Mittwoch, 23. Dezember 2009

Afghanistan, Afghanistan

Das ferne Land am Hindukusch ist immer wieder ein Thema in der deutschen Medienlandschaft. Nicht zuletzt die "sensationellen Enthüllungen" zum Diebstahl zweier Tanklastzüge, wie BLÖD titelte und wie etliche Medien ungeprüft übernahmen, haben unsere kuschelweichen und Konfrontationsfremden Politiker sehr beschäftigt. Sehr zur Freude der BLÖD, die dadurch aber beinahe ihren neuen Liebling mit dem Haargel-Tick abgeschossen hätte.

Dass es auch anders geht, zeigt die Süddeutsche Zeitung mit einer unkommentierten Sammlung von Zitaten deutscher Soldaten, die in Afghanistan und besonders in Kundus dienen, und nach Hause geschrieben haben. Über Ängste, über Nöte, über Chancen, über unsere "Heimatfront", über Politiker, die nicht verstehen wollen wie es ihnen wirklich geht, dort unten, wo die Einheimischen für ihre Landschaft, wie einer der Schreiber titelt, bestimmt hundert Wörter für "braun" kennen sollten (in Anlehnung an das Sprichwort, die Eskimos hätten über hundert Wörter für Schnee). Und über die internationale Zusammenarbeit in einem Land, das von den Taliban in die Steinzeit zurückgedroschen wurde...
Lassen wir die Tatsachen außer Acht, dass die Landwirtschaft in Afghanistan stark vom Drogenanbau abhängig ist. Lassen wir außer Acht, dass die Taliban eigentlich pakistanische Pashtunen sind, die vom pakistanischen Geheimdienst trainiert und religiös indoktriniert wurden. Denken wir mal nicht an Al Kaida und an diesen Kumpel von Bush jr., den Osama bin Laden. Lesen wir einfach die kurzen und auch längeren Passagen über Lagerkoller, die Not der Bevölkerung, Hoffnungen und Wünsche, vor allem dass es den Leuten dort auch eines Tages besser gehen wird, und das Landkinder dort irgendwann einen Bleistift als solchen erkennen, wenn er ihnen geschenkt wird.

Als ich über unter anderem über Bildblog.de auf diesen Artikel stieß, habe ich nicht viel erwartet. Entweder Polemik FÜR oder Polemik GEGEN den Einsatz der Bundeswehr. Ich wurde positiv enttäuscht. Ich kann nur jedem raten, alle Seiten des Artikels durchzulesen und sich darauf eine eigene Meinung zu bilden. Mich hat es sehr erschüttert, überrascht, erschrocken, aber auch fasziniert. Und es weckt in mir einen Wunsch. Doch dazu vielleicht später mehr.

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