Heute habe ich in der Lokalzeitung meines Vertrauens, der LDZ, im Kommentar einen Lobgesang auf unseren Gutti gelesen, der "es endlich krachen lässt und Reformen anpackt". Zum Beispiel die Aussetzung der Wehrpflicht und die Reduzierung der Truppe.
Bullshit. Dafür soll man ihn loben, weil er nur ausführt, was vier Jahre lang von Ministern unter Merkel vorbereitet wurde? Die Reduzierung der Wehrpflicht war von vorne herein eine Schnapsidee. Zwar mag es den kleinen Anteil an Bundeswehrrekruten gefallen, statt eines ganzen Jahres (oder gar zwei) nur ein halbes bleiben zu müssen. Und späteren Jahrgängen wird es sicher gefallen, gar nicht mehr hin zu müssen. Aber verlieren wir da nicht den Sinn und den Zweck der Bundeswehr aus den Augen?
KTG ist mit Riesenschritten auf dem Weg zur Berufsarmee, und das macht mir Angst. Als ich '94 mein Jahr abgerissen habe, da wurde mir im Ethik-Unterricht das Grundgesetz nahe gebracht, und der Bürger in Uniform vorgestellt. Ich war Soldat, aber ich war auch mündiger Bürger mit gleichen Rechten, aber vermehrten Pflichten. Das wird neuen Generationen von Rekruten fehlen, die nun zur drastisch reduzierten Bundeswehr kommen. Denn sie sind kein Jahr da, und auch kein halbes, sondern werden als Zeitsoldaten eingestellt. Sie sind Berufssoldaten.
Wovor habe ich genau Angst? Vor Putschplänen der Bundeswehr? Vom viel beschworenen Staat im Staat? Vor der Entfremdung der Truppe vom zivilrechtlichen Leben?
Nun, sehen wir den Tatsachen ins Auge: Truppenreduzierung und Verkürzung des Wehrdienst hatte zwei Dinge zur Folge. Den Abbau von ganzen Einheiten, die Schließung von Kasernen, sowie für Bundeswehrrekruten eine Übervorteilung, während viele Gleichaltrige nicht "gezogen" wurden.
Dabei muss die Bundeswehr schlanker werden, schlagkräftiger, besser mit dem Material vertraut. Die Zeiten, in denen wir stehende Panzerheere gegen "die Kommunisten" brauchten, sind vorbei, und Auslandseinsätze sind jetzt gefragt. Tatsächlich sind wir, um einen Politiker zu zitieren, der mir gerade nicht einfällt, in Deutschland "nur von Freunden umgeben" und brauchen ein großes stehendes Heer nicht. Zu Zeiten der DDR waren dies fünfhunderttausend Mann unter Waffen.
Aber mal ganz davon abgesehen, was die Bundeswehr grundsätzlich im Ausland zu suchen hat, da sie doch eine Verteidigungsarmee ist, und entsprechend gerüstet wurde, so habe ich den Verdacht, dass die Truppenreduzierung, die Standortschließung und die Konzentration auf Berufssoldaten statt Rekruten eine Menge Geld einspart...
Was passiert mit diesem Geld? Wird es in den maroden Haushalt fließen und unser aller Kassen entlasten? Nein, damit werden die Auslandseinsätze finanziert.
Unsere Landesverteidigung wird minimiert, aufgelöst, ausgeraubt und zerstört, um unseren NATO-Verbündeten zu gefallen und wie die Großen im Ausland mitmischen zu können. Ohne, das wir Bürger dadurch einen Nutzen in Form von Einsparungen hätten. Es kommt nur zu einer Umverteilung. Dabei wäre eine Verschlankung der Bundeswehr und eine Kostenreduzierung sinnvoll gewesen - nur auf diesem Wege, wenn die Gelder gleich danach ins Ausland abfließen, eben nicht.
Fazit: KTG schlägt gerade viiiiiiel Schaum auf. Die Frage ist, ob wir eine Bundeswehr im bisherigen Format brauchen. Aber die Frage ist auch, was die Bundeswehr tun dürfen sollte.
In meiner Zeit als Soldat habe ich mich recht wohl gefühlt, und es hat mir nicht geschadet. Künftigen Generationen von jungen Männern wäre zum ersten Mal das Grundgesetz nahe gebracht worden, und das empfinde ich als geradezu lächerlich sträflich spät. KTG für wertlosen Kahlschlag zu loben ist dumm; die Inlandsverteidigungsfähigkeiten der Bundeswehr zu vernichten vielleicht nicht, vielleicht aber doch. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass Wehrdienstaussetzung, Berufsarmee und Truppenreduzierung bei gleichzeitigem Ausbau der Auslandseinsätze der vollkommen falsche Weg ist.
Was kommt als Nächstes? Doch der Inlandseinsatz der Bundeswehr, weil "sie ja jetzt für diese Aufgabe gerüstet ist"?
Bitte nicht.
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