Dienstag, 9. Februar 2010

Obama vs. Palin. Palin?

Ja, ja. Da ist der gute Barack Hussein Obama gerade mal ein geschlagenes Jahr im Amt, und schon versuchen die Republikaner, die rechten Medien, die wirklich miesen Verlierer bei Fox TV und sogar das eine oder andere Presseprodukt bei uns, dem beliebten Präsidenten das regieren madig zu machen.
Haben die Leute ihm nicht zugehört? Er hat ja nun nicht gerade verschwiegen, dass es schwer werden würde, den Trümmerhaufen wieder zu kitten, den Dubia hinterlassen hat. Halten sie nichts von seinen Erfolgen sowohl bei der Popular Vote als auch bei seinem überwältigenden Überhang der Wahlmänner? Immerhin hat er nicht nur das Ausland acht Jahre Bush vergessen lassen, den Friedensnobelpreis erhalten, bevor er überhaupt die Chance hatte, mit irgend jemandem Frieden zu schließen, ein Konzept für Guantanamo, den Irak und Afghanistan erarbeitet (und musste dabei dummerweise den Konservativen mehr Zugeständnisse machen als für seine Politik gut ist), und ist auf dem besten Wege, zum ersten Mal in der amerikanischen Geschichte eine gesetzliche Krankenkasse einzuführen.
Nein, der Mann ist auch äußerst souverän. Egal ob ein ausfallender Teleprompter oder eine angreifende Fliege, der Mann bleibt sachlich, ruhig und konsequent.
Na, es wäre ja auch zu viel verlangt, von den Betonköpfen, die die Kriege ANGEFANGEN haben, die Obama jetzt aufräumen muss zu erwarten, ihm erst mal eine CHANCE zu geben, bevor sie ihn als gescheitert, unfähig und schwarz hinzustellen...

Stattdessen setzt die konservative Klientel, die in den USA durchaus mit dem Republikanern eins zu eins gleich zu setzen ist, auf einen ganz besonderen Gegner, der bereits 2008 gegen Obama den Kürzeren gezogen, Verzeihung, gegen ihn erfolgreich angetreten ist und Zweiter wurde: Die Ex-Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin.
Richtig. Genau die, die sich als "Hockey Mom" produzierte, und von richtigen Hockey Moms dafür abgestraft wurde. Die Frau, die meinte, sie hätte außenpolitische Erfahrung, weil sie "Russland von meinem Heim aus sehen kann". Was, nebenbei, geographisch unwahrscheinlich ist.
Die Frau, deren Tochter ein uneheliches Kind hat, was eigentlich alle Konservativen und Republikaner in den USA mit krebsroten Gesichtern auf die Barrikaden treiben müsste.
Die Frau, die nicht mehr Gouverneur von Alaska ist, und sich stattdessen einen hoch bezahlten Posten von Fox in der Hauptstadt hat zuschustern lassen. Der Eindruck, sie würde gegen Obama in Stellung gebracht, drängt sich geradezu auf, wenn man bedenkt, wie die Murdoch-Medien in letzter Zeit gegen ihren eigenen Präsidenten vorgegangen sind.
In diesem Zusammenhang muss man auch ihren Auftritt beim Tea Party Congress sehen, einer losen Veranstaltung konservativer (und wahrscheinlich republikanischer) Kräfte, die etwas über sechshundert Dollar für drei Tage bezahlten, nur um am letzten Tag ihre große Hoffnung reden zu hören.
Aber ausgerechnet diese große Hoffnung erlaubte sich auf der Tea Party einen Fauxpas: Sie schrieb sich Stichwörter in die Hand. Doch während The Telegraph das mit einem ungläubigen Kopfschütteln betrachtet, sieht der österreichische Standard darin sogar eine Stärke von Palin. Allerdings glaube ich, kann man da keiner geteilten Meinung sein. Im Zeitalter von Telepromptern und Post it-Zetteln ist "in die Hand schreiben" vollkommen out.

Man sollte meinen, dass Barack Obama als hart arbeitender und vom Volk unterstützter Präsident einen solchen Gegner nicht zu fürchten braucht, was ihm auch zu wünschen wäre. Aber leider wäre sie in diesem Jahrhundert bereits Nummer zwei, die einfach nur mit Medienmacht, viel Geld und von den monopolisierten, Bundesstaaten übergreifenden Medien protektiert um das Weiße Haus kämpft. Ein Nicht-Präsident im Weißen Haus reicht eigentlich. Warum wollen Leute wie Murdoch unbedingt einen zweiten? Die Antwort auf diese Frage wird wohl jeder von uns für sich selbst finden müssen.

Es gibt allerdings einen Hoffnungsschimmer bei der Geschichte: Barack Obama wurde nicht gewählt, weil er die großen Medien auf seiner Seite hatte, sondern weil seine Anhänger von Tür zu Tür gingen und für ihn warben. Weil sein Vater schwarz ist. Weil er einen Wechsel versprach und die Trümmer der Bush-Regierung weg räumen wollte. Die Chancen stehen gut, dass diese breite Basis ihn mit jedem seiner Erfolge mehr unterstützt. Zu wünschen wäre es ihm, und vor allem uns, dem "Alten Europa". Vergesst nicht, Leute, in der Nordsee ist Erdöl!

Kommentare:

Al Khidr hat gesagt…

"und schon versuchen die Republikaner"?
Die Rechtsaußen-Fraktion in den USA hat schon vom ersten Tag der neuen Präsidentschaft an eine regelrechte Menschenjagd auf Barack Obama eröffnet.
Der Mann hat sich selbst gelähmt, indem er einen überparteilichen Stil pflegen wollte, während man ihn auf breiter Front allen Ernstes als neuen Hitler diffamiert hat (buchstäblich, keine Rhetorik meinerseits).

Gods Own Party hat vor lauter Hysterie jeden Verstand verloren, und sofern deren moderater (d.h. überhaupt zurechnungsfähiger) Flügel noch nicht ausgestorben ist, wird er mit der "Verräter"-Parole von den Komplettirren (angeführt nicht mehr von Politikern sondern von Radio- und TV-Kommentatoren) als Geisel gehalten.
Die Einpeitscher wie Limbaugh und Beck tun ihr übelstes, um Joseph McCarthy wie ein Weichei wirken zu lassen; und das ganze wird nur dadurch abgemildert und ein Stück ins Komische gezogen, dass es die Verlierer sind, die das aufführen.

Aaaaber - Sarah Palin.
Sarah Palin ist wundervoll. Wie eine Kreuzung aus Silvio Berlusconi und Nina Hagen.
Der Unterhaltungswert der US-Politik war noch nie so hoch - wenn auch von der Art her gruseliger als Halloween.
Die extreme Rechte hat schon im Wahlkampf verzweifelt in Sarah Palin ihren Popstar entdeckt - und hat passend zu ihrer Lage eine Frau bekommen, die nach dem Prinzip lebt: Was die Wirklichkeit ist, bestimme ich!

Ich wollte erst schreiben: "Kreuzung aus Silvio Berlusconi und Eva Herman", aber die brave Frau Herman hat einfach nicht das wunderbar erratische und bizarre in ihrem persönlichen Stil. Palins Bilanz in abgelaufenen Jahr konnte sich glatt mit Britney Spears messen.

Aber wenn Amerika je ernsthaft auf den Punkt zu steuert, Palin zur Präsidentin zu wählen, könnten sie genausogut Alice Cooper nehmen.
Ich hoffe direkt, dass sie die Nominierung schaffen wird. Ihr Potential zur Selbstzerstörung und zum unvorhersehbaren Querschießen ist einfach verläßlich wie ein Fels.
Sarah for President!

Ace hat gesagt…

In dem Zusammenhang erinnere ich mich noch sehr gut daran, dass Barack Obama von den Republikanern wiederholt als "Sozialist" bezeichnet wurde. Das auch nur, weil selbst ihnen der Begriff "Kommunist" zu heiß war.
Und dann wurde ständig auf seinem Zweitnamen Hussein herum geritten...
Hey, Stupids, er wurde nicht nach Saddam Hussein benannt, sondern nach dem Enkel des Propheten Mohammed.
Das können selbst die Republikaner nicht verdrehen, ohne sich die halbe Welt zu vergrätzen.

Die Hetzjagd und Diffamierungskampagne in den Medien des Nachrichtenmoguls Murdoch geht derweil munter weiter, mit Falschaussagen, offener Lüge und gezielter Desinformation. Du hast das schon recht treffend beschrieben, dass "Gods Own Party vor lauter Hysterie jeden Verstand verloren hat".

Was Sarah Palin angeht: Wir hatten bereits eine kurzsichtige, politisch unbedarfte und Papageienhaft alles nachplappernde Marionette auf dem Präsidentensessel, die zu offensichtlich war, um es nicht zu merken. Eine zweite tut weder Amerika, noch der Welt gut.
Aber ich gebe Dir Recht, Palin als Präsidentin wäre ein Verbrechen an der Menschheit, als Präsidentschaftskandidatin wäre sie hingegen ein Segen, denn gerade die erzkonservative Klientel der Republikaner dürfte es schwer haben, einen weiblichen Kandidaten zu wählen, deren minderjährige Tochter ein uneheliches Kind hat.
Da kann man nur sagen: Run, Sarah, run!

Al Khidr hat gesagt…

„Und dann wurde ständig auf seinem Zweitnamen Hussein herum geritten...
Hey, Stupids, er wurde nicht nach Saddam Hussein benannt, sondern nach dem Enkel des Propheten Mohammed.“

Glaubst Du, das interessiert die Leute, die mit sowas kommen? Glaubst Du, für die besteht da überhaupt ein Unterschied? Gerade eben hat ein Senator wieder so ein „Barrack Hussein Obama“-Zitat abgelassen, und Du kannst dich da nur fragen: Ist der so blöd, oder hält der seine Wählerschaft für so blöd? Eher wohl Stammtischmentalität: die Lust, absichtlich keinen Unterschied zu machen.
(Ich warte nur noch darauf, dass sich jemand verspricht, und „Barrack Hussein Osama“ sagt, aber wahrscheinlich hat das Rush Limbaugh längst absichtlich gemacht.)

„gerade die erzkonservative Klientel der Republikaner dürfte es schwer haben, einen weiblichen Kandidaten zu wählen, deren minderjährige Tochter ein uneheliches Kind hat.“
Eben der springende Punkt bei Sarah Palin: „Was die Wirklichkeit ist, bestimme ich!“ Und ob etwas akzeptabel ist oder nicht, hängt davon ab, ob einer der Bösen oder der Guten es verbrochen hat.
„Double Standards“? You betcha!
Bei den Guten findet man immer eifrige Rechtfertigungen, weil bei denen, die Gottes Werk tun, ja nichts falsch sein kann; auch wenn man zwei Tage zuvor noch bei genau demselben Thema Schaum vor dem Mund gehabt hat.
Die glorreiche Selbstherrlichkeit der völligen Realitätsverleugnung macht gerade einen Riesenteil von Sarah Palins Appeal aus.
Wenn die Wirklichkeit nicht so ist, wie wir in unserer ideologischen Besessenheit es gerne hätten, dann ignorieren wir das einfach!
Oder so: Wenn unsere Ideologie mit der Wahrheit und Wirklichkeit unvereinbar ist, dann brauchen wir eine Emanzipationsbewegung von der Realität!
Die spannende Frage ist, wie viele Anhänger dieser absolute Infantilismus wirklich einfangen kann. Kürzlich war auf slate.com ein Kommentar genau dazu, der anmerkte, dass zu den wenigen Politikern, die gegen die infantile Illusionslust der Wähler ankämpfen, Arnold Schwarzenegger zählt.

Kein Wunder; er hat jetzt den Job, gegen das Budget von Kalifornien zu kämpfen. Kalte Dauerdusche. Palin hätte längst den Gouverneursjob an den Nagel gehängt.

Ace hat gesagt…

Das Schöne an dieser Politik der Republikaner, an der Realitätsverleugnung einer Palin ist doch eines: Sie polarisiert. Polarisiert in jene, die ihnen den Unsinn glauben, und jene, die ihre Hoffnungen noch immer mit Barry verknüpfen.
Er wurde mit einer breiten Mehrheit gewählt, sowohl was Wahlmänner als auch die Popular Vote anbelangt. Hoffen wir, dass diese Mehrheit dem Realismus zugeneigt ist. Dann hat Barry auch eine gute Chance auf eine zweite Amtsperiode.

Es wäre ihm zu wünschen (vielleicht nicht gerade seinen Kindern), es wäre Amerika zu wünschen, und vor allem wäre es uns zu wünschen: Denn in der Nordsee gibt es Erdöl...