Sonntag, 28. Februar 2010

Tsunamis machen keine Wellen

Okay, ich muss zugeben, ich bin KEIN Experte, weder für Erdbeben, noch für Naturkatastrophen und erst recht nicht für Tsunamis. Aber das hat mich bisher noch nie gehindert, zu einem Thema meine Meinung zu sagen. So wie in diesem speziellen Fall nach dem schweren Erdbeben vor der chilenischen Küste, in dem Journalisten dem allgemeinen Hysterie-Trend verfallen, und jede etwas größere Welle zur Tsunami erklären. Immerhin, betroffen von der Warnung war der gesamte Pazifik-Raum, und nachdem an Chiles Küste schon eine erhebliche Flutwelle gemeldet worden war, war die Warnung in jedem Fall gerechtfertigt.
Dennoch muss ich in diesem Fall über die Berichterstattung von Tagesschau.de den Kopf schütteln, wenn die offensichtliche Unwissenheit des Autors so penetrant sichtbar wird. Denn das, was dort an den Küsten von Hawaii, Samoa, Tonga, Neuseeland, Japan und Russland auflief und "teilweise die Höhe von zwei Metern erreichte" war gewiss eine schöne Welle, aber sicher keine Tsunami.
Denn eine zwei Meter hohe Tsunami hätte erhebliche Verwüstungen angerichtet. Schon die knapp anderthalb Meter hohe Welle von Hawaii hätte die Strände überspült. Eine Tsunami ist keine Oberflächenwelle, sondern eine Bewegung der gesamten Wassersäule. Das macht sie ja so gefährlich. Wenn ein Erdbeben oder ein Erdrutsch eine Tsunami auslöst, dann wird das Wasser in der kompletten Säule verdrängt, von der Oberfläche bis zum Meeresgrund. Im Pazifik haben wir Tiefen von bis zu sechs Kilometern. Das bedeutet eine Menge Wasser, das bewegt wird.
In Küstennähe fehlt der in Bewegung gesetzten Masse allerdings die Tiefe, und das meine ich nicht ironisch. Die Wassersäule staut sich auf, wächst in die Höhe, und es kommt zur gefürchteten Tsunami.
Es kommt also keinesfalls darauf an, wie hoch eine Tsunami ist, sondern wie viel Wasser sie mit sich führt, wie groß ihre pure Wucht ist, wie man an der Tsunami in Thailand 2004 sehen kann.
Hohe Wellen sind nicht automatisch Tsunamis. Doch es wäre mittlerweile sicherlich vom deutschen Journalismus zuviel verlangt, Unterschiede zu machen, wenn man doch Schlagwörter hat.

P.S.: Ich bezweifle mit keinem Wort, dass diese Wellen vom Erdbeben vor Chile ausgelöst wurden. Ich bezweifle nur, dass es Tsunamis waren. Selbst mit einem Meter Höhe hätten diese enorme Verwüstungen angerichtet.
Ein kleiner Tipp von mir, um das nächste Mal eine Tsunami zu erkennen: Bevor die Welle eintrifft, zieht sie das Wasser von den Stränden ab. Dieser Sog vor der Welle ist typisch für eine Tsunami, und der puren Masse geschuldet.
Etwas mehr journalistische Sorgfalt wäre wirklich nett, Tagesschau.de.

Edit: Tagesschau.de hat tatsächlich eine Erklärung zum Thema nachgeschoben. An der Erklärung, für Laien leicht verständlich, kann ich keinen groben Fehler finden.
Nur warum habt Ihr Euch nicht vorher an diesem Wissen orientiert? Dann wäre aus den durch den Pazifik laufenden Wellen keine Tsunamis geworden.

Sonntag, 21. Februar 2010

Terroristen wählen Schwarz/Gelb

Ich weiß, dieses Thema habe ich schon mal in meinem Blog angesprochen, aber diesmal möchte ich meinen Standpunkt rund ein halbes Jahr später etwas verdeutlichen.

Was ist geschehen?
Nun, viele wissen es nicht mehr, oder es hat sie nach einiger Zeit nicht mehr interessiert, aber kurz vor der Bundestagswahl drohte der aus Bonn stammende Deutsch-Marokkaner Bekkay Harrach Deutschland mit "Konsequenzen, wenn sie keinen Politikwechsel wählen".
Interessant dabei: Deutschland war bisher vom Terror verschont geblieben - weitestgehends, wenn man mal von Geheimdienstoperationen Libyens in Berliner Discotheken absieht. Nun aber schossen sich die Extremisten auf uns ein. Als Premiere auch in der deutschen Sprache. Dabei fand Herr Harrach deutliche Worte und warnte Muslime davor, zwei Wochen nach der Wahl Orte öffentlichen Interesses aufzusuchen.
Schließlich titelte die BLÖD-Zeitung einen Tag vor der Wahl: Flugverbot über dem Oktoberfest.
Es kam in den letzten Jahrzehnten eher selten vor, dass Nachbarn, Verbündete oder die USA versucht haben, direkten Einfluss auf deutsche Wahlen zu nehmen - es ist absolut neu, dass radikale Islamisten es in diesem Maße versucht haben.

Wir schreiben heute den 21. Februar 2010. Zwei Wochen nach der Wahl sind mehr als vorbei, und in Deutschland beschäftigen wir uns eher damit, wie Herr Röttgen die Atomkraft verlängert/abschaltet, oder ein Herr Westerwelle meint, der Sozialstaat sei zu gut zu seinen Bürgern.
Woran wir nicht mehr denken ist eine Terrorgruppe, die einer ganzen Nation gedroht hat, die massiven Einfluss auf unser Wahlverhalten zu nehmen versucht hat.
Das Ergebnis dieser "Kampagne": Die Schwarz-Rote Koalition wurde nicht fortgesetzt, die SPD ist jetzt in der Opposition. Die Kanzlerin und der Verteidigungsminister halten am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr fest und stocken die Truppenzahlen wieder einmal auf. Dinge, gegen die unsere islamistischen Videoterroristen gewettert haben.
Ist etwas passiert? Nein, glücklicherweise nicht. Gibt es Anzeichen dafür? Nicht mehr als sonst auch. Wurden deutsche Botschaften in islamischen Ländern überfallen, deutsche Flaggen öffentlich verbrannt? Nichts dergleichen.

Wenn ich aus all dem ein Fazit schließen will, dann kann es nur eines geben: Al Quaida wählt Schwarz/Gelb. Die Terrordrohung diente nur dazu, der SPD die Kompetenz bei der Terrorbekämpfung abzusprechen, und die "Bürgerliche Mitte" an die Regierungsgewalt zu bringen. Btw, wie macht man jetzt noch mal Ironiezeichen?
Deshalb gibt es keine Anschläge in Deutschland. Deshalb hat der islamische Terror kein Interesse, deutsche "weiche" Ziele anzugreifen.
Es gibt natürlich noch zwei nicht so zwingende Erklärungen.
Nummer eins wäre dann, dass die radikalen Islamisten der Meinung sind, wir wären mit Angie und Westerwave schon genug Terror ausgesetzt.
Nummer zwei wäre, dass die Videos nur ein riesiger Hoax waren.
Aber nein, ich bin mir sicher: Al Kaida wählt Schwarz/Gelb.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Sind Hartz IV-Bezieher schlauer, oder einfach nur ausgebeuteter?

"Bin ich dumm, weil ich noch arbeiten gehe?", titeln heute die gedruckte BLÖD auf der Titelseite und Bild.de.
Zweifellos will damit das Erfolgsprodukt aus dem Springer-Verlag - btw, wie macht man korrekt Ironiezeichen? - zweifellos einerseits die "Grundsatzdiskussion zu Hartz IV, losgetreten von Westerwelle" stützen und andererseits das "Hartz IV-Bashing" weiter betreiben.
Grundsatz der BLÖD-Sicht ist dabei: Hartz IV bedeutet nicht arbeiten und leben wie die Made im Speck.

...Was für ein Blödsinn. Warum arbeiten die BLÖD-Redakteure eigentlich noch, wenn sie es doch besser wissen? Sollen sie sich kündigen lassen, ein Jahr ALG I bekommen und danach an Hartz IV beantragen, was die Anträge hergeben, wenn das Leben als Sozialhilfeempfänger um so viel besser ist. Das werden sie aber nicht tun, denn nicht zuletzt dank ihrer Vorarbeit und ihr fortgesetztes Bashing hätten sie dann wie die anderen Hartz IV-Empfänger ebenfalls einen Ruf als Sozialschmarotzer oder Schlimmeres weg. Und nebenbei bemerkt sind die Bezüge auch nicht ansatzweise so üppig, wie die "Journalisten bei BILD" - ich brauche wirklich diese Ironiezeichen - behaupten.

Was wissen wir eigentlich über Hartz IV? Ursprünglich wurde es geplant, um die Verwaltungskosten für Sozialhilfe zu reduzieren, den Staatshaushalt zu entlasten, und den Arbeitslosen mehr Anreize zu geben, um wieder in Arbeit zu kommen, sprich von der eigenen Hände Arbeit zu leben. Dafür hat die damalige Rot/Grüne Regierung viele Anreize geschaffen, vor allem für die Arbeitgeber, um neues Personal einzustellen. Gerade Langzeitarbeitslose werden im ersten Jahr massiv gefördert. Andere Arbeitsplätze, die aus dem Nichts entstehen sollen, werden staatlich subventioniert, damit die Arbeitgeber anhand der Umsätze sehen können, ob sich der Arbeitsplatz selbst finanziert.

Was ist daraus geworden? BLÖD plappert über Sozialmissbrauch, Westerwelle wirft Hartz IV-Empfängern spätrömische Dekadenz vor und irgendwelche Couch Potatoes werden nur zu bereitwillig von den Medien als Musterbeispiel für den faulen Langzeitarbeitslosen heran gezogen. Auf die Idee, dass das Gros von ihnen arbeiten WILL, kommen sie gar nicht.
Stattdessen sieht die Entwicklung wie folgt aus: Westerwelle will, dass die Bezüge sinken, um die Staatskassen zu entlasten. Als Grund nennt er den Umstand, dass manche Hartz IV-Empfänger mehr Geld verdienen als vergleichbare Arbeitnehmer.
Aber woher kommt das? Ein simpler blauer Rechenfehler, oder ist das der Tatsache geschuldet, dass in Deutschland Tarife gedrückt werden, und den Arbeitgebern die Arbeit ihrer Untergebenen immer weniger wert ist, sodass sich die Löhne auf das Hartz IV-Niveau herab bewegen?

Ich habe oben die Regularien angesprochen, die Arbeitslosen den Wiedereinstieg erleichtern sollen. Ich finde es nicht richtig, wenn zum Beispiel PIN ihr Konkurrenzmodell zur Deutschen Post darauf aufbaut, dass alle Vollzeitkräfte einen Hungerlohn bekommen und sich den Rest beim Staat holen. Permanent, wohlgemerkt, nicht als Übergang. Soll sich Arbeit auf diese Weise wieder lohnen, Herr Westerwelle?
Alle Länder Europas, die Mindestlohn verordnet haben, fahren damit sehr gut - ohne Massenentlassungen, bei voller Produktivität. Warum soll das nicht auch in Deutschland funktionieren - und Arbeit wieder lohnender machen, ohne staatliche Aufstock-Subventionen?
Herr Westerwelle, ich stelle folgendes fest: Hartz IV-Empfänger kriegen definitiv NICHT zu viel Geld, sondern viele Arbeitnehmer kriegen zu wenig. Und jeder, der schreit, dass die Hartz IV-Sätze gesenkt werden müssen, sorgt auch dafür, dass diese Leute von immer weniger Lohn und immer mehr Subventionen leben müssen. Dafür ist der Sozialstaat nicht da, Herr Westerwelle. Obwohl, für Ihre Klientel schon.

Ein Satz liegt mir am Herzen, den ich für wegweisend in dieser Diskussion halte: "Jeder Arbeitnehmer verdient sein eigenes Gehalt, seine eigenen Sozialleistungen und die kompletten Arbeitgeberleistungen sowie einen Profit für seinen Arbeitgeber. Anders funktionieren Unternehmen in Deutschland nicht."
Wenn wir Hartz IV kastrieren, Löhne senken und Subventionen erhöhen, was tun wir dann, Herr Westerwelle? Wir erhöhen den Profit der Unternehmen. Das ist im höchsten Maße unsozial, denn auch der Arbeitgeber hat gegenüber dem Arbeitnehmer Pflichten, und die erfüllt er in einem Lohndumping-Staat nicht. Aber auch das ist im Sinne Ihrer Klientel, Herr Westerwelle.

Und, liebe BLÖD-Redakteure: Schade, dass die Springer AG das Erfolgsmodell der PIN-Subventionierung durch den Staat nicht durchhalten konnte. Aber das ist wiederum gut - für die Vollzeitangestellten bei der Post.

Montag, 15. Februar 2010

Wer hat noch nicht, wer will noch mal?

Es ist noch nicht sehr lange her, genauer gesagt 2006, da veröffentlichte ich über Lulu.com, einem Book on Demand-Vertrieb, meinen Science Fiction-Roman "Die Allianz - Im Korridor der Sterne".
Der Verkauf war, gelinde gesagt, bescheiden, weil ich einerseits das Geld für die Promo nicht ausgeben wollte, und andererseits den gesamten Romantext auf öffentlichen Internetforen bereits veröffentlicht und beständig aktualisiert hatte.
2007 dann kaufte ich eine ISBN-Nummer hinzu, die es jedem Leser erlaubt, mein Buch beim Buchhändler um die Ecke oder bei Amazon.de zu kaufen.
Daraufhin meldete sich die Staatsbibliothek bei mir und informierte mich darüber, dass nun zwei Belegexemplare fürs Bundesarchiv fällig seien. Tja, Haken bei der Geschichte war natürlich, dass ich selbst keine Belegexemplare erhalten hatte. Immerhin reden wir hier über Book on Demand, und da werden Bücher erst gedruckt, nachdem sie verkauft wurden.
Jedenfalls besorgte ich die beiden Bücher und sandte sie nach Berlin.

Heute, im Jahr 2010, meldete sich das Landesarchiv bei mir. Das gleiche Spiel beginnt erneut, allerdings wollen die Hannoveraner nur ein Buch von mir. Auch hierbei werde ich mein eigenes Buch kaufen und anschließend dem Archiv zur Verfügung stellen.
Versteht mich jetzt nicht falsch: Mit der Aufnahme im Archiv ist auch eine Aufnahme in die Listen verbunden. Es ist vielleicht keine super Promotion, aber wie viele Leute können von sich behaupten, im Bundes- oder Landesarchiv verewigt worden zu sein? Okay, meine Verkaufszahlen werden davon aus mir vollkommen unerfindlichen Gründen nicht in die Höhe schnellen, wie ich auch allgemein nicht besonders viele Exemplare verkauft habe. Ich empfinde es dennoch als Ehre. Allerdings bin ich mit ISBN-Nummern für meine Book on Demand-Bücher ein klein wenig vorsichtiger geworden. Es muss sich dann halt auch lohnen...

Edit: Heute hatte ich ein Telefonat mit dem Landesarchiv. Mein Buch, bei Amazon bestellt und an das Archiv adressiert, ist angekommen.
Die ISBN-Nummer funktioniert! Juhuu! ^^

Sonntag, 14. Februar 2010

Westerwelles bunte Wirtschaftswelt

Wer hat sie nicht mitgekriegt, die harsche Kritik von Herrn Westerwelle, seines Zeichens unser Außenminister und Vize-Kanzler, die er gegen Hartz IV-Empfänger vom Stapel ließ?
Wer hat nicht gehört, wie er diesen Menschen vorgeworfen hat, in "spätrömischer Dekadenz" zu leben?
Und wem gellen nicht noch die Ohren von seinen Worten, dass etwas in Deutschland falsch laufe, wenn ein Arbeiter weniger nach Hause bringt als ein Hartz IV-Empfänger?
Heute hat er noch mal nachgelegt, und auf Tagesschau.de munter weiter gewettert. Die Arbeitnehmer seien "die Deppen der Nation" und man "müsse sich mittlerweile entschuldigen, wenn man von seinem Verdienst etwas behalten wolle".
Und so schürt Herr Guido Westerwelle den gerechten Zorn auf den Sozialstaat, der denen, die nicht arbeiten, alles gibt, und denen, die arbeiten alles nimmt - möchte man denken. Aber WARUM kommt ein Familienvater mit Vollzeitjob im Verdienst den Bezügen nahe, die ein anderer Familienvater mit Hartz IV erhält? Ich will es mal in einem Satz zusammen fassen: Weil Westerwelle es so sehen will. Richtig, an diesem ganzen Konstrukt ist nichts dran, außer Guido Westerwelle. Okay, die BLÖD natürlich auch, die mehr als einen Hetz-Artikel gegen Hartz IV geschrieben hat. Und natürlich andere Zeitungen, wie Bildblog.de zu berichten weiß.

...sacken lassen.
Leute, mal ganz ernsthaft, bedeutet es denn in einem Sozialstaat zu leben, dass man automatisch an die ARMUTSGRENZE kommt, kaum das man unverschuldet arbeitslos geworden ist?
Bedeutet Hartz IV automatisch, seine Kinder hungrig zur Schule schicken zu müssen, mittags von "der Tafel" gespeist, und eingekleidet mit Second Hand-Kleidung aus dem Sozialkaufhaus?
Muss denn jeder Bezieher von Hartz IV darunter leiden, dass die Medien ständig irgendwelche Langzeit-ALG-Bezieher hervor kramen, die freimütig sogar im Fernsehen sagen, dass sie nicht mehr arbeiten gehen wollen, weil "es ihnen ja so schon gut geht und sie genug Geld zu Leben haben"?

Müssen wir unsozial werden und einer Familie einen gewissen Standard verweigern, der es ihnen dann verbietet, ihre Kinder auf Klassenfahrt mit gehen zu lassen? Nein, das glaube ich nicht.
Müssen wir für jeden faulen Langzeit-Hartz IVer in jeder Zeitung und jeder Talkshow automatisch die Daumenschrauben für alle anderen Leistungsempfänger anziehen, um sie "zum arbeiten zu zwingen"? Nein, garantiert nicht.
Müssen wir wirklich alles auf Hartz IV schieben und die Sozialhilfeempfänger zu Sündenböcken unserer Nation machen? Ja, wenn es nach Guido Westerwelle geht.

Aber, Herr Westerwelle, Ihre Argumentation kann man auch anders herum verstehen: Wenn die Leistungsbezieher fast so viel Geld kriegen wie die Arbeiter, was läuft dann schief in Deutschland? Ich meine: Warum kriegen Menschen mit Arbeitsplatz für ihre solide Arbeit so verdammt wenig Geld? Hartz IV-Empfänger kriegen eine Grundversorgung - und etliche Deutsche mit Job kratzen an diesen Beträgen? Was läuft falsch in Deutschland? Was läuft falsch in der FDP?
Wir leben in einem Land, das Bezieher von Hungerlöhnen zwingt, sich vom Staat subventionieren zu lassen. Ursprünglich war diese Zahlung dazu gedacht, um neue Jobs zu schaffen. Mittlerweile gibt es Firmen, die darauf ihr Wirtschaftsmodell aufbauen, auf illegale Steuersubventionen, um Firmen kaputt zu machen, in denen die Arbeitsplätze vor der Subvention sicher waren, siehe Post und PIN.
Wir leben in einem Land, in dem Zeitarbeitsfirmen ihre hohe Zeit haben, in der ein Leiharbeiter in einem Unternehmen, zum Beispiel Opel, ein Mensch zweiter Klasse ist, und für die gleiche Arbeit weniger kriegt... Den Rest muss eben der Staat ausgleichen, während immense Zahlungen an die Leiharbeitsfirma gehen.
Wir leben in einem Land, in dem uns eingeredet wird, Lohnerhöhungen zu verlangen würde unsere Arbeitsplätze gefährden - so als ob das Geld gar nicht da wäre. Stattdessen schlagen die Firmen Unsummen um. Es kommt eben nur nicht dem Arbeitnehmer zugute, sondern dem Aktionär. Dem Hauptaktionär vor allem.
Wir leben in einem Land, in dem Kurzarbeit plötzlich eine Modewelle ist. Firmen halten die Hand dafür auf, um ihre Leute in unbezahlten Urlaub schicken zu können, egal ob sie es mussten oder nicht. Aber die Subvention muss mitgenommen werden - und anschließend muss auch der Erhalt der Arbeitsplätze gefeiert werden. Nachdem der Scheck der Bundesregierung ankam und ordentlich auf Arbeitgeberseite verbucht wurde.

Arbeit muss sich wieder mehr lohnen als Hartz IV? Interessant, Herr Westerwelle. Was planen Sie dafür zu tun? Was plant die FDP dafür zu tun? Die richtige Antwort wäre meines Erachtens nach angemessene Entlohnung für anständige Arbeit, und ein Ende der staatlichen Billigsubventionen, die richtige Arbeitsplätze zerstört. Aber das ist ja nicht so leicht zu vermitteln wie das Märchen vom bösen, arbeitsfaulen Hartz IV-Empfänger, der synonym für alle Leistungsempfänger steht. Ich ärgere mich, Herr Westerwelle, gerade über Sie.

Dienstag, 9. Februar 2010

Obama vs. Palin. Palin?

Ja, ja. Da ist der gute Barack Hussein Obama gerade mal ein geschlagenes Jahr im Amt, und schon versuchen die Republikaner, die rechten Medien, die wirklich miesen Verlierer bei Fox TV und sogar das eine oder andere Presseprodukt bei uns, dem beliebten Präsidenten das regieren madig zu machen.
Haben die Leute ihm nicht zugehört? Er hat ja nun nicht gerade verschwiegen, dass es schwer werden würde, den Trümmerhaufen wieder zu kitten, den Dubia hinterlassen hat. Halten sie nichts von seinen Erfolgen sowohl bei der Popular Vote als auch bei seinem überwältigenden Überhang der Wahlmänner? Immerhin hat er nicht nur das Ausland acht Jahre Bush vergessen lassen, den Friedensnobelpreis erhalten, bevor er überhaupt die Chance hatte, mit irgend jemandem Frieden zu schließen, ein Konzept für Guantanamo, den Irak und Afghanistan erarbeitet (und musste dabei dummerweise den Konservativen mehr Zugeständnisse machen als für seine Politik gut ist), und ist auf dem besten Wege, zum ersten Mal in der amerikanischen Geschichte eine gesetzliche Krankenkasse einzuführen.
Nein, der Mann ist auch äußerst souverän. Egal ob ein ausfallender Teleprompter oder eine angreifende Fliege, der Mann bleibt sachlich, ruhig und konsequent.
Na, es wäre ja auch zu viel verlangt, von den Betonköpfen, die die Kriege ANGEFANGEN haben, die Obama jetzt aufräumen muss zu erwarten, ihm erst mal eine CHANCE zu geben, bevor sie ihn als gescheitert, unfähig und schwarz hinzustellen...

Stattdessen setzt die konservative Klientel, die in den USA durchaus mit dem Republikanern eins zu eins gleich zu setzen ist, auf einen ganz besonderen Gegner, der bereits 2008 gegen Obama den Kürzeren gezogen, Verzeihung, gegen ihn erfolgreich angetreten ist und Zweiter wurde: Die Ex-Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin.
Richtig. Genau die, die sich als "Hockey Mom" produzierte, und von richtigen Hockey Moms dafür abgestraft wurde. Die Frau, die meinte, sie hätte außenpolitische Erfahrung, weil sie "Russland von meinem Heim aus sehen kann". Was, nebenbei, geographisch unwahrscheinlich ist.
Die Frau, deren Tochter ein uneheliches Kind hat, was eigentlich alle Konservativen und Republikaner in den USA mit krebsroten Gesichtern auf die Barrikaden treiben müsste.
Die Frau, die nicht mehr Gouverneur von Alaska ist, und sich stattdessen einen hoch bezahlten Posten von Fox in der Hauptstadt hat zuschustern lassen. Der Eindruck, sie würde gegen Obama in Stellung gebracht, drängt sich geradezu auf, wenn man bedenkt, wie die Murdoch-Medien in letzter Zeit gegen ihren eigenen Präsidenten vorgegangen sind.
In diesem Zusammenhang muss man auch ihren Auftritt beim Tea Party Congress sehen, einer losen Veranstaltung konservativer (und wahrscheinlich republikanischer) Kräfte, die etwas über sechshundert Dollar für drei Tage bezahlten, nur um am letzten Tag ihre große Hoffnung reden zu hören.
Aber ausgerechnet diese große Hoffnung erlaubte sich auf der Tea Party einen Fauxpas: Sie schrieb sich Stichwörter in die Hand. Doch während The Telegraph das mit einem ungläubigen Kopfschütteln betrachtet, sieht der österreichische Standard darin sogar eine Stärke von Palin. Allerdings glaube ich, kann man da keiner geteilten Meinung sein. Im Zeitalter von Telepromptern und Post it-Zetteln ist "in die Hand schreiben" vollkommen out.

Man sollte meinen, dass Barack Obama als hart arbeitender und vom Volk unterstützter Präsident einen solchen Gegner nicht zu fürchten braucht, was ihm auch zu wünschen wäre. Aber leider wäre sie in diesem Jahrhundert bereits Nummer zwei, die einfach nur mit Medienmacht, viel Geld und von den monopolisierten, Bundesstaaten übergreifenden Medien protektiert um das Weiße Haus kämpft. Ein Nicht-Präsident im Weißen Haus reicht eigentlich. Warum wollen Leute wie Murdoch unbedingt einen zweiten? Die Antwort auf diese Frage wird wohl jeder von uns für sich selbst finden müssen.

Es gibt allerdings einen Hoffnungsschimmer bei der Geschichte: Barack Obama wurde nicht gewählt, weil er die großen Medien auf seiner Seite hatte, sondern weil seine Anhänger von Tür zu Tür gingen und für ihn warben. Weil sein Vater schwarz ist. Weil er einen Wechsel versprach und die Trümmer der Bush-Regierung weg räumen wollte. Die Chancen stehen gut, dass diese breite Basis ihn mit jedem seiner Erfolge mehr unterstützt. Zu wünschen wäre es ihm, und vor allem uns, dem "Alten Europa". Vergesst nicht, Leute, in der Nordsee ist Erdöl!

Montag, 8. Februar 2010

Eine Blume in der Wüste ist wie ein Einsichtiger in der CDU.

...selten und kostbar.
Leser meines Blogs wissen, dass ich gegenüber CDU und FDP ein eher launisches Verhältnis pflege. Das liegt allerdings nur zum Teil an meinem roten Parteibuch, sondern eher an der schwarz-gelben Lobby-Politik, die sie mehr oder weniger heimlich ausführen. Man erinnere sich nur mal an das Steuergeschenk an die deutsche Hotelbranche mit der fadenscheinigen Begründung, Betten würden dann billiger werden. Einfacher wäre es doch gewesen, diese offensichtliche Subvention als Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit zu verkaufen. Immerhin ist Deutschland ein Tourismus-Land. Das darf durchaus gefördert werden, auch ohne das zuvor ein paar Millionen Euro an Parteispenden fließen. (Außerdem, liebe FDP, lässt man sich hinterher von der dankbaren Klientel bezahlen, nicht vorher.)

In diesem Zusammenhang überrascht hat mich der neue Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Anstatt die Lobby-Politik der eigenen Partei fortzusetzen und die Atomkraft in den Himmel zu loben (sowie fälschlicherweise als billig und CO2-frei anzupreisen) , bezeichnet er die Atomenergie als Brückentechnologie und fordert dementsprechend eine Abwendung von der Kernenergie, hin zu alternativen und erneuerbaren Energien. Zwar propagiert er auch die Verlängerung der Laufzeiten, aber plädiert- sehr ungewöhnlich für seine Partei - für ein Ende nach vierzig Jahren. Als Grund gibt er unter anderem an, dass die Entsorgung des Atommülls noch immer ungeklärt ist und Atomstrom in der Bevölkerung noch immer auf keine hinreichende Akzeptanz stößt.
Für diese absolute Abkehr von der Kernenergie, zumindest für CDU-Verhältnisse, erntete er gleich Kritik von Unions-Fraktionsvizechef Michael Fuchs, der von Steuerverschwendung beim stillegen funktionsfähiger AKWs zugunsten von Vogelshreddern (in seiner Welt sind damit Windkraftanlagen gemeint) und Subventionsgräbern (in seiner Welt sind das nicht die Atomkraftwerke, sondern Solarkraftanlagen) sprach.
Der außenpolitische Sprecher der Union, Philip Mißfelder, geht da noch einen Schritt weiter und sagt: "Angesichts einer international gegenläufigen Bewegung verliert ein deutscher Alleingang in Sachen Kernenergie mehr und mehr an Logik."

...sacken lassen.

Wollen wir diese Aussagen doch mal analysieren.
Konkreter, vertraglich festgelegter Atomausstiegszeitpunkt ist 2020, für alle existierenden Kraftwerke auf deutschem Boden. Kraftwerke wie Biblis, das älteste AKW auf deutschem Boden, sollten mittlerweile längst abgestellt sein.
Nun kommt Herr Röttgen daher und verpackt seine Laufzeitverlängerung der Kraftwerke auf vierzig Jahre mit den schönklingenden Worten, dass die Brückentechnologie wegen der ungeklärten Atommüllfrage und der geringen Akzeptanz halt weichen muss. Für einen CDU-Mann ist das schon ein enorm mutiger Vorstoß. Allerdings schiebt auch Röttgen damit den Ausstieg nur vor sich her und lässt Tür und Tor offen für den Laufzeitenhandel. Beinahe kommt der Verdacht auf, die Union versuche sich auf diese Weise vor der NRW-Wahl im Mai noch einmal als Atomkraftausstiegspartei zu positionieren. Und nach der Wahl die Sintflut.

Anscheinend hat Michael Fuchs bei der entsprechenden Besprechung nicht zugehört, sonst würde er nicht Laufzeitverlängerungen "nach internationalem Vorbild" auf sechzig Jahre fordern, und die Alternativen Windkraft und Solarenergie mit markigen, herabwürdigenden Schimpfwörtern belegen. Und anscheinend ist es ihm egal, dass Atomkraft zweimal bezahlt wird: Einmal an der Steckdose, und einmal durch enorme steuerliche Subventionen.
Nebenbei gesagt, hat er allerdings auch keine Idee, wo der Atommüll hin soll.

Auch Philip Mißfelder war an dem Tag anscheinend nicht da, sonst hätte er nicht einen derart dummen Satz gesagt wie jenen, in dem er auf den internationalen Trend pocht.
Alle anderen Kinder springen von der Brücke, also müssen wir das auch? Ich bitte Sie, Herr Mißfelder, wir sind ein Land der Innovationen. Wenn wir als große Industrienation als erste ohne Atomstrom auskommen und aufhören, extrem heißen radioaktiven Müll zu produzieren, nehmen wir auf den Technologiesektionen der erneuerbaren Energien eine Vorreiterstellung ein, die sich gewaschen hat. Vollbeschäftigung und Milliardeneinnahmen an Steuern sind die Folge, je weiter wir diese Vorreiterstellung ausbauen können. Aber Ihnen ist es ja lieber, die teure und problematische Kernkraft zu betreiben, den großen Energiekonzernen Subventionen zu zahlen und weiter mit dem Atommüllproblem zu kämpfen. Nämlich weil alle anderen es auch tun. Was für eine schwache Aussage.


Ich treffe jetzt mal eine meiner seltenen Prognosen. Und ich bin sehr gespannt ob sie eintritt.
Nach den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen wird, egal ob die CDU gewinnt oder verliert, Kanzlerin Angela Merkel einerseits von der Atomkraft nicht mehr als "Brückentechnologie" sprechen und sich andererseits auf eine Laufzeit von vierzig Jahren einschießen - mit der Option, sichere Kraftwerke nach eingehender Prüfung weiter laufen zu lassen, solange sie sicher bleiben.
Eigentlich keine Prognose, sondern eine simple Extrapolation. CDU halt.

Edit am 14.02.: Tagesschau.de berichtet ohne jede Wertung von der harschen Kritik, der Umweltminister Röttgen für seinen Vorstoß ausgesetzt ist - und verbreitet damit weiterhin die Mär vom billigen Atomstrom.
Dennoch, ein Gutes hat es: Je mehr die schwarzen Umwelt- und Wirtschaftsminister Röttgen in die Enge treiben, desto mehr muss er Farbe bekennen. Sein Rücktritt wäre der erste Riss in der Fassade der Koalition. Allerdings würde dann niemand mehr behaupten können, Schwarz-Gelb wolle den Atomausstieg, nur halt später als Rot-Grün.

Freitag, 5. Februar 2010

6 vor 9 ist mein Ding.

Alle, die regelmäßig meinen Blog aufsuchen, um meine recht häufigen Einträge zu lesen - ja, ich rede von Euch dreien - wissen, dass ich ein regelmäßiger Leser auf Bildblog.de bin, der nicht nur Bild kritisierenden Blogseite. Dort verfolge ich dankbar die tägliche Rubrik 6 vor 9, in der sechs aktuelle Internetlinks vorgestellt werden, die von medialem Interesse sind. Einige meiner Blog-Einträge basieren auf diesen Links, und haben schon die eine oder andere Reaktion erzeugt. *seufz*

Heute möchte ich wieder auf Bildblog und 6 vor 9 eingehen, allerdings ohne einen großen Blogeintrag drum herum zu schreiben. Zwei Themen haben es mir heute angetan.

1) Die Geschichte um eine Verwechslung. Wie aus Hörensagen und einem Facebook-Diebstahl aus Neda Agha-Soltan Neda Soltani wurde - und wie vehement die Massen ihrer eigentlichen "Heldin" zugunsten der fehlerhaften Verbreitung von Soltanis Foto die Gefolgschaft verweigerten.
Als Blogger, der sich zumindest bemüht, etwas zu recherchieren und bei den Fakten zu bleiben, möchte ich der armen Frau Neda Soltani auf diese Weise helfen, indem ich den Link zu ihrer Geschichte verbreite - und damit Neda Agha-Soltan endlich zu ihrem Recht kommt.

2) Ein Standard-Vertrag für Laiendarsteller in einer gewissen Real Live-Soap, nennen wir sie "Schluss mit Hotel Mama". Oder: "Wie Dir nichts außer der Unterhose bleibt. Ach nee, das Muster gefällt uns, die wollen wir auch."
Da frage ich mich wirklich, ob das die Konsumenten dieser Serien nicht zu Mittätern macht...

Donnerstag, 4. Februar 2010

Raider heißt jetzt Twix - und Nacktscanner heißen jetzt Körperscanner, sonst ändert sich nix!

Ehrlich gesagt war ich schon etwas verwundert, als ich heute die LDZ aufschlug, die Tageszeitung meines Vertrauens. Allerdings hat es bis eben gedauert, bis ich dahinter kam, was mich störte.
Im Artikel kamen ein Sicherheitsbeauftragter des Frankfurter Flughafens und der Innensenator Hamburgs, Christoph Althaus, zu Wort, die den Einsatz von Nacktscannern erheblich befürworteten. Das hat eigentlich schon gereicht, um genügend Stoff für meinen Blog her zu geben.
Dann aber fiel mir auf, dass das einschlägige Jargonwort "Nacktscanner" im Artikel vollkommen vermieden wurde. Dieses - zugegeben - sehr negative Wort für die neue Sicherheitstechnologie soll also genauso aus der Diskussion verschwinden wie dazumal Raider, oder in der neueren Zeit das Wort Schweinegrippe?
Vielleicht hat Twix sich für die leckeren Keks-Karamell-Schokoriegel durchgesetzt. Schweinegrippe wurde in den Medien jedoch nur äußerst selten H1N1, Neue Grippe, Mexikanische Grippe oder Nordamerikanische Grippe genannt. Ebenso wenig wird sich "Körperscanner" für den Begriff "Nacktscanner" durchsetzen. Und damit ist die Problematik bereits auf den Punkt gebracht.
Während die Flughafensicherheit und Herr Althaus die neue Technologie unbedingt wollen - leider kann ich nicht auf ein Printmedium verlinken - und die Zeitersparnis loben, betonen die Kritiker immer noch den Angriff auf die Menschenwürde, der mit dieser Technologie in Kauf genommen wird. Der Bundestagsdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sagt dazu: "Ich habe bisher noch kein Gerät gesehen, das die Persönlichkeitsrechte wahrt."
Unser Innenminister in Niedersachsen, Herr Schünemann, bläst jedoch in ein anderes Horn. In einem Focus-Artikel fordert er zwar zuerst, dass die Profilsuche (wie am israelischen Flughafen Tel Aviv üblich und höchst erfolgreich - Anm. d. Autors) vor der Nacktscannertechnologie stehen müsse, betont aber, dass ein Nacktscan nicht so ehrverletzend sei wie z.B. die am Flughafen übliche Leibesvisite oder gar die Fälle, in denen sich Passagier ganz entkleiden müssten.
Zugegeben, in dem Punkt hat Herr Schünemann Recht - aber er unterschlägt, dass für das Entkleiden ein konkreter Verdachtsfall vorliegen muss.

Fazit: Tolle Idee, der Scannertechnologie ein besseres Image als Heilsbringer zu verpassen, ihren Namen auf etwas weniger anrüchiges ändern zu wollen und die Sicherheit in den Vordergrund zu stellen.
ABER die Diskussion geht in die vollkommen falsche Richtung. Denn wir wissen ja spätestens seit der Markus Lanz-Sendung zum Thema, dass die neue Technologie ein Totalversager ist.
Und selbst wenn sie so sehr verfeinert wird, dass sie tatsächlich auch auf die Haut geklebte Zünder entdeckt - wer hindert die Terroristen daran, ihr Handwerkszeug im Körper zu tragen?
Das wäre dann Terrorismus für'n Arsch, zugegeben. Aber effektiv.
Also, die Technologie FUNKTIONIERT einfach NICHT. Dafür Milliarden auszugeben, um den Flughafenbetreibern Absolution für vollständige Sicherheit zu erteilen und den Fluggästen eine Placebo-Sicherheit zu bieten, halte ich für vollkommen übertrieben.
Es gibt weitaus bessere Ansätze, und die kosten nicht einmal einen Bruchteil dessen was diese Unsinnskabinen kosten sollen.
Und wie wir ja alle wissen: Auch im Falle unseres verhinderten nigerianischen Selbstmordbombers hat die Nacktscannertechnologie komplett versagt. Denn der niederländische Flughafen Schiphol, von dem er gestartet ist, hat bereits fünfzehn Nacktscanner im Einsatz. Leider ist der ursprüngliche, von mir in einem früheren Blog-Eintrag gesetzte Link zum entsprechenden Artikel mittlerweile tot, aber die Süddeutsche Zeitung berichtete bereits 2008 über die Nacktscanner, die auf Schiphol im Einsatz sind - und der Link ist nicht gelöscht.

Ich kann es nicht oft genug sagen: Sprengstoffdetektoren sind weit sinnvoller als Nacktscanner, denn die finden auch eine Bombe, die im wahrsten Sinn des Wortes für den Arsch ist.

Dienstag, 2. Februar 2010

Bankgeheimnisse für Fortgeschrittene

Willkommen, meine Schüler. Heute wird Euch der große Shifu Ace ein Gleichnis erzählen. Es handelt von zwei Orten, an dem ein und dieselbe Sache unterschiedlich behandelt wird - weil es unterschiedliche Erträge bringt. Es geht um die Sicht der Dinge - und darum, dass es selbst bei banalen Dingen unendlich viele Ansichten geben kann und auch gibt.
Aber fangen wir einfach mal an.

Nehmen wir einen Staat. Er ist klein, er ist abgeschieden und er ist wehrhaft. Diese Wehrhaftigkeit ist der große Stolz des kleinen Staates. Seit ein paar Jahrhunderten steht er alleine, und so will er es auch. Er spielt nicht bei den vermeintlich "Großen" mit, und bisher ist er damit gut gefahren.
Durch dieses Verhalten, diesen Kodex, diese Einstellung, kann sich unser Staat aller Privilegien erfreuen, die er sich zuteilt. Wer sollte ihn auch kontrollieren? Im Gegenteil, seine neutrale Haltung führt eher noch dazu, dass man solche Kontrollen unterlässt, oder ihm in internationalen Verträgen sogar Vergünstigungen einräumt, die andere Staaten nicht bekommen.
Eines seiner größten Staatsschätze ist das Bankgeheimnis. Es ist absolut, dieses Bankgeheimnis. Der Staat sagt, dass jeder Euro, jeder Dollar, jede Rupie und jede Franke, der auf eine seiner Banken eingezahlt wird, absolut vertraulich behandelt wird. Und dieses Versprechen verteidigt er mit Zähnen und Klauen. Von der Oma, die in diesem Staat ihre Spargroschen einlagert, über den Terrorist, der hier seinen Auslandsfond unterhält, bis hin zum Steuerhinterzieher - das Geld dieser Leute ist sicher auf den Banken des Staates, da er niemandem Rechenschaft schuldig ist.
Deshalb hat dieser Staat im Thema Bankensicherheit und Verschwiegenheit einen sehr guten Ruf, und wird von Menschen und Firmen aus der ganzen Welt in Anspruch genommen. Das macht das Bankenwesen nicht nur zu einem höchst wichtigen Wirtschaftszweig, sondern auch zu einer enormen Einnahmequelle. Denn selbstverständlich verschließen die Banken das Geld nicht in ihren unterirdischen Tresoren, sondern lassen es arbeiten, zum Beispiel indem die Geldinstitute das Geld gegen Zinsen weiter verleihen. Das bringt Gewinn. Ein Teil des Gewinns geht an den Kunden der Bank, ein anderer an den Staat, und den klitzekleinen Rest streicht die Bank selbst ein. Eigentlich eine schöne Sache, möchte man denken, und allen geht es gut dabei. Was ist also dagegen zu sagen, dass dieser Staat sein Bankgeheimnis so sehr schützt? Das hat immerhin etwas mit Integrität, Würde und Aufrichtigkeit zu tun.
Wir werden sehen.

Dieser Staat hat einen Nachbarn. Einen recht unruhigen Nachbarn aus Sicht des ersten Staates, denn als er schon lange gegründet war, da gab es diesen Nachbarn noch nicht einmal. In letzter Zeit jedoch machte der Nachbarstaat Furore. Erhöhte seine Einwohnerzahl um ein Drittel, vergrößerte sich auf völlig legalem Wege beachtlich, wuchs allgemein gegen den Welt-Trend und kämpfte die letzten drei Jahrzehnte meist erfolgreich um den Titel Exportweltmeister. Eigentlich, so möchte man meinen, ginge es dem Nachbarn recht gut. Dabei hat der Exportweltmeister ein kleines Problem: Er verlangt von seinen Bürgern, wenn sie Profite machen, einen Teil vom Kuchen. Immerhin stellt er ein Land zur Verfügung, eine Infrastruktur, verschiedene Medien und Gremien, Judikative, Exekutive, Legislative und versucht auch sonst, all seinen Bürgern ein gutes Leben zu ermöglichen. Diese Sachen, von der Autobahn bis zur Kostenerstattung für Ehrenämter, müssen bezahlt werden.
Okay, mag man sich denken, wenn zum Beispiel der reiche Onkel Paul seine Million Euro nicht in der Matratze aufbewahrt, sondern einer Bank leiht, damit die daraus noch mehr Geld macht, dann darf der Staat doch ruhig seinen Anteil davon haben. Er nimmt ja nicht alles weg, nur einen kleinen Teil. Doch der Exportweltmeister hat diese Rechnung ohne Onkel Paul gemacht - und natürlich unseren freundlichen Staat mit dem Bankgeheimnis. Denn in dessen Banken kriegt Onkel Paul auch Zinsen auf sein Geld - und dass er Steuern zahlen muss, merkt er gar nicht. Im Endeffekt aber verdient er an den Zinsen im Nachbarland mehr als wenn er in einer Bank des Exportweltmeisters investieren würde. Was macht also Onkel Paul? Er fliegt ins Ausland, zu unserem freundlichen Staat, eröffnet ein Konto und zahlt seine Million darauf ein. Da freut sich die Bank natürlich, weil sie nun eine Million mehr hat, mit der sie arbeiten und an der sie verdienen kann - auch wenn sie Onkel Paul nun Zinsen zahlen muss.
Auch der Onkel Paul freut sich, denn einerseits kriegt er ja nichts von den Steuern mit, die er im Bankenstaat zahlen muss, und andererseits hat er mehr raus als hierzulande. Und er umgeht so auch die lästige Zinssteuer.
Die Sache hat nur einen kleinen Haken: Der Exportweltmeister hat genau gesehen, dass Onkel Paul die Million im Inland verdient hat, und er findet, das sie an Onkel Pauls Zinsen mitverdienten sollte, genau wie an allen anderen Zinsen, die von den Banken im Inland ausgezahlt werden. Immerhin, die ganzen Straßen, Sozialversicherungsleistungen und die Bundeswehr unterhalten sich ja nicht von allein. Doch das ist Onkel Paul egal, denn es kann ihm ja niemand beweisen, das seine Million im Bankenstaat liegt. Stattdessen braucht er nicht einmal zu behaupten, er hätte das Geld durchgebracht. Dass dadurch vielleicht Waisenhäuser geschlossen werden müssen, und Straßen nicht mehr repariert werden, das ist Onkel Paul egal. Auf die paar Kröten kann der Staat auch verzichten, denkt er sich. Und ist es seine Schuld, das es ganz, ganz viele Onkel Pauls im Exportweltmeisterland gibt, die alle denken, das Steuern zahlen böse ist - vor allem für sie?

Nun geschieht aber etwas ganz schreckliches: Im Bankenstaat arbeitet ein ganz unfreundlicher Zeitgenosse mit diesen Bankdaten aus dem Land mit dem Exportweltmeister, und er sieht ganz deutlich all die Onkel Pauls, die da ihr ganzes Geld am Staat vorbei drücken. Und da er es satt hat, immer nur fremde Millionen umher zu schieben, beschließt er, kriminell zu werden. Richtig, er klaut einfach mal alle Informationen, welche die Bank über ihre internationalen Kunden hat. Und damit ist das Bankgeheimnis für den Arsch.
Diese Bankdaten bietet der Frechdachs nun dem Exportweltmeister für ein paar läppische Milliönchen an, und ein paar Testdaten, die er als Lockmittel heraus gegeben hat, verschaffen dem Staat schon mal das Doppelte an Steuernachzahlungen als der freche junge Mann aus dem Bankenstaat haben will. Klingt ja eigentlich nach einem guten Geschäft.
Aber für unseren kleinen, freien und selbstbewussten Staat ist das natürlich eine Katastrophe: Wo kommen wir denn dahin, wenn alle Welt wüsste, wer bei ihnen welche Bank benutzt um mit wie viel Geld in seinem Heimatland Steuern zu hinterziehen? Wo kommen wir denn dahin, wenn all diese Kunden ihre Milliarden abziehen, um in Zukunft brav Zuhause zu investieren und Steuern bezahlen wie die normalen Bürger auch?
Das sagt der Bankenstaat natürlich nicht, denn wenn er es so formuliert, dann klingt es ja so, als würde er einerseits illegale Aktivitäten beschützen wollen, die nur bei ihm nicht illegal sind, und andererseits es ihm nur um die vielen Milliarden Euro geht, mit denen seine Banken arbeiten können und von denen sie Steuern zahlen.
Darum werfen sie dem Nachbarstaat, also dem Exportweltmeister, auch prompt vor, er würde nicht als Rechtsstaat handeln, weil die Bankdaten ja geklaut sind. Und ein Staat, der geklaute Bankdaten kauft, um im eigenen Land seine eigenen Staatsbürger der Steuerhinterziehung zu überführen, das ist ein Hehler.
Und so plustert sich der kleine Bankenstaat gewaltig auf, droht mit Konsequenzen in den guten Beziehungen und bestellt vielleicht sogar den Botschafter vom Exportweltmeister ein, um sich zu beschweren: Das ist doch alles nicht Rechtsstaatlich.
Vor Gericht zieht er allerdings nicht, um den Nachbarn zu hindern, die Daten zu kaufen. Und damit hat er wahrscheinlich Recht, denn das Gericht könnte gegen ihn entscheiden. Dann lieber Stimmung machen, gegen die Moral des Exportweltmeisters wettern und mit viel Geschrei und dem Vorwurf der Hehlerei davon ablenken, das es ja gar nicht um den Rechtsstaat geht - es geht um Geld. Viel Geld. Verdammt viel Geld. Und wenn der Staat auch nur einmal den Handel mit geklauten Bankdaten einreißen lässt, und zulässt das seine Kunden im Heimatland vollkommen legal der Steuerhinterziehung überführt werden, dann... Dann weichen seine Kunden womöglich noch auf andere kleine, stolze, unabhängige Staaten aus, die auch ein Bankgeheimnis haben, und wo die Mitarbeiter noch keine Daten geklaut haben, um sie den anderen Staaten zu verkaufen. Die Cayman-Inseln, zum Beispiel. Das ist dann ganz, ganz schlecht für den Bankenstaat, dem so eine riesige Einnahmequelle verloren geht, weil die ganzen Onkel Pauls nicht mehr zu ihnen kommen.
Ja, ja, Onkel Paul hat bei der Geschichte übrigens nichts gelernt. Er ist immer noch der Meinung, das er von seinen Zinsen nichts an den Staat, in dem er lebt, abgeben sollte. Also nimmt er seine nächste Million und bringt sie... Nicht in den Bankenstaat, denn da ist ja das Geheimnis um sein Vermögen, für das er keine Steuern zahlt, nicht mehr sicher. Stattdessen macht er dann wohl mal einen Ausflug in die Karibik.

Was ist die große Weisheit hinter diesem Gleichnis? Minus und Minus ergibt leider nur in der Mathematik Plus. In unserem Fall jedoch ist es tatsächlich unmoralisch, ja, illegal, die geklauten Bankdaten zu kaufen, um Steuersünder im eigenen Land zu überführen.
Andererseits ist es noch unmoralischer, ein Bankenwesen zu unterhalten und zu fördern, das auf diese Kunden abzielt, das rund um das Erfolgsmodell der Steuerhinterziehung aufgebaut ist. Das so weit geht, dass sogar der Staat protestiert, wenn einer einzigen Bank ein paar tausend vertraulicher Datensätze verloren gehen.

Letztendlich entstehen damit allen, außer dem Bankenstaat, Nachteile. Zum Beispiel neulich, als der Bankenstaat nach sechzig Jahren endlich dazu gezwungen werden konnte, die Vermögenswerte von im Krieg getöteten Juden deren rechtlichen Erben offen zu legen. Bis dato war das Geld weiter verwaltet worden, war mit den Zinsen Geld verdient worden. Eine sichere Angelegenheit, wenn man einerseits den Erben die Einsicht verweigern konnte - womöglich heben sie das Geld noch ab - und man andererseits ziemlich sicher sein kann, dass die Kontobesitzer nicht wieder kommen werden. Bei wie vielen Steuerhinterziehern ist das auch schon passiert, ohne das die Banken im Bankenstaat sich bemüßigt sahen, die Erben über das Konto des toten Onkel Paul aufzuklären?
Man sollte schon ein einigermaßen reines Gewissen haben, bevor man mit dem Finger auf andere zeigt, mein lieber Bankenstaat.