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Samstag, 28. November 2009

Warum Uran importieren, wenn man Trinkwasser hat?

Uff. Wie fange ich hier am besten an? Und wie verberge ich sowohl mein Entsetzen als auch meine Irritation?
Vielleicht geht es so: Trinkwasser ist in Deutschland längst nicht so ein Thema wie beispielsweise in Saudi-Arabien. Der Grund ist, wir haben einfach genügend. Das letzte Mal, das Trinkwasser rationiert wurde, erlebte ich in einem echten Supertraumsommer Mitte der Achtziger. Es ist da, und vielleicht behandeln wir Trinkwasser deshalb auch ein wenig zu verschwenderisch.
Woher kommt dieses Trinkwasser? Ein Großteil ist Regenwasser, direkt aus Flüssen entnommen, in Stauseen gespeichert, aus natürlichen Seen, auf den Inseln zieht man es vom Meerwasser, weil das Süßwasser auf dem schwereren Salzwasser schwimmt. Und natürlich kommt Trinkwasser auch aus Quellen. Quellen, tief aus dem Herzen der Erde.
Viele dieser Quellen sind die Grundlage für Mineralwasser. Reich an Bestandteilen der Anionen- und Kationen-Liste. Wertvoll in der Ernährung, mit vielen Spurenelementen versehen. Das geht sogar hin bis zu Gold, welches in manchem Wasser in kleinstmöglichen Spuren enthalten ist.
Ein Punkt ist dabei nicht so erfreulich: Wasser, das aus natürlichen Quellen gewonnen wird, nimmt auf dem Weg nach oben nicht nur Eisen, Salze und Magnesium auf, sondern ALLES. Das beinhaltet auch Substanzen wie beispielsweise Uran. Der eine oder andere mag jetzt erschrecken. Ich meine, Uran, ist das nicht dieses radioaktive Zeug, aus dem man Atombomben baut? Richtig. Aber in einem Punkt kann ich jeden Leser meines Blogs beruhigen. Uran ist NICHT radioaktiv. Uran ist einfach nur ein Schwermetall. Lediglich die Uran-Isotope sind radioaktiv, und die kommen in natürlichen Uranvorkommen selbst nur spärlich vor.

...sacken lassen.
Es gibt da eine Organisation für Verbraucher- und Lebensmittelrechte namens FOODWATCH. Sie hat sich schon damit profiliert, die Capri-Sonne als zu zuckerhaltig anzuprangern, überhöhte Uranwerte in Mineralwasser entdeckt zu haben und sich die Ernährungsampel von FROSTA zu eigen zu machen, sprich uns weis zu machen, es wäre ihre Idee gewesen.
FOODWATCH zeichnet sich durch drei Dinge aus:
1) Sie legen sich zwar mit Capri Sonne an, aber nicht mit Coca Cola, obwohl die wesentlich mehr Zucker in sehr viel weniger Flüssigkeit geben. Ich nenne das Feigheit vor dem Feind.
2) Sie nehmen einen Umstand, der Schlagzeilen verspricht und behaupten erst einmal etwas, zum Beispiel das die Radioaktiven Bestandteile in manchen Mineralwassersorten zu hoch ist. Erst später und hintenrum kommt dann heraus, das sie die gesetzlichen Grenzwerte für zu hoch halten und ihre Senkung fordern - wohlweislich ignorierend, das ihre Feststellung, die Bestandteile wären zu hoch in den beanstandeten Mineralwassern damit ad absurdum geführt wurde. Von ihnen selbst, wohlweislich. Auch vermisse ich jedes Mal eine Studie, eine Erklärung oder eine Expertenmeinung, WARUM der Grenzwert gesenkt werden soll.
3) FOODWATCH ist eine Medienhure. FOODWATCH hat keine eigenen Projekte, wärmt lieber erfolgreiche Themen anderer Organisationen auf oder bedient sich im eigenen Fundus erneut. Schlagzeilen sind ihr wichtiger als effektive Arbeit, oder die Auseinandersetzung mit wirklichen Problemen.

...sacken lassen.
FOODWATCH war wieder aktiv und hat gesagt, neunundzwanzig Wasserwerke in Deutschland würden Wasser in die Leitungen pumpen, das zu radioaktiv sei. Sie verglichen "tausende Proben" aus dreizehn der sechzehn Bundesländer. FOODWATCH erklärte, die Werte wären zu nahe am Grenzwert, und damit vor allem für Kinder gefährlich.
Was? Der Grenzwert ist gar nicht überschritten? Und ihr macht hier ne Riesenwelle?
Wie, ihr bezieht euch auf "neueste wissenschaftliche Erkenntnisse", wenn ihr schreibt, diese Werte wären vor allem für Kinder bedenklich? Als ich auf eurer Homepage war, habe ich keinen Link zu diesen "neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen" gefunden.
Ach nee, da war ja was. Ein Artikel der EFSA, in dem gesagt wird, bei "Werten von zehn Mikrogramm Urangehalt pro Liter" sei eine mögliche Schädigung von Kindern und Säuglingen nicht auszuschließen. Prompt werden in einer PDF auch dreizehn Wasserwerke genannt, welche diesen Grenzwert überschreiten. Allerdings wieder, ohne einen Link zu setzen oder die Quelle zu nennen.
Viele Was wäre wenns, viele Vielleichts, viele Nicht auszuschließens... FOODWATCH könnte mit Fakten arbeiten, tut dies aber lieber mit Schlagworten.

Was den Urangehalt in Trinkwasser angeht, so sollte man wirklich im Sinne der Verbraucher über Grenzwerte, Schadensminimierung und dergleichen reden, weil wir dies in Deutschland schon immer getan haben. Aber FOODWATCH als Quelle, als Recherchematerial oder gar ernst zu nehmender Gesprächspartner in dieser Diskussion geht ja wohl gar nicht.
Davon einmal abgesehen, ich wiederhole mich, ist Uran als Bestandteil bedenklich, weil es ein SCHWERMETALL ist...
FOODWATCH hingegen bringt immer wieder RADIOAKTIVITÄT ins Spiel und spielt, beziehungsweise spekuliert auf die Ängste der Menschen.
Ich glaube, die BLÖD sucht jederzeit dringend ein paar helle Köpfe, die mit Was wäre wenns und Fragezeichenschlagzeilen umzugehen zu verstehen. Vielleicht solltet ihr die Branche wechseln.
Liebe FOODWATCH, in meinem ersten Blog, den ich zu euch verfasst habe, schrieb ich, niemand braucht eine Trittbrettfahrende Verbraucherschutzorganisation.
Erlaubt bitte, dass ich mich korrigiere: NIEMAND braucht euch.

Freitag, 27. November 2009

Manchmal kommt man einfach zu spät...

Heute ist es mir wiederfahren. Da habe ich Tage drauf gewartet, Stunde um Stunde gewacht, und dann war es vorbei, bevor ich richtig zwinkern konnte.
Denn als ich mich heute bei Fanfiktion.de einloggte, um die aktuelle Zahl meiner Hits aufzurufen, musste ich leider zu meinem größten Bedauern feststellen, dass ich die 7000er Hürde glatt übersprungen und bereits bei 7016 Hits angekommen war. ^^ Das war gestern so noch nicht zu erahnen. Aber selbstverständlich beschwere ich mich darüber nicht. Im Gegenteil. Jetzt habe ich ernsthafte Hoffnungen, tatsächlich noch in diesem Jahr die magische 10.000er Marke zu knacken.


Aber kommen wir zu weniger erfreulichen Dingen. Kommen wir zur harschen Realität. Vor einiger Zeit habe ich einen Blog verfasst, der die beiden von NATO-Flugzeugen zerstörten Tanklastzüge in Kundus, Afghanistan, zum Thema hatte. Gestern geisterten dann Meldungen durch die Medien, die von einem riesigen Skandal sprachen, diesen Vorfall betreffend.
Moment mal, an dieser Stelle wollen wir kurz verharren und uns in Erinnerung rufen, was damals passiert ist:
Taliban-Kämpfer entführten zwei Tankwagen, die Sprit für die Bundeswehr geladen hatten. Dabei wurde einer der Fahrer ermordet. Anschließend flohen die Taliban, blieben aber mindestens mit einem Tankwagen in einem Fluss, ein paar Kilometer von der BW-Garnison entfernt, stecken. Die Taliban wurden aufgeklärt, einerseits durch einen einheimischen Informanten, andererseits durch Kampfjets der NATO. Gegen zwei Uhr morgens gab dann der zuständige Offizier der BW den Befehl für einen Luftschlag anstelle eines Kampfeinsatzes der Bundeswehr. Das Ergebnis waren zwei zerstörte Tankwagen und nahezu hundert Tote.
Am nächsten Morgen wurde ein zwölfjähriger Junge mit Brandverletzungen in einem örtlichen Krankenhaus eingeliefert, von dem erzählt wurde, er wäre beim NATO-Angriff verletzt worden. Weiterhin kursierten Gerüchte, dass die Toten in der Mehrzahl Zivilisten gewesen wären.
So weit die Faktenlage, wie ich sie noch im Kopf habe.
Und schon damals stellte ich die Frage: Was hat ein Zwölfjähriger (oder Zehnjähriger, das weiß ich gerade nicht mehr) um zwei Uhr morgens in einer Flussfurt mit lauter Taliban verloren?
Mein Fazit damals war, dass die Zivilisten entweder menschliche Schutzschilde waren... Oder keine Nonkombattanten. Dazu passten auch Aussagen der Menschen aus den umliegenden Dörfern, die meinten, es seien "nur böse Menschen" getötet worden.

Nun wird der Fall wieder aufgerollt, und der damalige Verteidigungsminister Jung steht in harscher Kritik. Normalerweise würde mich das freuen, denn CDU-Verteidigungsminister haben noch nie einen besonders guten Job gemacht. Und wenn ein CDU-Mann einen auf den Deckel kriegt, neige ich zu unreifer Schadenfreude. Aber in diesem Fall verstehe ich das Trara nicht. Es sind keine neuen Fakten auf den Tisch gekommen. Es wurden nur alte aufgewärmt. Was macht die so spektakulär, dass sogar der Inspekteur der Bundeswehr seinen Rücktritt eingereicht hat? Was ist daran so sensationell, so grausam oder so gewaltig, dass die Bundeswehrführung solche harschen Schritte zulässt? Was ist passiert, das den Fall in einem so neuen und grausamen Licht erscheinen lässt, anders als wenige Stunden nach dem Angriff?
...Der Untertitel einer Schlagzeile einer berüchtigten Boulevardzeitung, die sich für Sensationsmache, Panikmache und allgemeine Fehlinformation noch nie zu schade war. Der Untertitel lautet: "BILD berichtete."

In diesem speziellen Fall kann ich keine Schuld bei Jung sehen, den Fall an sich betreffend. Das einzige was man ihm vorwerfen kann ist seine Aussage, den Untersuchungsbericht zum Vorfall ungelesen an die NATO weiter gegeben zu haben. DAS wäre ein Grund, um ihn in Regress zu nehmen, aber doch nicht das Aufwärmen alter Fakten, mit denen ohnehin festgestellt wurde, das der Luftschlag gerechtfertigt war.
Und was das weitere angeht: Es waren NATO-Kampfjets, die den Luftschlag durchführten. Also ist hier auch die NATO in Deutungshoheit. Aber hätte es FJ Jung wirklich ein Bein gebrochen, wenigstens mal rein zu schauen? Okay, entweder lügt er dummdreist, das sich die Balken biegen. Oder er ist einfach nur dumm und hat seinen Job nicht richtig gemacht. Oder er dachte sich, für Dinge die er nicht weiß kann er nicht bestraft werden. Das würde alles gegen ihn sprechen. Nicht aber der Angriff an sich. Aber auch darüber wird sicher... BILD berichten. Schlimm genug.

Edit: Heute berichtet die Printausgabe der BLÖD stolz davon, dass aufgrund ihrer Enthüllungen Jung seinen Hut nahm.
Einmal davon abgesehen, dass ich nichts von Enthüllungen gelesen habe, und einmal davon abgesehen, dass mir Jung nicht als fähiger Politiker im Gedächtnis bleiben wird: Ist das ein Punkt auf den man stolz sein kann? BLÖD ist es.
Schlimm genug.

Mittwoch, 25. November 2009

Medial vermittelte Gerechtigkeit

Manchmal ist die Welt so wie sie sein sollte. Manchmal stimmt eben doch alles. Und manchmal schafft es sogar ein Medium wie die gedruckte BILD-Zeitung, einem das Gefühl einer höheren universellen Ordnung und tief greifenden Gerechtigkeit zu vermitteln. Na, wir wollen nicht zu viel loben, denn ich bin nicht weiter als bis zur Schlagzeile vorgedrungen und ziemlich sicher, dass Wetterbericht, Angst, Hass, Titten und künftig in Gegendarstellungen korrigierte Meldungen en Masse zu finden sind... Aber immerhin, die Schlagzeile reißt doch einiges wieder raus: Oliver Pocher hat Schweinegrippe!!!
Ja, manchmal ist das Universum im tiefen Einklang mit sich selbst, manchmal atmet es geradezu Gerechtigkeit.
Nicht, das ich was gegen ihn hätte. Ich meine, ein unlustiger Comedian zu sein ist einfach kein Verbrechen, und Harald Schmidt die Show zu versauen auch nicht.
Und außerdem ist es ungerecht, jemandem Krankheiten und andere Übel an den Hals zu wünschen, aber... In diesem Fall ist es etwas anders. Pochers aktueller Pakt mit der BLÖD, in dem er seine Leiden als Mega-Schlagzeile vermarkten lässt, wird noch hart auf ihn selbst zurückfallen. Und DAS ist ihm zu gönnen. Wer ist denn auch sonst so blöd und geht, mit blutigen Steaks behängt, in das Raubtiergehege? Oder reibt sich mit Blut ein, um im Amazonas schwimmen zu gehen? Wie ich schon sagte, ich erahne die tiefere Wahrheit des Universums.


Aber wenn ich schon mal am tippen bin: Uwe Schünemann, seines Zeichens niedersächsischer Innenminister hat tatsächlich vorgeschlagen, jugendlichen Gewalttätern teilweise die Fahrerlaubnis zu entziehen. Er hofft auf einen Synergieeffekt, weil der Führerschein diesen jungen Menschen lieber ist als die Gewalt, wenn ich es mal banal zusammenfassen darf.
...okay, DAS möchte ich bezweifeln. Führerscheinentzug als Gewalttherapie halte ich schon mal für eine Schwachsinnsidee. Um nicht zu sagen für ausgemachten Blödsinn.
Aber was mir da eigentlich mehr Sorgen macht: Gibt es eine rechtliche Grundlage, die es erlaubt, ein Kapitalverbrechen wie ein Verkehrsdelikt zu bestrafen? Sind das nicht eigentlich zwei vollkommen getrennte Bereiche? Und sollte man die nicht im Sinne ALLER Bürger auch getrennt halten, alleine schon um die Verwaltungsfluten der herumgereichten Dokumente aufzuhalten? Und was ist, wenn die Welle rückwärts läuft? Sind dann Bürger irgendwann im polizeilichen Führungszeugnis vorbestraft, weil sie in einem Jahr dreimal falsch geparkt haben?
Herr Schünemann, das kann doch so nicht richtig sein.


Edit am 26.11.: MONITOR überrascht mit einem Bericht ÜBER die H1N1 - mit überraschendem Ergebnis. Besonders die Aussage des australischen Arztes etwa ab 5.30 ist hochinteressant, wenn er sagt, dass H1N1 die saisonale Grippe verdrängt und damit zweitausend Tote verhindert hat.
H1N1, nicht Panikgeber, sondern neuer Heilsbringer? Ich bin gespannt.

Dienstag, 24. November 2009

Vorsicht mit spitzen Bleistiften in der Schule...

...man könnte unter Verdacht geraten, einen Amoklauf damit zu planen.

Vor ein paar Wochen wurde eine Jugendliche in Sankt Augustin daran gehindert, auf ihrer Schultoilette einen Brandsatz zu zünden. Sie wurde von einer Mitschülerin überrascht, verletzte diese mit einem Messer und entkam.
Die Schulleitung löste daraufhin Terroralarm aus, ließ die Schule evakuieren und nach der Täterin fahnden. Die stellte sich daraufhin gegen Mitternacht der Polizei. Die weiteren Ermittlungen inklusive der Durchsuchung ihres Zimmers förderten weitere gefährliche Materialien zutage.
Die Sachlage ist ernst. Eine Sechzehnjährige hat versucht, Teile oder gleich die ganze Schule in Brand zu stecken. Als sie überrascht wurde, verletzte sie eine Mitschülerin und floh, ohne ihre Tat auszuführen.
Psychologen bescheinigten ihr einen Hang zum Suizid, schlossen eine Fremdgefährdung jedoch aus.

...sacken lassen.
So schlimm ein Brandanschlag auch sein mag, so hochgradig die Schüler durch einen Brand in der gekachelten Mädchentoilette gefährdet worden wären, und im Anbetracht der Verletzung des Mädchens, das die Täterin überrascht hat: Warum wird dem Fall gleich das Label "Amoklauf" aufgedrückt?

Was ist ein Amoklauf? Eine oder mehrere Personen entschließen sich dazu, an einem bestimmten Ort in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Menschen zu töten und zu verletzen.
Wenn man ganz großzügig ist, kann man einen Brandanschlag ebenfalls in diese Kategorie einordnen - und wahrscheinlich war es auch überhastet von der Schulleitung, aber zumindest nicht verkehrt, den Vorfall mit höchster Wichtigkeit zu behandeln. Immerhin wurde eine Schülerin schwer verletzt, immerhin hätte es einen Brand gegeben.
M.E. ist die weitere Vorgehensweise psychologische Behandlung der Täterin, eine Bewährungsstrafe und Sozialstunden. Die verletzte Schülerin als Nebenklägerin sollte entsprechend mit Schmerzensgeld kompensiert werden. Das wäre eine logische und konsequente weitere Vorgehensweise. Ich erwähne das auch nur der Vollständigkeit halber, bevor das Urteil gefällt wurde, und Medien wie die BLÖD beginnen, "über die zu große Milde der deutschen Justiz" zu meckern und härtere Strafen zu fordern.

Wie aber gehen die Medien damit um? Auf eine geradezu lächerliche Weise. Für sie ist der Vorfall natürlich ein Amoklauf, und die Täterin ist ihr Freiwild.
Mir bleibt das Lachen im Halse stecken, wenn ich daran denke, dass BLÖD Bilder der Täterin aus dem Gerichtssaal veröffentlichte - ungenügend anonymisiert - und BILDBLOG feststellte, das der BLÖD-Fotograf das Opfer abgelichtet hatte...
Auch dreht sich mir der Magen um, wenn das eine Medium von einem Kurzschwert als Tatwaffe berichtet, während seriöse Medien von einem Messer berichten, aber entgegen der Meldungen kurz nach der Tat darauf beharren, dem Opfer wäre ein Daumen abgetrennt worden. Während das eine Medium lächerlich sensationsheischend ist, fragt man sich bei der vermeintlich seriöseren Redaktion, ob sie einfach besser recherchiert haben, oder ebenfalls ein wenig auf den Entsetzenszug aufspringen wollten...
Im Anbetracht der Tatsache, dass die ersten Meldungen von einer Axt sprachen, behalte ich mir vor, im Bezug auf die Tatwaffe und die erlittenen Verletzungen skeptisch zu sein... Was mich nicht daran hindert, dem Opfer mein Mitgefühl auszusprechen und dem Mädchen eine vollständige Genesung zu wünschen.

...sacken lassen.
Natürlich ist das eine schlimme Sache. Wäre die Täterin erfolgreich gewesen, hätte im einfachsten Fall die Toilette gebrannt, im ungünstigsten jedoch die Schule. Potentiell gefährdet war jeder einzelne Schüler. Aber ehrlich gesagt mache ich mir darum keine großen Sorgen, wenn beim Bau der Schule die Brandschutzbestimmungen eingehalten wurden und Lehrer wie Schüler den Evakuierungsdrill beherrscht haben, bzw. das richtige Verhalten bei Feueralarm kannten.
Sorgen mache ich mir nur darum, dass dem Vorfall automatisch das Label "Amoklauf" angeheftet wurde. Ich finde, dies ist gegenüber den Opfern tatsächlicher Amokläufe hier in Deutschland oder weltweit in keinster Weise fair. Ich hasse es wirklich, wenn die Medien bewusst hypen und sachlich falsch berichten. Und all das nur für eine Schlagzeile.

Freitag, 20. November 2009

Heult doch!

Manchmal hat man solche Phasen, da muss man sich das eine oder andere einfach von der Seele reden. Einige benötigen dafür Urschreitherapie, andere die beste Freundin und ein Paket Taschentücher, wieder andere bevorzugen die Kneipentour mit "den Jungs" und ein wenig Melancholie, um das los zu werden, was auf ihnen lastet.
Ich habe einen eigenen Blog für so etwas. Und das ist sehr praktisch.

Heute möchte ich gleich mehrere Themen anschneiden. Nämlich Neo-Nazis, Anti-Lobbyisten, Kreationisten, und wer mir sonst noch so einfällt, die ihre Meinungen in die Welt posaunen und daran verzweifeln, dass sie nichts zurück kriegen - außer von denen, die ohnehin schon auf ihrer Schiene sind.

Wir fangen mit den Neo-Nazis an, die merkwürdigerweise ausgerechnet in den Bundesländern sehr stark sind, die man früher einmal mit "DDR" umschrieben hat. Ironischerweise ist dort die Linke aber auch sehr stark, doch das soll hier nicht Thema werden.
Ich beginne mit einem Blog, nämlich dem heutigen Eintrag von Bildblog.de. Dort, in der Kathegorie "6 vor 9", führt ein Link zum Blog Störungsmelder, in dem einer der Autoren, namentlich Nico Unkelbach, über die Neo-Nazi-Szene referiert, die Twitter für ihre Propaganda einspannt. Ein sehr lohnenswerter Artikel, wie ich finde. Aber die Aufmerksamkeit möchte ich auf den Kommentator Nummer fünf lenken, Meier mit Namen.
Besagter Meier klagt an: "Ja und warum werden die leute von der npd nicht eingeladen? [...] Wenn die argumente der anderen so schlagend sind, dann bitte eine live-sendung mit udo voigt, gegen leute von anderen parteien, und das dann ohne zensur! Dann wird sich ja zzeigen was ist, der bürger entscheidet."
Die Tippfehler und die schlechte Formulierung stammen übrigens von Meier, nicht von mir.
Nun, mein lieber Meier: Du hast Recht, so etwas sollte man wieder mal machen. Es passiert nämlich alle Naselang, und jedes Mal kriegen die Polit-Schergen dern NPD, DVU und REPs einen auf die Nase. Dann versuchen sie sich hinter ihrem "Argumente-Bollwerk" zu verstecken. Und ich rede nicht von rhetorischen Siegen, immerhin werden diese Leute entsprechend geschult, nein, ich rede von Siegen nach Fakten.
Also, Herr Meier, heul doch! Und hoffentlich geht Dein Wunsch in Erfüllung. Ich würde mich gerne mal wieder etwas aufregen und etwas amüsieren.

Kommen wir zu Punkt Nummer zwei: Anti-Lobbyisten.
Was ist nun das besondere an Anti-Lobbyisten, das mich dazu bringt, sie in meinem Blog zu erwähnen? Hm, dass es von ihnen zwei Sorten gibt. Einmal haben wir da die Fachleute, z.B. Journalisten, Fachautoren und Mitarbeiter von Greenpeace, die das Fachwissen haben und sich nicht davor zurückschrecken, beispielsweise die deutsche Stromwirtschaft dafür anzuklagen, dass sie in Deutschland ein illegales Kartell errichtet haben, um unsereins zwanzig Prozent mehr für den Strom aus der Tasche zu ziehen als selbst unserem teuersten Nachbarn...
Und dann gibt es jene Lobbyisten, die an den Tag treten, wenn eine rosa Wundersalbe gegen Neurodermitis und Schuppenflechte "von der Pharma-Industrie nicht vermarktet wird, weil sie eigene Produkte vom Markt verdrängen würde, da sie zu billig in der Produktion ist und - noch schlimmer - die Patienten heilen würde. Aber die Pharma-Industrie macht sich ja den eigenen Absatzmarkt nicht kaputt." Ironischerweise rutschte besagte Wundersalbe vom "Wunderheilmittel" zum "Therapieunterstützer" ab, aber das nur am Rande.
Was unterscheidet diese beiden Prototypen des Anti-Lobbyisten?
Nun, Version eins genießt meinen Respekt und meine Achtung, weil er recherchiert, Fachwissen besitzt, bis zu einem gewissen Maße selbstlos agiert und für das Gemeinwohl arbeitet.
Version zwei hingegen kommt direkt vom Stammtisch, ist erklärter Nichtwähler, weil "die ja ohnehin alle in die eigene Tasche arbeiten", stützt sich auf ungeprüfte Fakten, solange es nur gegen "die da oben" geht, und hat "natürlich schon immer gewusst, dass es nur ums große Geld geht".
Lieber Stammtisch-Anti-Lobbyist: Heul doch! Vor einiger Zeit übernahm ich ungeprüft Fakten und fand mich darin wieder, dass ich Herrn Sarrazin Dinge vorwarf, die er so gar nicht gesagt hat. Nach einer Prüfung der Fakten kam ich aber zum Schluss, dass der von der BLÖD gepuschte Bericht so nicht stimmte, und der alte Herr weder Rassist noch Idiot ist. Ich habe mich daraufhin entschuldigt, mir aber noch Spielraum gelassen. Will sagen: Ich habe recherchiert, und dieser Fehler passiert mir gewiss kein zweites Mal. Der Stammtisch-Anti-Lobbyist hingegen weiß natürlich, das die Meinung, die ihm vorgekaut wurde, die einzig richtige ist, dass die BILD eigentlich ja die BILDung ist und das alle anderen Recht haben. Und überhaupt, wozu Fakten, wenn die Welt so einfach erklärt ist?
Nicht mit mir, Leute. Und nicht in diesem Ton.

Kommen wir zu den Kreationisten, kommen wir zum eigentlichen Spaß an der Sache. Die benutzen das neue Medium Internet nämlich auch sehr, sehr gerne, und jedesmal wenn ich auf eine ihrer Seiten stoße, schlage ich mir die Hand vor den Kopf. Dann erkenne ich immer wieder, warum ich auf sie negativ reagiere... Und warum ihre Seiten UNBEDINGT online bleiben müssen, denn nicht einmal ihre Gegner können ihnen schneller Zurechnungsfähigkeit, Sachlichkeit und Faktentreue absprechen als ihre eigenen Artikel!
Zum Beispiel diese Seite, die eine direkte Verbindung zwischen Star Wars, dem teuflischen Buddhismus, Hitler und schließlich sogar Satan zieht.
Eigentlich hätte ich herzhaft lachen sollen, aber irgendwie wollte es mir nicht gelingen.
Da behauptet der Autor dieser Seite ernsthaft, dass Star Wars ein Satanskult ist. Meinetwegen. Es ist nicht das erste Mal, das jemand Fiktion nicht von Realität unterscheiden kann. Und das ist sicher nicht mein Problem. Aber der perfide Weg, wie er es beschreibt, stößt mir sauer auf.
Er [der Pageschreiber] beginnt damit, dass er darauf hinweist, dass Lucas erwähnt, die Philosophie der Jedis würde teilweise auf dem Buddhismus ruhen. Buddhismus ist ihm schon mal GANZ verdächtig, und ohne Umschweife bringt er diese Religion mit Satanismus in Verbindung. Doch jetzt kommt es erst dicke: Die Swastika, ein in Fernost weit verbreitetes Symbol für Glück, Wohlstand und Zufriedenheit, wurde einst von Adolf Hitler als Symbol für seine Nazi-Partei verwendet. Genauer gesagt hat Hitler das indische Sonnenrad für seine Propagandazwecke missbraucht und dem Glückssymbol in Deutschland und der westlichen Welt nachhaltig ein negatives Label verpasst, das es überhaupt nicht verdient hat. Aber es kommt noch kurioser. Allgemein bekannt ist, dass Hitler einen gewissen Hang zum Mystizismus hatte. Bei unserem Freund jedoch wird daraus gleich Satanismus.
Also: Star Wars=Buddhismus=Swastika=Hitler=Satan=Star Wars. Alles klar soweit?
Lieber Harry Walther: Heul doch! Eine an fadenscheinigeren Argumenten aufgezogene Assoziationskette - ach nee, Du bestehst ja sicher darauf, es seien Beweise - habe ich schon ewig lange nicht mehr gelesen. Da kommen selbst die Nazis nicht mit. Sorry, Jungs.
Star Wars=Nazis=Satanismus? Eher nicht. Kreationismus=Leuteverdummung=Müll trifft es da schon eher.

So, ein Punkt noch, dann habe ich mir wieder ordentlich Crap von der Seele geschrieben. Tja, wer einen Blog hat, braucht für kleinere Probleme keinen Seelenklempner, wie schön.
An dieser Stelle möchte ich mal eine Lanze brechen... Für meine gute Freundin Miyu-Moon, die eifrig in meinem Blog kommentiert und nahezu alle meine Arbeiten, die im Netz verfügbar sind, gelesen hat. Besagte junge Dame ist mittlerweile eine handwerklich und stiltechnisch sichere Hobby-Autorin, und hat anderen Amateuren ganz schön was zu sagen. Und sie tut es auch. Eines ihrer Hobbys ist es, wenn sie die Zeit und die Muße hat, auf Seiten wie Animexx.de Geschichten zu ihren Lieblingsthemen zu lesen und zu bewerten. Dabei kommt es auch mal vor, dass sie auf Geschichten trifft, die grammatikalisch falsch sind, Plotfehler haben, ihre Handlungsträger Out of Character beschreiben und zudem für sich in Anspruch nehmen, unfehlbar zu sein. Ihr Lieblingskommentar auf Miyu-Moons ernsthafte Verbesserungsvorschläge ist, falls sie nicht gleich alle ihre eifrig kommentierenden Einselfer-Freunde für eine Mail-Kampagne gegen Miyu aufrufen, ist: Don´t like it, don´t read it.
Ich nenne solche meist jungen Autoren bei mir Quietschkommi-Autoren. Sie schreiben meist in einem begrenzten Umfeld, erfreuen sich gleichgesinnter Fans, die ebenso schlechte Autoren sind und ziehen sich daran hoch, dass sie zwanzig oder mehr Kommentare bekommen, und das ist mehr als die anderen haben... Nur leider hat das nichts mit Qualität, Plot und Rechtschreibung zu tun. Im Gegenteil, wenn diese "Autoren" jemals ihre Nische verlassen, werden sie furchtbar auf die Schnauze fallen. Sie sind endemisch, also nur in ihrem direkten Umfeld anzutreffen, und auch nur dort lebensfähig. Das macht keinen guten Autoren aus, das macht einen schriftstellerischen Krüppel aus. Da hilft auch ein NarutoXSasuke-Plot nichts, der einhundert Mädchen begeistert kreischen lässt: Die Fehler sind da, sie werden nicht besser, und leserlicher wird es auch nicht.
Liebe Quietschkommi-Autoren: Heult doch! Don´t like it, don´t read it? Bullshit! Wenn Ihr keine Kritik wollt, dann postet die Geschichten nicht für jedermann zugänglich! Wer keine Kritik verträgt, der soll für sich alleine im stillen Kämmerlein schreiben, anstatt sich wie etliche meiner Kohais angestrengt darum zu bemühen, mit jedem Text ein wenig besser zu werden.

So, das tat gut. Dennoch, trotz all dieser Negativ-Beispiele: Die Welt ist groß und bunt, und die besten Wasserrutschen stehen in Kalifornien.

Montag, 16. November 2009

6666 - The number of Ace

Nein, ich habe keine Sechs zuviel getippt. Und, ja, es ist eine Anspielung auf den Welthit "Number of the beast" von Iron Maiden.

Regelmäßige Blog-Besucher ahnen jetzt schon, was dieser Titel zu bedeuten hat und was ich ihnen zu lesen gebe: Richtig, ich zelebriere mich wieder einmal selbst, mit der Zahl der Aufrufe meiner Geschichten auf Fanfiktion.de.
Dort habe ich heute, wie der Titel so schön sagt, Sechstausendsechshundertsechsundsechzig Hits erreicht, davon alleine sechstausend im letzten Halbjahr. Gut, gut, das liegt vielleicht auch daran, dass ich monstermäßig viele Storys dort gepostet habe - lange, kurze, Mehrteiler, Onepager und seit neuestem kurze Gedichte aus meiner Feder - ich persönlich freue mich vor allem darüber, dass das Interesse an meinen Geschichten bei den Usern von Fanfiktion.de nicht abreißt, sondern eher zunimmt. Durchschnittlich fünfundzwanzig Mal werden meine Arbeiten aufgerufen, wenn ich keine neue Geschichte poste. Und ich finde das wirklich spitze. ^^
Profi-Karriere, ich komme!


Edit: Gerade zum Thema H1N1 entdeckt, und sollte eigentlich in einen eigenen Post...
Aber egal. Ich habe vorhergesagt, dass wir DAS HIER lesen würden. Allerdings hatte ich da eher die BLÖD-Zeitung favorisiert. Tja, Leute, da ist Euch wohl jemand zuvor gekommen.

Donnerstag, 12. November 2009

Darwin wäre beinahe Pastor geworden...

...aber ich bin sicher, die Seite, die mit seinem Namen und dem nach ihm benannten Preis, den Darwin Award, arbeitet, hätte nicht seinen Gefallen gefunden. Denn jeder, der die simple Adresse Darwin-Award.com eingibt landet nicht auf der Seite mit der Prämierungen der auf dümmste Weise aus dem Genpool der Menschheit verschwundenen Menschen, sondern auf einer Hardcore-Bibelseite.
Hardcore-Bibelseite? Was ist das, werden manche fragen. Nun, das ist vielleicht nicht so einfach zu erklären. Aber ich will versuchen, es mit einem Wort zusammen zu fassen: Kreationisten!
Genau, diese besondere Gruppe Mensch, deren Glaube mir Ausschlag verursacht. Wobei es nicht ihr christlicher Glaube ist, sondern ihr irrationales Verlangen, die Bibel mit einem Sachbuch gleich zu setzen oder gleich als erklärte Wissenschaft zu etablieren.
...sacken lassen.

Durch reinen Zufall gelangte ich also auf diese Hardcore-Seite, und es war alles da, was einen fundamentalistischen Christen, der daran glaubt, dass Gott die Erde in sieben Tagen erschaffen hat (Ätsch, es waren aber nur sechs) und das bald das Armageddon droht, richtig auf Touren bringt.
Als da wäre: - Die Uhr der bevorstehenden Apokalypse, die effektvoll auf fünf vor zwölf steht.
- Der Bericht des Bibelhassers, der durch eine Predigt und Monatelange eigene Bibelforschung dazu überging festzustellen, das "alles in der Bibel wahr ist".
- Ein Auszug der schönsten Prophezeiungen über das Ende der Welt.
- Und immer besonders beliebt: Wer kein Christ ist, im Idealfall natürlich kein Mitglied dieser einen christlichen Sekte, kommt nicht ins Himmelreich. Und wo finden wir die Begründung für diese gewagte Behauptung, die zwei Milliarden Katholiken düpiert? Richtig, natürlich in der Bibel, man muss nur richtig lesen.

Das waren natürlich nicht alle Beispiele, nur das was mir nach zehn Minuten und acthzig Zeilen des Berichts unseres Konvertiten so im Gedächtnis geblieben ist. Ich möchte keinem zukünftigen Besucher den Spaß oder die Erleuchtung nehmen, etwas neues auf dieser Seite zu finden, was ihn dann amüsiert oder erleuchtet. Tja, Schwamm drüber.
Jeder, der schon einmal einen von mir zum Thema verfassten Blogeintrag gelesen hat, weiß, dass ich Kreationisten nicht mag. Die Gründe dafür sind einfach: Kreationisten verkaufen sich erst selbst für dumm, und dann versuchen sie es mit allen anderen.

Zum Beispiel mit den obigen vier fadenscheinigen Argumenten, die ich jetzt behandeln werde:
1) Der berühmte Club of Rome hat eine ähnliche Uhr. Sie stand lange Zeit auch auf fünf vor zwölf. Nach den Entspannungen zum Ende des Kalten Krieges hin wurde sie jedoch zurück gestellt. Die Christen, welche diese Seite betreiben, scheinen die einzigen zu sein, die ein nahes Ende der Welt sehen. Aber das ist wahrscheinlich ihr Job.

2) Der Bericht des Saulus zum Paulus (unser Bibel-Konvertit) ist niemals authentisch. Der Autor berichtet immer wieder darüber, dass er mehr und mehr Stellen in der Bibel gefunden hat, die "wahr" sind. Dem dummen Leser aber lässt er seine unschätzbar wertvollen Erkenntnisse, wo denn die Bibel "wahr" ist, nicht zukommen. Die sollen wohl alle selber recherchieren. Außer Schlagworten nichts gewesen. Eine Broschüre, die sein Versprechen erläutert, die Bibel sei "wahr", wurde auch nicht angeboten.
Meine Meinung: Nur Leute, die ihre Fakten nicht erklären können, erklären ihre Fakten nicht. Klingt dämlich? Ist es auch, aber nur für diese Leute.

3) Eine Wolke im Westen und ein heißer Wind aus dem Süden, so fängt eine Prophezeiung zur Apokalypse an. Hallo? So was haben die in Bayern ständig. Das nennt sich Bewölkung im Westen und Fön von den Alpen. Und Bayern steht immer noch. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Das ist so ein wenig wie Nostradamus entschlüsseln: Wenn wir die Apokalypse hatten, können die Überlebenden ran gehen und ergründen, welche Wolke es aus dem Westen war, und welcher Fönwind aus dem Süden das Ende der Welt brachte. Kreationisten geizen immer mit Fakten und klaren Worten. Denn sie wissen warum.

4) Mein Lieblingspunkt ist aber der letzte: Da wird einfach munter behauptet, wer nicht zu unserer Kirche gehört, der ist kein richtiger Christ und kommt auch nicht in den Himmel.
Okay, ich habe in jungen Jahren sehr viel in der Bibel gelesen, und ich bin etwas sattelfest. Jedenfalls genug um zu wissen, dass Jesus Christus mit seinem Kreuztod die Schuld ALLER Menschen auf sich genommen hat, und das er JEDEM der ihm folgt geraten hat: Schlägt man dich auf die linke Wange, so halte auch die rechte hin. Passt das etwa dazu, dass sich eine christliche Kirche nicht nur auf Jesus beruft, sondern auch einen einmaligen, von der Bibel "untermauerten" Rettungsanspruch aufstellt? Nein, das passt natürlich hinten und vorne nicht. Im Gegenteil, nach dem ersten Drittel wird das purer Verrat am Christentum.

Ich habe nun schon einige Zeit gelebt und sehr viele Erfahrungen gemacht, gute wie schlechte. In all der Zeit habe ich oft mit dem Gedanken gespielt, meine Kirchensteuer zu sparen und auszutreten; letztendlich dachte ich mir aber immer, das es nicht auf das Geld ankommt, sondern auf den Glauben. Auch dachte ich, kann es der deutschen evangelischen Kirche nicht schaden, wenn mit mir einer mehr Mitglied ist, der Wissenschaft und Glauben auseinander halten kann.
Aber immer wenn ich die Texte von Kreationisten, religiösen Weltverschlimmerern und christlichen Pseudowissenschaftlern lese, schlackern mir die Ohren. Erlaubt mir, dass ich mich weiterhin auf diesem Wege dieser obskuren und peinlichen Konstrukte erwehre.

Ach ja, bevor ich es vergesse: Besagte Seite prognostiziert das Ende der Welt, wenn Russland und einige arabische Staaten in Israel einfallen und die USA involviert sind...
Geschickt gemacht, denn sollten sich arabische Nachbarn - aus welchen Gründen auch immer - zu einem Waffengang gleich welcher Art gegen Israel entscheiden, sind die USA natürlich automatisch involviert. Das Problem hierbei ist Russland. Putin und Konsorten haben leider keinerlei Interessen an der Region, speziell nicht an Israel, was über den christlichen Glauben hinaus gehen würde. Es dürfte also schwer sein, Russland dazu zu bewegen, Israel anzugreifen, nur damit wir unser Armageddon-Vorzeichen haben.

Und natürlich finden die Schriftrollen vom Toten Meer Erwähnung im Bekenntnis des konvertierten Bibelhassers. Aber unser neugeborener Paulus begeht natürlich einen Fehler: Er vergisst uns zu versichern, dass seine Recherche aus einer Bibel stammt, die auf Grundlage dieser Schriftrollen geschrieben ist.
Jeder, der einigermaßen über den christlichen Glauben informiert ist weiß, dass die katholische Kirche und nach ihnen jede andere Splittergruppe an der Bibel herum gedoktort hat. Wobei Luther eher wenig zensierte, während die katholische Kirche in etwa ein Drittel der Texte weg fallen ließ. Auch die Schriftrollen vom Toten Meer, egal wie authentisch sie auch sein mögen, müssen erst einmal Eingang in die Bibel finden - und das tun auch nur jene Passagen, die neu sind. Dazu müssen diese aber auch erst wieder am Papst vorbei.

Hach, manchmal liebe ich es, mich über Kreationisten aufzuregen.
In diesem Fall überwiegt aber mein Ärger, wenn ich die Perfidität sehe, mit der diese Gruppe auf Leute hofft, die nicht Google nutzen, um auf die Seiten des Darwin Awards zu gelangen.
Autsch. Ich ergehe mich in Kopfschmerzen.

Montag, 9. November 2009

Ringelt sich das Schwänzchen schon?

Schweinegrippe und kein Ende. Eigentlich sollte ich ja alle Zeitungsartikel ignorieren, die den Virus NICHT mit H1N1 oder Neue Grippe betiteln, weil alleine das schon ein Hinweis darauf ist, dass ungenau recherchiert wurde. Aber ich habe es dennoch gemacht, bin ein paar Links von Bildblog.de gefolgt und hier gelandet! Und was Frau Friederike Tinnappel von der Frankfurter Rundschau in ihrem Leitartikel hier abliefert, abgesehen davon, dass sie am Montag, dem 9.11. bereits davon spricht, das morgen der 11.11. ist, kann man wie folgt zusammenfassen: Impf-Lobbyismus.

Nicht nur, dass sie vollkommen unbekümmert ohne Zahlenbelege arbeitet, sie scheut sich auch nicht, finsterste Polemik zu verwenden. Da sind die Impfstoffe, die vor zwei Wochen noch zuverlässig ausgeliefert wurden, plötzlich "wegen Engpässe nicht mehr geliefert worden", da werden Menschen die sich gegen die Impfung entscheiden die ewigen "Ich doch nicht"-Impfgegner genannt und damit karikiert, während die anderen jene sind, "die sich ernsthaft um ihre Familien sorgen". Und mit wahrer Hingabe beschreit sie nicht nur das Ende des Impf-Engpass, sondern auch die Verfügbarkeit neuer (und wahrscheinlich verträglicherer) Impfmittel von anderen Pharmaunternehmen.
Sie schließt mit Blick auf den Karneval und die dort folgenden Menschenmassen wie folgt: "Wenn wir uns alle impfen lassen, schlagen wir der Schweinegrippe ein Schnippchen."

Sehr geehrte Frau Tinnappel, Sie haben anscheinend ein paar elementare Dinge nicht begriffen.
1) Fünfundzwanzig Millionen mögliche Immunisierungen sind für ein Volk von zweiundachtzig Millionen Menschen mehr als ausreichend.
2) Wenn von dreißigtausend oder mehr Krankheitsfällen mit H1N1 geredet wird und wir auf elf Tote kommen - wobei bei diesen Opfern das Virus nachgewiesen wurde, nicht dessen Lethalität - haben wir einen supermilden Verlauf mit etwas Husten und Schnupfen, aber keine Pandemie, die Impf-Hysterie rechtfertigt.
3) Impfgegner pochen zwar auf die Nebenwirkungen der Impfung, aber darum geht es nicht, wenn ich mich nicht impfen lasse: Ich persönlich sehe keinen SINN darin, mich gegen diesen leichten Sommerhusten impfen zu lassen. Und ich bin Asthmatiker.
4) Mit Artikeln wie Ihrem muss man die Hände über dem Kopf zusammen schlagen und Medizinern wie Robert Koch und Wissenschaftlern wie Louis Pasteur Abbitte leisten, weil die positive Arbeit, die von ihnen begonnen wurde, von Ihnen absurd gemacht wird. Absurd in der gezielten Schürung von Panik, künstlichem Impfwillen und Lobbyismus für Pharma-Unternehmen, die nun auch noch auf den vermeintlich fetten Impfmarkt drängen, der gar nicht existiert.
5) Auch die Impfgegner sorgen sich um ihre Familien, deshalb sind sie ja skeptisch.

Frau Tinnappel, Sie leisten weder der Impfung an sich, noch der Bekämpfung der Schweinegrippe einen Dienst. Ich habe vergeblich in Ihrem Artikel nach Zahlen gesucht, nach Links zu Vergleichswerten und dergleichen. Was ich gefunden habe war eine Anzeige, über der das Wort Anzeige nicht zu finden war.
Was Ihren Schlusssatz angeht: Wir können der Schweinegrippe eben KEIN Schnippchen beim Karneval schlagen, wenn wir uns jetzt alle impfen lassen. Zwar dauert der Karneval bis zum Aschermittwoch... Aber um eine Immunität nach der Impfung zu entwickeln, bedarf es im Schnitt zwei Wochen. Zu spät für den 11.11. um Elf Uhr Elf.

Bitte mehr Fakten und weniger Meinung in Ihrem nächsten Leitartikel.
Ach, und bitte, überlassen Sie unsinnige, reißerische und sachlich falsche Texte doch bitte der BLÖD-Zeitung.

Donnerstag, 5. November 2009

Internet natives aller Länder, hört auf Euch zu treffen...

...so oder ähnlich möchte ich gerne diesen Blog-Beitrag beginnen.
Diese Woche entdeckte ich auf Bildblog.de in der Rubrik "Sechs vor neun" eine Auswahl diverser im Internet verfügbarer Artikel. Einer von ihnen behandelte das Interview einer Reporterin, die sich mit einer vierzehnjährigen Gymnasiastin über das Internet, Datensicherheit und dergleichen unterhalten hat, inklusive den "Gefahren im Netz". Teilweise kam mir das Interview authentisch vor, streckenweise unrealistisch, vor allem sobald es um New Age-Dinge wie "Geld verdienen durch Urheberrechtsklagen" oder "im Internet kann man auch Monster treffen" ging.
Mit vielem war ich einverstanden manches ließ in mir den Verdacht keimen, es entweder mit einer Retorte, einer massiven Nachbearbeitung der Autorin oder einem "vorbereiteten", sprich instruierten Gesprächspartner zu tun gehabt zu haben. Letztendlich überwogen aber die positiven Aspekte, deshalb Schwamm drüber.

Denkste. Felix Schwenzel, Betreiber des Blogs Wirres.Net, hat die Fragerunde auch entdeckt, etwas modifiziert und sich mit deren Hilfe selbst interviewt. Dabei hat er die Finger auf viele Ungereimheiten gelegt, tüchtig in der Wunde gebohrt und klar gestellt, dass man auch mit einem C64 bereits im Computerzeitalter angekommen war.
Felix, das war dringend nötig. Und jetzt bin ich mir sicher, große Teile des Ursprungsinterviews waren gefaket.
Euer C64-Veteran Ace.

P.S.: Wizball, anyone?

Dienstag, 3. November 2009

Je olla, je Dollar

Und ich meine nicht Dolly Dollar, sondern die US-amerikanische Währung.
Dies ist der Auftakt zu einem kleinen Gedankenexperiment meinerseits. Alle, die mit Mathe nichts am Hut haben, sollten jetzt fix das Weite suchen. Alle anderen zücken entweder den Taschenrechner oder aktivieren das in ihr Betriebssystem eingebettete Gadget.
Die Aufgabe ist simpel: Wir schreiben das Jahr 2000. Alexander fliegt zu einem mehrtägigen Urlaub in die U.S.A. und muss dafür sein Geld umtauschen. Der freundliche Banker in seiner Volksbank-Filiale sagt ihm, dass er für einen US-Dollar Zwei Mark zwanzig berappen muss.
Alexander tauscht zweitausendzweihundert Mark in eintausend Dollar um. (Ja, ich weiß, das ist ne Menge Kies, und man fragt sich, WAS für einen Urlaub Alexander geplant hat. Ignoriert das bitte. Ich wollte nur eine glatte Zahl haben.)

Kleiner Zeitsprung in die Gegenwart: Alexander spielt wieder mit dem Gedanken an eine Amerika-Reise. Er surft durchs Web und findet auf www.finanzen.net den aktuellen Dollarkurs. Demnach kriegt er heute für einen Euro Eins Komma vier sechs Dollar. Er bezahlt für Eintausend Dollar also Sechshundertvierundachtzig Euro und dreiundneunzig Cent.

Nun schauen wir noch einmal ins Jahr 2002, dem Jahr in dem wir Kontakt aufnahmen - mit dem Euro. Die Faustregel für die Umrechnung Mark gegen Euro ist fix. Für einen Euro muss Eine Mark neun fünf fünf acht drei berappt werden.
Wenn Alexander nun seine zweitausendzweihundert Mark in Euro getauscht hätte, dann wäre das wie viel?
Richtig: Eintausendeinhundertvierundzwanzig Euro und vierundachtzig Cent.
Dieses Geld wollen wir jetzt in Dollar anlegen. Wir erinnern uns, für einen Euro kriegen wir Einen Dollar und sechsundvierzig Cent. Macht also Eintausendsechshunderzweiundvierzig Dollar und siebenundzwanzig Cent (aufgerundet).

Worauf will ich hinaus? Nun, im Jahr 2000 hat Alexander für sein Geld Eintausend Dollar bekommen.
Im Jahr 2009 hingegen bekommt er für die gleiche Summe in Euro umgerechnet sechshundertzweiundvierzig Dollar siebenundzwanzig mehr. Und das in einer Zeitspanne von nur neun Jahren.
Mein Fazit: Kein Wunder, dass die Amerikaner in einer Krise stecken, wenn ihr Geld in nur neun Jahren zwei Fünftel seines Wertes verliert.
Und: Urlaub in den USA ist für uns Europäer aus Euro-Land gerade supergünstig.

Natürlich werden jetzt die Wirtschaftsexperten auf die Barrikaden steigen, von Kaufkraftverlust reden, die Inflation anführen, von Booms und Regressionen sprechen, ansteigender und absteigender Import-Export-Leistung... Aber, meine Herren, diese Bedingungen gelten doch nicht nur für die USA, sondern auch für den Euro-Raum, oder?
Mir bleibt ein vergnügte Schmunzeln, die Hoffnung, dass ich mit einem Euro-umgetauschten Dollar genauso viel kaufen kann wie mit den Mark-umgetauschten Dollars im Jahr 2000 und die Gewissheit, das es einer Währung gerade recht gut geht: Dem Euro nämlich.

Freitag, 30. Oktober 2009

Vermischtes

Hm, wenn so eine Woche ins Land geht, dann passiert so einiges. Ich will ein paar dieser "einige" aufgreifen und mit meinen persönlichen Anmerkungen versehen.

Afghanistan: Der vom deutschen Kommando angeforderte Luftangriff auf gestohlene Tankwagen wurde nun nachträglich von der NATO sanktioniert.
Vielleicht auch deshalb, weil die örtlichen Stammesführer selbst für den Angriff sehr dankbar sind und nicht müde werden zu betonen, es seien nur "böse Menschen" gestorben.
Ich persönlich frage mich immer noch eines: Was macht ein Zivilist um zwei Uhr nachts inmitten einer Horde Taliban in einer Flussfurt? Oder deren dreißig? Scheint, wir sind nicht das einzige Land, das mit ewig Gestrigen zu kämpfen hat.

Der Bundeskanzler ist tot, es lebe der Bundeskanzler: Tja, Frau Dr. Merkel ist nun wiedergewählt. Und abgesehen von der Frage, wo ihr Doktortitel plötzlich hergepoppt ist und warum sie ihren Mann und ihren Stiefsohn für den Wahlkampf doch noch in die Kameras gezerrt hat, gibt uns ein Aspekt allen zu denken: Sie wurde nicht mit allen Stimmen der Koalition wiedergewählt. Ich sage euch, Neuwahlen in einem Jahr.

Das gleiche passierte auch in Thüringen, wo der populistische MP Althaus nach seiner Wahlniederlage entmachtet wurde. Da half ihm auch nicht die großflächige Vermarktung des Unfalls mit Todesfolge, den er verursacht hatte.
In Thüringen fehlten auch seiner Kronprinzessin Christine Lieberknecht die Stimmen der Koalition, um im ersten Wahlgang zur neuen MP gewählt zu werden. Erst im dritten Wahlgang wurde sie wiedergewählt, weil hier die einfache Mehrheit reichte. Und das ist wohl ein Zeichen dafür wie rauh der Weg sein wird, der noch vor ihr liegt. Und ich wette, die Stimmverweigerer kamen nicht einmal aus dem SPD-Teil der Koalition, sondern aus der CDU-Partie - nämlich von jenen die mit Althaus unzufrieden waren und mit Lieberknecht eine Fortsetzung seiner Politik befürchten.
Fahren Sie besser nie Ski, Frau Lieberknecht.

Schweinegrippe: Eigentlich ist es eine Riesensauerei, wie über H1N1 berichtet wird. Noch nicht ein Schwein angesteckt, geschweige denn die Schweine als Ursprung der neuen Grippe sicher bestätigt, hat sich dieser Name festgefressen. Und hier wird es schweinisch: Der Name lässt sich einfach nicht ausrotten. Die Grippe selbst leider auch nicht, denn die Impfbeteiligung ist eher mäßig. Menschen interessieren sich eben mehr für rosa Wundersalben mit an Zauberei grenzenden Heilungserfolgen als für eine herkömmliche Krankheit, die den Tod bringen kann... Aber voraussichtlich nicht wird.
Btw, noch einmal: Warum sind die Jahrgänge über sechzig gegen diese Grippe immun? Ich glaube noch immer, dass das daran liegt, dass sie vor fünfzig bis siebzig Jahren einen identischen Erreger hatten und deshalb eine Immunität aufgebaut haben. Diesem Aspekt nachzuforschen wäre sicherlich interessant.
Und wenngleich ich die Impfung gegen H1N1 sinnlos, ich meine skeptisch betrachte, bin ich doch dafür, dass die Risikogruppen (chronisch Kranke, Schwangere, Rentner) zur Impfung gegen die saisonale Grippe gehen. Die fordert im Schnitt fünf- bis zehntausend Tote in Deutschland, also mehr als die Schweinegrippe weltweit geschafft hat.

Fanfiktion.de: Kaum zu glauben, aber wahr, ich habe tatsächlich mittlerweile sechstausend Aufrufe erfahren. Meine Geschichten sind beliebt wie nie. Allerdings bin ich von einem Rowlings-Hype weiter entfernt als der Mond von der Sonne. ^^°
Dennoch, die Zahl derer, denen mein Name als Autor ein Begriff ist, wächst ständig. Und vielleicht verkaufe ich dann ja endlich mal ein Buch. Aktuell steht "Für den Kaiser" vor dem Abschluss. Mal sehen, was daraus wird. Freiwillige, die eines kaufen würden, habe ich schon. ^^

In eigener Sache: Und das ist mir wirklich ein Anliegen... Leute, redet mit mir. Schreibt mir. Postet Antworten in meinem Blog. Ich weiß, dass einige meiner Fans hier mitlesen, und das etliche durch die Suchmaschinen auf mich stoßen, von denen der eine oder andere auch ein zweites mal rein schaut. Ich weiß, posten ist hier schwierig, geradezu komplex. Aber habe ich ein wenig Feedback nicht verdient, egal ob positiv oder negativ?

Sonntag, 25. Oktober 2009

Was soll der Hype?

Die Diskussion ufert aus. Das Ziel wird vollkommen aus dem Auge verloren.
Wovon ich rede? Von der bevorstehenden Impfung. Und alle, alle springen auf den Zug auf, um ihren Senf dazu zu geben. Von der rein sachlichen Variante bis hin zu fachlich qualifizierten Kommentaren ist alles dabei.
Auf Youtube bin ich dann dem Gipfel begegnet: Eine Medizinjournalistin namens Jane Bürgermeister verdächtigt das Pharmaunternehmen Baxter, die großmaßstäbliche Ausrottung der Menschheit vorzubereiten.
Dieser Punkt fällt eindeutig in die Verschwörungstheorie-Kiste und ist für mich unseriös.
Zwei Dinge sprechen m.E. gegen Frau Bürgermeisters Theorie:
1) Sie verkauft ein Buch zu diesem Thema.
2) Obwohl sie das größte Geheimnis eine elitären Spezialorganisation ausplaudert, welche mit Krankheiten die Überbevölkerung der Erde umregulieren will, sprich ein paar Milliarden ausrotten, ist sie noch immer am Leben, bzw. fürchtet sich nicht davor, von dieser geheimnisvollen verbrecherischen Organisation verfolgt zu werden.
Dies sind Auswüchse wie der Fall der rosa Wundercreme gegen Neurodermitis und Schuppenflechte, die während der TV-Sendung vom "Heilmittel" zum "Therapieunterstützenden Präparat" reduziert wurde. Auch hier versucht der Regisseur des Fernsehfilms zum Thema, ein Buch zu verkaufen, und ein mittelständisches Schweizer Pharmaunternehmen die Creme zu vermarkten.
Leute, so viele globale Verschwörungen haben wir nun auch wieder nicht. Ist doch klar, dass der Komplex nicht für alle reicht. Ich persönlich beschließe jedenfalls, immer erstmal skeptisch zu werden, sobald das Wort "Verschwörung" fällt. Zumeist in Verbindung mit "die da", "die Konzerne", "die ganz oben" oder "es gibt Leute".

Kommen wir aber mal zu den Fakten zurück. Was wissen wir?
Schweinegrippe tauchte das erste Mal offiziell in Mexico City auf; angeblich hoch ansteckend und supertödlich, weil sich hauptsächlich junge Menschen daran infizierten und daran auch starben. Daraufhin stürzten sich die großen Medien auf das Thema und entwickelten ein Szenario, das düsterer nicht sein könnte.
Nun, das düstere Szenario blieb aus. Mexico City wurde nicht entvölkert, und die Grippe verbreitete sich zwar in viele westliche Länder, darunter die USA und Europa, aber der weitere Verlauf der H1N1-Grippe war eher mild zu nennen. Hauptsächlich Personen aus Risikogruppen fielen ihr zum Opfer, während ältere Semester ab sechzig dagegen weitgehend immun zu sein scheinen. (Anmerkung von mir: Könnte eventuell daran liegen, dass die wirklich immun sind. Was bedeutet, dass sie diesen Virus wahrscheinlich schon mal hatten - vor fünfzig bis siebzig Jahren.)
Durch den Medienhype, der voll auf eine tödliche und Bilderwirksame Pandemie wie die Schwarze Pest im Mittelalter setzte, ließen sich auch die Behörden infizieren: Sie bestellten große Mengen des Impfstoffs, um ihre Bevökerung zu schützen, was an sich voraus schauend und löblich ist.
Nun ist der Impfstoff fertig, weltweit gab es ein paar hunderttausend Infizierte und ein paar tausend Tote. Versteht mich nicht falsch, ich will die Verstorbenen weder verhöhnen noch abtun, im Gegenteil. Mein Mitgefühl gehört den Angehörigen.
Aber wir haben den Impfstoff nun einmal, und fünfundzwanzig Millionen Deutsche können immunisiert werden.
Ich will jetzt nicht auf Frau Bürgermeisters Zug aufspringen, da sie behauptet, die Geimpften würden nicht immunisiert sondern mit einem besonders tödlichen Präparat infiziert werden.
Ich will auch nicht auf den anderen Zug aufspringen, der die Nebenwirkungen der Impfung aufpuscht und den "Impfungs-Hype" beschreit, da ich ein erklärter Befürworter der Impfung an sich bin.
Und ich will gar nicht erst auf Einzelrisiken eingehen.
Stattdessen überlege ich ein wenig an den Fakten herum.
Fakt ist, die "Schweinegrippe" hat sich außersaisonal weit verbreitet, allerdings mit mildem Verlauf und im Anbetracht der Infektionszahlen mit geringen Todesfällen.
Fakt ist, die Medien (vor allem die BLÖD) versuchen noch immer die Pandemie herbeizuschreien, was die Gegner eher noch stärkt als das es sie straucheln lässt.
Fakt ist, dass die normale Grippesaison kurz bevorsteht, der Winter. Also jene Zeit, in der unser Immunsystem durch weniger Bewegung, schlechtere Ernährung (als wäre es so schwer mal etwas Obst zu essen ^^° ), sowie trockene, überheizte Raumluft ohnehin geschwächt ist. Für diesen Zeitraum erwarten wir die normale Grippewelle, die wie meistens aus den Ballungsgebieten Südostasiens kommt und Ende Dezember, Anfang Januar hier eintreffen wird, um ihre fünf- bis zehntausend statistischen Todesfälle zu fordern. Wie sich ein zweiter Virus in dem Getümmel ausmachen wird, kann man gar nicht sagen. Das ist sowohl ein Argument FÜR als auch GEGEN die Impfung.
Fakt ist, dass sich die reguläre neue Grippe und die H1N1-Grippe in einem Infizierten treffen können, Daten austauschen und ein neuer gefährlicherer Virus entsteht. So läuft die Scheiße nämlich, und das wäre wieder ein Argument FÜR die Impfung. Aber genauso gut kann auch ein harmloser Drei Tages-Schnupfen dabei herauskommen. Denn Viren haben weder ein Bewusstsein, noch einen eigenen Willen. Sie haben keinen Plan, kein Konzept und keinen Zeitdruck. Sie sind beinahe Maschinen, am äußersten Rand dessen, was die Wissenschaft als lebendig bezeichnen würde. Sie planen nicht, sie tun einfach. Und da sie kein Bewusstsein haben, haben sie auch keine Ziele. Ziele wie die Menschheit auszurotten, beispielsweise. Das spricht wieder GEGEN eine Impfung.
Fakt ist, dass die älteren Semester eher selten infiziert werden. Daraus allerdings den Umkehrschluss zu ziehen, es würden hauptsächlich junge Leute infiziert werden, ist hanebüchen. Ich lasse hier lediglich ein "unter sechzig" gelten.

Natürlich kann man sich impfen lassen. Natürlich kann man durch die Immunisierung verhindern, dass gerade der eigene Körper durch eine Doppelinfektion von H1N1 und der regulären (aber neuen, verdammt noch mal. Darauf wird viel zu wenig aufmerksam gemacht! Jeder saisonale Virus ist auch ein NEUER Virus!) Grippe der Brutort einer neuen Supergrippe wird.
Aber: Man hat keine Garantie, das der Nachbar dann nicht zu eben jenem Superbrutherd wird, und dann widerum einen infiziert... Dass die Impfung gegen den neuen Supervirus funktioniert ist nämlich äußerst unwahrscheinlich.
Und auch der Medien-Hype, der immer noch versucht Recht zu behalten, die Regierungen die nun versuchen, mit Hinweis auf die eigentliche Grippe-Saison die dieses Jahr "besonders übel ausfallen kann" (aber keinesfalls muss) ihren Impfstoff, der gekauft und unbenutzt herum liegt, an den Mann zu bringen, sind der Sache letztendlich nicht zweckdienlich.
Danke, liebe Bundesregierung, dass ihr so besorgt wart und den Impfstoff produzieren lassen habt, um ganz Deutschland vor der Ausrottung zu retten. Aber ich für meinen Teil habe mich dazu entschieden, mich NICHT impfen zu lassen, weil ich zwar zur Risikogruppe der "Jungen" gehöre, ansonsten aber gesund bin. Eine kleine Infektion wird mich eher stärken als töten.
Außerdem, angenommen, es entsteht eine neue Supergrippe, und ich infiziere mich mit ihr...
DANN GIBT ES IMMER NOCH TAMIFLU? Schon vergessen? Und Donnie Rums freut sich dann bestimmt über den zusätzlichen Umsatz.
Tamiflu wirkt gegen Schweinegrippe. Damit ist die Chance auch recht groß, dass sie auch gegen eine eventuell entstehende neue Supergrippe hilft. (Betonung auf eventuell.)
Ich bin nicht gerade ein Freund der hypenden Pharma-Unternehmen... (Unsere hart arbeitenden mittelständischen Nonglobalplayer mal außen vor gelassen.)
Aber in diesem Fall habe ich das große Vergnügen, zwei Produkte der Global Pharma-Welt gegeneinander ausspielen zu können. Und das ist wirklich ein Vergnügen. Würde mich freuen, wenn Tamiflu auf diesem Weg wieder in die Diskussion kommt. Was dann allerdings in den Medien passiert... Könnte durchaus interessant werden.

Edit: Im April, gerade in meinem eigenen Blog nachgelesen, hieß es noch, Tamiflu hilft. Daraufhin bedienten sich Zehntausende auf mehr oder weniger legalen Wegen an diesem Medikament.
Heute, auf dem Höhepunkt der Impf-Operation wird Tamiflu eine Wirkung abgesprochen.
Marketing? Die Wahrheit? Beides? Oder will man sich mit dem einen Produkt nicht das andere kaputt machen lassen?
Fakt ist in jedem Fall, dass Tamiflu TROTZDEM gegen einen eventuellen Supervirus im Januar helfen kann. Falls es einen Supervirus gibt.

Edit am 26.10.: Und noch was ist mir aufgefallen... Sollte es wirklich zu einer zweiten, schwereren H1N1-Welle zwischen Januar und März kommen, kann man sich immer noch impfen lassen. Die Immunität tritt nach ca. zwei Wochen ein, wenn ich es richtig im Kopf habe.

Samstag, 24. Oktober 2009

Sarrazin und keine Ruhe

Ehrlich, es kommt selten vor, aber ich muss mich entschuldigen. Vor ein paar Tagen verfasste ich einen Blog unter der Voraussetzung, dass der Deutsche Bank-Vorstand Thilo Sarrazin tatsächlich sehr umstrittene Äußerungen zu Türken und Arabern in Deutschland, bzw. Berlin geäußert hatte.
Dabei stützte ich auf eine Meldung von Gmx.de...
Nun aber bin ich über meinen Lieblingsblogger Bildblog.de darauf gestoßen worden, dass die gesamte Thematik von der BILD künstlich aufgebauscht und gehyped wurde.
Man stelle sich vor, ausgerechnet die BLÖD steht auf der Seite der Migranten, obwohl die doch eher viel besseres Entfremdungsdiskussionsmaterial und "Darum darf die Türkei nicht in die EU"-Material bieten.
Leider verlinkten Niggemeyer und Co., die im Gegensatz zu mir journalistische Arbeit leisten, nicht auf das volle Sarrazin-Interview. Was ich aber bisher gelesen habe, lässt NICHT auf einen polternden, polemischen und rassistischen alten Stammtischmann voller Vorurteile schließen. Im Gegenteil, während er über Berliner Subventionen und über die Stadtentwicklung redet, entpuppt er sich als charmanter, leicht aggressiver (weil er den Finger auf die Wunde legt und darin bohrt) Plauderer, der zumindest den Anschein hat, über die Themen Ahnung zu haben, die er aufgreift.
Spiegel.de bringt dann noch einmal die wichtigsten Zitate, und siehe da, die Kernvorwürfe erwähnt die Sammlung gar nicht.

Herr Sarrazin, ich gestehe hiermit ein, dass ich Defizite habe. Defizite in meiner Recherche, Defizite in meinem blinden Vertrauen in vermeintliche Qualitätsmedien, Defizite auf die Untertöne zu hören. Hätte ich früh genug gesehen, dass die BLÖD diese Geschichte zuerst aufgenommen, breit getreten und entfremdet hat, wäre ich ihr nie so leichtgläubig auf den Leim gegangen.
Ich spreche Sie damit nicht frei; ich schiebe mein Urteil auf bis ich besser recherchiert habe.
Der Auszug Ihres Interviews auf Lettre International hat mich auf jeden Fall überrascht und zum Umdenken bewegt.
Ich entschuldige mich für mein voreiliges Handeln und werde weiter bohren. Sollte ich dennoch die Vorwürfe bestätigt sehen, versichere ich Ihnen, Herr Sarrazin, habe ich jetzt dennoch eine bessere Meinung von Ihnen als vor dem Auszug aus dem Interview.

Edit: Hier ein Link zum fraglichen Teil des Interviews, das ich aber mindestens noch durch eine Quelle gegenchecken werde.
Der Mann klingt mehr sachlich als verhetzend, aber auf keinen Fall befleißigt er sich der Political Correctness.

Freitag, 23. Oktober 2009

Die Erfolgsmeldungen häufen sich...

...nicht in der Wirtschaft, der Politik oder der Gesellschaft, aber bei mir.
Just um 22 Uhr 15 festgestellt: Die Anzahl der Aufrufe meiner Stories auf Fanfiktion.de hat die sechstausend erreicht. Damit hätte ich nie gerechnet, als ich im April begann, zu meinen zwei dahin dümpelnden Konzepten Dutzende weitere hinzu zu fügen.
Ich hätte immer noch sehr gerne Vergleichszahlen von anderen Autoren, aber ich habe noch keine kennen gelernt.
Muss ich mich eben mit achtzig Kommentaren begnügen.
So, und jetzt geht es mit vollen Schritten auf die zehntausend VOR Weihnachten zu. ^^

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Zahlenprobleme mit der BLÖD-Zeitung

Es kommt vor. Wirklich, manchmal passiert es einfach. Da stehe ich vor dem Zeitschriftenregal und greife interessiert nach einer BILD-Zeitung.
So ist es auch heute geschehen. Der Aufmacher der BLÖD diesmal: Renommierter Professor befürchtet neununddreißigtausend Tote durch die Schweinegrippe-Epidemie.
Dazu noch etwas weiter unten: Schwerer Verlauf der Schweinegrippe und neue Epidemiewelle im Winter befürchtet. Dreißig Millionen Krankheitsfälle.
...sacken lassen.
Ich will jetzt nicht auf den Offensichtlichen Dingen herum reiten, wie zum Beispiel der Tatsache, dass nächste Woche die Massenimpfungen gegen H1N1 beginnen sollen, und sich viele Bundesbürger (nicht verschrecken lassen) gegen eine Impfung sind, weshalb es der Bundesregierung womöglich an fünfundzwanzig Millionen Impfkandidaten für das teure Produkt fehlen wird. Oder zu bedenken geben, ob ein Mensch, der gegen Schweinegrippe geimpft wurde, auch Impfschutz genießt, falls der Virus mutiert und damit einen vollkommen anderen Aufbau hat. Und ich möchte auch nicht großartig darauf herumreiten, wie oft schon ein "schwerer Verlauf der Infektion" herbeigeschrieen haben, der aber nie eingetreten ist. Fakt ist, dass man nur mit äußerstem Wohlwollen laut unserer Medienlandschaft einen einzigen Todesfall in Deutschland bestätigen könnte. Wie gesagt, mit äußerstem Wohlwollen und drei zusammengedrückten Augen, inklusive Hühneraugen.
Nein, darum geht es in meinem Blog nicht.

Diesmal geht es um die Zahlenmagie von BLÖD.
Nebenbei bemerkt, manche mögen sich wundern, warum ich einerseits BLÖD und dann BILD schreibe. Das ist leicht erklärt. BLÖD ist meine Meinung. BILD dient dazu, damit auch wirklich jeder versteht, WEN ich meine.
Die Zahlenmagie. Angenommen, Schweinegrippe mutiert. Angenommen, es kommt tatsächlich durch den neuen Virus zu einer Grippewelle, die dreißig Millionen Bundesbürger erfasst.
Und angenommen, es kommt in dessen Folge zu neununddreißigtausend Toten...
Dann haben wir prozentual gesehen IMMER NOCH einen milden Verlauf, da in diesem Fall der Virus für 0,1% der Bevölkerung tödlich wäre.
Zynisch? Giftig? Keineswegs. So rechnet man nun mal in Mathematik. Und in der Seuchenkunde misst man eine Grippe an ihrer Verbreitung und ihrer Tödlichkeit.
Einmal ganz davon abgesehen, dass eine Infektionswelle, die mehr als jeden dritten Bundesbürger mit fiebriger Erkältung ins Bett bannen würde, mehr als ungewöhnlich für eine Grippe wäre, um nicht zu sagen der pandemiale Super-GAU, befürchtet besagter von BLÖD zitierter Professor diese (theoretisch möglichen, praktisch nicht wahrscheinlichen) Zahlen für eine mutierte H1N1-Form. Und da gilt wieder die Frage: Wirkt die Impfung in diesem Herbst gegen H1N1 auch gegen eine mutierte Form? Und ich spreche hier von einer Schutzimpfung, keiner Aktivierung des Immunsystems. Eine Impfung macht den Körper mit einem Erreger vertraut, er bildet Antikörper und sorgt im Idealfall dafür, dass die Krankheitserreger bei einer tatsächlichen Infektion gar nicht erst dazu kommen, sich zu vermehren, weil sie erkannt und vernichtet werden. Ich glaube eher nicht.
Andererseits wird die Industrie sicherlich drei, vier Monate, nachdem der mutierte tödliche Killervirus mit dreißig Millionen Infizierten und neununddreißigtausend Toten durch Deutschland gezogen ist, einen Impfstoff entwickelt und zur Verteilung bereit haben.
Andererseits, wenn über zwei Fünftel der deutschen Bevölkerung diese Grippe bereits gehabt haben, ist das schon eine eigene Immunisierung.
Bleibt nur noch eine Frage: Wer bezahlt BLÖD für diese Schleichwerbung?

Edit am 22.10.: Heute habe ich die BLÖD tatsächlich mitgenommen. Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, sie war umsonst.
Der großer Aufmacher waren zehn Redakteure, die zur Impfung geschickt wurden, und die anschließend unisono darüber berichteten, wie harmlos die Impfung doch gewesen war, wie wenig man gespürt hat und wie wichtig es doch ist, dass Menschen im öffentlichen Leben nicht zur "Virus-Schleuder" werden.
Alles schön und gut. Wir haben nun zehn in gut zwei Wochen immunisierte BLÖD-Redakteure.
Der Haken bei der Geschichte ist schlicht und einfach: Die Diskussion geht nur sekundär um die Nebenwirkungen der Impfung (siehe Verstärker und den ganzen anderen Nonsens, der durch die Medien schleicht), es geht um den NUTZEN! Da H1N1 sich dazu entschlossen hat, in Deutschland weder tödlich zu sein, noch einen so genannten schweren Verlauf zu verursachen, ist genau diese Nutzen mehr als fraglich.
Und, wie ich oben schon erwähnte, ist diese Impfung nicht effektiv, falls sich H1N1 zur neuen Supergrippe durchmutiert, weil wir es dann mit einem neuen Virus zu tun haben.

Ich betätige mich mal wieder als Prophet: Es wird nicht lange dauern, und die BLÖD-Zeitung wird die Zwangsimpfung fordern, um "Deutschland vor der Katastrophe zu retten". Oder, zwischen den Zeilen gelesen, um die fünfzig Millionen Einheiten angekauften Impfstoff zu verbrauchen, damit er nicht vollkommen sinnlos Staub ansetzt.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Politische Arbeit in der Regierungsmannschaft ist politisch

Oder um es anders auszudrücken, lobbyistisch.
Was ich und viele andere erwartet haben, ist eingetreten: Union und FDP einigten sich auf ein milliardenschweres Subventionsprojekt, das einigen wenigen Mega-Konzernen erstens Milliarden an zusätzlichen Gewinnen in die Kassen spülen wird und zweitens noch einmal die gleiche Summe als Subventionen. Und der Höhepunkt bei der Geschichte ist, dass der Müll, den die Konzerne produzieren, nicht von ihnen selbst entsorgt wird, sondern dem Bund. Und der sucht auch noch - auf Staatskosten - einen geeigneten Müllplatz, der natürlich auch auf Staatskosten betrieben wird.
Richtig, ich rede über die Atomkraft. Union und FDP hatten ohnehin die Laufzeitverlängerung sicherer Kraftwerke in ihren Wahlprogrammen, also überrascht es nicht wirklich, was bei den Koalitionsverhandlungen festgelegt wurde, wie Gmx.de berichtet.
Mich überrascht nur die Dreistigkeit, mit der den Menschen verkauft wird, die Atomenergie sei notwendig. Dazu kommt auch noch die Unverschämtheit, Atomkraft als "Brückenenergie" zu klassifizieren, die "bis zur Ersetzung durch alternative Energien unbedingt nötig ist".
Aber wenn die Laufzeiten "sicherer" Atomkraftwerke erst einmal durch sind, werden ihre Laufzeiten dann auch irgendwann einmal beendet sein? Atomkraftwerke halten nun mal nicht ewig, und jedes einzelne hat einen hochgradig verstrahlten Reaktor, den man nicht einfach ausbauen und endlagern kann. Wohin mit alten Atomkraftwerken ist nur EIN Problem von vielen. Der Weiternutzung der Atomkraft auf unbestimmte Zeit und der Erklärung, ALLE Atomkraftwerke in Deutschland wären sicher und könnten zeitlich unbegrenzt betrieben werden, steht somit nichts mehr im Wege.
Das Dreisteste jedoch ist die Meinung der Leser dieses Artikels. Gmx.de hat eine Umfrage dazu gestartet, und zweiundfünfzig Prozent sprachen sich gegen einen Atomausstieg aus.
Bei den Lesermeinungen stieß ich dann auf folgende Frage: Was passiert wohl, wenn wir alle Atomkraftwerke einfach abschalten?
Mein lieber unbekannter User, und alle anderen die eifrig für den Erhalt der Atomkraft stimmen, ich will diese Frage beantworten und damit den Nutzen der Atomkraft ein für allemal klären. Was passiert also, wenn wir heute, Sonntag, oder morgen, Montag, einfach mal alle Atomkraftwerke abstellen? ...Richtig, es passiert NICHTS!
Wie, nichts? Ja, es passiert rein gar nichts. Denn das bisschen Spannung, das die Atomkraftwerke liefern, wird dann automatisch von Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken ersetzt, die genau für diesen "Notfall" in der Lage sind, ihre Stromabgabe rapide zu erhöhen, um die fehlende Spannung auszugleichen.
Gut, gut, ich will ehrlich sein. Wahrscheinlich käme es hier und da zum Zusammenbruch des Versorgernetzes, aber das wäre nur temporär und bei weitem nicht so schrecklich wie "In Deutschland gehen alle Lichter aus".
Und wenn alle Stricke reißen importieren wir einfach ein wenig Fremdstrom. Das tun wir ohnehin, obwohl im Inland mehr Strom produziert wird als wir wirklich brauchen.
Wie das kommt? Tja, das ist dann ein eigener Blogeintrag, der mit Subventionen, Bilanzen und gierigen Stromkonzernen zu tun hat, sowie einer Aufsichtsbehörde, die m.E. ihren Job zu machen hat.

Fazit: Schleichend öffnet das Merkel der Atomindustrie die Tür für unbegrenzte Laufzeiten, kostenlose Atommüllentsorgung und volle Subvention ihres Produkts. Und alle freuen sich darüber? Nicht alle. Nur all jene, die tatsächlich noch immer glauben, Atomenergie wäre notwendig und hätte Zukunft. Kraftwerke sind nicht unersetzlich, und der produzierte Strom wäre in der Tat billiger. Das wäre gut für uns alle.
"Aber was ist mit CO2?" Genau, was ist mit CO2?
...Seit wann produzieren Photovoltaik-Anlagen und Offshore-Windkraftparks CO2?
"Du willst ja nur die Kohlekraftwerke behalten! Die produzieren CO2!"
Richtig. Aber schon mal was von moderner Filtertechnologie gehört? Also, hinsetzen, googlen, informieren, und dann meckern. Nicht einfach der Union auf den Leim gehen und fadenscheinige Argumente nachkrächzen.
Denn sich informieren, seine eigene Meinung zu bilden ist heute leichter als je zuvor.
Ich habe es getan, wie man sieht. Und Ihr?

Freitag, 16. Oktober 2009

It really doesn´t matter, if you´re black or white...

Zeit-Online.de hat einen längeren Bericht über den Autoren und Undercover-Reporter Günter Wallraff, genauer gesagt über seine aktuelle Aktion als "Schwarzer in Deutschland" veröffentlicht.
Wallraff, der auch mit persönlichen Kommentaren zu Wort kommt, schildert dort die ganz einfachen alltäglichen Mühen, die ein Schwarzer in Deutschland hat, bis hin zu wildem Opportunismus von offiziellen Stellen. Die Ironie in seinem Bericht liegt daran, dass er nach eigener Aussage nur einmal beinahe enttarnt worden wäre. Alle anderen haben nicht hingesehen, bzw. nach seiner Hautfarbe beurteilt und behandelt. Versteht mich nicht falsch, ich hätte ihn wohl auch nicht erkannt, dazu kenne ich ihn nicht gut genug. Es soll in diesem Blog auch gar nicht um Diskriminierung, Eingliederung und dergleichen gehen. Nein, ich will hier und heute der deutschen Öffentlichkeit einen Zahn ziehen. Einen langen mit schmerzhaft verwachsener Wurzel und Geschwüren im Fleisch, der mich schon lange beschäftigt.
Wallraff begegnete Ost wie West immer einem gemeinsamen Gedanken: Deutschland deutsch (und weiß), Afrika den Afrikanern (schwarz).

Afrika den Afrikanern/Schwarzen: Hier treffen wir schon mal auf den ersten Denkfehler. Afrika ist schwarz? Entschuldigung, aber das stimmt so nicht. Wahr ist, dass die negriden Völker in Afrika in weiten Teilen dominieren, und das sie ethnisch einander sehr nahe stehen, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Dutzende anderer Völker leben auf unserem Nachbarkontinent: Araber, Buschleute, Chinesen (ja, Chinesen), Inder (auch Inder, und gar nicht mal wenige) sowie Vertreter jener Volksgruppen, die zwar recht dunkle Haut haben, aber nicht in die Kathegorie der negriden Völker einzuordnen sind. Als Beispiel nenne ich hier den Volksstamm der Pygmäen.
Ich will hier nicht zu ausführlich werden, weil die paar Zeilen da oben erstens der Völkervielfalt Afrikas nicht gerecht werden und zweitens auch gar nicht das Hauptthema sein sollen. Es soll nur kurz aufführen, dass Afrika nicht automatisch schwarz ist. Die Ägypter würden sich da sicher zurückgesetzt fühlen. Mein Thema bezieht sich auf den anderen Part.

Deutschland den Deutschen/Weißen: Einer der meiner Meinung nach größten Fehler in der vorherrschenden, von Vorurteilen und Missverständnissen geprägten Unkultur im Umgang mit Ausländern ist der Irrglaube, Deutschland hätte eine homogene Bevölkerung, beziehungsweise wir wären eine einheitliche ethnische Gruppe.
Niemand käme auf den Gedanken zu sagen, ein Russe, der in Deutschland lebt, sein ein Deutscher, egal wie weiß er ist, was widerum eine ganz eigene Form des Rassismus ist.
Im Gegenzug würden jedoch viele "Deutsche" sofort unterschreiben, dass die Wolgadeutschen, die nach und nach zu uns reemigrieren, Russen sind.
Beide Fraktionen sind automatisch diskriminiert, obwohl eine von ihnen, die Russlanddeutschen, uns genetisch nahe steht. Das zu definieren wäre allerdings ein eigenes Thema.
Womit allerdings bewiesen wäre, dass das Schlagwort: Deutschland=weiß nichts weiter ist als eine rassistische Farce. Bedient wird hier nach der Reihenfolge der Eingänge, und das ist sehr traurig.

Schauen wir uns abseits der Deutsch-Immigranten und weißer Einwanderer, bzw. Gastarbeiter um. Ist Deutschland homogen? Ja, möchte man sagen, wenn sogar die Bayern nicht als eigene Volksgruppe gelten. Aber ist das wirklich so? In der Tat nicht, denn abgesehen davon, dass in den Grenzgebieten Deutsche und Ausländer vermischt sind (also im polnischen Grenzland Deutsche und Polen, in Bayern Deutsche und Tschechen, über Elsaß-Lothringen wollen wir gar nicht erst anfangen) gibt es in Deutschland anerkannte ethnische Gruppen, die als eigene Minderheit gelten und vom Bundestag mit weit reichenden Sonderrechten ausgestattet wurden, bis hin zum Schulgang in der Muttersprache und der Vertretung vor Gericht mit einem Dolmetscher. Roma und Sinthi zum Beispiel. Sehe ich da jemanden abfällig grinsen? Das Beispiel hört hier nicht auf, und das Ergebnis lässt dieses grinsen sicher verblassen. Weitere ethnische und durch den Bundestag protegierte und privilegierte Gruppen sind: Die dänische Minderheit in Holstein; die Friesen in Ost- und Nordfriesland; die Sorben in Sachsen und Brandenburg. Homogenes Deutschland? Wohl eher nicht.

Kommen wir zum nächsten Irrglaube: Was ist deutsch, abgesehen von einer Nationalität, in die wir hineingeboren wurden? Die Kultur? Die Sprache? Das soziale Umfeld? Die traditionelle Strukturen der Familien? Weiß zu sein?
Von diesen fünf Punkten ist der letzte der lächerlichste, wenn ich an Jimmy Hartwig, Günther Kaufmann oder Patrice Bouédibéla denke, die unsere Kultur mehr als bereichern.
Sicher, Kultur und Sprache sind Dinge, die uns zu einem größeren Ganzen machen, aber im gleichen Atemzug, in dem wir das anerkennen, sind es auch die wichtigsten, bzw. einzigen Gründe, die aus einem Menschen einen Deutschen machen.
Es ist nicht die Hautfarbe, es ist nicht die Haarfarbe, es sind nicht die Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern, die deutsch machen. Es ist, Teil dieser Kultur zu sein, und, wer es exakt haben will, deutsch zu sprechen.
Vor siebzig Jahren kam ein kleiner, untersetzter, Chaplinbärtiger Österreicher und vertrat die Ansicht von der Herrenrasse, die groß, blond und blauäugig sein musste.
Die meisten Menschen in DVU, NPD oder Republikaner, die noch heute diese Ansichten vertreten, erfüllen diese Anforderung nicht einmal ansatzweise. Was ist dieses Klischee also wert? Nichts, richtig.
Ich persönlich? Ich bin nur groß, von blond und blauäugig keine Spur. Bin ich deswegen weniger Deutscher? Nun, wenn man wirklich diese Kriterien anlegen würde, könnte ich es nur hoffen.

Kommen wir zu einem noch interessanteren Aspekt, der Geschichte: Die europäische Geschichte, beginnend mit den Aufzeichnungen römischer Historiker vor etwas mehr als zweitausend Jahren, kennt Gallier und Germanen nördlich der Donau und zu beiden Seiten des Rheins. Später ziehen die Ostgoten durch dieses Gebiet und siedeln im heutigen Spanien, während die Westgoten nach Osten ziehen. Und das sind nur zwei ethnische Gruppen, die am Anfang eines wirren Hin und Her stehen. Sibirische Reitervölker wie Hunnen und Tartaren durchqueren dieses Gebiet ebenfalls, und sie sind nicht die Letzten. Unter Karl dem Großen werden eine Menge Kriege mit Völkern östlich der Elbe geführt, die damals schon als Sachsen bekannt waren, und die ihrerseits Auswanderungswellen starteten. Es folgen diverse weitere Ein- und Auswanderungswellen, die letzte große mit der Eroberung Nord- und Südamerikas (wir erinnern uns alle: Irland und Schottland haben sich vom Aderlass dieser Auswanderungen bis zum heutigen Tag noch nicht vollkommen erholt), Kriege überziehen das Land und lassen die verschiedensten Völker durch das heutige Deutschland ziehen, und am vorläufigen Ende steht die Kleinstaaterei mit Preußen als größtem Staat, dem man das Label "deutsch" aufdrücken könnte. Erst mit dem ersten deutschen Kaiser der Neuzeit endet die Kleinstaaterei und macht einem Gebilde Platz, das geographisch Deutschland definiert. Und ethnisch? Ein wilder Mix aus alteingesessenen Völkern, Einwanderern, Invasoren und Hängengebliebenen. Vom Schwarzhaarigen mit dunkler Haut, dessen Familie seit zwanzig oder mehr Generationen in Deutschland lebt bis zum bleichen Blondschopf, der ebenfalls seine Familie ein paar Jahrhunderte zurückverfolgen kann, ist hier alles vertreten.
Ich pflege in diesem Zusammenhang immer gerne zu sagen, dass Deutschland der Schmelztiegel Europas ist, weil hier alles durch kommt, jedes Volk hier einmal durch zieht und seine Spuren hinterlässt.

Mein persönliches Fazit: Deutsch? Deutsch was? Wer deutsch spricht und sich der deutschen Kultur verbunden fühlt, ist m.E. Deutscher. Gibt es noch etwas darüber hinaus? Äußerliche Merkmale? Sicherlich nicht. Wer dies behauptet redet aus Angst, Borniertheit, Rassismus oder sonstigen Beweggründen, mit denen er versucht, sich selbst auf- und andere abzuwerten. Vornehmlich jene, die sich voraussichtlich nicht wehren werden oder können. Und dann natürlich bitte nur aus der Sicherheit der Gruppe heraus, sei dies nun die Wehrsportgruppe, der Stammtisch oder die Schulklasse.
Ausländern mit Vorurteilen oder gar Haß begegnen, weil sie "hier nicht hergehören", "nicht weiß sind" oder "nicht deutsch sein können" ist himmelschreiender Blödsinn, ebenso die Legende vom ethnischen Deutschen.

Hierzu etwas zu meiner Person. Ich wurde `74 in Niedersachsen geboren, bin also defacto Deutscher. Auch meine Vorfahren sind deutscher Abstammung, doch die Herkunft macht das Thema interessant. So gehörte mein Vater zu den Ostpreußen, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs nach Westdeutschland emigrieren mussten. Er selbst verfolgte seine Vorfahren, wobei ich das jetzt nicht belegen kann, auf bayerische deportierte Protestanten zurück, die auf Wunsch der Deutschritter im heutigen Ostpreußen, z.B. Masuren, vor knapp fünfhundert Jahren angesiedelt worden waren.
Auf mütterlicher Seite kann ich auf eine niedersächsische Oma mit holländischen Vorfahren und auf einen rheinischen (Aachener) Opa schauen, dessen Familie demnach im deutsch-französischen Grenzgebiet gelebt hat. Wenn man es genau sehen will, bin ich ein Mischling, und ich bin da auch verdammt stolz drauf. Ich definiere mich als Deutscher, nicht weil ich blond und blauäugig bin, sondern weil dies die Kultur ist, in der ich aufgewachsen bin, und die ich mir zu eigen gemacht habe. Es käme mir demnach nie in den Sinn, einem Fremden mit mehr als anfänglicher Vorsicht zu begegnen, da ich defacto aus anderthalb Flüchtlingsfamilien stamme, die ihrerseits erhebliche Diskriminierungen über sich hatten ergehen lassen müssen, obwohl sie deutsch waren. Andererseits bin ich in keinster Weise bereit, das Label "deutsch" diskriminierenden, beleidigenden und sogar verletztenden Idioten zu überlassen, die meinen, sie könnten sich damit über andere erheben.
Gebt mir mein Land der Dichter und Denker, der kulturellen Vielfalt und der verschiedensten, in Harmonie und Frieden lebenden Menschen zurück, Ihr Idioten!

Sonntag, 11. Oktober 2009

Simon says...

"Simon says" ist ein amerikanisches Kinderspiel, in der eines der Kinder eine Tätigkeit vorführt und mit "Simon says" ansagt - alle anderen machen es ihm nach.
Die Leser der BILD am Sonntag spielen gerade "Sarrazin says", und blamieren sich damit m.E. selbst.

Was ist passiert? Thilo Sarrazin, Vorstand der Bundesbank hatte sich in einem Interview unwillig über den Integrationswillen von Türken in Deutschland geäußert. Das war sogar Gmx.de einen Bericht wert. Nun hat die BLÖD am Sonntag das Meinungsforschungsinstitut Emnid mit einer "repräsentativen" Umfrage betraut, und deren Ergebnis war, dass einundfünfzig Prozent der Deutschen seinen Aussagen zustimmen.
"Nicht integrationsfähig, nicht integrationsbereit", so Sarrazin laut dem Gmx.de-Artikel. Ach ja, ich habe ganz vergessen, dass er Araber auch in die Debatte geworfen hat.
Für das Ergebnis dieser Umfrage wurden fünfhundertneun Leute befragt, und abgesehen von den Wählern der Grünen stimmten die Wähler aller anderen Fraktionen seiner Aussage zu. Zweiundzwanzig Prozent stimmten sogar zu bei der Frage, ob es richtig von ihm gewesen sei, eine Integrationsdebatte angestoßen zu haben.
...sacken lassen.
Fünfhundertneun Personen? Repräsentativ? SPD-Wähler stimmen seiner Aussage zu? Bin ich der einzige, der ein halbes Tausend in keinster Weise für repräsentativ hält? Mal kurz im Kopf überschlagen und sehr großzügig gedacht sind das 0,001 Prozent der deutschen Bevölkerung.

Meine Meinung: Wir haben hier einen älteren Manager, der über Arbeitsmoral, Lebensweise und Integrationsbereitschaft aller Türken und Araber in Deutschland schimpft, ja, geradezu niedermacht. Und die BLÖD am Sonntag hat nichts eiligeres zu tun, um diese These durch eine "repräsentative" Umfrage mit Rückhalt der deutschen Bevölkerung zu untermauern.
Wer bezahlt Emnid für diese Studie? Die CSU mit ihrer "Die Türkei darf auf keinen Fall in die EU"-Paranoia? NPD, DVU oder Republikaner?
Auf jeden Fall ist der BLÖD am Sonntag mit dieser Umfrage ein Riesenwurf gelungen. In welche Richtung er geht und wie er sich weiter auswirkt ist noch offen. (Also, ich hätte nichts gegen eine weiter sinkende Auflage der BamS)
Sehr geehrter Herr Sarrazin, hat Ihnen noch niemand erklärt, dass Verallgemeinerungen grundsätzlich gefährlich, verfälschend und polemisch sind? Sind Sie ein aggressiver Agitator oder einfach nur ein bisschen... Sagen wir gehässig?
Und liebe BamS-Redaktion, was wäre wohl passiert, wenn Ihr eine repräsentative Telefonumfrage gemacht hättet? Ja, warum habt Ihr das eigentlich nicht? Das passiert doch sonst immer bei solchen Themen? Angst vor dem Ergebnis?

Herr Sarrazin, vor einundsechzig Jahren hat es mit den Juden im Dritten Reich genau so begonnen. Bitte denken Sie nach, bevor Sie als Vertreter der wichtigsten Bank Deutschlands solche Äußerungen treffen. Sie sind ehrverletzend, peinlich, abstrus und populistisch.
Ich bin sicher, eine ganze Reihe türkisch-deutscher Geschäftsleute, Abteilungsleiter, Manager und Akademiker werden eine sehr lange Zeit nicht gut auf Sie zu sprechen sein.
Von den türkischen Mitarbeitern in Ihrem Haus ganz zu schweigen. Ich hoffe, Sie haben ein dickes Fell, denn jedes Wort, das Sie bereits bekommen haben, und das Sie in den nächsten Wochen erwartet, haben Sie von A bis Z verdient.

Edit: Meine Heim- und Magenzeitung, die Leine Deister Zeitung, berichtet im überregionalen Part ebenfalls über den Fall und spricht im Titel von einer großen Mehrheit, die Sarrazin unterstützt. Auch sie hält die Umfrage im Auftrag der BLÖD am Sonntag für repräsentativ - bei ihr haben aber nur noch 501 Personen an der Umfrage teil genommen.
Ja, ja, Fehler zu machen oder subjektiv zu berichten ist kein Privileg der großen Zeitungen...

Edit Nr.2 am 14.: Tagesschau-online rudert zurück und berichtet erstmals, nachdem Sarrazin die Ressorts zusammen gestrichen wurden, er hätte seine Aussage speziell für Berliner Türken und Araber formuliert. Besser wird es dadurch allerdings nicht.
Ein Misantroph sollte nicht in einer Position arbeiten, in der er Menschen schaden kann.

Dienstag, 6. Oktober 2009

5555

Nein, ich bin nicht der Zahlenmagie der Kabbala verfallen. Nein, ich versuche auch nicht, die Bit-Technologie zu revolutionieren und mit einem Fünfer-Einzelbit zu kommunizieren.
Dieser Titel hat eine viel schlichtere, dafür aber auch tiefsinnigere Bedeutung:
Als ich mich heute Mittag auf Fanfiktion.de eingeloggt habe, sprang es mir geradezu entgegen:
Richtig, 5555!
Fünftausendfünfhundertfünfundfünfzig Mal wurden meine Geschichten bereits aufgerufen, Tendenz weiterhin steigend. Ich bin, wenn das so weiter geht, nur noch ein, zwei Wochen von der sechstausend entfernt, und vor Jahresende vielleicht schon im Fünfer-Zahlenbereich angelangt.
Leider kann man nur als Autor selbst seine Aufrufe einsehen. Ich habe also immer noch keine Ahnung, wie sehr ich ankomme (vor allem weil die User auf Fanfiktion.de immer noch mit Kommentaren geizen), aber für mich werte ich das Experiment FF.de als großen Erfolg. ^^V

Sonntag, 4. Oktober 2009

Wester macht ne Welle

Sachen gibt´s auf der Welt. Und ungewöhnliche Orte, an denen man sie finden kann.
Auf Gmx.de/Web.de habe ich gestern Abend folgendes entdeckt: Guido Westerwelle hat tatsächlich einen BBC-Reporter, der kein deutsch sprechen kann - oder es zumindest vorgab - angewiesen, ihm auf englisch ein paar Fragen zu beantworten. Er erteilte sogar dem Kompromiss eine Absage, den Reporter englisch fragen zu lassen und auf deutsch zu antworten.
...Sacken lassen.
Ganz, ganz ehrlich: Normalerweise würde ich einem Politiker applaudieren, der der meistgesprochenen Sprache Europas zu mehr Geltung verhelfen würde. Ja, deutsch IST die meist gesprochene Sprache Europas, trotzdem hat es bis zu Gerhard Schröder gedauert, bis offizielle EU-Dokumente auch in Deutsch aufgeführt wurden (danke, Helmut K., für Deinen vorauseilenden Gehorsam).
In diesem speziellen Fall aber bleibt ein bitterer, sehr bitterer Nachgeschmack. Abgesehen davon, das es eine Frage der Höflichkeit gewesen wäre, zumindest die Frage des Reporters auf englisch anzunehmen und zumindest auf deutsch zu antworten: Guido "Spaßpartei" Westerwelle hat Angst vor englisch.

Lieber Herr Westerwelle. Schön, dass Sie in Deutschland drauf bestanden haben, auch deutsch gestellte Fragen zu beantworten. Aber haben Sie im Umkehrschluss daran gedacht, dass das im Ausland ebenso sein kann? Und dass das Ausland dies jetzt von Ihnen erwartet?
Was, also, tun Sie in Frankreich? Was in China? Und noch schlimmer, was im United Kingdom oder gar den U.S.A.?

Herr Westerwelle will Außenminister werden. Schön und gut. Da kann man sich ja durchaus mit einem Dolmetscher behelfen, wenn man die Chuzpe hat zuzugeben, dass man eben nicht so gut englisch spricht... Das weitaus größere Problem sehe ich hier in seiner Höflichkeit. Die war in diesem Fall nichtexistent. Und Deutschland als Export-Land braucht einen höflichen Vertreter in seiner Außenpolitik. Das ist Herr Westerwelle augenscheinlich nicht.
Also, ICH habe ihn NICHT gewählt.

Samstag, 19. September 2009

Es ist ruhig... ZU ruhig...

Eines der beliebtesten Themen der letzten Monate war H1N1, im Volksmund auch gerne Schweinegrippe genannt, weil das ein so schöner, griffiger Name ist, obwohl es nicht mehr oder weniger korrekt wäre als die Namen Menschengrippe oder Vogelgrippe. Ach nee, Vogelgrippe gab es ja schon, der ist schon ausgenudelt.
Warum ich jetzt mal wieder darauf komme? Werft mal einen Blick auf den Header.
Es ist zu ruhig. Der Impfstoff ist fertig, bereit zur Verteilung. Die Pharmakonzerne erwarten den Abverkauf der bestellten Impfdosen... Aber in Deutschland herrscht Impfmüdigkeit. Danke, liebe Boulevardpresse, danke, liebe Experten, danke, liebe WHO, die keine wirklich wichtige höchste Pandemie-Warnstufe hat. Danke dafür, dass die Menschen in Deutschland der Impfung nicht mehr vertrauen, welche die Pocken ausgerottet hat, die Kinderlähmung besiegte und von der europäischen Malaria nichts mehr übrig ließ. Danke für eine populärjournalistische Effekthascherei, die uns vielleicht demnächst in eine wirklich schlimme Pandemie stürzt, weil EUCH die Superlative ausgehen und niemand mehr eine WIRKLICHE Warnung ernstnehmen kann.
Okay, das tat gut, das war Dampf ablassen.

Aber wieder zurück zum Titel. Im Mai versuchte ich mich als Prophet und stellte ein paar Schlagzeilen vor, die ich erwartete. Unter anderem: "Aber der Impfstoff reicht nicht für alle!"
Bild.de war dann tatsächlich so freundlich, einen ähnlichen Spruch zu verwenden.
Heute werde ich wieder etwas prophezeien. Denn angesichts der Tatsache, dass H1N1 immer noch nicht tödlich in Deutschland verläuft, werden einschlägige Boulevardmedien, um den Absatz von Impfstoffen zu steigern, demnächst folgende Schlagzeilen haben:
"Schweinegrippe ist mutiert - die neue Superseuche auf dem Vormarsch?"
"Tausendmal tödlicher als Schweinegrippe. Die Superschweinegrippe kommt."
"Experten erwarten noch gefährlichere Pandemie."
"Normale Grippe und Schweinegrippe haben sich vermischt. Nun erwarten Experten die Superpandemie."
Und all das nur, um eine unbeliebte und unnötige Impfung an den Mann oder die Frau zu bringen. Hatte ich schon danke dafür gesagt, dass die eigentliche Impfung dadurch auch einen schlechten Ruf weg bekommen hat?
Nun, was bleibt ihnen auch anderes übrig? Dafür werden ja Blätter wie die BILD bezahlt. Für tendenziösen Journalismus, Schleichwerbung und das verdrehen der Wirklichkeit, bis es passt. Dann ist es zwar nicht mehr die Wirklichkeit, aber das hat BILD ja noch nie beeindruckt. Ich freue mich jedes Mal wenn ich einen sachlich korrekten, gut recherchierten Artikel in der BILD lese. Das sind dann meistens die, die nichts mit Panik, Horror, Entsetzen oder Schwerverbrechen zu tun haben. Vielleicht lese ich sie deshalb so ungerne. Die guten Artikel sind einfach zu selten.
Erst kürzlich hatte BILD noch getitelt: "Nun ringt der erste Schweinegrippepatient mit dem Tod."
Nun, da sein Tod nicht von BILD und BILD.de vermeldet wurde, ist er augenscheinlich NICHT gestorben. Was für ein Pech aber auch. Der erste Tote von achttausend Infizierten hätte ja der Pandemie-Warnung neue Würze geben können. Tut es also nicht, der Herr war nicht so nett zu sterben. Also greifen Boulevard-Medien demnächst zu obigen Schlagzeilen, verlasst euch drauf.

P.S.: Als Kind wurde ich gegen Kinderlähmung geimpft. Außerdem hole ich mir alle zehn Jahre meine Tetanus-Impfung ab. Unglaublich wäre es, wenn eine ganze Generation Deutscher ohne diesen Schutz aufwachsen würde und Kinderlähmung und Wundstarrkrampf als Todesursache in die Höhe schnellen würden. Dann hätten wir den Salat, die Opfer und die Kosten. Und alles nur weil absteigende bunte Blätter auf Teufel komm raus kommerzialisieren. Zum dritten Mal: Danke. Danke für unseriösen Journalismus.

Edit: Heute tituliert WDR.de folgendes: Eine einhundertachtzig Kilo schwere Raucherin ist nach einer verschleppten Grippe im Uniklinikum verstorben. Bei ihr wurde u.a. H1N1 nachgewiesen. Neben einer ganzen Reihe von anderen Viren. Über Art und Anzahl schweigt der Artikel. Wohlweislich, denn sonst könnte der Autor ja nicht daraus schließen, dass die anderen Viren und die verschleppte Grippe harmlos waren, und die Frau an H1H1 gestorben ist.
Prompt tönt der Gesundheitsminister von NRW, die Impfung müsse her, damit "Risikogruppen wie diese Frau" geimpft und gerettet werden können.
Ach, und die anderen nachgewiesenen Viren waren alle harmlos? Ganz abgesehen von der verschleppten Grippe? Man muss schon ein sehr schlechter Journalist sein, oder eben bösartig, wenn man a) Schlagzeilen mit Fragezeichen benutzt (vergleicht hierzu die BILD-Zeitung, wenn sie für üble Nachrede nicht dran gekriegt werden will) und b) auf Teufel komm raus OHNE OFFIZIELLE ERGEBNISSE die Schweinegrippe (H1N1) zur Todesursache erklärt.
Der Autor des Artikels ist sich auch nicht zu schade darauf hinzuweisen, dass H1N1 (Schweinegrippe) nun auch die Risikogruppen erreicht hat, es bereits zwanzigtausend Infizierte in Deutschland gibt, und es ja "europaweit einhundertfünfzig Tote" gegeben hat.
Okay, mir war klar, dass es um H1N1 zu ruhig war. Aber ehrlich gesagt graut mir vor der BILD-Schlagzeile von morgen. Wahrscheinlich ist für sie al-Masri Schuld.

Auch hier gilt wieder, mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Frau. Vor allem weil sich kleinkarierte, kurzsichtige und sensationsgeile Medien nun auf den Fall stürzen, ihn zum ersten Todesfall der Schweinegrippe in Deutschland machen und den Hinterbliebenen die Medienhölle auf Erden bereiten werden. Leute, holt euch bloß verdammt schnell einen guten Anwalt mit sehr guten Beißreflexen.

Donnerstag, 17. September 2009

Auf Fanfiction.de müsst Ihr sein.

Es ist unglaublich, aber wahr: Ich habe es geschafft! Was ich noch vor einem halben Jahr als Fiebervision abgetan hätte, was mir selbst unmöglich erschienen wäre, ist nun vollbracht! Vor wenigen Minuten habe ich den fünftausendsten Aufruf meiner Geschichten auf der Fanfiction-Homepage registriert.
Ich weiß immer noch nicht ob das viel ist, und neunundsechzig Kommentare bei fünfundfünfzig Geschichten erscheint mir etwas dürftig. Luft nach oben ist immer. Aber ich kann mich nicht erinnern, in meinen anderen Foren für meine Arbeiten in einem ähnlichen Zeitraum so viele Aufrufe registriert zu haben. Also verbuche ich das unter positiv. Sehr, sehr, sehr positiv.
Und das bringt mich zu folgender Feststellung:

Besucht mich auf Fanfiction.de und kauft meine Bücher. ^^V

Montag, 14. September 2009

In München ist Zivilcourage gefährlich?

Ein fünzigjähriger Geschäftsmann in München wollte helfen. Er schritt ein, als zwei mutmaßliche Gewalttäter vier Jugendliche belästigten und rief die Polizei mit seinem Handy.
Nun ist er tot.
Das Gute daran ist, auch wenn es den tapferen Mann nicht wieder ins Leben zurück bringt, dass die Täter inhaftiert wurden. Auf sie wartet der reguläre Justizweg, der für einen solchen Fall in unserer Gesellschaft vorgeschrieben ist. Denn vor der Justiz sind wir alle gleich, und alle unsere Taten werden einzeln bewertet, nicht nach einem Katalog beurteilt und standardisiert. Ich habe wenig Zweifel daran, dass beide oder zumindest der Haupttäter wegen Totschlags angeklagt werden wird. Das ist der Stoff, der die Grenzfälle unseres gesellschaftlichen Lebens beschäftigt, der unser Miteinander zusammen hält.
Das Schlechte daran ist, dass sofort der erste Politiker wieder für höhere Strafen plädiert, ohne überhaupt das Strafmaß zu kennen, dass den beiden Tätern (mutmaßlich, denn immerhin gilt "in dubio pro reo - im Zweifel für den Angeklagten" in Deutschland) droht, wenn sie rechtskräftig verurteilt werden.
Aber das allerschlimmste ist, das ausgerechnet die bayerische Justizministerin Beate Merk gesagt hat: "Es geht selbstverständlich auch um die Sühne für den Fall."

Liebe Leser, bitte stellt Euch jetzt mal kurz vor, wie ich mir an den Kopf fasse, ihn heftig schüttle und leise darum bete, das er mir nicht zerspringt. Sühne? Ausgerechnet eine deutsche Justizministerin nimmt so ein Schlagwort in den Mund? Ich verstehe die Welt nicht mehr.
Wir betreiben in Deutschland keine Rachejustiz, wir sind ein Resozialisierungs-Staat.
Ich höre jetzt schon die ersten rufen: Klar, der Ace ist zu weich. Oder: Wenn das mal in deiner Familie passiert, dann willst du auch, dass die Täter richtig verknackt werden. Ich kann mir auch vorstellen: Schlau reden kannst du ja, aber mehr auch nicht.
Nun, meine lieben Leser, ich gebe zu, ich habe Angst. Angst vor den Menschen, die zu solchen Aussagen fähig sind. Angst vor den Menschen, die ernsthaft eine Sühne-Justiz fordern.
Angst, dass sie nicht begreifen, dass diese Sühne-Justiz auch auf SIE SELBST angewendet werden wird, wenn sie aus irgend welchen widrigen Umständen in die Mühlen der Justiz geraten.
Wir haben die Todesstrafe abgeschafft. Das halte ich für einen sehr wichtigen Schritt. Wir inhaftieren Straftäter, aber wir sperren sie nicht einfach nur weg. Wir geben ihnen die Chance, sich wieder (in manchen Fällen auch das erste Mal) zu resozialisieren und als wertvoller Bestandteil der Gesellschaft reintegriert zu werden. Und einige wirklich unbelehrbare Fälle bleiben ein Leben lang hinter Gittern. Es muss abe das Bestreben der Justiz sein, diese Zahl so klein wie möglich zu halten.
Was so banal klingt und hochgestochen aussieht ist in Wirklichkeit der Grundpfeiler unserer Demokratie. Die meisten Straftaten drehen sich eben nicht um Mord und Totschlag. Es geht nicht um Vergewaltigung und Kindesmissbrauch. Dennoch, wenn wir eine Sühne-Justiz haben, gibt es keine Garantie dafür, dass man beim höchsten Strafmaß der Todesstrafe NICHT damit konfrontiert wird, sobald man vor Gericht steht.
Witzig? Unmöglich? Quatsch? Weit gefehlt. In den U.S.A. werden so viele Todesurteile wie in kaum einen anderen Land der Erde vollstreckt. Zehntausende Menschen sind zum Tode verurteilt und verbringen ihr Leben in Isolation bei der ewigen Warterei auf den letzten Gang. Und mehrere zehntausend rechtskräftig verurteilte und hingerichtete Menschen erweisen sich Jahre nach ihrem Tod als unschuldig.
In Deutschland war der Schauspieler Günter Kaufmann für Jahre inhaftiert, weil er in einem Mordprozess für schuldig befunden worden war. Irgendwann stellte man seine Unschuld fest, und er wurde wieder entlassen. In Amerika hätte er die Giftspritze bekommen; diesen Justizirrtum zu korrigieren wäre im schlimmsten Fall nicht mehr möglich gewesen.

Gut, gut, höre ich wieder einige rufen. Aber müssen wir die wirklich schlimmen Straftäter nicht derart bestrafen, sodass sie nie wieder in der Lage sind, ihre Verbrechen auszuüben?
Darauf will ich antworten: Justiz mit zweierlei Maß wäre das. Und Justiz mit zweierlei Maß bringt uns einen Schritt näher an die Nazizeit. An Volksentmündigung, Kriegstreiberei und Rechtstaatslosigkeit.
Wenn wir die schlimmsten Verbrechen unserer Gesellschaft nicht auf die gleiche Weise behandeln wie die harmlosesten Verbrechen, dann ist unsere Justiz nichts wert. Ich sehe unsere Justiz gegenüber der amerikanischen als weit überlegen an. Ich sehe uns als fortschrittlicher, gereifter, ja, weiser an. Was die Justiz angeht, zumindest. Aber wie leicht wir all das wieder verlieren sehen wir ja, wenn eine bayerische Justizministerin einen einfachen Satz sagt: "Es geht selbstverständlich auch um Sühne für den Fall."
Nein, Frau Ministerin. Es geht um Gerechtigkeit im Rahmen der Gesetze, die von uns für uns alle aufgestellt wurden. Und wenn das nicht klar ist, sitzen Sie auf dem falschen Stuhl.
Bitte, Frau Merk, lernen Sie Ihr Vokabular.
Und Ihr da draußen, die denkt, dass Ace zu weich ist oder anders redet wenn er selbst betroffen ist: Vielleicht rede ich anders, wenn es meinen Bekanntenkreis treffen sollte, oder gar meine Familie. Vielleicht greife ich selbst dann sogar zur Lynchjustiz, wer kann das schon sagen. Aber eines werde ich dann sicherlich erwarten: Vom Rechtsstaat wie jeder andere auch angemessen behandelt und rechtskräftig verurteilt zu werden. So geht der Tanz nun mal. Und wer das nicht versteht, hat den Rechtsstaat nicht verstanden. Der lebt anscheinend im freiesten Land der Welt, ohne es gemerkt zu haben...


Edit: Eine Stunde später, nachdem ich intensiv über diesen Blogeintrag nachgedacht habe, kam ich zu der Erkenntnis, dass ich "Sühne" mit "Rache" gleich setze.
Natürlich wird es im Prozess gegen die Täter auch um Strafe gehen, um eine angemessene Bestrafung, die voraussichtlich im Anbetracht der Schwere der Tat auch hart ausfallen wird, was man als Sühne betrachten KÖNNTE. Sollte man aber nicht. Denn die Rachejustiz soll da bleiben wo sie her kommt - im Alten Testament.
Ich werde obigen Text nicht korrigieren, denn ich unterstelle Beate Merk, Sühne gesagt aber Rache gemeint zu haben. Ganz von ihrer Forderung nach zweierlei Maß im Strafrecht abgesehen.