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Freitag, 10. Februar 2012

Und noch ein Klimablog-Eintrag...

Wir aufmerksame Leser meines Blogs wissen, habe ich mich vor einiger Zeit mit dem Klimawandel beschäftigt. Wie sie auch wissen, habe ich mir einen Flamewar mit dem Nutzer "anonym" (nicht lachen. Am Ende wollte er "Der Anonyme" genannt werden) geliefert, den ich beendete, als er nicht nur mich als hirnlos beleidigte, sondern auch noch meine anderen User beschimpfte, vor allem solche die ihm Paroli geboten haben wie Spelllord und Stinkstiefel.
Den darauffolgenden anonymen Nutzer, der in die gleiche Kerbe schlug, habe ich leider verloren, weil er sich im automatischen Spamfilter wiederfand, und er dachte, ich würde zensieren. Tja, tut mir leid, mein Blog ist anscheinend klüger als ich.
Im Zuge dieser Erlebnisse habe ich mich natürlich intensiver mit dem Klimawandel und dem Gegenhype beschäftigt, und treibe mich seither weit häufiger auf Scienceblog.de herum, wo Wissenschaft leicht verständlich aufbereitet wird. Nicht immer, aber immer öfter.
U.a. Florian Freistetter hat es mir angetan. Der Astronom in Jena hat es problemlos geschafft, die Elenin-Verschwörung ad acta zu legen, den Nibiru-Glauben zu widerlegen, und mit seinem E-Book Keine Panik den 2012 Untergangshype ad absurdum zu führen. Wobei seine Maxime ist: Glaubt jetzt nicht mir statt den Weltuntergangsverschwörern, eignet euch Wissen an und überprüft die Argumente der Weltuntergangsverschwörer selbst.

Heute geht Florian auf das Buch von Varenholdt und Lüning ein, das von BILD BLÖD massiv beworben wurde: "Die kalte Sonne"
Nein, diesmal kein Verkaufslink.
Genauer gesagt geht er auf das Buch gar nicht ein, denn das hat er nicht gelesen. Er bezieht sich nur auf etwas, was er aus online stehenden Auszügen weiß, nämlich dass sich Teile des Buchs auf die Theorie des dänischen Physikers Henrik Svensmark, der in der kosmischen Strahlung eine treibende Kraft im Klimawandel sieht. oder einfacher ausgedrückt: Viel kosmische Strahlung bedeutet viele Wolken, also ein kühleres Klima. Im Artikel kommt Florian selbst gar nicht so zu Wort, sondern lässt andere Klimaforscher zu Wort kommen, bzw. postet Auszüge aus Erklärungen anderer Wissenschaftler zur Theorie, die seit Ende der Neunziger bekannt ist, aus den Jahren 2010 und 2011. Der Tenor ist folgender: Kosmische Strahlung bildet Wolken, aber sicher nicht in dem großen Maß, den Svensmark theoretisch angenommen hat.
Untersuchungen des CERN sollen ähnliche Ergebnisse gebracht haben.
Und?, werden sich jetzt manche fragen. Warum bloggt Ace darüber, anstatt einfach zu verlinken?
Warum macht er hier den Steigbügelhalter für Florian Freistetter, anstatt über das zu schreiben, was er kann?
Stimmt, da gebe ich Euch Recht. Ich bin kein Klimaexperte, kein Klimawissenschaftler, und ich habe in diesem recht langen Blogeintrag bisher nur wiedergegeben und keine eigenen Gedanken eingebracht, außer vielleicht dem, dass ich nicht daran glaube, dass es keinen Klimawandel zu höheren Temperaturen gibt. (Das schiebe ich allerdings eher auf eine periodische Erwärmung der Erde, schließe einen - geringeren - Einfluss durch Klimagase aber nicht aus.)
Ich will mich auch gar nicht auf "Die kalte Sonne" einschießen, denn das Buch habe ich auch nicht gelesen. Und den Grundtenor halte ich ohnehin für groben Unsinn, wenn der Manager eines Energiekonzerns seinen Kohlekraftwerken und ihrer CO2-Emission Sakrosanz bescheinigt.
Nein, hier kommt etwas ganz anderes. Ich widme mich den ersten beiden Trollen in den Kommentaren. Warum? Weil ich auch Trolle hatte, und ich will sie wieder haben. Vor allem jetzt, da ich mit trollischem Verhalten besser umgehen kann, und mein Wissensstand von "Zeitungswissen" zum Klimawandel auf "Belesen" angestiegen ist, also Level-Up.
Ich werde die ersten Trollereien copy&pasten, solange ACTA noch nicht ratifiziert wurde, und dazu kleine Analysen schreiben.

Gleich der erste Post vom User Dalek zeigt das übliche Trollsein:
Religiose Diskussion mit inquisitorischen Zügen an beiden Seiten. Schade!

Mit diesem einfachen Satz unterstellt er dogmatisches Denken mit Missionierungsglauben. Man mag ihm zugutehalten, dass er dies auf beiden Seiten sieht. Aber augenscheinlich hat er den Artikel nicht gelesen, sonst hätte er festgestellt, dass nur auf einer Seite (Geld-)Inquisitoren der Stromlobby missionieren wollen. Auf der anderen Seite steht ein halbes Dutzend Wissenschaftler, das sich mit Svenmarks These auseinander gesetzt hat. Sehen wir es als Anbiederungsversuch, um nicht gleich mit Antitroll behandelt zu werden.


Kommentar zwei lohnt sich, zerpflückt zu werden:
P.S.: Zu einem Buch Stellung zu nehmen, das man nicht gelesen hat, ist schon ein Stück rhetorische Akrobatik. Im Sozialismus wurden damals auf diese Weise Bücher verrissen, die ohnedies verboten, da unbequem, waren. Eigentlich bin ich von diesem geschätzten Blog(ger) ein höheres Niveau gewohnt. 
Hier haben wir schon den ersten Nebelschuss. Breitseite vor Florians Bug: Was fällt ihm ein, das Buch zu kritisieren, wenn er es nicht mal gelesen hat? Was Dalek übersieht, ist aber folgendes: Er hat gar nicht das Buch kritisiert. Das hat sich selbst ad absurdum geführt, weil es zum Teil auf der umstrittenen Theorie Svensmarks beruht. Und die hat Florian eigentlich besprochen. Der Schuss vor den Bug wird also ein Eigentor. Allerdings nicht in trollischer Logik, denn es geht weiter:

Und dass Herr Vahrenholts kein Wissenschaftler ist und keinen Anspruch erhebt, auch nur ansatzweise als ein solcher zu gelten, das betont der Autor explizit und offen an mehreren Stellen, unter anderem auch (wer das Buch nicht lesen will) im gedruckten Spiegel-Interview.
 Ja, was denn nun? Man kann natürlich antworten, dass man das Buch dann gar nicht zu lesen braucht, wenn Herr Varenholdt es ja dadurch selbst entwertet, dass er sagt, kein Wissenschaftler zu sein. Oder man kann ein Buch, das als wissenschaftlicher Beitrag gelten will, auch wissenschaftlich behandeln. Sprich: Widerlegen oder bestätigen. Oder genießen Freizeitwissenschaftler besonderen Welpenschutz, wenn sie sich wissenschaftliche Daten zu eigen machen oder den Anspruch erheben, solche zu schaffen? Man kann natürlich nicht so scharf mit Laien ins Gericht gehen. Und man kann Herrn Varenholdt seinen Lobbyismus ruhig verzeihen, da er ja bei RWE arbeitet. Aber deshalb das Buch durchwinken, nach dem Motto: Ja, ja, der wird schon Recht haben, das hat schon Züge der Political Correctness in einem unnötigen Fall. Ich sage: Kein Kotau vor der Laienwissenschaft, nur weil es Laien sind. Man sollte erst auf sie hören, wenn sie den Schatz des Priamos gefunden haben.

Weiter geht es mit Dalek - ehrlich, Doktor Who-Fans müssten jetzt schon 'nen dicken Hals haben - wie folgt:
Ansonsten finde ich cool, dass die Reaktionen auf Vahrenholts Äußerungen so präzise vorhersehbar sind :-)
Natürlich sind sie präzise vorher zu sehen, wenn sich sein Buch auf eine Theorie stützt, die im schönsten Fall seit einem Jahrzehnt kontrovers diskutiert, und im schlimmsten Fall als nicht maßgeblich für die Klimaforschung gilt.
Auch hier gilt: Kein Welpenschutz für Freizeitwissenschaftler, wenn sie wissenschaftlich ernst genommen werden wollen. Tun sie das nicht, hat das Buch das Label Belletristische Erzählung verdient.


Richtig interessant aber wird es mit dem Nutzer Klimaexperte. Wobei ich nicht sicher bin, ob Dalek nicht einfach alleine einen Zweifrontenkrieg versucht. Auch hier wieder eine Stückelung, weil der Text länger ist:
Glauben Sie mir, Herr Freistädter und andere Wissenschaftshörige, die Bevölkerung hat euch schon längst durchschaut. 
Nun, ich gehöre zur Bevölkerung, und ich habe Florian auch durchschaut. Als wissenschaftlich, Faktenorientiert arbeitenden Astronom, der mir Wissenschaft mundgerecht aufbereitet. Wobei Wissenschaftshörige nur bei Esoterikern ein Schimpfwort ist. Wir faktenbasierenden Lebensformen sehen das eher als Lob an.

Mit dem Klimaschwindel werdet ihr nicht durchkommen, um der Bevölkerung das Geld aus der Tasche zu stehlen. 
Ich stehe gerade etwas auf dem Schlauch. Wie zieht die Klimaforschung der Bevölkerung das Geld aus der Tasche? Ich meine, die Gegenseite will doch Geld haben, indem sie Bücher wie "Die kalte Sonne" verkauft. Und die Forschungsgelder, die Klimaforschung verwendet, sind nichts gegen die Lobbyzahlungen an die KKW-Betreiber alleine in Deutschland.
Was wollen denn Klimaforscher, die z.B. CO2 als Treibhausgas erkannt haben und sagen, dass ein erhöhter Ausstoß des Klimagases die Welttemperatur erhöht: Dass weniger produziert wird.
Und was bedeutet das? Dass ihnen jemand Geld zahlen muss? Nein, es bedeutet den Umbau der Industrie, weg von fossilen Brennstoffen, hin zu neuen Technologien, und das weltweit. Das bedeutet: Geld in die Hand nehmen. Was also werden Leute tun, die in ihrem Unternehmen auf fossile Brennstoffe setzen und für die neue Zeit eine Menge Geld in die Hand nehmen müssen?
Einerseits schicken sie ihre Spitzenmanager als Frontleute für ein Buch wie "Die kalte Sonne" an die Spitze. Andererseits bezahlen sie Leute, die dafür sorgen, dass Typen wie der Klimaexperte eine großangelegte Weltverschwörung hinter dem Begriff Klimawandel erkannt zu haben glauben. Oder selbst diese Leute sind. Also, Geld wird hier nicht unbedingt generiert, wenn am Klima geforscht wird. Mir ist auch kein Korruptionsskandal im Zusammenhang mit veruntreuten Forschungsgeldern im Klimaforschungssektor bekannt, bei dem Milliarden veruntreut wurden. Ach kommt, Leute, Klimaforschung wird seit den Sechzigern betrieben. Hat da nicht mal wenigstens einer die üppigen Forschungsgelder zweckentfremdet? Ich meine, wenn es keinen Klimawandel gibt, dann liegt das Geld doch nur so rum, oder?
Okay, das war jetzt sehr trollig von mir. Aber man sieht daran auch die Hauptvorgehensweise des Trollseins: Möglichst breit angelegte, schwammige Argumente, möglichst mit dem Hinweis auf eine größere Gegnerschaft, möglichst mit Hinweisen auf eine Weltverschwörung. Zumindest beim Thema Klimaforschung, Chemtrails, Elenin, Nibiru, Homöopathie, usw.


Seit den gefälschten e-Mails ist wohl mittlerweile jedem klar - außer den bezahlten Jungs von der Erwärmungsprognostik - was hier für ein mieses Spiel gespielt wird. 
 Hä? Was ist das denn für eine Logik? Ausgerechnet die bezahlten Jungs von der Erwärmungsprognostik sollen ihre eigenen Forschungen nicht kennen? Also entweder werden sie dafür bezahlt, ihre Daten zu fälschen, um einen Klimawandel herbei zu reden, oder ihre Daten sind korrekt. Wo ist dann das miese Spiel?
Und welche gefälschten e-Mails? Mir ist nur ein Fall bekannt, in dem rund einhunderttausend Mails von Klimaforschern von einem Server gestohlen und veröffentlicht wurden. Was aber als "Klimagate" verkauft wurde, entpuppte sich nur als recht ruppiges Untereinander verschiedener Forscher und ihrem Beitrag zu größeren Modellen.
Auffallend ist hier das Troll-Verhalten: Schlagwort auf Schlagwort, aber sieht man auch einen Link? Nein. Und wo ist das miese Spiel, wenn es doch die Atomlobby ist, die mit Geld zugeschissen wird?


Und was soll dieser Artikel überhaupt? Sie weigern sich aus dogmatischen Gründen das Buch zu lesen, lassen sich aber Länge mal Breite, ob direkt oder indirekt, darüber aus. Das ist wirklich unfassbar. Wir sind hier nicht in der Sowjetunion. Obwohl, so sicher bin ich mir da jetzt auch wieder nicht.
In diesem Teil sehen wir wieder das ganze Ausmaß an trollischem Denken: Klimaexperte hat den Artikel nicht mal gelesen, wie es scheint, sonst hätte er  - wie ich - gesehen, dass Florian lediglich Svensmarks Theorie bespricht, beziehungsweise Rezensionen anderer Wissenschaftler zum Thema herausgesucht hat. Von dogmatischen Gründen kann hier absolut keine Rede sein. Ein Dogma ist ein unumstößlicher Tatbestand, religiös, so wie die Jungfrauengeburt durch Maria, oder die Dreifaltigkeit von Gott, Jesus und Heiligem Geist, an dem nicht gerüttelt werden darf. Ein Wissenschaftler kann und darf gar nicht dogmatisch sein, sonst überrollen ihn die neuen Erkenntnisse, und während er noch einen Status Quo verfolgt der veraltet ist, arbeiten alle anderen schon mit neuen Fakten. Dieses Verhalten bin ich eher von Kreationisten und Intelligentes Design-Anhängern gewohnt.
Und betrachten wir das Abschlussargument: Wir sind nicht in der Sowjetunion.
Hierbei übersieht Klimaexperte, dass Florians Artikel mit seiner Veröffentlichung nicht automatisch die neue Lehrmeinung Deutschlands ist, redet aber einen staatlichen Zensurvergleich wie im repressiven Regime herbei.
Im Gegenteil, hier in Deutschland kann jeder zu jedem etwas sagen, solange er keine strafbare Handlung damit begeht. Also darf Florian Freistetter bloggen, und Vahrenholt darf ein Buch veröffentlichen. Nur sollte man den einen ernster nehmen als den anderen. All das sind keine sowjetischen Verhältnisse, beileibe nicht.

Fazit: Was macht trollisches Verhalten aus, vor allem solcher Verschwörungstrolle?
Das, was sie der Wissenschaft am meisten vorwerfen: Dogmatisches Denken. Wie habe ich sie erkannt? Nun, sie kamen nur vorbei, um ihre vorgefertigten Argumente abzuladen. Und das haben sie sehr allgemein getan.
Mein Troll war da doch von anderem Kaliber, der war zumindest bereit, hier und da ins Detail zu gehen, auch wenn es sich darauf beschränkt hat, auf SEINE Details einzugehen.
Bleibt mir nur noch zu sagen: Don't feed the Trolls. Aber es schadet nicht, ihre Dogmen ad absurdum zu führen.

P.S.: Ich glaube immer noch an eine periodische Erwärmungsphase, in der wir gerade auf dem Weg ins Plus sind (auf dem Weg zur nächsten Eiszeit, also wird es auch mal wieder kälter) als Hauptursache für den globalen Temperaturanstieg, habe einen Einfluss des Menschen aber nie ausgeschlossen. Mittlerweile halte ich ihn für höher als bisher von mir angenommen, aber ich fürchte, die zwei Grad globaler Erwärmung bis 2050 werden wir nicht erreichen. Aber das ist meine eigene Meinung, die ich nur mit wenigen Fakten unterlegen und daher nur interpretieren kann, keine wissenschaftliche Arbeit. Dennoch ist das mehr, als die beiden Trolle Dalek und Klimaexpertesich da geleistet haben.

Freitag, 4. November 2011

How to deceive german people...

Also, Leute, ich weiß ernsthaft nicht, wo ich heute anfangen soll.
Ich weiß wirklich nicht, wo ich thematisch hinsteuern soll.
Und ich weiß echt noch nicht, wie weit ich es heute führen soll.

Fangen wir mit dem Thema an, über das ich ursprünglich posten wollte:
Mittagstisch. Diskussion. Zufällig erwähnt: "Pluto ist ja kein Planet mehr."
Da kriege ich zu hören: "Ja, aber dieser andere Planet im Planetoidengürtel, der größer als der Mond ist, der soll ja Planet werden."
"Wo? Im Asteroidengürtel?" "Ja." "Größer als der Mond?" "Ja." "Du meinst nicht Ceres?"
"Nein, das kam im Fernsehen. Den haben sie neulich erst entdeckt."
"Das ist unmöglich." ... ... ... "Du weißt auch nicht alles besser, und es kam im Fernsehen."
...
"Das ist trotzdem unmöglich. Ein Objekt dieser Größe müsste schon vor Jahrtausenden entdeckt worden sein. Sieh dir Ceres an. Eintausend Kilometer groß, und seit Ewigkeiten bekannt."
"Aber es kam im Fernsehen in so ner Sendung. Man konnte ihn vorher nicht sehen, weil er so eine Oberflächenstruktur hat. Er wurde jetzt erst entdeckt."
"Sieh mal, ein Objekt größer als der Mond, das sich im Planetoidengürtel befindet, reflektiert Sonnenlicht und wird damit sichtbar. Ceres hat man so entdeckt. Wenn das Ding größer als der Mond ist, dann hätte man deinen Planeten noch vor Ceres entdecken müssen."
"Aber es kam im Fernsehen. Du weißt auch nicht alles besser. Die werden ja keinen Quatsch erzählen."
"Das ist trotzdem unmöglich. Du meinst sicher den neuen Planeten, den man in der Oortschen Wolke hinter Pluto entdeckt hat..."
"Nein, im Planetoidengürtel. Kam im Fernsehen. Und jetzt halt die Klappe."
...sacken lassen.

Also, hier noch mal zum Mitschreiben: Der Astronom Florian Freistetter, der auf Scienceblogs.de das Astrodicticum Simplex betreibt, ein Blog, der Astronomie Laien erklärt und näher bringt, hat vollkommen Recht. Die Existenz dieses Planeten, der angeblich im Planetoidengürtel existieren soll, erfordert Glauben. Wissenschaft aber erfordert Wissen. Mit einigen schlichten Beobachtungen, ein wenig Fachliteratur und gesundem Menschenverstand wäre mein Gesprächspartner von selbst darauf gekommen, dass ihm das Fernsehen - schade, dass ich den Sender nicht weiß - gequirlte Scheiße erzählt hat.
Florian hatte und hat zuerst mit dem Kometen Elenin zu kämpfen gehabt, der wahlweise aus hochverdichteter Masse eines Neutronensterns bestehen sollte, oder selbst ein Brauner Zwerg sein sollte (weil Idioten Koma und Schweif des Planeten für genauso fest hielten wie Sonnenmasse, dabei ist sie gasförmig und flüchtig), oder eben ein Vorbote von Nibiru, der schon im Dezember nächsten Jahres die Erde treffen soll, und das auf einer Bahn, für die er dreitausendsechshundert Jahre braucht... Was 1) eine sehr exzentrische, ellyptische Umlaufbahn erfordert, und 2) bedeutet, er müsste, um nächsten Dezember der Erde auch nur nahe zu kommen, bereits auf Höhe der Jupiterbahn sein.
Wäre das Objekt tatsächlich so groß wie ein Brauner Zwerg, und damit locker zwanzigmal so Massereich wie der Jupiter, hätten wir schon einen zweiten Mond am Himmel, alleine weil er Sonnenlicht reflektiert.
Klingt das soweit für alle logisch? Gut, okay. Und für alle, die jetzt rufen, Nibiru sei nur im Infrarotbereich zu erkennen, bzw. er absorbiert Sonnenstrahlen, eine Gegenfrage: Wenn da plötzlich ein riesiger schwarzer Fleck durchs Sonnensystem wandert, der Sterne verdeckt, meint Ihr, der fällt nicht auf?

Summa summarum verhält es sich auch mit dem Planeten, von dem das Fernsehen behauptet hat (Oh, ich WILL wissen, welcher dämliche Sender das war!!!), er wäre größer als der Mond und befände sich im Planetoidengürtel: Ein Ding, das so groß ist, erreicht fast die Größe des Mars. Zwar ist der Planetoidengürtel noch weiter entfernt als Mars, aber trotz der höheren Entfernung wäre er das hellste Objekt im Gürtel und wäre ohne Mühe bei der richtigen Konstellation mit bloßem Auge zu sehen.
Und auch wenn er Licht absorbiert, d.h. kein Sonnenlicht reflektiert, aus welchen Gründen auch immer, würde man ihn spätestens dann entdecken, wenn er Sterne verdeckt.
Also, Leute, bitte, bitte, bitte. Das ist Kreationismus, das ist Glaube statt Wissenschaft. Das ist Schwachsinn. Schaut zum Himmel und guckt nach, ob da irgendwas zu finden ist.
Und an meinen Gesprächspartner gerichtet: Glaub nicht jeden Scheiß, den Du im Fernsehen siehst, und verbiete mir nicht den Mund, nur weil Dir meine Antwort unbequem ist. Letztendlich weiß ich nicht annähernd so viel über Astronomie wie Florian Freistetter, aber unter den Blinden ist der Einäugige König.


Nächstes Thema. Es ist lange her, dass ich mich über GMX.de/Web.de aufgeregt habe. Heute ist es mal wieder so weit.
Die Redaktion schreibt unter dem Titel Deutsche für Euro-Aus Athens bei Sparverweigerung: "Die große Mehrheit der Deutschen ist für einen Austritt Athens aus der Eurozone, sollten die Griechen bei einem Volksentscheid gegen das internationale Hilfsprogramm stimmen. 82 Prozent sprechen sich im aktuellen ARD-Deutschlandtrend für das Euro-Aus der Hellenen aus."
...sacken lassen.

Leute, ich kann hier zwei Dinge nicht glauben. Das eine ist, dass hier wirklich suggeriert wird, dass Griechenland aus dem Euro aussteigen KANN; das andere, dass deutsche Politiker das für eine LÖSUNG halten.
Und noch ein Punkt stößt mir dabei sehr sauer auf: BILD. Natürlich ist es die BILD-Berichterstattung, die Fähnchen nach dem Wind-Merkel dazu gebracht hat, nach Atom-Umstieg und Minderlohnschwenk nun vom alternativlosen Retten von Griechenland auf den RAUS! RAUS! RAUS!-Zug aufzuspringen.
...sacken lassen.

Leute, mal ganz ehrlich. Griechenland hat knappe elf Millionen Einwohner. Das Bruttoinlandsprodukt beträgt lt. Wikipedia 230 Milliarden Euro pro Jahr.
Zum Vergleich: Deutschland macht bei 82 Millionen Einwohnern fast 3,3 Billionen!
Oder um es mal in Worte zu fassen: Für eine Million Steuergelder, die Griechenland generiert, generieren wir zwei! Wir sind reicher als unser beliebtes südländisches Urlaubsland, erheblich reicher. Nicht nur ein bisschen reicher, sondern RICHTIG reicher. Und wir sind nicht die einzigen EU-Motoren. Sonst wäre das eine traurige Sache, das Vereinigte Europa.
...sacken lassen.

Natürlich läuft nicht alles rund in Griechenland. Gerade erst in den Siebzigern Demokratie geworden, ist der Staat recht jung. Korruption ist ein riesiges Problem. Beamte, die nicht existieren, Rentner, die nicht existieren und Tote, die Rente beziehen, sind für das erheblich geringere Budget Griechenlands ein Riesenproblem. Da muss was getan werden. Da muss aufgeräumt werden. Und man fängt am Besten z.B. in den Krankenhäusern an, wo man nur behandelt wird, wenn man sein Schmiergeld für den Arzt abgibt. Sicher. Aber das sind interne Probleme, die die Griechen bitte auch selbst regeln.
Okay, bleiben die großzügigen Beihilfen Deutschlands und anderer europäischer Staaten. Was ist damit?
Nun, ich misstraue Muberkel, dass wissen alle meine Blog-Leser. Und ich misstraue vor allem einer Hilfe, die vertraglich verlangt, das Griechenland von den Hilfsgeldern stantepede für ein paar Milliarden Euro deutsche U-Boote kauft. Was soll denn der Scheiß? Ich dachte, das Geld soll Griechenland helfen, und nicht Deutschen Werften? Muberkels Politik ist das.
Und jetzt kommt die Crux: Wofür ist das Geld da? Soll es die Infrastruktur verbessern? Fließen daraus Gehälter für Spezialisten, die Korruption bekämpfen? Werden wichtige Firmen wettbewerbsfähig gehalten, und damit Arbeitsplätze gesichert?
...sacken lassen.

Nun, es gibt da ein paar Banken, viele davon europäische Banken. Auch deutsche. Griechische sind, ehrlich gesagt, auch dabei. Die haben Griechenland geholfen, besser auszusehen als sie eigentlich dastanden, und ihnen damit den Sprung in die Währungsunion erleichtert. Und das war auch gut so, denn ich sehe einerseits in einem Land wie Griechenland in keinem Fall eine große Nagelprobe für eine Staatengemeinschaft von fast dreihundert Millionen Menschen, und andererseits kommt es auch deutschen Urlaubern zugute, die im Urlaub mit Euro bezahlen können.
Peter Scholl-Latour hat gesagt, es sei Quatsch, Griechenland zu "opfern" und den Euro politisch angreifbar zu machen, nur weil ein so kleines Land wie Griechenland in überschaubaren Schwierigkeiten steckt.
Zurück aber zu den Banken. Griechenland wurde ein rigoroser Sparkurs verpasst. Das mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen. Haben die doch alle über ihre Verhältnisse gelebt, die Pensionskassen und Rentenkassen leergefressen, und dergleichen - zumindest wenn man BLÖD glaubt. Aber was macht dieser rigorose Sparkurs? Warum demonstrieren so viele Menschen in Athen? Wieso wollen die nicht zum eigenen Wohl sparen? Trauern sie dem Geld nach, das die nichtexistenten Beamten bekommen haben, und das ihnen nun fehlt? Mussten sie jetzt doch Opa als verstorben abmelden und kriegen keine Rente mehr für ihn? Oder... sieht es vollkommen anders aus, und sorgt der rigide Sparkurs dafür, dass - japs - der sich selbst regulierende Markt plötzlich Arbeitsplätze KOSTET, weil die Sparmaßnahmen jeden vernünftigen Unternehmer kleine Brötchen backen lässt, bis die Krise vorbei ist?
Griechenland spart sich kaputt, aber nicht auf Kosten derer, die dort das Geld haben, die berühmten fünf Prozent. Auch nicht so sehr auf Lasten korrupter Ärzte, Richter, Rechtsanwälte, und was weiß ich noch. Nein, auf dem Rücken der Masse. Und glaubt mir, achttausend Renten, die an tote oder nichtexistente Personen ausgezahlt wurden, reichen nicht für elf Millionen korrupte Griechen.
...sacken lassen.

Und wenn wir schon mal dabei sind: WER kriegt eigentlich das Geld, das die EU zur Euro-Rettung zur Verfügung stellt? WER profitiert? Griechenland? Die Griechen? Die griechische Regierung? BILD? Nur eine Antwort ist richtig.
Aber es profitiert noch jemand. Hierzu ein kleines Rätsel: Wo hat das Land die meisten Verpflichtungen, d.h. die meisten Zinsforderungen, die es mit den Krediten aus Euro-Land fleißig bedienen muss, damit das Geld weiter fließt?
*trommelwirbel*
Richtig! Bei AUSLÄNDISCHEN BANKEN, darunter auch deutsche Banken! Dieser ganze Knüppelkurs, zur Schicksalsfrage für den Euro hoch gepusht, ist nichts weiter als eine Subvention für unsere eigenen Banken. Und das auf Kosten, des - zugegeben - korrumpierten Staates Griechenland, aber vor allem auf dem Rücken der kleinen Leute.
Das ist das Knochenxylophon, auf dem Muberkel und BLÖD gerade spielen.
...sacken lassen.

Und jetzt die Crux des Themas. Die europäischen Staaten und damit auch Griechenland haben rechtsgültige Verträge abgeschlossen. Weit reichende Verträge. Viele Verträge. Haben Rechte und Pflichten auf sich genommen.
Glaubt hier irgendjemand, Griechenland könnte einfach so zur Drachme zurückkehren? Glaubt hier irgendjemand, nur weil eine obskure Umfrage behauptet, die meisten Deutschen wollen Griechenland aus der Eurozone kicken, das hätte auch nur die geringste Auswirkung auf die Politik?
Glaubt hier noch irgendjemand, dass wenn Muberkel irgend etwas als "alternativlos" bezeichnet, dass es keine Alternativen gibt?
Nein, das geht alles nicht. Aber schreien tut sie ja, die Frau Doktor. Ach, wäre sie doch nur in der Physik geblieben. Dort kann man Macht-Politiker, die ihr Fähnchen nach dem Wind drehen, sicher noch gut gebrauchen...

Mein Fazit: Retten sieht anders aus. Größter Schwachsinn aus den Stuben des Turbokapitalismus und aus dem Schwarz/Gelben Regierungssumpf.
Mein Rat: Entweder die Zügel schleifen lassen und Griechenland zu einer Wirtschaft verhelfen, die ihre Verpflichtungen eines Tages begleichen kann, oder ein radikaler Schuldenschnitt. Trifft dann ohnehin nur die Banken, die überhaupt eine Mitschuld am Griechenland-Desaster haben.
Was den Schuldenschnitt angeht: Keine Angst vor dem Staatsbankrott. Staaten überleben sowas. Und ein so kleines Land wie Griechenland mit einem so kleinen Bruttosozialprodukt reißt uns nicht mit in den Untergang.

Aber, man fragt sich zu Recht, warum dafür Geld da ist, und in Deutschland Menschen beinahe schon zwei Jobs brauchen, um ihre Familien über Wasser zu halten.
Die Antwort steht weiter oben. Das Geld ist ja nicht für die Griechen, sondern für deutsche Banken. Und für ein paar versteckte Subventionen hat Schwarz/Gelb doch immer Zeit und ein paar Milliarden übrig...
Anstatt den Banken das Geld und die Zinsen in den Arsch zu schieben, wäre eine Übernahme der Schulden und eine Verringerung der Zinslast angebracht. Daran würde Deutschland noch sehr gut verdienen. Aber dann könnte man die Banken ja nicht versteckt fördern.
Und das erklärt auch unser bröckelndes Sozialsystem: Deutsche Staatsbürger, ob mit oder ohne Hartz IV, sind keine Banken.
...sacken lassen.


So, genug geschrieben. Das reicht definitiv für einen Eintrag. Und es reicht für mich, um mich zu ärgern.
Das nächste Mal hoffe ich, dass Lettland pleite geht. Nicht, dass ich den Letten Böses wünsche... Aber wer wie ich gefühlte fünfzig Mal Griechenland geschrieben hat, der weiß, was ich meine. ^^°°°