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Mittwoch, 10. März 2010

Sie haben gewonnen...

...zumindest an Erfahrung, möchte man titulieren.
Wer kennt das nicht? Man sitzt nichtsahnend Zuhause, und plötzlich ruft jemand an.
Am anderen Ende ist allerdings keine Person, sondern eine Bandstimme, die einen erst einmal persönlich anspricht: "Spreche ich mit Familie *statisches Rauschen*?"
Dann folgt der folgenschwere Satz: "Sie haben gewonnen!"
Und um auf Nummer sicher zu gehen: "Richtig gehört, Sie haben gewonnen!"
Oh toll! Freude schöner Götterfunken. WAS habe ich denn gewonnen? "Sie haben einen BMW im Wert von fünfzigtausend Euro gewonnen, oder einen Geldbetrag bis zum gleichen Wert."
Moment Mal, macht Ihr mir hier gerade meinen Gewinn streitig? Ich meine 'bis zum gleichen Wert', das kann so ziemlich jede Zahl bedeuten, von fünfzigtausend Euro bis zu einem Cent. Da freut man sich gerade, das einem jemand Geld schenkt, und schon kommt die erste Einschränkung?
Aber es geht ja noch weiter: "Bitte rufen Sie in den nächsten vierundzwanzig Stunden folgende Nummer an, um Ihren Gewinn zu bestätigen. Sie müssen das aus verwaltungstechnischen Gründen tun."
Also, für fünfzigtausend Euro würde ich das ja durchaus in Betracht ziehen, aber für einen Cent? Grübel, grübel. Was will diese Bandstimme eigentlich von mir? Und was habe ich denn jetzt gewonnen? Einen BMW, Geld in bis zu gleichem Wert, oder einen freien Anruf auf eine kostenpflichtige Hotline, die mich möglichst lange am Telefon zu halten versucht, damit der Angerufene gewinnt? Fragen über Fragen.

Die Auflösung: Nach Internetverbindungsbetrug, Kettenbriefen, Spendenmails, die E-Mails zählen und Internetabos, haben wir es hier wieder einmal mit schlichtem, herrlich einfachem Betrug zu tun. Denn wenn man die Service-Nummer anruft, die der nette Mann vom Band zwei- dreimal runter leiert, kommt man NATÜRLICH auf eine sehr, sehr teure Rufnummer, auf der weitere Bandansagen versuchen, einen möglichst lange bei der Stange zu halten. Da können dann schon mal rund hundert Euro auf der nächsten Telefonrechnung stehen. Oder auch viel mehr.
Wieder einmal versucht jemand, mit der Einfalt, der Not oder vielleicht auch nur dem Augenblick für NICHTS Geld aus Menschen heraus zu quälen. Die vielleicht selbst gar nicht genug haben und dieses Geld furchtbar dringend brauchen könnten... Ich zum Beispiel. XD
Wieder einmal versucht es jemand mit der uralten Masche: Wenn nur jeder einhundertste Angerufene die Nummer wählt, die genannt wird und hundert Euro vertelefoniert, dann rechnet sich das bei tausend angerufenen Nummern pro Tag.

Ich habe natürlich NICHT zurückgerufen. Ein wichtiges Indiz dafür, dass ich es mit Betrug zu tun hatte, und das der sonore Onkel auf dem Band nur mein Geld wollte, ist die Tatsache, dass ich weder an einem Gewinnspiel teil genommen habe, noch dass ich die Lotterie, in derem Namen er den BMW (oder das Geld) versprach, überhaupt kannte. Das war vor einem halben Jahr, und ich habe herzlich gelacht. Richtig gelacht aber habe ich, als ich die "Gewinn-Hotline" gegenüber der Bundesnetzagentur wegen unverlangter Telefonwerbung angezeigt habe.
Heute habe ich die Bestätigungs-Mail erhalten, das die "Gewinn-Hotline" gesperrt und sämtliche Telefonrechnungen con dieser Nummer gesperrt wurden. Auch wurde dem Betreiber der Rufnummer verboten, per Inkasso fällige Geldbeträge einzutreiben.

Im Prinzip handeln die Betrüger immer gleich, und hoffen auf die Unwissenheit, die Angst oder die Gleichgültigkeit der User, bzw. Telefonkunden.
Als ich vorletztes Jahr beinahe auf die Megadownload-Abzocke herein gefallen wäre, habe ich allerdings gemerkt, wie LEICHT man sich wehren kann. Das geht vor allem sehr gut, wenn man mit diesen Verbrechern!, ja, Verbrechern!, überhaupt gar nicht erst kommuniziert.
Oder den Betrag der Telefonrechnung zurück buchen lässt. Das Schöne am deutschen System ist nämlich, dass wir Mahnungen ERST bezahlen müssen, sobald ein Gericht das entscheidet. Dazu muss der Kläger, also die Verbrecher! beweisen, dass ihr Anspruch rechtens ist. Ist er natürlich nicht, und das wissen die Kläger, also die Verbrecher!.
Das funktioniert natürlich NICHT bei gerechtfertigten Klagen, zum Beispiel des Handwerkers, der das Dach gemacht hat. Dem wird das Gericht wohl nicht nur Recht geben, sondern auch noch die Verfahrenskosten auf den säumigen Schuldner aufschlagen, aber das ist eine andere Geschichte.

Für alle, die drohen, an einem ähnlichen Thema zu verzweifeln, sei der Katzenjens empfohlen.
Seine Ratschläge richten sich zwar hauptsächlich an Opfer von Internetabo-Betrügern, können aber nahtlos auch auf Telefonfallengeschädigte übertragen werden.
Also, nicht drauf reinfallen, wenn eine Bandstimme einen Megagewinn verkündet, wenn Ihr überhaupt nicht gespielt habt. Aber die Nummer notieren, und sich bei der Bundesnetzagentur beschweren. Und seinen Teil dazu beitragen, dass unser Alltag von diesen Betrügern, also den Verbrechern! ein wenig mehr bereinigt wird.

P.S.: Laut Bundesnetzagentur sitzt die Firma, die das Gewinntelefon betreibt/betrieb, in der Schweiz und nannte sich frech Krankenkassen Auskunft. Pfui.
Übrigens habe ich meine kleine, persönliche Rache schon gehabt. Ich habe das Band beim Anruf einfach weiterlaufen lassen, ohne eigentlich hin zu hören... Denn DAS kostet den Anrufer Geld. XD

Kommentare:

Subtra aka DJ Dimension hat gesagt…

Ouhh das ist mir vor gut 4 Jahren passiert, danach nicht mehr, Wie lang leben sie noch, finden sie es jetzt raus. Mann gabs ärger mit Family aber hey hat sich von selbst gelöst als mein Paps intilligent war und sich schlau gemacht hat. Nur Betrügereien.

Und heute, heute ruft man mich mal wieder an, hier und da hab ich was gewonnen und ich winke ab. "Yo Echt, sorry aber den Gewinn könnens ans Waisenhaus verschenken, ich bin heut mal großzügig." Woher ich weiß das ich was gewonnen hab? Na 4players ist einer der wenigen Typen denen ich vertraue und obendrein, hab ich dort schon eine MMO Collectors Edition gewonnen, was will man mehr?

Ace hat gesagt…

Man darf ruhig Schaden im Leben nehmen und Fehler machen.
Man muss nur halt draus lernen und es das nächste Mal besser machen.

Und das diese "Wie lange lebst du?"-Masche unseriös ist, wusste ich gleich.
Wahrscheinlich ist diese "Peile deine Freundin mit dem Handy an"-Methode genauso ein Dreckszeug.

Wieso werden strafbare Aktionen nicht strafbar geahndet?