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Mittwoch, 15. Februar 2012

Atomkraft - nachgedacht.

Hi. Wie der Titel schon sagt, habe ich über Atomkraft nachgedacht. Genauer gesagt über die derzeitige Atomenergie. Mein eigener Artikel zu Generation IV-Kraftwerken und die Arbeit von Lukasz Kroll haben doch etwas in mir berührt. Und was ich zutage gefördert habe, gefällt mir ganz und gar nicht.
Deshalb möchte ich folgende Thesen aufstellen:

1) Atomenergie wird übermäßig gefördert und subventioniert. Unsere eigentlich "sicheren" Leichtwasserreaktoren laufen voller Absicht auf dem seltenen Uran-Isotop 235, das bei dem ohnehin selten vorkommenden Element Uran nur 0,7% ausmacht und entsprechend schwierig gewonnen, d.h. durch Zentrifugen entfernt und konzentriert werden muss.

2)  Ziel der ganzen Geschichte sind die Spaltprodukte, darunter das Wichtigste, Plutonium 239, das in Wiederaufbereitungsanlagen gewonnen wird. Zwar gibt es auch die dankenswerterweise wunderbare Chance, durch die Wiederaufbereitung die Menge an Atommüll von rund zwanzig Tonnen pro Jahr auf sieben zu reduzieren. Aber auf denen bleiben wir sitzen. Kraftwerk für Kraftwerk, Jahr für Jahr.

3)Es gibt einen einfachen Grund dafür, warum Deutschland trotz neunzehn Kernkraftwerkblöcken keine eigene Aufbereitungsanlagen für Kernbrennstäbe hat, oder warum es mit Cellerfield und La Hague gleich zwei dicht beieinander existierende Wiederaufbereitungsanlagen für Uranbrennstäbe in verschiedenen Ländern gibt, und der ist militärischer Natur.

4) Thoriumreaktoren bzw.Flüssigsalzreaktoren könnten schon längst am Netz sein, und dabei Atommüll verbrennen. Aber sie produzieren nur wenig Atommüll, und bei den Transuranen eher kein Plutonium. Ihre eher minimalen radioaktiven Rückstände strahlen teilweise nur maximal dreihundert Jahre; jene aus Leichtwasserreaktoren und anderen Reaktoren, die Uran als Spaltmaterial benutzen, strahlen zweihunderttausend Jahre, und deren Zerfallsprodukte teilweise über diesen Wert hinaus. Diese Reaktoren verbrennen fast den gesamten Kernbrennstoff, vor allem durch regelmäßige Aufbereitung des Flüssigsalzmediums. Kernkraftwerke leisten das nicht, erzeugen aber zuverlässig ihre Transurane wie Plutonium 239, d.h. waffenfähiges Plutonium.

5) Sowohl Frankreich als auch Groß-Britannien sind sogenannte Atommächte, d.h., sie haben die Atombombe. Leichtwasserreaktoren produzieren Plutonium 239 neben anderen Isotopen als Nebenprodukt. La Hague und Cellerfield werden das gewonnene Plutonium aus wiederaufbereiteten Brennstäben garantiert wie jeden anderen Atommüll entsorgen, anstatt ihn zum Bau neuer Atomwaffen zu verwenden. Wo kämen wir denn sonst hin, wenn zwei Wiederaufbereitungsanlagen zweier Atommächte Tür an Tür existieren und neben der Wiederaufbereitung der Uranbrennstäbe auch noch nebenbei Spaltmaterial produzieren würde?

6) Wenn bei den derzeitigen Kernkraftwerken etwas richtig schief geht, dann sind die Konsequenzen nicht regional, sondern überregional, und teilweise in kleineren Auswirkungen auch global. Dies wird m.E. wissentlich in Kauf genommen, um die Isotopenproduktion zu erhalten.


Fazit, oder auch meine Sicht der Dinge:
Die derzeitigen Kraftwerke, die sowohl im Westen als auch im Osten Verwendung finden, die vielen, vielen Kraftwerke, welche Russland und die USA unterhalten, sowie jene Leichtwasserreaktoren, die in China und Indien geplant und wohl auch gebaut werden, obwohl es kein Entsorgungskonzept mit Bestand gibt, den Atommüll betreffend, werden m.E. nur gebaut, um weitere waffenfähige Spaltmaterialien zu erhalten. Dabei wird aber weiterhin hochgradig heiß im Gammastrahlensektor strahlender Atommüll produziert, der zweihunderttausend Jahre Halbwertszeit hat. Die Spaltprodukte, in die dieser Atommüll zerfallen wird, und die teilweise radioaktiv sind und selber strahlen, nicht berücksichtigt.
Ich sehe jetzt die ganze Energiewirtschaft, sowohl in Europa, speziell in Deutschland, als auch global als kaum verheimlichte Zulieferindustrie für militärische Fragen. Alle Risiken wie die nicht existente Entsorgung werden hingenommen, um die Produktion von Plutonium 239 aufrecht zu erhalten. Deshalb ist die Politik in der Welt auch nicht bereit, sich zu bewegen, wenn Deutschland es tut. Es gibt wichtige wirtschaftliche Gründe - nämlich die Rüstungsindustrie. Ich schätze mal, Angie hat da ein paar hundert geheimer Wirtschaftabkommen gebrochen.
Die neue Technologie der Generation IV wird unter diesen Gesichtspunkten SELBSTVERSTÄNDLICH torpediert, verlangsamt, ignoriert. Kraftwerke, die Atommüll verwenden, die Wiederaufbereitungsanlagen überflüssig machen, müssen wie ein Todesstoß für den Bau von Kernwaffen sein.
Ich habe mich ohnehin immer gefragt, warum Kernkraftwerke der Generation III einen so hohen Verschleiß an Brennstäben haben; warum man technologisch in Kauf nimmt, ein Kraftwerk abschalten zu müssen, um "verbrauchte" oder vielmehr angereicherte Brennstäbe zu ersetzen. Jetzt weiß ich es - es lohnt sich.
Natürlich kann man das als Verschwörungstheorie abtun; man kann sagen, die Großmächte haben ihre eigenen Brüter um Plutonium 239 herzustellen. Aber ich denke, die Mengen des Isotops, die in den regelmäßig aufgearbeiteten Brennstäben anfällt, wird bei über vierhundert Kernkraftwerksblöcken dieses Typs auch nicht zu verachten sein. Und er fällt relativ unauffällig an - nämlich als Abfall, der bei diesem Prozess zwangsläufig produziert wird. Deshalb hat Deutschland, obwohl es eines brauchen könnte, auch keine Wiederaufbereitungsanlage, denn das dort gewonnene Plutonium 239 fiele unter den Atomwaffensperrvertrag.

Aus diesen genannten Gründen sehe ich große Hindernisse für Generation IV-Reaktoren, die nicht nur sehr sinnvoll wären, weil sie den Atommüll - genauer gesagt, jene Isotope, die in Reaktoren produziert werden - als Brennstoff verwenden können, sondern auch weil ihr Restmüll im einstelligen Prozentbereich liegt und einen überschaubaren Zeitraum aktiv strahlt.
Die großen Staaten der Erde, die Atomwaffen unterhalten und weiterhin bauen, sind m.E. auf die spaltbaren Isotope angewiesen, die in Generation III-Reaktoren anfallen.
Es sind jetzt erst wirtschaftliche Interessen, die nicht nur eine Leistungsfähigkeit und Machbarkeit der Generation IV ermöglichen, sondern auch zu ihrem Bau folgen werden.
Leider produzieren sie kein waffenfähiges Plutonium, sondern verwerten es. Pech.
Also: Generation IV-Kraftwerke, ja, bitte. Für eine Welt mit weniger Atomwaffen.

Montag, 15. März 2010

Solarkraft ist auch keine Lösung?

Mit großem Interesse habe ich heute auf Tagesschau.de einen Artikel gelesen, in dem sich einhundertfünfzig Kommunen zum Wohle ihrer Stadtwerke gegen eine Verlängerung der Laufzeiten von AKW's wehren. Die Zeichen stehen auf Sturm, und ein gerichtlicher Einspruch bei der geballten Macht von einhundertfünfzig Gemeinden ist nicht auszuschließen.
Doch worum geht es den Kommunen eigentlich? Die Verseuchung von Asse und Gorleben mit Atommüll und die damit verbundene Gefährdung der Anwohner? Nein.
Die Tatsache, dass der Atomstrom irgendwas um sechzig Cent kosten würde, wenn er nicht massiv subventioniert werden würde? Nein.
Die noch immer ungeklärte Frage nach der Entsorgung? Nein.
Mokieren sie sich dann wenigstens darüber, dass ein Atomkraftwerk keine Verbrauchsspitzen versorgen, also nicht auf höhere Leistung gebracht werden kann? Nein.
Befürchten sie dann wenigstens eine Endlichkeit des Grundstoff Uran in der weltweiten Förderung? Nein.

Tatsächlich gehen die Stadtwerke vollkommen neue Kritikwege. Es ist unbestreitbar, das eine längere Laufzeit von Atomkraftwerken vor allem eines bedeutet: Bares Geld für die Betreiber. Dagegen ist prinzipiell nichts zu sagen. Wer eine Leistung erbringt, sollte auch dafür entlohnt werden. Der Haken bei der Atomkraft sind halt all die Kosten, die es verursacht - und das alleine der Uranabbau und die Urananreicherung genügend CO2 erzeugt, um mit konventionellen Kraftwerken mitzuhalten.
Aber längere Laufzeiten bedeuten auch eine Wettbewerbsverzerrung, eine Zementierung des Strom-Oligopols der großen vier deutschen Netzbetreiber. Außerdem befürchten die Kommunen einen Innovationsstau bei der Planung und dem Bau neuer, verbesserter Kraftwerke. Logisch, wer braucht die Dinger, wenn die AKW bis in alle Ewigkeit laufen? *husthust* Das "laufen" natürlich ironisch gemeint.
Nachvollziehbar, denn wenn die Subventionskuh erst mal wieder im Melkgeschirr ist, werden die großen Vier (und ich meine nicht die Beatles) schon dafür sorgen, dass sie dort bleibt, so lange wie möglich. Vor allem weil FDP und CDU/CSU schon davon sprechen, dass "der weltweite Trend zu mehr Atomkraftwerken geht". Dass gewisse Parteien in Deutschland ein offenes Ohr für die Industrie haben, ist auch nichts Schlechtes. Dass sie allerdings auch eine offene Hand für die Industrie haben, um ihr anschließend jeden Wunsch von den Augen abzulesen, hingegen schon.
Also, zusammenfassend kann man sagen: Noch keine Entspannung für die Subventionskuh, sie steht immer noch im Melkgeschirr der Stromkonzerne. Aber der Widerstand formiert sich aus verschiedenen Richtungen: Markttechnisch, Ökonomisch, Wissenschaftlich.


Interessant fand ich anschließend noch die Kommentare. Der Kommentator Kirl befürchtet nämlich, dass langfristig der Strompreis in Deutschland steigt, weil die Solarkraft überfördert ist.
Allerdings dürften die Strompreise in Deutschland eigentlich um ein Drittel billiger sein, wenn es wirklichen Wettbewerb geben würde, mein lieber Kirl. Die sind nämlich jetzt gerade völlig überteuert, gerade im europäischen Vergleich. Sehr viel schlimmer kann es Solarkraft auch nicht machen. Im Gegenteil, die Frankfurter Rundschau bekräftigt, dass die Solarstromförderung den Bürger im Monat 1,60€ kostet... Für CO2-freien Strom aus Geräten, die nicht einmal Wartung brauchen. Ich frage mich, wie Kirl dann darauf kommt, die nächsten zwanzig Jahre würde die so diskriminierte "Solarschuld" den Steuerzahler 100 Milliarden Euro kosten. Für mich stinkt der Kommentar nach Atomstromlobby.

Der Kommentator gman schlägt in die fast gleiche Kerbe und rechnet uns vor, wie teuer Solarstrom ist, im Vergleich zur geförderten Wasserkraft. Lieber gman, bevor Du, wie es gerade Mode ist, im Netz die Solarkraftförderung zusammen streichen willst, schau Dir mal diese Gegenrechnung zur Atomenergie aus D-Mark-Zeiten an, die ich per Zufall im Web gefunden habe.
Die Zahlen sind genauso sicher wie Deine - und genauso unsicher.

Fazit: Atomstrom ist weder billig, noch CO2-neutral. Aber es wird viel damit verdient, und wir können sicher sein, dass sowohl die Spaßpartei als auch CDU/CSU ein offenes Ohr für die Nöte der großen Vier haben wird. Und die Spaßpartei auch eine offene Hand, wie sie in dieser Legislaturperiode bereits bewiesen hat.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Politische Arbeit in der Regierungsmannschaft ist politisch

Oder um es anders auszudrücken, lobbyistisch.
Was ich und viele andere erwartet haben, ist eingetreten: Union und FDP einigten sich auf ein milliardenschweres Subventionsprojekt, das einigen wenigen Mega-Konzernen erstens Milliarden an zusätzlichen Gewinnen in die Kassen spülen wird und zweitens noch einmal die gleiche Summe als Subventionen. Und der Höhepunkt bei der Geschichte ist, dass der Müll, den die Konzerne produzieren, nicht von ihnen selbst entsorgt wird, sondern dem Bund. Und der sucht auch noch - auf Staatskosten - einen geeigneten Müllplatz, der natürlich auch auf Staatskosten betrieben wird.
Richtig, ich rede über die Atomkraft. Union und FDP hatten ohnehin die Laufzeitverlängerung sicherer Kraftwerke in ihren Wahlprogrammen, also überrascht es nicht wirklich, was bei den Koalitionsverhandlungen festgelegt wurde, wie Gmx.de berichtet.
Mich überrascht nur die Dreistigkeit, mit der den Menschen verkauft wird, die Atomenergie sei notwendig. Dazu kommt auch noch die Unverschämtheit, Atomkraft als "Brückenenergie" zu klassifizieren, die "bis zur Ersetzung durch alternative Energien unbedingt nötig ist".
Aber wenn die Laufzeiten "sicherer" Atomkraftwerke erst einmal durch sind, werden ihre Laufzeiten dann auch irgendwann einmal beendet sein? Atomkraftwerke halten nun mal nicht ewig, und jedes einzelne hat einen hochgradig verstrahlten Reaktor, den man nicht einfach ausbauen und endlagern kann. Wohin mit alten Atomkraftwerken ist nur EIN Problem von vielen. Der Weiternutzung der Atomkraft auf unbestimmte Zeit und der Erklärung, ALLE Atomkraftwerke in Deutschland wären sicher und könnten zeitlich unbegrenzt betrieben werden, steht somit nichts mehr im Wege.
Das Dreisteste jedoch ist die Meinung der Leser dieses Artikels. Gmx.de hat eine Umfrage dazu gestartet, und zweiundfünfzig Prozent sprachen sich gegen einen Atomausstieg aus.
Bei den Lesermeinungen stieß ich dann auf folgende Frage: Was passiert wohl, wenn wir alle Atomkraftwerke einfach abschalten?
Mein lieber unbekannter User, und alle anderen die eifrig für den Erhalt der Atomkraft stimmen, ich will diese Frage beantworten und damit den Nutzen der Atomkraft ein für allemal klären. Was passiert also, wenn wir heute, Sonntag, oder morgen, Montag, einfach mal alle Atomkraftwerke abstellen? ...Richtig, es passiert NICHTS!
Wie, nichts? Ja, es passiert rein gar nichts. Denn das bisschen Spannung, das die Atomkraftwerke liefern, wird dann automatisch von Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken ersetzt, die genau für diesen "Notfall" in der Lage sind, ihre Stromabgabe rapide zu erhöhen, um die fehlende Spannung auszugleichen.
Gut, gut, ich will ehrlich sein. Wahrscheinlich käme es hier und da zum Zusammenbruch des Versorgernetzes, aber das wäre nur temporär und bei weitem nicht so schrecklich wie "In Deutschland gehen alle Lichter aus".
Und wenn alle Stricke reißen importieren wir einfach ein wenig Fremdstrom. Das tun wir ohnehin, obwohl im Inland mehr Strom produziert wird als wir wirklich brauchen.
Wie das kommt? Tja, das ist dann ein eigener Blogeintrag, der mit Subventionen, Bilanzen und gierigen Stromkonzernen zu tun hat, sowie einer Aufsichtsbehörde, die m.E. ihren Job zu machen hat.

Fazit: Schleichend öffnet das Merkel der Atomindustrie die Tür für unbegrenzte Laufzeiten, kostenlose Atommüllentsorgung und volle Subvention ihres Produkts. Und alle freuen sich darüber? Nicht alle. Nur all jene, die tatsächlich noch immer glauben, Atomenergie wäre notwendig und hätte Zukunft. Kraftwerke sind nicht unersetzlich, und der produzierte Strom wäre in der Tat billiger. Das wäre gut für uns alle.
"Aber was ist mit CO2?" Genau, was ist mit CO2?
...Seit wann produzieren Photovoltaik-Anlagen und Offshore-Windkraftparks CO2?
"Du willst ja nur die Kohlekraftwerke behalten! Die produzieren CO2!"
Richtig. Aber schon mal was von moderner Filtertechnologie gehört? Also, hinsetzen, googlen, informieren, und dann meckern. Nicht einfach der Union auf den Leim gehen und fadenscheinige Argumente nachkrächzen.
Denn sich informieren, seine eigene Meinung zu bilden ist heute leichter als je zuvor.
Ich habe es getan, wie man sieht. Und Ihr?