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Mittwoch, 24. November 2010

Freiherrisch zur neuen Bundeswehr

Heute habe ich in der Lokalzeitung meines Vertrauens, der LDZ, im Kommentar einen Lobgesang auf unseren Gutti gelesen, der "es endlich krachen lässt und Reformen anpackt". Zum Beispiel die Aussetzung der Wehrpflicht und die Reduzierung der Truppe.

Bullshit. Dafür soll man ihn loben, weil er nur ausführt, was vier Jahre lang von Ministern unter Merkel vorbereitet wurde? Die Reduzierung der Wehrpflicht war von vorne herein eine Schnapsidee. Zwar mag es den kleinen Anteil an Bundeswehrrekruten gefallen, statt eines ganzen Jahres (oder gar zwei) nur ein halbes bleiben zu müssen. Und späteren Jahrgängen wird es sicher gefallen, gar nicht mehr hin zu müssen. Aber verlieren wir da nicht den Sinn und den Zweck der Bundeswehr aus den Augen?
KTG ist mit Riesenschritten auf dem Weg zur Berufsarmee, und das macht mir Angst. Als ich '94 mein Jahr abgerissen habe, da wurde mir im Ethik-Unterricht das Grundgesetz nahe gebracht, und der Bürger in Uniform vorgestellt. Ich war Soldat, aber ich war auch mündiger Bürger mit gleichen Rechten, aber vermehrten Pflichten. Das wird neuen Generationen von Rekruten fehlen, die nun zur drastisch reduzierten Bundeswehr kommen. Denn sie sind kein Jahr da, und auch kein halbes, sondern werden als Zeitsoldaten eingestellt. Sie sind Berufssoldaten.

Wovor habe ich genau Angst? Vor Putschplänen der Bundeswehr? Vom viel beschworenen Staat im Staat? Vor der Entfremdung der Truppe vom zivilrechtlichen Leben?
Nun, sehen wir den Tatsachen ins Auge: Truppenreduzierung und Verkürzung des Wehrdienst hatte zwei Dinge zur Folge. Den Abbau von ganzen Einheiten, die Schließung von Kasernen, sowie für Bundeswehrrekruten eine Übervorteilung, während viele Gleichaltrige nicht "gezogen" wurden.
Dabei muss die Bundeswehr schlanker werden, schlagkräftiger, besser mit dem Material vertraut. Die Zeiten, in denen wir stehende Panzerheere gegen "die Kommunisten" brauchten, sind vorbei, und Auslandseinsätze sind jetzt gefragt. Tatsächlich sind wir, um einen Politiker zu zitieren, der mir gerade nicht einfällt, in Deutschland "nur von Freunden umgeben" und brauchen ein großes stehendes Heer nicht. Zu Zeiten der DDR waren dies fünfhunderttausend Mann unter Waffen.
Aber mal ganz davon abgesehen, was die Bundeswehr grundsätzlich im Ausland zu suchen hat, da sie doch eine Verteidigungsarmee ist, und entsprechend gerüstet wurde, so habe ich den Verdacht, dass die Truppenreduzierung, die Standortschließung und die Konzentration auf Berufssoldaten statt Rekruten eine Menge Geld einspart...
Was passiert mit diesem Geld? Wird es in den maroden Haushalt fließen und unser aller Kassen entlasten? Nein, damit werden die Auslandseinsätze finanziert.
Unsere Landesverteidigung wird minimiert, aufgelöst, ausgeraubt und zerstört, um unseren NATO-Verbündeten zu gefallen und wie die Großen im Ausland mitmischen zu können. Ohne, das wir Bürger dadurch einen Nutzen in Form von Einsparungen hätten. Es kommt nur zu einer Umverteilung. Dabei wäre eine Verschlankung der Bundeswehr und eine Kostenreduzierung sinnvoll gewesen - nur auf diesem Wege, wenn die Gelder gleich danach ins Ausland abfließen, eben nicht.

Fazit: KTG schlägt gerade viiiiiiel Schaum auf. Die Frage ist, ob wir eine Bundeswehr im bisherigen Format brauchen. Aber die Frage ist auch, was die Bundeswehr tun dürfen sollte.
In meiner Zeit als Soldat habe ich mich recht wohl gefühlt, und es hat mir nicht geschadet. Künftigen Generationen von jungen Männern wäre zum ersten Mal das Grundgesetz nahe gebracht worden, und das empfinde ich als geradezu lächerlich sträflich spät. KTG für wertlosen Kahlschlag zu loben ist dumm; die Inlandsverteidigungsfähigkeiten der Bundeswehr zu vernichten vielleicht nicht, vielleicht aber doch. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass Wehrdienstaussetzung, Berufsarmee und Truppenreduzierung bei gleichzeitigem Ausbau der Auslandseinsätze der vollkommen falsche Weg ist.
Was kommt als Nächstes? Doch der Inlandseinsatz der Bundeswehr, weil "sie ja jetzt für diese Aufgabe gerüstet ist"?
Bitte nicht.

Kommentare:

Olaf hat gesagt…

Eine erschreckend klare und stichhaltige Analyse der neuesten
Entwicklungen in und um die Bundeswehr. Also müssen wir uns wohl vom Bürger in Uniform verabschieden.

Ulli hat gesagt…

Ja,ja so sind sie, unsere Politiker. Die mussen ihren Ars... ja auch nicht hinhalten. Weniger Soldaten und mehr Einsätze. Als ich bei der Marine anfing waren es noch 3 Monats-Touren, jetzt sind 6 Monate die Regel und den ganzen kleinkram wie Übungen muss man auch noch bedenken.
Eine Berufsarmee ist meines Erachtens auch nicht das "gelbe vom Ei".
Wie sieht es denn aus? Sie werden dick und faul unsere "Landesverteidiger" (Gottseidank nicht alle aber es ist ein relativ unkündbarer Job)
Ich wäre für eine Freiwilligenarmee, wo jeder alle 2, meinetwegen auch 4, Jahre eine sportliche- und fachliche Prüfung machen muss, besteht man eine nicht hat man ein Jahr Zeit diese zu wiederholen ansonsten: farewell my friend. Sollte man beide nicht bestehen ist man auch draußen.

Ace hat gesagt…

@Olaf: Das ist ja das Traurige daran. Ich habe nichts dagegen, die BW zu verschlanken, denn wenn wir mal ehrlich sind, haben wir Oder-Dammbrüche doch eher selten und keinen Bedarf mehr für fünfhunderttausend Soldaten. Aber doch nicht auf diese Weise, und doch nicht auf diesem Weg, nachdem die BW endlich mehr für Frauen geöffnet wurde. Tja, und genau wie Du sagst, der Bürger in Uniform bleibt auf der Strecke. Übrig bleiben jene, die von denen, die nicht mal wissen wie man "dienen" schreibt, Zivilversager genannt werden. Glorreiche Zeiten dank der CDU.
...Der Einsatz der BW im Inland dauert dann auch nicht mehr lange. Es gibt ja genügend Terrorwarnungen, auch wenn sich der Novemberanschlag auf den Reichstag verspätet.

@Ulli: Unsere neue Berufsarmee wird mit mehr Leuten im Ausland als im Inland sein. Deswegen wird die Zahl der Toten bei der BW auch in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Kennst Du das Sprichwort: "Neugier brachte die Katze um."? Das wird der BW passieren, bzw. ist es schon.
In einem Punkt hast Du natürlich Recht: Von den Soldaten einer Berufsarmee können wir mehr verlangen als das laxe Dasein, dass wir als Rekruten nach der Grundausbildung genossen haben. ^^V