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Dienstag, 16. Mai 2023

Zu der Peer-Review-Studie "Kernenergie bewirkt höheren Nutzen als gesellschaftliche Kosten" von Björn Peters und Hans-Peter Musahl

Auf Twitter habe ich eine Diskussion über Nutzen und Kosten von Atomkraft mit Herrn Björn Peters. Der hat gemeinsam mit Herrn Hans-Peter Musahl auf kernd.de obige Studie als Peer-Review veröffentlicht. Während der Diskussion hat er mir die Studie verlinkt.

Also habe ich mir Zeit zur Hand genommen und mich mit den insgesamt sieben Seiten Text auseinander gesetzt. Dabei habe ich mich bemüht, aus für mich zuverlässigen Quellen Stützen für meine Argumente zu generieren, denn seien wir ehrlich, wer sich auf einer öffentlich einsehbaren Seite für einen öffentlichen Diskurs stellt, muss diesen auch hinnehmen. Und ich habe da tatsächlich ein paar Fragen und Gegenargumente in einigen Punkten der Bewertung der Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) zum Thema Atomkraft. Im weiteren Verlauf spreche ich Herrn Peters direkt an.
Edit: Link zur Studie vergessen.

Herr Peters, ich hoffe, dass ich objektiv an Ihren Text heran gegangen bin. Ich habe aber einige Fragen, Gegenargumente und Einordnungen erarbeitet. Bei Twitterformat ist es etwas schwierig, damit zu diskutieren, deshalb benutze ich diesen Blog als Träger. Dabei habe ich mich an den einzelnen Unterpunkten orientiert. Einige Punkte wie der Aufteilung der Subventionen von Stromproduktion und Forschung habe ich bewusst nicht berücksichtigt, weil ich so schnell nicht ins Thema komme. Aber es gibt auch so reichlich Diskussionsstoff.
Sehen Sie dies als Kommentar zu Ihrer Peer-Review-Studie.
Zu den Punkten:

  1. Mir fällt auf, dass Sie weder die Versicherungskosten, noch die Entsorgungskosten für Atommüll in der Einführung erwähnen, ebenso wenig wie die Kosten für Wiederaufbereitung. Auch sehe ich keinerlei Kosten für Abbau von Uran, Erstellung der Brennstäbe, usw. Mehr dazu im laufenden Text.

  2. Mir fällt auf, dass die KKW-Betreiber für den Rückbau einer Anlage vom Gesetzgeber bestimmt rund 700 Millionen Euro bereithalten müssen, Sie aber kritisieren, dass das FÖS aber 68,3 Milliarden tatsächlich zurückgehaltene Gelder als Subvention bezeichnet. Über den Daumen bei 33 KKW müssten die Betreiber knapp 23 Milliarden vorhalten. Wenn die 68,3 Milliarden tatsächlich real sind, dann bilanzieren sie mehr auf diesem Posten. Was bedeutet, dass sie durch die höhere Vorhaltung, die staatlich gar nicht gefordert wird, mehr Steuerzahlungen einsparen können, was ich für bestenfalls fragwürdig legal halte.
    Dazu kommt, dass über 90% der Rückbaukosten nicht von den Betreibern getragen werden.
    https://www.energiezukunft.eu/politik/kosten-fuer-akw-rueckbau-uebersteigen-alle-prognosen/
    Dadurch kommt es eben auch zur „ungerechten“ Abzinsung. Ist das rückgehaltene Vermögen größer als es sein muss, sind natürlich auch die Zinsen höher. Das ungerecht zu nennen oder deshalb weniger Nettogewinn versteuern zu wollen klingt nach Rechentrick, gerade auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Höhe der Rückbaukosten in der Höhe bereits staatlich festgelegt sind, und Geld, das heute schon abgeschrieben wird, beim Rückbau, der wieder subventioniert sein wird, anderweitig verwendet wird. Das schließt auch die Schwankungen durch Verzinsungen mit ein, für die die Kraftwerkbetreiber ebenfalls Steuern zurückhalten.

    Und ist es korrektes Rechnen, „volkswirtschaftliche Gewinne durch Atomstrom“ darzustellen und damit die Kosten zu drücken, wenn es genau um diese Kosten geht? Das klingt eher nach Symbolik denn nach Kostenstellen. „Wir haben Strom aus Atomkraft erzeugt, das bedeutet, wir verdienen mehr gesellschaftliche Bewertung als z.B. Windenergie.“

    Unterpunkt zwei: Es gab eine Brennstoffsteuer, aber keine Kohlesteuer auf Fossile? Gab es jetzt eine Steuer, oder nicht? Und gab es keine auf Brennstäbe bis 2010, oder doch?

  3. Vielleicht geht es bei den Kosten für Atomkatastrophen in Deutschland hierum: https://www.bund.net/themen/atomkraft/gefahren/unfaelle/
    Tatsächlich sind alle vier Unfälle nicht durch einen Core Catcher zu bändigen gewesen, und die Bevölkerung hat einfach mehr Dusel als die Betreiber gehabt.

    Was den Unterpunkt der Versicherung angeht: Nahezu ausgeschlossen ist der oben erwähnte GAU des Kerns durch Core Catcher, richtig, aber weder ist der Unfall per se mit nahezu Null angebbar, da ständig irgendwas passiert und alle Unfälle in Deutschland eben mittelbar mit dem Reaktorkern zu tun haben. Was bedeutet, dass die Einpreisung der Versicherung eben nicht durch ein nahezu nicht vorhandenes Risiko ermittelt werden kann, was obiger Link nachweist. Nur die Schwere der Unfälle ist eine andere als das Versicherungsrisiko an sich.
    Dazu kommt, dass die Schadenshöhe für Betreiber gedeckelt ist; eine Gesamtsumme bei Unfall 250 Millionen. Wenn es schlimm kommt, z.B. durch eine großflächige Verseuchung, die absolut keine Reaktorschmelze erfordert, legen alle Betreiber zusammen und decken 2,25 Milliarden. Alles, was darüber geht, zahlt der Steuerzahler, wodurch die Vergabe einer Versicherung sicherlich erleichtert wurde.
    Wer sich mit Versicherungen auskennt, der weiß, dass bei Todesfällen durch Unfälle schnell Millionenbeträge an Versicherungssummen zusammen kommen können, weshalb schon eine KFZ-Versicherung bis zu 6 Millionen Deckungssumme bereitstellt.
    Angenommen, Radioaktivität tritt aus dem 1. Kühlkreislauf aus und verseucht, sagen wir eine Kleinstadt und macht sie unbewohnbar, sollten die Schäden an Personen und andere Verluste sowie jene für den Abtrag der verseuchten Erde schnell in den Milliardenbereich kommen. Auch ohne Kernschmelze.

    Die Asse. Das ist ein sehr schönes Beispiel, wie die Entsorgungskosten, die beim Verursacher liegen sollten, vom Steuerzahler getragen werden, was defacto eine Subvention darstellt. Die von Ihnen erwähnten Castor-Transporte mal (noch) nicht berücksichtigt.

  4. Noch mal einen Schritt zurück: Sie erwähnen nicht, wie hoch die Rückstellungen für den Rückbau sind und ob sie auch die realen Kosten umfassen werden. Beim berechnen der Steuermildernden Rücklagen hingegen waren Sie großzügiger.
    Zwar nutzen die Betreiber die Rückstellungen als Abschreibungsobjekt und tun auch gerne mehr rein, als sie müssen – Abschreibung eben – aber das sind nicht die Summen, die anschließend der Bund aufbringen muss. Bei über 30 KKW in Deutschland scheinen mir 21 Milliarden dann auch etwas wenig, da der Rückbau eines KKW mit einer Milliarde veranschlagt wird (die realen Kosten sind bei den bisherigen Rückbauten rund 3x höher). Und bedenken Sie, dass ein Teil der Gewerke (Reaktor, 1. Kühlkreis, schlichte Reaktorwände) in Castor-Behältern eingelagert werden muss, und vom zugegeben größeren Rest ein erheblicher Teil mittelstark strahlender und der Rest leicht strahlender Abfall sein werden, die ebenfalls entsorgt werden müssen. Pro Kraftwerk stehen also von den Betreibern weit weniger als 700 Millionen zur Verfügung, sprich bis zur blanken Wiese. Der Rest ist öffentliches Geld. Es gibt ja bereits tatsächlich erfolgte Rückbauten, darum kennen wir zumindest deren Kosten, die höher waren als veranschlagt.

    Der Rückbau wird die Zahl der Castor-Behälter in Deutschland, die bei ca. 1.140 Stück liegt, noch einmal deutlich erhöhen, denn eine Einlagerungskapazität von 24 Brennstäben pro Castor ist nicht viel, und der 1. Kühlkreislauf incl. Reaktor ist nicht gerade klein, auch wenn davon einiges „nur“ mittelstark strahlender Abfall sein wird.
    https://de.statista.com/infografik/21867/lagerbestand-der-zwischenlager-fuer-atommuell/

  5. Punkt fünf geht von den 3 bis 5 Cent Erzeugerkosten aus, die allgemein kursieren. Diese Summe ist aber ohne Subventionen gerechnet, also die üblichen Punkte wie Atommüllentsorgung, Rückbaukosten, Wiederaufbereitung, etc. Dass Sie dann mittels Merit-Order-Effekt den Preis dank verhinderter Nachsorgungskosten für Menschen auf 1 Cent drücken, wofür Sie den Wert „Todesfälle pro Terawatt-Stunde“ annehmen, und dann für Kohle großzügige Zahlen im Bereich Nachsorgungen annehmen, dies aber nicht für Kernkraft gelten lassen, berücksichtigt m.E. weder die erhöhten Krebsfälle der KKW-Mitarbeiter,  https://www.energiezukunft.eu/umweltschutz/neue-studie-akw-arbeiter-haben-oefter-krebs/ noch Phänomene wie Kinderkrebs im 15Km-Radius um Atomkraftwerke.
    https://www.bfs.de/DE/bfs/wissenschaft-forschung/ergebnisse/kikk/kikk.html?view=render[Print]
    Das sind nur zwei Beispiele, die zum Thema gehören.

  6. Was ich mich bei den „sozialistischen, in Westdeutschland nicht genehmigten KKW der DDR“ interessiert: Wer hat sie übernommen und weiterbetrieben? Sollten also die Kosten, die durch DDR Nuklear entstanden sind, nicht auch von denen übernommen werden, die von dieser Stromerzeugung profitiert haben? Denn ab 1990 sind sie ja auch die direkten Verursacher.

    Was die Asse angeht, so besteht das Problem darin, dass die unsachgemäß eingelagerten Behälter im Salzstollen, der sich unter Wassereinbruch weiter auflöst, jetzt und in Zukunft zu einem sich vermehrenden Problem werden, weil durch das korrosive Salzwasser Fässer durchlässig werden. Laut einiger Berichte reden wir hier auch über stark strahlenden Müll aus den 60ern.
    Tatsächlich geht es nicht um „nicht wasserlösliche Stoffe, die relativ ortsfest“ sind. Der Spiegel warnte schon 2011 vor erhöhten Messungen von Caesium 137, und was ist, wenn das nur der Anfang ist? Denn dieses Isotop ist nicht nur eines der gefährlichsten, sondern verbreitet sich, wie wir von Fukushima und Tschernobyl wissen, auch sehr gut, ist also nicht ortsfest. Und wasserlöslich muss es gar nicht sein, nur wassertransportfähig.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die „Experten“ das nicht berücksichtigt haben. Das BGE zum Beispiel kommt zu einen gegenteiligen Schluss: https://www.bge.de/de/asse/kurzinformationen/rueckholung-der-radioaktiven-abfaelle/
    Der Hinweis, dass in der Natur auch radioaktive Stoffe vorkommen, ist zwar korrekt, aber wenn irgendwo in der Natur etwas zu stark radioaktiv strahlt, wird das auch in Angriff genommen, bzw. abgesperrt. Nicht umsonst gibt es Grenzwerte für Strahlung in Trink-, und Flusswasser, und vor einigen Jahren hat die Verbraucherorganisation Foodwatch (unsinnigerweise) gefordert, Baby-, und Kindernahrung müsse zu 100% frei von radioaktiven Isotopen sein.

    Stichwort atomare Destillation. Das ist das Verfahren, mit dem derzeit Brennstäbe aufbereitet werden. Dabei bleiben Abfälle übrig, die als Atomabfall entsorgt werden müssen. Sie gehen leider nicht darauf ein, wie das Verfahren helfen soll, noch mehr Atommüll zu vermeiden und erklären auch nicht, wie es das in Zukunft können soll. Ich frage mich, ob fehlende Forschunsgelder dafür ausschlaggebend sind, ober ob das Verfahren einfach an seiner Grenze ist. Dabei wäre genau das interessant gewesen. Auch der Vermeidungsgrad des Atommülls wäre ein wichtiger Faktor. Ein Prozent, zehn, fünfzig, das würde tatsächlich alles helfen.
    Die NuDEST-Studie sieht, wenn ich den Snippet des Instituts für Festkörperforschung richtig interpretiere, das Destillationsverfahren für radioaktive Abfälle anwendbar, allerdings basierend auf Gen IV-Reaktoren wie Palladium-, oder Flüssigsalzreaktoren, die in der Lage sind, Atommüll als Brennstoff zu verwenden, während Sie die bis dato in Deutschland üblichen Typ des Leichtwasserreaktors unterstützen, der eine Großanlage ist, wohingegen Gen IV-Reaktoren Kleinanlagen sind, die ein Stadtwerk betreiben könnte.
    Das Thema "zu wenig Forschung" in den Raum zu werfen reicht nicht für Ihr Argument, dass die Bewachung eines Castor-Transport politisch getragen werden muss, anstatt sie den Betreibern als Subvention zuzurechnen, da Sie nicht beweisen, dass Castor-Transporte durch die Forschung unnötig geworden wären.

    Und um Punkt sechs abzuschließen: Wie viel Prozent sind mehrere Prozent bei der Regulierbarkeit von KKW? Lastenspitzen ein wenig ausgleichen zu können, oder Lastentiefs ein wenig auffüllen zu können, erscheint mir für das Stromnetz nicht sinnvoll, bzw sehe ich nicht, dass die Mehr-, oder Minderproduktion für einen flexiblen Ausgleich der Stromnetzspannung ausreicht. Die Flexibilität eines konventionellen Kraftwerks wird m.E. durch physikalische Grenzen nicht erreicht.

  7. Die Todesfälle für Braun-, und Steinkohle, kein Widerspruch, wenngleich Greenpeace von „nur“ 3.100 Toten durch Kohlekraftwerke ausgeht. Aber davon auszugehen, dass anstatt Kernenergie weitere Kohlekraftwerke gebaut worden wären, um dann eine fiktive Wertschätzung durch weniger Opfer zu errechnen, ist unrealistisch, da mindestens ein signifikanter Teil durch Erdgas erfolgt wäre, wenn nicht gleich das Gros, berücksichtigt man die damalige Versorgungsmöglichkeiten Deutschlands eben mit Erdgas. Dann läge zumindest ein Teil „nur“ bei 2,8 Toten pro TwH. Wobei ich erneut anmerken möchte, dass Sie nur „direkte“ Tote berücksichtigen, keine indirekten, d.h. an Krebs verstorbenen Menschen. Das geht so weit, dass die Gesellschaft für Strahlenschutz im Deutschlandfunk von bis zu 1,4 Millionen sekundären Todesfällen z.B. für den Tschnobyl-GAU ausgeht. https://www.deutschlandfunk.de/mediziner-vermuten-1-4-millionen-tote-als-tschernobyl-folge-100.html
    Und das sei nur der Anfang, da die genetischen Schäden noch einmal später zum Tragen kommen werden. Selbst im günstigsten Fall sehe ich auch die Todesfälle von KKW-Arbeitern berücksichtigend, die Zahl der Todesfälle in der Kernkraft per Terawattstunde für zu niedrig an.
    Was nun den Flächenverbrauch Erneuerbarer zur Kernenergie angeht: Es ist mir neu, dass KKW kein versiegeltes Gelände sein sollen (eigentlich muss ein Großteil zur Prävention versiegelt sein, siehe Fukushima und radioaktives Wasser), während es dies bei PV und Windkraft eben nicht ist. Im Gegenteil, das Gelände kann landwirtschaftlich genutzt oder naturbelassen betrieben werden.

  8. Zu der „falschen Gewichtung“ und den „gesellschaftlichen Kosten“: Diese basieren auf Ihren Argumentationen in den anderen sieben Punkten. Dabei sind nicht nur einige Stellen hinterfragbar und widersprechen Ihrer Argumentation. Daher ist Ihr Fazit gegenüber dem FÖS selbst zu hinterfragen, und keinesfalls der Offenbarungseid, als den Sie es darstellen möchten. Gerade im Bereich Subventionen, Folgekosten und volkswirtschaftlichem Nutzen, die Sie auf der Haben-Seite der Kernkraft aufführen, sehe ich erhebliche Einschränkungen Ihrer Argumentation.

    Der Punkt „Frankreich folgen“wäre damals ratsam gewesen, beinhaltet es doch die Verstaatlichung aller Atomkraftwerke und damit den Wegfall der Zwischenhändler und der Leipziger Strombörse. Allerdings ist der französische Strom nicht nur teilstaatlich, sondern auch subventioniert, und das in starkem Maße. Dazu kommen erhebliche Nachrüstkosten der Reaktoren, die auch auf uns zugekommen wären. https://www-liberation-fr.translate.goog/checknews/nucleaire-le-grand-carenage-va-t-il-couter-150-milliards-deuros-comme-le-dit-jean-luc-melenchon-20211023_MXZ3CEEDWZEJ5EVRMSUSDP2L54/?_x_tr_sl=fr&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=nui,sc

    Die „halb so hohen Stromkosten“ sind also eine Mixtur aus Subventionen, der Preisdeckelung der Stromkosten, die die EDF im zweistelligen Milliardenbereich ins Minus treiben, und dem Fehlen einer Strombörse. Und ich kann es nicht lassen zu erwähnen, dass die Kühlwasserabhängigen Reaktorentypen nicht nur im trockenen Sommer, sondern auch im hinter uns liegenden trockenen Winter rund zur Hälfte nicht gearbeitet haben, wegen Wartungen, Reparaturen und erheblich wegen fehlendem Kühlwasser.

    Als Fazit bleibt mir zu sagen, dass Sie den Volkswirtschaftlichen Nutzen überbewerten und den langfristig auftretenden Schaden, für den ich mehrere Beispiele genannt habe, bereits entstandenen wie zukünftig auftretenden, unterbewerten.
    Auch die Todesfälle per TwH setzen Sie zu niedrig an, während Sie wie selbstverständlich davon ausgehen, dass Kohlekraftwerke den Strombedarf gedeckt hätte, obwohl Gas eher die Hauptlast zugekommen wäre.
    Darüber, ob Photovoltaik dann früher in den Fokus der Entwicklung und Energiewirtschaft gekommen wäre, möchte ich eher nicht spekulieren. Jedoch: Windkraft gibt es bei mir einen Ort weiter seit den Achtzigern. Mit dem entsprechenden Bedarf kann man nur spekulieren, wie der EE-Ausbau damals ohne Kernkraft ausgesehen hätte.
    Was ebenfalls im ganzen Text nicht erwähnt wird, sind die sekundären CO2-Emissionen, die sich für Kernkraft laut Umweltbundesamt von 3,8 bis 110g pro Kilowattstunde bewegen.https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/ist-atomstrom-wirklich-co2-frei
    Und das ist keinesfalls Null oder nahezu Null Emission.

    Ich bedanke mich für die Lektüre und bedaure, wenn ich Arbeit bereitet haben sollte.
    Just my 2 Cents.

Montag, 27. Juni 2011

Wenn Kernkompetenzen neu verteilt werden...

Ich kann es nicht oft genug sagen, und ich kann es nicht deutlich genug sagen: Nur weil die CDU/CSU vor der Wirklichkeit eingeknickt ist und die Atomstromlaufzeitverlängerung zurück genommen hat, bedeuet dies nicht, dass die "bürgerliche" Doppel-Partei plötzlich grüner als die Grünen geworden ist. Dies zu behaupten und es womöglich auch noch zu glauben, kann nur eine opportunistische Presse. Nämlich genau die gleiche konservative Presse, die "die Revolution auf dem deutschen Energiemarkt" bei der Laufzeitverlängerung hochgejubelt hat, und jetzt die Kanzlerin dafür feiert, dass sie all die hehren Ziele, die jene Presse bei der Laufzeitverlängerung entdeckt haben wollte, über den Jordan kickt.
Bin ich hier der Einzige, der das so klar sieht?
Ich weiß nicht worüber ich mich mehr aufregen soll: Darüber, dass es niemanden stört, dass ein Teil der Presse heute Hü und morgen Hott sagt, oder darüber, dass die gleiche Presse beinahe schon verzweifelt versucht, grüne Neuwähler der CDU als Wahlvieh in den Schoß zu treiben, indem sie die CDU/CSU als neue Grünenpartei über den -ironischerweise - grünen Klee lobt.

Sicherlich, Frau Muberkel spürt den Verfolgeratem der Grünen im Nacken.
Sicherlich, es ist nicht einmal im Ansatz gelungen, aus der BLÖD-Kampagne gegen Grün-Rot in Baden-Württemberg eine medienübergreifende Kampagne zu machen, die deren Sieg verhindert - oder im Nachhinein ordentlich madig macht, damit sie keinen Spaß dran haben.
Sicherlich, die Grünen haben ein besseres Allzeithoch erreicht als die FDP jemals konnte - und beide Parteien teilen sich ja laut der Presse die Wähler, nämlich Besserverdienende Zweitwagenbesitzer, die ihren dritten Jahresurlaub im europäischen Ausland verbringen und deshalb am Klimawandel schuld sind.
Sicherlich, CDU/CSU laufen die Wähler weg. Die Konservativen, weil die Doppel-Partei ihre Werte verrät (KTG war ja nie als wissenschaftlicher Berater angestellt), die Liberalen, weil weder Schwarz noch Gelb irgend etwas anderes zu bieten hat als Lobby-Politik.

Und was bringt uns das als Fazit? Nackte Panik bei den Regierungsparteien, nackte Panik im schwarzen Doppel. Da steht Japan vor der größten Katastrophe der Geschichte, hat ein Super-Erdbeben hinter sich, eine unglaubliche Tsunami und muss darüber hinaus mit der radioaktiven Verseuchung rund um Fukushima Daiichi kämpfen - ab jetzt noch dreißig Jahre, um die schlimmsten Folgen zu überstehen - Deutschland wird die Unberechenbarkeit und die Gefahr von Atomkraft sehr deutlich vor Augen geführt, und die gleiche Koalition, die noch eine Wunderähnliche, Zukunftsweisende Entscheidung herbeigeredet hatte, als es an die Laufzeitverlängerung ging, sieht die gleiche Wunderähnliche, Zukunftsweisende Entscheidung darin, die eigene Verlängerung, mit der das Rot/Grüne Modell nachhaltig zerstört wurde, wieder zurückzunehmen?
Und dann wagt es die Kanzlerin auch noch, uns dies als Erfolg zu verkaufen, nicht als reine Zweckentscheidung und Notwendigkeit?
Und dann wagt es die Jubelpresse von Schwarz/Gelb tatsächlich, den Grünen eine Krise herbei zu schreiben, die gar nicht existiert?
Kernkompetenz sieht anders aus, meine Damen und Herren von der Presse.
Und wenn ich mal etwas Nachhilfe geben darf: Wenn die Grünen ihr Hauptanliegen, den Ausstieg aus der Atomkraft, erreichen, nachdem sie diese dreißig Jahre gefordert haben, ohne an der Regierung beteiligt zu sein; wenn ausgerechnet die Atomstromlobby-Partei Nummer eins, die CDU/CSU, gezwungen ist, ihre Lobby-Politik aufzugeben, ohne das die Grünen über ihre Stimmen im Bundesrat auch nur Druck ausüben müssen, dann kann nur ein wirklich verzweifelter Schreibsklave noch behaupten, es wäre "eine Revolution" und das "Ende der Kernkompetenz der Grünen".
Anders herum, meine Damen und Herren Schreiberlinge, wird ein Schuh draus. Die ganze Atomlaufzeitverlängerung stand auf mehr als tönernen Füßen. Mit Fukushima bekam der Sockel meterhohe Risse, und der Ausstieg aus dem Wiedereinstieg war die letzte Rettung für Muberkel und Konsorten.
Ich bedaure jeden, der tatsächlich glaubt, dies wäre eine Art Sieg gegenüber den Grünen. Aber ich verstehe jeden, der dies behauptet, um CDU/CSU williges Stimmvieh zuzutreiben.

Dienstag, 10. Mai 2011

Alles Atomkraft, oder was?

Herrschaften... Regelmäßige Leser meines Blogs - ja, ich meine Euch fünf ^^ - wissen, dass ich mich mit dem Thema Atomkraft beschäftige. Mit seinem Nutzen, seinen Risiken, dem Problem der Endlagerung, den wahren Kosten für diese Technologie, und noch einigen Dingen mehr, die mir oft genug sauer aufgestoßen sind. Ich will damit sagen, ich habe eine Menge Antworten und eine fundierte Meinung.
Aber all das hilft mir plötzlich nicht mehr.

...sacken lassen.
Versteht mich nicht falsch. Es kann immer mal vorkommen, dass einem jemand ein Argument in einer Diskussion um die Ohren haut, auf das man keine Erwiderung hat, oder über das man sich noch keine Meinung gebildet hat. So etwas kommt vor. Und ich gebe in solchen Situationen meistens meine Unwissenheit zu und verspreche zu recherchieren. Doch diese spezielle Fall hinterlässt mich doch ratlos.

Damit Ihr meine Verwirrung versteht, hier mal meine kurze Chronologie der Ereignisse.

Im Koalitionsvertrag von Rot/Grün wird 1998 festgelegt, dass Deutschland aus der Atomkraft aussteigt. Mit der Atomkraftindustrie wird vereinbart und festgelegt, dass bis 2020 das letzte Atomkraftwerk vom Netz geht. In neueren Tagen geistert sogar ein 2022 herum, warum auch immer.
Dieses Credo galt bis 2009. Da kam Angie mit der CDU und der FDP an die Macht, verabschiedete sich von der Großen Koalition, und so ziemlich das Erste was sie tat, das war - nachdem die FDP ihr Steuergeschenk an die Hoteliers abliefern konnten - der Atomlobby unbegrenzte Laufzeiten für ihre Atommüllproduzenten zu servieren. Für Strom, wohlgemerkt, der hauptsächlich ins Ausland geliefert wird. Die Atomindustrie hätte hier also nicht nur den Strompreis für einen Exportartikel kassiert, sondern auch weiterhin die beträchtlichen Subventionen. Aber das ist ja verständlich, weil sie für ihren Atomstrom im Ausland weniger bekommen als in Deutschland: Weil wir Deutschen ja ohnehin den vierthöchsten Strompreis in Europa zahlen. Trotz Atomstrom, der angeblich so billig ist. Da muss man der Atomindustrie schon mit ein paar Milliarden unter die Arme greifen.
Nächster Punkt der Handlung ist das furchtbare Tsunami-Unglück in Japan, verbunden mit dem Erdbeben und der Havarie von vier der sechs Reaktoren der Anlage Fukushima Daiichi. Da ging es Klick, ein Moratorium musste her, und eine Kommission will jetzt einen "behutsamen Ausstieg" empfehlen. Nun ringt die Bundesregierung um Ideen, Pläne und ein Konzept.

...sacken lassen.
Hallo? Bin ich der einzige, der hierbei Kopfschmerzen kriegt? Das Konzept für den Ausstieg liegt doch seit 2002 fertig in der Schublade, und die Stromindustrie hat doch Vertragsgetreu alles getan, um sich auf den Termin 2020, bzw. 2022 vorzubereiten. Und jetzt soll das alles hinfällig sein? Ich meine, ein verdammtes Jahr und die paar Monate reichen, um ein Konzept, das sieben Jahre funktioniert hat, so vollkommen ad absurdum zu führen?

Ich für meinen Teil fühle mich hier verarscht. Vor allem von gewissen Lobbyisten. Aber in erster Linie von Mama Muberkel.
Hier kommt meine Prophezeiung: Rot/Grün hatte den Ausstieg zu 2022 fertig in der Schublade, mit Segen der Atomindustrie. Schwarz/Gelb will jetzt in Panik auch aussteigen. Und ich WETTE, die Regierung kommt zu dem Schluss, dass ein sicherer Ausstieg erst 2030 oder 2040 gewährleistet werden kann... OBWOHL wir mit Rot/Grün bereits 2022 vom Netz der Subventionsschleudern gewesen wären.
Denkt da mal drüber nach.

Samstag, 16. April 2011

Idiotenfalle BILD... Und andere Dummheiten.

Gestern war ich einkaufen. Im Supermarkt. Wie der Zufall es wollte, blieb ich bei den Zeitschriften stehen, um ein paar Schlagzeilen zu lesen, und um mich über den Header der BILD zu amüsieren. Diesmal war daran nichts amüsant. Diesmal war die Schlagzeile... Ich weiß nicht. Soll ich hier sarkastisch, ironisch, parodistisch oder ehrlich empört weiter machen? Ich kann es nicht sagen.
Doch zuerst die Fakten. Die Schlagzeile lautete: "Todesfalle Facebook".
Und im Text darunter wurde man belehrt, dass eine junge Frau von einem Internetbekannten getötet wurde, den sie auf Facebook kennen gelernt und anschließend getroffen hatte.
...sacken lassen.
Ich muss zugeben, für die junge Frau hat die Schlagzeile vollkommen Recht. Für sie wurde Facebook zur Todesfalle. Sie ist tot. Und nun?
...sacken lassen.
BILD geht mal wieder plakativ vor. Facebook, wegen seiner Informationspolitik ohnehin ein beliebtes Ziel ausgerechnet der Meinungsfreiheit und Rechte am eigenen Bild nicht besonders hoch schätzenden Zeitung, wird hier drangsaliert. Und das vollkommen zu Unrecht.
Was ist mit VZ? Was mit MySpace? Friendfinder, lokalen Chats, bundesweiten Foren, ja, auch den Foren von BILD.de? Was gibt der BILD das Recht, ausgrechnet Facebook plakativ zur Todesfalle zu erklären? Und zwar so, dass es wie eine allgemeine Erkenntnis aussieht, und sich nicht nur auf diesen einen Fall bezieht? Was hat Facebook, was all die anderen Communitys nicht haben? Eine aufregende Todesfallstatistik vielleicht?

Im Bild.de-Artikel wird jedenfalls kein Grund dafür genannt, warum Facebook jetzt eine allgemeine Todesfalle sein soll, wie der Titel suggeriert.
Keine Zahlen, keine Statistiken, keine Vergleiche zu früheren ähnlichen Fällen und Opfern auf Facebook, nichts. Kein Hinweis auf Opfer in anderen Communitys. Und auch kein Hinweis auf die Opfer jener Menschen, die ihre Täter im Real Live kennen gelernt haben, wie dieser Blogger im Ich sag mal deutlich macht.

Keine Fakten, nix zu kauen, ein Opfer, das gestorben ist, und nun noch mal drangsaliert wird - von BILD. Ihr Foto ist unverpixelt auf der Homepage zu finden, und da vermisse ich - nicht zum ersten Mal - den Respekt der Redaktion vor der Toten. Falls es überhaupt das richtige Foto ist, denn die BILD ist bekanntermaßen nicht sehr kleinlich dabei, wenn es darum geht, überhaupt ein Foto zu veröffentlichen.
Mein Fazit: Todesfalle Facebook-Hysterie.


Kommen wir zu etwas vollkommen anderen, kommen wir zu Dirk Ippen, Journalist, Verleger und Zeitungsbesitzer.
Dieser schrieb heute im Kommentar (und damit im überregionalen Teil) der LDZ über die Energiewende der Bundesrepublik und bediente auf dreiste und meine Intelligenz beleidigende Weise die Stromlobby. So schreibt er unter anderem, dass es weltweit über fünfhundert Kernkraftwerke geben würde, die Strom produzieren, weitere würden hinzu kommen, und die Welt würde den Kopf darüber schütteln, dass Deutschland einen Alleingang beim Ausstieg macht.
...sacken lassen.
Herr Ippen, das ist so nicht richtig. Laut Wikipedia waren mit Stand 2009 438 Reaktorblöcke in Betrieb. Selbst Kernenergie.de schreibt für 2010 von 438 Kernkraftwerken. Herr Ippen, haben Sie etwa all jene stillgelegten und noch nicht abgebauten Kernkraftwerke, oder jene die nie in Betrieb gegangen sind, mitgezählt? Oder mangelt es einem alten Hasen wie Ihnen an richtiger Recherche, wenn ein blutiger Amateur wie ich auf einer Befürworterseite und einer neutralen Seite seine Zahlen zweimal bestätigt bekommt? Das ist Polemik oder wirklich schlechte Recherche. Das sollte einem alten Hasen nicht passieren - außer er schreibt seinen Kommentar im Sinne von Lobby-Arbeit.

Dazu kommen, einmal losgelöst von Herrn Ippens Kommentar, zwei wichtige Fakten: 1) Die Neubauten von Atomkraftwerken können jene Kraftwerke, die aus Altersgründen vom Netz genommen und wieder abgebaut werden nicht annähernd ersetzen.
Greenpeace schreibt hierzu: "Atomenergie hat einen Anteil am weltweiten Primärenergieverbrauch von etwa sechs Prozent, Tendenz sinkend."
2) Die ZDF-Sendung WISO räumt mit dem Argument des billigen Atomstroms auf. Fakten, die ich seit langem kenne und von vielen Seiten bestätigt bekommen habe. Und wir reden hier von Vergünstigungen an die Atomlobby, bevor überhaupt ein Cent für die Endlagerung bezahlt wurde, die noch immer unsicher, ungeklärt und höchst gefährlich ist. Abgesehen davon, dass der Bund dafür aufkommen muss.
...sacken lassen.

Eine andere Information ist mir im Gedächtnis, nämlich das Atomkraft Nachwuchsprobleme hat. Sprich, der Studiengang, der Ingenieure und Physiker für AKWs ausbildet, "produziert" nicht einmal ein Drittel derer, die in absehbarer Zeit aus Altersgründen in den Ruhestand gehen. Was also muss passieren? Greencards für indische Atomingenieure und Nuklearphysiker, damit unsere "sichere Atomenergie" weiter laufen kann?

Mein Fazit: Ich kann es nicht mehr hören, das Märchen vom CO2-freien, günstigen und umweltfreundlichen Atomstrom. Bitte, Herrschaften, Ihr seid ja mittlerweile so schlimm wie Kreationisten.
Und noch einmal möchte ich auf eines hinweisen: Wir zahlen in Deutschland den vierthöchsten Strompreis in Europa, bei gerade einmal ein Viertel Anteil der Kernenergie an unserer Stromerzeugung. Und das bei dem Fakt, das wir Stromexportweltmeister sind. Oder vielmehr vier uns gut bekannte Konzerne.
Wenn Stromkonzerne also Strompreissteigerungen herbei beten, weil "ja der billige Atomstrom wegfällt", schreie ich hier lauthals nach dem Bundeskartellamt.
Deutschland, ein Land in Geiselhaft der vier großen Stromerzeugerkonzerne, die uns jeden Preis zahlen lassen, der ihnen genehm ist? Und die jetzt einen fadenscheinigen Grund gefunden haben, wieder mal aufs Gas zu treten?
Angebot und Nachfrage reguliert den Markt normalerweise. In diesem Fall hilft geschickte Lobby-Arbeit anscheinend zu ein paar Milliarden Extra-Profit. Armes Deutschland in Geiselhaft.

Samstag, 19. März 2011

1500 Hits

Schon wieder Neuigkeiten von der Schreibfront eines uns allen bekannten Autors. XD

Das Ultimate Perry Rhodan-Projekt von Roland Triankowski und mir, das ich auf Fanfiktion.de als Preview betitelt habe, erreichte heute auf FF.de anderthalbtausend Klicks. Darüber hinaus hat die Geschichte acht Reviews. Das macht mich schon recht stolz. Zudem ist FF.de die einzige Seite, auf der ich die Geschichte hoch geladen habe.

Es schwebt natürlich neben der voran schreitenden Arbeit zum Wega-Komplex noch der Gedanke im Raum, zumindest den Anfang des ersten Block, die vierte Macht, noch einmal zu überarbeiten. Aber es freut mich, dass das Projekt auch so unfertig bei euch Lesern ankommt. Danke dafür, und lest mich weiter. ^^V


And now to something completely different:
Heute scheint sich einiges in Japan, genauer gesagt im Kernkraftwerk Fukushima I, zum Besseren zu wenden, wenn die tapfere Schar Techniker, die Polizisten und die Feuerwehr aus Tokio das Wunder vollbringen können, die Reaktoren kühl zu halten und den Strom für die Kühlung wieder anzuschließen. Auch wenn boulevardeske Medien, nennen wir sie Gmx/Web.de, mit reißerischen Schlagzeilen statt mit Informationen aufwarten, wenn sie Header wie "Radioaktives Jod im Tokioter Trinkwasser" Leser ziehen wollen - gut, was habe ich anderes erwartet, und sie geben keine falschen Informationen weiter, sie behandeln sie eben nur plakativ - so sehe ich doch den großen Hoffnungsschimmer am Horizont, nachdem ich mich innerlich bereits mit eine Kernschmelze in drei bis vier Reaktoren angefreundet hatte.
Die Menschen, die gerade in Fukushima I arbeiten, nehmen sehr viel Strahlung auf. Teilweise direkt, heiße Gamma-Strahlung, die die Zellen schädigt, dadurch Krebs auslöst, und in besonderen Situationen sogar Verbrennungen verursacht (so energiereich ist die Strahlung), teilweise über stark strahlende Isotopen, die sich nach und nach in ihren Körpern festsetzen.
Natürlich wirkt radioaktive Strahlung auf jeden anders. Einige der Arbeiter werden wohl nie Krebs bekommen, die Polizisten und Feuerwehrleute sind hoffentlich der enormen Belastung nicht zu lange ausgesetzt; andere wiederum, vielleicht die große Mehrheit der einhundertsechzig in Schichten arbeitenden Techniker, sind eventuell dem Tode geweiht. Was ich nicht hoffe und ihnen nicht wünsche. Wenn die Sache glimpflich ausgeht, wenn Japan noch einmal vor einer Katastrophe bewahrt werden konnte, dann auf dem Rücken dieser Fachleute. Auf ihrer Gesundheit, auf ihrem Leben, auf ihrer Familienplanung. Zugunsten einer Atomindustrie, die sich ein 9,0er-Erdbeben mit anschließender Tsunami in ihren Planspielen nicht vorstellen konnte. Nun zahlen die Techniker den Preis. Ich habe allergrößten Respekt vor diesen Männern; vor jedem, der seine potentielle Familienplanung, sein Gesundheit, ja, sein Leben riskiert, um das immer noch stark gebeutelte Krisengebiet - in dem teilweise die Versorgung der Überlebenden, drücken wir es höflich aus, ganz schön ruckelt - vor einer weiteren Katastrophe zu bewahren, die Großstädte Japans vor einer Katastrophe zu bewahren.
Ich schrieb letzten Samstag in meinem Blog: "In dieser Nacht [...] werden Helden geboren."
Es klingt vielleicht ein wenig unpassend, aber ein Spielfilm für diese Männer sollte wohl drin sein, egal wie die Katastrophe ausgeht.


Was bedeutet die Katastrophe für Deutschland?
Tja, Muberkel hat vor Fukushima noch gesagt, die Kernkraftwerke seien sicher, unverzichtbare Brückentechnologie und Teil eines nachhaltigen Co2-freien Energiemix.
Dann kam Fukushima, direkt vor einer sehr wichtigen Landtagswahl, und plötzlich gibt es ein Moratorium, in dem drei Monate lang alles auf dem Prüfstand soll.
Hand hoch, wem das auch überraschend schnell ging.
Sieben Reaktoren wurden abgeschaltet, und schon kündigen die Stromkonzerne höhere Preise an.
Was hat Muberkel umfallen lassen?
Und wie viele der abgeschalteten Kraftwerke gehen nach dem Moratorium wieder ans Netz?
Zwei einfach zu beantwortende Wahlen: Mappus retten und in Baden-Württemberg regieren.
Alle Kraftwerke gehen wieder ans Netz, selbst Biblis A, der nach dem Ausstiegsfahrplan von Rot-Grün längst nicht mehr in Betrieb sein sollte.
Warum? Weil die eilig zusammen gestoppelten Kommissionen nach eingehender Prüfung, und vor allem NACH der Wahl in BW, zu der Erkenntnis kommen werden, dass solche Unglücke in Deutschland nicht passieren können; wir haben hier keine Tsunamis, keine Erdbeben und dergleichen. Und außerdem hat Frankreich ja an der Grenze so viele Atomkraftwerke, also macht es risikotechnisch keinen Unterschied. Und da ist ja noch das tschechische Kraftwerk nahe Bayern. Wir können also nicht entkommen, basta. Also machen wir das Beste draus.

...sacken lassen. Klingt schlimm, aber genau das werden wir zu hören kriegen, in Verbindung mit einer fetten Strompreiserhöhung.
Fakt ist, Deutschland produziert mehr Strom, als es verbraucht. Was passiert mit dem Überschuss? Der geht ins Ausland. Moment, werden jetzt einige sagen, unser superbilliger Atomstrom wird ins Ausland verkauft, und wir sind mit Abstand unter den vier Ländern Europas mit den höchsten Strompreisen? Was läuft da falsch? Ist es nicht normalerweise üblich, dass der Preis einer Ware fällt, wenn sie im Übermaß vorhanden ist? Warum gilt das nicht auch für Strom?
Abgesehen davon, dass Atomstrom nur billig gerechnet wird, läuft so einiges falsch, würde ich sagen. Abgesehen davon, dass Atomstrom nur noch ein Viertel Anteil an unserem Strommix hat (den Rest wuppen wir locker in spätestens zehn Jahren mit erneuerbaren Energien), und der Überschuss im Auslandsverkauf in etwa der Kapazität deutscher Meiler entspricht, barbieren uns die großen vier Konzerne mächtig über den Kamm. Regionale Stromversorger wollten Milliarden in Arbeitsplätze und dezentrale Kraftwerke investieren, und uns damit von zentralen Kraftwerken UND großen Überlandstromleitungen unabhängiger machen. Nach dem Freifahrtschein für die Atomstromindustrie durch die Regierung Muberkel wurden diese Pläne auf Eis gelegt.

So gesehen ist es eine dreiste Frechheit, wenn wir nicht nur sehr hohe Strompreise in Deutschland zahlen, für Strom der ins Ausland verkauft wird, und dann auch noch gesagt kriegen, dass die Strompreise dann anziehen werden... Wovon denn? Wenn die Subventionsgräber vom Netz gehen, hören die staatlichen Hilfen auf, und die überteuerten Strompreise könnten sinken. Könnten, wohlgemerkt. Aber die vier großen Konzerne stehen ja schon in Position, um ihren Profit zu verteidigen.
Kurios an der Sache ist ja, dass Deutschland eines der führenden Länder ist, was regenerative Energien angeht. Wir haben doch das Know How, wir haben doch die Technik, werden unabhängiger von fossilen Brennstoffen und Uran (wo, wie ich gehört habe, schon der Abbau hochgefährlich ist). Ohne die Schwarz-Gelbe Regierung wären die ersten Subventionsfallen bereits vom Netz, anstatt ihren Betreibern Geld zu drucken. Ohne würden wir mehr dezentrale Energieversorgung haben, viele der Großleitungsprojekte gar nicht benötigen. Ohne Muberkel hätten wir sicher auch schon längst Frühling. Mittlerweile erscheint mir das plausibel.


Also, hört auf meine Worte: In drei Monaten wird es bestenfalls ein Bauernopfer geben, eventuell Biblis A. Alle anderen gehen wieder ans Netz.
Die Kraftwerke werden für supersicher erklärt, und damit hat es sich. Muberkel wird hoffen, dass sich keiner in drei Monaten mehr an Fukushima I erinnert. Oder daran, dass der Rheingraben und die Eiffel auch Erdbebengebiete sind. Die Presse wird uns damit bombardieren, wie sicher wir hier in Deutschland sind, und das wir den "billigen" Atomstrom doch dringend brauchen, um wettbewerbsfähig bleiben zu können.

Andererseits, wenn die Stammwähler der CDU einerseits das Spiel mit dem atomaren Feuer abstrafen, ebenso wie den unsensiblen Umgang eines Herrn Mappus mit dem Protest gegen den Umbau des Stuttgarter Bahnhofs, und wenn sie sich dran erinnern wie Muberkel im Zuge der KTG-Betrugsaffäre sämtliche konservativen Werte über Bord geworfen hat, um ihren Lügenbaron im Amt halten zu können, dann ist dieses Moratorium vielleicht das längst überfällige Ende dieser Katastrophe von Lobbyismus-Politik. Und das Ende von Frau Dr. Merkel als Bundeskanzlerin.


Noch ein Schlusswort: Wenn über die überaus miserable Versorgungslage in Japan berichtet wird, betonen die Medien immer, dass es an Nahrung, Wasser und Benzin fehlt.
Benzin? Wieso Benzin? Ich kann verstehen, dass die Versorgung aus der Luft schwierig ist, weil viele Straßen baufällig sind, bestimmte Gebiete nicht erreicht werden können, weil es einfach zu viele Menschen in Not gibt. Ich kann verstehen, dass die Rettungskräfte durch die ständigen Nachbeben nicht so gut voran kommen, wie sie wollen. Aber ich verstehe nicht, warum jeder verdammte Artikel auf dem Benzin herum reitet.
Entschuldigt bitte mal meinen verbalen Ausfall, aber schnüffeln Japaner aromatische Kohlenwasserstoffe, oder was?
Einleuchten würde es mir ja, wenn jemand sagen würde, dass die Menschen im Erdbeben- und Tsunami-Gebiet das Benzin brauchen, um Heizöfen anzutreiben. Das würde viel Sinn machen. Oder für ihre Fahrzeuge, um entweder aus dem Krisengebiet zu kommen oder im Krisengebiet die Mobilität, bzw. Hilfe zu sichern. Aber einfach so in jede Meldung rein zu schreiben, dass Benzin fehlt... Ist das schon Lobby-Politik? Gehen in Deutschland die Sprit-Preise hoch, weil es in Japan an Benzin fehlt? Ich weiß es nicht. Vielleicht könnt Ihr mich aufklären, meine treuen Leser.

Edit am Sonntag, dem 20.03.2011: In meiner Aufzählung jener, die um Fukushima I kämpfen, habe ich die Militärpiloten der Hubschrauber unterschlagen, welche die Reaktoren von oben gekühlt haben. Das war nicht beabsichtigt. Natürlich sind sie ebenfalls ein großes Risiko eingegangen und haben ihren Anteil daran.

Montag, 8. Februar 2010

Eine Blume in der Wüste ist wie ein Einsichtiger in der CDU.

...selten und kostbar.
Leser meines Blogs wissen, dass ich gegenüber CDU und FDP ein eher launisches Verhältnis pflege. Das liegt allerdings nur zum Teil an meinem roten Parteibuch, sondern eher an der schwarz-gelben Lobby-Politik, die sie mehr oder weniger heimlich ausführen. Man erinnere sich nur mal an das Steuergeschenk an die deutsche Hotelbranche mit der fadenscheinigen Begründung, Betten würden dann billiger werden. Einfacher wäre es doch gewesen, diese offensichtliche Subvention als Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit zu verkaufen. Immerhin ist Deutschland ein Tourismus-Land. Das darf durchaus gefördert werden, auch ohne das zuvor ein paar Millionen Euro an Parteispenden fließen. (Außerdem, liebe FDP, lässt man sich hinterher von der dankbaren Klientel bezahlen, nicht vorher.)

In diesem Zusammenhang überrascht hat mich der neue Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Anstatt die Lobby-Politik der eigenen Partei fortzusetzen und die Atomkraft in den Himmel zu loben (sowie fälschlicherweise als billig und CO2-frei anzupreisen) , bezeichnet er die Atomenergie als Brückentechnologie und fordert dementsprechend eine Abwendung von der Kernenergie, hin zu alternativen und erneuerbaren Energien. Zwar propagiert er auch die Verlängerung der Laufzeiten, aber plädiert- sehr ungewöhnlich für seine Partei - für ein Ende nach vierzig Jahren. Als Grund gibt er unter anderem an, dass die Entsorgung des Atommülls noch immer ungeklärt ist und Atomstrom in der Bevölkerung noch immer auf keine hinreichende Akzeptanz stößt.
Für diese absolute Abkehr von der Kernenergie, zumindest für CDU-Verhältnisse, erntete er gleich Kritik von Unions-Fraktionsvizechef Michael Fuchs, der von Steuerverschwendung beim stillegen funktionsfähiger AKWs zugunsten von Vogelshreddern (in seiner Welt sind damit Windkraftanlagen gemeint) und Subventionsgräbern (in seiner Welt sind das nicht die Atomkraftwerke, sondern Solarkraftanlagen) sprach.
Der außenpolitische Sprecher der Union, Philip Mißfelder, geht da noch einen Schritt weiter und sagt: "Angesichts einer international gegenläufigen Bewegung verliert ein deutscher Alleingang in Sachen Kernenergie mehr und mehr an Logik."

...sacken lassen.

Wollen wir diese Aussagen doch mal analysieren.
Konkreter, vertraglich festgelegter Atomausstiegszeitpunkt ist 2020, für alle existierenden Kraftwerke auf deutschem Boden. Kraftwerke wie Biblis, das älteste AKW auf deutschem Boden, sollten mittlerweile längst abgestellt sein.
Nun kommt Herr Röttgen daher und verpackt seine Laufzeitverlängerung der Kraftwerke auf vierzig Jahre mit den schönklingenden Worten, dass die Brückentechnologie wegen der ungeklärten Atommüllfrage und der geringen Akzeptanz halt weichen muss. Für einen CDU-Mann ist das schon ein enorm mutiger Vorstoß. Allerdings schiebt auch Röttgen damit den Ausstieg nur vor sich her und lässt Tür und Tor offen für den Laufzeitenhandel. Beinahe kommt der Verdacht auf, die Union versuche sich auf diese Weise vor der NRW-Wahl im Mai noch einmal als Atomkraftausstiegspartei zu positionieren. Und nach der Wahl die Sintflut.

Anscheinend hat Michael Fuchs bei der entsprechenden Besprechung nicht zugehört, sonst würde er nicht Laufzeitverlängerungen "nach internationalem Vorbild" auf sechzig Jahre fordern, und die Alternativen Windkraft und Solarenergie mit markigen, herabwürdigenden Schimpfwörtern belegen. Und anscheinend ist es ihm egal, dass Atomkraft zweimal bezahlt wird: Einmal an der Steckdose, und einmal durch enorme steuerliche Subventionen.
Nebenbei gesagt, hat er allerdings auch keine Idee, wo der Atommüll hin soll.

Auch Philip Mißfelder war an dem Tag anscheinend nicht da, sonst hätte er nicht einen derart dummen Satz gesagt wie jenen, in dem er auf den internationalen Trend pocht.
Alle anderen Kinder springen von der Brücke, also müssen wir das auch? Ich bitte Sie, Herr Mißfelder, wir sind ein Land der Innovationen. Wenn wir als große Industrienation als erste ohne Atomstrom auskommen und aufhören, extrem heißen radioaktiven Müll zu produzieren, nehmen wir auf den Technologiesektionen der erneuerbaren Energien eine Vorreiterstellung ein, die sich gewaschen hat. Vollbeschäftigung und Milliardeneinnahmen an Steuern sind die Folge, je weiter wir diese Vorreiterstellung ausbauen können. Aber Ihnen ist es ja lieber, die teure und problematische Kernkraft zu betreiben, den großen Energiekonzernen Subventionen zu zahlen und weiter mit dem Atommüllproblem zu kämpfen. Nämlich weil alle anderen es auch tun. Was für eine schwache Aussage.


Ich treffe jetzt mal eine meiner seltenen Prognosen. Und ich bin sehr gespannt ob sie eintritt.
Nach den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen wird, egal ob die CDU gewinnt oder verliert, Kanzlerin Angela Merkel einerseits von der Atomkraft nicht mehr als "Brückentechnologie" sprechen und sich andererseits auf eine Laufzeit von vierzig Jahren einschießen - mit der Option, sichere Kraftwerke nach eingehender Prüfung weiter laufen zu lassen, solange sie sicher bleiben.
Eigentlich keine Prognose, sondern eine simple Extrapolation. CDU halt.

Edit am 14.02.: Tagesschau.de berichtet ohne jede Wertung von der harschen Kritik, der Umweltminister Röttgen für seinen Vorstoß ausgesetzt ist - und verbreitet damit weiterhin die Mär vom billigen Atomstrom.
Dennoch, ein Gutes hat es: Je mehr die schwarzen Umwelt- und Wirtschaftsminister Röttgen in die Enge treiben, desto mehr muss er Farbe bekennen. Sein Rücktritt wäre der erste Riss in der Fassade der Koalition. Allerdings würde dann niemand mehr behaupten können, Schwarz-Gelb wolle den Atomausstieg, nur halt später als Rot-Grün.