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Dienstag, 21. Dezember 2010

Über meine Motive

Hm. Das dritte Weihnachten steht bevor, seit ich diesen Blog betreibe. Und seit Wochen habe ich einige Geschichten im Kopf, die ich gerne bloggen würde. Diese Geschichten, beziehungsweise die Erkenntnis, über was ich erzählen möchte, brachte mich zu diesem Eintrag, den ich gerade in die Tasten hämmere: Warum mache ich überhaupt was hier?

Als ich den Blog begonnen habe, sollte er sich hauptsächlich mit meinen Geschichten befassen, die ich auf Twobt.de, Battletech.info, Animexx.info und Fanfiktion.de veröffentlich habe - Fanfiction wie Eigenproduktionen. Ich wollte sie promoten und auch ein wenig über sie erzählen. Deshalb heißt dieser Blog auch Ace Kaisers Blog, und nicht Alexander Kaisers Blog, weil ich im Internet unter dem Namen Ace veröffentliche.

Wenn ich mir meinen Blog dann aber so im Nachhinein anschaue, dann stelle ich fest, dass ich von einem erzählerischen Blog über schriftstellerische Tätigkeiten etwas weit entfernt bin. Ohne es zu planen habe ich einen kritischen, einen blauäugigen, einen distanzierten, einen insiderischen, einen ehrlichen, einen unfairen Blog geschaffen, dessen Einträge von eben dieser meiner schriftstellerischen Arbeit als Fan und Hobby-Autor über viele Bereiche des öffentlichen Lebens hinweg ragt.
Ich habe über die BLÖD gewettert, wenn sie es wieder einmal zu bunt getrieben hat - und die Hemmschwelle, wann dieses "zu bunt" beginnt, ist relativ hoch, ich habe mich über Nacktscanner und ihre NICHT-Funktion ausgelassen, vor der Panik im H1N1-Fall gewarnt, mich zur Atomkraft geäußert, und war einerseits Hofschreiber für die SPD, dessen Mitglied ich bin, aber manchmal auch - und das gebe ich ehrlich zu, viel zu selten - ihr Kritiker.
Ich habe mich über viele Themen ausgelassen, von denen viele recht persönlich waren, und ich habe selten ein Fettnäpfchen ausgelassen.

Ich habe mich über Foodwatch aufgeregt, weil diese sich m.E. nur leichte Ziele aussuchen und in bester BLÖD-Manier erst einmal behaupten und dann vielleicht nie beweisen.

Ich habe über die Proteste der Rothemden in Thailand gebloggt, viele kleine Widersprüchlichkeiten im Vorfeld ignoriert anstatt ihnen nachzugehen und mich auf ihre Seite geschlagen - vor allem weil die "Gegner" der Rothemden meistens arrogante, überhebliche Biedermeyer-Mieflinge waren, die ohne Fakten, dafür mit viel abgehobener Spießigkeit geschrieben haben. Erst nach und nach machte ich mir weitere Quellen zunutze (danke, Giorgio), analysierte, bewertete und kam zu neuen Schlüssen, die einiges an meinem Bild über Thailand und die Rothemden veränderte.
Generell bin ich ein Freund von Volksbewegungen, allerdings nicht von DUMMEN Volksbewegungen. Zum Beispiel betrachte ich eine Volksbewegungen für dumm, die ihre Neuwahlen für November kriegen kann, und diese dann wieder verspielt, indem sie weitere, noch dümmere Forderungen stellt. Es ist Dezember, und ich habe noch nichts von Neuwahlen in Thailand gehört, wohl aber von einem kurzen neuen Aufflackern der Rothemd-Bewegung. Was mich doch ein wenig traurig stimmt, denn die Rothemden stehen jetzt auch für die vielen Brandstiftungen in Bangkok, die nach der Auflösung ihrer Bewegung begangen wurden. Ich war hier kurzfristig Erfüllungs- und Propagandagehilfe, der ich nie hatte sein wollen. Ich weiß nicht, ob ich in der Hinsicht genügend dazu gelernt habe, aber da ich ohnehin nicht viele Leser habe, stelle ich wohl keine Propaganda-Gefahr da.

Die Schweinegrippe, oder H1N1, was habe ich darüber nicht alles geschrieben. Da lag ich von Anfang an richtig. War aber auch nicht schwer zu erraten. Ich meine, eine neuartige Grippe, die ausgerechnet in Mexiko-Stadt nur Kinder und Jugendliche dahinrafft, muss doch jedem Menschen mit ein wenig Verstand merkwürdig vorkommen. Die Hauptstadt Mexikos liegt in einem abgeschlossenen Talkessel, hat verdammt miese Luft (die durch deutsche Projekte und Forstprogramme immerhin besser wurde)und bietet zwanzig Millionen Menschen Lebensraum. Was also kann das für eine Grippe sein, die nur junge Menschen befällt? Und das in einem engen Lebensumfeld, das beste Voraussetzungen für eine tödliche Epidemie bietet? Die einfachste Antwort habe ich damals noch nicht geahnt: Die Alten haben die Grippe nicht gekriegt, weil sie sie schon mal hatten, d.h. immun waren. Spätere Recherchen auf Youtube haben mir dann auch gezeigt, dass bereits in den Siebziger Schweinegrippe in den USA ein Thema war. Auch war mir die Zahl der Erkrankten und Toten in diesem geradezu skandalös überbevölkerten Landstrich zu gering, um selbst in Panik zu verfallen.
Was aber manche Medien nicht daran gehindert hat, Panik zu schüren.
Ich glaube, mein absoluter Höhepunkt war ein Interview mit einem Heimkehrer aus Spanien, der Zuhause in Quarantäne war. Das Reporterteam hat ihm eine Kamera bringen lassen, mit der er sich selbst filmen sollte, das Interview erfolgte per Telefon. Was bekamen wir zu sehen? Einen leicht angeschlagenen, aber voll aktiven jungen Mann in Jeans und Pullover, der nicht besonders krank aussah. Und auch nicht matt im Bett lag.
Als dann endlich, endlich der erste deutsche H1N1-Todesfall vermeldet werden konnte, und BLÖD ihre große Schlagzeile hatte, konnte man auch nur lesen, dass H1N1 einer der Erreger war, der bei der Toten gefunden worden war. Für sie nicht unbedingt ein Trost, zugegeben. Aber letztes Jahr zur gleichen Zeit, als die "zweite große pandemische Welle mit zehntausenden Toten" angekündigt worden war, geschah... Nichts.
Letztendlich gab es in Deutschland mehr Tote durch H1N1 als in anderen Ländern, sogar deutlich mehr als gar in Amerika. (Wobei man hier nicht zu Unrecht vermuten kann, dass bei vielen der Toten H1N1 nachgewiesen wurde, ohne als Todesursache zu bestätigen, damit sie mit in die Statistik konnten.) Aber Weltweit hatte es insgesamt viel weniger Tote gegeben als in einer normalen Grippewelle in Deutschland. Darüber hat dann natürlich kaum ein Boulevard-Medium berichtet, geschweige denn die BLÖD.
Auch hat mir von Anfang an sauer aufgestoßen, dass es noch im April hieß, Tamiflu würde helfen - und im Oktober sollte nur die Impfung Leben retten können. Das Ergebnis: Fünfzig Millionen Sätze Impfstoff, die vor sich hingammeln. Und eine Menge Zeitungen, die noch weit unter BILD-Niveau von der "Schweinegrippe" berichtet haben.

Der Nacktscanner, der uns mehr Sicherheit bringen sollte, ja, ja. In Hamburg wird er jetzt wieder ausgemustert, weil er eine zu hohe Fehlerquote hat. Wir sollten also in eine unausgereifte, schlecht funktionierende Technologie investieren... Millionen ausgeben für eine zweifelhafte Sicherheit. Und das, obwohl allgemein bekannt ist, das der berüchtigte "Unterhosenbomber" über Holland an Bord einer US-Maschine gestiegen war, in einem Flughafen, in dem der Nacktscanner bereits im Normalbetrieb tätig war: Dem Amsterdamer Flughafen Schiphol.

Über Barry Obama habe ich gebloggt, und über seine überraschende Wahl zum Präsidentschaftskandidat der Demokraten. Über seinen Wahlkampf und den recht erfreulichen Sieg. Vor allem erfreulich für uns, weil Obama den Hegemonialgedanken der USA ein wenig eindämmen würde.
Aber machen wir uns nichts vor: Wenn ich das marode US-System, gebeutelt von den Ausgaben für zwei Kriege von den Republikanern übernehmen müsste, dann könnte ich nicht in einem Jahr, geschweige denn in vier Jahren genügend Baustellen reparieren, um sowohl die Wirtschaft als auch die politische Landschaft wieder zu flicken.
Vor allem nicht, solange ein gewisser Murdoch und seine Privatfernsehsenderkette Barry als persönlichen Feind ansehen und ihn auf übelste, niedrigste und primitivste Art und Weise diffamieren und dafür sogar bereit sind, Videobeweise zu fälschen.
Nein, der Barry hat es nicht leicht, und es wird auch nicht leichter werden. Aber seine vier, hoffentlich acht Jahre werden Amerika wieder auf die Füße stellen. gut genug, hoffentlich, damit es den nächsten republikanischen Präsidenten, der die Wirtschaft wieder vor die Wand fahren wird, verdauen kann.
Aber kann man einem Land vertrauen, das auf einen Präsidentschaftskandidaten für die Republikaner setzt, der mit schwangerer Teenager-Tochter von "konservativen Werten" spricht und behauptet, "Russland vom eigenen Haus in Alaska sehen" zu können?
Das tatsächlich meint, eine Krachschlagende ultrakonservative Splittergruppe der Republikaner, die die Fox-Sendergruppe für zu milde im Umgang mit Obama halten, die nicht vorhandene Argumente durch Getöse und Geschrei ersetzen, wäre eine politische Alternative? Ich glaube das nicht.

Es gibt wahrscheinlich noch Dutzende Themen, die ich ansprechen, die ich anschneiden könnte, die eine Erwähnung wert wären, allem voran natürlich DOCH meine schriftstellerischen Arbeiten - zu denen ich auch diesen Blog zähle. Und sie wären es wert, über sie zu schreiben, davon bin ich überzeugt.
Aber das würde hier und jetzt zu weit führen, das weiß ich.

Letztendlich aber weiß ich jetzt mehr über meine Motive. Ich bin nicht immer gut recherchiert. Ich bin meistens verärgert wie der Heilige Geist. Ich bin parteiisch, manchmal oberflächlich und selten wirklich objektiv, wohl auch weil das nicht wirklich möglich ist. Aber ich bin interessiert, sehr interessiert an meinem sozialen, politischen und gesellschaftlichen Umfeld und kommentiere es gerne. Wenn ich damit jemand ungewollt verletze, dann tut es mir Leid. Wenn ich dabei Fehler und Missstände aufspüre, macht es mich stolz. Vor allem aber verpufft meine Meinung nicht bedeutungslos im Nichts, sondern prangt gut sicht- und lesbar für Jedermann hier im Web. Wenn ich also Motive habe, die über das Geschimpfe, meine Selbstpreisungen und gut gemeinte Warnungen hinaus geht, dann ist es sicherlich eines: Nicht schweigen zu können.
Ich werde meinen Mund also weiter aufmachen, wenn ich ein Thema für interessant oder wichtig genug befinde. Wenn ich meine, etwas dazu zu sagen zu haben. Und ich werde über meine Hobby-Arbeit als Autor berichten. Ich mache weiter wie bisher. Und das ist gut so.

Euch, meinen lieben Lesern, gilt daher mein Dank. Auch wenn ich weiß, dass ich nicht viele regelmäßige Leser habe, so sind es doch hier und da die Kommentare von neuen Lesern, die vielleicht nur einmal vorbei kommen die Momente, in denen ich merke, dass das, was ich schreibe, nicht ohne Echo im Netz verhallt. Und das ist auch gut so.

Euer Ace

Kommentare:

Olaf hat gesagt…

Gerade Deine persönliche Sicht auf die Geschehnisse in In und Ausland macht deinen Blog so Lesenswert.
Ich lese ihn regelmäßig, kommentiere leider nur sehr selten, also weiter so.Ich freue mich schon auf die nächste Zwichenrufe.

Ace hat gesagt…

Ich bedanke mich für diese sehr freundlichen Worte. Ich hoffe, dass Du nach Lust und Gefallen dann wenigstens die Buttons drückst, die für mich eine Art Zählmechanismus sind.

Weitere Zwischenrufe wird es garantiert von mir geben, versprochen. ^^

SilviaK hat gesagt…

Ab und zu lese ich hier auch mal mit ;-)

Ace hat gesagt…

Ups, Deinen Sneak-Kommentar habe ich jetzt nur durch Zufall entdeckt. Was ist mit der automatischen Benachrichtigung los?

Auf jeden Fall danke für Dein "Outing" als Leserin, Sylvia. ^^V