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Montag, 26. August 2013

Neulich auf der Party zum Vierzigsten

Heute mal ein eher kurzer Blogeintrag. Gestern habe ich geholfen, das abzubauen, was wir Samstag mit großer Verve aufgebaut haben: Die Kulissen für einen runden Geburtstag, nämlich einen vierzigsten. Kurz und gut, es war eine tolle Party, alle hatten viel Spaß, und das Abbauen war beinahe noch lustiger als der Aufbau oder die Party selbst. Weil der Freund es mir wert ist.

Worauf will ich hinaus? Nun, den Party-Abend hatte ich mich noch ein wenig geärgert. Über einen Bekannten, der sich im Netz vollmundig dafür ausgesprochen hat, dass Impfen eine Entscheidung der Eltern ist und auch bleiben muss. Das macht ja eigentlich auch Sinn, wenn man diesen impfmüden Eltern zutrauen könnte, beide Seiten des Themas gehört zu haben, und nicht nur den schmockigen Nonsens mancher Hebamme, "Masern gehören einfach dazu und das Kind kriegt anschließend eine tolle Statur und es stärkt das Immunsystem und, und, und..." Also bin ich eigentlich nur sauer, weil ich zu wissen glaube, dass mein Bekannter einseitig informiert ist. Wäre er das nicht, dann hätte er vor einer Masern-Erkrankung seines Kindes und die Meningoenzephalitis, also die Entmarkung der Gehirnnerven und ihre einhundertprozentige Tödlichkeit eine Heidenangst. Also, ich spiele nicht und niemals Lotto, und hätte ich ein Kind, würde ich für das angebliche stärkere Immunsystem keine Chance von eins zu dreitausend darauf riskieren, dass mein Kind drei bis fünf Jahre nach den Masern an dieser Spätfolge stirbt... Na ja, genug aufgeregt.

Jedenfalls, besagter Freund von besagter Party hat nun mittlerweile eine zweijährige Tochter. Und auf meine forsche Nachfrage, ob sie denn gegen Masern geimpft sei, kam die höchst erfreuliche Antwort: "Na logo. Sie ist voll durchgeimpft." Vor allem aber kannte er die Meningoenzephalitis und wollte das für seine Tochter auf keinen Fall riskieren.
Da sage ich doch nur: Daumen rauf. d^^b Vertrauen in die Menschheit wiederhergestellt.

Und nur für den Fall, dass ein Impfgegner vorbeisurft: Herzlich willkommen. Ich freue mich auf Deine Argumente.
Und nein, Schwermetall im Impfstoff ist kein Thema, solange Hundekot Bestandteil der Homöopathie ist. Als Wirkstoff. Oder Quecksilber, das wir im homöopathischen Produkt Meditonsin in der Dosierung D8 als Mercurius Cyanatus wiederfinden (Cyanatus, auch noch Blausäure, tststs.)
Und nur btw, weil ich es kann: ICH wäre heilfroh darüber gewesen, hätte mich jemand gegen Windpocken geimpft, und mir wäre das wirklich lästige Kranksein und Jucken erspart geblieben. Wirklich jetzt.
Btw, ich habe Masern, Mumps und Windpocken mitgemacht, bin aber jetzt Stauballergiker. Aus eigener Erfahrung kann ich also weder davon sprechen, dass mein Immunsystem gestärkt wurde, noch dass meine Haltung verbessert wurde. Aber die Krankheiten hätte ich trotzdem gerne nicht durchgemacht. ^^°°°

Mittwoch, 14. November 2012

Yay, Meditonsin! Drei Daumen für drei "Wirkstoffe".

Args. Und das meine ich auch so: Args.
Gerade habe ich auf Scienceblogs.de im Astrodictium Simplex von Florian Freistetter, der gerne mal gegen unwirksame Hokus-Pokus-Wissenschaft schreibt, einen Artikel zu einem Buch gelesen, das zwei Wissenschaftsjournalisten zum Thema Homöopathie geschrieben haben. Ich bin noch nicht ganz durch, aber der Artikel enthält keine Überraschungen. Jeder, der sich ein wenig mit Homöopathie beschäftigt und weiß, wie diese wirken soll, schüttelt spätestens bei D10-Verdünnungen (also ein Tropfen Wirkstoff auf zehn Milliarden Tropfen Wasser) ungläubig den Kopf, weil so etwas als wirksam in Deutschland verkauft werden darf.
Dabei erinnerte ich mich an letzten Freitag, als ein Bekannter - hallo, Maik - zufällig etwas zum Thema Homöopathie sagte. Da kam es vom Freund meiner Schwester, der neben mir saß, in die Richtung des Bekannten: "Pass auf, das dauert jetzt länger."
Na ja, es kommt, wie es kommen muss. Ich bin halt ein weltverbessernder Besserwisser und Oberlehrer und habe versucht, mit ihm (dem Freund meinre Schwester) zu diskutieren. Habe versucht herauszufinden, warum er pflanzliche Medikation mit Homöopathie gleichsetzt. Was vom Simile-Effekt erzählt. Von den Verdünnungen. Kam natürlich nicht an. In dem Punkt kann er, so intelligent er auch ist, recht stur sein. Zwischendrin aber machte ich einen Fehler. Er sagte zu mir: "So, jetzt hast du es geschafft, Alex. Jetzt nehme ich mein Meditonsin nicht mehr."
Ich sagte: "Doch, doch, nimm es ruhig, wenn es dir hilft." Fehler. Riesenfehler Ganz großer Riesenfehler.
Daran habe ich mich erinnert, als ich den Artikel las, und gleich bin ich losgestromert, um Meditonsin auf den Zahn zu fühlen, wie vor zwei Jahren der tollen Schmerzsalbe mit Paraffin, Arnika und Zaubernuss, die unbedingt trotz D3-Verdünnungen homöopathisch sein wollte.
Ich verzichte jetzt mal auf eine Direktverlinkung, weil ich Schiss vor der Wirtschaftskraft der Homöopathen habe. Und ihren Anwälten. Wer es schafft zu verhindern, dass alle Medikamente in Deutschland ihre Wirksamkeit beweisen müssen, und nur bei Homöopathie muss jemand nur nicken, um es genehmigen zu lassen, der ist zu allem fähig. Und eventuell ganz gemein zum kleinen Ace. ^^°

Also, ich wollte mich mit der Zusammensetzung des Meditonsins beschäftigen und habe daher über Google die Homepage aufgesucht. Das kann jeder für sich machen. Dazu muss ich nicht verlinken. Wer also gerne meinen Schritten folgen will, der gebe jetzt Meditonsin auf Google ein. Schwupps, hat man die Homepage. So, und jetzt, liebe User, sucht mal neben den nützlichen Tipps wie Dosierung, zur zusätzlichen Einnahme von Vitaminen, Tees und vor allem schweißtreibenden Tees während der Erkältung, ihren Jugendfußballprojekten und Gratis-Promo-Paketen für Apotheken, nach einem Hinweis, woraus Meditonsin überhaupt besteht. Findet Ihr nicht? Auch nicht hinter dem kreisrunden Link mit der Aufschrift: Meditonsin - Homöopathie? Da gibt es nur asiatische Suppe? Die ist aber sehr gesund. Und soll schmecken. Aber sie wird nicht homöopathisch dosiert, glaube ich.
Um an die Zusammensetzung zu kommen, muss man schon ein wenig suchen. Das ist aber nicht so schlimm, die Anzahl der Links ist übersichtlich. Unter dem Punkt Einnahme findet man ganz, ganz unten auf der Seite einen Link auf den obligatorischen Beipackzettel. Und hier, endlich hier, kann man mal schauen, was denn in Meditonsin drin ist. Vorweg eine gute Nachricht: Schon mal keine Globuli, diese merkwürdigen Zuckerkügelchen.
Diese Packungsbeilage enthält als Punkt zwei den guten Rat, dass der Nutzer, bessern sich die Symptome nach drei Tagen nicht - nein, nicht die Dosierung erhöhen soll, sondern zum Arzt gehen soll. Also, das finde ich nett von denen. Macht nicht jeder Vertreiber von homöopathischen Produkten.
Etwas höher finden wir übrigens die Zusammensetzung. In homöopathischer Dosierung. Hrm.

So, hierfür brauchen wir etwas mehr Platz. Angegeben sind nur lateinische Namen, zu denen die deutsche Wikipedia nur einmal was zu sagen hat, dazu aber später mehr. Ja, auf die Wikipedia verlinke ich wieder. Die tut mir nichts.

Erster Wirkstoff: Aconitinum D5. D5 bedeutet nach der gängigen Dosierungsmethode der Homöopathie, dass auf einen Tropfen Wirkstoff etwa einhunderttausend Tropfen Wasser kommen. Wikipedia schätzt D4 als halben Liter ein. D5 ist demnach das Zehnfache: Fünf Liter. Aber wir wissen ja, die Homöopathen sagen, je dünner, desto wirksamer.
Was aber ist dieses Aconitinum, das mit einem Tropfen Wirkstoff auf fünf Liter Wasser verdünnt wird?
Zu Aconitinum findet man nur homöopathische Seiten. Zu Aconit aber sagt die Wikipedia,  Aconitsäure ist eine Dehydration (Reduzierung) von Citronensäure z.B. aus Blauem Eisenhut.
Also habe ich eine schlechte und eine gute Nachricht. Die schlechte ist: Stammt die Aconitsäure aus dem Eisenhut, ist sie hochgiftig. Jetzt aber die gute: Verdünnt auf fünf Liter Wasser ist ein Tropfen so gut wie unwirksam.
Zu denken gibt mir noch der Begriff Aconitinum, der wunderbar nach Latein und wissenschaftlich klingt, aber nur auf homöopathische Seiten führt. Das bringt mich auf den Schluss, dass Aconitinum entweder mit der Aconitsäure identisch sein muss, oder dass es sie gar nicht gibt. Sucht es euch aus, Homöopathen.

Zweiter Wirkstoff, und da sagt der Name schon alles: Atropinum Sulfuricum D5.
Auch Atropinum Sufuricum ergooglet nur homöopathische Seiten, die Wiki kennt sie nicht mal. Aber ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen. Atropin kenne ich noch aus der Bundeswehrzeit als Notfallmittel bei Vergiftung durch chemische Kampfstoffe. Es ist ein Derivat aus der Tollkirsche, ein giftiges Tropan-Alkaloid (was das bedeutet). Das schwungvoll gestaltete Sulfuricum deutet auf Schwefel hin, was ja durchaus in Medikamenten zu finden ist und zu den überlebensnotwendigen Spurenelementen gehört. Also entweder haben wir hier wieder ein Mittel, das es nur in der Homöopathie gibt, oder wir habe eine Mischung aus Atropin und Schwefel, das aber, wie schön, erneut in D5 dosiert ist. Also etwa ein Tropfen Substanz auf fünf Liter Wasser. und wir reden hier glücklicherweise von Pipettentropfen.
An dieser Stelle möchte ich sagen, dass wir uns durchaus noch im wirksamen Bereich befinden. D5 gilt als Verdünnungsform, bei der noch Wirkstoff in der Endlösung zu finden ist.
Andererseits bin ich froh über diese doch sehr starke Verdünnung (und Verwässerung des Atropins mit Schwefel), weil es sich bei beiden, sowohl dem Aconit als auch dem Atropin, nicht gerade um ungefährliche Stoffe handelt. Also, ich bin kein Chemiker und kein Laborant, aber die Verdünnungen bewegen sich meines Erachtens nach an der Schwelle der Unwirksamkeit.

Kommen wir zum letzten angegebenen Wirkstoff. Der letzte Wirkstoff, diesmal in D8, also noch drei Stufen höher verdünnt (fünf Kubikmeter Wasser für einen Tropfen Lösung. Und das sauge ich mir nicht aus den Fingern.): Mercurius Cyanatus.
Lasst das mal auf der Zunge zergehen: Mercurius Cyanatus. Jeder, der sich ein wenig für Latein interessiert, weiß natürlich, dass es sich bei Mercurius um Mercur handelt, sprich: Quecksilber! Und Cyanatus, oder auch Cyan oder Cyanid, ist die gute alte Blausäure. Wir haben es hier mit einer chemischen Verbindung zu tun, dem Quecksilber (II)-Cyanid. Und das ist hochgiftig. Das war übrigens die schlechte Nachricht. Jetzt die gute: In einer Dosierung auf  fünf Kubikmeter Wasser ist dieses Zeug so gut verdünnt, dass es garantiert KEINE Wirkung mehr hat.

Also, was haben wir hier? Einmal Aconitsäure, die zu Krämpfen, Herzstörungen und Kreislaufstörungen führen kann.
Dann das Atropin-Schwefel-Gemisch. Zwar kann ich einsehen, das eine Erweiterung der Bronchien sinnvoll sein kann. Aber warum nimmt man dafür eine Beschleunigung der Herzfrequenz, verminderte Schweißbildung (eigentlich ist Schwitzen sehr gut bei Erkältungen) und u.a. Verminderung der Sehfähigkeit in Kauf?
Der letzte Punkt, der Knaller in der Geschichte, das Quecksilber-Blausäure-Gemisch: Wir wissen alle (vor allem die, die meine Geschichte Belongo lesen), dass Blausäure verhindert, dass die Körperzellen den Blutsauerstoff aufnehmen können. Hochgradige Blausäurevergiftungen äußern sich dann auch in blauer Haut, also stark mit Sauerstoff gesättigtem Blut in den Gefäßen, das keine Abnehmer findet. Unbehandelt ist das tödlich.
Quecksilber (Schwermetall) ist genau das Zeug, von dem Impfgegner der Pharmaindustrie immer vorwerfen, sie würden es in die Impfstoffe packen.
Zu Recht, denn würden sie es tun, würden sie riskieren, dass ihre Kunden an schwerwiegenden Krankheiten wie Lähmungen und Depressionen erkranken, sogar ins Koma fallen können, wie beim Minamata-Vorfall. Zum Glück sind Hersteller von Meditonsin aber so nett, es so stark zu verdünnen, dass eine Vergiftung nicht im Entferntesten möglich ist. Allerdings auch jede positive Wirkung.

Fazit: Ich finde es bedenklich, dass Meditonsin, das immerhin laut Beipackzettel sechs Prozent Alkohol enthält, für Babies ab dem siebten Monat empfohlen wird. Nicht, dass ich wüsste, das ein Tropfen Wasser mit sechsprozentigem Alkohol einem Baby schaden könnte. Es ist einfach nur ein Bauchgefühl, ein Unwohlsein. Alkohol gehört einfach nicht in Babies und Kleinkinder. Finde ich. Ich lasse mich da gerne vom Gegenteil überzeugen. Aber das wird schwierig, weil das eine emotionale Sache ist.
Ich finde es auch sehr bedenklich, dass das Atropin-Schwefelgemisch und die Aconitsäure in D5 gemischt sind. So haben sie theoretisch noch eine gewisse Wirkung. Aber wo ist bitte bei diesen Wirkungs-Symptomen die Wirksamkeit gegen eine Erkältung? Außer der Erweiterung der Lungenbläschen durch das Atropin sehe ich nur negative Auswirkungen. Aber zum Glück ist die Dosierung so gering, das ich auch getrost annehmen kann, dass beide Bestandteile eigentlich gar keine Wirkung haben.

Und zuguterletzt noch mal in die Runde geworfen: Wenn jeder verdammte Patient von seinem verdammten Homöopathen individuell eingestellt werden muss, damit er auch das verdammt noch mal richtige homöopathische Medikament bekommt, warum empfiehlt sich Meditonsin dann in Bausch und Bogen für jeden von sieben Monaten bis Open End? Ist das nicht der ganzen homöopathischen Branche gegenüber unfair? Oder muss es nicht eingestellt werden, nicht individuell beurteilt werden, nicht in die gesamtkörperliche Behandlung einfließen? Warum nicht?
Also, die beiden D5-Dosierungen können wirken. Eventuell. Vielleicht. Besser, sie tun es nicht.
Was bleibt, wenn die D5-Dosierungen von Aconitsäure und Atropin-Schwefel genauso wenig wirken wie das D8-Quecksilbercyanid?
Dann ist der einzige Wirkstoff die sechsprozentige Alkohollösung. Und echt, Leute, dafür reicht doch ein Bier. ^^°
Ich glaube, ich rede noch mal mit dem Freund meiner Schwester...