Mittwoch, 31. März 2010

Krieg in einer instabilen Region?

Normalerweise arbeite ich nicht mit Fragen, wenn ich einen Blog-Eintrag schreibe. Diesmal aber muss es sein: Gibt es einen Krieg gegen den Iran?

Eigentlich ist es ein Unding. Eigentlich sollte es wütend machen. Und eigentlich fragt man sich: Ist so etwas wirklich möglich? Hat das US-amerikanische Regierungssystem nichts gelernt? Und: Sind all unsere Hoffnungen in Barry Obama nichtig und wertlos?

Was ist passiert? Was wird noch passieren?
Seit einiger Zeit beobachte ich in den konventionellen Medien einen deutlichen Ruck weg von den üblichen geforderten Sanktionen und hin zur militärischen Intervention (d.h. zum Beispiel Luftangriffe gegen Nuklearanlagen. Von Landkrieg und Invasionen wollen wir mal gar nicht erst sprechen.).
Der Ton wird schärfer, die USA sammeln ihre willigen Verbündeten und versuchen mit ihnen eine neue Qualität zu erreichen, um den internationalen Druck in der eigentlich machtlosen UN-Versammlung in Richtung schärfere Sanktionen zu erhöhen.
Es ist mir unverständlich, worum es in der Diskussion überhaupt geht. Es ist mir nicht begreiflich, warum Präsident Ahmadinedschad als das Synonym des Bösen gelten soll.
Es hat schon etwas von Agitation, in dieser Atmosphäre die Behauptung einzustreuen, der Iran wäre bereits in der Lage, Atomwaffen herzustellen, wie dieses Zitat von tagesschau.de impliziert:
"Doch dann veränderte sich Obamas Tonfall, als er Sarkozys außenpolitisches Thema Nummer Eins aufgriff - den sich nuklear aufrüstenden Iran."
Der Autor, Herr Ralph Sina, stellt hier als Tatsache hin, was Waffeninspekteure und Wissenschaftler noch nicht einmal ansatzweise bestätigt haben, geschweige denn für möglich halten. Tatsächlich ist das Zentrifugensystem, welches der Iran in Betrieb genommen hat, nicht in der Lage, Uran auf einen waffenfähigen Status anzureichern.
Hier muss man den blauäugigen Journalisten ehrlich fragen - und natürlich alle Politiker der westlichen Welt, die auf diesen Panik-Zug aufspringen: Wozu sollte der Iran das tun?
Himmelherrgott, wenn der Iran Atomwaffen will, wenn er Atomwaffen braucht, wird er die jederzeit von Russland bekommen. Der Iran BRAUCHT KEINE Infrastrukturen um Atomwaffen herzustellen. Und dass Russland, Iran, China und Venezuela einen Interessenverbund geschlossen haben, den sie gegen die US-amerikanischen Hegemoniebestrebungen einer Bush-Ära schützen soll, ist ein offenes Geheimnis.

Es geht nicht wirklich um den Iran. Es geht nicht wirklich um Atomwaffen. Es geht auch nicht um den Islam, und erst Recht nicht um den Frieden in der Region, sonst hätte der ehemalige Präsident Bush nicht den Befehl zu zwei Kriegen gegeben, die ein halbwegs stabiles Land und eine eher unruhige Region der Welt (Irak und Afghanistan) in ein absolutes Chaos gestürzt hätten, und den amerikanischen Steuerzahler immer noch jedes Jahr MILLIARDEN kosten.
Es geht auch nicht um Politik im weitesten Sinne, ansonsten hätte die USA längst Indien die Hand halten müssen, damit die indischen Truppen in einem gezielten, schnellen Vorstoß Pakistan nieder ringen und deren Atomwaffen in ernsthaftere Hände bringen können. (Ja, ja, so weit sind wir schon, dass ich indische Militärs und Politiker, die Atombomben als Gotteslichter und Heilsbringer betrachten, als Alternative zum korrupten Regime in Islamabad sehe).
Oder man hätte aufhören können, sich von israelischen Konservativen gängeln zu lassen, um endlich einen Frieden in der Region zur größtmöglichen Zufriedenheit aller zu schaffen, anstatt das sie sich hinter ihren eigenen Atombomben, ihrem hoch gerüsteten Militär und ihrem Hauptverbündeten, den USA, verschanzen. (Das Heikle am Siedlungsbau der Israeli in Ostjerusalem und dem Westjordanland ist nicht, dass sie dieses Land als ihres beanspruchen, sondern dass sie es zuvor den Palästinensern wegnehmen.)
Das alles hätte mehr für die ganze Region gebracht als dieser Versuch, den Iran "unten" zu halten. Warum also?
Die Antwort ist simpel und einfach: Dieses Land hat Öl. Und ein Iran, der wirklich mit Atomwaffen ausgerüstet wäre, würde von konventionellen Bodentruppen nicht angegriffen werden. Das erklärt übrigens ganz hervorragend, warum das narzißtische und seine Bevölkerung unterversorgende Nord-Korea immer noch existiert - der hat die Atombombe.

Warum macht Barry Obama da mit? Warum lässt er sich da hin treiben, und nicht nur da, sondern auch im Irak und in Afghanistan? Warum setzt er die konservativen Pläne fort?
Einfach erklärt. Weil er keine andere Wahl hat. Ein Rückzieher in diesen Ländern, auf diesen Themengebieten, wäre Wasser auf den Mühlen seiner Gegner, die ohnehin schon auf einem Niveau gegen ihn agieren, wogegen die BILD-Zeitung Literaturpreise gewinnen müsste. Er kann nicht zurückstecken, wenn er nicht den Rückhalt für all seine Themen verlieren will, unter anderem die Reform des Gesundheitswesen.
Allerdings traue ich ihm NICHT zu, einen Krieg gegen den Iran zu befehlen. Das wird dann der nächste republikanische Präsident machen - nachdem der Iran durch internationale Sanktionen genauso geschwächt ist, wie anno dazumal der Irak.

Also, nochmal: Wenn der Irak Atomwaffen haben will, werden die Russen welche liefern, so einfach ist das. Und wenn es die Russen nicht tun, machen es die Chinesen. Oder Nord-Korea.

Es wäre ja auch gelacht gewesen, wenn da nicht ein paar Fakten hätten verdreht werden können, um eine künstliche Bedrohung aufzubauschen.
Immerhin muss der Iran ja sogar als Bedrohung für Europa her halten und galt schon als Ausrede für Bushs Antiraketenschild, den er in Polen gegen den Iran errichten wollte - immer vorausgesetzt, der Iran marschiert überraschend in Russland ein, unterwirft das Land und bedroht Europa von Weißrussland aus mit Mittelstreckenraketen.
Auch die reichlich durchsichtige Aussage, dass der Iran Raketen hat, die sogar Europa erreichen können, schürt dieses Bild. Sinnloserweise, denn warum sollte es sich der Iran mit all jenen Staaten verscherzen, die seine Raketen überfliegen müssen, um Europa zu erreichen? Um Deutschland zu erreichen? Abgesehen davon, dass in Bulgarien kein Raketenschild geplant ist, obwohl er dort bei einer iranischen Bedrohung mehr Sinn macht als in Polen.
Also, ganz großer Bullshit, das alles, unter anderem von Herrn Sina.

Versteht mich nicht falsch. Ich hätte nichts dagegen, wenn das Atomprogramm des Iran ersatzlos gestrichen wird, vor allem da wir in Deutschland ernsthaft bemüht sind, diese Sackgassentechnologie für die Stromerzeugung hinter uns zu lassen. Und ich persönlich habe auch nichts dagegen, wenn der Iran keine eigenen Atomwaffen baut - oder noch besser, keine von Russland kauft.
Außerdem bin ich als engagierter Demokrat davon überzeugt, dass eine strikte Trennung von Kirche und Staat auch dem dynamischen Iran nur nützen kann, genau so wie er die Türkei voran gebracht hat. Aber all das setzt man nicht mit Kriegen für Öl um. Der Irak hat das bewiesen, zweifellos.

Keine Kommentare: