Mittwoch, 31. März 2010

Krieg in einer instabilen Region?

Normalerweise arbeite ich nicht mit Fragen, wenn ich einen Blog-Eintrag schreibe. Diesmal aber muss es sein: Gibt es einen Krieg gegen den Iran?

Eigentlich ist es ein Unding. Eigentlich sollte es wütend machen. Und eigentlich fragt man sich: Ist so etwas wirklich möglich? Hat das US-amerikanische Regierungssystem nichts gelernt? Und: Sind all unsere Hoffnungen in Barry Obama nichtig und wertlos?

Was ist passiert? Was wird noch passieren?
Seit einiger Zeit beobachte ich in den konventionellen Medien einen deutlichen Ruck weg von den üblichen geforderten Sanktionen und hin zur militärischen Intervention (d.h. zum Beispiel Luftangriffe gegen Nuklearanlagen. Von Landkrieg und Invasionen wollen wir mal gar nicht erst sprechen.).
Der Ton wird schärfer, die USA sammeln ihre willigen Verbündeten und versuchen mit ihnen eine neue Qualität zu erreichen, um den internationalen Druck in der eigentlich machtlosen UN-Versammlung in Richtung schärfere Sanktionen zu erhöhen.
Es ist mir unverständlich, worum es in der Diskussion überhaupt geht. Es ist mir nicht begreiflich, warum Präsident Ahmadinedschad als das Synonym des Bösen gelten soll.
Es hat schon etwas von Agitation, in dieser Atmosphäre die Behauptung einzustreuen, der Iran wäre bereits in der Lage, Atomwaffen herzustellen, wie dieses Zitat von tagesschau.de impliziert:
"Doch dann veränderte sich Obamas Tonfall, als er Sarkozys außenpolitisches Thema Nummer Eins aufgriff - den sich nuklear aufrüstenden Iran."
Der Autor, Herr Ralph Sina, stellt hier als Tatsache hin, was Waffeninspekteure und Wissenschaftler noch nicht einmal ansatzweise bestätigt haben, geschweige denn für möglich halten. Tatsächlich ist das Zentrifugensystem, welches der Iran in Betrieb genommen hat, nicht in der Lage, Uran auf einen waffenfähigen Status anzureichern.
Hier muss man den blauäugigen Journalisten ehrlich fragen - und natürlich alle Politiker der westlichen Welt, die auf diesen Panik-Zug aufspringen: Wozu sollte der Iran das tun?
Himmelherrgott, wenn der Iran Atomwaffen will, wenn er Atomwaffen braucht, wird er die jederzeit von Russland bekommen. Der Iran BRAUCHT KEINE Infrastrukturen um Atomwaffen herzustellen. Und dass Russland, Iran, China und Venezuela einen Interessenverbund geschlossen haben, den sie gegen die US-amerikanischen Hegemoniebestrebungen einer Bush-Ära schützen soll, ist ein offenes Geheimnis.

Es geht nicht wirklich um den Iran. Es geht nicht wirklich um Atomwaffen. Es geht auch nicht um den Islam, und erst Recht nicht um den Frieden in der Region, sonst hätte der ehemalige Präsident Bush nicht den Befehl zu zwei Kriegen gegeben, die ein halbwegs stabiles Land und eine eher unruhige Region der Welt (Irak und Afghanistan) in ein absolutes Chaos gestürzt hätten, und den amerikanischen Steuerzahler immer noch jedes Jahr MILLIARDEN kosten.
Es geht auch nicht um Politik im weitesten Sinne, ansonsten hätte die USA längst Indien die Hand halten müssen, damit die indischen Truppen in einem gezielten, schnellen Vorstoß Pakistan nieder ringen und deren Atomwaffen in ernsthaftere Hände bringen können. (Ja, ja, so weit sind wir schon, dass ich indische Militärs und Politiker, die Atombomben als Gotteslichter und Heilsbringer betrachten, als Alternative zum korrupten Regime in Islamabad sehe).
Oder man hätte aufhören können, sich von israelischen Konservativen gängeln zu lassen, um endlich einen Frieden in der Region zur größtmöglichen Zufriedenheit aller zu schaffen, anstatt das sie sich hinter ihren eigenen Atombomben, ihrem hoch gerüsteten Militär und ihrem Hauptverbündeten, den USA, verschanzen. (Das Heikle am Siedlungsbau der Israeli in Ostjerusalem und dem Westjordanland ist nicht, dass sie dieses Land als ihres beanspruchen, sondern dass sie es zuvor den Palästinensern wegnehmen.)
Das alles hätte mehr für die ganze Region gebracht als dieser Versuch, den Iran "unten" zu halten. Warum also?
Die Antwort ist simpel und einfach: Dieses Land hat Öl. Und ein Iran, der wirklich mit Atomwaffen ausgerüstet wäre, würde von konventionellen Bodentruppen nicht angegriffen werden. Das erklärt übrigens ganz hervorragend, warum das narzißtische und seine Bevölkerung unterversorgende Nord-Korea immer noch existiert - der hat die Atombombe.

Warum macht Barry Obama da mit? Warum lässt er sich da hin treiben, und nicht nur da, sondern auch im Irak und in Afghanistan? Warum setzt er die konservativen Pläne fort?
Einfach erklärt. Weil er keine andere Wahl hat. Ein Rückzieher in diesen Ländern, auf diesen Themengebieten, wäre Wasser auf den Mühlen seiner Gegner, die ohnehin schon auf einem Niveau gegen ihn agieren, wogegen die BILD-Zeitung Literaturpreise gewinnen müsste. Er kann nicht zurückstecken, wenn er nicht den Rückhalt für all seine Themen verlieren will, unter anderem die Reform des Gesundheitswesen.
Allerdings traue ich ihm NICHT zu, einen Krieg gegen den Iran zu befehlen. Das wird dann der nächste republikanische Präsident machen - nachdem der Iran durch internationale Sanktionen genauso geschwächt ist, wie anno dazumal der Irak.

Also, nochmal: Wenn der Irak Atomwaffen haben will, werden die Russen welche liefern, so einfach ist das. Und wenn es die Russen nicht tun, machen es die Chinesen. Oder Nord-Korea.

Es wäre ja auch gelacht gewesen, wenn da nicht ein paar Fakten hätten verdreht werden können, um eine künstliche Bedrohung aufzubauschen.
Immerhin muss der Iran ja sogar als Bedrohung für Europa her halten und galt schon als Ausrede für Bushs Antiraketenschild, den er in Polen gegen den Iran errichten wollte - immer vorausgesetzt, der Iran marschiert überraschend in Russland ein, unterwirft das Land und bedroht Europa von Weißrussland aus mit Mittelstreckenraketen.
Auch die reichlich durchsichtige Aussage, dass der Iran Raketen hat, die sogar Europa erreichen können, schürt dieses Bild. Sinnloserweise, denn warum sollte es sich der Iran mit all jenen Staaten verscherzen, die seine Raketen überfliegen müssen, um Europa zu erreichen? Um Deutschland zu erreichen? Abgesehen davon, dass in Bulgarien kein Raketenschild geplant ist, obwohl er dort bei einer iranischen Bedrohung mehr Sinn macht als in Polen.
Also, ganz großer Bullshit, das alles, unter anderem von Herrn Sina.

Versteht mich nicht falsch. Ich hätte nichts dagegen, wenn das Atomprogramm des Iran ersatzlos gestrichen wird, vor allem da wir in Deutschland ernsthaft bemüht sind, diese Sackgassentechnologie für die Stromerzeugung hinter uns zu lassen. Und ich persönlich habe auch nichts dagegen, wenn der Iran keine eigenen Atomwaffen baut - oder noch besser, keine von Russland kauft.
Außerdem bin ich als engagierter Demokrat davon überzeugt, dass eine strikte Trennung von Kirche und Staat auch dem dynamischen Iran nur nützen kann, genau so wie er die Türkei voran gebracht hat. Aber all das setzt man nicht mit Kriegen für Öl um. Der Irak hat das bewiesen, zweifellos.

Montag, 22. März 2010

Spritpreisexplosion

Ich glaube, zu dem Titel muss man nicht mehr viel sagen. Er erklärt sich selbst. Mehr als das, eigentlich ist damit auch schon alles gesagt, oder?
Denkste. Um ein wenig auf Spekulanten und Preistreibern herum zu hacken, kann man sich immer Zeit nehmen.

Wir erinnern uns alle: Vor knapp zwei Jahren waren die Preise für Heizöl und Benzin in astronomischen Höhen. Gerechtfertigt wurde dies mit dem hohen Rohölpreis.
Diese beiden Grafiken von Tecson.de und Thema-Energie.de belegen für 2008 auch einen extrem hohen Ölpreis. Verursacht wurde der nicht vom mangelnden Angebot, sondern von den Geschäften der Ölspekulanten. Zum Beispiel jenen Großhändlern, die große Kontingente Öl reservierten und damit aus dem Handel nahmen. Dies führte zu einer künstlichen Verknappung, denn das Öl war ja da, galt aber als verkauft. Dadurch stieg der Ölpreis. Die bis dato vergesehen Regel, dass das reservierte Öl erst bezahlt werden musste, nachdem der Kunde es selbst - zum weit höheren Preis - weiter verkauft hatte, wurde meines Wissens nach bisher nicht geändert.
Damals lag der Benzinpreis bei knapp einem Euro fünfzig, und die Erdölproduzierenden Länder erhöhten daraufhin ihre Förderquoten, um dem Markt mehr Rohöl zur Verfügung stellen zu können. Daraufhin entspannte sich die Lage am Rohölmarkt deutlich.

Die Grafik auf Tecson.de ist da eindeutig. Zwar haben wir die Tiefstregionen um vierzig Dollar pro Barrel Rohöl Anfang 2009 schon wieder verlassen, aber bei einem recht stabilen Preis von achtzig Dollar das Barrel liegen wir weit unter den Spitzen von einhundertvierzig Dollar Mitte 2008.
Das Problem: An der Tankstelle bezahlen wir trotzdem fast einen Euro fünfzig pro Liter Benzin.
Wieso, mag man sich da fragen, wenn augenscheinlich genügend Rohöl auf dem Markt ist? (Wir erinnern uns alle: Angebot und Nachfrage regeln den Markt. Ist ein Handelsgut rar und gefragt, steigt der Preis. Ist der Preis moderat, stehen sich Angebot und Nachfrage ausgewogen gegenüber.)
Die Ausrede der Händer und Ölkonzerne ist an Offensichtlichkeit dann auch nicht zu übertrumpfen: Der Rohölpreis ist zwar relativ gesehen im Keller, aber der Benzinpreis eben nicht. Man müsse halt teuer einkaufen.
Also, für den Iran kann ich mir diese Situation gut vorstellen. Obwohl ein Erdölexportierendes Land, hat es das Problem, nicht über genügend Raffineriekapazitäten zu verfügen. Deshalb muss Benzin vom Weltmarkt gekauft und importiert werden.
Aber Deutschland? Europa? Unsere Raffinerie-Kapazitäten sollten das eigentlich problemlos bewältigen können.

Wo also liegt das Problem? Warum wird Benzin so teuer eingekauft, obwohl der Weltmarktpreis moderat ist?
Die Antwort liegt in einer simplen Erkenntnis: Zwar ist der Hauptanteil am deutschen Ölgeschäft Mineralölsteuer, d.h. der Fiskus verdient am überdrehten Spritpreis dankenswerterweise tüchtig mit (was ich persönlich für eine Art ausgleichender Gerechtigkeit halte), aber die Konzerne sind auch nur Firmen. Firmen, die verdienen wollen. Firmen, die automatisch mehr verdienen, wenn der Liter Benzin einen läppischen Cent höher steigt. Und wenn man die Masse bedenkt, die in Deutschland verfahren wird, bedeutet dieser eine Cent selbst nach Steuern eine Menge Geld.
Müssen wir die Ölkonzerne also bedauern, weil sie Benzin so teuer einkaufen müssen, oder sollten wir uns fragen, warum der niedrige Einkaufspreis für Rohöl nicht an den Verbraucher weiter gegeben wird?
Letzteres, Herrschaften. Letzteres. Denn immerhin geht es hier, wie in vielen Dingen, ums Geschäft. Ein Oligopolgeschäft, in dem wir Verbraucher die Dummen sind.

Montag, 15. März 2010

Solarkraft ist auch keine Lösung?

Mit großem Interesse habe ich heute auf Tagesschau.de einen Artikel gelesen, in dem sich einhundertfünfzig Kommunen zum Wohle ihrer Stadtwerke gegen eine Verlängerung der Laufzeiten von AKW's wehren. Die Zeichen stehen auf Sturm, und ein gerichtlicher Einspruch bei der geballten Macht von einhundertfünfzig Gemeinden ist nicht auszuschließen.
Doch worum geht es den Kommunen eigentlich? Die Verseuchung von Asse und Gorleben mit Atommüll und die damit verbundene Gefährdung der Anwohner? Nein.
Die Tatsache, dass der Atomstrom irgendwas um sechzig Cent kosten würde, wenn er nicht massiv subventioniert werden würde? Nein.
Die noch immer ungeklärte Frage nach der Entsorgung? Nein.
Mokieren sie sich dann wenigstens darüber, dass ein Atomkraftwerk keine Verbrauchsspitzen versorgen, also nicht auf höhere Leistung gebracht werden kann? Nein.
Befürchten sie dann wenigstens eine Endlichkeit des Grundstoff Uran in der weltweiten Förderung? Nein.

Tatsächlich gehen die Stadtwerke vollkommen neue Kritikwege. Es ist unbestreitbar, das eine längere Laufzeit von Atomkraftwerken vor allem eines bedeutet: Bares Geld für die Betreiber. Dagegen ist prinzipiell nichts zu sagen. Wer eine Leistung erbringt, sollte auch dafür entlohnt werden. Der Haken bei der Atomkraft sind halt all die Kosten, die es verursacht - und das alleine der Uranabbau und die Urananreicherung genügend CO2 erzeugt, um mit konventionellen Kraftwerken mitzuhalten.
Aber längere Laufzeiten bedeuten auch eine Wettbewerbsverzerrung, eine Zementierung des Strom-Oligopols der großen vier deutschen Netzbetreiber. Außerdem befürchten die Kommunen einen Innovationsstau bei der Planung und dem Bau neuer, verbesserter Kraftwerke. Logisch, wer braucht die Dinger, wenn die AKW bis in alle Ewigkeit laufen? *husthust* Das "laufen" natürlich ironisch gemeint.
Nachvollziehbar, denn wenn die Subventionskuh erst mal wieder im Melkgeschirr ist, werden die großen Vier (und ich meine nicht die Beatles) schon dafür sorgen, dass sie dort bleibt, so lange wie möglich. Vor allem weil FDP und CDU/CSU schon davon sprechen, dass "der weltweite Trend zu mehr Atomkraftwerken geht". Dass gewisse Parteien in Deutschland ein offenes Ohr für die Industrie haben, ist auch nichts Schlechtes. Dass sie allerdings auch eine offene Hand für die Industrie haben, um ihr anschließend jeden Wunsch von den Augen abzulesen, hingegen schon.
Also, zusammenfassend kann man sagen: Noch keine Entspannung für die Subventionskuh, sie steht immer noch im Melkgeschirr der Stromkonzerne. Aber der Widerstand formiert sich aus verschiedenen Richtungen: Markttechnisch, Ökonomisch, Wissenschaftlich.


Interessant fand ich anschließend noch die Kommentare. Der Kommentator Kirl befürchtet nämlich, dass langfristig der Strompreis in Deutschland steigt, weil die Solarkraft überfördert ist.
Allerdings dürften die Strompreise in Deutschland eigentlich um ein Drittel billiger sein, wenn es wirklichen Wettbewerb geben würde, mein lieber Kirl. Die sind nämlich jetzt gerade völlig überteuert, gerade im europäischen Vergleich. Sehr viel schlimmer kann es Solarkraft auch nicht machen. Im Gegenteil, die Frankfurter Rundschau bekräftigt, dass die Solarstromförderung den Bürger im Monat 1,60€ kostet... Für CO2-freien Strom aus Geräten, die nicht einmal Wartung brauchen. Ich frage mich, wie Kirl dann darauf kommt, die nächsten zwanzig Jahre würde die so diskriminierte "Solarschuld" den Steuerzahler 100 Milliarden Euro kosten. Für mich stinkt der Kommentar nach Atomstromlobby.

Der Kommentator gman schlägt in die fast gleiche Kerbe und rechnet uns vor, wie teuer Solarstrom ist, im Vergleich zur geförderten Wasserkraft. Lieber gman, bevor Du, wie es gerade Mode ist, im Netz die Solarkraftförderung zusammen streichen willst, schau Dir mal diese Gegenrechnung zur Atomenergie aus D-Mark-Zeiten an, die ich per Zufall im Web gefunden habe.
Die Zahlen sind genauso sicher wie Deine - und genauso unsicher.

Fazit: Atomstrom ist weder billig, noch CO2-neutral. Aber es wird viel damit verdient, und wir können sicher sein, dass sowohl die Spaßpartei als auch CDU/CSU ein offenes Ohr für die Nöte der großen Vier haben wird. Und die Spaßpartei auch eine offene Hand, wie sie in dieser Legislaturperiode bereits bewiesen hat.

Mittwoch, 10. März 2010

Sie haben gewonnen...

...zumindest an Erfahrung, möchte man titulieren.
Wer kennt das nicht? Man sitzt nichtsahnend Zuhause, und plötzlich ruft jemand an.
Am anderen Ende ist allerdings keine Person, sondern eine Bandstimme, die einen erst einmal persönlich anspricht: "Spreche ich mit Familie *statisches Rauschen*?"
Dann folgt der folgenschwere Satz: "Sie haben gewonnen!"
Und um auf Nummer sicher zu gehen: "Richtig gehört, Sie haben gewonnen!"
Oh toll! Freude schöner Götterfunken. WAS habe ich denn gewonnen? "Sie haben einen BMW im Wert von fünfzigtausend Euro gewonnen, oder einen Geldbetrag bis zum gleichen Wert."
Moment Mal, macht Ihr mir hier gerade meinen Gewinn streitig? Ich meine 'bis zum gleichen Wert', das kann so ziemlich jede Zahl bedeuten, von fünfzigtausend Euro bis zu einem Cent. Da freut man sich gerade, das einem jemand Geld schenkt, und schon kommt die erste Einschränkung?
Aber es geht ja noch weiter: "Bitte rufen Sie in den nächsten vierundzwanzig Stunden folgende Nummer an, um Ihren Gewinn zu bestätigen. Sie müssen das aus verwaltungstechnischen Gründen tun."
Also, für fünfzigtausend Euro würde ich das ja durchaus in Betracht ziehen, aber für einen Cent? Grübel, grübel. Was will diese Bandstimme eigentlich von mir? Und was habe ich denn jetzt gewonnen? Einen BMW, Geld in bis zu gleichem Wert, oder einen freien Anruf auf eine kostenpflichtige Hotline, die mich möglichst lange am Telefon zu halten versucht, damit der Angerufene gewinnt? Fragen über Fragen.

Die Auflösung: Nach Internetverbindungsbetrug, Kettenbriefen, Spendenmails, die E-Mails zählen und Internetabos, haben wir es hier wieder einmal mit schlichtem, herrlich einfachem Betrug zu tun. Denn wenn man die Service-Nummer anruft, die der nette Mann vom Band zwei- dreimal runter leiert, kommt man NATÜRLICH auf eine sehr, sehr teure Rufnummer, auf der weitere Bandansagen versuchen, einen möglichst lange bei der Stange zu halten. Da können dann schon mal rund hundert Euro auf der nächsten Telefonrechnung stehen. Oder auch viel mehr.
Wieder einmal versucht jemand, mit der Einfalt, der Not oder vielleicht auch nur dem Augenblick für NICHTS Geld aus Menschen heraus zu quälen. Die vielleicht selbst gar nicht genug haben und dieses Geld furchtbar dringend brauchen könnten... Ich zum Beispiel. XD
Wieder einmal versucht es jemand mit der uralten Masche: Wenn nur jeder einhundertste Angerufene die Nummer wählt, die genannt wird und hundert Euro vertelefoniert, dann rechnet sich das bei tausend angerufenen Nummern pro Tag.

Ich habe natürlich NICHT zurückgerufen. Ein wichtiges Indiz dafür, dass ich es mit Betrug zu tun hatte, und das der sonore Onkel auf dem Band nur mein Geld wollte, ist die Tatsache, dass ich weder an einem Gewinnspiel teil genommen habe, noch dass ich die Lotterie, in derem Namen er den BMW (oder das Geld) versprach, überhaupt kannte. Das war vor einem halben Jahr, und ich habe herzlich gelacht. Richtig gelacht aber habe ich, als ich die "Gewinn-Hotline" gegenüber der Bundesnetzagentur wegen unverlangter Telefonwerbung angezeigt habe.
Heute habe ich die Bestätigungs-Mail erhalten, das die "Gewinn-Hotline" gesperrt und sämtliche Telefonrechnungen con dieser Nummer gesperrt wurden. Auch wurde dem Betreiber der Rufnummer verboten, per Inkasso fällige Geldbeträge einzutreiben.

Im Prinzip handeln die Betrüger immer gleich, und hoffen auf die Unwissenheit, die Angst oder die Gleichgültigkeit der User, bzw. Telefonkunden.
Als ich vorletztes Jahr beinahe auf die Megadownload-Abzocke herein gefallen wäre, habe ich allerdings gemerkt, wie LEICHT man sich wehren kann. Das geht vor allem sehr gut, wenn man mit diesen Verbrechern!, ja, Verbrechern!, überhaupt gar nicht erst kommuniziert.
Oder den Betrag der Telefonrechnung zurück buchen lässt. Das Schöne am deutschen System ist nämlich, dass wir Mahnungen ERST bezahlen müssen, sobald ein Gericht das entscheidet. Dazu muss der Kläger, also die Verbrecher! beweisen, dass ihr Anspruch rechtens ist. Ist er natürlich nicht, und das wissen die Kläger, also die Verbrecher!.
Das funktioniert natürlich NICHT bei gerechtfertigten Klagen, zum Beispiel des Handwerkers, der das Dach gemacht hat. Dem wird das Gericht wohl nicht nur Recht geben, sondern auch noch die Verfahrenskosten auf den säumigen Schuldner aufschlagen, aber das ist eine andere Geschichte.

Für alle, die drohen, an einem ähnlichen Thema zu verzweifeln, sei der Katzenjens empfohlen.
Seine Ratschläge richten sich zwar hauptsächlich an Opfer von Internetabo-Betrügern, können aber nahtlos auch auf Telefonfallengeschädigte übertragen werden.
Also, nicht drauf reinfallen, wenn eine Bandstimme einen Megagewinn verkündet, wenn Ihr überhaupt nicht gespielt habt. Aber die Nummer notieren, und sich bei der Bundesnetzagentur beschweren. Und seinen Teil dazu beitragen, dass unser Alltag von diesen Betrügern, also den Verbrechern! ein wenig mehr bereinigt wird.

P.S.: Laut Bundesnetzagentur sitzt die Firma, die das Gewinntelefon betreibt/betrieb, in der Schweiz und nannte sich frech Krankenkassen Auskunft. Pfui.
Übrigens habe ich meine kleine, persönliche Rache schon gehabt. Ich habe das Band beim Anruf einfach weiterlaufen lassen, ohne eigentlich hin zu hören... Denn DAS kostet den Anrufer Geld. XD

Samstag, 6. März 2010

10.000

Es ist passiert, worauf ich seit Wochen warte... Und von dem ich noch vor einem Jahr nicht für März 2010 zu hoffen gewagt hätte. Meine Geschichten erregten auf Fanfiktion.de zehntausendmal Aufmerksamkeit. Richtig, ich verzeichne heute zehntausend Aufrufe. Dazu kommen einhundertfünfzehn Reviews.
Wenn ich mir dann vor Augen führe, in welch kleinem Zeitraum das passiert ist, dann fühle ich mich schon sehr stolz. Solche Erfolgserlebnisse sind es dann auch, die mich wieder und wieder zum weitermachen motivieren.

An dieser Stelle herzlichen Dank an alle meine Leser, meine Fans und jene, die aus reinem Interesse in meinen Geschichten stöbern. Danke für Kommentare, Hinweise, dezente Fehlermeldungen und Ideen. Danke für das letzte Jahr. Ich habe wenig geschrieben, aber es hat mir dennoch sehr viel Spaß gemacht. Und ich hoffe, dass ich 2010 nicht nur auf Fanfiktion.de die Zwanzigtausend durchbreche, sondern auch auf den anderen Seiten, auf denen ich mehr als aktiv bin, also Battletech.info, Twobt.de und Animexx.info, nicht weniger erfolgreich bin, und weiterhin für meine Fans und mich fantastische Welten und interessante Geschichten beschreiben werde.
Danke, und bleibt mir treu.

P.S.: Ihr dürft ruhig Eure Freunde überreden, mich ebenfalls zu lesen. Vielleicht wird das dann ja was mit dem nächsten gedruckten Buch aus meiner Feder. ^^V

Montag, 1. März 2010

Diesmal geht es endlich wieder ums schreiben...

Aber nicht darum wie ich schreibe, sondern wie andere ihre Arbeiten verbessern können.
Der folgende Text wurde von mir zuerst auf Animexx.info geschrieben und veröffentlicht, aber ich finde ihn so lehrreich, dass ich ihn hier in meinem Blog erneut bringe.
Und ihn einfach mal so stehen lasse. Ich hoffe, damit dem einen oder anderen etwas Hilfestellung geben zu können.

Weil ich meine Finger nicht still halten kann, und weil ich gerade wieder auf typische Probleme gestoßen bin, hier ein paar Schnelltipps, die immer gültig sind.


Meine Tipps zur Verbesserung von Stil, Sprache und Grammatik bei Nachwuchsautoren:

1) Als Anfänger sollte man stets kurze Sätze schreiben. Und mit kurz meine ich MAXIMAL zwei Zeilen. Schachtelsätze über vier, fünf, neun Zeilen sind ein absolutes No Go.

2) Bei der wörtlichen Rede gilt dies: Folgt auf die wörtliche Rede ein Nebensatz, wird er mit einem Komma hinter den Anführungsstrichen abgetrennt. Nicht davor, und weggelassen werden darf er auch nicht. Punkt wird dann nicht gesetzt. Fragezeichen und Ausrufungszeichen hingegen schon.
Punkt setzt man nur, wenn der Satz mit der wörtlichen Rede endet.

3) VIELE hoffnungsvolle Jung-Autoren stehen auf dem Kriegsfuß mit Verben, Adjektiven und Substantiven. Oder, um die Unterscheidung zu erleichtern, Tu-Wörter, Wie-Wörter und Hauptwörter.
Der generelle Unterschied zwischen ihnen ist: Tu-Wörter und Wie-Wörter werden klein, Hauptwörter aber groß geschrieben.
Tu- und Wie-Wörter erklären sich eigentlich selbst, aber sicherheitshalber erwähne ich es noch mal: Unter Tu-Wörtern, also Verben, die klein geschrieben werden, versteht man alle Wörter, die in den Bereich der Tätigkeiten fallen. Also: gehen, laufen, schreiten, machen, lernen, denken, glauben.
All diese Wörter haben gemein, das man sie tut. Aber vorsicht, wenn man den Begriff an sich meint, als das Gehen, das Laufen, den Glauben, dann handelt es sich um Hauptwörter, und sie werden groß geschrieben. Ein wichtiges Hilfsmittel ist hier der Artikel. Wörter, den man einen Artikel geben kann, sind also Hauptwörter und werden groß geschrieben.
Das gleiche gilt für Wie-Wörter, als da wären: WIE ist eine Sache? Gelb, schön, traurig, witzig, laut, schnell, spannend, genial (ich also ^^V). Diese Wörter werden klein geschrieben. Insofern sind Wie-Wörter, also Adjektive, etwas leichter als Tu-Wörter, weil man aus ihnen nicht so ohne weiteres Hauptwörter machen kann. Das geht bei Farben ganz gut: Das Gelb, das Blau, das Grün. Aber nicht hier: Die Schöne, die Trauer, der Witz.
Auch hier gilt wieder: Kann man einen Artikel vorstellen, ist es höchstwahrscheinlich ein Hauptwort, und wird groß geschrieben.
Wobei ich hier eine Einschränkung habe: Das gilt nur für den Fall, dass der Artikel auch davor passt, und NICHT mit Gewalt vorgesetzt wurde, wie ich traurigerweise schon erleben musste.

4) Formulierungen sind SEHR WICHTIG. Oder anders ausgedrückt, der Lesefluss ist es. Man kann in einem Text noch so ambitioniert sein, noch so gute Ideen haben, wenn man den Leser nicht bei der Stange hält, nützen auch die fünfzig Einselfer-Quietschkommis aus dem eigenen Zirkel nichts. Deshalb rate ich immer wieder: Ihr habt einen Satz geschrieben und die von mir vorgestellten Regeln beachtet, aber irgendwie ist noch was falsch? Lest ihn laut. Ein Satz, der gut klingt ist normalerweise auch gut geschrieben. Eine sehr sichere und einfache Methode zum besseren Schreiben.
Wenn Ihr hier und da dennoch unsicher seid, FRAGT MICH!

5) Auch diesen Tipp erwähne ich immer wieder: Lest viel!
Und zwar nicht unbedingt die vor Fehlern strotzenden Geschichten Eurer Lieblingsfanautoren, die Euch immer so tolle Bewertungen geben, sondern lektorierte Bücher, in denen das Deutsch steht, das Ihr lernen wollt. Meinetwegen lest die Texte von Leuten auf Fansites, aber nur von denen, die es können. Nur so lernt man dazu. Wer vor Fehlern überquellende Texte liest, lernt die Fehler.

6) Don't like it, don't read it gibt es nicht.
Alle Autoren, egal wie alt und egal wie hoffnungsvoll oder wie groß ihre Klientel auch sein mögen, stellen sich der Kritik, sobald eine Geschichte frei veröffentlicht wurde. Jeder hoffnungsvolle Jung-Autor, der eigentlich nur Quietschkommis hören will, muss das wissen, das nun Hinz und Kunz vorbei kommen können, um zu kommentieren. Und wenn es mehr als ein "Ist das Scheiße" ist, sondern ernsthafte Tipps zur Verbesserung, dann sollte man nicht mit "Don't like it, don't read it" antworten.

7)Das Eingemachte.
a) Wie schreibe ich eine gute Geschichte?
Zuallererst sollte man sich über eines klar sein: Was will ich schreiben, und wie lang soll es werden? Natürlich kennen wir das alle: Wir fangen mit einer Kurzgeschichte an, und bevor wir uns versehen, sind es zwanzig Seiten geworden, ohne das ein Ende abzusehen ist. Das ist legitim. Was aber wenn wir uns am Zügel reißen? Dann ist es nicht verkehrt, den Plot zu kennen, bzw. niedergeschrieben zu haben.
b) Wenn man weiß, das die Geschichte länger werden soll, hat es sich bewährt, entweder eine kurze Biographie zu jeder wichtigen Person zu schreiben, die Dinge wie Alter, Aussehen, Reaktionen und das Umfeld berücksichtigen (Nadia ist eine Waise. Sie ist dreizehn Jahre und sucht mit ihrem Jugendfreund Sam nach ihrer Vergangenheit. Sie ist fröhlich, weltoffen, etwas naiv, aber das macht nichts weil sie den schwarzen Gürtel in Judo hat. Sie hat blaue Augen, braune Haut, schwarze Haare, ein schmales Gesicht mit dezenter Nase und Segelohren. Sie ist eigentlich recht hübsch.).
c) Bei bestimmten Geschichten lohnt es sich, auch Exposés zu Orten zu verfassen, zu Technologie, zur Vorgeschichte der eigenen Story. Je größer sie werden soll, desto ausführlicher ist sie auch auszuarbeiten.
d) Geschichten schreiben ist wie ein Rollenspiel spielen. Hier gilt die Gesagt, getan-Regel. Alles was man nicht in die Geschichte schreibt ist folglich nie passiert, egal wie oft man hinterher drauf hinweist. Deshalb ist die Planung der Handlung ebenso essentiell wie eine gute Nachbearbeitung. Man liest grundsätzlich seine eigene Geschichte noch einmal durch, wenn sie fertig ist, und korrigiert seine Fehler und Unterlassungen.
e) Eine gute Geschichte muss den Leser beim ersten Satz fesseln und "bei der Stange halten". Es schadet also nichts, am perfekten Eröffnungssatz zu feilen. Bedenkt dabei aber IMMER, er muss auch zum folgenden Text passen. Schreibt also keinen Splatteranfang, wenn es eigentlich um eine Selbstfindungsstory geht.

8) Noch ein Tipp für Fortgeschrittene: Ihr habt einen Text geschrieben? Ihr seid stolz auf Euch? Wollt Ihr dennoch was Neues lernen? Okay, dann nehmt einen beliebigen Text von Euch und dreht die Sätze um. D.h. nehmt einen Satz und stellt den komplett um. Allerdings sollte er später noch einen Sinn ergeben. Genauso wie der Text. Das hat was von: Dinge aus einer neuen Perspektive sehen. Und es macht Spaß.

9) Noch mal kurz zum Thema Self Insert: Es ist absolut legitim, sich selbst in seine eigenen Stories zu seinen Lieblingsserien rein zu schreiben. Und in den eigenen Stories darf man auch tun und lassen WAS IMMER MAN WILL.
Aber bedenkt eines: Je mehr Ihr übertreibt, je mehr die Kanon-Charaktere, die Ihr für Eure Story benötigt, gegen ihr Verhalten in der Serie/den Romanen/den Mangas/den Animes handelt, desto uninteressanter ist die Story für potentielle Neuleser. Ein guter Self Insert geht einfach in der Haupthandlung auf. Alles andere provoziert Kritik und hat zudem mit der Originalserie nichts mehr zu tun. Außer ein paar Namen, vielleicht.