Montag, 15. März 2010

Solarkraft ist auch keine Lösung?

Mit großem Interesse habe ich heute auf Tagesschau.de einen Artikel gelesen, in dem sich einhundertfünfzig Kommunen zum Wohle ihrer Stadtwerke gegen eine Verlängerung der Laufzeiten von AKW's wehren. Die Zeichen stehen auf Sturm, und ein gerichtlicher Einspruch bei der geballten Macht von einhundertfünfzig Gemeinden ist nicht auszuschließen.
Doch worum geht es den Kommunen eigentlich? Die Verseuchung von Asse und Gorleben mit Atommüll und die damit verbundene Gefährdung der Anwohner? Nein.
Die Tatsache, dass der Atomstrom irgendwas um sechzig Cent kosten würde, wenn er nicht massiv subventioniert werden würde? Nein.
Die noch immer ungeklärte Frage nach der Entsorgung? Nein.
Mokieren sie sich dann wenigstens darüber, dass ein Atomkraftwerk keine Verbrauchsspitzen versorgen, also nicht auf höhere Leistung gebracht werden kann? Nein.
Befürchten sie dann wenigstens eine Endlichkeit des Grundstoff Uran in der weltweiten Förderung? Nein.

Tatsächlich gehen die Stadtwerke vollkommen neue Kritikwege. Es ist unbestreitbar, das eine längere Laufzeit von Atomkraftwerken vor allem eines bedeutet: Bares Geld für die Betreiber. Dagegen ist prinzipiell nichts zu sagen. Wer eine Leistung erbringt, sollte auch dafür entlohnt werden. Der Haken bei der Atomkraft sind halt all die Kosten, die es verursacht - und das alleine der Uranabbau und die Urananreicherung genügend CO2 erzeugt, um mit konventionellen Kraftwerken mitzuhalten.
Aber längere Laufzeiten bedeuten auch eine Wettbewerbsverzerrung, eine Zementierung des Strom-Oligopols der großen vier deutschen Netzbetreiber. Außerdem befürchten die Kommunen einen Innovationsstau bei der Planung und dem Bau neuer, verbesserter Kraftwerke. Logisch, wer braucht die Dinger, wenn die AKW bis in alle Ewigkeit laufen? *husthust* Das "laufen" natürlich ironisch gemeint.
Nachvollziehbar, denn wenn die Subventionskuh erst mal wieder im Melkgeschirr ist, werden die großen Vier (und ich meine nicht die Beatles) schon dafür sorgen, dass sie dort bleibt, so lange wie möglich. Vor allem weil FDP und CDU/CSU schon davon sprechen, dass "der weltweite Trend zu mehr Atomkraftwerken geht". Dass gewisse Parteien in Deutschland ein offenes Ohr für die Industrie haben, ist auch nichts Schlechtes. Dass sie allerdings auch eine offene Hand für die Industrie haben, um ihr anschließend jeden Wunsch von den Augen abzulesen, hingegen schon.
Also, zusammenfassend kann man sagen: Noch keine Entspannung für die Subventionskuh, sie steht immer noch im Melkgeschirr der Stromkonzerne. Aber der Widerstand formiert sich aus verschiedenen Richtungen: Markttechnisch, Ökonomisch, Wissenschaftlich.


Interessant fand ich anschließend noch die Kommentare. Der Kommentator Kirl befürchtet nämlich, dass langfristig der Strompreis in Deutschland steigt, weil die Solarkraft überfördert ist.
Allerdings dürften die Strompreise in Deutschland eigentlich um ein Drittel billiger sein, wenn es wirklichen Wettbewerb geben würde, mein lieber Kirl. Die sind nämlich jetzt gerade völlig überteuert, gerade im europäischen Vergleich. Sehr viel schlimmer kann es Solarkraft auch nicht machen. Im Gegenteil, die Frankfurter Rundschau bekräftigt, dass die Solarstromförderung den Bürger im Monat 1,60€ kostet... Für CO2-freien Strom aus Geräten, die nicht einmal Wartung brauchen. Ich frage mich, wie Kirl dann darauf kommt, die nächsten zwanzig Jahre würde die so diskriminierte "Solarschuld" den Steuerzahler 100 Milliarden Euro kosten. Für mich stinkt der Kommentar nach Atomstromlobby.

Der Kommentator gman schlägt in die fast gleiche Kerbe und rechnet uns vor, wie teuer Solarstrom ist, im Vergleich zur geförderten Wasserkraft. Lieber gman, bevor Du, wie es gerade Mode ist, im Netz die Solarkraftförderung zusammen streichen willst, schau Dir mal diese Gegenrechnung zur Atomenergie aus D-Mark-Zeiten an, die ich per Zufall im Web gefunden habe.
Die Zahlen sind genauso sicher wie Deine - und genauso unsicher.

Fazit: Atomstrom ist weder billig, noch CO2-neutral. Aber es wird viel damit verdient, und wir können sicher sein, dass sowohl die Spaßpartei als auch CDU/CSU ein offenes Ohr für die Nöte der großen Vier haben wird. Und die Spaßpartei auch eine offene Hand, wie sie in dieser Legislaturperiode bereits bewiesen hat.

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