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Mittwoch, 17. Juli 2013

Die Abschaltung von konventionellen Kraftwerken ist was?

Die Welt ist merkwürdig, finde ich. Zumindest, wenn man versucht, sie von der Warte eines Stromkonzerns in Deutschland zu sehen. Es gibt vier große Stromerzeuger in Deutschland, die wohl jeder kennt oder deren Namen man gehört hat: eOn, Vattenfall, EnBW und RWW. Diese vier Riesen stehen mittleren Betrieben gegenüber und dezentralen Versorgern, die ich unter "Stadtwerke" zusammenfassen möchte. Noch kleiner sind natürlich die bürgerlichen Genossenschaften, die in einem gemeinsamen Aufwand, ja, Kraftaufwand, Windenergie-, und Solarenergieprojekte aufgezogen haben.
Nun gab es ein Ereignis, nämlich im Jahr 2002, das Atomgesetz in der Novellierung von 2002, das den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie bis 2011 vorsah. Richtig, das wäre vor zwei Jahren gewesen.
Dann geschah das, worauf die Stromkonzerne eventuell gehofft haben: 2009 gewann Schwarz-Gelb, und es kam zur Novellierung von 2010, welche den Atomstrombetreibern großzügige Verlängerungen der Laufzeiten von bis zu vierzig Jahren gewährte... So mancher Heißsporn der Atomlobby wollte einige Kraftwerke sogar sechzig Jahre laufen lassen. Mit Absegnung von Mama Merkel.
Dann war das Touhoku-Erdbeben mit einer Stärke von 9.1 in Japan, mit anschließender, riesiger Tsunami, die in Japan alleine fast fünfhundert Quadratkilometer Landfläche überspülte, also Meilenweit ins Landesinnere eindrang. Die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi kann angesichts dieser Tragödie nahezu vernachlässigt betrachtet werden, obwohl noch immer in dreißig Kilometer Umkreis rund um die havarierten sechs Blöcke des Kraftwerks mit der Radioaktivität und diversen radioaktiven Isotopen von z.B. Iod, Strontium und Cäsium nicht gerade gut Kirschen essen ist. Grund genug für Mama Merkel, nun um einhundertachtzig Grad zu drehen und das Atomgesetz 2011 erneut zu novellieren. Nun sollte die Kernkraftwerksindustrie in Deutschland nach einem Moratorium doch abgehandelt werden, und zwar bis 2022.
...sacken lassen.

Ich erinnere mich gut daran, wie hoch die Wellen der Debatte geschlagen waren: Deutschland drohe der Blackout, es scheine ja nicht den ganzen Tag die Sonne, erneuerbare Energien könnten nicht genug Strom liefern, einzig Atomkraftwerke laufen immer (solange es genug Wasser zur Kühlung gibt, wohlgemerkt), und, und, und. Nun laufen genau zu dieser Zeit neun Reaktorblöcke, wobei manche Standorte mehrere Reaktoren vorhalten, und dazu acht weitere Blöcke in Nichtleistungsbetrieb.
Tatsächlich gibt es so viel Strom, dass die Großen Vier lautstark darüber nachdenken, unrentable Kohle-, und Gaskraftwerke abzuschalten. Weil mehr Strom da ist, als gebraucht wird.
...sacken lassen.

Okay, ist schon klar, was die Stromkonzerne hier versuchen. Sie machen drauf aufmerksam, dass die Kraftwerke nicht rentabel sind und hoffen darauf, dass die Bundesregierung sie anweist, diese trotzdem in Reserve zu halten - was ihnen natürlich großzügig vergütet werden würde. Um die Netzstabilität zu gewährleisten, hieß es ja noch im Winter 2011, man müsse mindestens ein Kernkraftwerk in Reserve halten. Davon sprechen die Energiekonzerne heute nicht mehr.
Stattdessen wollen sie auf Staatskosten die Strommenge weiter reduzieren, die in Deutschland produziert wird.

Fazit: Tja, was haben wir hier also? Ich will mit meiner schlimmsten Befürchtung gleich ins Haus fallen: Deutschland hat all die Jahre viel zu viel Strom produziert. Sehr viel mehr als wir brauchen. Entweder wurden die Ausbauraten von erneuerbaren Energien hoffnungslos unterschätzt (wobei ich eines nicht verstehe: Wenn einer konstanten Nachfrage ein höheres Angebot gegenübersteht, sinkt der Preis für die Ware - warum geben die Stromkonzerne das nicht an den Endverbraucher weiter?), oder aber Deutschland - laut dieser Seite zahlen wir mit deutlichem Abstand den zweithöchsten Strompreis Europas mit 25,9 Euro pro 100Kw - produziert nicht nur zuviel Strom, sondern finanziert den Stromkonzernen den Export des Stroms ins europäische Ausland, wo er natürlich noch einmal bezahlt wird... Und das noch immer, denn, wie gesagt, die Großen Vier wollen ja weitere Kapazitäten abschalten, weil mehr als genug Strom zur Verfügung ist.
Und btw, die erneuerbaren Energien sind laut diesem Interview übrigens deutlich günstiger als Atomstrom...

Freitag, 30. November 2012

Wind of Change

Seit einiger Zeit verfolge ich die derzeitige Debatte um Offshore-Windparks, Windenergie, EE-Umlage, Trassenverlängerung, und, und, und. Der Konsens, den unsere uninformierten oder meinetwegen gleichgeschalteten Zeitungen und Medien dazu bringen ist: Der Verbraucher muss zahlen. Ich frage mich, wieso.Immer wieder blitzt in der Debatte um den Strom auf, das Windparks zwangsabgeschaltet werden müssen und das jemand die Windparkbesitzer für den Verdienstausfall entschädigen muss. Ab hier setzt mein eigenes Denken ein, und ich frage: Wieso?

Tatsache ist, das es auch in Deutschland nur eine begrenzte Zahl an Verbrauchern gibt. Tatsache ist, das wir ins europäische Stromnetz einspeisen. Tatsache ist, dieses Netz verträgt bei Verbrauchern auf einer Seite und Produzenten auf anderer Seite nur eine gewisse Menge produzierten Strom, und das bedeutet, dass im Ernstfall Stromkraftwerke hinzu-, oder abgeschaltet werden müssen, um das Netz zu stabilisieren.
...sacken lassen.

Worauf will ich hinaus? Nun, Deutschland hat die höchsten Strompreise in Europa, und dabei ist die versteckte Subvention der Atomenergie NICHT mit eingerechnet, denn die erfolgt über Zahlungen der Bundesregierung, nicht über den Strompreis.
Deutschland produziert auch mehr Strom, als es eigentlich verbrauchen kann und exportiert Überschüsse ins Ausland. Selbst im Zeitalter abgeschalteter Atomkraftwerke.
Fazit: Wir haben mehr Strom, als wir verbrauchen können.
...sacken lassen.

Nun macht aber auch eine andere Information die Runde. An der Strombörse, wo sich die Produzenten von Strom ihre Stromnutzungsmengen zuschieben, ist der Strompreis schon lange gesunken, aber an den Verbraucher wird nichts weitergegeben. Im Gegenteil, er soll mehr bezahlen, und auch noch über den Strompreis die Subvention der Erneuerbaren Energien und den Ausbau des Stromnetzes tragen.
...sacken lassen.

Also, ich fasse zusammen: Deutschland hat mehr Strom, als es benötigt. Deutschland trägt dazu bei, das europäische Stromnetz zu stabilisieren, indem es seine Überschüsse weitergibt. Selbst nachdem etliche KKW abgeschaltet wurden, haben wir mehr als genügend Strom. In einem normalen Markt, der sich selbst reguliert, würde das bedeuten, das der Strompreis fällt. Ein höheres Angebot als Nachfrage bedeutet automatisch Preiskampf der Anbieter und bessere Preise für den Endverbraucher. Warum geschieht das nicht in Deutschland? Nun, einerseits, weil die derzeitige Bundesregierung ihr Bestes tut, wieder mal etwas als "alternativlos" zu verkaufen, und andererseits, weil die großen vier Energiekonzerne in Deutschland, E.ON, Vattenfall, EnBW und RWE ein sogenanntes Oligopol bilden; sie beherrschen zu viert den Strommarkt in Deutschland und diktieren die Preise. Klar gibt es viele kleine Anbieter, Stadtstromwerke und ausländische Anbieter, oder einfach nur Firmen, die große Kontingente Strom kaufen, ohne ihn zu produzieren, um ihn günstig an Endverbraucher abrechnen zu lassen, Yello zum Beispiel. Der Strom ist dabei übrigens IMMER der Gleiche. Unterschiedlich ist nur der Preis. Nun gibt es in Deutschland keine große Wechselmentalität beim Stromanbieter. Die großen Vier können sich einigermaßen zuverlässig darauf verlassen, dass ein Stromkunde zeitlebens bei ihnen bleibt. So kann man natürlich sehr gut und sehr bequem Geld verdienen. Und durch den Aufkauf örtlicher Versorger lässt sich das Oligopol gut weiter ausbauen. Ihr könnt Euch sicher meine Überraschung vorstellen, als ich erfuhr, dass das Überlandwerk Leinetal, mein Versorger, mittlerweile mehrheitlich E.ON gehört. Ich wette, die meisten Stromkunden der ÜWL wissen das nicht und halten damit E.ON aus falsch verstandener Loyalität zu ÜWL die Stange.

Nun gibt es noch einen Punkt, der an mir nagt. Sieben Kernkraftwerke, aber elf Reaktoren wurden vom Netz genommen und sollen es auch bleiben. Für elf Reaktoren wird man in Zukunft keine Uran-Brennstäbe mehr kaufen müssen; für den Strom aus elf Reaktoren muss keine versteckte Subvention mehr fließen; für elf Reaktoren müssen keine Brennstäbe mehr in La Hague aufgearbeitet und kein Atommüll entsorgt werden. Für elf Reaktoren muss kein Strom bezahlt werden! Und? Wieso sinkt der Strompreis dann nicht, wenn genügend Strom da ist, und die Subventionsmaschinen eigentlich im Rückbau sein müssten? Weil die großen Vier es so wollen. Und weil die Bundesregierung das deckelt. Ich bin sicher, ein "Spezialist" kann mir in großen Worten und farbigen Schilderungen gut erklären, warum das so ist und so sein muss und so bleiben muss. Einerseits, ich verstehe es trotzdem nicht. Die Betriebskosten für elf Reaktoren fallen weg. Puff. Die Kosten für den Strom, den sie produziert haben, fallen weg. Bleiben noch die Kosten für die Mitarbeiter und den Rückbau (den die Betreiber zurückzulegen staatlich verpflichtet sind). Nichts.
Stattdessen bombardieren uns alle Zeitungen damit, dass die Preiserhöhung kommt... Definitiv. Und sie sagen uns auch, dass der böse Wechsel zu erneuerbaren Energien schuld ist.
...sacken lassen.

Da bleibt eigentlich nur eines: Die Macht des Oligopols brechen. Und das geht nur mit einem Anbieterwechsel. Nur wenn eine große Gruppe Personen von den großen Anbietern zu den Abrechnern wechselt, um Stromkosten zu sparen, wird sich auch der Strompreis für alle anderen bewegen. Klar, es gibt viele Tarife, viele Anbieter, es ist alles so unübersichtlich. Und es ist so bequem, einfach bei dem zu bleiben, was aus meiner Steckdose kommt, und dann warnen die Zeitungen auch immer über unseriöse Geschäftspraktiken der anderen Stromanbieter...
Aber mal ganz ehrlich, in unseren Zeiten, kann man sich da Bequemlichkeit noch leisten? Ein Wechsel könnte durchaus das wettmachen, was uns bei den großen Vier auf den Strompreis aufgeschlagen werden soll, eventuell erheblich mehr. Auch hier gibt es Preisvergleich-Websites und Tarif-Vergleiche. Klar muss man ab sofort ein wenig mitdenken, anstatt wie gewohnt immer mit dem gleichen alten Anbieter abzurechnen. Aber ganz, ganz ehrlich: Zahlt Ihr lieber mehr, und das freiwillig, nachdem Ihr wie unmündige Kinder genasführt wurdet? Dann soll das wohl so sein.
Ich werde jedenfalls bei der nächsten Vertragsverlängerung zuerst mal die Tarifseiten im Web konsultieren, bevor ich mich wieder auf E.ON einlasse. Garantiert. Auf das der Strompreis fallen möge.

Und wisst Ihr, liebe Leser, was das Ironische an der Geschichte ist? Abgesehen davon, das wir Verbraucher durch Energiespar-Modi an Haushaltsgeräten, Energiesparlampen und vieles mehr Strom einsparen und deshalb eigentlich weniger als mehr für Strom bezahlen müssten: Strom wird in Deutschland subventioniert. Nicht für den Verbraucher, sondern für die Produzenten und die Industrie. Dabei gibt es mehr zivile Verbraucher als geschäftliche... Wirklich, der einzige Ausweg ist ein Anbieterwechsel.