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Freitag, 29. Januar 2010

8888

Tja, Leute, es ist passiert. Auf Fanfiktion.de ist die Zahl der Aufrufe meiner Geschichten tatsächlich bei der nächsten Schnapszahl angelangt. Heute morgen beim einloggen war die 8888 eindeutig überschritten. ^^
Selbstverständlich bin ich da sehr stolz drauf, bedeutet es doch, das ich von April aus gerechnet über achttausenddreihundert Aufrufe hatte. Dazu kommen einhundertundacht Reviews, was auch einhundert Reviews seit April bedeutet. Gut, gut, es könnte durchaus besser sein, aber ehrlich gesagt bin ich mit dieser Entwicklung sehr zufrieden.

Mittwoch, 27. Januar 2010

Heimunterricht. Heimunterricht? Und World of Warcraft!

Ein etwas irreführender Titel zu einem Thema, dem ich gerne mal mein persönliches Fazit mitgeben möchte. Der Zusatz ist eine eher spontane Idee, und wird in Teil zwei dieses Blogs behandelt.


Heimunterricht heißt in diesem Fall, dass Eltern das Recht fordern, ihre eigenen Kinder Zuhause zu unterrichten. Dies ist in unserem Land bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht möglich, weil die Bildungshoheit beim Staat liegt und wir eine allgemeine Schulpflicht haben.
Vor einiger Zeit verfolgte ich einen Bericht im Fernsehen, ein Bremer Ehepaar betreffend, deren Söhne im Grundschulalter sind. Nach einigen Schwierigkeiten auf ihrer Schule hat sich das Paar dazu entschlossen, ihre Kinder daheim zu unterrichten. Da beide Lehrer sind, hatten sie temporär sogar eine Genehmigung dafür, und die Kinder hatten bei den Kontrollprüfungen auch sehr gute Noten. Irgendwann aber spielte Bremen nicht mehr mit und bestand darauf, dass die Jungs wieder auf eine reguläre Schule gehen.
Dort hat es den beiden aber nicht gefallen, und nach ein paar Wochen sowie einigen Fragen nach den langen Haaren der beiden Jungs nahmen die Eltern den Heimunterricht wieder auf. Den jetzigen Stand kenne ich nicht, aber das Schlusswort des Vaters beinhaltete nach meiner vagen Erinnerung Begriffe wie "auswandern".

Heute auf Tagesschau.de ist ein ganz ähnlicher Bericht zu sehen. Eine christlich geprägte Familie mit sieben Kindern ist aus Deutschland ausgewandert, um ihre Kinder daheim zu unterrichten. Grund dafür sei, so der Vater, dass der Unterricht in Deutschland weniger und weniger dem christlichen Glauben entspräche. Dafür erhielt und erhält die Familie Unterstützung US-amerikanischer christlicher Organisationen.

...sacken lassen. Noch mehr sacken lassen.

Familie eins: Unverständlich für mich. Die beiden sind Lehrer, verbringen ihre Arbeitszeit damit, die Kinder anderer Eltern zu unterrichten - und haben kein Vertrauen in ihre Kollegen?
Selbst wenn es an der Schule hapert, da ließe sich sicherlich eine geeignetere Lehranstalt finden. In meinen Augen sind die Eltern Überprotektiv. Dabei hätten es gerade diese zwei so nötig, auf eine reguläre Schule zu gehen, dem Mikrokosmos des Elternhauses zu entkommen, soziale Kontakte zu schließen und neue Erfahrungen zu machen, vom Ausflug bis zur Klassenfahrt.
Dass sich ausgerechnet Pädagogen derart in Heimunterricht hinein steigern und sogar so weit gehen auszuwandern, ist Narzißmus.
In meiner Schulzeit war ich nie der Beliebteste, hatte Spitznamen wie Professor und Streber, aber dennoch möchte ich keinen Tag und kein gewechseltes Wort aus dieser Zeit missen. Ich habe Dinge gelernt, die ich so vorher nie gesehen hatte, neue Perspektiven kennen gelernt und neue Erfahrungen gemacht... (Unter anderem in Chemie, dass man mit dickem Schnupfen eine Schwefelreaktion nicht unbedingt riechen muss.)
All das enthalten diese Eltern ihren Kindern vor. Aber irgendwann werden sie zu alt für den Mikrokosmos Elternhaus sein. Was dann?

Familie zwei: Oh... Mein... Gott... Ganz Deutschland spricht von Überfremdung, Kultureller Übernahme durch den Islam und besserer Integration. In der Schweiz machen sich rechte Gruppen die Entscheidungsmüdigkeit der Direktdemokratie zunutze und drücken ein Verbot für den Anbau von Minaretten an Moscheen durch. Und in Bayern spukt noch immer die "privilegierte Partnerschaft" der Türkei durch die Regierungsämter, also über einen Staat, der in der NATO seit über fünfzig Jahren unserem Schutz gedient hat und dessen Staatsbürger maßgeblich an unserem Fünziger- und Sechziger-Aufschwung Teil hatten.
Diese ganze Diskussion ist nichts gegen die drohende Entfremdung Deutschlands durch militante und radikale Christen! Oh ja, über dieses Thema rege ich mich sehr gerne auf, weil ich Leute hasse, die unfair kämpfen. Und christliche Fanatiker, egal ob Kreationisten oder nicht, haben nicht einmal den Mumm, mit einer Waffe auf einem Video zu posieren und Tacheless zu reden - sie kommen von hinten, heimlich, mit dem Dolch im Ärmel. Angst vor dem islamischen Gottesstaat? Ehrlich gesagt ist die Gefahr durch radikale Christen größer, und ich fürchte mich mehr vor dem christlichen Gottesstaat.
Bestes Beispiel hierfür ist unser gute Familienvater, der fürchtet, das seine Kinder nicht christlich genug erzogen werden. Und das der Lehrplan seiner Meinung nach nicht christlich genug unterrichtet. Dies geht so weit, das er mit seiner Familie sogar auswandert. In ein Land, das ihm seinen eigenen Lehrplan erlaubt.
Verfolgt? Unterdrückt? Bevormundet? Mitnichten. Auch dieser Familienvater enthält seinen Kindern die Sozialisierung mit Gleichaltrigen vor, isoliert sie, indoktriniert sie, nimmt ihnen Chance und Recht auf eine zweite Meinung, auf eine eigene Meinung. Und wie dieser Lehrplan aussieht, möchte ich gar nicht wissen.
Viele Muslime, die sich gegen die Schulpflicht ihrer z.B. Töchter stemmen, nennen als Grund dafür gerne den Biologie-Unterricht, wo "die Mädchen Dinge lernen, die gegen unseren Glauben sind". Als wenn Körperfunktionen und Kinder kriegen nicht zu den Dingen gehören, durch die sie selbst überhaupt erst existieren... Der Haken ist, dass die Argumente christlicher Schulverweigerer damit ABSOLUT IDENTISCH sind. Für beide habe ich kein Verständnis, und beides darf es in Deutschland, einem säkularisierten Land mit strikter Trennung von Kirche und Staat NICHT GEBEN.
Sollen sie meinetwegen in den USA ihre Kinder unterrichten, sieben jungen Menschen die Chance auf ein eigenständiges Leben verbauen. Sollen sie drüben bleiben und im Mikrokosmos Elternhaus leben. Aber deshalb eine Diskussion über Heimunterricht in Deutschland beginnen? Sicherlich nicht. Der Staat darf die Bildungshoheit nicht aus der Hand geben. Das ist meine Meinung.


Kommen wir zu einem anderen Thema, Teil zwei meines Titels: World of Warcraft.
Das ist ein MMORPG, ein Multi Media Online Role Playing Game, oder übersetzt ein Rollenspiel im Internet. Nach Angaben von Blizzard, dem Vertreiber des Spiels und dem Betreiber der Spieleserver, gibt es weltweit rund fünf Millionen Spieler. Damit ist es das beliebteste Browser-Spiel der westlichen Welt, vielleicht sogar weltweit. Auf jeden Fall ist es ein Bombengeschäft, das durch neue Add-ons beständig attraktiv gehalten wird.
Gestern berichtete Stern TV direkt nach einer Reportage über Glücksspielsucht auch über World of Warcraft. Der Bericht ging dabei erheblich unter die Gürtellinie, tangierte kurz Ego-Shooter und konzentrierte sich schlussendlich auf Suchtopfer.
Die Reportage begleitete Spieler auf eine so genannte LAN-Party, also ein Treffen von Spielern, die sich ansonsten nur übers Netz treffen, beleuchtete die Personen vor den Konsolen und das Umfeld einer solchen LAN, inklusive kommerzieller Händler.
Danach schwenkte der Bericht (kehrte aber gerne wieder und wieder zur LAN-Party zurück, um die Zeit voll zu kriegen) auf eine amerikanische Sucht-Klinik um, in der nur Rollenspiel-Aussteiger betreut werden. Man ließ Ex-Süchtige zu Wort kommen, präsentierte Beispiele von WoW-Spielern, die auf Youtube-Videos ihren Ausstieg verkündeten und dafür ihre Spiele-CDs zerbrachen, ihren Account verkauften, und, und, und...

...sacken lassen.
Ich spiele selbst World of Warcraft. In der Woche bin ich schon mal acht Stunden on. Länger hält meine Aufmerksamkeitsspanne für WoW selten an, außer ich verbeiße mich ernsthaft in ein Problem oder eine bestimmte Questreihe. Ist das vorbei, geht meine Zeit bei WoW wieder drastisch zurück. Es gibt immer Tage, an denen ich gar nicht on gehe, oder lediglich meine Auktionen kontrolliere. So ist das nun mal. Der eine spielt mehr, der andere weniger.
Ich habe allerdings schon immer gespielt. Ganz früher, Anfangs der achtziger, hatte ich einen Atari 2600, und hatte Spiele wie Pitfall, Pac Man und dergleichen.
Darauf folgte Ende der Achtziger mein C64, auf dem ich dann Pirates!, Wizball, Pool of Radiance, Kaiser und andere spielte.
Während meiner Bundeswehrzeit konnte ich günstig einen gebrauchten Amiga kaufen. Ich übernahm ihn mit Dutzenden Spielen, von Populous über Pirates! Gold bis hin Powermonger.
Dann kaufte mein Bruder seinen ersten PC, einen 486er. Er stieg relativ spät in den PC-Sektor ein, denn damals war der 486er schon ein leistungsstarkes Gerät, das ich später von ihm kaufen konnte. Damals machten Spiele wie World of Warcraft Furore und revolutionierten den Markt.
Mit mehr Rechenleistung kamen auch komplexere Spiele heraus. Waren anfangs zu C64er Zeiten Bilder noch als Speicherfresser verpönt, konnte es nun gar nicht mehr plastisch genug sein, konnte eine Grafikkarte gar nicht genug leisten. Waren Spiele zum Anfang der PC-Zeit nur mit Diskette, später mit CD spielbar, war irgendwann der Sprung zu großen Festplatten da, auf denen das Spiel komplett gespeichert wurde. Die Spiele wurden größer, komplexer, brauchten mehr und mehr Festplattenspeicher - und boten dafür auch mehr. Es fing mit grafisch einfachen Sachen wie Masters of Orion 2 an, schwenkte über Command&Conquer, schlitterte über Emperor of Dune voran, bis wir Warcraft 3 erreichten - und die Serverabhängigen Spiele wie eben World of Warcraft.

...nach diesem kleinen Exkurs gilt wieder: Sacken lassen.
Ich habe, seit ich zehn Jahre alt bin, mehr oder weniger regelmäßig gespielt. Ich bin mit der Brotkiste, wie der C64 liebevoll genannt wurde, groß geworden. Ich habe nie selbst programmiert, und erst sehr spät angefangen auf dem PC zu schreiben. Ich war nie richtig tief drin, und heutzutage beherrsche ich nicht einmal HTML. Dafür kenne ich Tools, die das für mich übernehmen. Ich bin vielleicht kein Experte, aber ich schaue von INNEN auf die Materie, nicht auf außen.
Darum frage ich Stern TV: Hallo? Tickt Ihr noch richtig? Schön und gut, Eure Youtube-Videos von Leuten, die ihre Spiele-CDs zerbrechen... Aber WoW wird komplett auf der Festplatte installiert und braucht keine CDs zum starten. Eine Klinik in Amerika für Spiele-Süchtige? Nett, wirklich nett. Überlaufen scheint die Klinik allerdings nicht zu sein, mit ihren fünfundzwanzig Plätzen. Eine dicke junge Deutsche legt ihrer sozialen Probleme und ihrer Fettleibigkeit die Spielsucht zugrunde... Sicher, dass es nicht doch die Schokoriegel waren?
Es ist irreführend, unfair und tendenziös, Interviewpartner falsch zu zitieren, falsch anzukündigen und aus dem Zusammenhang gerissen zu zeigen. Wenn also ein kommerzieller Verkäufer darüber berichtet, dass man für eine epische Waffe eben Ruf farmen muss, weil man sie für Gold nicht bekommt, dann bedeutet das NICHT, dass er das Spiel negiert. Dann bedeutet das nur, dass die Spieler, die keinen Ruf farmen wollen, eine geringe Aufmerksamkeitsspanne und wenig Ausdauer haben.
Fazit: Ein externer Bericht, der auch Opfer zu Wort kommen lässt. Allerdings stellt er WoW in den Vordergrund und vergisst zu erwähnen, dass man bei allen MMORPGs süchtig werden kann - auch bei offline gespielten Computerspielen - und er bauscht das Problem unnötig auf. Siehe die fünfundzwanzig Plätze in der Computersucht-Klinik. Bei *hust* fünf Millionen WoW-Spielern weltweit. Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht, hier wird ein Schuldiger gesucht. WoW ist nur ein Spiel. Und leider gibt es Menschen, die damit nicht umgehen können. Aber diese Menschen hätte man alle auch eine Stunde vorher im Bericht über Glücksspielsucht wieder finden können. Das ist kein seriöser Journalismus, liebe Stern TV-Redaktion.


Edit: Ich bin dem Link von Norbert gefolgt und stieß auf zwei Videos von ARD-Sendungen zum Thema Spielsucht. Beide Filme haben gravierende Fehler, die auch die Stern TV-Reportage hatte. Sie nennen keine Zahlen, keine harten Fakten. Sie führen Einzelschicksale auf und pauschalisieren sie auf alle anderen. Damit erklären sie auch mich zu einem potentiell Süchtigen, und das gefällt mir absolut gar nicht. Keine Fakten, Verallgemeinerungen, Laien statt Experten kommen zu Wort. Vor zwanzig Jahren hätte man so einen schwammigen Bericht in der Bunten erwartet, aber sicher nicht in der ARD.

Samstag, 23. Januar 2010

Fakten oder Fiktion? Schweinegrippe in den Medien

Tja, heute geht es in meinem Blog mal wieder um die Volkskrankheit, um H1N1. Und gleichzeitig geht es auch um eine Mathe-Aufgabe. Zuguterletzt auch um die Kunst, zwischen den Zeilen zu lesen.

Aber fangen wir konservativ an. Fangen wir bei den Pressestimmen an. Die verschiedenen Medien im Netz sind sich einig, dass H1N1, im Volksmund Schweinegrippe genannt, rückläufig ist.
Die Fakten auf den Tisch: Laut Tagesschau.de haben wir mittlerweile 217.294 Fälle von Infektion mit Schweinegrippe in Deutschland, und 189 Todesfälle, die mit dem Virus im Zusammenhang stehen. Beziehungsweise, bei denen ihr Tod auf H1N1 zurückgeführt wird. Weltweit starben demnach direkt oder indirekt 14.142 Menschen an der Neuen Grippe.
N-TV.de ist da etwas unspektakulärer und nennt neben der gleichen Zahl der weltweiten Toten lediglich 588 Verstorbene in der letzten Woche. Der Artikel ist kurz, unspektakulär und nebensächlich. Vielleicht, weil N-TV den Komplex Schweinegrippe genau so sieht.
Die Seite 1A-Krankenversicherung.de hingegen weiß trotz rückläufiger Neuinfektionen zu berichten, dass das Robert Koch-Institut weiterhin zur Impfung rät. Ein Blick auf deren Homepage verrät auch wieso: Demnach befürchtet das RKI eine zweite große Infektionswelle und sieht die Gefahr durch das Virus immer noch nicht gebannt.
www.naanoo.com hingegen nennt geringfügig andere Zahlen bei den deutschlandweit Infizierten und bei den deutschlandweit durch oder mit H1N1 Verstorbenen: 172.627 Infektionen und 61 Tote.
Interessant auch der kurze Artikel der Führter Nachrichten, die eine betroffene Lehrerin zu Wort kommen lassen. Demnach gab es in ihrer 22-köpfigen Klasse vier bestätigte Fälle von H1N1, sechs weitere, nicht getestete grippale Infekte und keine Toten. Ein Bericht quasi direkt von der Front, wenn man so will.

Wenn ich also zusammenfassen darf: Grundsätzlich sind sich alle in einem Punkt einig, nämlich das die Schweinegrippe längst nicht so gefährlich ist wie befürchtet. Und wenngleich das RKI eine zweite, eine dritte, eine vierte Welle befürchtet, heißt es zwar einerseits nicht das die Infektionen dann ebenso mild verlaufen, aber es heißt auch nicht, das sie aggressiver verlaufen.

Kommen wir mal zum Rechenexempel, und nehmen wir dafür die Zahlen von Tagesschau.de.
217.294 Infektionen in Deutschland mit 189 Todesfällen, in denen H1N1 nachgewiesen wurde sprechen eine deutliche Sprache. Leider nicht im Sinne der Pandemie-Hysteriker.
Demnach, wenn mich meine Dreisatzkünste nicht im Stich gelassen haben, infizierten sich 0,265% der Bevölkerung nachgewiesen an Schweinegrippe. Ob dies nun an der Impf-Aktion liegt, oder daran das H1N1 doch nicht so aggressiv übertragen wurde, möchte ich an dieser Stelle ebenso wenig beantworten wie die Frage nach der Dunkelziffer, die meistens nach dem Faktor zehn multipliziert wird.
Nein, wir wenden uns dem Hauptaugenmerk zu, nach dem die Gefährlichkeit einer Pandemie errechnet wird: Ihre Tödlichkeit. Danach hatten wir in Deutschland mit bisher 189 Toten praktisch gar keine Probleme. Okay, das hilft den Toten auch nicht weiter, aber wenn ich den Anteil der Toten an der Gesamtbevölkerung ausrechne, muss ich tief, tief, tief in die Nachkommastellen gehen: Gnädig aufgerundet sind das 0,00025%.
Zum Vergleich: Die reguläre Grippe fordert je nach Verlauf zwischen 5.000 und 15.000 Tote jährlich allein in Deutschland.
14.142 Tote weltweit, die der Schweinegrippe aufs Konto geschrieben werden, sind - entschuldigt meine Wortwahl und meinen mangelnden Respekt vor den Toten - nicht mal eine Fußnote. Oder aufgerundet 0,0000234%.
Und wir stellen fest: In Deutschland gab es, gemessen am Rest der Welt rein rechnerisch einen extrem schweren Verlauf der Schweinegrippe. Aber zum Weltuntergang reicht es dann doch nicht.
Was lernen wir daraus? Ruhe bewahren, Fakten selbst prüfen, sich nicht hysterisch machen lassen, nur weil Print- und Fernsehmedien glauben, ein guter Schockeffekt würde Quote bringen. Qualitätsmedien zurückfordern und die Presse dafür abstrafen, das sie der Impfung an sich einen so schlechten Ruf verpasst haben.

Das ist ein sehr interessanter Punkt, denn die ersten Impfgegner prophezeien jenen, die sich impfen ließen, heute bereits Spätschäden durch die Impfung voraus. Was natürlich Quatsch ist, denn zwar gibt es bei Impfungen immer wieder mal heftige Reaktionen, Grippeähnliche Effekte und sogar Todesfälle, aber sie bleiben die Ausnahme. Auch die Vorwürfe, Impfmittel seien mit Schwermetallen versetzt und würden unbekannte Schäden im Körper anrichten, kann ich so nicht einfach hinnehmen. Nicht als jemand der gegen Polio geimpft wurde und sich regelmäßig seine Tetanus-Impfung abholt.
Ich halte es hier wie der berühmte Arzt Paracelsus: "Ein Gift ist kein Gift. Kein Gift ist ein Gift. Allein die Dosis macht's, dass ein Ding kein Gift sei."

Mittwoch, 20. Januar 2010

Des Internet-Nutzers liebster Kuchen ist der Googlehupf

Seit knapp einem halben Jahr geht es immer wieder die gedruckte Presse rauf und runter. Auch die entsprechenden Internetseiten sind voll davon: Google soll zahlen. Wofür? Für den Verdienstausfall der Druckmedien, die den Internetsuchdienst direkt dafür schuldig sehen. Denn wer wird sich eine Zeitung kaufen oder ein beitragspflichtiges Internet-Applet nutzen, wenn er die Informationen per Google umsonst bekommen kann?
Das geht nun schon einige Zeit so, und meines Erachtens nach wird die Diskussion schärfer. Entschuldigt bitte, hier habe ich mich verschrieben. Natürlich wird nicht die Diskussion schärfer, sondern die Vorwürfe werden unverschämter.

Ich will heute mal nicht verlinken oder auf einzelne Artikel eingehen, sondern schlicht und einfach meine Meinung zum Thema in Worte fassen. Wenn ich mir die ersten Vorwürfe von Chefredakteuren ins Gedächtnis rufe, die Google ihre Verdienstausfälle bezahlen lassen wollen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Es ist ja nicht so als würde Google die Printmedien scannen und dann unentgeltlich für jedermann ins Web stellen. Wenn man über die Suchmaschine an Daten und Hintergrundfakten einfach schneller heran kommt als über die Tageszeitung, dann ist das nicht Googles Problem, sondern ungenügende Anpassung der Zeitungen. Wenn ich für meinen Blog recherchiere, verlinke ich in letzter Zeit gerne und oft. Meine persönliche Angst, hirnlos etwas nachzuplappern oder aus einer einzelnen Quelle zu zitieren und damit vielleicht Fehler zu wiederholen, soll damit ausgeschaltet werden. Ich sehe mich zwar nicht als Journalist, aber als Blogger habe ich doch auch Verantwortung. Egal wie viele Leute mich hier lesen. Selbst für meine treuesten Leser Subtra und Miyu muss ich so akkurat wie möglich sein. Punkt. Das es mir nicht immer gelingt und ich trotzdem manches Fettnäpfchen nicht vermeiden kann, zeigt mein gestriger Blog über den Besuch von Markus Kompa in der BILD-Redaktion. Aber ich bin ja lernwillig und auch immer bereit mich zu entschuldigen, wenn ich Fehler mache oder die Gefühle anderer Menschen verletze. Dafür nutze ich gerne und ausschließlich Google.

Was aber machen die Zeitungen? Sind die bereit dazu zu lernen? Passen sie sich der neuen Zeit an? Versuchen sie sich als gedrucktes Medium vom Internet abzugrenzen, hervor zu heben und ihren Status zu behaupten?
Leute, bloggen ist eindeutig eine Internet-Geschichte, die auch nur mit Links funktioniert. Die Presse hingegen ist etwas gedrucktes, ganz ohne Bookmarks jederzeit wieder zu finden, wenn man es archiviert. Ich finde die Zeitung an sich sehr praktisch, lese (meistens) jeden Tag meine Lokalzeitung, und dabei am liebsten den internationalen Teil, der mir wutschnaubend schon ein-, zweimal einen guten Blog geliefert hat, aber eben auch den Gedanken, Dinge im Internet für meinen Blog zu recherchieren, an die ich sonst nie gedacht hätte. Was noch viel öfter vorkam.
Wenn also gedruckte Medien Honorare für Verdienstausfall von Google verlangen, hinterlässt das leicht schizophren. Und damit meine ich nicht mich, sondern die Druckmedien. Verdienstausfall haben diese nur, wenn weniger Leute ihre Zeitungen kaufen, oder? Und Google kann diesen Verdienstausfall nur verursachen, wenn es die Zeitungen gratis im Web anbietet.
Wo ist also das große Problem? Soll man Google dafür verantwortlich machen, wenn große Zeitungen von der FAZ über die Süddeutsche bis hin zu WELT und BILD Artikel ins Web stellen, die dann von Google gefunden werden? Das halte ich doch für sehr fadenscheinig.
Auch das zweitaktuellste Argument der Printmedien, ihre Texte urheberrechtlich besser zu schützen ist ein zweischneidiges Schwert. Denn wenn sie ihre eigenen Arbeiten nicht selbst zu schützen vermögen, wie können sie dies von Google verlangen? Durchbricht Google etwa mit seinen Link die Sperren von Bezahl-Apps? Ich glaube eher nicht.
Was ich aber glaube, das ist, dass Google der größte Fisch im Wasser ist. Das beweist schon die Tatsache, dass der Konzern ne knappe Milliarde für Youtube gezahlt hat, um aus der Fun-Seite einen Teil des Mega-Konzerns zu machen. Was ich glaube, ist, dass Google etliche Mitarbeiter einsetzt, um von Bots gehypte Links zurück zu setzen, kriminelle Links zu löschen und den User im wuchernden und unübersichtlichen Internet zu beschützen - solange er über Google sucht.

Einen Link muss ich dann doch setzen. Der führt zum Suchmaschinenverzeichnis. Dort gibt es Links zu sechshundert Suchmaschinen, die meisten von ihnen recht speziell. Aber von denen spricht in der erbosten deutschen Printmedialandschaft niemand. Auch nicht von Yahoo oder Lycos. Viel Lärm um nichts? Eher das Baby-Prinzip: Wenn man nur lange und laut genug Krach schlägt, kriegt man irgendwann auch etwas.

Wege aus der selbst erschaffenen Krise: Viele Printmedien haben es versucht und werden es weiter versuchen, das Internet über die Werbung hinaus profitabler zu machen, indem sie Bezahlseiten verwenden. Dies hat mangels Interesse in der Vergangenheit nicht gut geklappt, und die Chancen stehen auch heute nicht besonders gut, dass dieser Plan aufgehen wird. Was also tun? Mit der Zeit gehen. Vermehrt auf Werbung setzen und sich für Links zu Firmen und anderen Zeitungen bezahlen lassen. Bezahl-Apps? Probieren kann man es ja, aber ich halte die Erfolgsaussichten für gering, weil nicht Google, sondern andere Zeitungen auf ihren Webseiten umsonst bringen, wofür die Apps sich bezahlen lassen wollen.
Das Potential nutzen, das jede Zeitung hat, nämlich ihr Printmedium. Den Sonderstatus der gedruckten Zeitung hervor heben, sie interessanter für Käufer machen und eindeutig zeigen, dass die Webseite das Printmedium unterstützt, nicht umgekehrt. Der Leser muss zur gedruckten Ausgabe geführt, verführt werden. Ideen dazu gibt es tausende. Macht wertvoller was Ihr habt. Denn seien wir doch ehrlich: Mit Monitoren nach Fliegen zu schlagen wird sich nie durchsetzen.

Okay, ernsthaft: Anstatt über Google zu lamentieren und Geld zu fordern, das ihnen überhaupt nicht zusteht, sollten die Printmedien es damit versuchen, ihre Produkte durch Qualität attraktiver zu machen. Das ist zwar nur ein Fingerzeig und keine Endlösung. Aber ich bin ja auch der Meinung, dass die gedruckte Zeitung niemals abgeschafft werden wird, auch nicht vom Internet. Vielleicht schrumpft der Markt zur Zeit, aber eventuell kann man den Konsumenten wieder ins Bewusstsein rücken, was er an der Zeitung an sich hat. Dazu müsste man aber wie gesagt kreativ werden und Qualität bieten. Nur so als Tipp von einem Laien wie mir.

Noch eines ist mir aufgefallen: Die Diskussion um Google hat sich verlagert, leicht verschoben. Ging es anfangs nur um GELD, so versuchen deutsche Leitartikel nun vermehrt die Gefahr zu betonen, die von dem Unternehmen droht, weil Google mehr über uns weiß als wir selbst. Das halte ich für plakativ. Google kann nicht wissen, was ich nicht über mich im Internet veröffentlicht habe, oder zugegeben andere. Aber selbst wenn ich das hinzu zähle, reicht es noch nicht zum gläsernen User, der von den Medien beschrieen wird.
Gut, gut. Diesen Lärm hätte ich gerne bei Schäubles und Zensursulas Plänen zur Internetzensur gehört. Oder bei der Verschärfung der BKA-Befugnisse inklusive Online-Durchsuchungen. Der Massenspeicherung unserer Telefon- und SMS-Daten zur Terrorbekämpfung. Der Entprivatisierung unserer Innenstädte durch flächendeckende Videoüberwachung.
Irgendwie drängt sich mir das Gefühl auf, dass der derzeitigen Google-Thematik mindestens doppelt so viel Aufmerksamkeit und Energie gewidmet wird als den anderen von mir genannten Themen zusammen. Und das ist nicht sehr nett.
Im Übrigen war Google die einzige Firma, welche die Weitergabe ihrer Daten an die Bush-Administration verweigert hat, während AOL, Microsoft und Yahoo obrigkeitshörig weg geknickt sind, ohne es eigentlich zu müssen, wie searchenginewatch.com zu verkünden weiß.

Fazit: Vielleicht weiß Google mehr über mich als der Rest des Internets, als die Printmedien und andere Suchmaschinen, vielleicht sogar mehr als die Bundesregierung. Aber wenn dem so ist, waren meine Daten bei ihnen bis heute in guten Händen. Und ich bin zuversichtlich, dass das auch in Zukunft so sein wird.

Edit: Gerade auf BILDBLOG.de in der Rubrik "6 vor 9" entdeckt. Ein amerikanischer Journalist referiert über die Klage des deutschen Verlegerverbandes gegen Google - weil Google zehnmal mehr durch Werbung verdient als ihre Klientel.
Man fühlt sich fast an den Prozess um ein paar Millionen Dollar gegen McDonalds erinnert, der den Konzern gezwungen hat, auf seine Kaffeebecher "Vorsicht, heiß" drucken zu müssen.
Der Text ist in englisch, aber leicht verständlich.

Weiterer Edit am 21.01.: Ralf Schwartz hat es heraus gefunden, was die Verlage an Google und Co. so kirre macht... Sie wissen einfach nicht, wie man mitspielt. ^^

Dienstag, 19. Januar 2010

Die ganze BILDBLOG-Arbeit umsonst?

Das Thema meines heutigen Blogeintrags ist die BLÖD-Zeitung. Wie eigentlich jeden Tag rief ich heute Bildblog.de auf und las mir die neue Rubrik "sechs vor neun" durch, in der sechs interessante Links aus der gestrigen Tagespresse präsentiert werden.
Mich persönlich hat dabei der Bericht von Heise-Redakteur Markus Kompa interessiert, der für seine Dichtkunst in einem Wettbewerb auf Kai Diekmanns Blogseite einen Tag in der BILD-Redaktion gewann.
Dabei gewinnt man, je mehr Markus Kompa über die Redaktion von innen berichtet, den vagen Eindruck, dass die Welt wohl doch etwas zu schlecht zur gedruckten BLÖD ist, weil sich die Redakteure so offen geben und so lange und hart recherchieren. Dabei tragen sie nicht Anzug, sondern Jeans und Freizeitklamotten, im Gegensatz zum armen Markus, der "im Dreireiher" aufgeschlagen war.
Auch ein Besuch in der Rechtsabteilung beeindruckt den Autoren, vor allem als er feststellen muss, dass "die BILD Paparazzi-Fotos diversen Frauenzeitschriften überlässt, die BILD-Leser-Reporter ja gar nicht so viele Bilder von Prominenten machen und man sich ernsthaft bemüht, bei BILD die Rechte für die veröffentlichten Bilder zu bekommen".
Nun, Herr Kompa, so schlimm ist die BLÖD also gar nicht, wenn sie sogar versucht, ihre komplizierte 68er Verwantwortung aufzuarbeiten. Und es sind ja auch alle hart arbeitende Familienmenschen, oder? Aber auf jeden Fall ganz, ganz nett.
Muss Bildblog.de jetzt die Arbeit einstellen, weil es kein Feindbild mehr hat? Mitnichten. Als erstes sollte sich BLÖD, genauer gesagt die Online-Variante zum Beispiel bei der sechzehnjährigen Anna P. entschuldigen, die vom Opfer per Fotobeweis zur Täterin gemacht wurde.

Herr Kompa, auch wenn sich die Rechtsabteilung der BLÖD bemüht, die Rechte für alle Bilder zu bekommen, ist das nicht das gleiche wie Bilder nicht zu veröffentlichen, deren rechtlicher Status vage ist. Und auch wenn unter "Diekmann alles besser" ist und die BLÖD nur noch vierzig Prozent Anteil an den Rügen des Presserates hält, so sind das immer noch vierzig Prozent zuviel.
Es ist keine Ausrede, dass BLÖD und Diekmann polarisieren wollen oder gerne Diskussionen anschieben. Das entbindet nicht von der Pflicht, die Persönlichkeitsrechte sowohl der normalen Bürger als auch der Prominenten zu achten - was BLÖD aber ungerne tut. Mag sein, dass Diekmann einen besseren Job macht und einen spritzigen Blog mit feiner Zunge führt, aber Minus ist immer noch Minus.
Nicht umsonst gibt es einen "Hilfe, ich bin in BILD"-Ratgeber, der einer Privatperson genau rät, wie sie NICHT aller Rechte beraubt, bloß gestellt und falsch zitiert wird.
Vielleicht ist die Redaktion auf einem guten Wege, aber noch weit, weit, weit vom Ziel entfernt. Niemand verlangt von BLÖD ernsthaften Journalismus, aber ein wenig Ehrlichkeit und gute Recherche wären doch nett. Dafür könnte sich der Herr Chefredakteur gerne mal Zeit nehmen. Die hat er ja, und nutzt sie für seinen Blog.
Zeitmanagement kann man lernen, Herr Diekmann. Zugegeben, ich beherrsche es auch nicht, aber ich veröffentliche ja auch keine zwanzig Zentimeter großen Schlagzeilen.


Edit: Markus Kompa hat einen Kommentar in meinem Blog gepostet. Er sagt, ich interpretiere in seinen Text hinein, dass er der BLÖD für ihre 68er-Zeit Absolution erteilt.
Nun, ich gehe hier mehr oder weniger mit Markus scharf ins Gericht, deshalb ist dieser Einwand mehr als gerechtfertigt. Deshalb stelle ich fest: Die Aufarbeitung der 68er-Vergangenheit habe ich deshalb eingebaut, weil dank des neuen BILD-Archivs eine öffentliche Diskussion unter anderem über diese wenig ruhmreiche Zeit in den Medien kursiert. Wenn Markus in diesem Punkt nicht dastehen will, auf BLÖD-Seite zu sein, gebe ich ihm sogar Recht. Das braucht er nicht und soll er auch nicht. Sicherheitshalber entschuldige ich mich bei Markus Kompa an dieser Stelle. Ich war ja auch nicht sehr nett zu ihm. :D
Aber, Markus Kompa, danke für Deinen Besuch. Manchmal denke ich wirklich, hier kommt fast nie einer vorbei.
P.S.: Ich habe noch mal über die "Schaum vorm Mund"-Sache nachgedacht, bzw. sie ließ mir keine Ruhe. War ich zu scharf zu Markus Kompa, weil er BLÖD nicht runter gebattlet hat? Ist für mich nur kritische Springer-Kritik gute Kritik? Ich habe den Gedanken ein wenig laufen lassen. Okay, ein paar der Formulierungen in diesem Blog sind Markus gegenüber nicht nett, geradezu spöttisch zu nennen. Aber im großen und ganzen habe auch ich Fakten genannt.
Und nein, nur weil jemand ohne Schaum vorm Mund über BILD schreibt, gehört er für mich nicht zu den BILD-Sympathisanten. Und ich stehe zu meinen Kritikpunkten.

P.P.S.: Dass Markus Kompa in der Tat ein kritischer Betrachter der BILD ist, sieht man hier.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Thermit im Nacktscanner oder wie die neue Technologie Versagen lernte.

Es kommt vor, aber nicht allzu häufig, das ich tatsächlich mal im Fernsehen eine Talkshow sehe.
Gestern platzte ich eher zufällig in die Talkshow von Markus Lanz, und das mitten in eine ungekennzeichnete Werbesendung für den neuartigen Nacktscanner. In diesem speziellen Fall die Version, die keine Silhouetten abbildet. Befürworter und Gegner waren versammelt, ein Technik-Experte der Nacktscanner-Firma aus dem Ausland eingeflogen, und zwei riesige Blöcke aufgestellt, zwischen denen das Nacktscannen funktionieren sollte.
War die Stimmung anfangs noch sehr pro Scanner eingestellt, und deshalb durften (den Namen habe ich gerade im Internet recherchiert, weil ich mir keine Notizen gemacht habe) Herr Bosbach vom Innenausschuss des Bundestages sowie der englischsprachige Spezialist ungehindert ihre Technologie und ihren schnellen Einsatz anpreisen, vor allem weil das Hauptmanko, nämlich der Silhouttenscan, abgeschaltet und die Technologie damit nicht mehr voyeuristisch ist.
Bullshit! Für mich ist das Hauptthema nur am Rande die exhibitionistische Komponente. Ich fand, wie Ihr, meine lieben Leser, in meinem Blog nachlesen könnt, die Funktion des Scanners wesentlich wichtiger - und stellte seine Nützlichkeit in Frage.
Nun, wie gesagt, bis zu diesem Punkt war es eine Werbesendung für den Nacktscanner, und alles schien gut gelaufen zu sein. Aber leider hatten die Befürworter die Rechnung ohne zwei Personen gemacht. Der eine war Markus Lanz selbst, aber dazu später mehr. Der andere war der Gegner der Nacktscanner-Technologie, Professor Werner Gruber.

Professor Gruber ist für seine "Tipps an Terroristen" bekannt. So würde es aber nur ein Idiot formulieren. Er selbst versucht durch seine Hinweise auf Sprengladungen aus Haushaltschemikalien eher zu vermitteln das nichts wirklich einhundert Prozent sicher sein KANN, solange die wichtigste Grundvoraussetzung in der Welt nicht abgeschafft wurde, nämlich der Nährboden für Terrorismus durch Unterdrückung, Diskriminierung und Übervorteilung. Bis das der Fall sein wird, kann man für ein paar Cent auch Bomben basteln. Falls man die richtige Mischung kennt.
Im übrigen stimme ich hier als altgedienter Perry Rhodan-Leser mit dem Professor überein. Allgemeiner, weltweiter Wohlstand, freie Bildung und ein Ende der Diskriminierung und Unterdrückung von Ressourcenstaaten in Afrika und im Nahen Osten birgt einzig die Chance, Terror zu beenden. Religionsfreiheit und Religionstoleranz nicht zu vergessen.

Aber der gute Professor ist nicht nur ein Lebensphilosoph. Er ist auch Physiker, und sein Fachwissen wusste er gut in Szene zu setzen. Er selbst setzte sich dem Nacktscanner aus, mit einem Handy, einem Schweizer Taschenmesser und dem Transponder für sein Mikrophon am Körper.
Der Scanner erfasste den Transponder und das Handy, nicht jedoch das Messer.
Und dies wurde zur großen Stunde des Herrn Professors, als er nach und nach mehrere Behälter mit Haushaltschemikalien aus seiner Jacke hervor zog, die der Scanner NICHT entdeckt hatte.
Dies brachte den Spezialisten in Erklärungsnotstand, und er haspelte sich damit heraus, das Herr Gruber in einem Scanner auf einem Flughafen selbstverständlich sein Jackett ausgezogen hätte. Der Scanner hatte diese Behälter nicht erfassen können, weil sie nicht eng am Körper anlagen. Hallo? Wäre ich Terrorist, wüsste ich jetzt schon mindestens drei Wege, um dieses Manko des Nacktscanners auszunutzen! Weite Hemden sind da nur die kürzeste Idee.
Aber es kam noch besser. Professor Gruber präsentierte seinen Unterschenkel, auf den er mit Hilfe von Klebeband, also direkt auf der Haut (genau die Situation, die der Nacktscanner erkennen soll) ein Glasröhrchen geklebt hatte.
Diesmal blieb dem Spezialisten nur hilfloses Schweigen.

Nun aber schlug die Stunde von Markus Lanz. Der hatte bereits vor der Sendung ein Experiment vorbereiten lassen. Vor dem Studio wartete ein Versuchsaufbau auf Professor Gruber samt seiner Chemikalien, die Diskussionsteilnehmer und Markus Lanz.
Draußen war eine Eisenpfanne auf Steinen aufgebockt. Der Professor legte die Behälter hinein und erklärte, das es sich bei einer konkreten Mischung um Thermit handelte, eine Verbindung, die einmal entzündet, mit bis zu viertausend Grad abbrennen würde und unlöschbar ist. Kein Wunder, denn das Eisenoxyd im Thermit bringt den Reaktionssauerstoff ja schon mit.
Also zündete der Herr Professor die Mischung an, alle Beteiligten hielten weit, weit Abstand, und die Masse begann ellenlange Sekunden zu brennen. Nach einer gefühlten Minute war die Reaktion vorbei, und die Eisenpfanne an mehreren Stellen schlicht durchgebrannt!
Dankenswerterweise hielt Professor Gruber die Zusammensetzung des Thermits geheim.

Damit hat Herr Lanz die Befürworter mächtig auf Grundeis laufen lassen, denn der Scanner hat nicht nur dabei versagt, die Chemikalien zu finden, er hat auch das Glasröhrchen, das den Zünder hätte enthalten können, nicht einmal ansatzweise entdeckt.
Die Technologie taugt nichts. Sie ist nur teuer, aufwändig und vermittelt den Menschen etwa die gleiche Sicherheit wie jene Survival Kits, die in Amerika nach dem elften September verkauft wurden, und aus Atemmaske, Klebeband zum Fenster abdichten und Trockennahrung bestanden hatten: Bestenfalls eine vage.
Hier wird mit viel Geld versucht, noch viel mehr Geld zu verdienen. Aber da ich weiß, dass der nigerianische Terrorist, der durch seinen misslungenen Anschlag die Diskussion erst angeschoben hat, von Schiphol startete, einem niederländischen Flughafen mit bereits fünfzehn Nacktscannern, gehe ich mal nicht davon aus, es hier nicht mit einem Riesenkomplott der Nacktscannerindustrie zu tun zu haben. Obwohl, es wäre dann die gleiche hysterische Handschrift, die wir schon nach 9/11, Vogelgrippe und Schweinegrippe erlebt haben. Ups, ich habe es gesagt.

Als neue Technologie, welche die Sicherheit erhöht, taugt der neue Scanner m.E. also NICHT.
Stattdessen sollten wir uns wirklich, wirklich, wirklich (abgesehen davon, dass Flugzeugattentate immer noch sehr selten sind) mal am Flughafen von Tel Aviv orientieren, dem weltweit größte Sicherheit bescheinigt wird. Doch dann kann die Industrie ja nicht zehntausende schlecht funktionierender Geräte als brandneue und hochwertige Sicherheitstechnologie verkaufen. Pech.

Nachtrag: Das ZDF stellt wie immer die ganze Sendung online. Sehr empfehlenswert zu sehen.

Dienstag, 12. Januar 2010

"Für den Kaiser" ist fertig

Ja, es geht tatsächlich mal wieder ums schreiben, genauer gesagt um meine vierbändige Romanreihe "Für den Kaiser". Ich bin tatsächlich endlich fertig geworden, und Ihr, meine treuen Leser, könnt die vollen zweieinhalb Millionen Anschläge auf www.twobt.de, www.battletech.info und www.fanfiktion.de nachlesen.
Jetz, wo ich mit diesem Mammutprojekt fertig bin, verbleibe ich etwas ratlos. Gewiss, jetzt kommt noch die Überarbeitung, Fehlerkorrektur und die wichtige Entscheidung, ob ich Buch vier nicht in zwei Exemplare aufsplitte. Aber danach?
Ich finde den Text gut gelungen,und auch die Charaktere gefallen mir sehr. (Okay, okay, das ist meine Meinung als Autor.) Aber darüber hinaus habe ich nie gedacht. Falls also jemand verwertbare, verwirklichbare Vorschläge für mich hat, was ich jetzt mit "Für den Kaiser" anstellen soll, nur her damit.

Mittlerweile denke ich an einen Spinoff. Mal sehen, ob und was ich daraus mache.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Die Welt aus der eigenen Sicht sehen...

Mit diesem eher normalen Titel möchte ich gerne den Blog beginnen. Genauer gesagt mit zwei Personen, die m.E. die Welt etwas zu sehr aus eigener Sicht sehen.
Zwei Themen erwarten heute meine eifrigen Leser. Im einen geht es um den Islam im weitesten Sinne, im anderen um *sigh* die Nacktscanner.

Doch der Reihe nach. Vor ein paar Tagen wurde der als Mohammed-Karikaturist bekannt gewordene Kurt Westergaard in seiner dänischen Heimat von einem mit einer Axt bewaffneten Einzeltäter in seinem Haus überfallen. Er und sein Enkel konnten sich gerade so noch in sein Badezimmer retten. Die Polizei kam schnell hinzu, da der Mann unter Polizeischutz steht, und konnte den Täter verhaften. Ende gut, alles gut? Nein, sicherlich nicht. Ich will heute allerdings nicht über Westergaard oder seine Karikaturen sprechen, obwohl ich als eingefleischter MAD-Leser in dieser Beziehung abgehärtet bin, sondern über Trittbrettfahrer.
Ein Trittbrettfahrer fiel mir da in der heutigen LDZ ganz besonders ins Auge, nämlich die türkischstämmige Soziologin Necla Kelek. In einem Interview äußerte sie sich besorgt, geradezu entrüstet über die fehlende Resonanz in den Medien nach dem Anschlag und warf deutschen Medien Angst vor dem radikalen Islam, ja Duckmäuserschaft vor. Sie ging sogar so weit zu sagen, dass "man (die Medien) anscheinend froh sei das nichts schlimmeres passierte und man nun Eskalationen vermeiden will".
Weiter ging sie hart mit den Anhängern des islamischen Glaubens ins Gericht und warf ihnen vor - wobei sie erfreulicherweise nur zehn Prozent von ihnen meinte - man könne nicht für Minarette, Moscheen und Kopftücher sein und dann Selbstmordattentäter, Zwangsheirat und Ehrenmorde ausschließen, bzw. aus der Verantwortung.
Nun kenne ich Frau Kelek überhaupt nicht, und ehrlich gesagt habe ich auch nicht das Bedürfnis, sie kennen zu lernen. Denn ich halte nichts von Radikalen, egal in welche Richtung sie schießen. Ich bin nur ein wenig verwundert, weil ICH die Medienwelle gesehen habe, die nach dem Anschlag durch Deutschland rollte. Was hat Frau Kelek erwartet? Das automatisch ein Inhaftierungspogrom beginnt und alle "radikalen" Ausländer anschließend ausgewiesen werden? Oder das unsere Zeitungen sofort ein solches Vorgehen fordern?
Was Herrn Westergaard passiert ist, war eine Nachricht. Diese wurde verbreitet. Sicher ergaben sich daraus Forderungen nach Konsequenzen, aber die sollte der Attentäter tragen, nicht jene, die Glaubensbrüder dieses Mannes sein müssen, weil er sich zum Islam bekannt hat.
Auch verwundert es mich, dass sie fordert, dass neben dem Kopftuch auch ein Bekenntnis zum Ehrenmord kommen müsse. Hallo, Frau Kelek? Tot schweigen ist wohl eine herzlich dumme Idee, aber ich persönlich finde es schon mal einen sehr guten Anfang, wenn islamische Bürger in Europa Ehrenmorde schon mal NICHT unterstützen.
Ich frage mich gerade, ob Frau Kelek zur Radikalisierung gegen radikale Islamisten aufgerufen hat.
Liebe Frau Kelek, Minus und Minus ergibt NUR in der Mathematik Plus. Also seien wir einfach froh über jeden in Deutschland lebenden Moslem, der Ehrenmorden, Zwangsheiraten und Selbstmordattentaten nichts abgewinnen kann. Denn diese schleichende Revolution in den Köpfen bedeutet letztendlich, dass sie in Deutschland angekommen sind.


Thema Nummer zwei wurde vom Kommentar in der heutigen Ausgabe der Leine Deister Zeitung inspiriert: Der Autor Christof Schneider verteidigt dort vehement die Nacktscannerpläne, und erklärt auch wieso er das tut.
Leider habe ich hierfür keinen Internetlink gefunden, abschreiben will ich auch nicht, also werdet Ihr, meine lieben Leser, wohl die Zeitung kaufen müssen, wenn Ihr den Kommentar lesen wollt.
Jedenfalls verteidigt Herr Schneider die Nacktscannerpläne, und führt dabei an, "dass die Mehrheit der pragmatischen Deutschen" lieber ein wenig Intimsphäre aufgibt, um dafür ein wenig mehr Sicherheit beim fliegen zu haben".
Auch die Kritik, das der Nacktscanner einfach umgangen werden kann, indem man Waffen und Sprengstroff IM Körper durch den Scanner schmuggelt, kontert Herr Schneider mit dem Hinweis: "Doch nicht alle Terroristen sind Vollprofis".
Herr Schneider, Sie haben Unrecht. Terroristen, die sich auf Flugzeuge schmuggeln, die Sprengstoff mitbringen und/oder Waffen, SIND Vollprofis. Sie sind sozusagen die Crème de la Crème des internationalen Terrorismus. Denn die Kontrollen vor internationalen Flügen gehören zu den Aufwändigsten in der Welt (Einschränkung: Wenn sie durchgeführt werden), und setzen die Messlatte entsprechend hoch. Dass mit dem jungen Nigerianer, der durch eine Fehlfunktion der Zündflüssigkeit nicht erfolgreich war, nun kein hochkarätiger Terrorist, sondern nur ein schauspielerisch begabter Fanatiker der hinteren Chargen an Bord war, deutet vielleicht das Gegenteil an - außer man betrachtet das Selbstmordattentat als das was es ist: Ein Bauernopfer. Und obwohl das Attentat gescheitert ist und die Al Kaida-Sprengstoffspezialisten erst mal dran feilen müssen warum die Bombe nicht zündete, ihren Nutzen hat die Organisation trotzdem. Der Anschlag ist zwar fehlgeschlagen, der Attentäter in der Hand ihrer Feinde und Amerika wieder sicher... Aber sie ziehen dank der Medien ihren Nutzen daraus und verbreiten Angst und Schrecken, ohne Angst und Schrecken zu verbreiten. Solche Zeiten sollte man weder dazu missbrauchen, den Terroristen kostenlose Promotion zu liefern, noch trittbrettfahrenden, unnützen Technologien Tür und Tor aufzuhebeln.

In den letzten Jahre sind mir einige Flugzeugabstürze zu Ohren gekommen, aber nicht ein einziges erfolgreiches Attentat. Könnte es also sein, das fliegen immer noch die sicherste Form des Reisens ist, Terrorismus hin, Terrorismus her? Und könnte es nicht sein, dass die Bundesbürger DOCH etwas gegen unnütze, voyeuristische und wertlose Technologien haben, die sie bloß stellen? Herr Schneider, ergreifen Sie nicht Partei für eine Technologie, die in Holland schon einmal dabei versagt hat, einen Terroristen aufzuhalten - entweder aus technischen Gründen, oder weil sie falsch platziert war (wir erinnern uns alle: der niederländische Flughafen Schiphol, von dem der Nigerianer geflogen ist, HAT bereits fünfzehn Nacktscanner). Stattdessen bewahren Sie bitte unzählige Flughäfen davor, in überteuerte, sinnlose Technologien zu investieren, deren Kosten diese dann auf die Gesellschaften wälzen, von wo es zu den Fluggästen geht, oder noch schlimmer zu den zweiundachtzig Millionen Steuerzahlern in Deutschland. Noch mal: Terroristen, die sich an Flughäfen ran wagen, SIND Vollprofis.

Edit am 10.01.: Zusätzlich bemerkt ist die Hoffnung, dümmere Terroristen "abfischen" zu können nicht nur lächerlich, sondern auch noch äußerst gefährlich, Herr Schneider.

Dienstag, 5. Januar 2010

Nacktscanner nacktscannen nur wenn sie nacktscannen.

Es ist schon einige Zeit her, dass ein fanatischer Nigerianer bereit war, sich selbst in die Luft zu sprengen und das amerikanische Flugzeug, in dem er reiste, gleich mit.
Diese Tat, die verhindert wurde, weil der pulverförmige, bzw. kristalline Sprengstoff nicht zündete, sondern abbrannte (und, da bin ich kein Experte, deshalb nicht nachträglich explodierte, weil der Brand gelöscht werden konnte... Vielleicht wäre er aber auch dadurch nicht detoniert), warf den Ruf nach Nacktscannern auf. Diese Sicherheitstechnologie, die von vorneherein voyeuristisch empfunden wurde, soll tatsächlich, da sie durch die Kleidung dring, alles offenbaren, was "man" am Leibe trägt. Auf diese Weise, so die Befürworter der neuen und supernützlichen Technologie, wäre auch das Sprengstoffpäckchen entdeckt worden. Soweit so gut.
Vor einigen Tagen hörte ich dann, dass Hollands Flughäfen als so ziemlich einzige in Europa den Nacktscanner bereits einsetzen... Klick.
Der nigerianische Möchtegern-Bomber startete vom niederländischen Flughafen Schiphol... Klick.
Die Vertreter dieser neuen Sicherheitstechnologie behaupten, ihre Scanner hätten den Sprengstoff entdeckt... Klick.
Hierzu ein hilfreicher kleiner Link zu einem Artikel auf freiepresse.de, der zu berichten weiß, dass der Amsterdamer Flughafen Schiphol sechzig neue Nacktscanner einsetzen will. Der Witz an dem Artikel ist allerdings der letzte Satz. Zitat aus der Meldung: " Auf dem Amsterdamer Flughafen, von dem aus das US-Flugzeug Weihnachten startete, gibt es bereits 15 Nacktscanner."
Klick, klick, klick, klick, klick, klick. Bingo.
Was ist also passiert? Laut Bericht der Flughafensicherheit wurde der nigerianische Möchtegernterrorist mit dem Metallsucher gecheckt und oberflächlich abgetastet, bevor er in das Flugzeug nach Amerika stieg.
Wie jetzt? Schiphol hat fünfzehn Nacktscanner, und die stehen nicht an den internationalen Terminals? Also entweder lügt hier jemand nach Strich und Faden, um die neue Technologie Hoffähig zu halten... Oder in Schiphol gibt es einen sehr bedauerlichen Fehler im Sicherheitskonzept. Wenn das zu den Amis durchsickert, werden sie entweder sehr sauer sein oder ihr Vertrauen in diese neue revolutionäre Technologie vollkommen verlieren.
Lernt mal lieber vom sichersten Airport der Welt anstatt auf Technologie zu setzen, die sowieso umgangen werden kann.
Übrigens kann man mehrere Artikel zum Flughafen von Tel Aviv kontra Nacktscanner googlen, einige sind aber aus unerklärlichen Gründen nicht oder nur über kleine Tricks erreichbar.

Montag, 4. Januar 2010

Am Aschermittwoch ist 2012 - alles vorbei?

Seit einiger Zeit, sprich einigen Wochen, geistert eine ganz bestimmte Nachricht durch das Web und durch die Medien. Diese hat etwas mit der Jahreszahl 2012 zu tun. Denn in diesem Jahr soll der Maya-, bzw. Azteken-Kalender das Ende des Fünften Zeitalters erreichen. Grund genug für Witzbolde, Sensationstheoretiker und Endzeitphilosophen, Möchtegern-Dänikens und anderen Trotteln, die wahrscheinlich auch glauben, die Bibel sei ein historisches Sachbuch, das Ende der Welt herbei beschwören zu wollen.
...sacken lassen.

Leute, jetzt aber mal ernsthaft. Was ist aus dem Kometen geworden, der 2001 in der Nordsee einschlagen sollte, der das Leben auf der Erde vernichten wollte? Was ist aus den anderen großen kosmischen Bedrohungen geworden, die uns auslöschen sollten? Zum Beispiel eine explodierende Sonne, die nächste Eiszeit, weitere Asteroiden von der Größe Texas', und, und, und... Ist in den letzten zwölf Jahren ein Asteroid von nennenswerter, erwähnenswerter Größe auf der Erde aufgeschlagen? Nein, sicherlich nicht. Unsere Presse hätte da nämlich sofort eine misslungene UFO-Landung draus gemacht. Also, was soll die Panik? Warum sollte ein Relikt aus vergangener Zeit, das auf einem Mythos basiert, unser reales Leben 2012 mit einem Haps vernichten? Wie, man kann nicht vorsichtig genug sein? Also, ich sehe da keinen Anlass zur Sorge, und dies aus genau zwei stichhaltigen, leicht nachweisbaren Fakten, die ich hier präsentieren werde.

1) Mit dem 21.12.2012 soll das Ende für uns alle kommen, weil der Kalender der Azteken (richtig, nicht der Maya-Kalender) an diesem Tag enden soll. Auffällig daran ist, dass dieser Tag Wintersonnenwende ist. Das große Unglück soll also nicht an irgendeinem Tag geschehen.
Haken bei der Geschichte: Die Erde bewegt sich auf einer elliptischen Bahn um die Sonne, d.h. wir erreichen im Winter den sonnennächsten Punkt auf unserer Bahn und im Sommer den Sonnenfernsten Punkt. Die Jahreszeiten bilden sich durch die Achsneigung der Erde, nicht etwa dadurch, das wir der Sonne im Sommer näher wären. Im Gegenteil. D.h. auch wenn wir im Winter der Sonne eigentlich NÄHER sind, kriegen wir dadurch, dass die Achsneigung die Südhalbkugel exponiert, weniger Sonnenlicht und weniger Wärme ab. Es ist also kälter. Ein halbes Jahr darauf dreht die Achsneigung wieder und exponiert den Norden. Und obwohl wir der Sonne FERNER sind, haben wir Sommer, alleine durch die Achsneigung.
Warum ich das erwähne? Einmal weil ich selbst erst einmal recherchieren musste, um einhundert Prozent sicher zu sein. Und einmal, um ganz scheinheilig zu fragen: Was ist so besonderes an der Wintersonnenwende? Quasi auf dem stabilsten Punkt unserer Bahn um die Sonne, in einem großen weiten weichen Bogen, an dem uns unser Muttergestirn garantiert fest und sicher im Griff hat? Ich wage zu behaupten: Nichts. Aber ich wette etliche Möchtegernforscher von der Nordhalbkugel der Erde sind zu gerne auf den Zug aufgesprungen, weil sie glaubten, im WINTER müsste die Erde ihren fernsten Punkt von der Sonne erreicht haben, und sich damit an der Spitze ihrer elliptischen Bahn befinden. Der ideale Punkt für eine Katastrophe, zum Beispiel das die Erde ihre Umlaufbahn durch diffuse Zentrifugalkräfte verlässt. Aber keine Sorge, meine lieben Möchtegernforscher. Auch wenn es keinen astronomischen Grund gibt, auf das Ende der Welt zu warten, so könnt Ihr zumindest auf ein Eingreifen der aztekischen Götter hoffen.

2) Der Kalender der Azteken, Maya und dergleichen ist ein Fake.
Nein, das ist kein Witz. Ist leider einhundert Prozent wahr. All die Dinge über die fünf Zeitalter, über das Ende der Welt und dergleichen wurde aus der indischen Mythologie geklaut und in Maya-Schriftstücke hinein interpretiert. Warum ich das behaupte? Weil erste Berichte über die Entschlüsselung der Maya-Bilderschrift erst Ende des zwanzigsten Jahrhunderts gelangen, aber infantile und phantasievolle Übersetzungen bereits im neunzehnten Jahrhundert kursierten, die sachlich sowas von falsch waren.
Mein guter Freund Harun Raffael schreibt gerade an einem erschreckend guten Sachbuch über MU, Atlantis, die Maya-Kultur und ihre Historie. Dabei hat er festgestellt, dass... Nein, das ist falsch formuliert. Dabei kamen seriöse Astronomen und Archäologen mit Zitaten (mit Quellverweis) zu Wort, die den Maya-Mythos und ihre angebliche Zeitrechnung als vollkommenen Unsinn abtaten. Das hat nichts mit Hochnäsigkeit oder Lehrmeinungen zu tun und ist auch kein Futter für die Archäologie-Rebellen, die das Erbe eines Schliemanns antreten wollen. Es würde zu weit führen, auf die Hintergründe, den damaligen Zeitgeist, die Atlantis-Begeisterung und dergleichen einzugehen. Und es würde zu weit führen all das zu verlinken. Andererseits will ich einer Behauptung nicht nur mit einer Gegenbehauptung gegenüber treten, sondern zumindest mit einer Erklärung und Fakten.
Um es schlicht und einfach zu machen: Die erste Deutung der Maya-Schrift war ein Riesenreinfall. Die so genannten Codize, Bücher der Maya-Kultur, wurden in einer Art Bildschrift verfasst. Die meisten fielen der Zerstörungswut christlicher Fanatiker zum Opfer, angeführt von Bischof Diego de Landa. Diese vollkommene Kastration der Kultur der Azteken und anderer Völker erboste schließlich sogar die Kirche, und der gute de Landa wurde dazu gezwungen, einige noch erhaltene Bücher zu kopieren. Nun verstand de Landa von dieser Schrift nicht das geringste. Aber er war ein findiger Geist und verstand es zu interpretieren. Als Geistlicher war er sicherlich mit dem Althebräisch vertraut, das ebenso wie das altägyptische keine Vokale kennt und deshalb auf sinnvolle Interpretation angewiesen ist... Bei den Codize war er etwas großzügiger und bastelte sich die Übersetzungen zurecht, wie sie ihm sinnvoll erschienen. Das Ergebnis war eine wilde, obskure, aber spannende Menschheitsgeschichte, vom Vorbeginn aller Zeiten, die aber in etwa so viel Realität enthielt wie eine eine heutige Nachmittagstalkshow.
Auch Etienne Brasseur, der zwar als Historiker der Indianerkulturen wertvoll war, aber auf de Landas Übersetzungsversuche herein fiel, konnte die fiktive Geschichte bunter gestalten - aber nicht richtiger. Dass letztendlich doch im zwanzigsten Jahrhundert eine Übersetzung gefunden wurde, die Sinn machte, war tatsächlich zu einem geringen Teil der Verdienst der beiden. Dafür aber hatten sie die ganze Welt - wahrscheinlich ungewollt - zweihundert Jahre in die Irre geführt.
Der Codex Troano zum Beispiel, aus dem ein Großteil der fulminanten Geschichten stammten, enthält in Wirklichkeit religiöse Anweisungen und Tipps zur Bienenzucht, aber sicher nichts, was auf das Ende der Welt am 21.12.2012 hin deuten würde. Oder auf eine Methode, die Zeit zu zählen, geschweige denn die Zeitalter. Einen Hinweis auf einen Anfang des Fünften Zeitalters sucht man übrigens auch vergebens. Ohne Anfang kein Ende.

Fazit: Da das historische Gebilde der fünf Zeitalter mit dieser Argumentation zusammenfällt wie ein Kartenhaus, dem man die untersten Karten entnommen hat, sind auch sämtliche Daten irrelevant. Das Ende der Welt, angelehnt an das indische Kali Yuga (müsste ich recherchieren, wann das enden soll) , oder besser dort geklaut, hat also kein relevantes, sicheres oder recherchierbares Datum, außer es kann aus Anweisungen zur Bienenzucht orakelt werden.
Damit, so Leid es mir tut, gibt es keinen Weltuntergang am 21.12.2012, weder astronomisch, noch historisch gesehen. Aber tröstet Euch, vielleicht geht die Erde ja noch auf eine andere Art bis dahin unter. Nur leider, meine lieben Verschwörungs- und Endzeittheoretiker, kann man damit keine Bücher verkaufen, keine Meldungen lancieren und nicht die Menschen in Angst und Schrecken versetzen.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Althaus durch den Nacktscanner schicken

Es gibt Dinge auf dieser Welt, die sind unausweichlich. Manchen Tatsachen oder Umständen kann man nicht entkommen. Eine davon ist die allgemeingültige Tatsache, dass auf den Tag die Nacht folgt... Oder dass man in bewölkten Nächten keine Sterne sehen kann... Dass Wasser grundsätzlich bergab fließt... Dass die Schlagzeilen der BLÖD-Zeitung dazu führen, das ich mich regelmäßig aufrege...

Heute soll es um letzteres gehen. Die aktuelle BLÖD-Schlagzeile regt mich nämlich auf: Althaus fährt wieder Ski!
Mein erster Gedanke war; Will er noch jemanden umbringen?
Aber der Reihe nach. Dieser Bericht, der BLÖD die halbe Titelseite wert ist, zeigt einen Skifahrer, der Althaus im Winterurlaub sein soll, sowie ein Foto der jungen Mutter, die vor gut einem Jahr beim Unfall mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten umgekommen ist.
Und jetzt kommt der Part mit dem aufregen. Nein, Althaus hat nicht schon wieder einen totgefahren. BLÖD verschweigt nur vollkommen, das Althaus am Unfall Schuld ist, rechtskräftig verurteilt wurde und eine hohe Geldstrafe an den Witwer zahlen musste.
Ich kenne Herrn Althaus nicht persönlich und kann ihn deshalb als Mensch nicht einschätzen. Aber ich nehme es ihm übel, dass er die politischen Gegner gebeten hat, sich im Wahlkampf über den Unfall auszuschweigen, ihn aber selbst politisch ausgeschlachtet hat. Und der BLÖD nehme ich es übel, diese Tatsache ebenfalls unter den Teppich zu kehren. Gewiss, es war ein Unfall, aber der Schuldige hat den Kopf zwischen die Schultern gezogen, die Verantwortung abgewälzt und gehofft, dass sein Verbündeter, die BLÖD-Zeitung, die Sache schon verwischt oder weit genug unter den Teppich kehrt. Der Teppich hat noch ein paar Beulen, wie das Foto des Opfers zeigt. (Wofür BLÖD sicherlich die nächste Klage ins Haus rollen wird, weil die Hinterbliebenen dieser Veröffentlichung GARANTIERT NICHT zugestimmt haben.)
Aber der Verursacher des Unfalls wird schon mal rausgeschwiegen. Leider haben wir kein so schlechtes Gedächtnis, lieber Herr Ex-Ministerpräsident, liebe BLÖD-Zeitung. Und wir beobachten euch weiterhin. (Vielleicht tue ich der BLÖD unrecht, und im weiteren Bericht auf Seite zwei wird erwähnt, das Althaus den Unfall verursacht hat. Aber man möge mir verzeihen, das ich davor zurückgeschreckt habe, die BLÖD aufzuschlagen. Jeder hat eine gewisse Hemmschwelle, die nicht so leicht zu überwinden ist.)

Teil zwei meines Blogs behandelt die so genannten Nackt-Scanner, eine besondere Form der Körperanalyse, bei der ein Proband in eine Scannerkabine tritt und anschließend auf einem Monitor ohne Kleidung abgebildet wird. Bis zum heutigen Tag gilt diese - funktionierende - Technik als Verletzung der Menschenrechte, empörend und übertrieben.
Seit sich ein radikaler Nigerianer mit achtzig Gramm kristallinem Sprengstoff in der Unterhose (angeblich im Auftrag von Al Kaida) beinahe in einem Flugzeug in die Luft gesprengt hätte, ist die Koalition in Berlin laut Tagesspiegel eindeutig PRO Nacktscanner eingestellt. Tja, was man nicht alles auf dem Trittbrett mitreisen lassen kann.
Der eine versucht auf der Empörung über Kinderpornographie mal schnell aus dem Rollstuhl heraus eine Internetzensur zu etablieren, der andere versucht die bisherige Sicherheitstechnologie durch einen Milliardenauftrag an eine Einzelfirma zu pushen. Aber ich habe nichts anderes von CDU/FDP erwartet. Die Doppelfrauenspitze wird für noch mehr derartige Überraschungen gut sein.
Liebe Koalition, lasst mich ein weiteres Adjektiv, den Nacktscanner betreffend, hinzufügen: Unnötig. Was passiert wohl, wenn der Nacktscanner Standard wird, mit dem man Menschen unter die Kleidung sehen kann? Ganz einfach: Potentielle Attentäter erkennen, dass der Nacktscanner AUCH NUR bis zur Haut reicht. Bereits jetzt schlucken Drogenkuriere Heroin und Kokain, verbergen es unsichtbar von jeder Leibesvisitation, und unsichtbar für Nacktscanner in ihren Körpern, gehen dabei ein großes persönliches Risiko ein... Solche "Drogenesel" werden von erfahrenen Beamten der Zollfahndung immer wieder im internationalen Flugverkehr entdeckt. Auch Al Kaida-Terroristen werden sich nicht zu schade sein, sich ein paar Gramm Sprengstoff in den Arsch zu stecken, wenn sie damit an einem Nacktscanner vorbei kommen. Und das ist auch die Idee mit dem Nacktscanner: Im Arsch.
Stattdessen sollte man in die richtige Technologie investieren, nämlich animalische oder technische Sprengstofffinder. Die animalischen haben wir schon lange. Es lebe die Hundenase. Die technische ist bereits sehr weit in ihrer Entwicklung. Beim Umgang mit Sprengstoff ist es nahezu unmöglich, absolut sauber zu arbeiten, was bedeutet, das die Umgebung des Sprengstoffs mit Spuren kontaminiert ist. Technische Spürnasen können diese Sprengstoffspuren finden und nachweisen. Das ist zuverlässig, geht schnell und greift die Menschenwürde nicht an. Aber wahrscheinlich ist das nicht spektakulär genug. Vielleicht glaubt Frau Merkel, den Familien auch was fürs Steuergeld zu bieten, und so ein Nacktscanner vor dem Urlaubsflug ist ja immerhin ein Erlebnis.

Was mich noch ganz fix zu einem dritten Thema bringt. War da nicht noch was kurz vor der Bundestagswahl? Hat da nicht ein arabisch aussehender Mann in sehr gutem Deutsch ganz Deutschland gedroht, das es zu Anschlägen kommen könnte, wenn "wir nicht die richtigen wählen"? Hm. Oktober, November, Dezember... Immer noch kein Anschlag. Brauchen die Jungs so lange? Brüstet sich die deutsche Polizei nicht mit verhinderten Anschlägen? Fanden sie bereits statt, und Al Kaida hat sich einfach ein unspektakuläres Ziel ausgesucht? (Das WAR doch neulich eine Fliegerbombe, oder? Und das Kölner Stadtarchiv ist doch wegen dem U-Bahnbau eingstürzt, oder?)
Und da drängt sich mir der Verdacht auf, dass besagter zorniger junger Mann mit genau diesem Ausgang der Bundestagswahl zufrieden sein könnte. So zufrieden, dass Al Kaida keine Anschläge angeordnet hat? Das Ausbleiben der Anschläge springt doch geradezu ins Auge: Ist Al Kaida CDU/FDP-Wähler? Der Gedanke liegt nahe. Die Alternative wäre, dass der junge, arabisch aussehende und so gut deutsch sprechende Mann ein Hoax war, oder ein recht zorniger, aber machtloser Einzeltäter, der sich über die viele Aufmerksamkeit in Deutschland gefreut hat.
Es gibt da natürlich auch noch die Erklärung, dass die große mächtige Terrororganisation Deutschland international nicht für voll nimmt und denkt das es ausreicht, ab und an mit einem Anschlag zu drohen, um in unseren Zeitungen und anderen Medien übermäßig präsent zu sein. Aber das dürfte an den Haaren herbei gezogen sein. Ich meine, Hey, es wir doch nicht gleich durch alle Medien mit fetter Schlagzeile gehen, die damit die Bundesbürger noch extra verunsichern, nur weil jemand ein Youtube-Video hoch geladen hat? Das erscheint mir dann doch bei unserer sachlichen, kritischen und gut recherchierenden Presselandschaft nicht möglich zu sein.
Sollte es in der Zwischenzeit oder kurz nach der Veröffentlichung dieses Blogs zu einem Al Kaida-Anschlag in Deutschland kommen, habe ich selbstverständlich unrecht gehabt. Daran glauben tue ich trotzdem nicht.

Edit am 04.01.: Eine Frage beschäftigt mich bei der ganzen Nacktscannergeschichte seit fünf Minuten: Hätte dieses Mistding eigentlich den kristallinen Sprengstoff in der Unterhose des Nigerianers entdeckt, oder wäre dieser nicht erkannt worden?
Auf die Antwort bin ich gespannt.

Montag, 28. Dezember 2009

Ich sollte wirklich mehr über das schreiben berichten...

...dachte ich gerade noch. Denn tatsächlich passiert auch hier einiges, wenngleich ich immer wieder glaube, ich komme nicht wirklich voran.
Die wichtigste Meldung zuerst: Heute beim einloggen auf Fanfiktion.de registrierte ich 8019 Aufrufe meiner Geschichten. Die Achttausender-Marke ist also auch geknackt worden.
Die Leute mit den Orden bitte nach Rechts und die gratulierenden Schönheitsköniginnen bitte nach links. XD

Was ist sonst so passiert? Derzeit schreibe ich eifrig, selbst für meine derzeitige Schreibmoral, an Für den Kaiser. Offiziell bin ich bis zum Epilog gekommen. Also bestenfalls noch zehn, zwölf Seiten, dann kann ich die Geschichte abschließen. Roman Nummer vier, Pro Populus, hat allerdings mit fast 260 Seiten nahezu doppelt so viele Seiten wie einer der drei Vorläufer, weshalb ich drüber nachdenke, den Text zu halbieren und zwei Romane draus zu machen.

Außerdem verkünde ich stolz, dass es mir gelungen ist, RdG 30 in Rekordzeit zu schreiben und zu korrigieren. Leider kam es dennoch zu spät, um dem Zeichner zu erlauben, ein gutes Titelbild zu machen... Also wird es erst was mit der Veröffentlichung Anfang März. Aber Hey, so habe ich wenigstens etwas Luft.

BattleDragonTech hängt gerade etwas in der Luft; dafür wird Dantons Chevaliers aber weiter gehen. Auch andere von mir stiefmütterlich behandelte Arbeiten werde ich etwas stärker verfolgen. Lasst euch überraschen.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Frohe Weihnachten 2009

Wie der Titel schon sagt, wünsche ich heute, am Heiligen Abend, meinetwegen auch am Wintersonnenwendfest oder für die Hardcore-Weihnachtsablehner am Vorabend zweier bezahlter freier Tage eine fröhliche Feier, viel zu essen und zu trinken und eine besinnliche Zeit all meinen Stammlesern, all jenen die zufällig vorbei gesurft kommen sowie all jenen, die hierbei noch nicht angesprochen sind.
Normalerweise bin ich recht gut im predigen, aber das will ich heute auf ein Minimum beschränken. Ich sage einfach nur, vergesst über den ganzen Feiertagstrubel, die Geschenke und den unvermeidlichen Ärger eines nicht: Nutzt die Zeit und verbringt sie mit euren Familien. Egal aus welchem Grund man sich über diese Feiertage freut, dies ist doch der eigentliche Hauptgrund und das wirklich schöne an Weihnachten.
Ein kluger Mann hat mal gesagt: Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht.
Ich bin versucht zu sagen: Gott sei Dank. Daran kann man vielleicht erkennen, dass ich schöne Weihnachten haben werde. ^^
Also, viel Spaß, tolle Gespräche, nette Fernsehabende, faszinierende Spielerunden, ansprechende Restaurantbesuche und was immer sonst ansteht. Aber tut es mit euren Familien.
Greetings,
Ace

P.S.: Wer als erster den Fehler in diesem Text findet, kriegt von mir eine Kurzgeschichte auf den Leib geschrieben. ^^b

Edit: Anscheinend habe ich die Frage falsch gestellt, weshalb ich den kleinen Wettbewerb für beendet erkläre. Der "Fehler" war: Ich habe den Text eins zu eins von meinem Weihnachtspost 2008 übernommen. Ist das wirklich niemandem aufgefallen?

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Afghanistan, Afghanistan

Das ferne Land am Hindukusch ist immer wieder ein Thema in der deutschen Medienlandschaft. Nicht zuletzt die "sensationellen Enthüllungen" zum Diebstahl zweier Tanklastzüge, wie BLÖD titelte und wie etliche Medien ungeprüft übernahmen, haben unsere kuschelweichen und Konfrontationsfremden Politiker sehr beschäftigt. Sehr zur Freude der BLÖD, die dadurch aber beinahe ihren neuen Liebling mit dem Haargel-Tick abgeschossen hätte.

Dass es auch anders geht, zeigt die Süddeutsche Zeitung mit einer unkommentierten Sammlung von Zitaten deutscher Soldaten, die in Afghanistan und besonders in Kundus dienen, und nach Hause geschrieben haben. Über Ängste, über Nöte, über Chancen, über unsere "Heimatfront", über Politiker, die nicht verstehen wollen wie es ihnen wirklich geht, dort unten, wo die Einheimischen für ihre Landschaft, wie einer der Schreiber titelt, bestimmt hundert Wörter für "braun" kennen sollten (in Anlehnung an das Sprichwort, die Eskimos hätten über hundert Wörter für Schnee). Und über die internationale Zusammenarbeit in einem Land, das von den Taliban in die Steinzeit zurückgedroschen wurde...
Lassen wir die Tatsachen außer Acht, dass die Landwirtschaft in Afghanistan stark vom Drogenanbau abhängig ist. Lassen wir außer Acht, dass die Taliban eigentlich pakistanische Pashtunen sind, die vom pakistanischen Geheimdienst trainiert und religiös indoktriniert wurden. Denken wir mal nicht an Al Kaida und an diesen Kumpel von Bush jr., den Osama bin Laden. Lesen wir einfach die kurzen und auch längeren Passagen über Lagerkoller, die Not der Bevölkerung, Hoffnungen und Wünsche, vor allem dass es den Leuten dort auch eines Tages besser gehen wird, und das Landkinder dort irgendwann einen Bleistift als solchen erkennen, wenn er ihnen geschenkt wird.

Als ich über unter anderem über Bildblog.de auf diesen Artikel stieß, habe ich nicht viel erwartet. Entweder Polemik FÜR oder Polemik GEGEN den Einsatz der Bundeswehr. Ich wurde positiv enttäuscht. Ich kann nur jedem raten, alle Seiten des Artikels durchzulesen und sich darauf eine eigene Meinung zu bilden. Mich hat es sehr erschüttert, überrascht, erschrocken, aber auch fasziniert. Und es weckt in mir einen Wunsch. Doch dazu vielleicht später mehr.

Dienstag, 22. Dezember 2009

So hat es ja kommen müssen...

...sagt nicht ich habe Euch nicht gewarnt.
Hans-Heinrich Sander, bei mir bis heute unbekannter FDP-Politiker in Niedersachsen und bei uns sogar Umweltminister, hat nach der Klimakonferenz gefordert, Atomkraft weltweit massiv auszubauen. Darüber berichten zum Beispiel Focus.de und HNA.de. Diese beiden Links stehen auch exemplarisch für den Artikel im Lokalteil der Leine Deister Zeitung, den ich gerade in der Hand halte, aber keine neuen Informationen hinzu fügt.
Herr Sander sagt, nun da der Klimagipfel gescheitert sei, müsse alles getan werden, um Co2-arme Energie zu erzeugen. Recht hat er damit. Leider schlägt er ausgerechnet Nuklearenergie als unseren neuen Heilsbringer vor. Zwar meint er beschwichtigend, vor der Laufzeitverlängerung müsse die "Prüfung der Sicherheit" stehen, und Gorleben müsse ernsthaft als sicheres Endlager festgestellt werden, aber dennoch verkauft er hier nur den Atomstromlobbyismus im neuen Gewand.

Okay, hierzu ein paar Gedanken mit Fakten aus dem Gedächtnis.
1) Die CDU, größter Atomlobbyist in der Politik, hat kürzlich auch über Laufzeitverlängerungen gesprochen, allerdings nur bis genügend alternative Energieerzeugungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Nicht einmal Frau Merkel wagt es, von unbegrenzten Laufzeiten zu sprechen. Kein Wunder, dass Herr Sander Merkel und Co. vorwirft, das Thema vor der wichtigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen auszuklammern, um das Interesse der Öffentlichkeit nicht allzu sehr auf diesen bestimmten Punkt im Parteiprogramm zu lenken, wo festgeschrieben ist, dass die Laufzeitverlängerung "sicherer" AKWs kommen wird.
Ich denke, der Herr Minister hat der CDU damit in zweierlei Hinsicht einen Bärendienst erwiesen. Einerseits vor der Landtagswahl das Thema wieder aufgewühlt, andererseits die Gorleben-Debatte zu einer Zeit neu angefacht, in der ein anderer Salzstock, die Asse, gerade traurige Berühmtheit als Ort erlangt, den man am liebsten nur noch zubetonieren und danach vergessen will. Leider löst das nicht das Problem zerrosteter Atommüllfässer, mittelstark strahlender und hochgradig strahlender Abfälle, die in der Asse nichts zu suchen haben, und die Hilflosigkeit der Betreiber, die seit dem letzten Grundwassereinbruch fürchten müssen, die gesamte Region über das Grundwasser radioaktiv zu kontaminieren.

2) Atomkraft ist NICHT billig und CO2-frei!
Alleine wenn wir uns das Uran betrachten, den Grundstoff für die Brennstäbe, kommen wir hier schon mal zu einem wichtigen Punkt. Uran wird im Ausland gewonnen, und dort meistens im Tagebau. Aber da man ja seit neuestem Solar- und Batteriebagger und -Lastwagen für den Abbau und Abtransport nutzt, fällt dort weder für Fahrzeuge, noch für Maschinen CO2 an. ;P
Ebenso wenig bei dem Transport und der Aufbereitung des Urans, was selbstverständlich vollkommen umweltfreundlich und mit Hilfe von Solarkraft geschieht.
Und was die Kosten angeht, Atomstrom ist IMMER NOCH hoch subventioniert. Würden wir für den Atomstrom den Preis direkt bezahlen, den wir jetzt über Steuern indirekt entrichten, dann wäre Deutschland binnen weniger Jahre von Windkrafträdern verspargelt.
Gut, gut, ein Punkt spricht für Atomkraft: Der hochgradig radioaktiv strahlende und extrem heiße Abfall liegt uns zwar noch fünfzigtausend Jahre auf der Tasche, aber bei der Stromerzeugung fällt kein CO2 an. Stattdessen wird Kühlwasser benötigt. Flüsse, die von AKWs genutzt werden, haben eine zwei Grad höhere Temperatur, sobald sie das Atomkraftwerk passiert haben. Das ist auch eine Form von Umweltverschmutzung.
Alternativen? Sicherlich. Wind-, Wasser-, und Solarenergie erzeugt nicht einmal beim Abbau und der Verarbeitung CO2, produziert dafür aber eine ganze Existenz lang Energie für uns. Da fällt das bisschen CO2, das bei der Errichtung und beim Bau der Teile anfiel, nicht so sehr ins Gewicht wie die ständig stattfindende Raffinierung von Uran.
Und auch Kohlekraftwerke sind längst keine CO2-Schleudern, wie sie es früher einmal waren. Die Technik entwickelt sich halt weiter. Auch in der Atomkraft ist das so. Die Zeit, in der Fusionskraftwerke Atomkraftwerke ablösen werden, ist nicht mehr fern. Deren Abfälle strahlen zwar auch, aber einhundert Jahre relativ kalt strahlender Müll ist im Gegensatz zum heutigen Atommüll geradezu einfach zu entsorgen.

3) Einen FDP-Mann zum Umweltminister zu machen ist ja schon ein starkes Stück. Wäre er Wirtschaftsminister geworden, Finanzminister, meinetwegen Arbeitsminister, dann klingt das nach der Kern(in)kompetenz der FDP. Aber Umweltminister?
Außerdem, ein Umweltminister, der Laufzeitverlängerung von AKWs fordert, wie geht das denn? Nur einen wahren Schelm würde hier der böse Verdacht beschleichen, die FDP hätte hier auf dem wichtigen niedersächsischen Umweltministerium (Gorleben, Asse, drei Kraftwerke) einen Pro Atom-Mann installiert, der ja, Amen und Halleluja zu allem ruft, was die Atomindustrie in irgend einer Weise fördert.
Das ist nicht der Auftrag, den die Wähler Ihnen erteilt haben, Herr Sander. Es wäre besser gewesen, Sie wären da geblieben wo Sie hergekommen sind: Im ferner liefen.

4) Jetzt muss also der Klimaschutz her halten. Das ist ja ein beliebtes Thema der Atomkraftbefürworter. Allerdings bedeutet die Laufzeitverlängerung ja auch eine Verlängerung der Subventionen, die von Steuergeldern - unserem Geld - bezahlt werden. Wir sprechen hier von einer guten Milliarde Euro pro Kraftwerk und zehn Jahren Laufzeit. Wäre ich Chef eines Atomkonzerns würde ich die CDU und die FDP mit Parteispenden vollpumpen, bis es ihnen zu den Ohren wieder raus kommt, denn soviel kann man denen gar nicht zustecken, wie die drei niedersächsischen Atomkraftwerke an Extra-Gewinn einbringen werden.
Schade für den Klimaschutz, der für dieses traurige Beispiel von Lobbyisten herangezogen und missbraucht wird. Und schade auch für China, das laut Herrn Sander neue Kraftwerke baut... Nachdem die aufstrebende Kulturnation den Dreischluchtenstaudamm erbaut hat, hätte ich erwartet das sie auf innovative und neue Energiegewinnungsmöglichkeiten setzen würden. Ja, zum Beispiel Wasserkraft. Oder Windkraft. Oder Solarenergie. China HAT ein paar ordentliche Wüsten für Solarenergieanlagen. Tja, eventuell wissen sie es nicht besser.
Sorry, Herr Sander, aber WIR wissen es besser. Deshalb werden AKWs bei uns ja auch abgeschaltet.

5) Was gibt es für eine Heilslösung, was führt uns aus der Misere? Wenn keine Kernkraftwerke, was rettet uns dann?
Tja, das absolute Erfolgsrezept habe ich leider auch nicht. Und ich würde schon sehr gerne auf Atomkraft verzichten, weil sie mit Uran eine endliche Ressource benötigt, hoch subventioniert ist und durch Lobby-Politik länger am Leben erhalten wurde als für uns alle gut ist.
Zudem kommt da noch das traurige Beispiel Asse und das drohende Dilemma Gorleben.
Aber ich weiß, dass wir mit Zeit, Anstrengung und Mühen genügend alternative Energien erzeugen können, um nicht länger auf Atomkraft angewiesen zu sein. Bereits jetzt ist Atomenergie hierzulande längst nicht mehr der stärkste Stromlieferant und krebst um die zwanzig Prozent rum. Den Rest schaffen wir auch noch.
Zudem sind wir hier in Norddeutschland eine der führenden Industrien auf dem Gebiet alternativer Energien. Wenn nicht wir, wer sollte es sonst schaffen?

Lieber Herr Minister für Unwelt, lassen Sie das Klima in Ruhe, es hat Ihnen nichts getan!
Kümmern Sie sich stattdessen lieber mal um Asse. Ich freue mich auf Fotos, dieSie mit Grubenhelm zeigen, während Sie sich in zweitausend Meter selbst ein Bild über den Wassereinbruch und die dadurch entstandene, hochgradig giftige und radioaktive Lauge machen. Danach bin ich bereit, Ihnen mehr Kompetenz und weniger Lobbyismus zu zu gestehen.

Wer mehr zum Thema lesen möchte, ich habe bereits einige Blogs dazu verfasst. Viel Spaß beim stöbern.

Montag, 21. Dezember 2009

7777

Okay, liebe Leser, die zehntausend bis Silvester schaffe ich wohl nicht auf Fanfiktion.de... Aber immerhin habe ich es jetzt bis zur nächsten Schnapszahl geschafft. ^^V
Siebentausendsiebenhundertsiebenundsiebzig Aufrufe habe ich heute beim einloggen verzeichnet.
Das bedeutet zwei Dinge:
1) Es ist nicht mehr weit bis zur Achttausend.
2) Seit April haben meine Romane, Kurzgeschichten, Essays und Gedichte über siebentausend Mal zum klicken und hoffentlich auch lesen verführt.

Dazu kommen einhundertundein Review, was mich besonders stolz macht. Dafür, das ich weder bei Harry Potter noch in einem anderen Klischee-Einselferkommi-Fanbereich schreibe, ist das ne ganze Menge. Und ich hoffe, es wird noch mehr. Also, liebe Leute, lest mich weiterhin. Je mehr Feedback ich bekomme, desto mehr schreibe ich auch. ^^b

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Der WDR geht mir auf den Senkel...

Warum? Nun, vor einiger Zeit berichtete WDR.de darüber, dass in der Gas- und Ölförderung radioaktive Abfallprodukte anfallen. Das klingt dramatisch. Ist es wohl auch. Zumindest für den WDR, wenn der zwangsläufig folgende Bericht nicht ähnlich reißerische Wirkung hat wie der neuliche Fernsehfilm über das Wundermittel Regividerm.
Im Bericht, welcher eine Reportage bewirbt, geht der WDR, bzw. der verantwortliche Redakteur sehr plakativ vor. Es ist die Rede von großen Mengen radioaktiver Substanzen, die mit Öl und Erdgas gefördert werden und entsorgt werden müssen. Es handle sich dabei häufig um das Isotop Radium226, welches aufgenommen in kleinsten Mengen tödlich wirkt.
...sacken lassen. Also, lieber WDR, schäm dich. Es ist nichts dagegen zu sagen, einen Fernsehbericht mit einem Artikel zu unterstützen und zu bewerben. Aber es ist eine Persiflage auf guten Journalismus, ein derart heikles Thema ohne Fakten und Zahlen belegen, inklusive einer Legende über das Isotop (Dass es sich um ein Isotop handelt, hast du auch verschwiegen, WDR) Radium226. Ich sehe jede Menge Schlagwörter, aber nichts handfestes.

Nun ist Radium an sich tatsächlich nicht ungefährlich, vor allem weil es ein Schwermetall ist. Darüber hinaus ist es selbst schwach radioaktiv (es emissiert hauptsächlich Alpha-Strahlung). Und da sind natürlich auch noch die radioaktiv strahlenden Isotope vom Radium, wie das im Artikel erwähnte Radium226, die natürlich ebenfalls im Radium selbst vorkommen und als Isotope durch den Zerfallsprozess selbst stärker strahlen. Aber ich verwehre mich nachdrücklich dagegen, dass der liebe WDR den Eindruck erweckt, die Ölförderung würde radioaktiven Abfall produzieren. Tatsächlich entstehen diese Abfälle, wenn nach Öl und Gas gebohrt wird. Die teils radioaktiven Rückstände werden mit dem Bodenaushub der Bohrung gefördert, wenn man durch Uranhaltige Gesteinsschichten bohrt. Das Öl an sich und das Erdgas strahlen nicht selbst.
Dazu kommt freilich noch, dass die Zerfallszeit von Radium226 rund 1602 Jahre beträgt, und das ist eine lange Zeit. Allerdings sagt dies noch nichts über die Gefährlichkeit der Strahlung an sich aus. Radioaktive Industrieabfälle aus Kernkraftwerken strahlen zum Beispiel rund 50.000 Jahre. Und sie gehören zudem zu den heißen, also Wärme emissierenden Abfällen, während die Abfälle der Förderindustrie auf z.B. kernfragen.de nicht einmal eine Erwähnung oder gar eigene Rubrik wert sind. Ein Schelm, wer deshalb gleich auf die Gefährlichkeit von Radium, bzw. dessen Radioaktivität schließt (oder seines Isotops Radium226), aber der Gedanke liegt nahe. So groß kann das Problem also nicht sein, das der WDR daraus macht.
Wikipedia.de sagt zum Thema Radium unter anderem, das es lange Zeit als Heilmittel galt; das war natürlich ein Trugschluss, aber immerhin kam es nicht sofort zum Massensterben der eifrigen Heilmittel- und Heilbadnutzer.
Auch erwähnt der Wikipedia-Eintrag, dass das Isotop Radium226 in wägbaren Mengen gewonnen werden kann, d.h., es kommt in Spuren im natürlichen Radium vor.

Also, ich sehe hier immer noch keinen großen Skandal. Natürlich müssen wir mit dem Thema der radioaktiven Abfälle sensibel umgehen, natürlich brauchen wir gerade für die stark strahlenden und "heißen" radioaktiven Abfälle aus der Kernenergie endlich ein vernünftiges Konzept (wie zum Beispiel keine mehr produzieren). Was wir aber nicht brauchen ist ein Sensationsheischender Bericht über Radium226, das bei Öl- und Gasbohrungen in Spuren aus Uranhaltigem Gestein gefördert wird, der die Thematik zum Skandal aufzublähen versucht.
Bitte, lieber WDR, ich lasse mich gerne eines Besseren belehren und von der Gefährlichkeit der Öl-Industrie überzeugen. Aber leicht hast du es bei mir nicht. Zu dilettantisch und zu plakativ war der Anheizer-Artikel.
Noch mal, um sicherzugehen: Zusammen mit Uran wird Radium gefördert... Radium, in dem Radium226 nur in Spuren vorkommt. Peinlich, peinlich, daran den ganzen Bericht hoch zu ziehen. Das ist BLÖD-Zeitungsniveau, würde ich normalerweise sagen, aber die war diesmal schlau genug, NICHT auf diesen Zug aufzuspringen.
Mehr Fakten, mehr handfeste Beweise, weniger Sensationsjournalismus ohne Grundlage, bitte.

Dienstag, 15. Dezember 2009

BILD bricht das Gesetz

Was so skurril richtig klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Bereits vor einigen Tagen und heute erneut berichtet Bildblog.de über die Regionalausgabe der BLÖD Bremen, die mal eben Horst Frehe, Sprecher für Rechtspolitik der Grünen in der Bremer Bürgerschaft den Satz in den Mund legte, er wolle den "Knast abschaffen".
Es stellte sich heraus - natürlich - dass der verantwortliche BLÖD-Redakteur René Möller nicht recherchiert und seine Zitate vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen hat. Nebenbei diskreditierte er im gleichen Abwasch auch noch mal Professor Johannes Feest, der in verschiedenen Bundesländern als Fachmann zum Strafvollzug gehört worden ist.

Bericht Nummer eins fand ich schon sehr interessant. Bericht Nummer zwei von heute noch viel mehr, denn das Berliner Landesgericht hat BLÖD Bremen dazu verdonnert, einen Widerruf zu drucken, der dem sachlich falschen Artikel entspricht. Das bedeutet eine halbe Seite Platz und mehrere Zentimeter große Buchstaben. Das interessante an der Situation: BLÖD Bremen hat die richterliche Frist verstreichen lassen und sich damit einem Urteil der Exekutive widersetzt.
Was folgt jetzt? Geldstrafen? Noch mehr Geldstrafen und danach eine neue Frist mit der Androhung noch höherer Geldstrafen? Oder im besten Fall Erzwingungshaft für den verantwortlichen Redakteur? Fakt ist aber, dass BLÖD Bremen ungesetzlich gehandelt hat, als es sich der richterlichen Verfügung widersetzt hat. Denn für BLÖD gelten die Gesetze ja nicht so wie für Privatpersonen und andere Institutionen des öffentlichen Lebens. So werden zum Beispiel Rügen des Presserats grundsätzlich persifliert.
Mal sehen, wer den längeren Atem hat, das Berliner Landesgericht, oder BLÖD Bremen. Es wird Zeit, den roten vier Buchstaben ein für allemal die Extrawurst weg zu nehmen und Chefredakteur Kai Diekmann klar zu machen, was eine Zeitung in Deutschland darf und was nicht.
Dass sie gegenüber der Öffentlichkeit eine Pflicht der Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und guten Recherche hat, verlange ich ja nicht mal von ihm. Wir wollen ja nicht riskieren, dass die Sonne explodiert.

Edit am 21.12.: Von mir unbemerkt berichtet Bildblog.de schon am 18., dass BLÖD Bremen dem Gerichtsentscheid gefolgt ist und sich für die unwahre Berichterstattung entschuldigt hat.
Na also, geht doch.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Wunder gibt es immer wieder

Und manchmal erwischen sie auch den Richtigen.
Vor vier Jahren habe ich mich für die Kommunalwahlen in Niedersachsen für den Ortsrat aufstellen lassen. Ich trat damals für die SPD an, und bekam leider nicht genügend Stimmen, um Ratsmitglied zu werden.
Vier Jahre später ist einer der SPD-Ratsmitglieder wegen gesundheitlicher Schwierigkeiten zurück getreten. Und man höre und staune: ICH bin der nächste Nachrücker, nachdem mein Vormann aus beruflichen Gründen abgesagt hat!
Tja, besser spät als nie. Ich bin schon etwas mehr als zehn Jahre im Vorstand tätig; wir reißen hier nicht gerade Bäume für meinen Heimatort aus, aber es geht schon um konstruktive Arbeit in der Gemeinde. Jetzt endlich komme ich dazu, der Fraktion nicht nur mit meiner Meinung beizustehen (und meiner Hilfe bei den diversen Veranstaltungen), sondern auch mit meiner Stimme.
Okay, ich gehe nicht davon aus, das hiermit mein kometenhafter Aufstieg in der SPD beginnt. Siegmar Gabriel, Du kannst beruhigt sein.
Und ich glaube auch nicht wirklich daran, dass ich zwangsläufig hier im Ort oder in unserer Samtgemeinde die höchstmöglichen Weihen erringe. Aber ich denke, dass ich bis zu den nächsten Wahlen im September 2011 effektiv in die Ratsarbeit rein schnuppern kann, mich etwas profiliere und im bestmöglichen Sinn meiner Mitbürger arbeiten kann, ohne zum Stichwortgeber oder Ja-Sager zu verkommen. Verantwortungsbewusstsein und Bürgerinteresse werden sich die Waage halten. Und wer weiß, vielleicht liegt mir die Ratsarbeit so sehr, so das ich 2011 mit meiner Wiederwahl rechnen kann. :D

Oh, ich liebe die Demokratie. Drückt mir die nächsten anderthalb Jahre die Daumen. d^^b

Freitag, 11. Dezember 2009

(K)einmal Gewinner des Tages in BILD sein...

Oh ja, es kommt vor. Manchmal werfe ich tatsächlich einen Blick auf die BLÖD-Zeitung, und wenn ich besonders kurios bin, nehme ich sie in die Hand und drehe sie um. Heute erwartete mich eine Meldung, Notiz oder wie immer man die Rubrik Gewinner/Verlierer des Tages nennen möchte, die mir Hoffnung macht.
Unter Gewinner war diesmal Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ, zu finden. Grund war sein Buch Payback, das einhundertfünfzigtausendmal verkauft wurde, und in dem er laut Psychologie-Professor Peter Kruse seinen Unwillen über das Internet in Worte fasst - unfähig, sich wirklich mit der Thematik zu beschäftigen.
"Das Internet macht das Gehirn weich!", zitiert die BLÖD Schirrmacher, lässt es aber offen, ob sie den Redakteur wegen des Verkaufserfolgs seines Buchs oder wegen dem Buch an sich zum Gewinner des Tages ernannt hat.

Die gute Nachricht dabei ist: Wenn BLÖD tatsächlich Schirrmacher folgt - entweder wegen seinen unzeitgemäßen Theorien oder aus Angst, auch die Hirne der BLÖD-Redakteure könnten weich werden - dann bleibt uns in Zukunft der unsägliche Online-Auftritt der BLÖD-Zeitung erspart. Da kann man nur hoffen und beten, dass Herr Diekmann konsequent bis zum Ende ist.
Lasst uns alle dafür die Daumen drücken. Denn es wäre immerhin ein Anfang.

Nachtrag: Gerade auf Spiegel.de gefunden. Lobo vs. Schirrmacher.
Lobo gewinnt nach technischem K.O. ^^

Donnerstag, 10. Dezember 2009

U.S.-Regierung warnt vor Schweinegrippe-Epidemie... 1976?

Richtig gelesen. Gerade bin ich über mehrere Links via Bildblog.de, FAZ.de und weltwoche.ch auf Youtube gelandet. Dort wurde Usern wie mir der Tipp gegeben, nach den Schlagwörtern "Swine Flu 1976" zu suchen.
Als Ergebnis landete ich bei einem zweiteiligen Enthüllungsbericht der CBS-Sendung 60 Minutes, die dem Propagandafeldzug folgt, der zur Impfung von 42 Millonen Amerikanern führte, sowie den dreiundvierzigtausend Amerikanern, welche die Regierung wegen Folgeschäden der Impfung verklagt.
Durchaus sehenswert, um Soll und Ist unserer Tage zu vergleichen. Außerdem unterstreicht es wieder mal, dass heiße Luft nicht gefährlich ist. Ausgelöst hatte die Geschichte damals ein Private in der Army, der aus dem Krankenbett heraus gezwungen wurde, an einem längeren Marsch teil zu nehmen. Das mit dem Krankenbett verschwiegen die offiziellen Stellen, betonten aber den "überraschenden und plötzlichen Todesfall eines jungen, gesunden Menschen".
Ein Schelm ist, der dabei Parallelen zur heutigen Zeit entdeckt.

Aber ich bin auch auf anderen Quatsch gestoßen, der sich nahtlos daran anschließt.
Ich habe dieses Jahr schon einmal erwähnt, dass ich eher ein Verfechter der Impfung bin und es sehr bedaure, dass der Impfung an sich durch die H1N1-Hysterie ein Bärendienst erwiesen wird. Prompt stoße ich auf "Lasst euch nicht impfen"-Videos. Nun, solange sie sich nur um Schweinegrippe drehen, ist alles in Ordnung. Ausgemachte Impfgegner hingegen sind mir ein Dorn im Auge.
Auch stieß ich auf ein Video, das Obama im Titel vorwarf, einen Plan entwickelt zu haben, die Bevölkerungszahlen zu senken und dafür den Schweinegrippe-Impfstoff zu missbrauchen.
Leider aber produziert eine Firma an der Rumsfeld Anteile hat, den Impfstoff. Ich bezweifle auch ernsthaft, dass Barry überhaupt Zeit hatte, sich einen solchen perfiden, hirnrissigen, abstrakten und darüber hinaus paranoiden Plan auszudenken. Das passt dann doch eher zu George "Dubia" Bush. ...Okay, da er nur eine Marionette war, zu seinen Beratern. Und da finden wir, wen wundert es, Donald Rumsfeld.

Letztendlich komme ich zu folgendem Schluss:
Risikogruppen sollten sich gegen die reguläre Grippe impfen lassen.
Wenn Du Grippe oder Schweinegrippe hattest, kuriere dich ordentlich aus, denn die große Gefahr ist nicht die Krankheit, sondern der geschwächte Kreislauf und das angegriffene Herz NACH der Infektion.
Lass dich nicht gegen Schweinegrippe impfen, vor allem nicht wenn du sie schon hast oder sie in deinem Umfeld bereits aufgetreten ist.
Ich glaube einfach nicht daran, dass Pharma-Unternehmen ihren eigenen Kundenkreis ausrotten wollen, um eine obskure Menschenreduzierungspolitik zu betreiben. Selbst bei allergrößter Skepsis rate ich, statt auf die großen Konzerne wie Roche eher auf die Medikamente europäischer mittelständischer Unternehmen zu wechseln, die es sich nicht leisten können, ihren Kundenstamm auszurotten.
Wenn sich das Schwänzchen noch nicht kringelt, ist es auch keine Schweinegrippe.

Schwulen Dieben droht die Todesstrafe beim Benzinklau?

Manch einer wird sich wundern, was für eine Überschrift ich diesmal über meinen Blog gesetzt habe. Manch einer wird sie als Quatsch abtun, auch wenn alle Aspekte in diesem Blog hinreichend erklärt werden. Aber manch einer muss dann auch einsehen, dass er die Überschrift gelesen und sich damit auseinander gesetzt hat. Zweck erfüllt. ^^V


Heute habe ich zwei Themen auf dem Herzen. Thema eins behandelt Afghanistan und den Luftangriff in Kundus. Nachdem die BLÖD gebasht hat, oder umgangssprachlich mit großen Schlagzeilen und ohne neue Fakten Druck ausgeübt hat, ist die Bundesregierung massiv eingebrochen, hat den Verteidigungsminister entlassen, einen neuen -hust- Fachmann auf den Ministerposten gehoben... Hat alles nichts genützt. Die deutsche Presselandschaft hat das Bashing aufgenommen, hackte auf der Bundeswehr herum und ließ die Publicity-süchtige Bundesregierung gefährlich wanken. Denn wenn sie sich eines nicht leisten kann, dann einen Verlust der Popularität. Dann würden Fragen auf den Tisch kommen, Forderungen der Partner-Parteien, und letztendlich das Ende der Koalition.
Was war gleich passiert? Taliban-Rebellen haben zwei Tanklaster für die Bundeswehr geklaut. Dabei wurde ein Fahrer erschossen. Was mit dem anderen passiert ist, weiß ich nicht. Auf der Flucht blieben die Taliban im schlammigen Ufer eines Flusses stecken. Gegen zwei Uhr in der Nacht, nachdem Beobachter und Kampfjets massive Bewaffnung der über hundert Personen großen Taliban-Gruppe gemeldet hatten (Panzerfäuste), entschied sich der Befehlshaber des Kundus-Camp zu einem Luftschlag. Beide Tankwagen wurden getroffen und vernichtet.
Am nächsten Tag lieferten Anwohner einen Jungen mit schweren Verbrennungen in ein örtliches Krankenhaus ein und bezeichneten ihn als Opfer des Luftangriffs. Ab hier wird es verwirrend, denn plötzlich waren mehr Zivilisten vor Ort als Taliban. Über hundert starben.
Die BLÖD hat gebasht, Regierung Merkel hat gekuscht. Drei Millionen Euro Entschädigung soll es an die Hinterbliebenen der Opfer geben.
Was, bitte? Entschädigung? Wofür? Dafür, das sie sich um zwei Uhr Nachts zwischen Taliban rum getrieben haben, in Angriffsreichweite zur Bundeswehr, welche die Taliban bekämpft? Wenn das nicht schon als eigene Dummheit gilt, dann weiß ich auch nicht.
Nun stellte sich heraus, das die Zivilisten "Benzin abzapften, um Generatoren zu betreiben oder um es zu verkaufen".
Im Sommer habe ich gesagt, dass ich nur zwei Erklärungen dafür habe, dass sich Zivilisten unter Taliban aufhielten: Entweder seien sie Kombattanten oder menschliche Schutzschilde.
Jetzt wissen wir, dass sie Benzin haben wollten. Das bringt uns zur dritten Erklärung: Es waren Diebe.
Reden wir nicht über Not und Elend in der Bevölkerung (woran die Taliban am ehesten Schuld haben), reden wir nicht über enge Versorgungslagen, reden wir nicht über Dinge, die vielleicht so oder so gerechter sind. Reden wir stattdessen über Gesetz.
Das Strafgesetz in Afghanistan ist dank Präsident Karsai und seiner Regierungsmannschaft, und abgenommen vom Parlament, die Sharia. Der alte, ehrwürdige und sehr strikte Gesetzestext aus dem Koran.
Also, ich fasse zusammen. Taliban stehlen Benzin, das für die Bundeswehr bestimmt und eventuell bereits bezahlt ist. Dabei töten sie einen Fahrer.
Mitten in der Nacht kommen gute hundert Zivilisten zu den stecken gebliebenen Lastern, um gestohlenes Benzin zu bekommen. Das macht sie m.E. ebenfalls zu Dieben. Wer, zum Henker, glaubt denn wirklich daran, dass Nachts um zwei einhundert Wohltäter auftauchen und gratis Benzin verteilen, das ihnen auch noch gehört? Die zivilen Opfer haben gewusst, in welche Gefahr sie sich begeben. Immerhin herrscht in ihrem Land ein Jahrzehntelanger Bürgerkrieg dank der Taliban. Wenn sie es nicht gewusst haben, zweifle ich am menschlichen Verstand. Von der Bundeswehr hätten sie sicherlich erwarten können, ein paar Dutzend Liter für Generatoren und dergleichen geschenkt zu bekommen, aber doch nicht von den pakistanischen Taliban. Richtig, Pakistan hat die Taliban aufgestellt, ausgerüstet und trainiert und DANACH das Land erobern lassen. Pakistans einziger militärischer Erfolg, laut dem pakistanischen Schriftsteller Tariq Ali.
Das Merkwürdige daran ist: Als Taliban, die bereits einmal einen Gottesstaat errichtet haben müssen sie eigentlich wissen, was die Sharia für Diebstahl vorsieht: Der linke Fuß und die rechte Hand werden abgeschlagen. Die Menschen, die von ihnen gratis Benzin erhielten wussten das auch. Immerhin hat ihr eigenes Parlament für die Sharia gevotet.
Diebe gehören bestraft, vielleicht nicht nach der Sharia, aber dennoch bestraft. Auf keinen Fall sollte man sie stattdessen entschädigen.
Nein, wir reden nicht über Notlagen, Notwendigkeiten und dergleichen. Die Bundeswehr ist im Gegensatz zu den Taliban vor Ort, um die Situation der Menschen zu verbessern. DAS sind Notwendigkeiten. Und die Sharia ist in diesem Fall auf der Seite der Bundeswehr.


Kommen wir zu den Schwulen. Kommen wir zu Afrika, kommen wir zu Uganda.
Als Heterosexuell orientierter Mann mit wenigen wirklichen Kontakten zu Schwulen bin ich nicht gerade ein Fachmann. Dennoch wage ich zu behaupten, das ich ein weltoffener und toleranter Mensch bin, dem das Thema Homosexuelle keine Angst macht, der unvoreingenommen und gerecht damit umgehen kann. Und genau diese Eigenschaften sind es, die mir bei dem, was gerade in dem ostafrikanischen Land vorgeht, das Bedürfnis weckt, die Hände vors Gesicht zu schlagen ob dieser Unwissenheit, Intoleranz und Ignoranz.

In Uganda ist nämlich folgendes geschehen: Der Abgeordnete David Bahati hat laut Spiegel Online einen Gesetzentwurf ins Parlament eingebracht, der die Todesstrafe für Schwule vorsieht. Natürlich nur für gleichgeschlechtliche Vergewaltigung, wenn man als HIV-Infizierter Schwuler sexuell aktiv ist, oder halt für Serientäter.
Als normaler Durchschnittsschwuler, der seinen Sexualtrieb nicht unterdrücken oder seine sexuelle Gesinnung nicht leugnen kann, riskiert man nur lebenslange Haft.
Ach ja, der Entwurf sieht natürlich auch vor, dass man als Vermieter gegen Androhung von Haftstrafen an Schwule nicht vermieten darf. Simple Begünstigung oder gar Beihilfe, wie immer die aussieht, soll nur läppische sieben Jahre Knast kosten.

Die Begründung ist haarsträubend. Es geht David Bahati nicht um die Eindämmung von HIV, sondern darum, dass "Jugendliche nicht mehr von Schwulen angeworben werden".
Nach Bahati investieren westliche Schwulenorganisationen Unsummen an ugandischen Oberstufen, um Jugendliche zu schwulen sexuellen Handlungen zu motivieren.
Der Lehrer Kisambira sagte dazu: "Eine Menge Schüler seien zu Schwulen gemacht worden."
...sacken lassen.
Tatsache ist, dass die afrikanischen Schwulen in den stark patriarchisch orientierten afrikanischen Ländern immer selbstbewusster und immer offener auftreten, ihre sexuelle Orientierung nicht länger verstecken. Und Tatsache ist, dass dies einigen Leuten ein Dorn im Auge ist, weil es an der traditionellen Rollenverteilung und damit am Patriarchat rüttelt.
Da müssen dann westliche Schwulen-Organisationen schon mal dafür her halten, um aus harmlosen Schülern "Schwule zu machen".
Der Gesetzesentwurf hat bereits internationalen Protest ausgelöst und wird es weiter tun. Andere afrikanische Länder wie Burundi, Kenia und Nigeria stoßen ins gleiche Horn und haben teilweise schon sexuelle Handlungen unter Homosexuellen unter schwere Strafe gestellt.
Tja, da bleibt nur eine Frage: Wird sich diese intolerante, an Schwachsinn grenzende Propaganda-Lüge für die Sündenbocksuche auch weiter durchsetzen und selbst liberalere Länder erfassen und geisseln, oder wird das ganze Lügengebilde, einmal ins Licht der internationalen Öffentlichkeit gezerrt, in allen genannten Ländern in sich zusammen fallen?
Die Argumente sind unsachlich, fadenscheinig und von einer nicht nachvollziehbaren, tiefen Homophobie geprägt. Ich sag's ja, da wird für innerstaatliche Probleme ein universeller Sündenbock gesucht.

Homosexuelle hat es schon immer gegeben, und wird es auch immer geben, solange es Menschen gibt. Sie haben sich diese sexuelle Orientierung nicht ausgesucht, ihre biologische Programmierung macht sie halt dazu. Ein gewisser Prozentsatz der Menschheit wird eben immer schwul sein. Und warum auch nicht? Lasst sie leben, wie sie es wünschen.
Das gleiche gilt für Afrika. Die Homosexuellen wurden hier nicht aus dem Hut gezaubert oder als Mode von westlichen Organisationen eingeführt. Es gab sie dort schon immer und wird sie auch in Zukunft dort geben. Sie "ein Jahr einsperren und ihnen sagen, sie sollen das nicht mehr tun" wäre das gleiche wie einer Gazelle zu sagen, sie solle nicht mehr laufen. Ich sehe eigentlich mehr Aufklärungsbedarf in diesem Trauerspiel. Und mit verängstigten Homophoben muss man sich halt Zeit nehmen, um sie von ihren unbegründeten Ängsten zu befreien.
Obwohl, solange in England christliche Gemeinschaften Therapien anbieten, die Schwule "heilen" können, müssen wir selbst auch noch einen langen Weg gehen.

Mr. David Bahati, wir haben ein Sprichwort in Deutschland: Wer quietscht, will geölt werden. Sind Sie eventuell selbst schwul und versuchen das zu überdecken, Mr. Bahati?