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Mittwoch, 24. Oktober 2018

"Totaler Blödsinn" in der Leine Deister Zeitung am Dienstag, dem 23.10.2018

So. Gestern war ein dicker Artikel auf der Titelseite der Leine Deister Zeitung. Die vordere Hälfte ist der regionale Teil, zumindest seit der Zeitungsreformierung vor ein paar Jahren, daher hat die Lokalredaktion ihn zu verantworten. Geschrieben hat ihn Frau Jennifer Klein.
In dem Artikel geht es um die falsche Debatte über die Klingelschildmeldung aus Wien, wo ein Mieter zur alten Regelung zurückkehren wollte, dass nur seine Apartmentnummer auf der Klingel stehen dürfe, aber nicht sein Name und darum, dass prompt die halbe Welt glaubt, die EU wolle den Namen am Klingelschild ausradieren.
Drei örtliche Vertreter der hiesigen Fachwelt kommen zu Wort, aber allen dreien enthält Frau Klein ihr Fazit vor: Die DSGVO regelt die Klingelschildnamen überhaupt nicht. Stattdessen dürfen die Personen ihren unnötig angestachelten Unmut loswerden und geben teilweise gute Ratschläge... wenn die EU Namen an Klingelschilden tatsächlich verbieten würde. Was sie aber nicht tut.
Darum habe ich einen Brief an sie verfasst, den ich Euch nicht vorenthalten will.
Wirklich, wir sollten die EU-Debatte nicht auch noch damit befeuern, dass wir Falschmeldungen als richtig verkaufen.
 
Here we go:
Alexander Kaiser
[...]
 
LDZ
Z.Hd. Frau Klein
Junkernstr.13
31028 Gronau



Betr.: Ihr Artikel auf der Titelseite am Dienstag, dem 23. Oktober

Sehr geehrte Frau Klein,

ich beziehe mich auf Ihren Artikel "Totaler Blödsinn" auf der Titelseite der LDZ am 23. Oktober, namentlich am Dienstag.
Ich kann Ihnen hier schon sagen, dass Sie sich sicher nicht über meine Mail freuen werden.

Ich bringe es mal knackig auf den Punkt: Hätten Sie den vorletzten Satz zuerst geschrieben, nämlich dass die Namensschildern an den Türklingeln vom DSGVO überhaupt gar nicht geregelt werden, dann hätten Sie eine knackige, kurze, sinnvolle Nachricht eingebracht, die für die LDZ einen aussagekräftigen Schlussstrich um die Klingelspruchdebatte gesetzt hätte.
Mir ist bekannt, dass der Sachverhalt über den Wiener Mieter ein anderer ist, als die meisten Medien dies darstellen, dass dieser Mieter zur "Apartmentregelung" zurückkehren wollte und nicht länger seinen Namen auf der Klingel und seine Nummer zurück haben wollte und dafür Recht bekam, etwas, was uns überhaupt nicht betrifft, da bei uns weder jemand klagt, noch die Vergabe von Apartmentnummern statt Namen auf den Klingelschildern üblich ist.
Sie aber lassen Herrn Willi Runne, Herrn Johannes Andreas Frey und Frau Ulrike Freimann zu Wort kommen und ihre Sicht auf die Klingelschilddebatte zum Besten geben. Dabei enthalten Sie allen dreien Ihre Erkenntnis im vorletzten Satz vor. Heraus kommen drei Meinungen, die mit der tatsächlichen Regelung überhaupt nichts zu tun haben, außer die EU fälschlicherweise zu kritisieren.

Den Vogel aber schießen Sie mit Ihrem Schlusssatz ab. Ich zitiere einen Teil des vorletzten Satzes und den letzten Satz: "[...]Namen an Klingelschildern fallen nicht in den Anwendungsbereich der neuen EU-Regeln. Wer aber weiß schon, welche Debatte die Datenschutz-Grundverordnung als nächstes auslöst..."
Falls Sie vorhatten, einen negativ konnotierten Artikel über die EU zu verfassen, kann ich Ihnen nur gratulieren, das ist Ihnen spätestens mit dem Vorwurf und der (unsinnigen) Erwartungshaltung im letzten Satz super gelungen.
Falls Sie das nicht vorhatten und nur einen Artikel zu Ende bringen wollten, in dem Sie viel Arbeit investiert haben, der am Ende wegen des vorletzten Satzes fast ad absurdum geführt wurde, weil Sie die Information später bekommen haben (und mit dem letzten Satz prompt relativierten), dann muss ich Ihnen sagen, dass dies die falsche Reihenfolge Ihres Vorgehens war.

Ich verstehe nicht, wie Sie bei solch einem Fazit einen Platz auf der Titelseite bekommen haben, da sich der Artikel dadurch selbst überflüssig macht, und ich verstehe nicht, warum Sie die beiden Herren und die Dame nicht über Ihr Fazit informiert haben. All das war kein gutes Stück Journalismus.

Ich weiß, das gehört jetzt vielleicht nicht so ganz hierher, aber über Journalismus habe ich gelesen: "Wenn einer sagt, es regnet, und ein anderer sagt, die Sonne scheint, ist es nicht Aufgabe des Journalisten, über beide Meinungen zu schreiben, es ist seine Aufgabe, zum Fenster zu gehen und zu schauen, wer Recht hat."
Einen Artikel über eine durch falsche Informationen ausgelöste Debatte zum Thema Klingelschild hätte ich sehr begrüßt. Diesen Artikel nicht.

Mit freundlichen Grüßen,

Alexander Kaiser

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