Mittwoch, 29. April 2009

Schweinegrippe heißt eigentlich H1N1... Und spart Öl.

Folgende Kuriosität ist mir begegnet: Nachdem der Hype um die neue Pandemie (Bezeichnung für eine weltweite Verbreitung eines Krankheitserregers) gerade so richtig aufkommt und die Boulevard-Presse sich so richtig schön drauf eingeschossen hat, erreichte mich folgende Meldung:
Moslems und Juden sind in erstaunlicher Zweisamkeit vereint. Nämlich im Anliegen, die als Schweinegrippe berüchtigt gewordene Lungenerkrankung nicht länger Schweinegrippe zu nennen.
Der Grund für diesen Antrag ist erschreckend banal: Sowohl bei Moslems als auch Juden gelten Schweine als unreine Tiere, weshalb der Name an sich bereits eine Beleidigung ist.
Abgesehen davon, dass dieses Ansinnen eine Beleidigung darstellt, weil sie so unsachlich ist, dass es weh tut, haben sie gar nicht mal so unrecht wenn sie fordern, dass die Grippe nach dem Herkunftsort benannt werden sollte. Also Mexiko-Grippe, oder Nordamerika-Grippe.
In Europa hat man sich heute durchgerungen, die Schweinegrippe tatsächlich umzutaufen, auf Neue Grippe. Also, da fand ich Mexiko-Grippe aber besser. Vor allem wenn man weiß, dass genau DIESER Erreger bei Schweinen bisher überhaupt nicht nachgewiesen wurde.
Was nun? Lachen wir drüber und widmen uns wieder dem Tagesgeschäft? Oder malen wir ein buntes Schild mit der Aufschrift: DAS ENDE IST NAHE! und wandern wir durch die Fußgängerzonen der Großstädte, am besten begleitet mit schlimmen Husten?
Weder noch. Zwar haben einige Medien gemeldet, H1N1 (ist mir lieber als Schweinegrippe) hätte Deutschland erreicht, aber damit sind wir noch meilenweit von einer Epidemie oder gar Pandemie entfernt.
Warum? Dazu wichtige Fakten.
1) Der Virus ist entweder mutiert oder hat sich abgeschwächt. In anderen Ländern, zum Beispiel den USA oder Spanien, gab es bisher keine Todesfälle; die Infizierten befinden sich auf einem guten, stabilen Genesungskurs.
2) Die Inkubationszeit für diese Form von Lungenerkrankung beträgt ein bis vier Tage. Dies ist die Zeit von der Ansteckung bis zum möglichen Ausbruch der Krankheit, die sich mit grippalen Symptomen zeigt. Also Fieber (teilweise HOHES Fieber), Husten, Schnupfen, Appetitlosigkeit, in einigen Fällen Durchfall und andere Verdauungstraktbeschwerden.
Die Infektion erfolgt grundsätzlich durch Tröpfcheninfektion. Also annießen, anhusten, einen kontaminierten Gegenstand berühren.
3) H1N1 ist nicht gefährlicher als der übliche Grippe-Virus, der tatsächlich jedes Jahr pandemisch über uns hereinbricht und bei weitem nicht so große Panik auslöst - oder so große Panik verbreitende Schlagzeilen. Danke dafür, BILD!
Im Gegenteil. Die herrschende Meinung von Virologen ist, dass gesunde Menschen diese Infektion mit Bettruhe und Schonung problemlos durchstehen werden.
4) Merkwürdigerweise waren bei der ersten Welle an großflächigen Erkrankungen hauptsächlich junge Menschen betroffen. Zielgruppe für Grippe sind aber Alte, Kinder, Kranke.
Da wird man nachdenklich, in mehr als einer Beziehung. Was man aber dringend begreifen sollte ist, dass Mexiko City eine Stadt in einem Talkessel mit ZWANZIG MILLIONEN MENSCHEN ist. Wenn dieser Virus wirklich so ein Killer wäre oder wenn die Schutzmaßnahmen nicht greifen würden, welche Mexiko ergriffen hat, hätten wir schon tausende Tote und hunderttausende Erkrankte. Haben wir aber nicht. Irgendwas machen sie also richtig in Mexiko.
5) Tamiflu hilft! Aber bitte, bitte, bitte, liebe Mitbürger, verfallt weder in Panik und hortet Tamiflu, noch verflucht die Politiker, die nicht jedem Deutschen sein eigenes Tamiflu-Päckchen gewähren. Denn Tamiflu sollte man nur in zwei Fällen nehmen: Einerseits wenn man einer Risikogruppe angehört, also Arzt, Pfleger ist und direkt mit Grippefällen arbeitet, Polizisten auch, andererseits wenn man erkrankt ist oder durch Infektionen in nächster Nachbarschaft absehen kann, es selbst zu kriegen.
Was ist Tamiflu? Tamiflu ist ein Botenstoff, der den Viren sagt, sie sollen nicht das machen was sie tun, nämlich sich in gesunden Zellen selbst reproduzieren.
Jetzt in Panik auszubrechen und den Tamiflu-Lizenzgeber noch reicher zu machen ist vollkommen unnötig.

Ich spekuliere ja zur Zeit ein wenig darüber, ob die Tatsache, dass vor allem junge Menschen in der ersten Welle der Erkrankten betroffen waren, nicht für einen terroristischen Anschlag spricht. Aber wenn ja ist er schief gelaufen, weil der Virus nach ein paar Generationen nicht mehr letal ist.
Andererseits schlage ich mir die Hände vors Gesicht, wenn ich mir vergegenwärtige, dass bei der letzten Grippewelle rund zweihunderttausend Menschen umgekommen sind. Okay, die Zahl recherchiere ich noch mal. Sie erscheint mir etwas klein zu sein.
H1N1 hat vielleicht erst begonnen, aber hat nicht einmal annähernd so viele Opfer gefordert, und wird es wahrscheinlich auch nicht. Höchstwahrscheinlich.

Mein Schlusswort:
Ich weiß es nicht genau, aber ich denke, mein schwerer Husten und meine starke Erkältung, die ich um Silvester hatte, war Teil der damaligen Grippewelle. Meine Schwester hatte schweres Fieber, weitere Verwandte ebenso. Ich habe zwar die ganze Krankheit mit einem zweistündigen Fieberschub überstanden, war danach aber drei bis vier Wochen nicht auf der Höhe.
Übrigens gab es keine Toten in unserem Fall.
Also, dieser Rat gilt für alle Grippe-Infektionen, nicht nur für H1N1, das keinen von uns je erreichen wird, zumindest nach meiner Einschätzung: Wenn Ihr Grippe hattet, geht es langsam an. Sehr viel mehr Menschen sterben nicht an der Infektion, sondern daran, dass ihr Herzmuskel geschwächt wurde und sie sich zuviel zumuten. Leben ist viel schöner als Sterben, versprochen.

Und um noch einmal Bezug auf den Titel zu nehmen: Tatsächlich spart diese "Krise" Öl ein - nämlich wenn Flüge nach Mexiko und aus Mexiko raus storniert werden.
Der Ölverarbeitenden Industrie wird das nicht gefallen. Zwar versucht sie schon seit Wochen an den Tankstellen unsere neue Schmerzgrenze auszuloten, indem sie ihren Sprit rund achtzehn Cent teurer anbietet als sie sollte - Rohöl ist mehr als genug auf dem Markt - und wir bezahlen eifrig, weil BILD darüber NICHT berichtet. Aber "genug" gibt es ja für diese Branche nicht. Anders kann man sich das Gejammer z.B. der Gasversorger nicht erklären, die einerseits sich an den Ölpreis hängen wenn er steigt, aber bei fallenden Preisen davon plötzlich nichts mehr wissen wollen. Bundeskartellamt, das ist Euer Job.

Montag, 20. April 2009

Gastblogger des Monats.

Ich weiß, ich weiß, der Titel ist etwas hochgestochen, aber wann hat mich sowas je aufgehalten? *g* Jedenfalls fühlte sich mein Autorenkollege Harun Raffael durch meine vehementen Blogs den Kreationismus betreffend motiviert genug, um selbst Fakten zu sammeln und einen Artikel zu schreiben.
Ich finde ihn viel zu gut, um ihn nicht zu veröffentlichen, deshalb kommt hier mein allererster Gastblogger Harun zu Wort:

Die Wahrheit über Jesus
NT-Forschung - ein immens weites und extrem intensiv beackertes Feld, auf
dem du jede Menge solcher Desinformation finden kannst, wie du sie unter dem
Stichwort "Kreationismus" beklagt hast.
Ich hatte mich schon vor längerer Zeit mal von einem "Standardwerk" über
Jesus informieren lassen: "The Holy Blood and the Holy Grail" von Michael
Baigent, Richard Leigh & Henry Lincoln. Richtig, das ist das Buch, von dem
Dan Brown plagiiert haben soll. Nur, dass in diesem Buch absolut nichts über
Jesus drinsteht, was nicht schon vorher Andere geschrieben hätten. Wo hatten
Baigent/Leigh/Lincoln denn wohl ihre Inhalte her?
Jedenfalls haben sie sich als hochkundige Bibelforscher geriert, und den
Indizienbeweis geführt, dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet war, als
politischer Aufrührer hingerichtet wurde, die Kreuzigung aber überlebt hat,
und noch so manches mehr. Klingt alles sehr schlüssig, ja geradezu
zwingend - man fühlt sich gedrängt, mit diesem Buch als Rüstzeug andere
Leute über Jesus aufzuklären. Freilich zeigte sich nach und nach, dass schon
ein GEO-Artikel über den historischen Jesus ausreichte, um zumindest ein
oder zwei der "Schlüsselindizien" von Baigent/Leigh/Lincoln als sachlich
falsch nachzuweisen, und einige mehr als zumindest extrem ungewiss.
Was ich sagen will? Nun, Tiff, wenn du Angaben über den historischen Jesus
aufgegriffen hast, dann ist die Formulierung "massive Zweifel" hoch
angebracht - an der Formulierung "belegen" aber würde ich massive Zweifel
anmelden.
Zu den Evangelisten habe ich selber die begründete Auffassung gehört, dass
keiner von ihnen ein Zeitzeuge Jesu gewesen sein kann, und am allerwenigsten
kann der Evangelist Johannes der Jünger gleichen Namens gewesen sein. Diese
Identifizierung, die seit der Spätantike christlicher Kanon ist, kann schon
deshalb unmöglich stimmen, weil das Evangelium offenkundig von einem
hochgebildeten griechischen Literaten verfaßt wurde. Aber, Lutz, da du
offenbar ganze Seminare zu dem Thema besucht hast, will ich meine Zweifel
nicht weiter führen, denn so gründlich hab ich mich nicht kundig gemacht.

Aktuell in der Diskussion: Paul Verhoefen hat ein Buch über Jesus
herausgebracht. Keinen Film. Ein Sachbuch. Seine eigene Darstellung:
ursprünglich hatte er begonnen, an Bibelseminaren teilzunehmen, weil er
einen Film über Jesus machen, und dafür recherchieren wollte. Je mehr er
dort erfuhr, desto klarer wurde sein Entschluss, den Film zu streichen, weil
so ein Film eine klare Aussage treffen muss, wie es denn nun war - und dazu
sah sich Verhoeven nach seinen Studien nicht mehr in der Lage! Stattdessen
hat er jetzt nach 20 Jahren in ein Sachbuch gepackt, was er in all den
Recherchen und Diskussionen erfahren hat, mit allen Ungewissheiten. IMHO:
Eine bermerkenswert vorbildliche Haltung!

Kreationismus-Debatte
Seit bald 20 Jahren wächst - erst ganz heimlich, mittlerweile laut und
selbstherrlich - ein Trend des Zeitgeistes heran, auf praktisch jedem
denkbaren Themengebiet die Behauptung zu verfechten: Wir bekommen eine
Irrlehre erzählt, es ist in Wirklichkeit alles ganz anders, und die Wahrheit
wird von der Verschwörung der orthodoxen Wissenschaft unterdrückt.
Was einstmals hierzulande nur die spezielle Macke Erich von Dänikens war -
und einiger ganz obskurer Hobbyautoren - wird längst auf immer mehr Gebieten
eine populäre Masche, die immer breiteren Anklang findet. Das schließt an
prominentester Stelle die Bewegung des Kreationismus ein; wobei die
einschlägigen Darwin-Leugner in Europa zum guten Teil ohne jeden Bezug zum
christlichen Fundamentalismus agieren. Siehe den prominenten (?) Vertreter
Hans-Joachim Zillmer. Nach eigenen Angaben ist er Bestsellerautor mit
Büchern wie "Darwins Irrtum" und "Die Evolutions-Lüge", und nach seinen
Texten ausweislich konfessionslos bis kirchenfeindlich.
Dieser Trend ist direkt parellel und geistesverwandt mit jenen Leuten der
modischen Anti-Umweltschutz-Propaganda, die uns einreden wollen, es gäbe
überhaupt keine Erderwärmung, und wenn doch, waren wir es nicht, und z.B.
Rachel Carsons Warnungen vor Pestiziden seien ein Haufen Lügen - komplett
mit der Behauptung, die ganze Umweltbewegung sei nur eine Loge von
Propagandisten, die mit ihren Panikmache-"Lügen" die eigene Karriere
absichern wollten. Diese spezielle Variante von Verschwörungstheorie hat
einen guten Freund von mir völlig vereinnahmt (der ansonsten z.B. Zillmers
Rhetorik problemlos durchschaut).
Immer wieder das gleiche Muster: Was im Mainstream der Öffentlichkeit als
anerkannt gilt, ist in Wirklichkeit ein Haufen Unsinn, in Wahrheit ist alles
ganz anders, und die anerkannte Lehre ist eine Verschwörung eines Kartells
von Meinungsmachern, die damit nur ihre Autoritätsposition und ihre Pfründe
verteidigen wollen.
Immer wieder interessant zu beobachten, wie Dänikenisten, Kreationisten,
Anti-Öko-Aktivisten und politische Verschwörungstheoretiker inklusive
Antisemiten exakt dieselbe Sprache sprechen. Physik-Revolutionäre, die
wissen, wie man die Schwerkraft aufhebt, Zeitmaschinen und Sternentore baut,
genauso. Nur dass die Geschichtstheorien à la Däniken und die
Physik-Theorien in Grunde harmlos sind, während die anderen Varianten sich
allmählich zu einer gesellschaftspolitischen Krisensituation auswachsen.

- Neulich in der FAZ gesehen: Es gibt im US-Staat Kentucky ein komplettes
Kreationismus-Museum, in Petersburg, am Highway 275 gleich hinter der
Flughafenausfahrt von Cincinnati. So eine Art Mittelding aus
Naturkundemuseum und Theme Park. (www.creationmuseum.org)
Ich fühlte mich gleich an den riesigen Däniken-Themenpark im schweizerischen
Interlaken erinnert, der mittlerweile leider Konkurs gemacht hat.
(Verabscheue ich Däniken? Ja. Aber macht etwas so schräges die Welt nicht
doch bunter? Auch ja. Ich glaub' ich hätte es doch gerne mal besucht.)

- In der FAZ wird überhaupt sehr regelmäßig über die Bemühungen der
Christenszene berichtet, mit der modernen Wissenschaft und speziell dem
Darwinismus klarzukommen; die Rede ist von den respektablen Christen, nicht
den Kreationismus-Bekloppten. Mir sind im Lauf eines Probeabos neben dem
Touristenbesuch im Creation Museum u.a. zwei Buchbesprechungen zum Thema
begegnet.

- Zu den Forschungen über den Stammbaum des Lebens und unsere
Nicht-Verwandtschaft mit den Schwämmen:
Typisches Syndrom der Revolutions-Theorien - der hemmungslose Wille, die
Ergebnisse der seriösen Forschung beliebig auszuplündern und zu
missbrauchen, indem man alles zitiert, was man für sich verwenden kann,
grundsätzlich unter Missachtung jeglichen Zusammenhangs - also irreführend
unvollständig und damit lügnerisch falsch darstellt.
Es gibt keine eigenständige Forschung des Kreationismus. Es besteht alles
als geplündertem Material - nimm, was die Wissenschaft hervorbringt, aber
ignoriere, dass die gesamte Forschungsarbeit, die du zitierst, die
Korrektheit des wissenschaftlichen Weltbildes teils voraussetzt, teils
bestätigt. Motto: "Es ist alles nicht wahr, und auch wenn es wahr ist,
bestätigt es in Wirklichkeit uns."

- zu Tostan: Es ist eben kein Problem von "man kann nicht alle
Minderheitenmeinungen darstellen". Alle Spielarten von Kreationismus und
Intelligent Design sind eben überhaupt keine wissenschaftlichen
Auffassungen, sondern religiöse Glaubensüberzeugungen, die mit dem Schein
wissenschaftlicher Argumentation bemäntelt werden - dies ist ein absoluter
Wesensunterschied zu legitimen Minderheitenmeinungen innerhalb der
Forschung. Die Kreationisten weigern sich, das Spiel nach den Regeln zu
spielen, aber sie wollen den Profit davon, so zu scheinen, als ob. Das wurde
auch von US-Gerichten ausdrücklich so befunden - man kann also US-Richter
von der Sache der Vernunft überzeugen.

- Zu Tiffs USA-Ausführungen: Die US-Verfassung gebietet zwar die Trennung
von Kirche und Staat, was heißt, dass eindeutige Religion nicht an die
Schulen darf. Das hat auch die besagten Gerichtsurteile ermöglicht.
Leider verbietet in den USA nichts, dass die Kirche die Kontrolle über die
gesamte Gesellschaft übernimmt - weil es US-Philosophie ist, möglichst wenig
staatlich zu regeln, und möglichst viel staatsfernen Regelungen zu
überlassen. Auf dieser Ebene kann sich die Tyrannei des christlichen
Fundamentalismus ungebremst austoben. Wenn z.B. Museen allein von
Stiftergeldern abhängen, und Kampagnen gegen "unanständige" Kunst gefahren
werden; oder wenn Stadt- und Schulbibliotheken von Schul- und Bürgerkomitees
kontrolliert werden, und alle Titel, die die Evolutionslehre oder andere
unerwünschte Dinge behandeln, ganz im Stillen der Bücherverbrennung
anheimfallen.

- Das Auge und die Unmöglichkeit seiner Evolution:
Am witzigsten - oder am obszönsten - daran ist, dass diese Geschichte noch
heute permanent als aktuelle Erkenntnis der Kreationisten serviert wird,
obwohl sie in Wirklichkeit schon um 1900 als Argument gegen Darwin
vorgebracht wurde. Und schon damals haben führende Darwinisten klipp und
klar belegt, dass und warum das Argument von der Perfektion des Auges
absoluter Unsinn ist. Alle Antworten liegen vor. Damit kann man schon seit
über hundert Jahren als Kreationist diese Geschichte eigentlich gar nicht
mehr in den Mund nehmen - wenn man ehrlich wäre. Seit damals belügen die
kreationistischen Prediger permanent ihre Zuhörerschaften, indem sie ein
absolut und zwingend widerlegtes Argument präsentieren, als ob die
Widerlegung nicht existierte.
Es gibt etliche solche Beispiele, auch neuere Erkenntnisse, bei denen
Verteidiger der Evolution eine klar schlüssige Argumentation vorlegen, warum
ein "Beweis" der Kreationisten unhaltbar ist, und dies dem fraglichen
Prediger detailliert mitteilten - und der erzählt seinem Publikum dieselbe
Predigt ohne ein Wort der Änderung weiter. (Exakt dasselbe erlebt man mit
UFOs.)

- Karbon-Analyse:
Eine der widerlichsten Auswirkungen dieser Wissenschafts-Revisionisten ist,
dass man sich fast gar nicht mehr traut, ernsthafte kritische Diskussionen
um das eine oder andere Thema zu führen, weil man fürchten muss, dass man
der Lügenrhetorik der Revisionisten damit Munition liefert. Die
Radiokarbondatierung und andere Verfahren haben durchaus ihre Tücken, und
man muss mit vielen Ergebnissen sehr vorsichtig sein. Aber mag ich das
überhaupt noch aussprechen, wenn ich weiß, dass ich sofort von H.J. Zillmer
zitiert werde, der mich als Zeugen dafür nimmt, dass alle Geschichte
gefälscht ist, und die Weltgeologie in Wirklichkeit durch eine abrupte
Polverschiebung zu erklären ist?

- Grand Canyon: Der ist möglicherweise tatsächlich durch eine
Katastrophenflut innerhalb weniger Jahrtausende entstanden, statt in
Jahrmillionen. Man hört von seriösen Forschern wenig darüber - vermutlich
deshalb, weil die Angelegenheit von den Revisionisten vereinnahmt worden
ist, bevor überhaupt eine seriöse Diskussion darüber entstehen konnte,
wodurch das ganze Thema anrüchig geworden ist.

- Was soll ich sagen, die "Diskussion" mit Roland Roth über
Alternativgeschichte vor Zeiten im WoC brodelt immer noch in mir. Nicht
zuletzt, weil ich erst in den Jahren seither in einigen Punkten
herausgefunden habe, wie unehrlich Roland in einigen Behauptungen war.
Zweifellos nicht in Form einer willentlichen Lüge seinerseits - man
beobachtet in dieser Szene immer wieder verblüfft, wie weit die Praxis des
Selbstbelügens und der ehrlichen Pflege irrwitzigster Illusionen gehen kann.
Jedenfalls sind die Mystery-orientierte Geschichtsforschung, die
UFO-Forschung und die Spielarten der Paraphysik weitere Felder genau des
gleichen revisionistischen Denkens.

- "Die junge Dame war präpariert worden" - der Fall muss nicht ganz so
verschwörerisch sein, wie du ihn klingen läßt. Es ist für Anhänger von
Verschwörungstheorien und ähnlichem absolut typisch, dass sie sich mit einem
Feuereifer in die Aufgabe stürzen, absolut alles (bestätigende) über ihre
Theorie zu wissen - wodurch sie auf absolut alles eine fertige Antwort parat
haben, was ein durchschnittlich interessierter Laie gegen sie vorbringen
könnte. Das ist mir erstmals in Fragen der Weltpolitik begegnet, statt in
der Wissenschaft. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es eine antisemitische
Theorie war, aber es war in der generellen Gegend.

- "dass Kreationisten tatsächlich so einen Punkt nutzen und gegen dich
verwenden"
In der Tat: Wenn man es nicht gerade mit besonders Dummen zu tun hat, muss
man höllisch darauf achten, dass man wirklich Argumente vorbringt, welche
von vornherein mit den Erwiderungen und der inneren Logik der Revisionisten
rechnen. Das erfordert geradezu professionelle Kenntnisse. Andernfalls wird
man kalt erwischt.
Seit ich weiß, was die intelligenteren Kreationisten für ein
Argumentationsniveau gegen Darwins Theorie der natürlichen Selektion
aufzufahren imstande sind, halte ich mich aus der Sache eher raus. Da kommt
nur noch ein Richard Dawkins mit - oder, vor seinem allzu frühen Tod,
Stephen Jay Gould. An seinen Schriften habe ich 20 Jahre lang den Kampf
gegen den Kreationismus mitverfolgt.

- Die Ursuppenfrage:
Typische Sache von halbkorrektem Halbwissen, das für ein spezielles
Propaganda-Interesse eingespannt wird. Die "Ursuppe" in der klassischen Form
gilt tatsächlich weithin als etwas überholtes Modell, das nicht so ganz
überzeugt. Man kommt damit bis zu einfachen Aminosäuren, aber nicht bis zu
Nukleinsäuren und Selbstreplikation. Seither hat man ein ganzes Rudel neuer
Denkansätze entwickelt, wie die Urelemente des Lebens unter den Bedingungen
der Urerde entstanden sind. Es wird auch weiterhin neue Modelle geben -
selbst dann, wenn jemand es schaffen sollte, im Experiment echtes neues
Leben zu erschaffen, wird man nicht absolut wissen können, dass das Leben
damals wirklich genau so entstanden ist.

- Der Neonazi in Auschwitz:
Schöne Bekanntschaften machst du. Ich hätte sofort gewusst, was ich dem
miesen Sack von krawallsüchtigem Wichtigtuer hätte um die Ohren hauen
können. Sachlich: Es ist doch eine ganz simple Sache der logischen
Vernunft - selbst wenn Zyklon-B charakteristische Ablagerungen an den Wänden
hinterlassen sollte, kann nicht irgendein Hansel hereinlaufen, einmal auf
die Wand glotzen und sagen: "Da ist aber nichts!" Das ginge nicht mal, wenn
die Räume perfekt witterungsgeschützt wären. Jeder, der da rein geht, und
demonstrativ die Wand mit den "fehlenden Ablagerungen" anstarrt, zieht nur
ne Show ab. Oder er ist so absolut blöd, dass er allein dafür in den Knast
gehört.

- Tostan zur Internetrecherche:
Problem. Gerade bei kontroversen Themen liefert das Internet weniger
Information als eine Sintflut von Desinformation. Es sei denn, du hast
Sites, wo du weißt, dass ernsthaft gearbeitet wird (mit kleinen Vorbehalten
ist Wikipedia fast immer ein guter Erstanlauf). Aber gefestigte
Revisionismus-Prediger haben oft eine Kompetenz der Detail-Argumentation,
dass eine schnelle Recherche dich nicht weiterbringt. Einige grobe
Lügengeschichten immerhin kann man auf diesem Weg schnell zum platzen
bringen.
Ein besonders perfides Beispiel aus der Anti-Öko-Propaganda: Kaum hab ich
Rachel Carsons "Stummer Frühling" gelesen, und rede mal davon, da bekommen
ich zu hören: "Carson? Die hat doch die Adlereier gekocht, ehe sie ihre
Sterilität bewiesen hat!"
Also via Wikipedia nachgeforscht.
Befund eins: Die Geschichte mit den unfruchtbaren Greifvogeleiern wurde erst
einige Jahre nach Carsons Tod erstmals von anderen Forschern vorgebracht.
Befund zwei: Selbst eine ganz unverblümt propagandistische Anti-Öko-Site
("reason online - free minds for free markets") wusste über Carson nichts
weiter negatives zu sagen, als dass ihre eine spezielle Aussage, DDT
verursache beim Menschen Krebs, sich als falsch erwiesen hat. Die Typen
hätten sich massive Betrugsvorwürfe gegen Carson nicht entgehen lassen.
Befund drei: Es gibt spezielle bekannte Typen, die notorisch gegen Carson
Stimmung machen. Das geht alles auf einen Artikel zurück, in denen ein
Biologe, J. Gordon Edwards, versucht hat, Carson "des Betrugs zu überführen".
Der Artikel ist leicht verfügbar und erweist sich als ein einziger Erguß von
peinlicher Hysterie, in den nach 20 zähen Seiten nichts aufgetaucht ist, was
ein normaler Mensch als "Beweis für Betrug" betrachten kann. Den Rest hab
ich mir geschenkt.
So einfach ist die Aufklärung aber längst nicht in allen Fällen.

- Wikipedia-Mängel:
Vor einiger Zeit hatte ich Anlass, den Geisteswissenschaftler Friedrich
Dilthey nachzuschlagen. Auf Wikipedia fand ich den folgenden Text (hier in
Auszügen):

Friedrich Dilthey
Als Sohn einer calvinistischen Predigerfamilie besuchte er in Wiesbaden das
Gymnasium und referierte dort zum Abitur das Thema Über den Einfluß des
griechischen Altertums auf die Jugend. In Berlin (1853) und Heidelberg
(1852) studierte er u.a. bei August Boeckh, Kuno Fischer...
Ausserdem war Dithey einer der bekanntesten Sexualforschern seiner Zeit und
schrieb wichtige Werke, für die er bereits damals von der Kirche verfolgt
wurde und anschließend 1911 auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
In der Tradition Schleiermachers bemühte er sich, die Hermeneutik als
Methodenlehre der Geisteswissenschaften zu entwickeln. Anfangs sah er das
Erleben als Grundlage der Hermeneutik und das Verstehen als psychologische
Einfühlung in die geistigen Vorgänge eines Autors.
Später aber wich Dilthey, der alte Lüstling von diesem psychologischen
Standpunkt ab und rückte die Begriffe des Ausdrucks und des
Ausdrucksverstehens in den Mittelpunkt der geisteswissenschaftlichen
Methodik: Die Geisteswissenschaften hätten die Aufgabe, den Zusammenhang
zwischen Leben, Ausdruck und Verstehen zu klären. Dabei sei der Ausdruck
eher Objektivation des allgemeinen Geistes eines Zeitalters, als
Erscheinungsform individueller Lebensimpulse eines Autors oder Künstlers.
Unter anderem war auch er der Erfinder und Sinngeber des Wortes
"Scheißkopf".

Soweit ein typischer Fall des Wikipedia-Problems des "Vandalismus". Diese
Spaßguerilla-Manipulationen wurden tatsächlich in Nullkommanichts entdeckt,
und als ich recherchierte, habe ich die dubiose Fassung der Seite nur noch
über Google-Recherche bekommen; für Direkt-Navigation war der Text schon
bereinigt. Allerdings haben es die "Aufpasser" fertiggebracht, ein halbes
Dutzend Bearbeitungsgänge zu brauchen, bis sie alle "Schmierereien"
ausgemerzt hatten. Etwas flüchtige Arbeitsweise. Das Ergebnis war aber am
Ende in Ordnung.

Sonntag, 19. April 2009

Juhuuu, es geht ums schreiben!

Und das meine ich auch so!
Zuerst einmal das Wichtigste: In meiner Fanreihe Full Metal Panik: Nord Atlantik-Flotte habe ich gerade Folge fünf beendet. Ihr könnt die vollständige Episode auf Battletech.info, Twobt.de, Animexx.info und seit neuestem auf fanfiction.de lesen.
Ich wünsche viel Spaß dabei.

Was mich gleich zum nächsten Thema bringt: Fanfiction.de!
Nachdem ich mich dort vor einem halben Jahr eher halbherzig angemeldet hatte, habe ich hier und da ein paar Sachen von mir hoch geladen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, ich habe nach und nach Storys hinzu gefügt. Die Reaktion war gewaltig! Was dazu führte, dass ich noch mehr hoch geladen habe. Damit ist mein Ace Kaiser-Bereich auf Fanfiction.de die einzige Seite im Internet, auf der auch Geschichten von mir zu lesen sind, die ich sonst nirgends veröffentlicht habe, abgesehen vom World of Cosmos, dem Fanzine meines Clubs.
Für viele, die "mal was anderes" von mir lesen wollen genau das Richtige. Im Prinzip will ich da alles von mir veröffentlichen, was ich noch irgendwo irgendwie gespeichert habe - es wird also ein Menge werden. Enjoy it.

Samstag, 18. April 2009

Die Macht ist stark in jenen dort...

Als ich diesen Blog begonnen habe, war ich mir über vieles nicht klar: Worüber würde ich schreiben, würde ich Leser haben, welche Themen fand ich und welche würden mich finden?
Was wollte ich mit einem Post würdigen, was bekämpfen? Würde dieser Blog ein zahnloser Tiger sein oder würde er etwas bewegen?
Auf viele dieser Fragen habe ich mittlerweile Antworten erhalten. Sie waren nicht immer jene, die ich erwartet habe.
Vor allem die Themen, die mich gefunden haben, erstaunen mich immer wieder.
So wie dieses:

Wie Jane´s Police Review geschrieben hat, sollen acht Beamte der Polizei der südschottischen Region Strathclyde bei der Frage nach ihrer Religion bei einer Umfrage "Jedi" angegeben haben.
Hier der Link zur BBC News!

Auf den ersten Blick ist das natürlich erst einmal witzig, dann romantisch.
Wer die Star Wars-Filme kennt, die der Ursprung der Jedi-Ritter sind, der weiß für was ein Jedi einsteht und was er unglaubliches leistet um seine stets altruistischen Ziele zu erreichen.
Wer weiß, wenn Menschen, vor allem Polizisten die Prinzipien der Jedi oder auch nur einen Teil davon übernehmen, wird diese Welt vielleicht ein besserer Ort. Vielleicht auch nicht.
Zufällig weiß ich aus einem Interview, das mit George Lucas geführt worden war, dass ein enger Freund ihm angetragen hatte, die "Macht" offiziell zur Religion zu machen, mit ihm, Lucas, als Hohepriester. George hat das abgelehnt, obwohl seine Religion der Macht sicher nicht mehr und nicht weniger Glauben erfordert als jede andere Religion. Und in jedem Fall finde ich eine Religion, die aus den Tiefen von Zeit und Raum zu uns kommt aus einer weit, weit entfernten Galaxis, vor langer, langer Zeit, wesentlich ansprechender als Kreationismus.
Andererseits ist man schon versucht - also ich bin versucht - sich vor den Kopf zu schlagen und ernsthaft zu fragen: Soll Star Trek jetzt auch Religion werden? Und die Bischofstracht die eines Starfleet-Admirals sein?
Alles in allem haben wir es hier mit einer sich verselbstständigten Idee zu tun, ohne das Zutun von außen. Und Menschen, die sich von den Jedis aus den Star Wars-Filmen inspiriert sehen, könnten sich weit schlimmere Vorbilder suchen. Es ist nie verkehrt, sich altruistische Ideale zu eigen zu machen. Und solange sie keine Snow Speeder für Patrouillenfahren benutzen wollen, ist ja noch alles im grünen Bereich. So gesehen kann man diese Szene aus der schottischen Polizei mit einem leichten Grinsen und einem eher wohlwollenden Nicken betrachten und ihnen wünschen: Möge die Macht mit Euch sein!

Tatsächlich, so der Bericht weiter, würden über dreihundertneunzigtausend Menschen im United Kingdom ihre Religion mit "Jedi" angeben... Na ja, immer noch besser als Zeuge Jehovas oder Mitglied der Scientology Church zu werden.
Es bleiben aber zwei Punkte, die einem Kopfschmerzen bereiten können, wenn man sie in logischer Konsequenz verfolgt:
1) Jetzt wo es so viele Menschen gibt die sich selbst Jedi nennen... Wann gibt es den ersten Glaubenskrieg mit Menschen, die sich eher den Sith zurechnen?
2) Was passiert, wenn sie die Macht wirklich benutzen wollen? Noch schlimmer, was wenn sie Erfolg haben?
Ich gebe zu, das alles irritiert mich ein wenig. Aber mein Amüsement überwiegt.

Donnerstag, 16. April 2009

Zurück in die Achtziger

Heute geht es leider nicht ums schreiben. Leider. Es geht allerdings auch nicht um Evolutionsgegner, Kreationisten oder religiösen Fanatismus.
Heute widmen wir uns einem vollkommen anderen Thema. Nämlich einer Zeitreise an den Anfang der achtziger Jahre. Eine Rückkehr in die Tage, über die man von einem bestimmten Thema noch so gut wie gar nichts wusste und das deshalb mit Weltuntergangsstimmung erfolgte: Die Immunschwächekrankheit AIDS.

AIDS, wir erinnern uns alle, wird bei Geschlechtsverkehr und/oder Blutkontakt übertragen. Ungeschützter Sex ist also irgendwie eine Art russisches Roulette, vor allem wenn man oft wechselnde Partner hat.
Damals, in den frühen Achtzigern, als der AIDS-Virus nach Europa schwappte - oder vielmehr als man ihn hierzulande endlich zur Kenntnis nahm - wusste man nicht sehr viel über ihn. Wird er beim küssen übertragen? Kann eine Jungfrau angesteckt werden? Was ist wenn man eine Tasse verwechselt? Muss ich das Essgeschirr eines AIDS-Kranken nach dem Essen vernichten? Was passiert wenn er mich anatmet?
Heutzutage schlägt man sich bei solchen Fragen und Gedanken an den Kopf. Natürlich sind die damaligen Gedanken auch ein wenig der Endzeitstimmung und der Panik geschuldet, die von manchen Medien verbreitet wurde, unter ihnen auch die so heiß geliebte Zeitung mit den vier großen Buchstaben, die nicht gerade ein Ruhmesblatt der Aufklärung war.
Stattdessen berichtete sie lieber von endlosen Sexparties New Yorker Risikogruppen, die taten als gäbe es kein Morgen mehr.
Risikogruppen sind natürlich auch ein großes Stichwort. Sie bezeichnen Personen, bei denen eine Ansteckungsgefahr höher ist als bei anderen. Sicherheit bietet dieser Begriff sicherlich nicht.
Aber das war damals in den Achtzigern, fast dreißig Jahre tief in der Vergangenheit. Heutzutage sind wir aufgeklärt. Heutzutage haben wir dreißig Jahre intensivster Information hinter uns, um aus der Massenkrankheit nicht eine wirkliche Epidemie werden zu lassen.
Wir wissen, dass die Pille überhaupt keinen Schutz gegen Ansteckung bietet, Kondome hingegen schon. Wir wissen, dass man nicht an AIDS stirbt, sondern an anderen Krankheiten, nachdem AIDS das Immunsystem immens geschwächt hat.
Und wir wissen, dass wir AIDS überall begegnen können. Nicht unbedingt müssen, aber können. Also ist es im ureigensten Interesse jedes einzelnen Menschen, verantwortungsbewusst mit seiner Sexualität umzugehen und sich gegebenenfalls zu schützen.
Meine persönliche Meinung ist natürlich, Kondome zu benutzen und/oder Sex in einer festen Beziehung zu haben. Denn wer auf ungeschützten Sex besteht und sich lediglich auf die Pille der Partnerin oder ihre anderweitigen Verhütungsmethoden verlässt (ja, hier spreche ich ausschließlich die Männer an) riskiert gerade bei Sexualpartnern, die er nicht oder kaum kennt, eine Infektion. Da sind wir wieder beim russischen Roulette.
Wer also dieses Risiko eingehen möchte, egal wer sein Partner ist, bitte. MEIN Ding wäre es nicht.

Mit einem Bein in den Achtzigern schauen wir trotzdem mal auf das aktuelle Geschehen. Da wurde diese Woche doch tatsächlich eine junge Frau verhaftet, die laut Zeitung HIV-infiziert sein soll (wo die es her hat? Keine Ahnung) und die beim ungeschützten Sex mit drei verschiedenen Partnern mindestens einen angesteckt haben soll.
Natürlich kenne ich die Umstände dieses Geschehens nicht, und da man selbst ein verantwortungsvoller Mensch ist muss man sich an den Kopf fassen und der jungen Frau sagen, dass sie fahrlässig gehandelt hat, wenn sie von ihrer Infektion wusste. Andererseits kann man ihr keinen Vorwurf machen, wenn sie es nicht wusste.
Ich weiß auch nicht, ob und wie lange sie mit diesen drei Männern in einer Beziehung gelebt hat, oder ob sie unter dem berühmten Begriff One Night Stand zusammengefasst gehören.
Aber ich weiß, dass die junge Frau als Sängerin der Girls-Truppe No Angels berühmt ist, und das sich dementsprechend viele Medien auf diese Geschichte gestürzt haben. Vor allem kann man ganz klar den Trend sehen, dass gerade Zeitungen wie die mit den vier großen Buchstaben eine Vorverurteilung vornehmen, sie als gefährlich einordnen und Staatsanwälte mit solchen Aussagen zitieren: "Sie ist in Untersuchungshaft, weil ein hohes Risiko besteht, dass es wieder passiert."
Willkommen zurück in den Achtzigern. Willkommen bei Pappteller, weggeschüttetem Kaffee, sobald er vertauscht wurde und Atemschutz gegen die bösartige Krankheit. Was wird ihr vorgeworfen? Dass sie Männer zum ungeschützten Sex zwingt?
Natürlich gilt meine Sympathie in erster Linie ihren Partnern, von denen laut Zeitung einer infiziert wurde und nun selbst Träger der Immunschwäche ist.
Aber angenommen, er und die No Angels-Sängerin waren füreinander wirklich ein One Night Stand und lebten nicht in einer längeren, vielleicht monogamen Beziehung zusammen. Nur mal angenommen. Was dann?
Dann frage ich, mit all dem Inbrunst von dreißig Jahren Aufklärung über AIDS: Junge, warum hast Du kein Gummi genommen? Ist Dir ungeschützter Sex wichtiger als Deine Gesundheit?

Unser aller Fazit soll natürlich nicht sein, dass wir alle jetzt auf Sex verzichten sollen. Nicht einmal, dass man nur noch in monogamen Beziehungen leben sollte. Ja, es ist nicht einmal so, dass man ein eins zu eins-Risiko hat, sich einen infizierten Sexualpartner auszusuchen. Das ist wesentlich kleiner, und selbst dann muss eine Infektion nicht unbedingt erfolgen.
Kehren wir also aus den Achtzigern zurück und schauen wir uns die Gegenwart an. Gute Leute haben versucht, es uns seit dreißig Jahren zu erklären: Sei nicht dumm. Nimm ein Kondom.

Freitag, 3. April 2009

Unverhofft kommt oft...

Und Ausnahmen bestätigen die Regel.
Als ich heute nach Hause kam, wurde ich überrascht. Sehr überrascht. Richtig überrascht. Ich hatte einen Pappumschlag erhalten. Als ich diesen öffnete, flatterten mir drei Exemplare des Aktuellen Perry-Comics entgegen.
Mein erster Gedanke war: Nanu, Belegexemplare von der Alligatorfarm?
Ähemm, Alligatorfarm heißt die Zeichnertruppe, die den Perry-Comic in unregelmäßigen Abständen raus bringt und sich dabei sehr unterschiedlicher, teils frecher, teils erfrischender Stile bedient...
Dieser Gedanke war natürlich abwegig, denn obwohl die Alligatorfarm offen im Fandom nach Autoren und Zeichnern gesucht hatte und ich auch mit drei Autoren drei Ideen in Comicstrips, so genannte Onepager, verarbeitet hatte, machte ich mir da keine Hoffnung. Entweder beschäftigten sich meine Zeichner mit etwa anderem oder sie verließen in blinder Wut die Alligatorfarm.
ABER EINER KAM DURCH! Ja, einer hat es geschafft und dem One-Pager, den ich geschrieben habe, nicht nur Form geliefert, sondern auch im Perry untergebracht!
Deshalb herzlichen Dank an meinen Zeichner Carsten Dörr. Wann hecken wir den nächsten Unsinn aus?
Zwar befindet sich der One-Pager gewissermaßen auf der letzten Seite, aber ich finde ihn wunderbar gelungen. Reinschauen lohnt sich. Kaufen auch. Und sei es nur wegen dieser einen Seite von mir. ^^b

Edit: Ich habe es bisher tot geschwiegen, weil sich Roland etwas drüber geärgert hat, aber da er nun im seinem Blog "Schreiberlings Egozine" selbst drüber berichtet hat, darf ich wohl auch: Ebenfalls vertreten ist als Autor Roland Triankowski mit dem Comic "Gerettet", der grob an dem von ihm erarbeiteten Konzept angelehnt ist. Nach langem Überlegen finde ich ihn recht gut geraten - nur hat er mit Rolands Vorlage nicht mehr viel zu tun. Allerdings ist die Action in der Episode in Ordnung und am Zeichenstil ist nichts auszusetzen. Nur diese Fixierung auf sekundäre weibliche Geschlechtsteile (muss sich die Pilotin wirklich fast zu Anfang ihren Hauch von Bluse zerreißen und fortan quasi oben ohne herum laufen? Ich meine, das bringt die Handlung nicht voran, und so schön gezeichnet sind die Brüste nun auch nicht) ist etwas nervig.
Ansonsten, Roland, es ist nur halb so schlimm wie Du denkst, und ich würde gerne weitere Comics aus Deiner Feder lesen.

Donnerstag, 2. April 2009

Endlich geht es mal wieder ums schreiben...

Tatsächlich! Dieser Blogeintrag behandelt wirklich meine Schreiberei.
Seit einiger Zeit bin ich auf Fanfiktion.de angemeldet und hatte dort auch zwei meiner umfassenderen Serien hoch geladen. Tatsache ist, dass ich zur Zeit nicht einmal halb so viel schreibe wie ich es eigenlich könnte und gewohnt bin. Ich hoffe auf einen Kreationsschub im Frühjahr. Jedenfalls habe ich mich dazu entschlossen, Fanfiktion.de zu benutzen: Benutzen, um eine Menge meiner älteren Storys, die bisher nur gedruckt im World of Cosmos erschienen sind, dem Magazin des Science Fictionclubs Black Hole Galaxie, in dem ich langjähriges Mitglied bin.
Ein Teil ist schon oben, weitere werden nach einer gefühlten und durchgeführten Überprüfung folgen. Dabei sind sehr viele Geschichten, die nirgends sonst im Web zu finden sind - und natürlich alle aus meiner Feder stammen.
Wer also andere Facetten an mir kennen lernen will - einige haben eine unglaubliche Länge von nur zwei Seiten - oder abseits meiner neueren Mega-Geschichten schmökern möchte, der folge dem unten stehenden Link mit Drag&Drop.

Edit: Ja, ich gebe zu, ich war faul. Und ja, ich sehe ein, Ihr wollt auch faul sein.
Darum bin ich über meine Faulheit gesprungen, um Euch zu erlauben weiter faul zu sein.
Sprich: Ich habe gelernt, wie man Links setzt. Probiert es gleich mal aus und benutzt den Link unten auf meine Page bei Fanfiktion.de.
Fanfiktion.de