Dienstag, 27. September 2011

Wann ist eine Sucht eine Sucht?

Bitte den Titel meines heutigen Blogeintrags mit der Melodie von Herbert Grönemeyers Hit "Männer" im Ohr lesen.
Und so wie ich angefangen habe, mache ich auch gleich weiter. Erzwungen witzig.

In meiner Tageszeitung, der LDZ, wurde heute eine Studie der Bundesregierung vorgestellt, nach der etwas mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland Internetsüchtig sind. Grund? Sie verbringen mehr als vier Stunden am Tag im Web.
...sacken lassen.
Verschiedene Medien verbreiten diese Information auch im Internet. Aber seltsamerweise hauen diese Medien der Studie sprichwörtlich auf die Finger, so die Hamburger Morgenpost und N-TV.de.
...sacken lassen.

Gehen wir die Sache doch mal, ha, ha, sachlich an. Was haben wir hier? Eine von der Bundesregierung, genauer gesagt dem Bundesministerium für Gesundheit geförderte Studie zum Thema Internetsucht der Universität Lübeck.
Ich persönlich wehre mich vehement dagegen, dass ich als Süchtiger bezeichnet werde. Immerhin bin ich im Durchschnitt vier Stunden am Tag im Netz, und ich fühle mich keineswegs süchtig. Wikipedia beschreibt die Internetsucht so:

"Internetabhängigkeit verursacht wie andere Verhaltensstörungen die Vernachlässigung üblicher Lebensgewohnheiten, sozialer Kontakte, der persönlichen Versorgung und Körperhygiene, da ein Großteil der zur Verfügung stehenden Zeit im Internet verbracht wird. Im Extremfall kann die virtuelle Welt zu einem vermeintlich vollständigen Ersatz für sonstige reale soziale Kontakte werden und damit zu sozialer Isolation führen.

Nach außen wird die Sucht verheimlicht oder man will sie nicht wahrhaben, verharmlost sein Verhalten. Ist der PC defekt, kommt es zu Entzugserscheinungen wie schlechter Laune, Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen oder Schweißausbrüchen. Unter Umständen schlägt sich die Abhängigkeit auch in Faulheit nieder und in der „Erkenntnis“, dass das Leben ohne Computer sinnlos sei. [...]"
..sacken lassen.

Gehen wir nach der Definition von Wikipedia und nach den Erkenntnissen der Uni Lübeck, so begegnen uns ein halbes Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands nicht mehr auf den Straßen, beim Einkaufen, im täglichen Leben, auf der Arbeit, weil sie ihr Leben vollkommen auf das Internet konzentrieren - oder eben dieses gute halbe Prozent stinkt fürchterlich... Oder beides.
...sacken lassen.

Ja, es ist wahr, es gibt dieses Faktum, Internet-Sucht. Und ja, es ist ein Problem. Vor allem für die Betroffenen, wenn sie denn merken, was mit ihnen geschieht.
Auf Youtube gibt es, wenn man lange sucht, schöne Videos von Leuten, die z.B. ihre WoW-CD's zerstören. Sieht effektvoll aus, aber wir wissen ja alle, dass man die Software-CD's heutzutage nicht mehr braucht; solange der eigene Account existiert, kriegt man die Software von Blizzard gratis im Download.
Warum ich WoW anspreche? Weil es ein Beispiel ist, das oft gewählt wird, um Internet-Sucht zu beschreiben.
Die verlockende, virtuelle Welt, die Ersatz für das normale Leben sein soll, entführt, verführt und treibt ins Verderben?
...sacken lassen.

Ich stelle jetzt einmal eine sehr gewagte Hypothese auf, bevor ich ein wenig über mein Konsumverhalten schreibe. Diese Hypothese lautet: Menschen, die Internetsüchtig sind, sind auch anfällig für andere Formen der Sucht.
All jene, die World of Warcraft, Facebook, soziale Netzwerke im Allgemeinen, Internetforen, Communitys egal welcher Form, usw, für die Schuldigen der Sucht der Betroffenen halten, vergessen m.E. Ockams Skalpell:

"1)Von mehreren möglichen Erklärungen ein und desselben Sachverhalts ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.
2)Eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält, die in klaren logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt logisch folgt."

Im Anbetracht von zwölf Millionen WoW-Spielern weltweit und einhundertfünfzig Millionen aktiven Nutzern von Facebook speziell, und fast einer Milliarde Nutzer von sozialen Netzwerken weltweit stehen wir hier vor dem Umkehrschluss. Gibt es draußen in der Welt eine Milliarde Internetsüchtiger, oder sind Internetsüchtige süchtig, weil sie zur Sucht an sich neigen, und das Internet ihr Medium geworden ist?
Ich neige für mich persönlich zu entscheiden, dass zu den üblichen Süchten wie Spielsucht, Trinksucht, Drogensucht, Nikotinsucht und Telefonsucht, die kleineren Süchte außen vor gelassen, nun auch noch die Internet-Sucht hinzu gekommen ist.
Und ich neige dazu festzustellen - nein, nicht dass Internet-Süchtige selber Schuld an ihrem Dilemma sind, das wäre zynisch und zeigt nur, dass das soziale Umfeld dieser Menschen hilflos ist - dass Internetsüchtige in der Tat auch eine andere Sucht haben könnten als das Internet. Wir könnten es labeln wie wir wollen, irgend etwas bleibt immer, wonach man süchtig werden kann. Problematisch wird es natürlich, wenn Menschen, die eigentlich gar nicht dazu neigen, nach irgend etwas süchtig werden. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel, und das wäre vielleicht wirklich mal eine Studie der Universität Lübeck wert, festzustellen, ob Menschen generell zu Süchten neigen können.
N-TV und MoPo reduzieren die Zahl dann auch flink von 560.000 Internet-Süchtigen auf die schweren Fälle mit rund 56.000.
...sacken lassen.

So, gleich beschreibe ich mal mein eigenes Internet-Verhalten. Aber vorher kommt noch mein Fazit: Natürlich sollte man die Zahl der Internet-Süchtigen nicht beschönigen. Das sind Menschen, die im Moment keine Hilfe bekommen, keine Anleitung und keine Unterstützung. Im Umkehrschluss darf man aber nicht jeden, der im Schnitt vier Stunden vor dem PC und/oder im Internet verbringt als süchtig, Sozialversager oder klassischen Nerd abstempeln, der sich nur von Bringdienst-Pizza ernährt und nicht mehr wäscht.
Dies ist beiden Gruppen gegenüber unfair, den Süchtigen ebenso wie den normalen Internet-Nutzern.


So, wir kommen zum Highlight. Wir kommen zu meinem Verhalten im Umgang mit dem PC.
Ich möchte aber sehr viel früher anfangen, sehr viel weiter ausholen. Erinnert sich noch jemand an "Pong"? Dieses Spiel mit dem Tennisfeld, den beiden Balken und dem Ball? Eine supersimple Form des Computerspiels, aber damals so populär, dass eigens Geräte für den Hausgebrauch gebaut wurden, die nur dieses Spiel beherrschten.
Ich selbst habe auf so einem Gerät meine ersten Erfahrungen gesammelt.
Dann kam der Atari 2600. Kennt den noch jemand, mit seiner Vielzahl an Blöckchengrafik-Spielen wie Pitfall und Tank Commander?
Darauf folgte bei mir der C64 II, und auch heute noch habe ich Spiele wie Pirates!, Kaiser, Wizball und Pool of Radiance in liebevoller Erinnerung.
Zeit, ein Fazit zu ziehen. Mit diesen Geräten und einem eigenen Fernseher, ja, damals gab es noch keine Monitore für diese Zwecke, pflegte ich zu spielen. An schlechten Tage durchaus mal sechs Stunden. Nur zu spielen, wohlgemerkt. Dennoch hatte ich, als ich jünger war, meine Zeit auf unserem Bolzplatz, in meinem Freundeskreis, und als ich älter wurde, meine Zeit in meiner Clique, vornehmlich Abends und dann da, wo die Nikotin-Süchtigen ungesehen von den Eltern rauchen konnten. Habe ich zum Glück nie angefangen. Nicht, dass ich es nicht versucht hätte, aber das Zeug schmeckt mir nicht und gibt mir auch nichts.
Merkt Ihr was? Ich habe Zeit für meine Spiele genommen, aber ich bin nicht durch das soziale Netzwerk gefallen, das ich mir in den Jahren herangezüchtet hatte.

Überspringen wir mal den Amiga und die allerersten PC's, die ich in einer Zeit zum Spielen, und - oho, es wird interessant - für das Schreiben nutzte, und kommen wir in jene Zeit, in dem ich im Internetzeitalter ankam.
Es begann mit einem eigenen Telefon für mich, und daraufhin mit einer Internetverbindung mit 56K-Modem. Ich hatte plötzlich eine E-Mail-Adresse, und fand prompt mein erstes Internet-Forum, in dem ich auch heutzutage Zeit verbringe, dort sogar als Moderator tätig bin: The World of Battletech. Das war im Jahr 2000, und eröffnete mir eine völlig neue Welt.
Wie schon gesagt, zu diesem Zeitpunkt benutzte ich bereits den PC, um zu schreiben. '96, als ich damit startete, begann ich damit, ältere handgeschriebene Texte abzutippen, später schrieb ich immer weniger vor, ich wurde schneller an der Tastatur, und tippte direkt in Word. Heutzutage habe ich viele, viele angefangene Ideen und Texte, die ausschließlich am PC geschrieben wurden.
Heutzutage schreibe ich sehr viel am PC, für meine Geschichten und Romane, hier in meinem Blog, in den Foren, in denen ich moderiere, und surfe nebenbei im Netz. Deshalb kann man meine Arbeitszeit am PC kaum von der Zeit differieren, die ich im Netz bin. Das läuft nebenbei, und deshalb ist die Studie auch unfair zu mir und meinesgleichen.


Kommen wir weiter, kommen wir zu sozialen Netzwerken, Youtube und Facebook. Und ja, auch zu World of Warcraft.
Ich gebe zu, in die sozialen Netzwerke bin ich erst vor knapp vier Jahren gekommen. Über eine Freundin lernte ich MySpace kennen. Später, über eine weitere Freundin, kam MeinVZ hinzu, und schließlich, gegängelt vom Trend (und dem 50 Jahre, 50 Geschichten-Projekt), trat ich dieses Jahr auch Facebook und Google+ bei.
Ich möchte nicht behaupten, dass ich hier täglich präsent bin. MeinVZ besuche ich nur, wenn mich eine Mail informiert, das mir jemand etwas geschrieben hat. Ebenso MySpace. Auf Facebook schaue ich, wenn ich nicht benachrichtigt werde, bestenfalls einmal die Woche rein, wenn ich daran denke. Und Google+, das nicht gerade vor Aktivität überschäumt, habe ich viermal aufgesucht, seit ich da gemeldet bin. Das war im Mai. Viel wichtiger als das sind meine Stammforen, in denen ich mehrmals täglich rein schaue. Das, meine Mail-Adresse auf Gmx.de, und natürlich mein Account auf Fanfiktion.de, das für mich eine wichtige Ressource ist. Auf diesen Seiten interagiere ich mit sehr vielen Menschen. Und ich kann sagen, ich habe fünfundneunzig Prozent von ihnen das erste Mal im Internet kennen gelernt, und von denen kenne ich bestenfalls fünf Prozent persönlich. Viele dieser Menschen, die mir teilweise viel bedeuten, würde ich ohne Internet gar nicht kennen. Ich hätte mich nie mit ihnen geschrieben, hätte nie mit ihnen gechattet, wäre ihnen nie hilfreich gewesen, hätte viele nie mit meinen Geschichten und Romanen erfreuen können...

Ergo: Mit dem Internet haben wir eine schnelle, effektive Kommunikationsform, und ein Teil meines sozialen Netzwerks hat sich verlagert. Nein, das ist das falsche Wort. Meine Welt ist GRÖßER geworden, größer durch das Internet. Und ich habe mir sehr viele neue soziale Kontakte allein über das Internet erschlossen.
Wenn mich das zum Süchtigen macht, dann ladet mir das Kreuz auf; meine Freundschaften werde ich deshalb nicht aufgeben oder vernachlässigen.


Ich habe mal optimistisch geschrieben: Im Internet begegnen sich nur die Seelen.
Tja, im Zeitalter des Cyber-Mobbings muss man das wohl so interpretieren: Manche dieser Seelen sind eben echte Drecksäcke und Arschlöcher. Im Internet zeigen sie ihr wahres, komplexbelastetes, gehetztes Wesen. Aber deshalb das ganze Internet verteufeln, regulieren, verwünschen?

Ich habe gerade erst gelesen, dass die Piraten-Partei in ihrem Pamphlet überhaupt nicht auf die Internet-Sucht eingeht, und das man ihr das vorwerfen muss.
Warum, frage ich? Wirft man der CDU vor, dass sie in ihrem Wahlprogramm mit keinem Wort auf die Suchtheilung Alkohol-Kranker eingeht? Oder der SPD die Nikotin-Abhängigen? Nur weil die Piraten-Partei als kompetent für das Internet 2.0 gilt, sollte man die Kranken und deren Behandlung doch bitte weiterhin den Spezialisten überlassen. Dieser Pranger für die Piraten ist selbstentlarvend und feige. Was sollten sie auch machen? Eine bessere Behandlung fordern? Sich im Namen des Internets für die Suchtfälle entschuldigen? Die Süchtigen selbst behandeln?
...sacken lassen.


Weil es so schön ist, hier noch mal ein Einblick in mein Suchtverh... Ich meine, in meinen Umgang mit dem Internet.
Kommen wir ans Eingemachte, kommen wir zu World of WarCraft.
Ja, ich spiele WoW. Und das nun schon vier Jahre. Ja, ich spiele gerne WoW, es gibt mir immer wieder was, meistens ein paar schöne Stunden (in denen ich eigentlich an meinen Romanen hätte weiter schreiben sollen ^^), Abwechslung und Kurzweil.
In den Achtzigern, als wir alle noch eifrig Spiele getauscht haben, da fragte mich ein Freund, was für C64-Spiele ich mir ausborgen wolle. Daraufhin antwortete ich: "Ein Spiel, in dem ich meinen Weg, meine Aufträge und meine Waffen selbst aussuchen kann." Zwanzig Jahre später erschuf man die virtuelle Welt von World of WarCraft, in der man Stunden zubringen kann, ohne einen einzigen Auftrag zu haben, sprich Quest. Einfach, indem man durch die Landschaft reitet, farmt (dieser Ausdruck bedeutet, dass z.B. ein Charakter mit Minenarbeiterausbildung Erzvorkommen sucht und abbaut, deren Ergebnisse er entweder selbst verbraucht, oder im Auktionshaus verkauft) und seine Berufe levelt (was bedeutet: Man hat in WoW zwei primäre und vier sekundäre Berufe. Vor allem die sekundären Berufe, Angeln, Kochen, Erste Hilfe und Archäologie, bieten hier und da Hilfe beim Spielen und beim Leveln. Deshalb ist es sinnvoll, sie möglichst schnell auf den höchstmöglichen Stand zu bekommen. Sprich, Stoffe sammeln, um mit Erster Hilfe Verbände anzufertigen, die dem Charakter dann bei Questen nützen. Und das ist nur ein Beispiel.)

Nun habe ich WoW, und mein Main (meistens der erste Charakter, den man erschafft, mittlerweile aber der Charakter, den man am meisten spielt) ist auf der derzeitigen Höchststufe von 85. Dennoch spiele ich WoW... Durchwachsen. Es gibt Tage, da gehe ich gar nicht online, in manchen Wochen spiele ich jeden Tag, in manchen Wochen gar nicht. Es kommt vor, wenn ich in eine Instanz mitgehe oder einen bestimmten Erfolg wie einen Level-Up oder ein besonderes Ereignis erreichen will, dass ich schon mal drei, vier, fünf oder gar sechs Stunden im Spiel verbringe. Aber eigentlich nicht am Stück. Nach spätestens zwei Stunden ist es mir über.
Aber, doch, ich habe viel Spaß an dem Spiel, und werde es weiter spielen. Nicht zuletzt deshalb, weil ich auch hier, wie in den sozialen Netzwerken, so meine Freundschaften und sozialen Beziehungen habe. Mit den Menschen hinter den Charakteren, nicht mit den Polygon-Gestalten.
Auch hier gilt: Don't blame the game. Wer hier süchtig wird, hat nur seine Sucht gefunden. Traurig, aber wahr.

So, das waren meine Gedanken zum Thema. Wer mich in Azeroth besuchen möchte, der findet mich auf dem Server Kargath auf Seite der Allianz. Mein Nachtelfenkrieger Arliczan ist mein Main. Ich bin immer für einen Plausch oder eine Instanz zu haben.
Da ich aber nur sehr moderat spiele, bin ich jetzt eher Mittelmaß. Aber die Ausrüstung passt.

Mittwoch, 21. September 2011

Foodwatch wieder...

Es ist kaum zu glauben. Eine Zeitlang dachte ich wirklich, Foodwatch würde sich tatsächlich zu einer sinnvollen Verbraucherschutz-Organisation mausern, die nicht nur Fördermitglieder an sich binden und Zeitungsschlagzeilen produzieren will, sondern nützlich sein möchte... Da beweist sie mir heute das Gegenteil.
Neulich noch fand ich Foodwatch GUT. Dazu genügte ein Blick auf den Pfanner-Tee mit Litschi. Ursprünglich gehörten Litschi nicht mal auf die Zutatenliste, da die Firma behauptet hat, es müssen keine drin sein, nur weil der Saft so heiße... Mittlerweile ist die Litschi auf der Zutatenliste, ergo auch mit drin. Ein grandioser Erfolg, und eine richtig gute Sache, die Foodwatch da betrieben hat. Ich gebe zu, ich hatte HOFFNUNG.

Doch nun das. Foodwatch und die Ärzteorganisation IPPNW, oder auf Deutsch, Vereinigung der Ärzte zur Verhinderung eines Atomkriegs haben in einer Studie klargestellt, dass die Grenzwerte für Radioaktivität in Deutschland viel zu hoch sind.
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Der von mir verlinkte Artikel der Website der Frankfurter Rundschau ist nicht ganz vollständig. Sicherlich in der gedruckten Ausgabe, aber auch in meiner hiesigen Zeitung, der Leine Deister Zeitung, ist der Artikel ausführlicher und nennt sogar die Grenzwerte, um die es geht.
Demnach ist diesem Doppelpack der erlaubte Grenzwert von 370 Becquerel Cäsium pro Kilogramm für Säuglingsnahrung und Milchprodukte zu hoch, und soll auf acht gesenkt werden.
In allen anderen Nahrungsmitteln soll der Grenzwert von 600 Becquerel auf 16 gesenkt werden. Cäsium, natürlich.
...sacken lassen.
Bevor ich jetzt mit meinem laienhaften Wissen und einiger Unterstützung von Wiki und den starken Seiten mein Donnerwetter herniederfahren lasse, habe ich für Euch, meine Leser, zwei Fragen:
1) Warum wird immer Cäsium erwähnt? Wir wissen alle, dass Cäsium hochgiftig ist, auch in kleinsten Konzentrationen. Aber ist Cäsium das einzige, was strahlt? Und warum wird der Strahlenwert Becquerel angegeben, aber nicht die Menge an Gramm, Milligramm oder Mikrogramm, die Cäsium gemessen an einem Kilogramm Nahrung haben darf? Warum dieser Umweg über die Strahlenbelastung? Okay, das waren jetzt vier Fragen, zugegeben.

2) Wenn die IPPNW und Foodwatch die Senkung des Grenzwerts für Babynahrung von 370 auf acht Becquerel pro Kilogramm fordern, kommt das nur mir wie billiger Populismus vor? Das war Frage fünf, zugegeben.
...sacken lassen.

Der Kinderarzt Winfried Eisenberg wird ganz zu Recht damit zitiert, dass "selbst kleinste Strahlendosen [...] die Erbinformationen verändern, das Immunsystem schädigen und Krebs auslösen" können, und das dies besonders für Kinder und Jugendliche gilt. Aber was hat das mit den aktuellen Grenzwerten zu tun?

Menschen, die sich für das Thema interessieren, sprich sich ein klein wenig mit Radioaktivität auskennen, können auf Anhieb mehrere Fakten zitieren, die diese Forderung in einem merkwürdigen Licht erscheinen lässt, schon einmal ganz davon abgesehen, dass Foodwatch und IPPNW das arme Cäsium totreiten.
Da hätten wir:
Radioaktiver, sprich ionisierter Strahlung, also der Strahlung die entsteht, wenn Atomkerne, vornehmlich Isotopen, zerfallen, sind wir permanent ausgesetzt.
Die wichtigsten Quellen für radioaktive Strahlung sind: Der Boden in Form von Emissionen unter anderem des radioaktiven Edelgases Radon; der Himmel in Form von kosmischer Strahlung, die natürlich im Weltall vorkommt; und, man höre und staune, der menschliche Körper! Jaha, Herrschaften, wir strahlen selbst, und das nicht zu knapp. Die Aufteilung auf die einzelnen Werte hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab. Je höher man wohnt, desto höher ist die Belastung durch Weltraumstrahlung. Je nachdem in welcher Region man lebt, ist die Belastung durch Radon-Emissionen höher oder niedriger. Je nachdem was man zu sich nimmt, hat man mehr oder weniger Isotopen im Körper, die radioaktive Strahlung aussenden.
...sacken lassen.

Laut Wikipedia emissiert ein Mensch durch die in seinem Körper eingelagerten Isotope - weniger Cäsium, sondern eher durch Elemente wie das natürlich strahlende Kalium - 9000 Becquerel selbst. Bei einem Anteil von dreißig Prozent der natürlichen Strahlenbelastung durch den eigenen Körper, vierzig von kosmischer Strahlung und dreißig von Erdstrahlung (was ja je nach Ort variiert) schauen wir hier auf die natürliche Belastung des Menschen. Das, was der Mensch sowieso abkriegt, ob er will oder nicht. Genau, von diesem Zeug, das einem in Überdosis Krebs verursacht, die Haare ausfallen lässt und die Zähne kostet. In Überdosis, wohlgemerkt.
Das gilt für uns, das gilt für Kinder.
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Mein Fazit: Augenwischerei. Alles nur Augenwischerei. Die Forderung nach einer derart radikalen Senkung der Grenzwerte ist reiner Populismus. Klingt gut, aber was soll das bringen? Klar sind Grenzwerte für Cäsium eine sehr gute Idee, das Zeug IST ja hochgiftig. Aber es zeigt doch mal wieder den reinen Show-Effekt, wenn immer wieder Cäsium! Cäsium! geschrien wird, und andere radioaktive Quellen wie Radon, Kalium und Radium keine Erwähnung finden. ODer Uran. Warum nennt hier niemand Uran?
Wieder einmal wird hier schlicht auf die Angst der Menschen spekuliert. Jener Menschen, die nicht einmal so wenig wie ich über Radioaktivität wissen. Und diese sollen dann was? Foodwatch-Unterstützer werden? Sicher, es macht immer Sinn, über Belastungsgrenzen für Umweltgifte zu diskutieren, es macht immer Sinn zu schauen, ob die derzeitigen Grenzen nicht zu hoch angelegt sind, ob diese nicht ein Hintertürchen dafür sind, dass Menschen Schaden entsteht. Und gerade beim hochgiftigen Cäsium sollte man sehr umsichtig sein, vom Iod-Isotop 131, das sich in der Schilddrüse ablagert und dort schwere Schäden anrichten kann, ganz zu schweigen.
Aber ehrlich gesagt möchte ich diese Diskussion nicht mit jemandem führen, der die Grenzwerte für Kindernahrung fünfzigfach zu hoch hält, und die Werte für Erwachsene fast zwanzigfach zu hoch... Da denkt man doch spontan: Hey, Greenpeace, ist euch das noch nicht aufgefallen, Ihr Flaschen?

Nein, Herrschaften, es ist eine unwiderlegbare Tatsache, dass wir permanent Radioaktivität ausgesetzt sind. Sie kommt von oben, sie kommt von unten, und sie kommt aus uns selbst. Diese Radioaktivität alleine ist weit höher als die Grenzwerte für Kindernahrung in Deutschland. Und wir reden hier von der Normalbelastung für den menschlichen Körper, nicht von Extremfällen. Dazu muss man auch einrechnen, dass auch die durch Nahrung aufgenommenen Isotope zu dieser natürlichen Belastung gehören.
Die Grenzwerte sollen uns vor übermäßiger Belastung schützen, vor gefährlicher, ja, tödlicher Belastung. Aus diesem Grund sind sie bei uns sehr tief angesetzt, und in Japan doppelt so tief. Jetzt zu kommen und eine Senkung um das Fünfzigfache zu fordern ist schlichtweg Quatsch. Genauso wie der Cäsium-Chauvinismus im ganzen Artikel Quatsch ist. Ich habe es schon geschrieben: Cäsium ist nicht das einzige Element, das strahlt. Aber das Wort zieht wohl einfach besser. Noch eindringlicher kann man sich selbst nicht als Populisten entlarven.

Vielleicht ist eine Diskussion über die deutschen Grenzwerte und über gemeinsame europäische Grenzwerte keine schlechte Sache. Aber Foodwatch oder die IPPNW würde ich dabei nicht so gerne anhören. Beide Organisationen kennen laut Zeitung nur das radioaktive Isotop Cäsium und sehen nur dies als gefährlich an; die anderen radioaktiven Elemente verschweigen sie oder kennen sie nicht, und laut Zeitung wollen sie auch nur eine Senkung für den Anteil von Cäsium im Essen, es geht ihnen nicht um eine Senkung von Strahlungsbelastung im Allgemeinen. Dabei ist es Gamma-Strahlung egal, ob sie aus der Kernfusion von Wasserstoff zu Helium entstammt, von Cäsium emissiert wird, oder ob Radon sie abgibt.
Mit Schock-Begriffen Schock-Grenzwerte durchzusetzen ist und bleibt Populismus. Und bei einer körpereigenen Strahlenbelastung von lt. Wiki 9000 Becquerel eine Senkung des Grenzwerts von sechshundert auf sechzehn zu fordern - wohlgemerkt geht es hier um eine Obergrenze, die bereits niedrig angesetzt ist - ist vor allem sehr dreist.
Mit der Angst der Menschen zu spielen hingegen ist frech.

Noch ein kleines Schlusswort von mir: Natürlich ist Radioaktivität gefährlich, natürlich kann sie tödlich sein. Ich wäre nicht gegen Atomenergie, wenn das nicht der Fall wäre. Aber es gibt eine sinnvolle, sachliche Diskussion, und es gibt eine unsachliche, populistische und übertreibende Diskussion, die der Sache nicht hilft, aber dem, der sie ausspricht, mehr Aufmerksamkeit verschafft. Ich nenne das: Schreien um des Schreiens willen. Foodwatch hat das in meinen Augen schon oft genug gemacht. Und hat in puncto Sachlichkeit nicht dazu gelernt.
Die Radioaktivität, über die wir hier allerdings reden, ist moderat. Natürlich können Kinder, Kleinkinder und Babys bereits bei diesen niedrigen Grenzwerten durch über die Nahrung aufgenommene Isotope Krebs bekommen... Aber das können sie auch bei einem Grenzwert von acht Becquerel. Und wie ich weiter oben schon schrieb, der Radioaktivität entkommen können wir ohnehin nicht.
Für uns Menschen gilt, dass wir uns von zu hoher, zu langer, zu intensiver Strahlung schützen müssen.
Tatsächlich erleiden unsere Körper genau in diesem Moment, wir Erwachsene ebenso wie Kinder und Babys, abertausende Zellschädigungen in unseren Körpern durch die radioaktive Strahlung in unseren Körpern und in unserer DNS. Tatsächlich entarten gerade jetzt bei einigen von uns durch diese Schäden Zellen und werden zu Krebsgeschwüren.
Tatsächlich werden einige von uns erst in wenigen Minuten Krebs ausbilden...
Und tatsächlich ist unser Körper darauf eingestellt. Denn auch tatsächlich frisst der Körper jeden Tag entartete Zellen, vernichtet Krebs, repariert die DNS-Codes. Dennoch erkranken und sterben Menschen an Krebs. Aber das liegt nun einmal nicht primär an der Nahrung, und ein Pilot oder ein Flugbegleiter, oder eben eine Röntgenschwester im Krankenhaus haben eine höhere Strahlenbelastung und damit ein höheres Risiko, um an Krebs zu erkranken... Was aber nicht automatisch Krebs bedeutet. Das Gleiche gilt für die Nahrung.
Entkommen können wir der Radioaktivität nicht. Sie gehört zu unserem Leben einfach dazu. Ebenso wie der Krebs, der uns begleiten wird, solange wir Menschen aus organischer Materie bestehen werden. Allein, helfen kann uns die Forderung von Foodwatch und der IPPNW in keiner Form. Sie ist nur gut zur Profilierung beider Organisationen. Und das ist diesem ernsten Thema nicht angemessen.


Themawechsel. In meiner Tageszeitung steht auch, dass in Rom sieben Seismologen vor Gericht gestellt werden sollen, mit der Anklage auf Totschlag, weil sie vor dem Erdbeben am 6. April 2009 in L'Aquila nicht ausreichend gewarnt haben...
Noch so eine Sache, die man nahtlos in die Foodwatch-Diskussion mit einbeziehen kann. Wenn ich so etwas lese, denke ich automatisch an Kreationisten.
Die zitierten Wissenschaftler wurden nach einer Analyse gefragt, ob es in der Region L'Aquila nach mehreren kleineren Erdbeben zu einem großen kommen könnte.
Die Wissenschaftler waren sich einig, dass die bsiherigen Beben keine typischen Vorläuferbeben für ein "Big One" waren, aber sie konnten es auch nicht ausschließen.
Anschließend gab es das Beben, und es verwüstete die Stadt, es gab 308 Tote. Es hatte eine Stärke von 5,8 auf der Richterskala.
...sacken lassen.
Als ich in San Francisco war, im Jahr 2000, habe ich in meiner ersten Nacht im Hilton&Towers im, hm, dreißigsten oder vierzigsten Stock geschlafen. Ich war so totmüde wegen meinem Jetlag, ich verschlief sogar das Erdbeben, das die Stadt kurz erschütterte... Es hatte, wenn ich mich recht erinnere, eine Stärke von fünf Komma vier. Und man mag es kaum glauben, am nächsten Morgen stand nicht nur mein Hotel noch, sondern auch die restliche Stadt.
...sacken lassen.

Fazit: Man kann Erdbeben nicht zu einhundert Prozent vorhersagen. Die Japaner haben eine Methode entwickelt, die anhand gemessener Schockwellen eine Vorwarnzeit von zehn bis dreißig Sekunden bietet; genug Zeit, um Menschen per Handy zu warnen, damit sie Schutz suchen können, oder ins Freie kommen, genug Zeit, um Kraftwerke abzuschalten (was, wie wir wissen, auch nicht immer klappt).
Dass die Forscher L'Aquila nicht vorhersagen konnten, ja, ein großes sogar ausschlossen (aber nicht ganz) liegt einfach in der Natur dieser Wissenschaftsdisziplin.
Vergleichen wir jedoch mal das San Francisco-Beben, das ich verschlafen habe, und nehmen das L'Aquila-Erdbeben hinzu, was sehen wir da? Links eine unversehrte, erdbebensichere Stadt, die gelernt hat, mit dieser Naturkatastrophe umzugehen und kleinere Beben unbeschadet zu überstehen; rechts hingegen eine komplett verwüstete Stadt mit vielen Toten und Verletzten.
Das bringt mich zur Erkenntnis, dass es weder um die Erdbebenforscher geht, noch um die Erdbebenvorhersage an sich. Es geht darum, dass jemand für L'Aquila büßen soll, für die Pfuscharbeiten beim Bau der Häuser, für die langsamen bis nicht vorhandenen Hilfen, die der Staatschef eigentlich zugesagt hatte, für den Wiederaufbau der einsturzgefährdeten Innenstadt, für das zerstörte Leben der Opfer. Und wie es scheint, versucht man nun den Volkszorn von der korrupten Baubranche, vom Versagen der Politik und vom Pfade der Vernunft in Richtung der Wissenschaft zu drängen. Besser sie als... Wer?
Derjenige, der eine Antwort auf diese schlichte Frage hat, findet die wahren Verantwortlichen der Katastrophe von L'Aquila.
Oder um es mal anders auszudrücken: 5,8? Moderne Länder mit Erfahrung im Erdbebenschutz lachen doch über so ein Beben.
Italien ist ein Erdbebenland, aber augenscheinlich wurde die ganze Stadt L'Aquila NICHT erdbebensicher erbaut. Und das, obwohl vor allem in der Innenstadt viele moderne Gebäude stehen/standen, wenn ich die Fernsehbilder der geräumten Zone recht im Kopf habe. Wir reden hier über Korruption, Pfusch am Bau, Materialunterschlagung, und über weitere hässliche Dinge, die zur Vernichtung der Stadt beigetragen haben. Die Wissenschaftler haben damit am wenigsten zu tun.
Man kann nur hoffen, dass dieser populistische Täuschungsversuch grandios scheitert und die wirklich Schuldigen auf die Anklagebank gesetzt werden.
Jemanden zu bestrafen, nur weil man einen braucht, das ist absolut sinnlos. Es muss dann auch den Richtigen treffen.


Edit am 22.09.: Erstmals hat Foodwatch meinen kleinen Blog gefunden, und Herr Rücker nimmt ausführlich Stellung in den Kommentaren zu meinen Vorwürfen.
Um mal ein Zuckerli auszuteilen: Bei der Null Toleranz-Forderung von Iod131 in Nahrungsmitteln haben Foodwatch und IPPNW zu einhundert Prozent Recht.
Der Rest, na ja, lest die Kommentare.

Nachtrag: Nachdem ich einige Zeit darüber nachgedacht habe, komme ich zu dem Schluss, dass ein einheitlicher Höchstwert in der Exposition durch Ionenstrahlung sowohl für Nahrung als auch für Belastung z.B. benachbarte Kernkraftwerke Sinn macht. Wie hoch dieser Wert sein sollte, sei allerdings dahin gestellt. Denn wie gesagt, der eigene Körper produziert alleine schon 9000 Becquerel...

Freitag, 16. September 2011

1111 - Schon wieder. ^^

So, es ist passiert. Wenn ich auch sonst nix zu bloggen habe, kann ich mich doch immer auf meine Geschichten bei Fanfiktion.de verlassen.
Anime Evolution: Nami, die vierte Staffel meiner eigenen Serie um Akira, seine Freunde und den Rest des Universums, hat nach dem Tausender nun die Schnapszahlsphären erreicht.
Und das lange, bevor die dritte Staffel Anime Evolution: Past überhaupt erst nahe an den Eintausend Aufrufe-Himmel heran gekommen ist. Allerdings schiebe ich das darauf, dass Nami zwanzig Episoden hat, und Past nur acht... Dennoch, das soll Euch nicht daran hindern, auch Past eifrig aufzurufen und zu lesen. ^^

Dazu ein Hinweis in eigener Sache.
Mir ist gerade bewusst geworden, dass ich für Anime Evolution: Krieg, die aktuelle fünfte Staffel, seit über einem Jahr nicht weiter geschrieben habe... Klar, in der Zeit bin ich nicht stehen geblieben und habe andere Projekte voran getrieben. Aber mir ist wieder einmal klar geworden, dass ich einen gewissen Antrieb brauche, selbst um so lieb gewonnene Projekte wie Anime Evolution und Mein Gott meine Göttin fortzusetzen. Seht Euch also hiermit genötigt, in naher Zukunft eifrig zu kommentieren, um den aufmerksamkeitssüchtigen Ace Kaiser ein wenig zu beflügeln.

Bleibt mir treu und lest mich weiter.

Montag, 12. September 2011

Vae Victi - wehe dem Besiegten

Eifrige Leser meines Blogs wissen ja, das ich mich politisch engagiere. Für die SPD. Sie wissen auch, dass ich als Nachrücker in meinem Heimatort im Rat war, und wiedergewählt werden wollte.
Um es kurz zu machen, ich bin mit 66 Stimmen direkt in den Rat gewählt worden und habe das drittbeste Ergebnis von acht SPD-Kandidaten. Doch dazu gleich mehr.
Ich wollte auch in den Samtgemeinderat gewählt werden, so als erster Versuch, aber das ist mir nicht gelungen. Die SPD konnte fünfzehn der dreißig Sitze erringen, und ich hatte leider nur 54 Stimmen. Der schlechteste direkt gewählte SPD-Mann hatte vierhundert. Auch mein Listenplatz neunzehn hat mir da nicht weiter geholfen. Dafür stehe ich jetzt auch hier auf der Nachrückerliste. Allerdings müssten vier Räte ausfallen, oder ein Rat und die drei Nachrücker vor mir, damit ich über Liste nach rücke. Wie es bei den direkt gewählten Kandidaten aussieht müsste ich erst mal schauen, aber vermutlich sieht es da noch schlechter aus...

Aber zurück zu Banteln. Mein Heimatort wurde rund sechzig Jahre rot regiert - und heute haben wir einen historischen Wechsel zur CDU vor uns. Die Verteilung im Rat sieht so aus: sechs Sitze CDU, fünf Sitze SPD. Damit stellt die CDU nahezu automatisch den Bürgermeister. Ich kann also nur hoffen, dass unsere sachliche Zusammenarbeit, bei der die SPD die CDU nie übervorteilt hat, nun mit umgekehrten Strukturen ebenso läuft. Einerseits positiv, denn wirklich viel wird in Banteln nicht entschieden. Andererseits negativ, denn einige der Entscheidungen könnten gegen den Willen der SPD-Wähler ausfallen. Wir werden sehen, ob der umgedrehte Gemeinderat trotz CDU-Mehrheit noch der Bantelner Gemeinderat sein wird. Wir werden sehen... Im schlimmsten Fall heißt es Vae victi - wehe dem Besiegten.

Sonntag, 11. September 2011

30.000 - Danke, liebe Leser. ^^

Wer gedacht hat, dass ich heute zur Niedersachsenwahl blogge, der sieht sich getäuscht. Das mache ich morgen, wenn die Ergebnisse feststehen. Dann werde ich entweder tiefbestürzt sein, oder hoch erfreut und motiviert.

Heute hingegen ist meine Motivation ganz, ganz oben, denn auf Fanfiktion.de erreichte die Zahl der Aufrufe meiner Leser nicht nur den nächsten Tausender, sondern - wie am Titel abzusehen - den nächsten Zehntausender. Dreißigtausendmal wurden meine Geschichten auf Fanfiktion.de nun aufgerufen, dazu kommen eifrige zweihundertsechsundzwanzig Reviews drüben, und etwas über zwölf hier in meinem Blog.
Das freut mich besonders, weil das Publikum auf Fanfiktion.de sehr breit gestreut ist.
Da sage ich doch Danke. Und begleitet mich bis zum nächsten Zehntausender. ^^b


Edit um 15.00 Uhr am gleichen Tag: Noch eine Zahl erscheint mir vermeldewürdig.
Gerade eben hat mir die Blog-Statistik gezeigt, dass seit Bestehen des Blogs fünfzehntausend Aufrufe erfolgt sind. Dazu kommen fast siebenhundert Kommentare, aber während der Blog meine eigenen Aufrufe nicht mitzählt, so sind gut die Hälfte der Kommentare von mir. Dennoch, für so einen kleinen Nischen-Blog wie den meinen sind das doch ganz nette Zahlen. ^^
Auch hier vielen Dank an meine Leser. ;D

Mittwoch, 7. September 2011

Ich wollte doch nur den Rechtsstaat retten...

Wenn ich Mittwochs im Aldi einkaufen gehe (ehrlich, ich habe kein Problem, das zuzugeben), dann zieht es mich magisch immer wieder an den Zeitschriftenstand. Ich werfe dann den kategorischen Blick auf die BILD-Schlagzeile.
Heute prangte dort: "Ich wollte doch nur ein Kind retten!" Untertitel: "Jetzt spricht der verurteilte Polizist im Fall Dennis."

...sacken lassen. Um die Sache mal kurz in Erinnerung zu rufen, der damals neunjährige Dennis war entführt worden. Als der Täter gefasst wurde, war der Junge bereits tot. Die Ermittler wussten das zu dem Zeitpunkt aber nicht, und schließlich drohte einer der Beamten mit Folter, was den Täter dazu bewegte, einen - falschen - Aufenthaltort des Jungen preis zu geben.
Nun gab es einen Prozess, in der die angedrohte Folter Gegenstand der Verhandlung war.
Und es gibt die BILD mit ihrer ganz eigenen Meinung, was rechtens ist und was nicht.

Aber egal, ob der Junge zu dem Zeitpunkt schon tot war oder noch hätte gerettet werden können, über die Grausamkeit und die Perfidität der Tat bestehen keine Zweifel und sicher auch keine mildernde Umstände. Der Mann hat jedes Jahr, das er in Resozialisierung verbringt, auch verdient.
Was aber den Polizisten angeht, so wusste er im Gegensatz zur BILD sehr genau, was der Rechtsstaat ist und welche Gesetze er gerade gebrochen hatte. Da mag sich die BILD ruhig Seitenweise empören, Telefon-Teds schalten und jammern und lamentieren, es ändert nichts an den Fakten.
Dass BILD den Rechtsstaat gerne so sieht wie sie ihn braucht, das haben wir ja alle gesehen, als sie KTG verteidigt hat, selbst als der Ausmaß seines Betruges bereits erwiesen war. Damals war die Beugung des Rechtsstaats ja "nicht so schlimm", weil "so einen guten Politiker kriegen wir nie wieder".
Diesmal hat BILD ernsthafte Probleme damit, zu verstehen, dass Recht und Gesetz auch für Polizisten gilt. Nicht ungewöhnlich, denn diese Zeitung glaubt ja oft genug, dass sich Deutschland nach ihr zu richten hat, und nicht umgekehrt. Und viel zu oft hat sie auch noch Recht damit, wenn die anderen Medien hemmungslos und ohne Recherche aus der BILD zitieren.

Aber der Polizist, der muss sich doch bewusst gewesen sein, dass die Drohung wie ein Bumerang auf ihn zurückschlagen würde. Immerhin musste man ja annehmen, dass dieser Beamte, wenn er einmal damit durchkommt, erneut Folter androht oder sogar durchführt, und das vielleicht bei einem Bagatelldelikt oder einem Unschuldigen.
Er musste gewusst haben, dass der Justiz gar nichts anderes übrig bleibt, als ihn zu bestrafen. Warum jammert er jetzt also? Warum ist das BILD eine Schlagzeile wert?
Frage eins: Keine Ahnung, vielleicht wurde er bequatscht.
Frage zwei: Weil es die BILD nicht schert.
Bis zu diesem Punkt kann man mit der Androhung von Folter nicht einverstanden sein, denn schließlich ist das hier nicht der CIA und nicht Amerika. Aber man hätte den persönlichen Mut des Ermittlers anerkennen können, der seinen Beamtenstatus, seinen Beruf für diesen Jungen riskiert hat. Der in vollem Bewusstsein der bevorstehenden Konsequenzen das Recht gebrochen hat und auch bereit war dafür gerade zu stehen.
Nun fiel die Strafe eher milde aus - ihm wurden zehntausend Euro abverlangt. Es hätte ihn weit schlimmer treffen können. Vielleicht ließ er sich deshalb bequatschen und für eine BILD-Schlagzeile missbrauchen. Viel Geld weg, aber Pension sicher.
...sacken lassen.
Wenn sich der Beamte aber gar nicht bewusst war, was er da angedroht hat, und was die Folgen davon sein würden, was der Rechtsstaat in seinem Fall tun würde, dann frage ich mich, ob er bei der Polizei am richtigen Platz ist. Wir brauchen keine Sheriffs in Deutschland, sondern Kommissare.

Das Gesetz ist in Deutschland für alle gleich, für Dich, für mich, für Polizisten, ja, auch für skrupellose Kindermörder, auch wenn BILD das nicht wahrhaben will.
Und auch das ist ein Trost: Diese Gesetze gelten auch für BILD.
Und das ist auch gut so. Ein Zwei Klassen-Gesetz würde uns normale Bürger nämlich zuallererst in die falsche Klasse dieses Gesetzes schieben, und da will ich nicht hin. Also, BILD, bitte nicht schon wieder Stimmung gegen Rechtsstaatlichkeit machen - womöglich gibt es sonst eine Facebook-Gruppe für Folter im Polizeidienst, die fünfhunderttausend Fans hat...


Edit am 05.10.: Gerade in der Vorankündigung gehört: Der gute Polizist hat ein Buch zum Thema geschrieben.
Da frage ich mich doch drei Dinge.
1) Wie zum Henker kann man ein Buch füllen mit der Frage, ob man in einem Rechtsstaat einem Kindesentführer mit Folter drohen darf?
2) War die ganze Schlagzeile in der BILD also nur der Aufhänger für eine Buchverkaufskampagne, wie wir sie schon so oft erlebt haben? Für Bohle, Lahm, Sarazin, Beispielsweise?
3) Was kostet der Schinken überhaupt, und wer ist bereit, dafür Geld auszugeben?

Donnerstag, 1. September 2011

Und wieder mal Diverses - ein Wochenrückblick.

So, dies wird mein erster Post im September. Das war nicht geplant, ich habe mich nur einfach seit letztem Donnerstag nicht mehr hingesetzt und etwas für meinen Blog geschrieben.

Aber gehen wir die Themen an. Nummer eins: Strohkraftwerk.
Montag war ein weiterer Leserbrief in der Leine Deister Zeitung, wieder von der IG Saubere Luft. Namen weiß ich nicht mehr, aber der bereits vierte Herr spricht nun für die Interessengemeinschaft und sagt, dass die IG mit einem anderen Standort leben kann.
...sacken lassen.
Das heißt also, all die schwammigen und unsachlichen Argumente des Herrn Professors, wie Betriebssicherheit, Unfallgefahr, Finanzierung, Belieferung mit Stroh, Investoren, Subvention aus der Samtgemeindekasse, und, und, und, sind nicht mehr relevant? Es ging nur um den Standort und damit um den Wert der Häuser und Grundstücke in Windrichtung?
...sacken lassen.
Das wusste ich von Anfang an. Deshalb hat es mich ja auch so aufgeregt, wie die Herren die unsinnigsten Dinge heran gezogen haben, um ihren Standpunkt zu stützen.
Aber das Schlimmste ist: Wie steht der Herr Professor jetzt da? Bei seinem Offenen Brief konnte man zumindest glauben, er vertrete die Linie der IG Saubere Luft, nun aber steht er doch ein wenig dumm da, denn alle seine Bedenken interessieren die IG plötzlich nicht mehr.
In meinen Augen hat die IG damit ein Glaubwürdigkeitsproblem und einen der Ihren beschädigt.

Was war denn noch? Ach ja, Strauss-Kahn. Der wurde ja nun freigesprochen, zumindest wird er strafrechtlich nicht mehr verfolgt. Und das Trara über Reiche und Mächtige, die sich Freiheit erkaufen konnten, hielt sich dankenswerterweise in Grenzen, zumindest am Kachelmann-Fall gemessen. Aber es ist doch erstaunlich, wie kurz das Gedächtnis der Presse ist. Da wird darüber lamentiert, Strauss-Kahn hätte ja "das Geld gehabt, um in ihrer (die Nebenklägerin und mutmaßliches Vergewaltigungsopfer) Vergangenheit nach Dreck zu wühlen".
Dass es hier aber nicht um schlecht oder falsch ausgefüllte Asylanträge ging, sondern darum, dass die gute alte Grey Lady New York Times dem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer Verbindungen zum organisierten Verbrechen nachgewiesen hat, dass sie dreißigtausend Dollar aus einer unbekannten Quelle bekam und sich lt. NY Times bei obigen Verbrechern nach mehr Geld "für die Sache" erkundigte, spielt jetzt plötzlich keine Rolle mehr.
Hier zeigt sich wieder eines: Ursache und Wirkung wird verwechselt. Die Wirkung, die unsere Presse befürchtet, ist, dass tatsächliche Vergewaltigungsopfer den Gang zum Kadi scheuen könnten. Das liegt aber einzig und allein daran, dass die Medien die Ursache nicht richtig vermitteln. Würden sie nämlich klipp und klar sagen, dass das Zimmermädchen wegen ihrer Verbindungen zur Unterwelt unglaubwürdig geworden ist, würden sich nur solche Frauen von einer Anklage abschrecken lassen, die einen Vergewaltigungsvorwurf alleine schon aus der Sache heraus als "sicheres Brett" betrachten.
Lassen sich hier tatsächlich immer noch Frauen verängstigen und terrorisieren, eine echte Vergewaltigung nicht zur Anzeige zu bringen, so ist dies auch der Fehler der Medien, der den Frauen ihre Rechte zu wenig aufgezeigt hat.
Nebenbei bemerkt sollen rund ein Drittel aller angezeigten Vergewaltigungen nicht erfolgt sein. Ist es so falsch, diesen Frauen den Weg vor den Richter zu erschweren?
Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch: Zwei Drittel sind echte Vergewaltigungen. Oder: Es werden immer noch Menschen in der Welt, auch in Deutschland, vergewaltigt. Warum? Ein gesellschaftliches Problem? Ein Problem der Presse? Ein hormonelles Problem? Auf jeden Fall ein Problem, dem sicher nicht damit geholfen ist, wenn eine Zeitung mit vier großen Buchstaben ihre Seite eins-Mädchen im Begleittext zum Objekt degradiert. Und auch nicht, wenn einem heranwachsenden jungen Mann in Deutschland beigebracht wird, dass Frauen Menschen zweiter Klasse seien.
Und dieses Problem wird nicht gelöst, wenn Menschen angeprangert werden, die nachweislich durch eine Falschaussage angeklagt wurden und gegen jede Chance freigekommen sind. Oder denen ein "Freispruch Zweiter Klasse" vorgeworfen wird.

Und wo wir gerade mal dabei sind: Der Komet Elenin, vor dem eine erkleckliche Anzahl Menschen unerklärlicherweise Angst hat, weil er wechselweise mal ein Brauner Zwerg, mal ein Stück Neutronenstern und dann wieder der unheilvolle, erdbebenverursachende Bote des Riesenplaneten Nibirus ist (wahlweise auch ein Brauner Zwerg oder zumindest ein Riesenplanet, der eine fremde Götterrasse zur Erde trägt, um uns zu vernichten), macht gerade Schlagzeilen im Scienceblog: Er löst sich nämlich auf. Laut Florian Freistetter machen Kometen das manchmal eben. Und auch uns sollte das klar sein. Nichts ist für die Ewigkeit geschaffen.
Aber da frage ich mich schon, wie die Weltuntergangsverschwörer nun reagieren.
Wahrscheinlich hat entweder die NASA ein Gerät getestet, um Nibiru zu vernichten, oder es ist alles nur gelogen, und Elenin existiert noch.
Richtig, Elenin existiert noch, denn das ist der Wissenschaftler, der den Kometen entdeckt hat. Der Komet selbst aber kam durch seine exzentrische Bahn der Sonne zu nahe; und was passiert, wenn Eis zu heiß wird? Es schmilzt. Das ist also wahrscheinlich das Ende von Elenin, bevor er uns überhaupt etwas tun konnte. Oder die Geburt vieler kleiner Elenins... Tja.
Generell mag ich ja das Internet und seine schnellen Kommunikationsmöglichkeiten, den reichen Wissensschatz und die Diskussionsplattform, die sich uns hier bietet. Aber leider nutzen auch Idioten, Panikmacher und Extremisten diesen Raum... Eigentlich genauso wie im realen Leben. Aber hier haben wir es sehr viel leichter, ihnen zu widersprechen. Also Punkt für das Internet 2.0! ^^

Was war noch? Ach ja, Stinkstiefel hat mir neulich das Geld für jeweils ein Exemplar von Mein Gott, meine Göttin und Für den Kaiser: Seiner Majestät Schiff Rheinland per Paypal überwiesen, damit ich sie bestelle und sie wegen Widmung zuerst zu mir kommen.
Nun halte ich sie in Händen, und ich muss sagen, Für den Kaiser ist super geraten. Mit dem Format arbeite ich auch bei den anderen drei Büchern dieser Serie.
Bei MGMG muss ich nacharbeiten. Der Text ist etwas zu klein geraten. Muss beim Konvertieren passiert sein. Ist immer noch leserlich, aber man kann es verbessern. Ich brauche ja ohnehin noch neue TiBis...
Jetzt noch zwei schöne Widmungen, und dann sind die Dinger mal richtig was wert, Stinkstiefel. ^^