Seiten

Dienstag, 12. Mai 2009

Vermischtes

Tja, so war die Woche... Bei DSDS haben sie tatsächlich einmal zwei gute Sänger entdeckt sowie ein armes, zwangsgeblondetes Mädchen, das im Auftrag der Eltern Karriere um jeden Preis machen muss (und deshalb gegen alles und jeden beißt und kratzt), die H1N1 ist immer noch keine tödliche Pandemie (witzig fand ich den Artikel, in dem behauptet wurde, CNN hätte schon euphorisch eine Hymne in Auftrag gegeben, die bei der Beisetzung von Grippeopfern in Massengräbern gespielt werden sollte - was für eine Geldverschwendung), eine junge Frau hat eine andere junge Frau geschnitten, leider in einer Schule, und damit Amok-Alarm ausgelöst (ohne einen einzigen Schuss abzugeben - mit einem Messer auch schwer möglich - hat sie die ganze Schule in Panik und Todesangst versetzt. ...oder war das die überreagierende Schulleitung?), der Benzinpreis knabbert an der 1,30-Marke, meine auf Fanfiction.de hochgeladenen Storys wurden mittlerweile 1600x aufgerufen...
Ist noch etwas von Bedeutung passiert? Sicherlich, aber unsere Medien stürzen sich ja lieber auf Dinge, die schnell viel - vor allem kurzfristige - Aufmerksamkeit bringen, um ihre Zuschauer- oder Leserzahlen zu puschen.
Aber mit dieser Art von Journalismus ist es wie mit Drogen: Den Fixern reicht die Dosis irgendwann nicht mehr um high zu werden, und sie setzen mehr an. Wieder und wieder und wieder. Bis sie irgendwann so drauf auf der Droge sind, dass normaler Journalismus bedeutet, dass unter fünf Morden eine Meldung keine Meldung ist. Himmel, müssen denn dann die Blogger für den seriösen Journalismus sorgen?
Ich glaube, der Tag an dem MEIN Blog als seriöser angesehen wird als meine Tageszeitung, ist der Tag, an dem ich dringend eine Zeitung gründen sollte. Die Welt möge uns alle davor bewahren.
Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass Benedict der XVI. sich wirklich darum bemüht, seinen früheren Patzer auszugleichen und bei seiner Nahostreise für die Versöhnung zwischen Juden und Muslime wirbt, ohne zugleich das Christentum darüber zu erheben. Ehrlich, wenn das auch nur ansatzweise funktioniert, hat Papa Razzi meinen Respekt, den er eigentlich für seine mittelalterlichen Moralvorstellungen, die Fortsetzung der Kirchpolitik der Nichtverhütung, die Geldgeschäfte des Vatikans und seines allgemeinen Stemmens gegen Veränderungen (Abschaffung des Zölibats, Einführung weiblicher Priester, Haltung zur Abtreibung z.B.) verloren hat.

Soviel zur Weltpolitik. Kommen wir zu einem Punkt im Vermischten, der mir am Herzen liegt.
Eine Person, ich will da nicht näher ins Detail gehen, hat neulich mit mir über Schwule diskutiert. Diese Person war der festen Meinung, dass a) Homosexualität eine Krankheit ist, b) Homosexuelle deshalb Jesus nicht lieben, c) sie geheilt werden können, wenn sie die strahlende Göttlichkeit und die Liebe von Jesus Christus annehmen.
Da ich bereits etliche Breschen in meinem Haupthaar hinnehmen musste, habe ich darauf verzichtet mit selbiges zu raufen. Aber wieder einmal habe ich zwei Dinge bestätigt gesehen. Einerseits, dass ich auf diesem Gebiet wesentlich toleranter bin als ich selbst gedacht habe... Einige meiner Freunde sind dagegen regelrecht homophob.
Und andererseits: Ich HASSE Kreationisten!
Das ist genau ihre Vorgehensweise: Eine Theorie (so nennen sie es zumindest) oder eine Idee wird aufgestellt, mit Zähnen und Klauen verteidigt, und ernstzunehmener Widerspruch, der ihr Argumentsgehäuse vernichtet, wird mit folgenden Worten abgewiegelt: So sehe ich das, und jetzt will ich auch nicht mehr drüber reden.
Himmel, Arsch und Zwirn. Ich bin nun wirklich nicht religiöser als unbedingt notwendig, aber eben auch kein Atheist. Dennoch frage ich mich ernsthaft, warum manche Menschen so etwas wirklich glauben, vertreten und in diesem Punkt belehrungsresistent sind, selbst wenn man a) feststellt, dass Jesus nachweislich alle Menschen liebt (siehe hierzu die Bibel) und b) auch Schwule bekennende Christen sein können, wenn sie den Glauben haben.
Hier kommt wieder der Einwand: So sehe ich das, und jetzt will ich nichts mehr dazu hören.
Wer verbreitet so einen Unsinn? Und wo wird es stoppen? Hier sind es Homosexuelle die in die Kathegorie "krank" abgeschoben werden, obwohl wir längst wissen, dass sie das Ergebnis ganz natürlicher biologischer Vorgänge sind (oder willentlicher Entscheidungen, die jeder von uns zu respektieren hat), dort drüben behauptet jemand, Dinosaurierknochen wären von Gott erschaffen und in den Erdschichten eingelagert worden, irgendwo in eine Ecke kocht wieder das Ursuppe funktioniert gar nicht-Argument auf... Was unterscheidet solche Menschen eigentlich von Holocaust-Leugnern, Scientologen und Fanatikern jeglicher Couleur?
Langsam beschleicht mich sogar das Gefühl, meine tolerante Art könnte die Minderheit, und der selbstherrliche, unbelehrbare Aspekt am Menschen das Gros sein.
Nun, ich hoffe nicht.
Inzwischen habe ich mich übrigens wieder abgeregt.

Kommentare:

Miyu-Moon hat gesagt…

Da ich mir DSDS nicht angeguckt habe und nur ab und zu beim Email checken Nachrichten in der oberen Bildleiste mich auf die Geschehnisse der Welt aufmerksam gemacht haben, hat es mich nicht interessiert wer da gewinnt. Natürlich wusste ich das es eine Annemarie gab, die sich zu Bohlens Hasskandidatin entwickelt hat. Wo sie doch so tolle Fotos in die Öffentlichkeit gebracht hat und er ihr eigentlich zu Füßen hätte liegen müssen.
Mir entlockt das nichtmal ein halbherziges Lächeln, so sehr apelliert die Story an meinen nicht vorhandenen Interesse. Aber das weißt du vermutlich schon, da ich schon mal mein Thema zu: "Nachrichten und Ich" abgegeben habe.
So jetzt zu den anderen Nachrichten, die unsere Welt bilden (aber nicht weiterbilden) und unsere Wahrnehmung der Perspektive verzerren. Erinnert mich an einen interssante Doku "Spiel des Todes" die jemand aus meiner alten Berufsschule als eine Art Projektabschlussarbeit gedreht hat. Wirst du leider nirgendwo im Internet finden, außer der betreffende Schüler hat eine Homepage. Aber um kurz den Inhalt wiederzugeben:
Ein Deutschrusse fährt mit einem Freund irgendwo in die russische Wildnis in eine alte Kaserne, um dort in einem "Spiel" ala Counterstrike auf andere Spieleteilnehmer mit scharfen Waffen zu schießen. Es endet natürlich damit das er als Anfänger im Wald erschoßen wird, wie es sich der Zuschauer denken kann.
Dann erfolgt ein recht witziges Making-Of in dennen haargenau erklärt wird, wie man mit digitaler Bildbearbeitung, der Kameraführung und der Verwendung altbekannter Klischees in den Köpfen der Zuschauer, die Illusion eines Russlands (Wodka, Waffen, Russisch-Brocken) erschafft, wobei doch alles in Baden-Würrtemberg/Deutschland gedreht wurde. (Links eine alte Kaserne, ein Kameraschwenk nach rechts und du siehst den nächsten ALDI. Die Konrad-Adenauer-Brücke im richtigen (Kunst)Licht und du hast ein fingiertes Panoramabild von Moskau. Drücke dem "Russen" in einer Überblendung eine Baskenmütze, ein Baguette in den Arm und eine Rotweinflasche daneben und "Russland" wandelt sich zu "Frankreich".)

Was die Kamera/Nachrichten präsentiert ist ja niemals die Wirklichkeit, sondern nur ein Aussschnitt der Wirklichkeit wie der Kameramann sie uns präsentieren will.
Vielleicht ein Grund warum ich nicht gerne Nachrichten anschaue.

Ace Kaiser hat gesagt…

Zu Annemarie: Schwamm drüber. Wenn wir Glück haben, verliert BILD das Interesse an ihr und wir hören nie wieder was von ihr.
Zur Kameraperspektive: Genau aus diesem Grund gibt es den Pressekodex, dem sich die Medien (eigentlich, nur nicht BILD) freiwillig unterwerfen, und der ehrliche, qualitative und würdevolle Berichterstattung garantieren will.

Miyu-Moon hat gesagt…

Naja, du kennst ja die BILD. Die lassen erst etwas vom Hacken wenn es auch 1000% totgewalzt ist.
Würde vollle Berichtserstattung? Ah, dass Thema hast du ja bei "Für den Kaiser" angeschnitten, wenn ich mich Recht entsinne.

Ace Kaiser hat gesagt…

Miyu-chan, wenn Du Lust, Gelegenheit und Zeit hast, lies doch mal das Terry Pratchett-Buch "Nur die Wahrheit", ein Abenteuer von der Scheibenwelt.
Darin beschreibt Pratchett mit seiner üblichen scharfen Zunge und seinem unvermeidlichen Augenzwinkern die Entstehung der ersten Tageszeitung von Ankh-Morporg und der damit verbundenen Frage nach ernsthaftem Journalismus. Sehr interessant zu lesen, und auf die Gegenwart angewendet, sehr, sehr entlarvend. ^^
Nach dem Buch wird einem vieles klarer...
Nur nicht, warum der Patrizier den kompletten Fall verschlafen hat und pünktlich zum Ende wieder aufgewacht ist. Ein Schelm ist, der Havelok Absicht unterstellt. XD

Miyu-Moon hat gesagt…

Ich such es in der Bibliothek, sobald ich meinen Leih-Ausweis verlängert habe.

Ace Kaiser hat gesagt…

Auch die anderen Pratchetts seien Dir wärmstens ans Herz gelegt. Der Mann hat einen phantastischen, kaiseresken Humor.
Euch allen da draußen übrigens auch. ^^