Donnerstag, 30. Dezember 2010

Peter Ramsauer: Bester Witz zum Jahresabschluss

Also, ich hätte es nicht besser machen können. Da wird doch der bayrische Bundes-Verkehrsminister Ramsauer damit zitiert, in seiner Behörde typische Anglizismen wieder einzudeutschen. So wird aus dem Computer wieder ein Rechner, und aus der Task Force eine Arbeitsgruppe.
Der Witz bei dieser Geschichte ist: Ausgerechnet ein Bayer fühlt sich dazu berufen, die Reinheit der deutschen Sprache zu retten. Und ich finde, das ist doch schon ein Schmunzeln wert, solange die Bayern so stolz auf ihren Dialekt und ihre Subkultur sind. (Subkultur jetzt aber richtig verstehen, liebe Bayern. Ihr seid nun mal keine eigene ethnische Gruppe, weder kulturell, noch sprachlich. Demzufolge seid Ihr eine Subkultur des deutschen Kulturraums.)
Aber was tut man nicht alles für ein wenig Aufmerksamkeit.

Das ist so gesehen nicht schlimm. Beinahe im Minutentakt fühlen sich Politiker der dritten Reihe, Semi-Promis und Vorsitzende irgendwelcher Bundesverbände dazu berufen, sich zum Retter der deutschen Sprache aufzuschwingen und ein wenig Schlagzeile zu machen. Das ist halt so üblich in Deutschland. Und die Halbwertszeit solcher "Phänomene" beträgt dankenswerterweise nur ein paar Wochen.
Weitaus bedenklicher sehe ich da schon die Ergebnisse der Umfrage auf Stern.de, wo man zur Frage: Hat Ramsauer Recht?, in drei Kategorien antworten konnte: A)Völlig, richtig, rettet die deutsche Sprache, B)Ist mir total egal, C) So ein Quatsch, englische Begriffe sind viel knackiger...
Abgesehen von der idiotischen, Meinungseingefärbten Wortwahl der möglichen Antworten irritiert mich das Ergebnis, das zu A) vierundachtzig Prozent Zustimmung anzeigt.
Ja, hallo, Deutschland und liebe Stern.de-Leser, geht's noch?

Einige mögen sich jetzt fragen, worum es Ace eigentlich geht. Hat er was gegen die deutsche Sprache? Ist er ein Denglish-Fan? Oder hält er Deutsch für allgemein überflüssig in Zeiten der Globalisierung?
Weder noch. Ich halte Deutsch wegen seiner Grammatik, wegen der vielfältigen Ausdrucksmöglichkeit, wegen der Akzente für eine der schönsten, durchaus schwierigsten und interessantesten Sprachen der Welt. Ich liebe Deutsch. Was ich aber liebe, das ist das lebendige Deutsch. Das Deutsch, das sich der Zeit anpasst, das flexibel und damit interessant bleibt. Das aufsaugt was immer es braucht, und fallen lässt, was es hinter sich gelassen hat.
Letztendlich ist das Deutsch, das wir kennen, kein reines Deutsch. Allerdings ist das Deutsch, zu dem Ramsauer zurückkehren möchte, auch kein reines Deutsch. Es ist dann halt nur nicht verenglischt, sondern bezieht seine Lehnwörter aus dem Französischen, dem Italienischen, dem Spanischen, dem Holländischen, und was wir an Nachbarn mehr haben. Prominentestes Beispiel hierzu ist einer der simpelsten Begriffe, die wir in Deutschland kennen, das Substantiv "Nase". Habt Ihr gewusst, dass das kein deutsches Wort ist? Unter Hitler und den braunen Massen sollte "Nase" durch ein reindeutsches Wort ersetzt werden: "Gesichtsriechzinken". (Übrigens einer der Gründe, warum ich bei jedem neuen Verteidiger der deutschen Sprache automatisch an Nazi-Deutschland denken muss.) Na, da ist man doch froh darüber, dass man das ausländische Lehnwort hat, oder?

Also, meine lieben Semi-Promis, Politiker der dritten Reihe und Vorstände irgendwelcher Vereine: Bitte erst nachdenken, und dann posaunen. Vor hundert Jahren war Französisch in; heute sind es Anglizismen, morgen ist eventuell das Holländische dran, oder eher wahrscheinlich das Chinesische (Kantonesisch, denke ich mal). Macht uns nicht unsere lebendige Sprache kaputt, und lasst uns nicht in die Horrortiefen des Reindeutschen zurückkehren. Wobei ich in diesem Blog schon mal festgestellt habe: Deutsch ist eine Mischung. Das Rezept hat sich bewährt. Bleiben wir dabei.

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Jetzt festgestellt: Grüne Schuld an allem!

Es gibt da ein altes Sprichwort: Wer den Schaden hat, braucht für Spott nicht zu sorgen.
Im Umkehrschluss gilt aber auch: Wer Erfolg hat, braucht auf Neider nicht lange zu warten.
Für die Grünen gelten beide Sprüche, wenngleich die Neider händeringend darauf warten, dass ihnen überhaupt erst ein Schaden entsteht.

Worum geht es? Am 17.12. verlinkte Bildblog.de auf einen Online-Artikel der Welt der Redakteurin Claudia Ehrenstein, in dem sie den unwiderlegbaren Schluss zog, die Grünen seien die größten Umweltverschmutzer.
Ja, die Grünen sind an allem Schuld, höchstwahrscheinlich auch an der biblischen Erbsünde. Sieht man ja schon daran, dass Adam und Eva damals Blätter getragen haben. Wahrscheinlich grüne. Gut, gut, vielleicht sind es nicht unbedingt die Grünen, sondern vielmehr ihre Wähler. Denn wie die Autorin des Artikels zu berichten weiß, sind ja Grünen-Wähler meistens aus gutsituierten Kreisen, haben bessere Jobs, mehr Einkommen und können sich mehr Konsum leisten. Sprich: Sie haben die Kohle, und deshalb haben sie gefälligst auch öfters Klima-gefährdend in den Urlaub zu fliegen, mehr unnötige, Klimaschädliche Konsumprodukte anzuschaffen und mit dicken, Benzinfressenden Giganto-Geländewagen herum zu fahren.
Soweit also der Absturz des Artikels von der Quelle allen Bösens zu Mutmaßungen.

Nun weiß natürlich jeder, dass die knapp elf Prozent, die den Grünen bei der letzten Bundestagswahl ihre Stimme gegeben haben, unmöglich ALLE Besser- oder Sehr gut-Verdiener Deutschlands gewesen sein können. Das wären über den Daumen Viereinhalb Millionen Wähler. Wenn also ein dickes Auto und eine Extra-Flugreise im Jahr bereits ausreicht, um in diese Klientel zu gehören, wie uns der Welt-Artikel weis machen will, müssten wir hier eher von (von mir) geschätzten acht bis zehn Millionen sprechen. Sind das zufällig die, die den Grünen gerade mit Prognosen von über zwanzig Prozent "zugelaufen" sind? Waren sie etwas unentschlossen während der wichtigen Bundestagswahl? Oder was ist hier passiert?

Tja, normalerweise wäre mir weder der Artikel noch die einseitigen, menschlich fragwürdigen Meinungen zum Artikel einen Blog-Eintrag wert gewesen, weil sich sowohl die Autorin als auch die Kommentatoren hiermit vom Status des zurechnungsfähigen Menschen entfernt haben. Nur weil man Grüne bashen will, heißt das noch lange nicht, das so vage Fakten auch Realität werden, egal wie sehr man es will.
Aber leider beobachte ich doch in der regulären Presse, dass solche fadenscheinigen Argumente zu gerne aufgegriffen, übernommen und zu eigen gemacht werden.
Dabei sind die Grünen eher eine Partei der Frauen, wenn man der Bundeszentrale für politische Bildung glauben darf.

Kommen wir zu meinem Fazit: Die Grünen und die Springer-Presse vertragen sich nicht immer gut. Das Hauptklientel des Springerverlags bleiben FDP, CDU und CSU. Gelegentliche Flirtereien mit der SPD sind lediglich Alibi-Handlungen, die aber bitte, bitte keine Stimm-Effekte bei der nächsten Wahl haben dürfen.
Ich erinnere mich noch mit äußerstem Unbehagen daran, wie die BLÖD im 2005er-Wahlkampf die CDU in den Himmel gelobt hat. Ein Schelm, wer dabei denkt, dass die überparteiliche BLÖD damit doch irgendwie Partei ergriffen hat.
Nun haben die Grünen einen Höhenflug, liegen mit ihren Umfragewerten bei über zwanzig Prozent. Klar, dass da den Konservativen und der ihr loyalen Presse langsam der kalte Angstschweiß ausbricht. Klar, dass man den Grünen da was am Zeug flicken muss. Aber was? Hartz IV? Geht nicht, weil, das ist doch so bequem, und man hat es zu gerne übernommen. Den Einsatz in Afghanistan? Nein, auch nicht so unbedingt, weil Mutti Merkel den ja auch übernommen und sich zu eigen gemacht hat.
Na ja, da bleibt halt nur noch, die gute alte Wasser und Wein-Story zu erzählen. Die Wähler der Grünen sind halt reicher. Logischerweise konsumieren sie dann auch mehr und sind damit eigentlich gar nicht grün zu nennen. Klingt ja auf den ersten Blick auch logisch. Aber leider passt dieses Profil für die Wähler einer anderen Partei wesentlich besser: Nämlich für jene der FDP. Aber davon findet man im Welt-Artikel keine Spur. Sonst könnte man sich das ganze schöne Grünen-Bashing ja sparen, und zudem auch noch den Verteidiger der Rechte der Superreichen verärgern. Immerhin muss im Kapitalismus die Schere zwischen Arm und Reich weiiiit auseinander ragen, denn das zeigt den Wohlstand eines Landes an. ...Tschuldigung, war gerade ein wenig ärgerlich.
Also, wenn wir in dem Artikel das Wort "Grüne" durch das Wort "FDP" ersetzen, dann ist der ganze Artikel doch gleich viel plausibler, oder? Zwar auch eine an den Haaren herbei gezogene Argumentation, aber das glaubt wenigstens jeder.


Noch ein kleines Bonmot in eigener Sache: Was ich jetzt schreiben werde, gehört in die Kategorie "Wissen aus Dritter Hand und Hörensagen". Lesen deshalb nur auf eigene Gefahr.
Es geht um KTG, Gutti, oder auch den zukünftigen Kaiser von Deutschland, je nachdem wie man ihn bezeichnen und nennen will. Ja, genau, der mit der blonden Frau aus dem Fernsehen. Unser Verteidigungsminister.
Der war ja neulich in Afghanistan, genauer gesagt in Masar-al-Sharif, wo die Bundeswehr einen Fliegerhorst unterhält, um mit dem Beckmann eine Talkshow aufzuzeichnen. Während seine Frau vernünftigerweise im wesentlich sichereren Kabul herum spaziert ist.
Abgesehen von der Frage, was der Beckmann da sollte, abgesehen von der Idee, seine Frau medienwirksam mitzunehmen und sie den Flug selbst bezahlen zu lassen, abgesehen davon, dass zwei Ministerpräsidenten der CDU ebenfalls bei dieser Posse beteiligt waren, was bleibt da noch zu sagen? Richtig, das Wissen aus dritter Hand.
Aber lassen wir dafür die betreffende Person doch selbst zu Wort kommen.
"Hey, hast du die Bilder gesehen, auf denen unser Verteidigungsminister mit schusssicherer Weste durch Masar-al-Sharif geht? Das war so lächerlich. Mensch, in dem Ort gibt es McDonalds und Pizza Hut - aber sicher keine schießwütigen Taliban. Ich habe so gelacht."
Nun, ich denke, damit habe ich genügend Gerüchte in die Welt gesetzt.

Freitag, 24. Dezember 2010

Frohe Weihnachten

Dies ist mein einhundertster Blogpost in diesem Jahr, und ich möchte ihn gerne benutzen, um Euch, meinen Lesern, in aller Kürze und doch von ganzem Herzen ein schönes Weihnachtsfest zu wünschen.
Das Wetter in Deutschland legt es ja heute geradezu darauf an, dass man Zuhause bleibt und Zeit mit seiner Familie verbringt. Also, habt viel Spaß im nicht immer so engen Familienkreis.

Ach, und bleibt meinem Blog treu, vergesst nicht zu kommentieren (nichts geht über eine gute Diskussion), oder wenigstens Buttons zu drücken, damit ich weiß, dass Ihr da wart.

Wünscht euch,
Euer Ace

Dienstag, 21. Dezember 2010

Über meine Motive

Hm. Das dritte Weihnachten steht bevor, seit ich diesen Blog betreibe. Und seit Wochen habe ich einige Geschichten im Kopf, die ich gerne bloggen würde. Diese Geschichten, beziehungsweise die Erkenntnis, über was ich erzählen möchte, brachte mich zu diesem Eintrag, den ich gerade in die Tasten hämmere: Warum mache ich überhaupt was hier?

Als ich den Blog begonnen habe, sollte er sich hauptsächlich mit meinen Geschichten befassen, die ich auf Twobt.de, Battletech.info, Animexx.info und Fanfiktion.de veröffentlich habe - Fanfiction wie Eigenproduktionen. Ich wollte sie promoten und auch ein wenig über sie erzählen. Deshalb heißt dieser Blog auch Ace Kaisers Blog, und nicht Alexander Kaisers Blog, weil ich im Internet unter dem Namen Ace veröffentliche.

Wenn ich mir meinen Blog dann aber so im Nachhinein anschaue, dann stelle ich fest, dass ich von einem erzählerischen Blog über schriftstellerische Tätigkeiten etwas weit entfernt bin. Ohne es zu planen habe ich einen kritischen, einen blauäugigen, einen distanzierten, einen insiderischen, einen ehrlichen, einen unfairen Blog geschaffen, dessen Einträge von eben dieser meiner schriftstellerischen Arbeit als Fan und Hobby-Autor über viele Bereiche des öffentlichen Lebens hinweg ragt.
Ich habe über die BLÖD gewettert, wenn sie es wieder einmal zu bunt getrieben hat - und die Hemmschwelle, wann dieses "zu bunt" beginnt, ist relativ hoch, ich habe mich über Nacktscanner und ihre NICHT-Funktion ausgelassen, vor der Panik im H1N1-Fall gewarnt, mich zur Atomkraft geäußert, und war einerseits Hofschreiber für die SPD, dessen Mitglied ich bin, aber manchmal auch - und das gebe ich ehrlich zu, viel zu selten - ihr Kritiker.
Ich habe mich über viele Themen ausgelassen, von denen viele recht persönlich waren, und ich habe selten ein Fettnäpfchen ausgelassen.

Ich habe mich über Foodwatch aufgeregt, weil diese sich m.E. nur leichte Ziele aussuchen und in bester BLÖD-Manier erst einmal behaupten und dann vielleicht nie beweisen.

Ich habe über die Proteste der Rothemden in Thailand gebloggt, viele kleine Widersprüchlichkeiten im Vorfeld ignoriert anstatt ihnen nachzugehen und mich auf ihre Seite geschlagen - vor allem weil die "Gegner" der Rothemden meistens arrogante, überhebliche Biedermeyer-Mieflinge waren, die ohne Fakten, dafür mit viel abgehobener Spießigkeit geschrieben haben. Erst nach und nach machte ich mir weitere Quellen zunutze (danke, Giorgio), analysierte, bewertete und kam zu neuen Schlüssen, die einiges an meinem Bild über Thailand und die Rothemden veränderte.
Generell bin ich ein Freund von Volksbewegungen, allerdings nicht von DUMMEN Volksbewegungen. Zum Beispiel betrachte ich eine Volksbewegungen für dumm, die ihre Neuwahlen für November kriegen kann, und diese dann wieder verspielt, indem sie weitere, noch dümmere Forderungen stellt. Es ist Dezember, und ich habe noch nichts von Neuwahlen in Thailand gehört, wohl aber von einem kurzen neuen Aufflackern der Rothemd-Bewegung. Was mich doch ein wenig traurig stimmt, denn die Rothemden stehen jetzt auch für die vielen Brandstiftungen in Bangkok, die nach der Auflösung ihrer Bewegung begangen wurden. Ich war hier kurzfristig Erfüllungs- und Propagandagehilfe, der ich nie hatte sein wollen. Ich weiß nicht, ob ich in der Hinsicht genügend dazu gelernt habe, aber da ich ohnehin nicht viele Leser habe, stelle ich wohl keine Propaganda-Gefahr da.

Die Schweinegrippe, oder H1N1, was habe ich darüber nicht alles geschrieben. Da lag ich von Anfang an richtig. War aber auch nicht schwer zu erraten. Ich meine, eine neuartige Grippe, die ausgerechnet in Mexiko-Stadt nur Kinder und Jugendliche dahinrafft, muss doch jedem Menschen mit ein wenig Verstand merkwürdig vorkommen. Die Hauptstadt Mexikos liegt in einem abgeschlossenen Talkessel, hat verdammt miese Luft (die durch deutsche Projekte und Forstprogramme immerhin besser wurde)und bietet zwanzig Millionen Menschen Lebensraum. Was also kann das für eine Grippe sein, die nur junge Menschen befällt? Und das in einem engen Lebensumfeld, das beste Voraussetzungen für eine tödliche Epidemie bietet? Die einfachste Antwort habe ich damals noch nicht geahnt: Die Alten haben die Grippe nicht gekriegt, weil sie sie schon mal hatten, d.h. immun waren. Spätere Recherchen auf Youtube haben mir dann auch gezeigt, dass bereits in den Siebziger Schweinegrippe in den USA ein Thema war. Auch war mir die Zahl der Erkrankten und Toten in diesem geradezu skandalös überbevölkerten Landstrich zu gering, um selbst in Panik zu verfallen.
Was aber manche Medien nicht daran gehindert hat, Panik zu schüren.
Ich glaube, mein absoluter Höhepunkt war ein Interview mit einem Heimkehrer aus Spanien, der Zuhause in Quarantäne war. Das Reporterteam hat ihm eine Kamera bringen lassen, mit der er sich selbst filmen sollte, das Interview erfolgte per Telefon. Was bekamen wir zu sehen? Einen leicht angeschlagenen, aber voll aktiven jungen Mann in Jeans und Pullover, der nicht besonders krank aussah. Und auch nicht matt im Bett lag.
Als dann endlich, endlich der erste deutsche H1N1-Todesfall vermeldet werden konnte, und BLÖD ihre große Schlagzeile hatte, konnte man auch nur lesen, dass H1N1 einer der Erreger war, der bei der Toten gefunden worden war. Für sie nicht unbedingt ein Trost, zugegeben. Aber letztes Jahr zur gleichen Zeit, als die "zweite große pandemische Welle mit zehntausenden Toten" angekündigt worden war, geschah... Nichts.
Letztendlich gab es in Deutschland mehr Tote durch H1N1 als in anderen Ländern, sogar deutlich mehr als gar in Amerika. (Wobei man hier nicht zu Unrecht vermuten kann, dass bei vielen der Toten H1N1 nachgewiesen wurde, ohne als Todesursache zu bestätigen, damit sie mit in die Statistik konnten.) Aber Weltweit hatte es insgesamt viel weniger Tote gegeben als in einer normalen Grippewelle in Deutschland. Darüber hat dann natürlich kaum ein Boulevard-Medium berichtet, geschweige denn die BLÖD.
Auch hat mir von Anfang an sauer aufgestoßen, dass es noch im April hieß, Tamiflu würde helfen - und im Oktober sollte nur die Impfung Leben retten können. Das Ergebnis: Fünfzig Millionen Sätze Impfstoff, die vor sich hingammeln. Und eine Menge Zeitungen, die noch weit unter BILD-Niveau von der "Schweinegrippe" berichtet haben.

Der Nacktscanner, der uns mehr Sicherheit bringen sollte, ja, ja. In Hamburg wird er jetzt wieder ausgemustert, weil er eine zu hohe Fehlerquote hat. Wir sollten also in eine unausgereifte, schlecht funktionierende Technologie investieren... Millionen ausgeben für eine zweifelhafte Sicherheit. Und das, obwohl allgemein bekannt ist, das der berüchtigte "Unterhosenbomber" über Holland an Bord einer US-Maschine gestiegen war, in einem Flughafen, in dem der Nacktscanner bereits im Normalbetrieb tätig war: Dem Amsterdamer Flughafen Schiphol.

Über Barry Obama habe ich gebloggt, und über seine überraschende Wahl zum Präsidentschaftskandidat der Demokraten. Über seinen Wahlkampf und den recht erfreulichen Sieg. Vor allem erfreulich für uns, weil Obama den Hegemonialgedanken der USA ein wenig eindämmen würde.
Aber machen wir uns nichts vor: Wenn ich das marode US-System, gebeutelt von den Ausgaben für zwei Kriege von den Republikanern übernehmen müsste, dann könnte ich nicht in einem Jahr, geschweige denn in vier Jahren genügend Baustellen reparieren, um sowohl die Wirtschaft als auch die politische Landschaft wieder zu flicken.
Vor allem nicht, solange ein gewisser Murdoch und seine Privatfernsehsenderkette Barry als persönlichen Feind ansehen und ihn auf übelste, niedrigste und primitivste Art und Weise diffamieren und dafür sogar bereit sind, Videobeweise zu fälschen.
Nein, der Barry hat es nicht leicht, und es wird auch nicht leichter werden. Aber seine vier, hoffentlich acht Jahre werden Amerika wieder auf die Füße stellen. gut genug, hoffentlich, damit es den nächsten republikanischen Präsidenten, der die Wirtschaft wieder vor die Wand fahren wird, verdauen kann.
Aber kann man einem Land vertrauen, das auf einen Präsidentschaftskandidaten für die Republikaner setzt, der mit schwangerer Teenager-Tochter von "konservativen Werten" spricht und behauptet, "Russland vom eigenen Haus in Alaska sehen" zu können?
Das tatsächlich meint, eine Krachschlagende ultrakonservative Splittergruppe der Republikaner, die die Fox-Sendergruppe für zu milde im Umgang mit Obama halten, die nicht vorhandene Argumente durch Getöse und Geschrei ersetzen, wäre eine politische Alternative? Ich glaube das nicht.

Es gibt wahrscheinlich noch Dutzende Themen, die ich ansprechen, die ich anschneiden könnte, die eine Erwähnung wert wären, allem voran natürlich DOCH meine schriftstellerischen Arbeiten - zu denen ich auch diesen Blog zähle. Und sie wären es wert, über sie zu schreiben, davon bin ich überzeugt.
Aber das würde hier und jetzt zu weit führen, das weiß ich.

Letztendlich aber weiß ich jetzt mehr über meine Motive. Ich bin nicht immer gut recherchiert. Ich bin meistens verärgert wie der Heilige Geist. Ich bin parteiisch, manchmal oberflächlich und selten wirklich objektiv, wohl auch weil das nicht wirklich möglich ist. Aber ich bin interessiert, sehr interessiert an meinem sozialen, politischen und gesellschaftlichen Umfeld und kommentiere es gerne. Wenn ich damit jemand ungewollt verletze, dann tut es mir Leid. Wenn ich dabei Fehler und Missstände aufspüre, macht es mich stolz. Vor allem aber verpufft meine Meinung nicht bedeutungslos im Nichts, sondern prangt gut sicht- und lesbar für Jedermann hier im Web. Wenn ich also Motive habe, die über das Geschimpfe, meine Selbstpreisungen und gut gemeinte Warnungen hinaus geht, dann ist es sicherlich eines: Nicht schweigen zu können.
Ich werde meinen Mund also weiter aufmachen, wenn ich ein Thema für interessant oder wichtig genug befinde. Wenn ich meine, etwas dazu zu sagen zu haben. Und ich werde über meine Hobby-Arbeit als Autor berichten. Ich mache weiter wie bisher. Und das ist gut so.

Euch, meinen lieben Lesern, gilt daher mein Dank. Auch wenn ich weiß, dass ich nicht viele regelmäßige Leser habe, so sind es doch hier und da die Kommentare von neuen Lesern, die vielleicht nur einmal vorbei kommen die Momente, in denen ich merke, dass das, was ich schreibe, nicht ohne Echo im Netz verhallt. Und das ist auch gut so.

Euer Ace

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Wieder mal eintausend...

Tja, was soll ich sagen? Der Titel spricht für sich. Vor knapp zwei Jahren habe ich zusammen mit meinem guten Freund Roland Triankowski aka Schreiberling die Idee ausgeheckt, Perry Rhodan neu zu schreiben, in einem moderneren Gewand. Wir trugen viele Ideen zusammen, und letztendlich schrieb ich einen fetten Roman, der die ersten fünf Hefte umfasste. Ursprünglich sollte Roland den zweiten schreiben, der die Bände sechs bis zehn nacherzählt hätte. Aber er wurde in der Zwischenzeit Vater, und hatte leider nicht mehr die Zeit für ausufernde Projekte wie dieses.
Mittlerweile schreibe ich an diesem zweiten Buch, allerdings eher sporadisch. Aber das erste Buch steht so weit, auch wenn hier und da noch Baustellen existieren.
Dennoch honorierten meine Leser heute meine Arbeit mit eintausend Aufrufen.
Danke, das gibt mir Auftrieb und verleiht mir den Spaß, den ich zum Schreiben des zweiten Buchs brauchen werde. ^^V

Edit am 18.12.: Mit "Baustellen" meine ich Passagen und Absätze, die ich eventuell umschreiben werde. Das Buch ist, so wie es ist, vollständig und kann auch so gelesen werden.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

18.000 Hits

Ab und an geht es auch bei mir ums Schreiben, dem Thema, dem mein Blog eigentlich gewidmet ist.
Heute zum Beispiel überschritt die Zahl der Aufrufe meiner Geschichten auf Fanfiktion.de die achtzehntausend.
...Die Abstände zwischen den Tausender-Meldungen nehmen definitiv ab. Bald kann ich dazu übergehen, nur noch die Zehntausender-Sprünge zu vermelden. ^^

Danke, meine lieben Leser. Aber vergesst bei alldem nicht, ein wenig Kritik da zu lassen.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Die größte Angst ist die Angst vor dem Unbekannten

Ich weiß nicht, warum ein ganz bestimmtes Thema in der Presse tot geschwiegen wird...
Ab Januar soll ein neues Jugendschutzgesetz in Kraft treten, das die Kennzeichnung und Klassifizierung aller Webseiten nach Altersstufe verlangt. Damit soll die Grauzone der Internet-Spiele endlich staatlich geregelt werden.
Nebeneffekt ist die unerfreuliche Tatsache, dass quasi alle Seiten aus Deutschland demnach ratifiziert und gekennzeichnet werden müssen.
Damit ist Deutschland im Jugendschutz im Internet ganz klar internationaler Vorreiter.

...Soweit die Fakten, jetzt meine Meinung: Höchstwahrscheinlich wird Deutschland auch die einzige Nation bleiben, die so einen gequirlten Unsinn macht. Internetseiten, Blogs und Foren klassifizieren? Nach Altersstufen freigeben? Vielleicht ein Dutzend Sheriffs durch das Netz jagen, die Seiten und Blogs, die sich nicht an die Altersfreigabe halten, maßregeln, bestrafen, verwarnen?
Ich verstehe nicht, was die Politik damit bezweckt. Um Online-Spiele zu spielen, muss man sie zuerst einmal kaufen. Und an diesem Punkt hat die Industrie die Möglichkeit, nach den Richtlinien der FSK ihre Käufer nach Alter zu sortieren.
Blogs zu kennzeichnen, um zu ermitteln ob sie für Kinder geeignet sind - mein kleiner Blog hier zum Beispiel - halte ich für maßlos übertrieben. Soll ich in Zukunft nur noch Achtzehnjährigen den Zugang erlauben, weil Achtjährige mit meiner feinsinnigen *hüstel* Satire nichts anzufangen wissen? Oder weil ihnen die Zusammenhänge in der Politik nicht klar sind, und ich ihnen damit einen Schreck versetzen könnte? Einmal ganz davon abgesehen, dass ein Achtjähriger ohnehin nur auf Seiten surft, die seine Eltern über die Elterliche Freigabe ihres Browsers frei geschaltet haben. Zumindest sollten sie das getan haben.
Warum wird ein bewährtes System noch zusätzlich verkompliziert? Und warum ist davon so wenig in der öffentlichen Diskussion?
Dafür gibt es schlicht und einfach zwei Gründe: Unsere Politiker nutzen und verstehen das Internet nur unzureichend, fürchten es als freien Informationspool und rechtsfreien Raum, und versuchen ihn nach guter alter deutscher Zucht und Ordnung überzureglementieren. Und was man nicht kennt, das fürchtet man halt.
UND: Dies ist nichts weiter als der nächste Ansatz zu einer Internet-Zensur, die schon zweimal gescheitert ist. Diesmal, still, leise und heimlich, wird versucht, sie mit dem Argument Jugendschutz durchzudrücken. Nicht laut schreiend und sich selbst feiernd wie bei den Stoppschildern für pädophile Seiten. (Löschen! Löschen, sage ich da nur! Ist mit heutigen Mitteln durchaus möglich. Fragt doch mal den Chaos Computer Club. Die helfen euch da bestimmt weiter, meine lieben Politiker.)
Diesmal wird es durchscharwenzelt, und diesmal haben sie es fast schon geschafft. Nur noch bis Januar durchhalten, und die Welt wird sich wundern, warum auf deutschen Seiten so merkwürdige Zeichen zu finden sind. Und warum mancher Blog und manches Forum plötzlich nicht mehr zugänglich ist, für eine gewisse Zeit oder gleich für immer.

Vielleicht sollten unsere Politiker einen Senioren-Kurs für den Umgang mit dem Internet mitmachen, um ihre Ängste zu verlieren, das Netz und seine Community kennen zu lernen. Die Möglichkeiten sehen, die das Netz uns bietet. Anstatt Ängste vor dem Netz zu schüren und mit Schlagworten, die ins Leere zielen, zu untermauern.

Eine ähnliche Methode wird derzeit mit dem "Gesicht von Wikileaks", Julian Assange probiert, der nicht angezeigt wurde, aber dennoch per Haftbefehl gesucht wird.
Hier zeigt die Angst vor dem Internet zwei Gesichter: Das Ängstliche vor weiteren Veröffentlichungen der Whistleblower-Seite, und das Hässliche mit der Manipulation von Justiz, Medien und öffentlicher Meinung, um einen unbequemen Enthüllungsjournalisten los zu werden.
Unsere Politiker lernen nicht dazu, aber das ist anscheinend weltweit der Fall. Es wird wirklich Zeit, das unsere Generation Internet verstärkt in der Politik präsent ist. Ein schwieriger Auftrag, wenn ausgerechnet Philip Rösler und KTG quasi die Vertreter unserer Generation in der Regierung sind...

So, Zensur, da ist sie. Zusammen mit jener Willkür, der sich Assange gerade ausgesetzt sieht. Wir werden sehen, wie es weitergeht. Leider.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Begonnen die Clown-Kriege haben...

Ich bin ein eifriger Leser des BILDBlogs. Nicht nur, weil ich dort beinahe tagtäglich meine Meinung über ein gewisses Blatt mit vier Buchstaben bestätigt sehe, sondern auch, weil die BILDBlogger mittlerweile der ganzen Nation ihr Fett weg geben, auf kleinere Fehler hinweisen und größere Sünden aufdecken. BILDBlog ist unser WikiLeaks... Nur das wir keine Whistleblower brauchen, nur jemanden, der gewissenhaft Zeitung liest.
Die Rubrik "sechs vor neun", die bei BILDBlog ein neues Zuhause gefunden hat, hat es mir da besonders angetan, weil mir fast immer mindestens ein verlinktes Thema zusagt.
Auf diesem Wege bin ich sowohl an das Thema "Innocence in Danger" mit ihrem Aushängeschild Freifrau zu Guttenberg herangeführt worden, als auch an die Diskussion über mögliche unsaubere Arbeitsweisen des Vereins.

Letzten Samstag berichtete die Frankfurter Rundschau unter dem nicht sehr netten Titel "Im Spendensumpf" über "Innocence in Danger", und ihre aus Sicht der Artikel-Autoren undurchsichtige Spendenpraxis.

Ein paar Tage später schoss die FAZ mit einem Online-Artikel zurück. Man "müsse nur die richtigen Fragen stellen", hieß es da, und nach Kräften wurde versucht, die FR zu "korrigieren".

Eigentlich hatte ich nicht vor, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Aber manchmal finden die Themen den Blogger, nicht der Blogger die Themen.
Und auch wenn ich nur maximal vier Leser habe (erkennbar an der maximalen Zahl für einen Beitrag gedrückten Buttons), so kann ich immer noch schreiben was ich will, und wann ich es will. Diesmal möchte ich ein wenig die Vorgeschichte beleuchten, soweit sie mir bekannt ist, auf den FR-Artikel eingehen, und danach auf die Antwort der FAZ.

Beginnen wir ganz am Anfang. Ein RTL-Reportage namens "Tatort Internet" bringt einen spektakulären Beitrag, bei dem die federführende Redakteurin auf die Gefahren für Kinder im Internet aufmerksam macht. Sie greift selbst zur Tastatur und animiert potentielle pädophile Straftäter, sich mit ihr, bzw. einer achtzehnjährigen Schauspielerin, die sich als dreizehn ausgibt, zu treffen. Trifft der potentielle Täter ein, wird er mit dem Chatlog und Vorwürfen konfrontiert.
Bringen wir es mal auf den Punkt: Ich habe die Sendung nicht gesehen, und das ist wahrscheinlich auch besser so. Eine Gesellschaft misst man daran, wie sie ihre Kinder und ihre Schlimmsten behandelt. In diesem Fall hat die federführende Redakteurin die (potentiell) Schlimmsten erwischt und ins Rampenlicht gezerrt.
Gut, mögen manche sagen. Richtig so, die Schweine haben es nicht anders verdient.
Andererseits wissen wir nichts über diese Männer (abgesehen von ein paar Enthüllungen durch gewisse Zeitungen), und wir haben keine Ahnung, ob sie bereits pädophile Sexualverbrechen verübt haben. In diesem Fall hatten sie nicht einmal die Chance dazu. Klingt jetzt ein bisschen konfus, aber in Deutschland gilt: In dubio pro reo. Allerdings kann man bei schweren Kapitalverbrechen auch für die Planung desselben angeklagt und verurteilt werden. Anklage und Verurteilung aber übernehmen bei uns die Gerichte, und kein vorwitziges Fernseh-Medium. Und generell haben wir in Deutschland eine resozialisierende Gerichtsbarkeit, keine bestrafende.

So. Für diese Sendung hat Frau von Guttenberg ihr Gesicht hergegeben, und gleichzeitig für den gemeinnützigen Verein Iid geworben, der vor allem auf den Tatort Internet verweist, und auf die Gefahren, die dort für Kinder und Jugendliche lauern. Richtig bekannt wurden Frau von Guttenberg und der Verein auch durch die halbe Million Euro, die sie bei Jauch gewonnen hat.

Die Frankfurter Rundschau sah dem Verein mal näher auf die Finger und klopfte kräftig drauf. "Kein Spendensiegel, das die Seriösität bescheinigt", war da eine Sache. "Verein gibt keine Angaben über Höhe der Verwaltungsausgaben und Aufwendungen der Projekte", eine weitere.
Außerdem kamen verschiedene Vertreter anderer Kinderschutzorganisationen zu Wort, denen IiD relativ neu unter die Augen gekommen war, und mit deren Projekten sie nicht vertraut waren. Vereine, die sich vor allem auf das soziale Umfeld konzentrieren, weil dort neunzig Prozent der Missbrauchsfälle von Kindern stattfinden, die unter anderem Beratungsstellen und so genannte Kinderhäuser anbieten.
Der Hauptvorwurf der FR ist nicht die mangelnde Seriösität des Vereins durch die RTL-Sendung "Tatort Internet", sondern die nicht vorhandene Transparenz.

Tja, wenn eine Prinzessin in Gefahr ist, muss natürlich ein Ritter her. In unserem Fall heißt er Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nicht nur, dass IiD rechtliche Schritte bis zur Klage gegen die FR und die Redakteure des Berichts erwägt, der Ritter auf strahlendem Ross haut auch noch tüchtig in die Kerbe rein und verteidigt IiD recht ritterlich.
Das Spendensiegel habe IiD "nicht beantragt, weil das Geld direkt in die Projekte zu Gunsten der Kinder fließen soll, und nicht woanders hin".
Darüber hinaus koste "das Spendensiegel bis zu zehntausend Euro."
Dann schreibt die verantwortliche Redakteurin, dass IiD "nur dem Finanzamt gegenüber verpflichtet sei, ihre Zahlen offen zu legen", dies gemacht habe und "für weitere fünf Jahre die Gemeinnützigkeit bestätigt" bekommen habe.
Und das ist erst der Anfang, denn die FAZ kann mit den Zahlen aufwarten, die den Redakteuren der FR nicht zur Verfügung standen (oder nicht gestellt wurden), und kann das Spendenaufkommen aufführen. Die halbe Million von Jauch sei "da aber noch nicht drin, weil das Geld noch nicht überwiesen wurde".
Schließlich kann die Redakteurin noch darauf verweisen, dass IiD "alle Fragen beantwortet", und mit so viel "Medienrummel nicht gerechnet" habe, und deshalb keine Aufschlüsselung ihrer Zahlen fertig hatte, da die Buchführung von einem Steuerberater gemacht würden.
Außerdem hätten "Greenpeace, Dunkelziffer e.V. und Deutsche Krebshilfe ja auch kein Spendensiegel".
Zum Abschluss kann die FAZ noch mal drauf hinweisen, dass andere Vereine und Organisationen wie z.B. die UNESCO mit IiD zusammen arbeiten.
Die Zahlen zu 2009 und 2010 wolle "der Verein bald vorlegen".

Fazit: Ich weiß nicht, Freifrau hin, Freifrau her, die IiD hat bei mir den gleichen schalen Nachgeschmack, den ich verspüre, wenn ich irgend etwas über meine Lieblingsverbraucherschutzorganisation Foodwatch sehe oder lese.
Es wurde viel Krach geschlagen, es wurde teilweise am Rande der Legalität gearbeitet, vor allem mit "Tatort Internet".
Und all das, um Spendengelder für Projekte zusammen zu bekommen, die es ermöglichen, beispielsweise Jugendliche dazu auszubilden, um andere Jugendliche für die Gefahren im Netz zu sensibilisieren? Das ist BLÖD-Vorgehensweise.
Auch finde ich es nicht sehr überzeugend, dass IiD den Chatroom kurzerhand zum "direkten sozialen Umfeld des Kindes" erklärt, und somit zu den achtzig bis neunzig Prozent der Missbrauchsfälle aufschließt, bzw. das Internet darin einbindet.
Die FR hat erklärt, dass das Spendensiegel für kleinere Organisationen fünfhundert Euro kostet, danach 0,35% des Spendenaufkommens. Die FAZ aber bläst für die IiD ins Horn und winkt wieder mit den "bis zu zehntausend Euro", und verweist auf Greenpeace und Co... Aber die veröffentlichen ihre Zahlen auch. Regelmäßig. Ohne negative Zeitungsberichte im Vorfeld. Die sind drauf vorbereitet.
Ich sage es mal ganz ehrlich, Stefanie zu Guttenberg ganz außen vor gelassen: Eine Organisation oder ein Verein, die oder der nicht bis auf den letzten Cent nachweist, was mit den Spendengeldern passiert - und zwar unabhängig davon, ob sie oder er vorbereitet ist - muss sich definitiv den Vorwurf der Unseriösität gefallen lassen.
Wer diesen Vorwurf nicht durch eine hieb- und stichfeste Bilanz entkräftet, disqualifiziert sich selbst.
Das Schlimmste aber ist der Schlussblock des FAZ-Artikels, in dem die Redakteurin zu verkünden weiß, dass derzeit überlegt wird, ein Spendensiegel zu beantragen. Also eines von den Dingern, die bis zu zehntausend Euro kosten? Und das, wo doch alles Geld in die Projekte zum Schutz der Kinder fließen soll? Das verstehe, wer will.

Nebenbei bemerkt sind mir etliche Kommentare zum FAZ-Artikel sauer aufgestoßen, in denen einfach mal behauptet wurde, die FR würde eine Kampagne gegen Frau zu Guttenberg fahren, damit "an ihrem Mann, dem potentiellen zukünftigen Kanzler auch etwas hängen bleibt". Das sei ganz klar eine "SPD-Masche".
Meine lieben Kommentatoren, das entkräftet in keinster Weise den Vorwurf der Unseriösität. Werft der Partei meines Vertrauens ruhig eine Kampagne vor - ich konzentriere mich auf das Wesentliche in diesem Fall, und das ist das Versprechen von IiD, die Bilanzen zu 2009 und 2010 nachzuliefern. Denn damit steht und fällt das Vertrauen in IiD, vollkommen unabhängig davon, ob ihre Projekte von der UNESCO unterstützt werden, oder nicht.
Kommt diese Veröffentlichung nicht - was ich im Moment stark vermute - nützt auch kein neuer FAZ-Artikel irgend etwas. Dann steht meine Meinung fest.
Kommt die Veröffentlichung, werden wir sehen, wie viel Geld in die Projekte fließt, und wie viel die Verwaltung kostet.

Herrschaften, wir brauchen in Deutschland immer Zivilcourage, Menschen die schwierige Themen anpacken, die sich dort engagieren wo andere fortschauen. Wir brauchen immer beherzte Personen, die, nun, Herz haben und Herz zeigen. Was wir nicht brauchen ist Hollywood unter den gemeinnützigen Organisationen und Vereinen.

Edit am Sonntag, dem 05.12.: Der Jahresbericht 2009 von IiD kann auf der Homepage abgerufen werden. Keine Zahlen, keine Fakten, aber ein Verzeichnis aller Veranstaltungen, der Konferenzen zu denen IiD eingeladen wurde, um einen Vortrag zu halten, und weitere Selfmarketing-Maßnahmen.
Vom Jahresbericht 2010 ist auch noch nichts zu sehen, aber das ist vielleicht auch etwas früh. Sein Versprechen hat der Verein bisher nicht gehalten. Das macht mich skeptischer.

Edit am Samstag, dem 11.12.: Eine Kinderärztin sagte während einer Reportage des ZDF über eine Kinderklinik: "Am schlimmsten ist es, wenn Kinder eingeliefert werden, die misshandelt oder missbraucht wurden. Das ist viel öfters der Fall, als man denkt."
Ein Schelm, der jetzt denkt, dass die Studie Recht hat, die über neunzig Prozent dieser Fälle ins persönliche Umfeld rückt. Und der auch noch denkt, dass das Internet damit überhaupt nichts zu tun hat...