Donnerstag, 31. Mai 2012

Facebook ist kein rechtsfreier Raum...

Und so war Facebook auch nie gedacht. Dies musste auch der achtzehnjährige Emdener feststellen, der gerade für seinen Lynchaufruf an einem Tatverdächtigen nach einem Kindsmord  in Emden sein Urteil entgegen nahm: Zwei Wochen Jugendarrest. Und damit ist er noch ziemlich gut bei weg gekommen.
Ja, Leute, das Strafgesetzbuch gilt auch im Internet, und die Anonymität im Netz, vor allem bei Facebook, geht auch nur bis zu einem gewissen Punkt - was auf der Kehrseite wiederum missbraucht wird, z.B. von der Abmahnindustrie.
Ehrlich gesagt hätte ich mich sehr gewundert, wenn es anders abgelaufen wäre. Jetzt warte ich nur noch auf die ersten Verwarnungen an die Teilnehmer des Mobs.


Aber trotz allem, und nach der Feststellung, dass das Internet auch vom Strafgesetzbuch erfasst wird: Der Junge hatte über neunhundert "Freunde" auf Facebook, von denen augenscheinlich um die dreißig "Gefällt mir" geklickt haben, und auf seinen Aufruf hin kamen wohl fünfzig Jugendliche zusammen, die "die Wache stürmen, den Kerl rausziehen und aufhängen" wollten. Große Resonanz hat er nicht erreicht; und das ist auch gut so. Wahrscheinlich hätten wir von dem Geschehen nie etwas mitbekommen, wenn der Lynchaufruf nicht so von etablierten Medien breit getreten worden wäre.
Und ich möchte es nicht als guten Nebeneffekt beschreiben, dass der Medienhype überhaupt erst zur Aufmerksamkeit der Polizei und zur jetzigen Verurteilung geführt hat. Anders rum wird ein Schuh draus.



Merke: Eine sensiblere, vor allem zurückhaltendere Berichterstattung mit dem Mordfall durch die etablierten Medien hätte viel zerschlagenes Geschirr verhindert.
Und wahrscheinlich hätte sich dann auch ein junger Mann nicht dazu hinreißen lassen, in seinem jugendlichen Leichtsinn zum Lynchmord aufzurufen.
Hoffentlich lernt er was draus. Und bitte mehr als: Die mögen mich einfach nur nicht.

Mittwoch, 30. Mai 2012

Der böse, böse Solarcent

Heute in der Tageszeitung gelesen: Strom könnte teurer werden, weil die fiese Umlage für erneuerbaren Strom um einen Zehntel Cent oder sogar noch mehr steigen könnte.
...sacken lassen.
Ich weiß jetzt ehrlich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Weinen spätestens dann, wenn noch mal leise auf Atomstrom hingewiesen wird, der, wie wir wissen, hochsubventioniert ist.
Um das zu verdeutlichen, muss ich nicht mal verlinken: Die gesamte Entsorgung der hochradioaktiven Abfälle ist Bundessache, und damit alle anfallenden Kosten der aufwändigen Aufbereitung und der finalen Entsorgung. Dies aber nicht, um den Betreiberfirmen Zucker in den Arsch zu blasen, sondern einfach weil der Bund meiner Ansicht nach frei über das als Abfallprodukt produzierte waffenfähige Plutonium verfügen will. Weshalb es auch nach La Hague geht, und nicht nach Cellerfield. Eine eigene Wiederaufbereitungsanlage haben wir übrigens deshalb nicht, weil wir keine eigenen Kernwaffen haben dürfen. Aber seltsamerweise dürfen wir selbst Brennstäbe bauen - in Gronau/Westfalen. Tja, und deshalb wird alleine in diesen Aspekt ordentlich Zucker reingebuttert.

Zurück zum Thema. Laut Grafik in der LDZ ist Atomstrom jetzt nur noch bei sechzehn Prozent, hat also ein Drittel der Kapazitäten eingebüßt. Und in Deutschland sind die Lichter immer noch nicht ausgegangen. Zwar gibt es jetzt eine große Kontroverse über den Ausbau der "Stromautobahnen", so wird auch u.a. über eine 380 KV-Leitung durch das Leinetal diskutiert, um den Strom von den Produktionsstätten runter nach Süddeutschland zu schaffen, aber eifrige Leser meines Blogs werden sich dran erinnern, dass Stadtunternehmen rund zwanzig Milliarden in dezentrale Kraftwerke investieren wollen, jetzt, wo der Ausstieg vom Ausstieg aus dem Ausstieg sichere Sache ist. Verwirrend? Ja, das ist es.
Übrigens können diese dezentralen Krafwerke dann durchaus Kernreaktoren der Generation IV sein, die Atommüll verwerten können. Kleiner, dezentral, direkt am Stromnetz, besondere Kühlung nicht erforderlich, und die meisten dieser Reaktoren fressen so gut wie alles. Das wäre ein Schritt in die Zukunft.
Und noch eine gute Nachricht gibt es: Bundesweit haben Photovoltaik-Anlagen über die warmen, sonnenintensiven Pfingsttage so viel Strom ins Netz eingespeist, das es die Kapazität von zwanzig deutschen Kernkraftwerken aufwiegt. Zwanzig!!!

Was also tun gegen die böse Photovoltaik-Technik?
Tja, die produziert leider kein Plutonium, sind aber hauptsächlich Sache der Verbraucher selbst, weil auf privaten Dächern errichtet. Den Nachbarn zu beschimpfen halte ich jetzt für keine gute Idee. Im Gegenteil sollte man hoffen, da der Bund jetzt acht AKW weniger subventionieren muss, dass man zwar den Solarcent zahlen muss, aber irgendwie über die Steuer wieder rein kriegt, weil Frau Merkel jetzt eigentlich weniger von uns haben wollen sollte.
Strom ist genügend da. Wenn er tatsächlich teurer wird, und sei es über die Umlage, so liegt das Hauptproblem im Polypol begründet. Und bei Muberkel. Meine Meinung.

Donnerstag, 24. Mai 2012

Ich bin ein Urheber - na und?

So, jetzt klinke ich mich auch mal in die Diskussion ein. In der Diskussion um Leistungsschutzrecht, Urheberansprüche und der bösen, bösen Piratenpartei, die alles angeblich umsonst haben will, bin ich, man höre und staune, kein Unbeteiligter. Auch ich bin Urheber. Das kann jeder sehen, der meinen Blog liest, der Gerüchteweise bereits eine journalistische Eigenleistung sein soll; das kann jeder sehen, der auf der linken Seite die zweite Rubrik sucht, und den Links zu meinen Book on Demand-Büchern folgt.
Ja, ich bin ein Urheber. Ja, ich möchte gerne etwas daran verdienen, wenn man meinen Blog liest, indem ich mich flattrn lasse... Was bisher noch nicht passiert ist.
Und wenn sich jemand meine Bücher in den Schrank stellen will. Ja, auch an einem eBook möchte ich gerne etwas verdienen. Aber, und das muss ich wohl ganz offen sagen: Ich bin ein Nischenprodukt. Meine Arbeiten sind nichts, was bei regulären Verlagen die Sektkorken knallen lässt, und eine Flut von Headhuntern auslöst, die jetzt mich unbedingt exklusiv verpflichten wollen, um bei ihrem Verlag zu veröffentlichen.
Klar, ich habe es von meiner Seite nicht ausdauernd genug versucht, "meinen" Verlag zu finden. Klar, dadurch schlage ich mich jetzt mit Book on Demand rum, wo das gedruckte Buch automatisch teurer ist, wie als wenn ein Verlag eine Fünftausend Stück-Auflage druckt und sich um die Vermarktung kümmert. Klar, vielleicht irre ich mich, und eine meiner Arbeiten könnte mittlerweile, durch einen guten Verlag vermarktet, auf der Spiegel-Bestsellerliste stehen. Das alles ist aber nicht der Fall.
Ein Urheber bleibe ich trotzdem.

Meine Meinung zum Thema: Klar finde ich es toll, wenn ich meine Bücher verkaufen kann. Und ich weiß, dass sie wegen Book on Demand und Porto aus USA teurer sind, und ein Leser sich zweimal die Anschaffung überdenkt. Dennoch hatte ich über vierzig Verkäufe. Nicht viel über die Jahre, aber gefreut hat es mich trotzdem. Das liegt natürlich zu einem nicht geringen Teil daran, dass all meine Texte im Internet frei zugänglich sind, und ich nur eine überarbeitete Version als Book on Demand oder eBook anbiete. Viele brauchen oder wollen dann gar nicht mehr zugreifen. Aber jene, die sich sagen, dass sie Spaß an meiner Arbeit hatten, jene, die dennoch mein Buch kaufen (eventuell das eBook, weil das erheblich billiger ist), die ein paar Euro mehr ausgeben, um mich beim lesen in der Hand halten zu können - meine Bücher, meine ich - die sind es wert, dass ich die Texte on stelle.
Ich will nicht undankbar sein und vergessen, das ich überhaupt nur Leser HABE, weil ich meine Texte ins Internet stelle.

Es gibt eine Diskussion um Raubkopien, und wie dieser erschwert werden können. Ich für meinen Teil denke, dass es tatsächlich Menschen gibt, die sich einerseits Musik und Bücher umsonst zulegen, ohne den Schaffenden - oder in den meisten Fällen den Verlag, bzw. das Label - durch Geld zu belohnen. Und auch das es solche gibt, die diese Kopien zur persönlichen Bereicherung vermarkten. Aber Himmel hilf, reicht das aus, um jeden ehrlichen Käufer unter Generalverdacht zu stellen, ihm seine gekaufte Kopie madig zu machen, ihn zu kriminalisieren? Ich denke nicht.
Aber jetzt habe ich was lustiges für die Urheber: Dieses Vorgehen ist illegal und wird auch bestraft. Ein ganz normaler Kriminalfall. (Ich meine jetzt aber nicht die vollkommen überzogene Abmahnabzocke.)
Ich kenne tatsächlich Menschen, bzw. habe von ihnen gehört, die eintausend oder mehr Filme aus dem Netz gesaugt haben, die quasi zehn Hunderter-Spindeln Rohlinge damit füllen. Eintausend oder mehr Filme. Ist das kriminell? Eher ist es krankhaft. Die kann er niemals alle sehen, bzw. die meisten interessieren ihn doch nach kurzer Zeit nicht mehr.

Ich BIN ein Urheber. Und Lizenznehmer in einem. Was ich von einer Verschärfung des Urheberrechts halte? Gar nichts. Meine Texte sind bis auf siebzig Jahre nach meinem Tod gesichert, und gegen Fanfiction habe ich absolut nichts. Kann ich noch mehr verlangen? Nein, im Gegenteil. Es ist hoffnungslos übertrieben.
Was kann ich von einer Aufweichung des Urheberrechts halten, seiner Abschaffung, einem Free for all-Denken, alles gehört jedem, usw.
Selbst wenn die Piraten das wirklich wollten, sie könnten es nicht durchsetzen. Und wer sonst als sie könnte dafür sein? Hm, nicht mal sie selbst, wie es aussieht.
Wobei eine Kultur-Flatrate zumindest mal einen Gedanken wert ist.

Davon mal abgesehen: Eine Verschärfung des Urheberrechts kommt eher selten dem Urheber zugute, sondern dem, der diese "Kunst" in Lizenz vertreibt.
Nicht jeder Autor hat es so gut wie ich und ist beides. Denkt mal drüber nach.
Und kauft meine Bücher. Aber nur, wenn Ihr meint, sie sind das Geld wert, das ich verlange.

Euer Ace


P.S.: An dieser Stelle vielen lieben Dank an meine treuesten Leser, denen ich als Autor so viel wert bin, das sie Geld für meine Arbeiten ausgegeben haben. ^^

Sonntag, 20. Mai 2012

2.000 Aufrufe - nun geht Anime Evolution aber ab.

Wie der Titel schon sagt: Meine Originalgeschichte Anime Evolution, die es mittlerweile auf über fünfzig Episoden und Specials in fünf Seasons und einem Spinoff geschafft hat, hat gerade auf Fanfiktion.de mit der Ersten Staffel die 2000er Marke geknackt. Das finde ich erstaunlich, sogar sehr erstaunlich. Immerhin kann ich die nicht mehr verlängern, dementsprechend ist sie auf den Suchseiten und den Meldelisten jenseits von Gut und Böse. Wahrscheinlich muss ich da der neuen Rubrik "Empfehlungen" dankbar sein, die FF.de vor kurzem eingeführt hat.
Vielleicht bleiben da ja ein paar zusätzliche Leser bei kleben. Ich würde mich freuen. Und für die Leser gibt es dann ja noch vier weitere Seasons und den Alternativwelten-Spinoff zu lesen. ^^V

Bleibt mir treu und lest mich weiterhin.

Samstag, 19. Mai 2012

Stöckchen fangen, ohne weiter zu schmeißen

Gestern hat mir der Schreiberling, auf Twitter als @nerdlicht unterwegs, ein Stöckchen zugeworfen.
 Mein erstes Blog-Stöckchen von @jostruth! Und ihr fangt mal: @AceKaiser @muellermanfred @docron @zeitzeugin42 http://t.co/Rjee4Xh9
Das ist, um es banal zu sagen, ein Kettenbrief. Du kriegst ihn, gibst den Urheber Bescheid, das Du ihn bekommen hast, und musst ihn an fünf Leute weitergeben.
Nun halte ich absolut NICHTS von Kettenbriefen, aber SEHR VIEL vom Schreiberling, weshalb ich ihm den Gefallen tue, und seine fünf Fragen beantworte, mir aber sehr, sehr lange überlegen werde, ob ich fünf Zeitgenossen mit fünf Fragen auf die Palme gehe.

Hier sind die Regeln für den Kettenbrief, äh, ich meine, das Stöckchen:
  1. Verlinke die Person, die Dir das Stöckchen zugeworfen hat.
  2. Beantworte die Fragen, die gestellt wurden.
  3. Bewirf anschließend 5 Leute mit dem Stöckchen.
  4. Gibt den Personen Bescheid, dass Du sie ausgewählt hast.
  5. Stelle 5 Fragen, die beantwortet werden müssen.
 Hier sind Schreiberlings Fragen nebst meinen Antworten:

 1) Lego oder Playmobil?

Playmobil. Da brauche ich nicht lange zu überlegen. Ich hatte immer beides, aber am meisten gespielt habe ich mit Playmobil. Klar, Lego hat den cooleren Stuff, und versuch mal, mit Playmobil einen Sternenzerstörer oder die Enterprise nachzubauen. Aber Playmobils Nachteil, nicht so flexibel wie Lego zu sein, wird hier zu einem großen Vorteil, weil es eben nicht so flexibel ist. Klingt paradox, aber hast Du schon mal mit dem Piratenschiff oder dem Fort gespielt?

2) Kannst Du Dir vorstellen, alles, was Du gerade tust, hinzuschmeißen und etwas völlig anderes zu beginnen? Wenn ja, was wäre das? (Wenn nein, warum nicht?)

Ja, kann ich. Jederzeit. Bin hochflexibel. Wirf mir was hin, egal was, ich schaffe es. Außer handwerkliche Tätigkeiten. Da würde ich mehr Schaden machen als zu nützen.

3) Zeit, sich zu outen! Welches Objekt fannischer Verehrung, sei es eine Science-Fiction-TV-Serie, ein Fantasy-Buch oder ein Comiczeichner, gefällt Dir im Gegensatz zur Mehrheit aller Nerds und Geeks überhaupt nicht? Rechtfertige Dich!

Hm, da brauche ich nicht lange zu überlegen: Harry Potter, Twilight, die Anne Rice-Romane. Warum? Ich kann mit dem kommerzialisierten Schwachfug einfach nichts anfangen. Wenn Vampire schwul durch die Jahrhunderte gondeln, oder im Sonnenschein zu glitzern anfangen oder ein kleiner Junge sich sieben Mal gegen das böse Wesen stellt und jedesmal knapp gewinnt, frage ich mich schon, was die Autorinnen geraucht haben, und ob ich auch mal davon möchte.

4) Eine ältere Version Deiner selbst taucht bei Dir auf, drückt Dir eine Zeitmaschine in die Hand, wünscht Dir viel Spaß und verschwindet mit einem dämlichen Grinsen auf den Lippen wieder. Was tust Du als erstes? (ja, sie funktioniert)

Da brauche ich auch nicht lange zu überlegen. Ich würde in die Zukunft reisen und verhindern, das mein älteres Ich die Zeitmaschine benutzt, um in meine Zeit zu reisen und sie mir zu geben.
Harr, ich liebe Paradoxa.

 5)   Warum hast Du eigentlich noch keine Lego-Minifiguren mit mir getauscht?

Bitte, was? Ich habe was noch nicht mit Dir getauscht? Die Dinger gibt es NOCH KLEINER?
*ineineeckesetzundleisevormichhinwimmer* Mini-Lego... Mini-Lego... Was erfinden die demnächst? Star Wars-Lego?

So, das waren meine fünf nicht ganz ernst gemeinten Antworten an den guten Schreiberling.
Ach ja, wenn ich schonmal dabei bin: Hey, Roland, wann SCHREIBT Schreiberling eigentlich mal wieder was?  Schönes Wochenende.


Freitag, 18. Mai 2012

Für den Kaiser 2 - Die Diadochen

So, ich habe es geschafft. Die Bearbeitung, Überarbeitung und die Layout-Arbeiten sind beendet. Teil zwei meiner Katalaun-Saga ist jetzt als Buch erhältlich.
Wie immer nur als Book on Demand direkt auf der lulu.com-Homepage, und im Moment nur als Printausgabe. Aber ich arbeite am Wochenende an der eBook-Version, versprochen.
Jedenfalls habe ich damit Stein zwei von vier gelegt, und wie immer freue ich mich über jeden Kommentar und jeden Verkauf.

Bleibt mir treu und lest mich weiterhin.

Mittwoch, 16. Mai 2012

45.000 - diesmal etwas langsamer.

Wieder habe ich einen neuen Tausender verzeichnet. Wieder bin ich der fünfzigtausend Aufrufe meiner Geschichten und Gedichte auf Fanfiktion.de einen Schritt näher. Das wird wohl noch was vor September, wenn es in dem Tempo so weiter geht.
Gut, gut, für diesen Tausender habe ich siebzehn Tage statt vierzehn oder gar zwölf gebraucht - oder vielmehr Ihr, meine lieben Leser - aber es ist immer noch schneller als mein alter Rhyhtmus von zwanzig Tagen. ^^

Also, bleibt mir treu und lest mich weiter.

Dienstag, 15. Mai 2012

Der Star Wars-Post

Im vorigen Post habe ich es ja schon angedeutet, das ich heute einen eigenen für Star Wars aufmache. Dabei soll dieser Post an sich nicht so eine große Rolle spielen wie die Kommentarfunktion. Ich erhoffe mir eine lebhafte Diskussion über die verschiedensten möglichen Themen:
Schoss Han zuerst?
Wäre die Rebellion besiegt worden, wenn der Todesstern zuerst Yavin und danach den Rebellenmond zerstört hätte?
Warum haben Sith diesen Schwarze Kutten-Fetisch?
Hat George Lucas Copyright-Probleme mit der katholischen Kirche?
Wann ist Jabba so fett geworden?
Ist Hutten-Ball der neue Trendsport des Jahres?
Muss man Bikinis wirklich grundsätzlich aus Kupfer und Eisen herstellen?
Und natürlich: Wie zum Henker konnte Anakin ohne Vater empfangen werden und dabei den höchsten Midichlorianer-Wert aller Zeiten im Blut haben?

Um MAD zu zitieren: "Ich weiß nicht. Ich war da so auf dieser Party, habe höchstens zwei Flaschen Schnaps bis zur Besinnungslosigkeit getrunken, und - schwups - plötzlich hatte ich Anakin im Leib."

Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen.

Montag, 14. Mai 2012

Ein kleiner Pieks für mich, ein großer Schritt für den Herdenschutz

Hm, wie beginne ich das jetzt? Vorweg eines: Es geht um Impfung. Ja, ich bin Impfbefürworter. Und ja, als ich Kind war, gab es viele Impfungen noch nicht, und ich musste Mumps durchmachen, Masern, Windpocken. Dabei war ich zwei relevanten Risiken ausgesetzt. Im Fall der Masern, entweder an begleitenden Infektionen zu sterben, oder eines aus dreitausend Kindern zu sein, das an der Subakuten skleriosilen Panenzephalitis erkrankt und stirbt.
Das andere Risiko war Mumps mit der Gefahr, taub oder unfruchtbar zu werden. Gut, taub bin ich nicht, aber Kinder gezeugt habe ich noch keine.
Die Windpocken empfand ich nur als nervig. Extrem nervig. Da sind die Nebenwirkungen auch recht überschaubar.
Scharlach, Röteln und andere Krankheiten hatte ich bisher nicht.
Ich überlege mir gerade, wie viel Schmerzen, wie viel Juckreize und welche unüberschaubaren Risiken ich mir hätte ersparen können, wäre ich umfassend geimpft worden...

Gegenthema. Schweinegrippe. Genau, dieses Virus aus dem H1N1-Stamm, der in der Grippesaison 09/10 tatsächlich eine Pandemie auslöste. Und wäre das Virus auch nur halb so gefährlich wie die saisonale Grippe gewesen, dann wären sicherlich ein paar Millionen Menschen weltweit gestorben. Stattdessen erwies sie sich als relativ harmlos. In Deutschland wurden rund einhundertvierzig Tote der Schweinegrippe zugerechnet, weltweit meinte man über zehntausend Fälle erfasst zu haben. Das ist ein sehr, sehr harmloser Grippeverlauf, gibt es doch alleine in Deutschland pro Grippesaison zwischen fünftausend und zwanzigtausend Tote - wenn sie nicht besonders schlimm verläuft.
Gefeiert wurde die Schweinegrippe in den Medien als neue Supergrippe, als neueste Bedrohung der Menschheit, als baldige Apokalypse. Prompt kaufte die Bundesregierung Impfstoffe en masse, die niemand haben wollte.
Fakt ist einfach folgendes: Eine Impfung gegen die Schweinegrippe ist/war für gesunde Menschen mittleren Alters nicht notwendig, sie verlief recht ansteckend, aber wenig pathogen. Dennoch ging sie quasi einmal um die Welt. Die Impfstoffe haben die öffentlichen Kassen Millionen gekostet, und Verwendung fand nur ein winzig kleiner Teil.
Was mich dabei aufregt ist der Hype, der durch den Boulevard ging, angeführt von der BLÖD. Jeder Nachrichtenlesende Mensch konnte sehen, dass H1N1 um die Welt ging, aber das weder die Ansteckungszahlen noch die Zahl der Todesfälle - hier wieder eine Entschuldigung an die tatsächlichen Todesfälle im Zuge der Schweinegrippe und ihrer Angehörigen, ich meine meine Worte nicht herabwürdigend - auf das Ende unserer Zivilisation hindeuteten. Auf Mallorca feierten die Touristen Schweinegrippeparties, und Infizierte, bei denen die Krankheit ausgebrochen war, musste nicht gerade künstlich beatmet werden. Dennoch ging die Panikmache weiter, wurde ein Jahr aufgeschoben. Irgendwo musste sie ja tödlich sein. War sie aber nicht.

Da war der Schaden aber schon angerichtet. Wir mussten nicht großflächig geimpft werden. Punkt, aus. Aber genauso muss ich auch sagen: Es hätte niemandem geschadet. Ebenfalls Punkt, aus.
Das Schlimme, ja, das Verheerende an H1N1 und der tendenziösen und falschen Berichterstattung ist schlicht und einfach, dass Amateure versuchen, wissenschaftliche Themen zu erklären, und bei diesem Versuch polemisieren, ja, agitieren. Und zugleich darauf hoffen, von der neuen Superpandemie berichten zu können, die die halbe Menschheit ausrottet. Was die u.a. BLÖD deklassiert.
Der Impfung an sich wurde ein gigantischer, vielleicht nicht reparabler Schaden zugefügt. Eine moderate Berichterstattung und eine gelassenere Betrachtung des Themas hätte hier viel gerettet. Man hätte sich zum Beispiel beim ersten dokumentierten Ausbruch in Mexico City fragen können, warum es nur so wenige Infektionsfälle in einer Gigantstadt mit zwanzig Millionen Menschen gegeben hat; man hätte sich auch fragen können, warum hauptsächlich junge Menschen erkrankten.
Die Schlussfolgerung des Boulevards war die Vermutung, es könnte sich um einen terroristischen Anschlag handeln, gezielt auf die arbeitsfähige Bevölkerung.
Meine Schlussfolgerung hier im Blog war, dass Ältere nicht erkrankten, weil sie H1N1 schon einmal gehabt und deshalb Immunität erworben hatten. Ab diesem Punkt hätte man in der Tat gelassener sein können. Es hätte vieles gerettet. Keine Menschenleben, zugegeben. Aber Ansehen und Würde der Impfung.

Wie ich oben schon schrieb, bin ich Impfbefürworter. Aber ich habe mich damals gegen eine Impfung entschieden, weil ich sie für unnötig erachtet habe. Dennoch hole ich mir regelmäßig meine Tetanus-Kombi-Impfung ab (hoffentlich mit Keuchhustenschutz. Da muss ich meinen Arzt mal fragen), und nach diesem Artikel auf Scienceblog.de überlege ich mir ernsthaft, mich auch gegen Masern und dergleichen impfen zu lassen, um meinen Teil dazu beizutragen, dass diese Krankheiten aus Europa ein für allemal verschwinden.
Letztendlich waren es die Kommentare weiter unten im Artikel, die mich entsetzt haben. Jene der Impfbefürworter mit ihren klaren Fakten und Aussagen, jene der wenigen, aber hochaktiven Impfgegner mit ihren erschreckenden Ansichten. Die Impfgegnerszene muss ein fürchterlicher Ort sein. Vergleichbar mit denen von handelsüblichen orthodoxen Religiösen und Verschwörungstheoretikern. Nur solchen Menschen kann es einfallen, das z.B. die Spanische Grippe, die Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts weltweit Millionen Leben kostete, vom Impfstoff GEGEN diese Grippe ausgelöst worden sei, und das nur GEIMPFTE Menschen gestorben seien... Im Anbetracht des Umstandes, das die ersten Impfstoffe gegen Grippe erst Mitte der Dreißiger Anwendung fanden, ist der Vergleich mit Verschwörungstheoretikern und Kreationisten mehr als angebracht. Autsch.

Noch mal zusammengefasst: Was ist eine Kinderkrankheit? Eine harmlose Geschichte? Sicherlich nicht. Das Immunsystem von Kindern ist meines Wissens nach stärker als das von Erwachsenen, weshalb Masern und dergleichen bei Erwachsenen einen schwereren Verlauf haben. Deshalb aber darauf zu schließen, Kinder "brauchen" die verharmlost Kinderkrankheiten genannten Infektionen, um ein gutes Immunsystem aufzubauen, ist extremer Schwachsinn. Wie ich schon sagte, ich wäre froh über eine Impfung gewesen.

Eine der Impfgegner wartete mit folgendem Argument auf: Ihr Sohn hatte durch anerkannten Impfschaden bis zu seinem Tod mit neunzehn Jahren unter Anfällen und dergleichen zu leiden. Den Tod führte sie ebenfalls auf den Impfschaden zurück. Sie folgte übrigens auch der widerlegten Lüge, Impfungen würden Autismus auslösen.
Die Befürworter, darunter nach eigener Aussage Ärzte, hielten dagegen, das man einen Impfschaden relativ einfach bescheinigt bekommt, weil "die Impfung Dienst an der Allgemeinheit ist und gerade vom Gesetzgeber entsprechend gewürdigt wird", konkret mit Prozenten beim Versorgungsamt. Will sagen, lieber einen Krankheitsfall zuviel einem Impfschaden zuordnen, als einen zu wenig, weil wir alle davon profitieren, wenn Masern, Mumps und Co. uns nicht als Zwischenwirte für ihre Verbreitung missbrauchen können.
Nun mag es sein, dass besagte Mutter tatsächlich ihren Sohn durch einen Impfschaden verloren hat, und das sie zu Recht der Impfung skeptisch gegenübersteht. Was aber ist mit den Kindern von Müttern, die wegen zu geringem Impfschutz in ihrer Schwangerschaft Röteln durchmachen mussten, und deren Kinder daraufhin körperliche und geistige Schäden davon getragen haben? Selbst schuld weil sie nicht geimpft waren? Hm, merkt Ihr was? Richtig. Man kann ein einzelnes Schicksal nicht besonders gut mit der Masse der deutschen Bevölkerung aufrechnen.

Was ich noch dazu sagen möchte, sind zwei Worte: Pocken und Polio.
Dies sind zwei sehr prominente Vertreter nicht unbedingt der Kinderkrankheiten, wohl aber für Infektionskrankheiten. Bei den Pocken handelt es sich um eine fiebrige Infektion mit Todesraten von dreißig Prozent in unbehandelten Fällen. Die Welt wurde für Pockenfrei erklärt, weil in den letzten zwanzig Jahren keine Fälle mehr dokumentiert wurden. Klar kann man sich da nie ganz sicher sein, aber dennoch ist es ein Erfolg. Ein Erfolg für die Impfung, die dafür gesorgt hat, dass der Mensch, der das einzige Reservoir für die Pocken bildet, als eben dieses Reservoir durch die Immunisierung ausgefallen ist.
Polio ist ein ähnlich gelagerter Fall und war für eine hohe Kindersterblichkeit berüchtigt. Üblicherweise löste es unter anderem Atemlähmung aus, was für viele Fälle tödlich war. Auch kam es anschließend zu Lähmungserscheinungen, mitunter Verwachsungen. Dass wir hierzulande keine Polio-Fälle mehr haben, ist ganz klar ein Sieg der Impfung über diese Krankheit. Und nur menschlicher Unverstand kann die endgültige Ausrottung verhindern, oder gar die Rückkehr der Polio in das europäische Reservoir. Durch konsequentes Nicht-Impfen und Kontakt zu Erkrankten, was in der globalen Welt absolut kein Problem ist.
Wir erinnern uns, auch H1N1 und Vogelgrippe (beide im Nachhinein relativ harmlos) haben sich durch den weltweiten Flugverkehr ausgebreitet. Vogelgrippe darüber hinaus entlang der Transsibirischen Eisenbahn. Und auch wenn letztere Beispiele eher harmlos waren - gestorben sind einige Menschen, darunter Kinder, trotzdem dran. Nun stelle man sich eine solche globale Ausbreitung mit einem Erreger wie Polio vor, der in einem nicht geimpften Europa plötzlich nichtimmunisierte Wirte zuhauf finded. Gell, das klingt nach dem Ende aller Tage.

Mein Fazit: Ich bin überzeugter denn je, dass das Impfprogramm wichtig für uns ist, für Europa, für die Menschheit als Ganzes. Ich bin überzeugter denn je, das man NICHT als Kind an Masern erkranken "muss", um ein stabiles Immunsystem aufzubauen. Dafür kann man seine Kinder auch im Dreck spielen lassen, und das beugt gleichzeitig auch Allergien vor.
Und ich bin auch nicht davon überzeugt, dass "Impfen AIDS, Lepra, Grippe und Masern überhaupt erst auslöst", wie einer der Impfgegner zum Besten zu geben wusste. Aber es geht noch skurriler, denn natürlich "wurde das AIDS-Virus niemals gefunden", die Erkrankung an AIDS sei "nur eine Erfindung der Pharma-Industrie", und zum Thema Masern: "man tut den Kindern am besten einen Gefallen, wenn man gar nichts tut", als sie krank werden lassen, nicht impfen und dergleichen.
Wie sagte doch gleich einer der Impfbefürworter sinngemäß? Vorige Generationen haben die Krankheiten mühevoll zurückgedrängt und beinahe ausgerottet, und nun geht es einigen heutzutage zu gut, und sie schwurbeln mit ihren Anti-Impftheorien all die Erfolge ihrer Eltern dahin, und erschaffen damit eine Gefahrensituation für alle anderen. Zum Beispiel für Neugeborene, die erst ein halbes Jahr nach der Geburt geimpft werden können. Aber das ist ja kein Problem für diese Menschen, weil "es Infektionskrankheiten ja gar nicht gibt", und "die Symptome entstehen, wenn wir nicht im Reinen sind", oder  sogar "wir Infektionen durchmachen müssen, um Viren-Genom aufnehmen zu können".
Ehrlich, spätestens da hört es bei mir auf. Darum meine Bitte: Impft Eure Kinder, alleine schon, um kein Masern-Roulette spielen zu müssen und die schreckliche Variante zu riskieren, das eigene Kind an die Spätfolge Subakute skleriosile Panenzephalitis zu verlieren.

Sonntag, 13. Mai 2012

Mein Gott, meine Göttin

Na, das nenne ich mal erfreulich. Meine Romanreihe Mein Gott, meine Göttin, die man gratis auf Fanfiktion.de hier lesen kann (nicht überarbeitet) und <---dort als Buch eins kaufen kann als eBook und gedruckte Version, habe ich zu meiner persönlichen Schande noch immer nicht beendet, geschweige denn Buch zwei rausgebracht. Aber ich habe mir beides fest vorgenommen für 2012. Auch weil es mir leid tut, das ich dieses sehr besondere meiner Werke so vernachlässige. ^^
Aber meine Fans haben sich trotzdem entschieden, mich ein wenig zu puschen, und dadurch ist MGMG gerade frisch über die eintausend Aufrufe gerutscht. Danke dafür. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß beim Lesen.
Oder wenn Euch dieser Text angesprochen hat, lest doch ruhig rein und sagt mir Eure Meinung.

Bleibt mir treu und lest mich weiter.

Samstag, 12. Mai 2012

Homöopathie funktioniert nicht, Schwesterherz

Neulich habe ich mich mit meiner Schwester gestritten. Über Homöopathie. Ich habe ihr gesagt, dass Homöopathie nicht funktioniert. Sie hat mir ihre Gegenargumente an den Kopf geworfen, wollte meine aber nicht anhören. Tja, dann eben auf diesem Wege.

Liebe Schwester, Du hast mir gesagt, dass Du Dich darauf verlässt, dass Homöopathie funktioniert, so wie die Mutter Deines Ex-Freunds sie dir erklärt und zubereitet hat. Arnika, Dosierungen, und dergleichen. Dabei habe ich festgestellt, dass Du nichts über Homöopathie darüber hinaus weißt, und dass Du den großen Fehler begehst, Naturheilkunde vollkommen kommentarlos der Homöopathie zuzuordnen.
Vorweg eines: Arnika ist eine anerkannte, nützliche Heilpflanze. Sie zu verwenden ist aber keine Homöopathie.

Lass mich Dir erst einmal erklären, was Homöopathie überhaupt ist, beziehungsweise was sie sein will: Sie geht zurück auf den mitteldeutschen Arzt Samuel Hahnemann, der sie "entdeckt" hat.
Eines Abends machte der Arzt ein Experiment mit Chinarinde, einer anderen medizinisch anerkannten Heilpflanze, die das sehr wirksame Fiebermittel Chinin enthält. Chinarinde wirkt schmerzstillend und Fiebersenkend.
Nun behauptete Hahnemann Zeit seines Lebens - die Chinarinde war da als Fieberarznei schon lange bekannt - als er eben diese Chinarinde gesund eingenommen hat, hätte er die Fiebersymptome entwickelt, gegen die Chinarinde sonst eingesetzt werde.
Dies brachte ihn zu folgender Erkenntnis: Similia Similibus Curentur - Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt. Oder anders ausgedrückt: Chinarinde hilft gegen Fieber, weil es bei Gesunden Fiebersymptome auslöst. Der Grundsatz der Homöopathie ist also der Anspruch, dass ich mich gegen z.B. Rückenschmerzen behandle mit einem Präparat, das normalerweise Rückenschmerzen auslöst.
Und hier kommt der Punkt, bei dem Du mich widerlegen und für immer zum Schweigen bringen kannst: Nimm eine beliebige homöopathische Substanz, benutze sie, und erleide genau die Symptome, die es bekämpfen soll.
Blödsinn? Richtig, ist es auch. Warum aber erkennt das nicht jeder sofort? Ganz einfach. Weil Homöopathen das ebenfalls wissen oder verdrängen, und stattdessen darauf bestehen "jeden Patienten individuell einzustellen". Oder anders ausgedrückt, dieser einfache Grundsatz von Hahnemann kann gar nicht stimmen, weil jeder Organismus anders ist, und man jedem sein Präparat erst zusammenrühren muss.
Warum aber hat Hahnemann auf die Chinarinde mit Fieber reagiert, wie er es behauptete? War die Chinarinde zufällig komplett auf ihn eingestellt? Wohl eher unwahrscheinlich.
Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass das Experiment mit der Chinarinde nie erfolgreich kopiert werden konnte.
Also, so wie ich das sehe, ist das Grundprinzip Similia Similibus Curentur schon mal nicht zu halten. Denn selbst wenn Dein Homöopath Dich einstellt, wird Dein Präparat keinesfalls bei gesundem Zustand die Symptome auslösen, die Du im kranken Zustand verspürst.
Die sogenannte Erstverschlimmerung, das Du auch als Argument dargebracht hast, will mir besonders nicht in den Sinn. Abgesehen davon, das ich nicht verstehe, wieso es kurzfristig meine Symptome verstärken soll, wenn es doch diese Symptome bekämpft, wie soll hier Similia Similibus Curentur gelten?
Und bevor Du Dich jetzt wieder aufregst, weil ich mich auf die ach so tolle Wikipedia stütze, bzw. darauf verlinke, frage ich Deinen gesunden Menschenverstand: Hältst Du die Idee von Hahnemann wirklich für möglich? Dass eine anerkannte Heilpflanze, die Chinarinde, bei einem gesunden Menschen die gleichen Symptome auslösen kann, die es bei Kranken bekämpft? Gib der Sache mal einen Gedanken.

Ab hier aber kommen wir zu den richtigen Knallern: Den Dosierungen. Die Dosierungsangaben sind relativ simpel und einfach erklärt. D0 ist eine unverdünnte Lösung eines beliebigen Stoffs. Dem folgt D1, das ist ein Tropfen Lösung auf zehn Tropfen Wasser. D2 ist schon eins auf hundert, D3 eins auf tausend, immer zehnmal mehr.
An dieser Stelle muss ich kurz abschweifen, um meine weiteren Erklärungen zu untermauern. Der berühmte Arzt Paracelsus hat folgenden Spruch geprägt: "Ein Gift ist kein Gift. Kein Gift ist ein Gift. Allein die Dosis macht's, dass ein Ding ein Gift sei."
Mit diesem äußerst sinnvollen Ausspruch hat Paracelsus schon vorweg genommen, was sich als sehr wahr erwiesen hat: Eine Sache, in reiner Form ein Gift, kann in dosierter Form eine heilende Wirkung haben.
Oder anders formuliert: Verdünntes Schlangengift kann gegen eben dieses Schlangengift helfen.
Oder noch ein Beispiel: Der hochgiftige Fugu kann, wird er richtig tranchiert, problemlos genossen werden; macht der Koch einen Fehler, kommt es zu einer Hochdosierung seines natürlichen Gifts, das Atemlähmung auslöst und zum Tod führen kann.
Wir sind uns also einig, das viele gefährliche Dinge stark dosiert als Arznei herhalten kann. Oder anders herum, das normale Lebensmittel bei zu starker Dosierung tödlich wirken können. So wird zum Beispiel Salz in zu großer Menge tödlich wirken kann.
Das alles wusste Hahnemann natürlich. Er war ja Mediziner.
Was er aber als Neuerung eingefügt hat, ist die Dosierung über die Wirkung hinaus.
D.h. er propagierte nicht nur die D6-Dosierung, also einen Tropfen Lösung auf eine Million Tropfen Flüssigkeit, was von Medizinern noch als funktionierende Verdünnung bezeichnet wird.
Er propagierte darüber hinaus Dosierungen als wirksam, in denen der Wirkstoff überhaupt nicht mehr nachgewiesen werden kann. Um mal in den Extremen zu bleiben: Die Dosierung D24 bedeutet etwa einen Tropfen Lösung auf das Wasser des gesamten Atlantiks.
Nun kommt der Witz bei der Geschichte. Hahnemann behauptete, dass eine Arznei um so wirksamer sei, je mehr sie verdünnt wird. Hahnemann selbst bevorzugte D60: Das entspricht einem Tropfen Lösung auf eine Zahl Wassertropfen mit sechzig Nullen. Selbst eine Milliarde hat nur neun Nullen, und dürfte bereits im Hektoliterbereich sein. D60 entspricht dem Mehrfachen des Erdvolumens. Hier noch Wirksamkeit nachzuweisen ist vollkommen unmöglich.
Und würde diese Dosierung tatsächlich nicht nur wirken, sondern sogar stärker ausfallen, wäre die Menschheit schon lange ausgerottet worden. Das würde nämlich bedeuten, ein einziges Gramm Arsen, das jemals in den Wasserkreislauf gelangt ist, wäre in der hochgiftigen Wirkung potenziert worden und hätte sämtliches Wasser für uns potentiell tödlich gemacht.
Um diese haltlosen Ansätze zu erklären, erfinden Verteidiger schon mal so dumme Sachen wie das Erinnerungsvermögen von Wasser. Tja.
Hahnemann dachte also folgendermaßen: Gleiches muss mit Gleichem behandelt werden, aber nach ihm konnte niemand das Chinarinde-Experiment erfolgreich wiederholen. Und: Wenn ich ein Mittel so sehr verdünne, das ein Tropfen auf Wasser von der mehrfachen Masse der Erde verdünnt wird, ist es ein extrem hochwertiges, potenziertes Medikament. Damit man so etwas wiederfindet, gibt es die sogenannten Zuckerglobuli, die dann bei einem D60-Präparat nur noch Zucker und ein wenig Feuchtigkeit enthalten.
Aber das ist schon bei D24 der Fall. Und auch D10 ist schon so dünn, dass das Präparat nicht mehr nachgewiesen werden kann.

Warum also hält sich die Homöopathie, obwohl sie hahnebüchen, falsch und auch noch gefährlich ist, wenn ein Kranker statt einer ordentlichen Behandlung eine ganzkörperliche Behandlung mit Globuli bekommt, die nur ein wenig Wasser und eine Menge Zucker beinhalten?
Weil es funktioniert.
Wie, das ist ein Widerspruch? Richtig, ist es auch. Ich will das erklären. Homöopathie vom Prinzip kann NICHT funktionieren. Was also macht die Homöopathie, um erfolgreich zu sein? Einerseits vereinnahmt sie funktionierende Präparate wie die Arnika und gibt ihre sinnvollen Dosierungen bis hin zu D6 als Homöopathie aus, obwohl es sich um wirksame Naturarzneien handelt. Andererseits reden sich Homöopathen schnell mal damit raus, das ein Patient ganzheitlich eingestellt werden müsse, damit ein Mittel auch wirklich wirkt.
Oder um es anders auszudrücken: Das was Dir die Mutter Deines Ex gegeben hat, war ein wirksames Präparat, weil es sich um z.B. Arnika in einer sinnvollen Dosierung gehandelt hat. Es stand nur Homöopathie drauf, IST aber keine Homöopathie. Weil es, wie ich schon sagte, Deine Krankheitssymptome hervorrufen muss, wenn Du gerade gesund bist. Viele homöopathische Produkte sind gar keine, weil ihre Inhaltsstoffe bis maximal D6 dosiert, und damit wirksam sind.
Stärkere Verdünnungen bis hin zu einem Tropfen Lösung auf das Wasser des Bodensees können nicht funktionieren, sonst hätte die Menschheit niemals überlebt. Schon geringere Dosierungen sind Quatsch, ebenso wie die Theorie vom Erinnerungsvermögen von Wasser. Du weißt schon, das Präparat ist nicht mehr im Wasser, aber die Wassermoleküle liegen jetzt so, als wäre es das noch, und der Körper merkt das, und reagiert deshalb darauf, als würde er das Präparat bekommen. Absoluter Humbug. Leipziger Wissenschaftler erklärten das so: Wenn eine einzige Tollkirsche in die Elbe fällt, und diese nach Leipzig treibt, und von dort in die Wasserversorgung gelangt, ist durch die Verstärkung des Gifts durch die Potenzierung die ganze Stadt in wenigen Tagen tot.
Ist bisher nicht passiert. Wird auch nicht passieren. Warum? Weil Potenzierung Quatsch ist. Es wurde eben das Prinzip benutzt, dass verdünnte Gifte tatsächlich Medikamente sind, und ins Hirnrissige verzerrt. Das machen Pseudowissenschaftler sehr gerne. Genauso wie die Homöopathen Naturarzneien homöopathisch labeln, obwohl sie vollkommen unschuldig sind, die kleinen Arnika-Pflanzen.

Ich komme zu Fazit: Solange die Menschen nicht darüber aufgeklärt werden, was Homöopathie ist oder besser sein will, solange Homöopathie-Anwender wie die Mutter Deines Ex-Freundes nicht begreifen wollen, dass sie Naturheilkunde betreiben und keine Homöopathie, wird es der Homöopathie gut gehen. Und solange das Gesundheitsministerium die Krankenkassen weiterhin homöopathische Medikamente erstatten lässt, "weil das ja nur Kosten von ungefähr zwölf Millionen Euro im Jahr sind", ist Homöopathie ein gutes Geschäft.
Ich wünschte mir wirklich, Homöopathie wäre kein Verkaufsargument mehr. Dann würden viele Naturprodukte nicht mehr damit versehen werden, dann würde Homöopathie in den verdienten Orkus gehen.

Leute, ich habe jetzt viel über Homöopathie gelesen, und das nicht nur auf Wikipedia. Die Dosierungen alleine sind frei zugänglich, und wenn jemand in Afrika Menschen mit einem D24-Globuli von Malaria heilen will, dann brauche ich die Wiki nicht, um zu wissen, dass das absoluter hanebüchener Quatsch ist. Gefährlich obendrein. ^^°
Das ist nichts weiter als die Verballhornung angewandter Medizin in der Verdünnung giftiger Substanzen zu verträglichen Dosierungen. Aber das machen solche Scheinwissenschaftler gerne und oft. Bewiesene und bestätigte Tatsachen nehmen und solange verdrehen, bis sie ihren Zwecken dienen. Vom Gleichheitsprinzip mal ganz abgesehen, das noch dümmer ist, und nicht funktioniert, und nur deshalb beschützt wird, weil "jeder Mensch erst eingestellt werden muss, und wenn es bei Dir nicht funktioniert hat, musst Du eben neu eingestellt werden."
Im Mittelalter nannte man das Scharlatanerie.

Und an mein Schwesterchen: Wenn Du tatsächlich bis hier gelesen hast, bin ich gerne bereit, Deine Gegenargumente anzuhören. Falls Du welche hast.
Und nein, keiner nimmt Dir die Naturprodukte aus z.B. Arnika weg. Aber das ist nun mal KEINE Homöopathie, sondern Naturmittelarznei.
Der Ring ist freigegeben.

Donnerstag, 10. Mai 2012

"Für den Kaiser" durchbricht die dreitausend Aufrufe

Doch, das hat mich sehr gefreut, als ich es gesehen habe. Dreitausend Aufrufe auf Fanfiktion.de, das ist schon eine Hausnummer.
Meine zweite Geschichte, die derart in den Klick-Olymp vordringt, und die zudem auch sechzehn Kommentare aufzuweisen hat, die durch die Bank positiv sind.
Natürlich habe ich auf anderen Seiten wesentlich mehr Klicks und Kritiken, aber auf Fanfiktion.de freut es mich eben sehr wegen dem stark gemischten Publikum. Man erreicht ganz andere Menschen als in einem themenbasierten Forum.

Und an dieser Stelle nochmal der Hinweis: Ihr könnt das überarbeitete erste Buch als eBook und als Printausgabe über lulu.com kaufen, und sicher bald auch Buch Nummer zwei, an dessen Überarbeitung ich seit einiger Zeit brüte. Also, steigert meine Motivation für die Bücher zwei, drei und vier, und ich kehre eventuell sogar nach Katalaun zurück und schreibe eine neue Romanserie. ^^

Bleibt mir treu und lest mich weiter.

Montag, 7. Mai 2012

44.444

Langsam zieht es an - oder lässt nach. Das werde ich beim nächsten Tausender sehen. Aber bis zu diesem Moment kann ich stolz verkünden, das meine Geschichten auf Fanfiktion.de wieder mal eine Schnapszahl gestürmt haben.

Also, bleibt mir treu und lest mich weiter.

Sonntag, 6. Mai 2012

A Night in the Park oder Hannover hat gewonnen

Einmal im Jahr kommt es vor, das ich mit meinen wesentlich Fußball-begeisterteren Freunden zum letzten Heimspiel von Hannover 96 fahre. Eher selten ist mir das einen Kommentar oder einen Bericht wert, obwohl sich diese Nachmittage/Abende stets als sehr unterhaltsam erweisen, sodass ich ungern darauf verzichten würde. So auch der gestrige Tag. Aber diesmal war er besonders, und deshalb möchte ich Euch an meinem Tag teilhaben lassen. Und zur Beruhigung vorweg: Es geht nicht um Fußball.

Nun gut, ein bisschen schon, denn Hannover hat gewonnen, und ist dafür in die Qualifikation der Europa-Liga aufgerückt, was ich persönlich sehr begrüße. Es war ein streckenweit schnelles, spannendes Spiel (obgleich ich mir bei den vielen Fehlpässen Hannovers in den Arsch beißen möchte) mit immerhin zwei Toren (Endstand 2:1) bei gefühlten vierzig Ecken für die Roten, und einer Verabschiedungsgala für den ausscheidenden Altin Lala, was selbst ich als erklärter Hannover 96-Nichtexperte gewürdigt habe.

Na ja, ab hier beginnt der spaßige Part aber erst. Wer kennt ihn nicht, den Biergarten am Waterloo-Platz, wo es die besten Grillrippchen mit den größten Portionen gibt? Echt jetzt nicht? Also, das ist aber 'ne Bildungslücke. Gleich für den nächsten Hannoverbesuch auf den Tourplan legen, bitte.
Wie gesagt, es gibt im Waterloo-Biergarten die besten Grillrippchen, aber gestern war es kalt, verregnet und ungemütlich, weshalb der Biergarten nur mit halber Stärke operierte. Will sagen: Die Grillrippchenbude war geschlossen. Mist.
Nun habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, aus der ehemaligen Passerelle unter dem Hauptbahnhof stets ein Bento mit Sushi mit nach Hause zu nehmen, das ich während der Fahrt im Zug esse.
Mal unter uns und im Vertrauen: Ich liebe Sushi. ^^ Da ich aber die Öffnungszeiten des Ladens nicht kenne, und ich schon auf die Rippchen verzichten musste, trennte ich mich spontan von meinen Freunden, fuhr zum Hauptbahnhof und erreichte schließlich das Ziel meiner Begierde: Tokio Sushi in der Niki-de-Saint-Phalle-Promenade. Das Sushi-Essen habe ich in Hamburg für mich entdeckt, und zwar in der Sushi Factory hinter der Staatsoper, das ich jedem Sushi-Freund in Hamburg ans Herz legen möchte. Aber ganz unter uns: Tokio Sushi ist ehrlich gesagt einen Tick besser. Und das sage ich nicht aufgrund der besonderen Behandlung, die ich dort erfahre. Dabei habe ich noch nicht mal die gebratenen Nudeln probiert.
Na ja, normalerweise hole ich mir da nur ein Bento, also Sushi to go, wenn man so will. Diesmal aber wollte ich mir Zeit lassen und an der Theke essen. Dafür habe ich mir dann die 49 ausgesucht, eine große Platte mit California Rolls (die ich eigentlich nicht mag, mir aber gestern super geschmeckt haben), Maki, Nigiri und Sashimi. All das wurde vor meinen Augen frisch zubereitet, was ich für ein großes Qualitätsmerkmal halte.
Aber von Anfang an. Als ich vor zwei Jahren dort ein Bento bekommen habe, wurde ich von der Dame des Hauses, noch bevor ich etwas bestellen konnte, wegen dem kalten Wetter dazu verdonnert, erst mal eine Miso-Suppe zu essen. Und ehrlich gesagt, ich liebe Miso-Suppe, gerade die von Tokio Sushi, obwohl keine Tofu-Würfel drin sind. Dafür aber Nudeln. ^^
Im letzten Jahr - ich gehe da wirklich nur einmal im Jahr hin - musste ich die Miso-Suppe mitnehmen, darauf hat sie bestanden. Und dieses Jahr, ich gebe es zu, gab ich mich der Eitelkeit hin, sie würde mich wiedererkennen. Blödsinn, ich weiß. Immerhin bin ich nur einmal im Jahr dort, obwohl ich sehr gerne öfters dort essen würde. Na, vielleicht in Zukunft. ^^
Ich stand also schon einige Zeit an der Theke und sah die Speisekarte durch (sehr groß, sehr ausführlich, bebildert, und das Personal ist wirklich nett und beantwortet jede Nachfrage mit sehr großer Geduld) und fühlte mich ehrlich gesagt nicht wiedererkannt. Kunststück, wenn ich auch nur einmal im Jahr dort bin.
Dann aber sah sie mich doch, und prompt wurde mir eine Miso-Suppe serviert, bevor ich überhaupt einen Ton sagen konnte. In einer zweiten Tasse bekam ich Salatgurke - süß eingelegt. So und in der Form habe ich die noch nie gegessen. Ich fand das super interessant.
Mittlerweile war ich mit meinem Nachbarn, der sich seinen Chardonnay schmecken ließ und Sushi to go gekauft hatte, ins Gespräch gekommen. Martin, wenn Du das liest, ja, ich meine Dich. ^^
Wir redeten über die verschiedensten Themen, und spontan bot ich ihn an, meinen heißen Sake zu probieren, den ich grundsätzlich immer trinke, wenn ich die Gelegenheit dazu habe. Zwischendurch entfernte ich auch Papier von seinem Rucksack, das irgendein Rüpel da rauf geworfen hatte, anstatt sich einen Mülleimer zu suchen. (Ja, ich meine Dich, Du unhöflicher älterer und respektloser Herr. Nein, das kann man nicht als Spaß abtun. Das geschah aus gelangweilter Borniertheit und herablassendem Wesen. Tssss.)
Mittlerweile war meine Sushi-Platte fertig, und wenn ich mal die Menge und die Preise vergleiche zwischen Sushi Factory und Tokio Sushi (zur Verteidigung der Hamburger: Sushi Factory ist ein Kaiten Sushi-Laden, also du sitzt am Fließband und nimmst dir deine Teller runter; bezahlt wird, indem man die Teller sammelt und den Farbcode bezahlt) gewinnt Tokio Sushi deutlich bei Preis und Leistung. Sechs California Rolls, zehn oder zwölf Scheiben auf dem Rettich-Nest drapierte Sashimi (die ersten Sashimi meines Lebens), sechs Maki und - moment, lasst mich nachdenken - ich meine acht Nigiri... Da hätte ich in Hamburg zu einigen roten Tellern greifen müssen und einiges mehr bezahlt. Großes Lob also an Hannover. Und Hamburg: Natürlich komme ich mal wieder vorbei und leere ein paar Teller.^^
Auf jeden Fall, Martin war richtig aufgekratzt, als ich ihm erzählt hatte, dass ich Hobby-Autor bin, rief seine Frau an und wollte wissen wo er bleibt. An dieser Stelle eine herzliche Entschuldigung an Martins Frau und seine drei Kinder. Ich habe mich einfach so gut mit ihm unterhalten, es hat sehr viel Spaß gemacht, mit ihm zu reden. Wenn Ihr also auf jemanden böse sein wollt, dann auf mich, bitte.
Martin hat mir dann auch mal auszugsweise von der Geschichte erzählt, die er seinen Kindern zum Schlafengehen erzählt - aber mein Vorschlag, er solle die Fragmente mal zu einer richtigen Geschichte zusammenfügen, wollte er nicht annehmen. Martin, jeder Mensch trägt mindestens ein Buch im Herzen, das geschrieben werden will. Versuch es ruhig. Ich helfe Dir gerne bei der Formulierung und dergleichen, wenn das notwendig wird.
Ungefähr an der Stelle entschloss er sich dazu, mir einen Sake auszugeben und noch einen Chardonnay zu trinken. Dankbar angenommen.
Ungefähr um halb neun, als seine Frau - ehrlich, ich bitte aufrichtig um Entschuldigung, junge Frau - bereits zum dritten mal wissen wollte, wo er bleibt, entschloss er sich spontan dazu, mir mein Essen zu spendieren. Nach hartem Kampf stimmte ich dem schließlich zu, wenn er denn meinen letzten Sashimi essen würde. Thunfisch. Nahm er auch an. Wickelte einen Ingwer mit ein, ein Stück Wasabi-Paste. Also, jetzt weiß ich, wie man Sashimi richtig isst.
Also dabei belassen wollte ich es auch nicht, und entschloss mich spontan, einen vierten Sake zu trinken. Ja, au, mein Kopf. Der Sake und das viele Bier gestern amortisieren sich heute als Nachdurst und Kopfschmerzen. Und natürlich Martin noch einen Chardonnay auszugeben.
Und da ich ja quasi so gut wie kein Geld bei Tokio Sushi dagelassen hatte - hat ja Martin bezahlt, danke nochmal - wollte ich - ausnahmsweise - zehn Euro Trinkgeld da lassen. Dazu fühlte ich mich vom Herzen verpflichtet. Und es war ja eine Ausnahme.
Uff, Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das für ein Kampf war, bis die junge hübsche freundliche und sympathische Bedienung (weiblich, nur um das mal sicherzustellen) das Trinkgeld akzeptiert hat. Was mir den Laden erneut sehr sympathisch macht.
Ist aber übrigens im China-Imbiss in Hildesheim in der Fußgängerzone direkt an der Kaiser-Allee ebenso. Wenn der Wirt meint, man gibt ihm zu viel Trinkgeld, legt er noch was obenauf. In meinem Fall eine Flasche Pflaumenwein. Aber zurück nach Hannover.
Ich war also satt, zufrieden und hatte mein Geld dann eben nicht als Bezahlung, sondern als Trinkgeld dagelassen. Es wurde Zeit, zu meinen Freunden zurückzukehren, und bevor Martin einen vierten Anruf bekommen sollte... Tja. Also Schluss mit Sushi.
Ich bedankte mich herzlich bei meiner netten Bedienung, sehr herzlich bei der Wirtin, und ja, auch herzlich verabschiedete ich mich von Martin. Möge sich Dein Ärger in Grenzen gehalten haben.
Tokio Sushi ist definitiv mein Laden.

Aber damit ist der Abend ja noch nicht zu Ende. Nach drei Sorten Sushi, Miso-Suppe und süß eingelegten Kappa (Salatgurke) hieß es für mich, meine Freunde wiederzufinden. Aber ich wusste ja, dass sie nach dem eiskalten Biergarten in den warmen gemütlichen Irish Harp am Schwarzen Bären, direkt gegenüber der Disco Kapitol einkehren wollten. Allerdings fand ich den ersten von ihnen einen Laden weiter vorne, im türkischen Schnell-Imbiss. Der Harp hatte gestern nur kalte Küche, und an solchen Tagen schicken sie ihre Gäste für was Warmes gerne nach nebenan. ^^ Menge und Preis waren in einem erstklassigen Verhältnis, und meine Freunde sagten, es hätte sehr gut geschmeckt.
Ich nahm als erstes ein Kilkenny zu mir, wie immer wenn ich dazu die Gelegenheit habe; und dann aus Interesse und weil es auf der Karte stand, ein rotes Murphy's.
Meine Freunde hatten mich schon auf dem Heimweg gewähnt, und so musste ich ihnen erzählen, was mir passiert war. Geglaubt haben sie es mir freilich nicht.
Aber es gab noch vieles anderes, worüber wir reden konnten. Immerhin war da das Fußballspiel, wir saßen gemütlich zusammen (ich der einzige Nicht-Vater in der Runde, und die Jungs sind trotzdem locker drauf) in der tollen Atmosphäre des Harp, ich nutzte die Gelegenheit, um der irischen Bedienung ein paar englische Unterhaltungen aufzunötigen (nee, ernsthaft, ich glaube jetzt nicht, das sie genervt war ^^), durfte an einen zwölf Jahre alten Scotch schnuppern - acht fünfzig das Gläschen, etwa 1 cl, und war überrascht über das tolle Aroma des torfigen Whiskys, weil ich torfige eigentlich überhaupt nicht mag.
Irgendwann aber ging es von der Zeit her stark auf den letzten Zug zu, und fünfzig Euro für eine Taxi-Heimfahrt wollte keiner von uns bezahlen, weshalb wir den Abend beendeten.
Übrigens, wusstet Ihr, dass austreten im McClean im Hauptbahnhof jetzt statt fünfzig Cent einen stolzen Euro kostet? Das war das einzige Negative an dem Abend. Ansonsten war es eine tolle Zeit, ich hatte sehr viel Spaß und einiges erlebt, woran ich mich sehr lange erinnern werde.

Nächstes Jahr, letztes Heimspiel Hannover, das gleiche Prozedere nochmal, Jungs. ^^V

Edit um halb acht Abends: Gerade habe ich festgestellt, dass meine Blogstatistik mir mitteilt, ich habe heute 33.333 Aufrufe auf meinem Blog verzeichnet.
Danke, liebe Leser. Und meldet Euch ruhig zu Wort. Die anderen Kommentatoren werden Euch bestätigen, dass es vollkommen ungefährlich ist. ^^b

Freitag, 4. Mai 2012

Hier meine Antwort an Herrn Dr. Bruggaier

Ja, ich weiß. So bescheiden, wie Johannes Bruggaier sein Dr.Kürzel benutzt, so inflationär setze ich es ein. Absicht. Natürlich. Man möge es mir nachsehen.
Hier jetzt also noch einmal der Text von Dr. Bruggaier, diesmal mit meinen Antworten versehen. Bruggaier-Originaltext ist fett, meine Antworten kursiv.



Hallo, Herr Bruggaier.

Ich möchte mich bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie sich die Zeit für eine ausführliche Betrachtung und Antwort genommen haben. Das alleine hat mich schon sehr beeindruckt und einige Wogen geglättet.
Ich möchte Sie daher folgerichtig um die Erlaubnis bitten, Ihre Antwort unkommentiert (na gut, ein Intro muss es geben) als heutigen Post in meinem Blog zu posten. Natürlich auch unzensiert. Ihre reine, eigene Meinung. Da ich den Text bereits gelesen habe, sehe ich da auch kein Problem. Wir unterhalten uns auf einem hohen, freundlichen Niveau.
Anschließend würde ich gerne einen weiteren Blogeintrag bringen, in dem ich explizit auf Ihre Argumente eingehe.
Und um das klarzustellen: Ohne Ihre Erlaubnis werde ich weder Ihren Brief posten, noch daraus zitieren. Sehen Sie es mir aber nach, wenn ich mich in einem meiner nächsten Blogeinträge auf einige Stellen beziehen werde. Alleine die Tatsache, dass Sie mir geantwortet haben, und das Sie einen sehr freundlichen Umgangston pflegen, ist mir einen positiven Eintrag wert.



Hallo Herr Kaiser,
durch Zufall (ich suchte im Netz einen Artikel von mir) bin ich auf Ihre Seite gestoßen und ärgere mich, dass Ihr an mich adressiertes Schreiben offenbar in den Untiefen unseres Verlagskonstrukts versunken ist. Jetzt ist die ganze Debatte zwar schon eine Weile her. Dennoch möchte ich Ihnen mitteilen, dass mich Ihre ausführliche Beschäftigung mit zwei Kommentaren von mir sehr beeindruckt hat: Solche Leser wünscht man sich!


Alex: Danke. Ich gehe davon aus, dass Sie das ebenso ernst meinen wie ich, wenn ich das Gleich zu den Lesern meiner belletristischen Erzählungen sage.


Grundsätzlich sind Zeitungskommentare erstens – wie der Name schon sagt – subjektiv und zweitens verkürzend. Gerade ein so komplexes Thema wie der Öffentlichkeitsbegriff im digitalen Zeitalter lässt sich auf 50 Zeilen niemals ausschöpfend thematisieren. Wenn Sie meinen beiden Anmerkungen also Polemik unterstellen, so haben Sie deshalb insofern recht, als ich für das Kommentieren auf engem Raum zwangsläufig Gegenargumente oftmals außer Acht lassen und damit vieles zuspitzen muss. Ein Kommentar ist nun mal keine Grundsatzerklärung, sondern ein Gedanken- und Diskussionsanstoß für den Alltag (hat hier ja offenbar funktioniert).

Alex: Da haben Sie vollkommen Recht. Es hat funktioniert. Und es ist auch klar, das ein Kommentar erstens Ihre Meinung ist, und zweitens nicht viel länger sein kann als eine Twitter-Nachricht. Gerade deshalb ist es wichtig, diesen mit Bedacht zu füllen. Sie sehen ja, welche Macht Sie damit haben. Und aus großer Macht erwächst große Verantwortung.


In der Sache finde ich manche Ihrer Argumente bedenkenswert. Andere dagegen überzeugen mich nicht.

Alex: Nun, ich finde es höchst erfreulich, dass Sie sich mit meinen Argumenten auseinander setzen. Einiges an Ihren Kommentaren war für mich nicht sehr erfreulich, so zum Beispiel im ersten Ihre Erwähnung einer nicht vorhandenen Reaktion der Piraten auf den Facebook-Lynchaufruf. Wie ich damals schrieb, war das keinesfalls eine Baustelle der Piraten, nur weil sie sich auch als Vertreter des Internet-Zeitalters sehen. Andererseits hätte ich es für sehr gut, nein, für grandios gefunden, wenn Sie tatsächlich bei der Pressestelle der Piraten eine Stellungsnahme eingeholt hätten. Das wäre ein so grandioser Streich gewesen, der sicher auch einen eigenen Artikel wert gewesen wäre und zur Profilierung der Piraten beigetragen hätte.
Nur zum Verständnis, ich bin langjähriges SPD-Mitglied.



Ich bitte Sie um Verständnis darum, wenn ich angesichts des beträchtlichen Umfangs nur auszugsweise darauf eingehe.

Alex: ^^ Na, das hat sich ja wohl erledigt. Aber es liest sich sehr angenehm, war also von meiner Warte aus keine verschwendete Zeit.


In jedem Fall für bedenkenswert halte ich Ihre Kritik an bestimmten Medien im Emder Mordfall. In der Tat kommt Zeitungen und Rundfunksender nach wie vor eine Leitfunktion in der öffentlichen Meinungsbildung zu. Es ist deshalb durchaus problematisch, einerseits den aufgehetzten Mob zu kritisieren, andererseits die fragwürdige Rolle einiger Medien völlig außen vor zu lassen. Um diese Facette zu berücksichtigen, hätte ich meinem Kommentar in der Tat eine Zeile mehr gönnen sollen.

Alex: Richtig. Es verwunderte sicherlich nicht nur mich, wie zahm die BILD in der folgenden Berichterstattung war. M.E. war sie sich ihrer Rolle bei dieser äußerst unglücklichen und Strafverfolgungswürdigen Posse mehr als bewusst. Sie hat - entgegen ihrer Gewohnheit - auch nicht zum Halali auf den geständigen Tatverdächtigen geblasen. Jedes Mal, wenn dieses Leitmedium eine gerichtliche Entscheidung auf Basis unserer Gesetze im Einvernehmen mit Verfassung und Rechtsstaat "Wahnsinn" oder "Verrücktheit" nennt, muss doch jedem guten Journalisten die Schreibhand jucken. Wobei ich BILD in diesem Zusammenhang nur als bekanntestes Negativ-Beispiel hinstellen möchte.


Auch kann ich verstehen, dass Sie sich gegen eine Pauschalverurteilung „der“ Internetcommunity wehren. Zwar ist auch diese Zuspitzung dem Zwang zur Verkürzung geschuldet. Ich denke aber, dass ich den differenzierenden und selbstreflektierenden Vertretern dieser Gemeinschaft - zu der Sie womöglich zählen - tatsächlich auch eine differenziertere Betrachtung schuldig gewesen wäre.

Alex: Herr Bruggaier, bei allem Respekt, aber Sie sind ebenfalls Teil dieser Commmunity. Dazu müssen Sie weder auf Counterstrike-Server gehen, noch Abends oder unterwegs per Handy im ICQ chatten, oder regelmäßig Ihren Twitter-Account abfragen. Sie benutzen das Internet, Sie bewegen sich darin, wie Sie damit bewiesen haben, wie Sie mich gefunden haben.
Lassen Sie mich das noch deutlicher sagen: Es gibt keine Internet-Community, wie Sie sie vielleicht erwarten. Jeder Mensch, der sich eines Internet-Anschlusses bedient und im Netz recherchiert, spielt, postet, kopiert, einstellt, oder sonst einer Tätigkeit nachgeht, gehört zu dieser Community. Und zwar genauso lange, wie er es will.
Ich sehe mich deshalb auch nicht als Verteidiger eines so schwammigen Begriffs wie Internet-Community, und dem was dahinter stecken könnte... Ich habe meine Kommentierungen in erster Linie geschrieben, weil mein Sinn für Gerechtigkeit angeschlagen hat.


Mein Angriff in der Sache hat hier vielleicht eine persönliche Färbung bekommen, die ich keinesfalls beabsichtige.

Alex: Ich freue mich sehr über diese Worte. Wie stehen Sie denn heute zu Ihren Gedanken z.B. zur Piratenpartei in diesem Zusammenhang, oder zur Rolle der Medien, bzw. der gedruckten Zeitungen und ihrer Online-Pendants? Als Recherche-Plattform zu deren tendenziöser Berichterstattung bietet sich in jedem Fall Bildblog.de an.


Bei aller berechtigten Kritik am Stil mancher Berichterstattung irritiert mich hingegen Ihre Einschätzung, wonach die Schuld an der Entwicklung in Emden „einzig und allein“ bei den Medien liege. So ist mir nicht bekannt, dass der Name des ersten Verdächtigen im Emder Mordfall von der Presse veröffentlicht worden wäre. Auch einen Aufruf zur Lynchjustiz habe ich in keinem Medium finden können. Mit einem solchen Vorgehen hätte sich ein Presse- oder Rundfunkorgan schwerwiegende juristische Konsequenzen eingehandelt.

Alex: Ja, da haben Sie natürlich vollkommen Recht. Ein Aufruf zur Lynchjustiz in z.B. Ihrer Zeitung wäre ein strafrechtlich relevanter Prozess gewesen. Was Sie dabei übersehen, ist, dass auch der Aufruf zur Lynchjustiz auf Facebook strafrechtlich verfolgt wird.
Auch müssen Sie unterscheiden, was Facebook ist und was eine Zeitung ist. Ihre Zeitung ist wie ein großes moderiertes Forum, wo nichts am Chefredakteur vorbei kommt. Nichts. Oder er hat seinen Job nicht gemacht.
Facebook hingegen ist ein großes, freies und weites Forum, in dem jeder auffällige Post, und jede auffällige Person gemeldet und gelöscht werden können, sobald es halt jemandem auffällt. Eine andere Vorgehensweise lässt die Struktur von Facebook nicht zu. Aber deswegen ist die Plattform kein rechtsfreier Raum. Und um das noch mal zu betonen: Auch für das Internet gelten unsere Gesetze.



Revolverblättern die Alleinschuld für jegliche Straftaten beizumessen, halte ich deshalb für eine doch recht grobe Vereinfachung. Sie entlassen damit den Bürger aus seiner Selbstverantwortung, stellen Straftätern mit Verweis auf die bösen Medien per se einen Freifahrtschein aus.

Alex: Da stimme ich Ihnen zu. Einem erwachsenen, mündigen Bürger muss man zutrauen, das er unterscheiden kann, was er tun darf, und was nicht. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der dumme Kerl, der den Lynchmob initialisiert hat, nun selbst vor dem Kadi stehen wird. Denn wenn man sich da verschätzt, greift das Gesetz, ob man wusste, dass man etwas Strafrechtlich relevantes tut oder nicht.
Und ich hoffe, dass dieses Vorgehen der Justiz deutlich macht, das es nicht um Nachahmer und dergleichen geht, sondern um straffällige Handlungen, die auch im Netz nicht im Anonymen geschehen. Dabei verweise ich auf den jungen Soldaten, der von Jimmy Blue Ochsenknechts Rolle in dieser Bundeswehrkomödie so wenig angetan war, das er sich zu einer Morddrohung hinreißen ließ. Der junge Mann wird nun gleich zweimal bestraft. Strafrechtlich und Bundeswehr-intern. Auch er hätte vorher wissen sollen, dass man so etwas nicht macht. Gut, nun weiß er es, und er wird als negatives Beispiel herhalten.


Allerdings, und das muss ich explizit erwähnen, fällt es einem erstaunlich leicht, Stammtischparolen zu schmettern, wenn die Zeitungsmedien den mutmaßlichen Täter, der nach einem Anfangsverdacht wieder frei gelassen wurde, vorab schuldig sprechen. Hier gilt doch wieder die journalistische Sorgfaltspflicht, will sagen: In Deutschland gilt in dubio pro reo. Ihn zum Täter zu erklären widersprich also nicht nur der Gesetzeslage, sondern auch gutem Journalismus. Negativ in diesem Zusammenhang ist sicher nicht nur mir, sondern auch Ihnen die Kachelmann-Berichterstattung aufgefallen. Eine gewisse Frau Schwarzer hat sich mit Vorab-Verurteilungen und eifrigem Nachgetrete besonders hervor getan, obwohl sie an vielen Prozesstagen gar nicht im Gericht gewesen sein soll.
Wenn also Zeitungen das Klima dazu schaffen, dass "er der Täter ist, und das ist so klar wie Kloßbrühe", dann kann man dem Bürger vielleicht nicht absprechen, das er auch selbst denken muss. Aber zugleich muss man sich fragen, mit was für einer Redaktion man es zu tun hat, wenn sie es zulässt, das ihre Zeitung auf diese Weise und polemisch berichtet, das Klima für solche Fehleinschätzungen beim mündigen Bürger erst schafft.
Hierbei erwähnen möchte ich die aus der Sicherheitsverwahrung entlassenen Männer, die ursprünglich von mehreren Polizisten bewacht werden sollten - dank diverser schreibenden Medien, die sich nicht zu fein waren, diese Menschen akribisch zu verfolgen und ihr Wissen zu veröffentlichen, wurden obige Polizisten in die Rolle von Leibwächtern gedrängt. Spätestens dann muss man sich fragen, ob in den deutschen Medien nicht etwas falsch läuft, wenn die gesetzlich legale Rehabilitierung von Straftätern derart torpediert und die Menschen auch noch, ja, aufgehetzt werden.
Sie sehen, der einzelne Bürger hat in der Tat nicht zu vergessen, das er eine Eigenverantwortung trägt. Aber diese Eigenverantwortung verlange ich auch von den Medien.



Was das Thema Fahndung auf Facebook betrifft (bislang allein in Niedersachsen praktiziert), so möchte ich der Kürze halber nur auf die Stellungnahme des Bundesbeauftragten für Datenschutz verweisen: https://www.bfdi.bund.de/bfdi_forum/showthread.php?2944-fffentlichkeitsfahndung-via-Facebook.

Alex: Diesem Link ist nichts mehr hinzu zu fügen und stößt auf mein Einvernehmen. Nur eines drängt sich mir auf: Warum habe ich nur dieses Gefühl, dass man mit dem Text in diesem Link etliche Artikel von BILD, MoPo, B.Z. und auch einigen lokalen Zeitungen sehr gut kritisieren kann?


Der Fall von Emden ist meines Erachtens eine traurige Bestätigung mancher hier geäußerten Vorbehalte.
Soziale Netzwerke verbinden Person A mit Person B. Manchmal verbinden Sie auch Person A mit Person B und C. Das alles fällt unter den Bereich des privaten Datenverkehrs. Werden nun Person A, B und C mit zweihundert oder gar tausend weiteren Personen vernetzt, kann nicht mehr von einem privaten Austausch die Rede sein: In diesem Fall erschafft der Anbieter eine publizistische Einflussmöglichkeit, wie sie allenfalls Rundfunksender oder Verlage erreichen. Das ist grundsätzlich in Ordnung, verlangt aber, dann auch die Verbreiterhaftung zu übernehmen.


Alex: Sicherlich. Aber auch hier zieht ein Argument, das Sie selbst gebracht haben: Egal, was man auf Facebook oder anderen sozialen Netzwerken liest, egal über wie viele Wege getwittert wird, jeder Mensch ist dazu verpflichtet, auch alles was er auf Facebook liest oder wozu er auf Facebook aufgefordert wird, vor seiner eigenen moralischen und gesellschaftlichen Eigenverantwortung bestehen zu lassen. Letztendlich gilt das Gesetz auch im Internet. Vielleicht muss das dem Menschen wieder mehr ins Bewusstsein gerückt werden.


Mit Ihrem Vergleich von Facebook einerseits und den Online-Foren der Zeitungen andererseits benennen Sie hierzu selbst den entscheidenden Unterschied: Allein das unverzügliche Löschen von Entgleisungen bedeutet für die Verleger erhebliche Personalkosten. Diese erbringen sie keinesfalls freiwillig, sondern weil das Gesetz sie dazu zwingt. Die Online-Redaktion der Süddeutschen Zeitung schaltet ihre Kommentarfunktion nachts gänzlich ab, um nicht eine Veröffentlichung justiziabler Äußerungen zu riskieren.

Alex: Sehen Sie es doch mal im Gegenzug: Die Kommentare sind durchaus gewünscht, sie bringen den Seiten der Zeitung Klicks und Aufmerksamkeit, rechnen sich durch Werbung, und, das ist das Schönste daran, was Arbeit schafft, schafft manchmal auch Arbeitsplätze. Außer, die Chefredaktion setzt mal wieder einen armen Volontär daran, der für einen Hungerlohn oder nur für Ruhm und Ehre arbeiten muss. Das war, hoffe ich, nur ein Klischee.
Ich denke, der Mehraufwand lohnt sich. Auch, weil wir es können, und weil es deutlich macht, das im Internet längst nicht alles erlaubt ist. Ich denke, jeder Mensch, der das Internet besucht, sollte wenigstens einmal in seinem Leben die Nettiquette gelesen haben.



Auslöser dieser Maßnahme war im Übrigen der verlorene Prozess eines Bloggers (Stefan Niggemeier), der einen in der Nacht eingegangenen Kommentar erst morgens und damit zu spät entfernt hatte. Deutsche Blogger und Zeitungen müssen mit solchen Konsequenzen leben – nicht aber milliardenschwere Konzerne mit Sitz in den USA.

Alex: Was ist mit der deutschen Dependance milliardenschwerer Konzerne mit Sitz in den USA? Wird die nicht belangt?


Dass ich dieses Missverhältnis kritisiere und eine gerichtsfeste Definition von Öffentlichkeit in digitalen Foren jeder Art einfordere, müsste eigentlich in Ihrem Interesse sein.

Alex: Ich muss ehrlich sagen, so kam das bei mir nicht an. Schieben wir es mal darauf, das die Kürze des Kommentars natürlich keine ausführliche und alles beantwortende Artikel zulässt - nur Kommentare.


Ein paar Worte möchte ich noch zum Thema Youtube verlieren. Zunächst zu den „gesichtslosen“ Kritikern, die eine Kontrolle des Kopierens im Internet für grundsätzlich nicht mehr realisierbar halten. Sie befinden sich beispielsweise hier: http://www.spreeblick.com/2012/04/14/ich-heb-dann-mal-ur/

Alex: Gelesen und für gut befunden. Aber auch hier gilt: Was die Piratenbasis fordert, d.h. ein Einzelner, ist nicht automatisch Parteimeinung. Ist sowieso etwas billig, den Piraten Funktionsfähigkeit abzusprechen, nur um andererseits alles, was in ihrem Umfeld geäußert wird, gleich zur Partei-Meinung zu erheben. Soweit ich weiß, geht es den federführenden Piraten auch nur darum, die Privatkopie zu erhalten, nicht das Urheberrecht abzuschaffen.

 hier: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-84339496.html

Alex: Stefan Niggemeier bringt es schön auf den Punkt: Profitschutzrecht für eine Industrie, die versucht, alle anderen zu gängeln.


 und hier: http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/vom-wissen-der-wichser-zwei-thesen-zur-urheberrechtsdebatte/

Alex: Ja, auch ein sehr schönes, vor allem sachliches Beispiel. Allerdings denke ich, das eine Reform des Urheberrechts, bzw. des Nutzerrechts mit einer Industrie schlecht möglich ist, die Musik-Alben als CD solange teurer verkaufen wollte, wie es noch Vinyl gab... Aber nach dem "Ende" von Vinyl nie auf den Vinylpreis herab gestiegen ist, sondern den höheren CD-Preis beibehalten hat. Verhärtete Fronten? Zwei Wahrheiten? Es geht ums Geld, das ist die Wahrheit.


 vor allem aber hier: http://wiki.piratenpartei.de/Programm#Urheberrecht_und_nicht-kommerzielle_Vervielf.C3.A4ltigung

Alex: Hm, eines der verständlichsten Parteiprogramme, die ich bisher gelesen habe. Und wie erwartet, haben die teilweise zynischen und höhnischen Zeitungskommentare über die Piraten, die sich hierauf als Grundlage berufen, mit dieser auch gar nichts zu tun.


Dass ich die Kenntnis um diesen Diskussionsstand voraussetze, mag gewagt erscheinen. Allerdings kann ich eine gewisse Verwunderung über die Notwendigkeit einer klaren Bezugnahme – gerade bei einem Blogger – nicht ganz verhehlen.

Alex: Hm. Soll ich Stellung dazu beziehen, wie ich als Blogger zum Leistungsschutzrecht, und damit zu meiner Bloggerei, den von mir erarbeiteten Texten, stehe? Oh Gott, dafür bin ich aber gänzlich ungeeignet. Ich sehe meinen Blog nicht kommerziell, und wenn z.B. Zeitungen aus meinem Blog zitieren (und auf mich verweisen), wäre das für mich schon eine Ehre. Auch im Anbetracht der Tatsache, dass ich meine Defizite kenne, durch tausende Themen springe und oft auch dazu neige, andere zu scharf anzugreifen.
Ich erinnnere mich sehr gut daran, das ich anfangs dem Medienmainstream gefolgt bin, als über Bangkok und die Demonstrationen der Rothemden berichtet wurde - obwohl mir Ungereimtheiten aufgefallen sind. Erst die Diskussion, langwierig, aber hochinteressant, mit einem ortsansässigen ehemaligen Schweizer Journalisten hat bei mir ein Umdenken bewirkt, und den Pferdefuß sehen lassen, die Diskrepanzen.
Ich erinnere mich auch noch gut daran, dass Foodwatch bei mir keinen guten Stand hatte, bis ich mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter über die Null Cäsium-Theorie in Kindernahrung diskutiert habe. Allerdings konnte er mir diese Fixierung auf Cäsium auch nicht erklären. D.h., ich bin ein fehlbarer Blogger. Zudem nutze ich den Blog hauptsächlich als Hobby und um meine Bücher zu bewerben, die man - man mag es kaum glauben - umsonst im Internet zu lesen gibt, die ich aber auch für Fans, die bereit sind dafür Geld auszugeben, auch auf lulu.com als Book on Demand anbiete.
Selbstverständlich habe ich nichts dagegen, für Zitate aus meinem Blog Geld zu erhalten oder meine Bücher zu verkaufen (im Vertrauen, viel ist das ohnehin nicht; ohne einen Verlag und eine entsprechende Werbestruktur bleibt auch das Schreiben und Veröffentlichen meiner belletristischen Texte ein Hobby, obwohl ich gerne würde davon leben können), sehe das Ganze jedoch realistisch. Wenn ich etwas ins Web gestellt habe, ist es Allgemeingut, und wenn ich eine überarbeitete Fassung als Buch herausbringe, quasi die Webfassung 2.0, und jemand bereit ist, dafür etwas zu bezahlen, freut mich das.
Ansonsten sehe ich mich aber eher als IT-Girl, was das Bloggen betrifft. Bekannt nicht wegen eines Textes oder zwei, sondern weil ich bin, was und wer ich bin.
Ich bedanke mich auf jeden Fall für Ihre Links, die mich sehr erstaunt haben, weil sie von den Kommentaren doch weit entfernt waren. Mit entsprechender Spannung erwarte ich Ihren nächsten Kommentar.



Was Ihre Interpretation unserer Gema-Berichterstattung betrifft, so waren zwar tatsächlich nur zwölf Videos Gegenstand des Prozesses. Allerdings hatte die Gema diese lediglich exemplarisch ausgewählt, der Prozess war ein Musterverfahren von grundlegender Bedeutung. Nun liegt mir der betreffende Bericht gerade nicht vor, ich möchte aber nicht völlig ausschließen, dass wir diesen Umstand eventuell nur unzureichend deutlich gemacht haben. Liegt das Missverständnis vielleicht in diesem Detail begründet?
Alex: Nun, ich gebe zu, bei meinem Blogeintrag zu Ihrem zweiten Kommentar war ich nicht besonders nett oder gnädig. Sicher spielte meine Enttäuschung eine Rolle, weil ich damals keine Antwort von Ihnen erhalten habe. Ebenso hätte ich mir auch denken können, dass es sich bei dem Prozess um einen Musterprozess handelt.


Korrigieren muss ich Ihre Behauptung, das Hoch- und Herunterladen von Videos sei nicht Gegenstand des Verfahrens gewesen. Das Gericht hat Youtube sogar eigens dazu verpflichtet, neues Hochladen von einmal entfernten Videos zu unterbinden. Selbst eine Software für dieses Verfahren wurde im Urteil benannt. Vielleicht hätte auch dieser Umstand in unseren Bericht klarer zum Ausdruck kommen sollen.

Alex: Klar, macht ja auch Sinn. Aber anstatt lange Prozesse zu führen, hätten sich die beiden Partner vielleicht doch zuerst auf eine Neuauflage ihrer GEMA-Verträge machen sollen. Andererseits, warum, wenn die GEMA selbst den Urhebern verbietet, mit ihren eigenen Werken zu machen was sie wollen, sobald sie bei der GEMA gemeldet sind. Auch da liegt eventuell ein Fehler, der korrigiert gehört.


Für schlichte "Neuformulierungen" bestehender Verträge jedenfalls strengen Verhandlungspartner eher selten aufwändige Prozesse an: Im Prozess der Gema gegen Youtube ging es um nichts weniger als die Haftungsfrage für unzweifelhaft rechtswidrig hochgeladene Inhalte.

Alex: Und dieser Umstand wurde ausreichend geklärt. Youtube ist verpflichtet, die Inhalte zu kontrollieren und zu zensieren, aber ist nicht verantwortlich.


Dass das Vervielfältigen urheberrechtlich geschützten Materials illegal ist (nur zur Sicherheit:  http://www.rechtzweinull.de/index.php?/archives/24-Risiken-fuer-YouTube,-MyVideo-Co-und-deren-Nutzer-Haftung-bei-Videoplattformen.html ), werde ich Ihnen nicht erläutern müssen. Das Urteil schützt somit legal handelnde Nutzer vor versehentlichen Rechtsverstößen mit den anschließenden Abmahnungen durch geschäftstüchtige Rechtsanwälte. Zugleich aber erschwert es Nutzern, die das geltende Recht bewusst hintergehen möchten, die Arbeit: Auf Youtube jedenfalls werden solche Verstöße schlichtweg nicht mehr möglich sein. Ich finde das sehr begrüßenswert. War hier womöglich etwas nicht verständlich genug formuliert?

Alex: Nein. Vor allem der Passus, der die User alle zu potentiellen Downloadern machte, die sich bewusst sein mussten, fortan strafbare Handlungen zu begehen, war sehr irreführend.
Auf von der Leine gelassene Abmahn-Anwälte und -Detektive möchte ich jetzt nicht näher eingehen, aber ich sehe hier ein tolles Thema für einen Kommentar von Ihnen, Herr Bruggaier. Dies gerade in Zeiten, wo Abofallen Thema im Bundestag sind, was sich nicht besonders von Abmahn-Anwälten unterscheidet, wie ich finde.



Was Ihre Einschätzung der finanziellen Lage von Rechte-Inhabern betrifft, so ist diese subjektive Wahrnehmung selbstverständlich Ihr gutes Recht - dass Sie in diesem Punkt über keine tieferen Kenntnisse verfügen, räumen Sie ja selbst ein. Aus meiner Erfahrung als Kulturjournalist komme ich jedenfalls zu einem anderen Ergebnis: Nach dem Zusammenbruch des Tonträgermarktes sind Künstler mehr denn je auf professionelle Verwerter angewiesen. Vor schwarzen Schafen mit Knebelverträgen schützt im Großen und Ganzen der freie Markt. Niemand ist gezwungen, sich einem Verwerter auf Gedeih und Verderb auszuliefern – wer sich übervorteilt fühlt, kann sich ein neues Management suchen.
Ace: Oder wie z.B. der große Komiker und Comic-Autor und Musiker Ralph Ruthe seine Musik selbstständig auf iTunes vertreiben. Es macht keinen großen Unterschied, ob man auf sich gestellt nicht berühmt genug ist um erfolgreich zu verkaufen, oder bei einem Plattenlabel.
Allerdings stelle ich es mir sehr schwierig vor, sich vom Knebel eines Plattenvertrags zu befreien. George Michael hat ein halbes Jahrzehnt keine neue Musik geschrieben, weil Sony selbst nach der Kündigung des Plattenvertrags noch Rechte an seinen künftigen Werke hatte. Und wenn sie schlau waren, haben sie heute noch die Rechte an der Musik, die unter ihrem Label veröffentlicht wurde.
Was hier wirklich weiter helfen würde, wäre eine gezielte Entknebelung von Verträgen, eventuell sogar eine gesetzliche Untergrenze bei der Honorierung. Auf jeden Fall helfen würde aber eine gesetzliche Regelung, wie lange die Arbeit des Urhebers Eigentum des Lizenznehmers bleiben darf.
Es ist also selbst für Superstars nicht ohne weiteres möglich, einem Vertrag zu entkommen. Wie sieht es dann erst für Newcomer aus, die einfach nur Musik machen wollen?



Puh, das ist am Ende jetzt doch eine ganze Menge geworden.

Alex: Und ich danke Ihnen dafür. Es war ein sehr erfrischender Exkurs, und ich sehe Sie längst nicht mehr so, wie ich es in meinen Blogeinträgen getan habe. Sie haben in einem Punkt vollkommen Recht: Ein Kommentar ist sehr kurz, und man muss mit Bedacht entscheiden, was da noch rein muss. Ich sehe Ihrem nächsten Kommentar positiv entgegen.


Vielleicht können Sie meinen Erwiderungen ja den einen oder anderen Gedankenanstoß abgewinnen. Die Diskussion um das Urheberrecht im digitalen Wandel ist sehr komplex und die Fronten sind nicht zuletzt wegen des hohen Emotionalisierungspotenzials ziemlich verhärtet.

Alex: Nicht nur das. Vor allem die Links haben meinen Horizont beträchtlich erweitert. Ich weiß, ich recherchiere nicht perfekt, und beziehe mich viel zu oft nur auf eine Quelle; und das ist nur legitim, wenn ich mich auf meine eigenen Arbeiten beziehe. Aber es beruhigt, das ich auf dem richtigen Weg bin mit meiner Meinung und meinen Blogeinträgen. Ich als Erster bin mir nicht zu schade, offen zuzugeben, wenn ich Fehler gemacht habe und hoffe dies auch stets bei anderen zu finden.
Was die Fronten angeht, so sind sie nicht verhärtet, sondern polemisiert. Wenn die Verwertungsrechte an Musik auf siebzig Jahre nach dem Tod verlängert werden sollen - und zwar nicht für die Erben des Künstlers, sondern für den Inhaber der Vermarktungsrechte - dann ist das übelster Lobbyismus, und ich kann auf dieser Seite keine Gesprächsbereitschaft erkennen. Oder waren es sogar neunzig Jahre?
Vergessen Sie bitte nicht, Herr Bruggaier, Sie sind genauso Konsument wie ich. Was die Medienindustrie durchsetzt, wird uns alle betreffen. Deshalb sollten wir ihr genauso auf die Finger sehen, wie die Medien es gerade mit den Piraten tun.




In jedem Fall freue ich mich über jede Rückmeldung zu meiner Berichterstattung, künftig am Besten an meine persönliche Mailadresse, dann kommt es auch an.
Viele Grüße

Johannes Bruggaier


Alex: Gerne. Ich freue mich sehr über dieses Angebot.


P.S.: Und lassen Sie uns einander doch bitte nicht Lobbyismus oder Propaganda unterstellen, ich gehe meinerseits auch nicht davon aus, dass Sie im Auftrag von Google unterwegs sind.

Dr. Johannes Bruggaier
Kulturredakteur


Alex: Von mir zum Abschluss (ich habe auch verdammt viel geschrieben; vielleicht sollte ich mich selbst mal als Journalist versuchen): Für mich kam Ihre Einstellung als Lobbyismus rüber. Das tut mir leid, da ich jetzt sehe, das Ihre Meinung wesentlich feinsinniger ist. Das bedeutet im Umkehrschluss umso mehr, dass ein Kommentar ein gefährliches Eisen ist. In seiner Kürze ist er ziemlich heiß.
ich werde Ihnen in Zukunft weder Propaganda, noch Lobbyismus unterstellen.
Und keine Sorge, ich bin auch nicht von Google angestellt. Das Netz ist für mich ein Hobby, das ich gerne betreibe, weil es jeden Tag meine Möglichkeiten erweitert (und manchmal auch ziemlich langweilig ist).
Darf ich Ihnen noch etwas sagen? Sie haushalten mit Ihrem Doktor-Titel mit einer Bescheidenheit, die mich maßlos erstaunt. Ich finde das sehr lobenswert.

Mit freundlichem Gruß,

Alexander "Ace" Kaiser

Donnerstag, 3. Mai 2012

Die Antwort von Herrn Dr. Johannes Bruggaier auf meine Blogpost zu seinen Kommentaren im überregionalen Teil der LDZ

Hier von mir mal vollkommen unkommentiert die Antwort von Herrn Bruggaier, die ich gestern angekündigt habe.
Enjoy.
Hallo Herr Kaiser,
durch Zufall (ich suchte im Netz einen Artikel von mir) bin ich auf Ihre Seite gestoßen und ärgere mich, dass Ihr an mich adressiertes Schreiben offenbar in den Untiefen unseres Verlagskonstrukts versunken ist. Jetzt ist die ganze Debatte zwar schon eine Weile her. Dennoch möchte ich Ihnen mitteilen, dass mich Ihre ausführliche Beschäftigung mit zwei Kommentaren von mir sehr beeindruckt hat: Solche Leser wünscht man sich!
Grundsätzlich sind Zeitungskommentare erstens – wie der Name schon sagt – subjektiv und zweitens verkürzend. Gerade ein so komplexes Thema wie der Öffentlichkeitsbegriff im digitalen Zeitalter lässt sich auf 50 Zeilen niemals ausschöpfend thematisieren. Wenn Sie meinen beiden Anmerkungen also Polemik unterstellen, so haben Sie deshalb insofern recht, als ich für das Kommentieren auf engem Raum zwangsläufig Gegenargumente oftmals außer Acht lassen und damit vieles zuspitzen muss. Ein Kommentar ist nun mal keine Grundsatzerklärung, sondern ein Gedanken- und Diskussionsanstoß für den Alltag (hat hier ja offenbar funktioniert).
In der Sache finde ich manche Ihrer Argumente bedenkenswert. Andere dagegen überzeugen mich nicht. Ich bitte Sie um Verständnis darum, wenn ich angesichts des beträchtlichen Umfangs nur auszugsweise darauf eingehe.
In jedem Fall für bedenkenswert halte ich Ihre Kritik an bestimmten Medien im Emder Mordfall. In der Tat kommt Zeitungen und Rundfunksender nach wie vor eine Leitfunktion in der öffentlichen Meinungsbildung zu. Es ist deshalb durchaus problematisch, einerseits den aufgehetzten Mob zu kritisieren, andererseits die fragwürdige Rolle einiger Medien völlig außen vor zu lassen. Um diese Facette zu berücksichtigen, hätte ich meinem Kommentar in der Tat eine Zeile mehr gönnen sollen.
Auch kann ich verstehen, dass Sie sich gegen eine Pauschalverurteilung „der“ Internetcommunity wehren. Zwar ist auch diese Zuspitzung dem Zwang zur Verkürzung geschuldet. Ich denke aber, dass ich den differenzierenden und selbstreflektierenden Vertretern dieser Gemeinschaft - zu der Sie womöglich zählen - tatsächlich auch eine differenziertere Betrachtung schuldig gewesen wäre. Mein Angriff in der Sache hat hier vielleicht eine persönliche Färbung bekommen, die ich keinesfalls beabsichtige.
Bei aller berechtigten Kritik am Stil mancher Berichterstattung irritiert mich hingegen Ihre Einschätzung, wonach die Schuld an der Entwicklung in Emden „einzig und allein“ bei den Medien liege. So ist mir nicht bekannt, dass der Name des ersten Verdächtigen im Emder Mordfall von der Presse veröffentlicht worden wäre. Auch einen Aufruf zur Lynchjustiz habe ich in keinem Medium finden können. Mit einem solchen Vorgehen hätte sich ein Presse- oder Rundfunkorgan schwerwiegende juristische Konsequenzen eingehandelt.
Revolverblättern die Alleinschuld für jegliche Straftaten beizumessen, halte ich deshalb für eine doch recht grobe Vereinfachung. Sie entlassen damit den Bürger aus seiner Selbstverantwortung, stellen Straftätern mit Verweis auf die bösen Medien per se einen Freifahrtschein aus.
Was das Thema Fahndung auf Facebook betrifft (bislang allein in Niedersachsen praktiziert), so möchte ich der Kürze halber nur auf die Stellungnahme des Bundesbeauftragten für Datenschutz verweisen: https://www.bfdi.bund.de/bfdi_forum/showthread.php?2944-fffentlichkeitsfahndung-via-Facebook . Der Fall von Emden ist meines Erachtens eine traurige Bestätigung mancher hier geäußerten Vorbehalte.
Soziale Netzwerke verbinden Person A mit Person B. Manchmal verbinden Sie auch Person A mit Person B und C. Das alles fällt unter den Bereich des privaten Datenverkehrs. Werden nun Person A, B und C mit zweihundert oder gar tausend weiteren Personen vernetzt, kann nicht mehr von einem privaten Austausch die Rede sein: In diesem Fall erschafft der Anbieter eine publizistische Einflussmöglichkeit, wie sie allenfalls Rundfunksender oder Verlage erreichen. Das ist grundsätzlich in Ordnung, verlangt aber, dann auch die Verbreiterhaftung zu übernehmen.
Mit Ihrem Vergleich von Facebook einerseits und den Online-Foren der Zeitungen andererseits benennen Sie hierzu selbst den entscheidenden Unterschied: Allein das unverzügliche Löschen von Entgleisungen bedeutet für die Verleger erhebliche Personalkosten. Diese erbringen sie keinesfalls freiwillig, sondern weil das Gesetz sie dazu zwingt. Die Online-Redaktion der Süddeutschen Zeitung schaltet ihre Kommentarfunktion nachts gänzlich ab, um nicht eine Veröffentlichung justiziabler Äußerungen zu riskieren. Auslöser dieser Maßnahme war im Übrigen der verlorene Prozess eines Bloggers (Stefan Niggemeier), der einen in der Nacht eingegangenen Kommentar erst morgens und damit zu spät entfernt hatte. Deutsche Blogger und Zeitungen müssen mit solchen Konsequenzen leben – nicht aber milliardenschwere Konzerne mit Sitz in den USA. Dass ich dieses Missverhältnis kritisiere und eine gerichtsfeste Definition von Öffentlichkeit in digitalen Foren jeder Art einfordere, müsste eigentlich in Ihrem Interesse sein.
Ein paar Worte möchte ich noch zum Thema Youtube verlieren. Zunächst zu den „gesichtslosen“ Kritikern, die eine Kontrolle des Kopierens im Internet für grundsätzlich nicht mehr realisierbar halten. Sie befinden sich beispielsweise hier: http://www.spreeblick.com/2012/04/14/ich-heb-dann-mal-ur/ , hier: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-84339496.html und hier: http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/vom-wissen-der-wichser-zwei-thesen-zur-urheberrechtsdebatte/ , vor allem aber hier: http://wiki.piratenpartei.de/Programm#Urheberrecht_und_nicht-kommerzielle_Vervielf.C3.A4ltigung
Dass ich die Kenntnis um diesen Diskussionsstand voraussetze, mag gewagt erscheinen. Allerdings kann ich eine gewisse Verwunderung über die Notwendigkeit einer klaren Bezugnahme – gerade bei einem Blogger – nicht ganz verhehlen.
Was Ihre Interpretation unserer Gema-Berichterstattung betrifft, so waren zwar tatsächlich nur zwölf Videos Gegenstand des Prozesses. Allerdings hatte die Gema diese lediglich exemplarisch ausgewählt, der Prozess war ein Musterverfahren von grundlegender Bedeutung. Nun liegt mir der betreffende Bericht gerade nicht vor, ich möchte aber nicht völlig ausschließen, dass wir diesen Umstand eventuell nur unzureichend deutlich gemacht haben. Liegt das Missverständnis vielleicht in diesem Detail begründet?
Korrigieren muss ich Ihre Behauptung, das Hoch- und Herunterladen von Videos sei nicht Gegenstand des Verfahrens gewesen. Das Gericht hat Youtube sogar eigens dazu verpflichtet, neues Hochladen von einmal entfernten Videos zu unterbinden. Selbst eine Software für dieses Verfahren wurde im Urteil benannt. Vielleicht hätte auch dieser Umstand in unseren Bericht klarer zum Ausdruck kommen sollen. Für schlichte "Neuformulierungen" bestehender Verträge jedenfalls strengen Verhandlungspartner eher selten aufwändige Prozesse an: Im Prozess der Gema gegen Youtube ging es um nichts weniger als die Haftungsfrage für unzweifelhaft rechtswidrig hochgeladene Inhalte.
Dass das Vervielfältigen urheberrechtlich geschützten Materials illegal ist (nur zur Sicherheit:  http://www.rechtzweinull.de/index.php?/archives/24-Risiken-fuer-YouTube,-MyVideo-Co-und-deren-Nutzer-Haftung-bei-Videoplattformen.html ), werde ich Ihnen nicht erläutern müssen. Das Urteil schützt somit legal handelnde Nutzer vor versehentlichen Rechtsverstößen mit den anschließenden Abmahnungen durch geschäftstüchtige Rechtsanwälte. Zugleich aber erschwert es Nutzern, die das geltende Recht bewusst hintergehen möchten, die Arbeit: Auf Youtube jedenfalls werden solche Verstöße schlichtweg nicht mehr möglich sein. Ich finde das sehr begrüßenswert. War hier womöglich etwas nicht verständlich genug formuliert?
Was Ihre Einschätzung der finanziellen Lage von Rechte-Inhabern betrifft, so ist diese subjektive Wahrnehmung selbstverständlich Ihr gutes Recht - dass Sie in diesem Punkt über keine tieferen Kenntnisse verfügen, räumen Sie ja selbst ein. Aus meiner Erfahrung als Kulturjournalist komme ich jedenfalls zu einem anderen Ergebnis: Nach dem Zusammenbruch des Tonträgermarktes sind Künstler mehr denn je auf professionelle Verwerter angewiesen. Vor schwarzen Schafen mit Knebelverträgen schützt im Großen und Ganzen der freie Markt. Niemand ist gezwungen, sich einem Verwerter auf Gedeih und Verderb auszuliefern – wer sich übervorteilt fühlt, kann sich ein neues Management suchen.
Puh, das ist am Ende jetzt doch eine ganze Menge geworden. Vielleicht können Sie meinen Erwiderungen ja den einen oder anderen Gedankenanstoß abgewinnen. Die Diskussion um das Urheberrecht im digitalen Wandel ist sehr komplex und die Fronten sind nicht zuletzt wegen des hohen Emotionalisierungspotenzials ziemlich verhärtet. In jedem Fall freue ich mich über jede Rückmeldung zu meiner Berichterstattung, künftig am Besten an meine persönliche Mailadresse, dann kommt es auch an.
Viele Grüße
Johannes Bruggaier
P.S.: Und lassen Sie uns einander doch bitte nicht Lobbyismus oder Propaganda unterstellen, ich gehe meinerseits auch nicht davon aus, dass Sie im Auftrag von Google unterwegs sind. 
Dr. Johannes Bruggaier
Kulturredakteur