeit, die mit einer Eins, dem Summa cum Laude bewertet wurde, "abgeschrieben" hat, trug das nicht dazu bei, mein Bild von ihm zu verschlechtern. Und ja, vielleicht gibt es Wichtigeres in Deutschland, und vielleicht schießen sich Heckenschützen auf ihn ein. Aber ich stehe offen, auch wenn ich mich hinter meinem Blog verschanze, vor ihm, und habe ihm schon nach der Opel-Misere mein Vertrauen entzogen.
Seien wir noch mal ehrlich, und erkennen wir gemeinsam eines: Heckenschützen und Neider hin oder her, als "einfach netter Kerl", der er nach Ihren Worten ist, sollte er sich ein Herz fassen und die Konsequenzen tragen. Er bekam eine Eins dafür, dass er die Jura-Wissenschaft forscherisch voran gebracht hat - augenscheinlich hat sein Doktorvater noch nie was von Google gehört. Seinen Doktortitel abzulegen bedeutet hier wohl niemanden etwas, denn er hat ihn ja eher selten benutzt.
Beim "Gutten" erwischt worden zu sein, erfordert jedoch mehr als einen "einfach netten Kerl", es erfordert einen Mann mit Größe, Anstand und Charakter. Wir werden sehen, ob er sich heraus windet, und damit meine Meinung von ihm weiter demontiert, oder ob er nicht nur gegelt, sondern auch gestählt genug ist, Fehler einzugestehen, die Konsequenzen zu tragen und durchzuziehen, wie ich es von einem richtigen Mann erwarte.

Ihnen, Philipp, möchte ich sagen: Was für ein Kerl sind Sie. Ich bewundere Sie für Ihren Mut und Ihre unerschütterliche brüderliche Zuneigung, für Ihren Einsatz für Ihren strauchelnden Bruder (obwohl ich, wie ich mehrfach schrieb, KTG nicht mag).
Ein toller Auftritt, gute Pointen, und ein brüderliches Herz, das ich zu schätzen weiß. Warum gehen Sie nicht in die Politik? Statt eines Kanzlers KTG kann ich mir als SPD-Wähler und SPD-Kommunalpolitiker einen Kanzler Philipp Freiherr zu Guttenberg im Moment sehr gut vorstellen.
Und ich verzeihe Ihnen die Bagatellisierungen der diffamierten Wissenschaft Jura, die Sie als Verteidigung Ihres Bruders hervorgebracht haben.

Ihr Ace Kaiser

Donnerstag, 17. Februar 2011

Gutti-Bashing ist "in".

Das heißt aber nicht, dass ich mich daran beteiligen möchte.
Okay, ich korrigiere mich selbst: Nicht ausschließlich zum aktuellen, nachstehenden Thema.
Im Moment läuft eine hitzige Diskussion über KTG und seine Doktor-Arbeit, die mit einer Eins ausgezeichnet wurde. Lesen kann man das zum Beispiel in diesem Artikel von Tagesschau.de, aber auch hier auf Bild.de.
In den Kommentaren zu ersterem Artikel geht es hoch zur Sache.
Inhaltlich geht es darum: Hat KTG schlampig oder sogar mit Vorsatz gearbeitet, als er nicht gekennzeichnete Zitate verwendet hat?
Dieser Teil der Diskussion interessiert mich nicht, denn das ändert NICHTS am Umstand, dass er zitiert hat, wortwörtlich, und es nicht kenntlich gemacht hat. Nach Kenntnisnahme nicht weiter interessant, und es fügt meinem Bild zu KTG keine negativen Aspekte hinzu. Ohnehin steht die Meinung einiger Fachleute fest, und das reicht mir.

Viel wichtiger ist mir ein Aspekt, den KTG's standhafte Verteidiger anbrachten, indem sie das "Sampling" ihres Lieblingsministers bagatellisieren und auf seine Arbeit als Bundespolitiker verwiesen haben, die "viel mehr über ihn aussagt" und "wertvoller" ist...
...sacken lassen.

Seine Arbeit als Bundespolitiker, also?

Hm, mal sehen. Was haben wir da denn so? Einmal die Opel-Geschichte, damals als Wirtschaftsminister. Da hat er die ganze Angelegenheit ausgesessen, bis sich General Motors erbarmt und Opel doch behalten hat - obwohl ein potenter Investor in der Branche und ein russischer Partner bereit standen. Ergebnis: Ein Teil der Subventionen für Opel wird wohl auch weiterhin nach Detroit abgezweigt werden.

Ach ja, hätte ich fast vergessen: Wirtschaftsminister KTG ließ eine komplette Gesetzesvorlage von einem englischen Büro schreiben und hat es eins zu eins eingereicht. Da fragt man sich schon, ob er seine Staatssekretäre, Beamten und Mitarbeiter allesamt für Idioten gehalten hat, die nicht mal eine Gesetzesvorlage ausarbeiten können, wenn er für eine Fremdarbeit bei englischen Juristen ein paar Millionen berappt.

KTG, der Verteidigungsminister: Wahrlich kein Ruhmesblatt.

Oberst Klein und die gestohlenen Tanklaster.
Darüber habe ich gebloggt. Ausführlich. Man mag mich deshalb als Menschenfeind sehen, als Zyniker gar, aber das ändert nichts an meiner Einstellung. Der BW wurde Sprit geklaut, und als die Tankwagen stecken blieben, wurde das Diebesgut an Taliban-Sympathisanten aus den umliegenden Dörfern verteilt. Nicht irgendwann, sondern nach Mitternacht. Das ist in meinen Augen Diebstahl, und auch der Koran sieht das so. Außer, jemand möchte mir jetzt erklären, dass das Benzin ursprünglich dem afghanischen Volk gehört hat, und ihm nur wieder zugeführt wurde.
Meine Sicht damals wie heute: Oberst Klein hat im Rahmen seiner Möglichkeiten richtig entschieden. Er wurde von Paramilitärs angegriffen, und die Involvierung der Sympathisanten macht sie keinesfalls zu Nichtkombattanten oder gar "menschlichen Schutzschilden".
Gut, gut, KTG muss meine Meinung nicht teilen, aber die Abberufung des Generalinspekteurs der Bundeswehr, weil er "nicht rechtzeitig ausgiebig informiert" wurde, zieht nur einmal als Ausrede. Auch die Zahlungen an die Hinterbliebenen sind m.E. eine rechtlich unsichere Sache, denn seit wann werden Partisanen entschädigt? Eine andere Sache ist es natürlich, wenn wir die Anwesenheit der Bundeswehr generell in Frage stellen. Aber wenn wir davon ausgehen, dass sie von der Regierung und dem afghanischen Volk erwünscht ist, dann hat Muberkel der deutschen Politik mit den Entschädigungszahlungen einen Bärendienst erwiesen. KTG hat diese Affäre überlebt.

Da wurde doch tatsächlich Feldpost geöffnet, oder es wurden gleich leere Kuverts weiter verschickt. Die Briefpost deutscher Soldaten kam nicht an. Daraus wurde eine Affäre gemacht. Dabei ist NICHTS einfacher, als eine solide Staffette zurück zu verfolgen, um den in Frage kommenden Personenkreis einzuengen, und mit Ermittlungen zu beginnen. Soweit ich weiß, hat KTG großblumig verkündet, die Sache aufzuklären. Bisher habe ich keine Ergebnisse gesehen. Habe ich allerdings von KTG auch nicht erwartet. Eine minder wichtige Affäre, die entsprechend schnell geklärt werden könnte, wenn eine gewisse Zeitung mit vier Buchstaben hier nicht genauso hoch gespielt hätte wie mit der ARD, die im deutschen Feldlager nicht per Satellit zu empfangen gewesen war. Da frage ich mich, und zwar nur ich: Schauen die deutschen Soldaten da unten überhaupt die ARD?

Dann war da noch ein Soldat, der beim "Waffenreinigen" durch einen Unfall ums Leben kam. Anfangs war es ein Schuss beim Zerlegen der Waffe, dann soll einer der Kameraden herum geblödelt haben. In jedem Fall hat ein Soldat die strengen Bestimmungen für den Umgang mit scharfer Munition umgangen, entweder der Tote selbst oder ein Zweiter. In jedem Fall eine Sache, die fix geklärt worden wäre - wenn ein gewisser Minister durch sein Eingreifen nicht alles verschlimmbessert hätte. Internes Verfahren der Bundeswehr, und bei Erkennen eines Vorsatz Übergabe an die Justiz. So hätte es laufen müssen. Denn Fehler passieren, und sie finden immer einen Dummen. Ein Freund von mir war Falschirmjäger, und der erzählte mir, es sterben jedes Jahr bei der Ausbildung alleine zwei bis sechs Mann, durch Übermut, Unkonzentriertheit, unsachgemäßer Umgang mit der Ausrüstung. Schade nur, wenn durch die Dummheit ein anderer getötet wird. Eigentlich ne sichere Sache, außer es mischt sich ein Minister in einen Unfall ein - und vergisst die anderen zum Teil in Gefechten gefallenen über einhundert Toten der Bundeswehr.

Und wenn wir schon dabei sind: Da ist doch KTG mit seinem blonden Frolleinwunder nach Afghanistan geflogen. Der Beckmann und unser McAllister waren auch dabei. Was er nicht so gerne erzählt hat: Seine Frau blieb natürlich im sicheren Kabul, und er selbst entfernte sich auch nicht besonders weit von der Hauptstadt. Der sichere Luftwaffenstützpunkt Mazar el Sharif* diente als Kulisse für Kerners Kotau. Das, und der Minister in schusssicherer Weste, wobei das Pizza Hut sicherheitshalber nicht von den Kameras gezeigt wurde. Obwohl, das mit Pizza Hut und McDonalds habe ich nur gehört.
Dennoch, einen Fliegerhorst baut man eher selten mitten im Feindesland. Es besteht keine Notwendigkeit dafür. Die Biester sind einfach zu fix vor Ort, um sie absichtlich zu gefährden.
Abzüge in der B-Note wegen Fehler in der Selbstzurschaustellung, Herr Minister.

Ach ja, und dann ist da noch der Fall Sarah. Und ich meine den Fall Sarah. Warum hat KTG den Namen der toten Kadettin nicht aus den Medien raus gehalten? Warum hat er nicht auf eine interne Untersuchung gesetzt, wie es in solchen Fällen üblich ist? Warum wurde das Gestänkere von einigen Offiziersanwärtern durch die Presse gejagt, aber gleichzeitig Kapitän Schatz und der Stammbesatzung der Mund verboten?
Die arme junge Frau, am Anfang ihres Lebens, stürzte aus der Takelage und starb später an ihren Verletzungen. Ich würde jetzt gerne sagen, dass Unfälle, gerade auf Segelschiffen, nun mal passieren. Nicht nur dort, auf allen Schiffe. Und eher selten führen sie zu Tode, aber auch auf einem Stahlschiff in rauer See ist ein über Bord gehendes Besatzungsmitglied dem Tode näher als dem Leben.
Es tut mir Leid, dass die junge Frau ihr Leben verloren hat. Noch mehr tut mir Leid, wie sehr ihr Ansehen und ihre Persönlichkeitsrechte von den Medien im Nachinein missachtet, ja geschändet werden.
Dennoch, eine Abberufung von Kapitän Schatz, weil die BLÖD über Meutereien an Bord schreibt, entbehrt doch jeglicher Logik. Nach einem Meuterei-Vorwurf den Kapitän abzulösen ist doch wie Eulen nach Athen bringen.
Die übliche Vorgehensweise wäre erst einmal gewesen, zu klären, wie es zu dem Unfall kam - und wer in die Meuterei-Vorwürfe verwickelt war. Dies hätte zur Klärung beim Kommandanten vorliegen müssen, und wenn SEIN Bericht Unstimmigkeiten aufgewiesen hätte, wäre es Zeit für eine Untersuchungskommission gewesen.
Aber nein, ein gewisser Minister mit ruhiger Hand und überlegtem Blick entschied sich, nach Rücksprache mit dem BILD-Redakteur auf dem Beifahrersitz, Nägel mit Köpfen zu machen, und den Kapitän den Medien zum Fraß und zur Vierteilung vorzuwerfen.

...sacken lassen.
Alles in allem frage ich mich: Welche Leistungen im Ministeramt meinen die KTG-Fans? Kann sein, dass ich eines Tages in Berlin sitzen werde, auf einem Ministerposten, von dem ich keine Ahnung habe. Wo ich aber den Willen des Volkes vertreten muss, und deshalb mit gesundem Menschenverstand arbeiten muss. Kann sein, dass ich dann auch vor so einer schwierigen Situation mit einer von BLÖD hochgekochten Situation stehe und Rat brauche. Kann sein, dass ich dann einen falschen oder schlechten Rat bekomme. Kann sein, dass ich schlechte oder falsche Entscheidungen treffe. Es kann aber garantiert nicht sein, dass ich mich aufplustere, mit den Fäusten auf meiner Brust trommele und sage: Ich Minister - du nix! Im Ministerium arbeiten eine Menge Leute mit Erfahrung, die diesen Beruf gelernt haben. Ich würde einen Teufel tun, und ihnen nicht wenigstens bei diesen Problemen zuhören, um eine Entscheidung zu fällen, zu der ich stehen kann. Oder die ich - falls mich die Situation den Ministersessel kostet - auch dann noch vertreten kann, wenn ich den Schreibtisch ausräume.

Man muss KTG eigentlich in Schutz nehmen. Sein Verbündeter ist die BILD-Zeitung. Und die BILD geht für eine Story über Leichen, auch über jene ihrer Verbündeten.
Denn wie heißt es doch so schön: "BILD sprach zuerst mit den Toten!"

Mein Fazit: Er wird sicher nicht als bester, kompetentester, unbestechlichster oder ehrlichster Minister in unsere Geschichte eingehen, der gute KTG, aber sicher als bestfrisiertester. Ist ja auch was, oder? Auch wenn Westerwelle dem widersprechen würde.

Edit: Die CDU schlägt zurück und lässt folgendes verlauten:
"Das sah die Union anders. Sie nahm Guttenberg in Schutz und sprach von politisch motivierten Vorwürfen. "Es wird parteipolitisch seitens der Opposition ausgeschlachtet", sagte Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU). "Es ist lächerlich, wenn ein Wissenschaftler meint, er hätte diese Fehler routinemäßig gefunden. Man hat hier gezielt gesucht." Das sei lediglich "eine neue Episode in dem bekannten Spiel Schlag' den Guttenberg"."
(Zitat Ende. Sicher ist sicher.)

Mein lieber Herr Günter Krings... Egal welche Motive den Bremer Professor dazu geführt haben, die frei verkäufliche Doktorarbeit des KTG zu prüfen - er hat GEFUNDEN! Und das nicht zu knapp.
Aber wir wissen ja seit Helene Hegemann: Samplen ist für Nachwuchsautoren in - wahrscheinlich auch für Verteidigungsminister.


*Hier stand tatsächlich vor kurzem noch Sharm-el-Sheik. Da bin ich peinlichst durcheinander gekommen und habe den Namen eines ägyptischen Touristenorts zweckentfremdet. Ich bitte alle dreizehn Leser dieses Artikels um Entschuldigung.

Edit am Samstag, dem 19. Februar:
In den Kommentaren dieses Artikels von Tagesschau.de ändern die Guttenberg-Fans ihre Methode. Anstatt abzustreiten, dass KTG (oder sein Ghostwriter) aufs Übelste geklaut hat, beschimpfen sie das GuttenPlagWiki als Aasgeier, Menschen die mit ihrer freien Zeit mehr Sinnvolles anstellen könnten, als gehässige Neider, als Hetzer.
...sacken lassen.

Meine Damen und Herren Verteidiger, auch DIESE EURE EINSTELLUNG ändert leider nichts an den Fakten. Ein Jura-Professor hat bei einer Rezension der Doktorarbeit des KTG Zitatediebstahl, modifizierte wie zu einhundert Prozent übernommene, festgestellt. Das ist ein unumstößlicher Fakt. Hierum muss der Professor widerlegt werden, was aber nach allgemein bekannter Faktenlage nicht möglich ist. Also könnt Ihr toben, schimpfen, Verunglimpfung des Netzes herbeireden, Sachlichkeit fordern, so viel wie Ihr wollt. Es ändert nicht an den Fakten. Rein gar nichts. Es zeigt allerdings, wo Ihr steht und was Ihr bereit seid an den Haaren herbei zu zerren, um Eure Lichtgestalt zu verteidigen. Und das ist peinlich, peinlich, peinlich. Aber jeder Star kriegt nun mal die Fans, die er verdient. Wie wahr, wie wahr.

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Jetzt festgestellt: Grüne Schuld an allem!

Es gibt da ein altes Sprichwort: Wer den Schaden hat, braucht für Spott nicht zu sorgen.
Im Umkehrschluss gilt aber auch: Wer Erfolg hat, braucht auf Neider nicht lange zu warten.
Für die Grünen gelten beide Sprüche, wenngleich die Neider händeringend darauf warten, dass ihnen überhaupt erst ein Schaden entsteht.

Worum geht es? Am 17.12. verlinkte Bildblog.de auf einen Online-Artikel der Welt der Redakteurin Claudia Ehrenstein, in dem sie den unwiderlegbaren Schluss zog, die Grünen seien die größten Umweltverschmutzer.
Ja, die Grünen sind an allem Schuld, höchstwahrscheinlich auch an der biblischen Erbsünde. Sieht man ja schon daran, dass Adam und Eva damals Blätter getragen haben. Wahrscheinlich grüne. Gut, gut, vielleicht sind es nicht unbedingt die Grünen, sondern vielmehr ihre Wähler. Denn wie die Autorin des Artikels zu berichten weiß, sind ja Grünen-Wähler meistens aus gutsituierten Kreisen, haben bessere Jobs, mehr Einkommen und können sich mehr Konsum leisten. Sprich: Sie haben die Kohle, und deshalb haben sie gefälligst auch öfters Klima-gefährdend in den Urlaub zu fliegen, mehr unnötige, Klimaschädliche Konsumprodukte anzuschaffen und mit dicken, Benzinfressenden Giganto-Geländewagen herum zu fahren.
Soweit also der Absturz des Artikels von der Quelle allen Bösens zu Mutmaßungen.

Nun weiß natürlich jeder, dass die knapp elf Prozent, die den Grünen bei der letzten Bundestagswahl ihre Stimme gegeben haben, unmöglich ALLE Besser- oder Sehr gut-Verdiener Deutschlands gewesen sein können. Das wären über den Daumen Viereinhalb Millionen Wähler. Wenn also ein dickes Auto und eine Extra-Flugreise im Jahr bereits ausreicht, um in diese Klientel zu gehören, wie uns der Welt-Artikel weis machen will, müssten wir hier eher von (von mir) geschätzten acht bis zehn Millionen sprechen. Sind das zufällig die, die den Grünen gerade mit Prognosen von über zwanzig Prozent "zugelaufen" sind? Waren sie etwas unentschlossen während der wichtigen Bundestagswahl? Oder was ist hier passiert?

Tja, normalerweise wäre mir weder der Artikel noch die einseitigen, menschlich fragwürdigen Meinungen zum Artikel einen Blog-Eintrag wert gewesen, weil sich sowohl die Autorin als auch die Kommentatoren hiermit vom Status des zurechnungsfähigen Menschen entfernt haben. Nur weil man Grüne bashen will, heißt das noch lange nicht, das so vage Fakten auch Realität werden, egal wie sehr man es will.
Aber leider beobachte ich doch in der regulären Presse, dass solche fadenscheinigen Argumente zu gerne aufgegriffen, übernommen und zu eigen gemacht werden.
Dabei sind die Grünen eher eine Partei der Frauen, wenn man der Bundeszentrale für politische Bildung glauben darf.

Kommen wir zu meinem Fazit: Die Grünen und die Springer-Presse vertragen sich nicht immer gut. Das Hauptklientel des Springerverlags bleiben FDP, CDU und CSU. Gelegentliche Flirtereien mit der SPD sind lediglich Alibi-Handlungen, die aber bitte, bitte keine Stimm-Effekte bei der nächsten Wahl haben dürfen.
Ich erinnere mich noch mit äußerstem Unbehagen daran, wie die BLÖD im 2005er-Wahlkampf die CDU in den Himmel gelobt hat. Ein Schelm, wer dabei denkt, dass die überparteiliche BLÖD damit doch irgendwie Partei ergriffen hat.
Nun haben die Grünen einen Höhenflug, liegen mit ihren Umfragewerten bei über zwanzig Prozent. Klar, dass da den Konservativen und der ihr loyalen Presse langsam der kalte Angstschweiß ausbricht. Klar, dass man den Grünen da was am Zeug flicken muss. Aber was? Hartz IV? Geht nicht, weil, das ist doch so bequem, und man hat es zu gerne übernommen. Den Einsatz in Afghanistan? Nein, auch nicht so unbedingt, weil Mutti Merkel den ja auch übernommen und sich zu eigen gemacht hat.
Na ja, da bleibt halt nur noch, die gute alte Wasser und Wein-Story zu erzählen. Die Wähler der Grünen sind halt reicher. Logischerweise konsumieren sie dann auch mehr und sind damit eigentlich gar nicht grün zu nennen. Klingt ja auf den ersten Blick auch logisch. Aber leider passt dieses Profil für die Wähler einer anderen Partei wesentlich besser: Nämlich für jene der FDP. Aber davon findet man im Welt-Artikel keine Spur. Sonst könnte man sich das ganze schöne Grünen-Bashing ja sparen, und zudem auch noch den Verteidiger der Rechte der Superreichen verärgern. Immerhin muss im Kapitalismus die Schere zwischen Arm und Reich weiiiit auseinander ragen, denn das zeigt den Wohlstand eines Landes an. ...Tschuldigung, war gerade ein wenig ärgerlich.
Also, wenn wir in dem Artikel das Wort "Grüne" durch das Wort "FDP" ersetzen, dann ist der ganze Artikel doch gleich viel plausibler, oder? Zwar auch eine an den Haaren herbei gezogene Argumentation, aber das glaubt wenigstens jeder.


Noch ein kleines Bonmot in eigener Sache: Was ich jetzt schreiben werde, gehört in die Kategorie "Wissen aus Dritter Hand und Hörensagen". Lesen deshalb nur auf eigene Gefahr.
Es geht um KTG, Gutti, oder auch den zukünftigen Kaiser von Deutschland, je nachdem wie man ihn bezeichnen und nennen will. Ja, genau, der mit der blonden Frau aus dem Fernsehen. Unser Verteidigungsminister.
Der war ja neulich in Afghanistan, genauer gesagt in Masar-al-Sharif, wo die Bundeswehr einen Fliegerhorst unterhält, um mit dem Beckmann eine Talkshow aufzuzeichnen. Während seine Frau vernünftigerweise im wesentlich sichereren Kabul herum spaziert ist.
Abgesehen von der Frage, was der Beckmann da sollte, abgesehen von der Idee, seine Frau medienwirksam mitzunehmen und sie den Flug selbst bezahlen zu lassen, abgesehen davon, dass zwei Ministerpräsidenten der CDU ebenfalls bei dieser Posse beteiligt waren, was bleibt da noch zu sagen? Richtig, das Wissen aus dritter Hand.
Aber lassen wir dafür die betreffende Person doch selbst zu Wort kommen.
"Hey, hast du die Bilder gesehen, auf denen unser Verteidigungsminister mit schusssicherer Weste durch Masar-al-Sharif geht? Das war so lächerlich. Mensch, in dem Ort gibt es McDonalds und Pizza Hut - aber sicher keine schießwütigen Taliban. Ich habe so gelacht."
Nun, ich denke, damit habe ich genügend Gerüchte in die Welt gesetzt.