Samstag, 28. November 2009

Warum Uran importieren, wenn man Trinkwasser hat?

Uff. Wie fange ich hier am besten an? Und wie verberge ich sowohl mein Entsetzen als auch meine Irritation?
Vielleicht geht es so: Trinkwasser ist in Deutschland längst nicht so ein Thema wie beispielsweise in Saudi-Arabien. Der Grund ist, wir haben einfach genügend. Das letzte Mal, das Trinkwasser rationiert wurde, erlebte ich in einem echten Supertraumsommer Mitte der Achtziger. Es ist da, und vielleicht behandeln wir Trinkwasser deshalb auch ein wenig zu verschwenderisch.
Woher kommt dieses Trinkwasser? Ein Großteil ist Regenwasser, direkt aus Flüssen entnommen, in Stauseen gespeichert, aus natürlichen Seen, auf den Inseln zieht man es vom Meerwasser, weil das Süßwasser auf dem schwereren Salzwasser schwimmt. Und natürlich kommt Trinkwasser auch aus Quellen. Quellen, tief aus dem Herzen der Erde.
Viele dieser Quellen sind die Grundlage für Mineralwasser. Reich an Bestandteilen der Anionen- und Kationen-Liste. Wertvoll in der Ernährung, mit vielen Spurenelementen versehen. Das geht sogar hin bis zu Gold, welches in manchem Wasser in kleinstmöglichen Spuren enthalten ist.
Ein Punkt ist dabei nicht so erfreulich: Wasser, das aus natürlichen Quellen gewonnen wird, nimmt auf dem Weg nach oben nicht nur Eisen, Salze und Magnesium auf, sondern ALLES. Das beinhaltet auch Substanzen wie beispielsweise Uran. Der eine oder andere mag jetzt erschrecken. Ich meine, Uran, ist das nicht dieses radioaktive Zeug, aus dem man Atombomben baut? Richtig. Aber in einem Punkt kann ich jeden Leser meines Blogs beruhigen. Uran ist NICHT radioaktiv. Uran ist einfach nur ein Schwermetall. Lediglich die Uran-Isotope sind radioaktiv, und die kommen in natürlichen Uranvorkommen selbst nur spärlich vor.

...sacken lassen.
Es gibt da eine Organisation für Verbraucher- und Lebensmittelrechte namens FOODWATCH. Sie hat sich schon damit profiliert, die Capri-Sonne als zu zuckerhaltig anzuprangern, überhöhte Uranwerte in Mineralwasser entdeckt zu haben und sich die Ernährungsampel von FROSTA zu eigen zu machen, sprich uns weis zu machen, es wäre ihre Idee gewesen.
FOODWATCH zeichnet sich durch drei Dinge aus:
1) Sie legen sich zwar mit Capri Sonne an, aber nicht mit Coca Cola, obwohl die wesentlich mehr Zucker in sehr viel weniger Flüssigkeit geben. Ich nenne das Feigheit vor dem Feind.
2) Sie nehmen einen Umstand, der Schlagzeilen verspricht und behaupten erst einmal etwas, zum Beispiel das die Radioaktiven Bestandteile in manchen Mineralwassersorten zu hoch ist. Erst später und hintenrum kommt dann heraus, das sie die gesetzlichen Grenzwerte für zu hoch halten und ihre Senkung fordern - wohlweislich ignorierend, das ihre Feststellung, die Bestandteile wären zu hoch in den beanstandeten Mineralwassern damit ad absurdum geführt wurde. Von ihnen selbst, wohlweislich. Auch vermisse ich jedes Mal eine Studie, eine Erklärung oder eine Expertenmeinung, WARUM der Grenzwert gesenkt werden soll.
3) FOODWATCH ist eine Medienhure. FOODWATCH hat keine eigenen Projekte, wärmt lieber erfolgreiche Themen anderer Organisationen auf oder bedient sich im eigenen Fundus erneut. Schlagzeilen sind ihr wichtiger als effektive Arbeit, oder die Auseinandersetzung mit wirklichen Problemen.

...sacken lassen.
FOODWATCH war wieder aktiv und hat gesagt, neunundzwanzig Wasserwerke in Deutschland würden Wasser in die Leitungen pumpen, das zu radioaktiv sei. Sie verglichen "tausende Proben" aus dreizehn der sechzehn Bundesländer. FOODWATCH erklärte, die Werte wären zu nahe am Grenzwert, und damit vor allem für Kinder gefährlich.
Was? Der Grenzwert ist gar nicht überschritten? Und ihr macht hier ne Riesenwelle?
Wie, ihr bezieht euch auf "neueste wissenschaftliche Erkenntnisse", wenn ihr schreibt, diese Werte wären vor allem für Kinder bedenklich? Als ich auf eurer Homepage war, habe ich keinen Link zu diesen "neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen" gefunden.
Ach nee, da war ja was. Ein Artikel der EFSA, in dem gesagt wird, bei "Werten von zehn Mikrogramm Urangehalt pro Liter" sei eine mögliche Schädigung von Kindern und Säuglingen nicht auszuschließen. Prompt werden in einer PDF auch dreizehn Wasserwerke genannt, welche diesen Grenzwert überschreiten. Allerdings wieder, ohne einen Link zu setzen oder die Quelle zu nennen.
Viele Was wäre wenns, viele Vielleichts, viele Nicht auszuschließens... FOODWATCH könnte mit Fakten arbeiten, tut dies aber lieber mit Schlagworten.

Was den Urangehalt in Trinkwasser angeht, so sollte man wirklich im Sinne der Verbraucher über Grenzwerte, Schadensminimierung und dergleichen reden, weil wir dies in Deutschland schon immer getan haben. Aber FOODWATCH als Quelle, als Recherchematerial oder gar ernst zu nehmender Gesprächspartner in dieser Diskussion geht ja wohl gar nicht.
Davon einmal abgesehen, ich wiederhole mich, ist Uran als Bestandteil bedenklich, weil es ein SCHWERMETALL ist...
FOODWATCH hingegen bringt immer wieder RADIOAKTIVITÄT ins Spiel und spielt, beziehungsweise spekuliert auf die Ängste der Menschen.
Ich glaube, die BLÖD sucht jederzeit dringend ein paar helle Köpfe, die mit Was wäre wenns und Fragezeichenschlagzeilen umzugehen zu verstehen. Vielleicht solltet ihr die Branche wechseln.
Liebe FOODWATCH, in meinem ersten Blog, den ich zu euch verfasst habe, schrieb ich, niemand braucht eine Trittbrettfahrende Verbraucherschutzorganisation.
Erlaubt bitte, dass ich mich korrigiere: NIEMAND braucht euch.

Freitag, 27. November 2009

Manchmal kommt man einfach zu spät...

Heute ist es mir wiederfahren. Da habe ich Tage drauf gewartet, Stunde um Stunde gewacht, und dann war es vorbei, bevor ich richtig zwinkern konnte.
Denn als ich mich heute bei Fanfiktion.de einloggte, um die aktuelle Zahl meiner Hits aufzurufen, musste ich leider zu meinem größten Bedauern feststellen, dass ich die 7000er Hürde glatt übersprungen und bereits bei 7016 Hits angekommen war. ^^ Das war gestern so noch nicht zu erahnen. Aber selbstverständlich beschwere ich mich darüber nicht. Im Gegenteil. Jetzt habe ich ernsthafte Hoffnungen, tatsächlich noch in diesem Jahr die magische 10.000er Marke zu knacken.


Aber kommen wir zu weniger erfreulichen Dingen. Kommen wir zur harschen Realität. Vor einiger Zeit habe ich einen Blog verfasst, der die beiden von NATO-Flugzeugen zerstörten Tanklastzüge in Kundus, Afghanistan, zum Thema hatte. Gestern geisterten dann Meldungen durch die Medien, die von einem riesigen Skandal sprachen, diesen Vorfall betreffend.
Moment mal, an dieser Stelle wollen wir kurz verharren und uns in Erinnerung rufen, was damals passiert ist:
Taliban-Kämpfer entführten zwei Tankwagen, die Sprit für die Bundeswehr geladen hatten. Dabei wurde einer der Fahrer ermordet. Anschließend flohen die Taliban, blieben aber mindestens mit einem Tankwagen in einem Fluss, ein paar Kilometer von der BW-Garnison entfernt, stecken. Die Taliban wurden aufgeklärt, einerseits durch einen einheimischen Informanten, andererseits durch Kampfjets der NATO. Gegen zwei Uhr morgens gab dann der zuständige Offizier der BW den Befehl für einen Luftschlag anstelle eines Kampfeinsatzes der Bundeswehr. Das Ergebnis waren zwei zerstörte Tankwagen und nahezu hundert Tote.
Am nächsten Morgen wurde ein zwölfjähriger Junge mit Brandverletzungen in einem örtlichen Krankenhaus eingeliefert, von dem erzählt wurde, er wäre beim NATO-Angriff verletzt worden. Weiterhin kursierten Gerüchte, dass die Toten in der Mehrzahl Zivilisten gewesen wären.
So weit die Faktenlage, wie ich sie noch im Kopf habe.
Und schon damals stellte ich die Frage: Was hat ein Zwölfjähriger (oder Zehnjähriger, das weiß ich gerade nicht mehr) um zwei Uhr morgens in einer Flussfurt mit lauter Taliban verloren?
Mein Fazit damals war, dass die Zivilisten entweder menschliche Schutzschilde waren... Oder keine Nonkombattanten. Dazu passten auch Aussagen der Menschen aus den umliegenden Dörfern, die meinten, es seien "nur böse Menschen" getötet worden.

Nun wird der Fall wieder aufgerollt, und der damalige Verteidigungsminister Jung steht in harscher Kritik. Normalerweise würde mich das freuen, denn CDU-Verteidigungsminister haben noch nie einen besonders guten Job gemacht. Und wenn ein CDU-Mann einen auf den Deckel kriegt, neige ich zu unreifer Schadenfreude. Aber in diesem Fall verstehe ich das Trara nicht. Es sind keine neuen Fakten auf den Tisch gekommen. Es wurden nur alte aufgewärmt. Was macht die so spektakulär, dass sogar der Inspekteur der Bundeswehr seinen Rücktritt eingereicht hat? Was ist daran so sensationell, so grausam oder so gewaltig, dass die Bundeswehrführung solche harschen Schritte zulässt? Was ist passiert, das den Fall in einem so neuen und grausamen Licht erscheinen lässt, anders als wenige Stunden nach dem Angriff?
...Der Untertitel einer Schlagzeile einer berüchtigten Boulevardzeitung, die sich für Sensationsmache, Panikmache und allgemeine Fehlinformation noch nie zu schade war. Der Untertitel lautet: "BILD berichtete."

In diesem speziellen Fall kann ich keine Schuld bei Jung sehen, den Fall an sich betreffend. Das einzige was man ihm vorwerfen kann ist seine Aussage, den Untersuchungsbericht zum Vorfall ungelesen an die NATO weiter gegeben zu haben. DAS wäre ein Grund, um ihn in Regress zu nehmen, aber doch nicht das Aufwärmen alter Fakten, mit denen ohnehin festgestellt wurde, das der Luftschlag gerechtfertigt war.
Und was das weitere angeht: Es waren NATO-Kampfjets, die den Luftschlag durchführten. Also ist hier auch die NATO in Deutungshoheit. Aber hätte es FJ Jung wirklich ein Bein gebrochen, wenigstens mal rein zu schauen? Okay, entweder lügt er dummdreist, das sich die Balken biegen. Oder er ist einfach nur dumm und hat seinen Job nicht richtig gemacht. Oder er dachte sich, für Dinge die er nicht weiß kann er nicht bestraft werden. Das würde alles gegen ihn sprechen. Nicht aber der Angriff an sich. Aber auch darüber wird sicher... BILD berichten. Schlimm genug.

Edit: Heute berichtet die Printausgabe der BLÖD stolz davon, dass aufgrund ihrer Enthüllungen Jung seinen Hut nahm.
Einmal davon abgesehen, dass ich nichts von Enthüllungen gelesen habe, und einmal davon abgesehen, dass mir Jung nicht als fähiger Politiker im Gedächtnis bleiben wird: Ist das ein Punkt auf den man stolz sein kann? BLÖD ist es.
Schlimm genug.

Mittwoch, 25. November 2009

Medial vermittelte Gerechtigkeit

Manchmal ist die Welt so wie sie sein sollte. Manchmal stimmt eben doch alles. Und manchmal schafft es sogar ein Medium wie die gedruckte BILD-Zeitung, einem das Gefühl einer höheren universellen Ordnung und tief greifenden Gerechtigkeit zu vermitteln. Na, wir wollen nicht zu viel loben, denn ich bin nicht weiter als bis zur Schlagzeile vorgedrungen und ziemlich sicher, dass Wetterbericht, Angst, Hass, Titten und künftig in Gegendarstellungen korrigierte Meldungen en Masse zu finden sind... Aber immerhin, die Schlagzeile reißt doch einiges wieder raus: Oliver Pocher hat Schweinegrippe!!!
Ja, manchmal ist das Universum im tiefen Einklang mit sich selbst, manchmal atmet es geradezu Gerechtigkeit.
Nicht, das ich was gegen ihn hätte. Ich meine, ein unlustiger Comedian zu sein ist einfach kein Verbrechen, und Harald Schmidt die Show zu versauen auch nicht.
Und außerdem ist es ungerecht, jemandem Krankheiten und andere Übel an den Hals zu wünschen, aber... In diesem Fall ist es etwas anders. Pochers aktueller Pakt mit der BLÖD, in dem er seine Leiden als Mega-Schlagzeile vermarkten lässt, wird noch hart auf ihn selbst zurückfallen. Und DAS ist ihm zu gönnen. Wer ist denn auch sonst so blöd und geht, mit blutigen Steaks behängt, in das Raubtiergehege? Oder reibt sich mit Blut ein, um im Amazonas schwimmen zu gehen? Wie ich schon sagte, ich erahne die tiefere Wahrheit des Universums.


Aber wenn ich schon mal am tippen bin: Uwe Schünemann, seines Zeichens niedersächsischer Innenminister hat tatsächlich vorgeschlagen, jugendlichen Gewalttätern teilweise die Fahrerlaubnis zu entziehen. Er hofft auf einen Synergieeffekt, weil der Führerschein diesen jungen Menschen lieber ist als die Gewalt, wenn ich es mal banal zusammenfassen darf.
...okay, DAS möchte ich bezweifeln. Führerscheinentzug als Gewalttherapie halte ich schon mal für eine Schwachsinnsidee. Um nicht zu sagen für ausgemachten Blödsinn.
Aber was mir da eigentlich mehr Sorgen macht: Gibt es eine rechtliche Grundlage, die es erlaubt, ein Kapitalverbrechen wie ein Verkehrsdelikt zu bestrafen? Sind das nicht eigentlich zwei vollkommen getrennte Bereiche? Und sollte man die nicht im Sinne ALLER Bürger auch getrennt halten, alleine schon um die Verwaltungsfluten der herumgereichten Dokumente aufzuhalten? Und was ist, wenn die Welle rückwärts läuft? Sind dann Bürger irgendwann im polizeilichen Führungszeugnis vorbestraft, weil sie in einem Jahr dreimal falsch geparkt haben?
Herr Schünemann, das kann doch so nicht richtig sein.


Edit am 26.11.: MONITOR überrascht mit einem Bericht ÜBER die H1N1 - mit überraschendem Ergebnis. Besonders die Aussage des australischen Arztes etwa ab 5.30 ist hochinteressant, wenn er sagt, dass H1N1 die saisonale Grippe verdrängt und damit zweitausend Tote verhindert hat.
H1N1, nicht Panikgeber, sondern neuer Heilsbringer? Ich bin gespannt.

Dienstag, 24. November 2009

Vorsicht mit spitzen Bleistiften in der Schule...

...man könnte unter Verdacht geraten, einen Amoklauf damit zu planen.

Vor ein paar Wochen wurde eine Jugendliche in Sankt Augustin daran gehindert, auf ihrer Schultoilette einen Brandsatz zu zünden. Sie wurde von einer Mitschülerin überrascht, verletzte diese mit einem Messer und entkam.
Die Schulleitung löste daraufhin Terroralarm aus, ließ die Schule evakuieren und nach der Täterin fahnden. Die stellte sich daraufhin gegen Mitternacht der Polizei. Die weiteren Ermittlungen inklusive der Durchsuchung ihres Zimmers förderten weitere gefährliche Materialien zutage.
Die Sachlage ist ernst. Eine Sechzehnjährige hat versucht, Teile oder gleich die ganze Schule in Brand zu stecken. Als sie überrascht wurde, verletzte sie eine Mitschülerin und floh, ohne ihre Tat auszuführen.
Psychologen bescheinigten ihr einen Hang zum Suizid, schlossen eine Fremdgefährdung jedoch aus.

...sacken lassen.
So schlimm ein Brandanschlag auch sein mag, so hochgradig die Schüler durch einen Brand in der gekachelten Mädchentoilette gefährdet worden wären, und im Anbetracht der Verletzung des Mädchens, das die Täterin überrascht hat: Warum wird dem Fall gleich das Label "Amoklauf" aufgedrückt?

Was ist ein Amoklauf? Eine oder mehrere Personen entschließen sich dazu, an einem bestimmten Ort in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Menschen zu töten und zu verletzen.
Wenn man ganz großzügig ist, kann man einen Brandanschlag ebenfalls in diese Kategorie einordnen - und wahrscheinlich war es auch überhastet von der Schulleitung, aber zumindest nicht verkehrt, den Vorfall mit höchster Wichtigkeit zu behandeln. Immerhin wurde eine Schülerin schwer verletzt, immerhin hätte es einen Brand gegeben.
M.E. ist die weitere Vorgehensweise psychologische Behandlung der Täterin, eine Bewährungsstrafe und Sozialstunden. Die verletzte Schülerin als Nebenklägerin sollte entsprechend mit Schmerzensgeld kompensiert werden. Das wäre eine logische und konsequente weitere Vorgehensweise. Ich erwähne das auch nur der Vollständigkeit halber, bevor das Urteil gefällt wurde, und Medien wie die BLÖD beginnen, "über die zu große Milde der deutschen Justiz" zu meckern und härtere Strafen zu fordern.

Wie aber gehen die Medien damit um? Auf eine geradezu lächerliche Weise. Für sie ist der Vorfall natürlich ein Amoklauf, und die Täterin ist ihr Freiwild.
Mir bleibt das Lachen im Halse stecken, wenn ich daran denke, dass BLÖD Bilder der Täterin aus dem Gerichtssaal veröffentlichte - ungenügend anonymisiert - und BILDBLOG feststellte, das der BLÖD-Fotograf das Opfer abgelichtet hatte...
Auch dreht sich mir der Magen um, wenn das eine Medium von einem Kurzschwert als Tatwaffe berichtet, während seriöse Medien von einem Messer berichten, aber entgegen der Meldungen kurz nach der Tat darauf beharren, dem Opfer wäre ein Daumen abgetrennt worden. Während das eine Medium lächerlich sensationsheischend ist, fragt man sich bei der vermeintlich seriöseren Redaktion, ob sie einfach besser recherchiert haben, oder ebenfalls ein wenig auf den Entsetzenszug aufspringen wollten...
Im Anbetracht der Tatsache, dass die ersten Meldungen von einer Axt sprachen, behalte ich mir vor, im Bezug auf die Tatwaffe und die erlittenen Verletzungen skeptisch zu sein... Was mich nicht daran hindert, dem Opfer mein Mitgefühl auszusprechen und dem Mädchen eine vollständige Genesung zu wünschen.

...sacken lassen.
Natürlich ist das eine schlimme Sache. Wäre die Täterin erfolgreich gewesen, hätte im einfachsten Fall die Toilette gebrannt, im ungünstigsten jedoch die Schule. Potentiell gefährdet war jeder einzelne Schüler. Aber ehrlich gesagt mache ich mir darum keine großen Sorgen, wenn beim Bau der Schule die Brandschutzbestimmungen eingehalten wurden und Lehrer wie Schüler den Evakuierungsdrill beherrscht haben, bzw. das richtige Verhalten bei Feueralarm kannten.
Sorgen mache ich mir nur darum, dass dem Vorfall automatisch das Label "Amoklauf" angeheftet wurde. Ich finde, dies ist gegenüber den Opfern tatsächlicher Amokläufe hier in Deutschland oder weltweit in keinster Weise fair. Ich hasse es wirklich, wenn die Medien bewusst hypen und sachlich falsch berichten. Und all das nur für eine Schlagzeile.

Freitag, 20. November 2009

Heult doch!

Manchmal hat man solche Phasen, da muss man sich das eine oder andere einfach von der Seele reden. Einige benötigen dafür Urschreitherapie, andere die beste Freundin und ein Paket Taschentücher, wieder andere bevorzugen die Kneipentour mit "den Jungs" und ein wenig Melancholie, um das los zu werden, was auf ihnen lastet.
Ich habe einen eigenen Blog für so etwas. Und das ist sehr praktisch.

Heute möchte ich gleich mehrere Themen anschneiden. Nämlich Neo-Nazis, Anti-Lobbyisten, Kreationisten, und wer mir sonst noch so einfällt, die ihre Meinungen in die Welt posaunen und daran verzweifeln, dass sie nichts zurück kriegen - außer von denen, die ohnehin schon auf ihrer Schiene sind.

Wir fangen mit den Neo-Nazis an, die merkwürdigerweise ausgerechnet in den Bundesländern sehr stark sind, die man früher einmal mit "DDR" umschrieben hat. Ironischerweise ist dort die Linke aber auch sehr stark, doch das soll hier nicht Thema werden.
Ich beginne mit einem Blog, nämlich dem heutigen Eintrag von Bildblog.de. Dort, in der Kathegorie "6 vor 9", führt ein Link zum Blog Störungsmelder, in dem einer der Autoren, namentlich Nico Unkelbach, über die Neo-Nazi-Szene referiert, die Twitter für ihre Propaganda einspannt. Ein sehr lohnenswerter Artikel, wie ich finde. Aber die Aufmerksamkeit möchte ich auf den Kommentator Nummer fünf lenken, Meier mit Namen.
Besagter Meier klagt an: "Ja und warum werden die leute von der npd nicht eingeladen? [...] Wenn die argumente der anderen so schlagend sind, dann bitte eine live-sendung mit udo voigt, gegen leute von anderen parteien, und das dann ohne zensur! Dann wird sich ja zzeigen was ist, der bürger entscheidet."
Die Tippfehler und die schlechte Formulierung stammen übrigens von Meier, nicht von mir.
Nun, mein lieber Meier: Du hast Recht, so etwas sollte man wieder mal machen. Es passiert nämlich alle Naselang, und jedes Mal kriegen die Polit-Schergen dern NPD, DVU und REPs einen auf die Nase. Dann versuchen sie sich hinter ihrem "Argumente-Bollwerk" zu verstecken. Und ich rede nicht von rhetorischen Siegen, immerhin werden diese Leute entsprechend geschult, nein, ich rede von Siegen nach Fakten.
Also, Herr Meier, heul doch! Und hoffentlich geht Dein Wunsch in Erfüllung. Ich würde mich gerne mal wieder etwas aufregen und etwas amüsieren.

Kommen wir zu Punkt Nummer zwei: Anti-Lobbyisten.
Was ist nun das besondere an Anti-Lobbyisten, das mich dazu bringt, sie in meinem Blog zu erwähnen? Hm, dass es von ihnen zwei Sorten gibt. Einmal haben wir da die Fachleute, z.B. Journalisten, Fachautoren und Mitarbeiter von Greenpeace, die das Fachwissen haben und sich nicht davor zurückschrecken, beispielsweise die deutsche Stromwirtschaft dafür anzuklagen, dass sie in Deutschland ein illegales Kartell errichtet haben, um unsereins zwanzig Prozent mehr für den Strom aus der Tasche zu ziehen als selbst unserem teuersten Nachbarn...
Und dann gibt es jene Lobbyisten, die an den Tag treten, wenn eine rosa Wundersalbe gegen Neurodermitis und Schuppenflechte "von der Pharma-Industrie nicht vermarktet wird, weil sie eigene Produkte vom Markt verdrängen würde, da sie zu billig in der Produktion ist und - noch schlimmer - die Patienten heilen würde. Aber die Pharma-Industrie macht sich ja den eigenen Absatzmarkt nicht kaputt." Ironischerweise rutschte besagte Wundersalbe vom "Wunderheilmittel" zum "Therapieunterstützer" ab, aber das nur am Rande.
Was unterscheidet diese beiden Prototypen des Anti-Lobbyisten?
Nun, Version eins genießt meinen Respekt und meine Achtung, weil er recherchiert, Fachwissen besitzt, bis zu einem gewissen Maße selbstlos agiert und für das Gemeinwohl arbeitet.
Version zwei hingegen kommt direkt vom Stammtisch, ist erklärter Nichtwähler, weil "die ja ohnehin alle in die eigene Tasche arbeiten", stützt sich auf ungeprüfte Fakten, solange es nur gegen "die da oben" geht, und hat "natürlich schon immer gewusst, dass es nur ums große Geld geht".
Lieber Stammtisch-Anti-Lobbyist: Heul doch! Vor einiger Zeit übernahm ich ungeprüft Fakten und fand mich darin wieder, dass ich Herrn Sarrazin Dinge vorwarf, die er so gar nicht gesagt hat. Nach einer Prüfung der Fakten kam ich aber zum Schluss, dass der von der BLÖD gepuschte Bericht so nicht stimmte, und der alte Herr weder Rassist noch Idiot ist. Ich habe mich daraufhin entschuldigt, mir aber noch Spielraum gelassen. Will sagen: Ich habe recherchiert, und dieser Fehler passiert mir gewiss kein zweites Mal. Der Stammtisch-Anti-Lobbyist hingegen weiß natürlich, das die Meinung, die ihm vorgekaut wurde, die einzig richtige ist, dass die BILD eigentlich ja die BILDung ist und das alle anderen Recht haben. Und überhaupt, wozu Fakten, wenn die Welt so einfach erklärt ist?
Nicht mit mir, Leute. Und nicht in diesem Ton.

Kommen wir zu den Kreationisten, kommen wir zum eigentlichen Spaß an der Sache. Die benutzen das neue Medium Internet nämlich auch sehr, sehr gerne, und jedesmal wenn ich auf eine ihrer Seiten stoße, schlage ich mir die Hand vor den Kopf. Dann erkenne ich immer wieder, warum ich auf sie negativ reagiere... Und warum ihre Seiten UNBEDINGT online bleiben müssen, denn nicht einmal ihre Gegner können ihnen schneller Zurechnungsfähigkeit, Sachlichkeit und Faktentreue absprechen als ihre eigenen Artikel!
Zum Beispiel diese Seite, die eine direkte Verbindung zwischen Star Wars, dem teuflischen Buddhismus, Hitler und schließlich sogar Satan zieht.
Eigentlich hätte ich herzhaft lachen sollen, aber irgendwie wollte es mir nicht gelingen.
Da behauptet der Autor dieser Seite ernsthaft, dass Star Wars ein Satanskult ist. Meinetwegen. Es ist nicht das erste Mal, das jemand Fiktion nicht von Realität unterscheiden kann. Und das ist sicher nicht mein Problem. Aber der perfide Weg, wie er es beschreibt, stößt mir sauer auf.
Er [der Pageschreiber] beginnt damit, dass er darauf hinweist, dass Lucas erwähnt, die Philosophie der Jedis würde teilweise auf dem Buddhismus ruhen. Buddhismus ist ihm schon mal GANZ verdächtig, und ohne Umschweife bringt er diese Religion mit Satanismus in Verbindung. Doch jetzt kommt es erst dicke: Die Swastika, ein in Fernost weit verbreitetes Symbol für Glück, Wohlstand und Zufriedenheit, wurde einst von Adolf Hitler als Symbol für seine Nazi-Partei verwendet. Genauer gesagt hat Hitler das indische Sonnenrad für seine Propagandazwecke missbraucht und dem Glückssymbol in Deutschland und der westlichen Welt nachhaltig ein negatives Label verpasst, das es überhaupt nicht verdient hat. Aber es kommt noch kurioser. Allgemein bekannt ist, dass Hitler einen gewissen Hang zum Mystizismus hatte. Bei unserem Freund jedoch wird daraus gleich Satanismus.
Also: Star Wars=Buddhismus=Swastika=Hitler=Satan=Star Wars. Alles klar soweit?
Lieber Harry Walther: Heul doch! Eine an fadenscheinigeren Argumenten aufgezogene Assoziationskette - ach nee, Du bestehst ja sicher darauf, es seien Beweise - habe ich schon ewig lange nicht mehr gelesen. Da kommen selbst die Nazis nicht mit. Sorry, Jungs.
Star Wars=Nazis=Satanismus? Eher nicht. Kreationismus=Leuteverdummung=Müll trifft es da schon eher.

So, ein Punkt noch, dann habe ich mir wieder ordentlich Crap von der Seele geschrieben. Tja, wer einen Blog hat, braucht für kleinere Probleme keinen Seelenklempner, wie schön.
An dieser Stelle möchte ich mal eine Lanze brechen... Für meine gute Freundin Miyu-Moon, die eifrig in meinem Blog kommentiert und nahezu alle meine Arbeiten, die im Netz verfügbar sind, gelesen hat. Besagte junge Dame ist mittlerweile eine handwerklich und stiltechnisch sichere Hobby-Autorin, und hat anderen Amateuren ganz schön was zu sagen. Und sie tut es auch. Eines ihrer Hobbys ist es, wenn sie die Zeit und die Muße hat, auf Seiten wie Animexx.de Geschichten zu ihren Lieblingsthemen zu lesen und zu bewerten. Dabei kommt es auch mal vor, dass sie auf Geschichten trifft, die grammatikalisch falsch sind, Plotfehler haben, ihre Handlungsträger Out of Character beschreiben und zudem für sich in Anspruch nehmen, unfehlbar zu sein. Ihr Lieblingskommentar auf Miyu-Moons ernsthafte Verbesserungsvorschläge ist, falls sie nicht gleich alle ihre eifrig kommentierenden Einselfer-Freunde für eine Mail-Kampagne gegen Miyu aufrufen, ist: Don´t like it, don´t read it.
Ich nenne solche meist jungen Autoren bei mir Quietschkommi-Autoren. Sie schreiben meist in einem begrenzten Umfeld, erfreuen sich gleichgesinnter Fans, die ebenso schlechte Autoren sind und ziehen sich daran hoch, dass sie zwanzig oder mehr Kommentare bekommen, und das ist mehr als die anderen haben... Nur leider hat das nichts mit Qualität, Plot und Rechtschreibung zu tun. Im Gegenteil, wenn diese "Autoren" jemals ihre Nische verlassen, werden sie furchtbar auf die Schnauze fallen. Sie sind endemisch, also nur in ihrem direkten Umfeld anzutreffen, und auch nur dort lebensfähig. Das macht keinen guten Autoren aus, das macht einen schriftstellerischen Krüppel aus. Da hilft auch ein NarutoXSasuke-Plot nichts, der einhundert Mädchen begeistert kreischen lässt: Die Fehler sind da, sie werden nicht besser, und leserlicher wird es auch nicht.
Liebe Quietschkommi-Autoren: Heult doch! Don´t like it, don´t read it? Bullshit! Wenn Ihr keine Kritik wollt, dann postet die Geschichten nicht für jedermann zugänglich! Wer keine Kritik verträgt, der soll für sich alleine im stillen Kämmerlein schreiben, anstatt sich wie etliche meiner Kohais angestrengt darum zu bemühen, mit jedem Text ein wenig besser zu werden.

So, das tat gut. Dennoch, trotz all dieser Negativ-Beispiele: Die Welt ist groß und bunt, und die besten Wasserrutschen stehen in Kalifornien.

Montag, 16. November 2009

6666 - The number of Ace

Nein, ich habe keine Sechs zuviel getippt. Und, ja, es ist eine Anspielung auf den Welthit "Number of the beast" von Iron Maiden.

Regelmäßige Blog-Besucher ahnen jetzt schon, was dieser Titel zu bedeuten hat und was ich ihnen zu lesen gebe: Richtig, ich zelebriere mich wieder einmal selbst, mit der Zahl der Aufrufe meiner Geschichten auf Fanfiktion.de.
Dort habe ich heute, wie der Titel so schön sagt, Sechstausendsechshundertsechsundsechzig Hits erreicht, davon alleine sechstausend im letzten Halbjahr. Gut, gut, das liegt vielleicht auch daran, dass ich monstermäßig viele Storys dort gepostet habe - lange, kurze, Mehrteiler, Onepager und seit neuestem kurze Gedichte aus meiner Feder - ich persönlich freue mich vor allem darüber, dass das Interesse an meinen Geschichten bei den Usern von Fanfiktion.de nicht abreißt, sondern eher zunimmt. Durchschnittlich fünfundzwanzig Mal werden meine Arbeiten aufgerufen, wenn ich keine neue Geschichte poste. Und ich finde das wirklich spitze. ^^
Profi-Karriere, ich komme!


Edit: Gerade zum Thema H1N1 entdeckt, und sollte eigentlich in einen eigenen Post...
Aber egal. Ich habe vorhergesagt, dass wir DAS HIER lesen würden. Allerdings hatte ich da eher die BLÖD-Zeitung favorisiert. Tja, Leute, da ist Euch wohl jemand zuvor gekommen.

Donnerstag, 12. November 2009

Darwin wäre beinahe Pastor geworden...

...aber ich bin sicher, die Seite, die mit seinem Namen und dem nach ihm benannten Preis, den Darwin Award, arbeitet, hätte nicht seinen Gefallen gefunden. Denn jeder, der die simple Adresse Darwin-Award.com eingibt landet nicht auf der Seite mit der Prämierungen der auf dümmste Weise aus dem Genpool der Menschheit verschwundenen Menschen, sondern auf einer Hardcore-Bibelseite.
Hardcore-Bibelseite? Was ist das, werden manche fragen. Nun, das ist vielleicht nicht so einfach zu erklären. Aber ich will versuchen, es mit einem Wort zusammen zu fassen: Kreationisten!
Genau, diese besondere Gruppe Mensch, deren Glaube mir Ausschlag verursacht. Wobei es nicht ihr christlicher Glaube ist, sondern ihr irrationales Verlangen, die Bibel mit einem Sachbuch gleich zu setzen oder gleich als erklärte Wissenschaft zu etablieren.
...sacken lassen.

Durch reinen Zufall gelangte ich also auf diese Hardcore-Seite, und es war alles da, was einen fundamentalistischen Christen, der daran glaubt, dass Gott die Erde in sieben Tagen erschaffen hat (Ätsch, es waren aber nur sechs) und das bald das Armageddon droht, richtig auf Touren bringt.
Als da wäre: - Die Uhr der bevorstehenden Apokalypse, die effektvoll auf fünf vor zwölf steht.
- Der Bericht des Bibelhassers, der durch eine Predigt und Monatelange eigene Bibelforschung dazu überging festzustellen, das "alles in der Bibel wahr ist".
- Ein Auszug der schönsten Prophezeiungen über das Ende der Welt.
- Und immer besonders beliebt: Wer kein Christ ist, im Idealfall natürlich kein Mitglied dieser einen christlichen Sekte, kommt nicht ins Himmelreich. Und wo finden wir die Begründung für diese gewagte Behauptung, die zwei Milliarden Katholiken düpiert? Richtig, natürlich in der Bibel, man muss nur richtig lesen.

Das waren natürlich nicht alle Beispiele, nur das was mir nach zehn Minuten und acthzig Zeilen des Berichts unseres Konvertiten so im Gedächtnis geblieben ist. Ich möchte keinem zukünftigen Besucher den Spaß oder die Erleuchtung nehmen, etwas neues auf dieser Seite zu finden, was ihn dann amüsiert oder erleuchtet. Tja, Schwamm drüber.
Jeder, der schon einmal einen von mir zum Thema verfassten Blogeintrag gelesen hat, weiß, dass ich Kreationisten nicht mag. Die Gründe dafür sind einfach: Kreationisten verkaufen sich erst selbst für dumm, und dann versuchen sie es mit allen anderen.

Zum Beispiel mit den obigen vier fadenscheinigen Argumenten, die ich jetzt behandeln werde:
1) Der berühmte Club of Rome hat eine ähnliche Uhr. Sie stand lange Zeit auch auf fünf vor zwölf. Nach den Entspannungen zum Ende des Kalten Krieges hin wurde sie jedoch zurück gestellt. Die Christen, welche diese Seite betreiben, scheinen die einzigen zu sein, die ein nahes Ende der Welt sehen. Aber das ist wahrscheinlich ihr Job.

2) Der Bericht des Saulus zum Paulus (unser Bibel-Konvertit) ist niemals authentisch. Der Autor berichtet immer wieder darüber, dass er mehr und mehr Stellen in der Bibel gefunden hat, die "wahr" sind. Dem dummen Leser aber lässt er seine unschätzbar wertvollen Erkenntnisse, wo denn die Bibel "wahr" ist, nicht zukommen. Die sollen wohl alle selber recherchieren. Außer Schlagworten nichts gewesen. Eine Broschüre, die sein Versprechen erläutert, die Bibel sei "wahr", wurde auch nicht angeboten.
Meine Meinung: Nur Leute, die ihre Fakten nicht erklären können, erklären ihre Fakten nicht. Klingt dämlich? Ist es auch, aber nur für diese Leute.

3) Eine Wolke im Westen und ein heißer Wind aus dem Süden, so fängt eine Prophezeiung zur Apokalypse an. Hallo? So was haben die in Bayern ständig. Das nennt sich Bewölkung im Westen und Fön von den Alpen. Und Bayern steht immer noch. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Das ist so ein wenig wie Nostradamus entschlüsseln: Wenn wir die Apokalypse hatten, können die Überlebenden ran gehen und ergründen, welche Wolke es aus dem Westen war, und welcher Fönwind aus dem Süden das Ende der Welt brachte. Kreationisten geizen immer mit Fakten und klaren Worten. Denn sie wissen warum.

4) Mein Lieblingspunkt ist aber der letzte: Da wird einfach munter behauptet, wer nicht zu unserer Kirche gehört, der ist kein richtiger Christ und kommt auch nicht in den Himmel.
Okay, ich habe in jungen Jahren sehr viel in der Bibel gelesen, und ich bin etwas sattelfest. Jedenfalls genug um zu wissen, dass Jesus Christus mit seinem Kreuztod die Schuld ALLER Menschen auf sich genommen hat, und das er JEDEM der ihm folgt geraten hat: Schlägt man dich auf die linke Wange, so halte auch die rechte hin. Passt das etwa dazu, dass sich eine christliche Kirche nicht nur auf Jesus beruft, sondern auch einen einmaligen, von der Bibel "untermauerten" Rettungsanspruch aufstellt? Nein, das passt natürlich hinten und vorne nicht. Im Gegenteil, nach dem ersten Drittel wird das purer Verrat am Christentum.

Ich habe nun schon einige Zeit gelebt und sehr viele Erfahrungen gemacht, gute wie schlechte. In all der Zeit habe ich oft mit dem Gedanken gespielt, meine Kirchensteuer zu sparen und auszutreten; letztendlich dachte ich mir aber immer, das es nicht auf das Geld ankommt, sondern auf den Glauben. Auch dachte ich, kann es der deutschen evangelischen Kirche nicht schaden, wenn mit mir einer mehr Mitglied ist, der Wissenschaft und Glauben auseinander halten kann.
Aber immer wenn ich die Texte von Kreationisten, religiösen Weltverschlimmerern und christlichen Pseudowissenschaftlern lese, schlackern mir die Ohren. Erlaubt mir, dass ich mich weiterhin auf diesem Wege dieser obskuren und peinlichen Konstrukte erwehre.

Ach ja, bevor ich es vergesse: Besagte Seite prognostiziert das Ende der Welt, wenn Russland und einige arabische Staaten in Israel einfallen und die USA involviert sind...
Geschickt gemacht, denn sollten sich arabische Nachbarn - aus welchen Gründen auch immer - zu einem Waffengang gleich welcher Art gegen Israel entscheiden, sind die USA natürlich automatisch involviert. Das Problem hierbei ist Russland. Putin und Konsorten haben leider keinerlei Interessen an der Region, speziell nicht an Israel, was über den christlichen Glauben hinaus gehen würde. Es dürfte also schwer sein, Russland dazu zu bewegen, Israel anzugreifen, nur damit wir unser Armageddon-Vorzeichen haben.

Und natürlich finden die Schriftrollen vom Toten Meer Erwähnung im Bekenntnis des konvertierten Bibelhassers. Aber unser neugeborener Paulus begeht natürlich einen Fehler: Er vergisst uns zu versichern, dass seine Recherche aus einer Bibel stammt, die auf Grundlage dieser Schriftrollen geschrieben ist.
Jeder, der einigermaßen über den christlichen Glauben informiert ist weiß, dass die katholische Kirche und nach ihnen jede andere Splittergruppe an der Bibel herum gedoktort hat. Wobei Luther eher wenig zensierte, während die katholische Kirche in etwa ein Drittel der Texte weg fallen ließ. Auch die Schriftrollen vom Toten Meer, egal wie authentisch sie auch sein mögen, müssen erst einmal Eingang in die Bibel finden - und das tun auch nur jene Passagen, die neu sind. Dazu müssen diese aber auch erst wieder am Papst vorbei.

Hach, manchmal liebe ich es, mich über Kreationisten aufzuregen.
In diesem Fall überwiegt aber mein Ärger, wenn ich die Perfidität sehe, mit der diese Gruppe auf Leute hofft, die nicht Google nutzen, um auf die Seiten des Darwin Awards zu gelangen.
Autsch. Ich ergehe mich in Kopfschmerzen.

Montag, 9. November 2009

Ringelt sich das Schwänzchen schon?

Schweinegrippe und kein Ende. Eigentlich sollte ich ja alle Zeitungsartikel ignorieren, die den Virus NICHT mit H1N1 oder Neue Grippe betiteln, weil alleine das schon ein Hinweis darauf ist, dass ungenau recherchiert wurde. Aber ich habe es dennoch gemacht, bin ein paar Links von Bildblog.de gefolgt und hier gelandet! Und was Frau Friederike Tinnappel von der Frankfurter Rundschau in ihrem Leitartikel hier abliefert, abgesehen davon, dass sie am Montag, dem 9.11. bereits davon spricht, das morgen der 11.11. ist, kann man wie folgt zusammenfassen: Impf-Lobbyismus.

Nicht nur, dass sie vollkommen unbekümmert ohne Zahlenbelege arbeitet, sie scheut sich auch nicht, finsterste Polemik zu verwenden. Da sind die Impfstoffe, die vor zwei Wochen noch zuverlässig ausgeliefert wurden, plötzlich "wegen Engpässe nicht mehr geliefert worden", da werden Menschen die sich gegen die Impfung entscheiden die ewigen "Ich doch nicht"-Impfgegner genannt und damit karikiert, während die anderen jene sind, "die sich ernsthaft um ihre Familien sorgen". Und mit wahrer Hingabe beschreit sie nicht nur das Ende des Impf-Engpass, sondern auch die Verfügbarkeit neuer (und wahrscheinlich verträglicherer) Impfmittel von anderen Pharmaunternehmen.
Sie schließt mit Blick auf den Karneval und die dort folgenden Menschenmassen wie folgt: "Wenn wir uns alle impfen lassen, schlagen wir der Schweinegrippe ein Schnippchen."

Sehr geehrte Frau Tinnappel, Sie haben anscheinend ein paar elementare Dinge nicht begriffen.
1) Fünfundzwanzig Millionen mögliche Immunisierungen sind für ein Volk von zweiundachtzig Millionen Menschen mehr als ausreichend.
2) Wenn von dreißigtausend oder mehr Krankheitsfällen mit H1N1 geredet wird und wir auf elf Tote kommen - wobei bei diesen Opfern das Virus nachgewiesen wurde, nicht dessen Lethalität - haben wir einen supermilden Verlauf mit etwas Husten und Schnupfen, aber keine Pandemie, die Impf-Hysterie rechtfertigt.
3) Impfgegner pochen zwar auf die Nebenwirkungen der Impfung, aber darum geht es nicht, wenn ich mich nicht impfen lasse: Ich persönlich sehe keinen SINN darin, mich gegen diesen leichten Sommerhusten impfen zu lassen. Und ich bin Asthmatiker.
4) Mit Artikeln wie Ihrem muss man die Hände über dem Kopf zusammen schlagen und Medizinern wie Robert Koch und Wissenschaftlern wie Louis Pasteur Abbitte leisten, weil die positive Arbeit, die von ihnen begonnen wurde, von Ihnen absurd gemacht wird. Absurd in der gezielten Schürung von Panik, künstlichem Impfwillen und Lobbyismus für Pharma-Unternehmen, die nun auch noch auf den vermeintlich fetten Impfmarkt drängen, der gar nicht existiert.
5) Auch die Impfgegner sorgen sich um ihre Familien, deshalb sind sie ja skeptisch.

Frau Tinnappel, Sie leisten weder der Impfung an sich, noch der Bekämpfung der Schweinegrippe einen Dienst. Ich habe vergeblich in Ihrem Artikel nach Zahlen gesucht, nach Links zu Vergleichswerten und dergleichen. Was ich gefunden habe war eine Anzeige, über der das Wort Anzeige nicht zu finden war.
Was Ihren Schlusssatz angeht: Wir können der Schweinegrippe eben KEIN Schnippchen beim Karneval schlagen, wenn wir uns jetzt alle impfen lassen. Zwar dauert der Karneval bis zum Aschermittwoch... Aber um eine Immunität nach der Impfung zu entwickeln, bedarf es im Schnitt zwei Wochen. Zu spät für den 11.11. um Elf Uhr Elf.

Bitte mehr Fakten und weniger Meinung in Ihrem nächsten Leitartikel.
Ach, und bitte, überlassen Sie unsinnige, reißerische und sachlich falsche Texte doch bitte der BLÖD-Zeitung.

Donnerstag, 5. November 2009

Internet natives aller Länder, hört auf Euch zu treffen...

...so oder ähnlich möchte ich gerne diesen Blog-Beitrag beginnen.
Diese Woche entdeckte ich auf Bildblog.de in der Rubrik "Sechs vor neun" eine Auswahl diverser im Internet verfügbarer Artikel. Einer von ihnen behandelte das Interview einer Reporterin, die sich mit einer vierzehnjährigen Gymnasiastin über das Internet, Datensicherheit und dergleichen unterhalten hat, inklusive den "Gefahren im Netz". Teilweise kam mir das Interview authentisch vor, streckenweise unrealistisch, vor allem sobald es um New Age-Dinge wie "Geld verdienen durch Urheberrechtsklagen" oder "im Internet kann man auch Monster treffen" ging.
Mit vielem war ich einverstanden manches ließ in mir den Verdacht keimen, es entweder mit einer Retorte, einer massiven Nachbearbeitung der Autorin oder einem "vorbereiteten", sprich instruierten Gesprächspartner zu tun gehabt zu haben. Letztendlich überwogen aber die positiven Aspekte, deshalb Schwamm drüber.

Denkste. Felix Schwenzel, Betreiber des Blogs Wirres.Net, hat die Fragerunde auch entdeckt, etwas modifiziert und sich mit deren Hilfe selbst interviewt. Dabei hat er die Finger auf viele Ungereimheiten gelegt, tüchtig in der Wunde gebohrt und klar gestellt, dass man auch mit einem C64 bereits im Computerzeitalter angekommen war.
Felix, das war dringend nötig. Und jetzt bin ich mir sicher, große Teile des Ursprungsinterviews waren gefaket.
Euer C64-Veteran Ace.

P.S.: Wizball, anyone?

Dienstag, 3. November 2009

Je olla, je Dollar

Und ich meine nicht Dolly Dollar, sondern die US-amerikanische Währung.
Dies ist der Auftakt zu einem kleinen Gedankenexperiment meinerseits. Alle, die mit Mathe nichts am Hut haben, sollten jetzt fix das Weite suchen. Alle anderen zücken entweder den Taschenrechner oder aktivieren das in ihr Betriebssystem eingebettete Gadget.
Die Aufgabe ist simpel: Wir schreiben das Jahr 2000. Alexander fliegt zu einem mehrtägigen Urlaub in die U.S.A. und muss dafür sein Geld umtauschen. Der freundliche Banker in seiner Volksbank-Filiale sagt ihm, dass er für einen US-Dollar Zwei Mark zwanzig berappen muss.
Alexander tauscht zweitausendzweihundert Mark in eintausend Dollar um. (Ja, ich weiß, das ist ne Menge Kies, und man fragt sich, WAS für einen Urlaub Alexander geplant hat. Ignoriert das bitte. Ich wollte nur eine glatte Zahl haben.)

Kleiner Zeitsprung in die Gegenwart: Alexander spielt wieder mit dem Gedanken an eine Amerika-Reise. Er surft durchs Web und findet auf www.finanzen.net den aktuellen Dollarkurs. Demnach kriegt er heute für einen Euro Eins Komma vier sechs Dollar. Er bezahlt für Eintausend Dollar also Sechshundertvierundachtzig Euro und dreiundneunzig Cent.

Nun schauen wir noch einmal ins Jahr 2002, dem Jahr in dem wir Kontakt aufnahmen - mit dem Euro. Die Faustregel für die Umrechnung Mark gegen Euro ist fix. Für einen Euro muss Eine Mark neun fünf fünf acht drei berappt werden.
Wenn Alexander nun seine zweitausendzweihundert Mark in Euro getauscht hätte, dann wäre das wie viel?
Richtig: Eintausendeinhundertvierundzwanzig Euro und vierundachtzig Cent.
Dieses Geld wollen wir jetzt in Dollar anlegen. Wir erinnern uns, für einen Euro kriegen wir Einen Dollar und sechsundvierzig Cent. Macht also Eintausendsechshunderzweiundvierzig Dollar und siebenundzwanzig Cent (aufgerundet).

Worauf will ich hinaus? Nun, im Jahr 2000 hat Alexander für sein Geld Eintausend Dollar bekommen.
Im Jahr 2009 hingegen bekommt er für die gleiche Summe in Euro umgerechnet sechshundertzweiundvierzig Dollar siebenundzwanzig mehr. Und das in einer Zeitspanne von nur neun Jahren.
Mein Fazit: Kein Wunder, dass die Amerikaner in einer Krise stecken, wenn ihr Geld in nur neun Jahren zwei Fünftel seines Wertes verliert.
Und: Urlaub in den USA ist für uns Europäer aus Euro-Land gerade supergünstig.

Natürlich werden jetzt die Wirtschaftsexperten auf die Barrikaden steigen, von Kaufkraftverlust reden, die Inflation anführen, von Booms und Regressionen sprechen, ansteigender und absteigender Import-Export-Leistung... Aber, meine Herren, diese Bedingungen gelten doch nicht nur für die USA, sondern auch für den Euro-Raum, oder?
Mir bleibt ein vergnügte Schmunzeln, die Hoffnung, dass ich mit einem Euro-umgetauschten Dollar genauso viel kaufen kann wie mit den Mark-umgetauschten Dollars im Jahr 2000 und die Gewissheit, das es einer Währung gerade recht gut geht: Dem Euro nämlich.