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Donnerstag, 30. Dezember 2010

Peter Ramsauer: Bester Witz zum Jahresabschluss

Also, ich hätte es nicht besser machen können. Da wird doch der bayrische Bundes-Verkehrsminister Ramsauer damit zitiert, in seiner Behörde typische Anglizismen wieder einzudeutschen. So wird aus dem Computer wieder ein Rechner, und aus der Task Force eine Arbeitsgruppe.
Der Witz bei dieser Geschichte ist: Ausgerechnet ein Bayer fühlt sich dazu berufen, die Reinheit der deutschen Sprache zu retten. Und ich finde, das ist doch schon ein Schmunzeln wert, solange die Bayern so stolz auf ihren Dialekt und ihre Subkultur sind. (Subkultur jetzt aber richtig verstehen, liebe Bayern. Ihr seid nun mal keine eigene ethnische Gruppe, weder kulturell, noch sprachlich. Demzufolge seid Ihr eine Subkultur des deutschen Kulturraums.)
Aber was tut man nicht alles für ein wenig Aufmerksamkeit.

Das ist so gesehen nicht schlimm. Beinahe im Minutentakt fühlen sich Politiker der dritten Reihe, Semi-Promis und Vorsitzende irgendwelcher Bundesverbände dazu berufen, sich zum Retter der deutschen Sprache aufzuschwingen und ein wenig Schlagzeile zu machen. Das ist halt so üblich in Deutschland. Und die Halbwertszeit solcher "Phänomene" beträgt dankenswerterweise nur ein paar Wochen.
Weitaus bedenklicher sehe ich da schon die Ergebnisse der Umfrage auf Stern.de, wo man zur Frage: Hat Ramsauer Recht?, in drei Kategorien antworten konnte: A)Völlig, richtig, rettet die deutsche Sprache, B)Ist mir total egal, C) So ein Quatsch, englische Begriffe sind viel knackiger...
Abgesehen von der idiotischen, Meinungseingefärbten Wortwahl der möglichen Antworten irritiert mich das Ergebnis, das zu A) vierundachtzig Prozent Zustimmung anzeigt.
Ja, hallo, Deutschland und liebe Stern.de-Leser, geht's noch?

Einige mögen sich jetzt fragen, worum es Ace eigentlich geht. Hat er was gegen die deutsche Sprache? Ist er ein Denglish-Fan? Oder hält er Deutsch für allgemein überflüssig in Zeiten der Globalisierung?
Weder noch. Ich halte Deutsch wegen seiner Grammatik, wegen der vielfältigen Ausdrucksmöglichkeit, wegen der Akzente für eine der schönsten, durchaus schwierigsten und interessantesten Sprachen der Welt. Ich liebe Deutsch. Was ich aber liebe, das ist das lebendige Deutsch. Das Deutsch, das sich der Zeit anpasst, das flexibel und damit interessant bleibt. Das aufsaugt was immer es braucht, und fallen lässt, was es hinter sich gelassen hat.
Letztendlich ist das Deutsch, das wir kennen, kein reines Deutsch. Allerdings ist das Deutsch, zu dem Ramsauer zurückkehren möchte, auch kein reines Deutsch. Es ist dann halt nur nicht verenglischt, sondern bezieht seine Lehnwörter aus dem Französischen, dem Italienischen, dem Spanischen, dem Holländischen, und was wir an Nachbarn mehr haben. Prominentestes Beispiel hierzu ist einer der simpelsten Begriffe, die wir in Deutschland kennen, das Substantiv "Nase". Habt Ihr gewusst, dass das kein deutsches Wort ist? Unter Hitler und den braunen Massen sollte "Nase" durch ein reindeutsches Wort ersetzt werden: "Gesichtsriechzinken". (Übrigens einer der Gründe, warum ich bei jedem neuen Verteidiger der deutschen Sprache automatisch an Nazi-Deutschland denken muss.) Na, da ist man doch froh darüber, dass man das ausländische Lehnwort hat, oder?

Also, meine lieben Semi-Promis, Politiker der dritten Reihe und Vorstände irgendwelcher Vereine: Bitte erst nachdenken, und dann posaunen. Vor hundert Jahren war Französisch in; heute sind es Anglizismen, morgen ist eventuell das Holländische dran, oder eher wahrscheinlich das Chinesische (Kantonesisch, denke ich mal). Macht uns nicht unsere lebendige Sprache kaputt, und lasst uns nicht in die Horrortiefen des Reindeutschen zurückkehren. Wobei ich in diesem Blog schon mal festgestellt habe: Deutsch ist eine Mischung. Das Rezept hat sich bewährt. Bleiben wir dabei.

Sonntag, 18. Januar 2009

DNA is not a german word...

Es ist noch nicht allzu lange her, da habe ich mich auf die Seite der multikulturellen Sprachvielfalt im Deutschen gestellt. Da habe ich mich offen dazu bekannt, dass Lehnwörter nicht nur ins Deutsche einfließen dürfen, sondern sogar MÜSSEN.
Der Kabaretist Thomas Freitag hat das mit seinem Bühnenprogramm noch weit deutlicher auf den Punkt gebracht.
Anhand des berühmten Schiller-Gedichts "Die Glocke" präsentierte er sämtliche Lehnwörter fremder Sprachen, die hierfür verwendet wurden - prompt war das Gedicht um ein Drittel kastriert. Die anschließende Fassung mit rein urdeutschen Begriffen war nicht nur unfreiwillig komisch. Da neigt man doch zu sagen: Ich fasse mir lieber weiterhin an die Nase als an den Gesichtsriechzinken, bleibe cool statt kühl und tippe weiterhin meine Gedanken in die Tastatur statt in meine Rechnerschreibhilfe... Ja, staunt nur, Tastatur ist ein italienisches Lehnwort. Und bei Rechnerschreibhilfe bin ich mir nicht so sicher, ob das wirklich deutsch ist.

Aber nun kommt der große Umkehrschluss, die große Wende, der Punkt an dem ich für die Reinerhaltung der deutschen Sprache kämpfe und mit hochrotem Kopf und pulsierender Stirnader auf die Barrikaden steige. Habe ich meinen Glauben an die Vielseitigkeit einer lebendigen Sprache aufgegeben? Bin ich nun ins Lager der meist unwissenden und häufig selbst ernannten deutschen Sprachexperten gewechselt? Wurde ich Paulus zum Saulus?
Weit gefehlt. Aber ein englisches Lehnwort, das uns mehr und mehr unterminiert, treibt mich zur Weißglut. Warum? Weil Menschen und Medien es benutzen, ohne sich bewusst zu sein, dass es eigentlich ein englisches Wort ist! Dabei kann man nicht einmal davon ausgehen, dass die Menschen es nicht wissen oder erkennen können, wie dies bei Nase, Meister oder Tastatur der Fall ist. Nein, denn es handelt sich um eine Abkürzung, und anscheinend macht sich niemand mehr die Mühe, diese Abkürzung vollständig auszusprechen oder wenigstens vollständig zu lesen, denn dann würde einem ja der Fehler bewusst werden...
Wovon ich spreche? Von der DNA.
Ja, genau, dieses merkwürdige Zeug mit den Aminosäuren, der Doppelhelix und den Auswirkungen auf den eigenen Körper. Ja, das Zeug, das mit AIDS zu tun hat. Oder vielmehr andersherum, AIDS hat mit der Doppelhelix des genetischen Codes zu tun.
Wo ist mein Problem? Nun, sprechen wir das Wort doch einmal aus. Okay, okay, euch arme Leser möchte ich nicht überlasten, also belassen wir es beim lesen. Ausgesprochen heißt es Desoxyribonucleinacid. Ja, das ist wieder so ein Mörderwort aus der Biologie und bezeichnet Aminosäuren und Doppelhelix und so... Das Problem liegt nur in den letzten vier Buchstaben. Acid. Den englisch sprachigen Lesern meines Blogs wird nun ein Licht dämmern. Hey, das ist doch englisch für Säure!
Genau. Es ist das englisches Wort für Säure. Das Nuclein innerhalb des Wortes wird übrigens mit c statt mit k geschrieben, was es ebenfalls ins englische rückt.
Nun der Gegenvergleich. Gibt es ein deutsches Wort dafür? Für die Doppehelix und die Erbinformationen und den ganzen Quatsch? Ja. Es heißt Desoxyribonukleinsäure.
Nun kommen die Englisch-Experten wieder zu Wort. Komisch, das ist das gleiche Wort wie DNA, nur eben mit Säure statt mit Acid am Ende. Und ein c wurde gegen ein k ausgetauscht.
Scharfsinnig und richtig bemerkt. Und hier liegt der Hund begraben, die Flinte im Korn und sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht. Überall sagen die Leute DNA. DNA hier, DNA da, DNA auf Wikipedia.de, dort sogar besonders konsequent, weil es so verdammt richtig klingt...
Und keine Sau merkt am Ende, dass sie eigentlich englisch spricht, wenn sie DNA statt DNS sagt. Das ist das Traurige an der ganzen Geschichte, sie denken sie sprechen das Wort deutsch aus. Dabei ist bereits die Abkürzung englisch.
Nun, der Wikipedia-Artikel ist etwas irreführend, aber er bestätigt meine Worte, liefert allerdings keine Erklärung warum der Autor bevorzugt DNA verwendet, geschweige denn dass er den Begriff näher erläutert. Für mich sehr enttäuschend.
Ich will euch den Link nicht vorenthalten: http://de.wikipedia.org/wiki/Desoxyribonukleinsäure
Zum Abschluss noch ein anderer, wesentlich kürzerer Wiki-Artikel, der mich mit der Welt wieder versöhnt hat... Der aber nicht verhindert, dass weiterhin DNA benutzt wird: http://de.wikipedia.org/wiki/DNA_(Begriffsklärung)

Liebe Leser, versteht mich nicht falsch. Ich will den Medien nicht ihr geliebtes Lehnwort wegnehmen und sie dazu zwingen fortan DNS zu sagen. Aber ich würde mich wahnsinnig darüber freuen wenn sie wenigstens WÜSSTEN, dass sie englisch sprechen.
So, nachdem ich mich abgeregt habe und wieder cool bin, betrachte ich meine Tastatur, um mir an die eigene Nase zu fassen. Aber es musste halt mal gesagt werden.