Montag, 1. März 2010

Diesmal geht es endlich wieder ums schreiben...

Aber nicht darum wie ich schreibe, sondern wie andere ihre Arbeiten verbessern können.
Der folgende Text wurde von mir zuerst auf Animexx.info geschrieben und veröffentlicht, aber ich finde ihn so lehrreich, dass ich ihn hier in meinem Blog erneut bringe.
Und ihn einfach mal so stehen lasse. Ich hoffe, damit dem einen oder anderen etwas Hilfestellung geben zu können.

Weil ich meine Finger nicht still halten kann, und weil ich gerade wieder auf typische Probleme gestoßen bin, hier ein paar Schnelltipps, die immer gültig sind.


Meine Tipps zur Verbesserung von Stil, Sprache und Grammatik bei Nachwuchsautoren:

1) Als Anfänger sollte man stets kurze Sätze schreiben. Und mit kurz meine ich MAXIMAL zwei Zeilen. Schachtelsätze über vier, fünf, neun Zeilen sind ein absolutes No Go.

2) Bei der wörtlichen Rede gilt dies: Folgt auf die wörtliche Rede ein Nebensatz, wird er mit einem Komma hinter den Anführungsstrichen abgetrennt. Nicht davor, und weggelassen werden darf er auch nicht. Punkt wird dann nicht gesetzt. Fragezeichen und Ausrufungszeichen hingegen schon.
Punkt setzt man nur, wenn der Satz mit der wörtlichen Rede endet.

3) VIELE hoffnungsvolle Jung-Autoren stehen auf dem Kriegsfuß mit Verben, Adjektiven und Substantiven. Oder, um die Unterscheidung zu erleichtern, Tu-Wörter, Wie-Wörter und Hauptwörter.
Der generelle Unterschied zwischen ihnen ist: Tu-Wörter und Wie-Wörter werden klein, Hauptwörter aber groß geschrieben.
Tu- und Wie-Wörter erklären sich eigentlich selbst, aber sicherheitshalber erwähne ich es noch mal: Unter Tu-Wörtern, also Verben, die klein geschrieben werden, versteht man alle Wörter, die in den Bereich der Tätigkeiten fallen. Also: gehen, laufen, schreiten, machen, lernen, denken, glauben.
All diese Wörter haben gemein, das man sie tut. Aber vorsicht, wenn man den Begriff an sich meint, als das Gehen, das Laufen, den Glauben, dann handelt es sich um Hauptwörter, und sie werden groß geschrieben. Ein wichtiges Hilfsmittel ist hier der Artikel. Wörter, den man einen Artikel geben kann, sind also Hauptwörter und werden groß geschrieben.
Das gleiche gilt für Wie-Wörter, als da wären: WIE ist eine Sache? Gelb, schön, traurig, witzig, laut, schnell, spannend, genial (ich also ^^V). Diese Wörter werden klein geschrieben. Insofern sind Wie-Wörter, also Adjektive, etwas leichter als Tu-Wörter, weil man aus ihnen nicht so ohne weiteres Hauptwörter machen kann. Das geht bei Farben ganz gut: Das Gelb, das Blau, das Grün. Aber nicht hier: Die Schöne, die Trauer, der Witz.
Auch hier gilt wieder: Kann man einen Artikel vorstellen, ist es höchstwahrscheinlich ein Hauptwort, und wird groß geschrieben.
Wobei ich hier eine Einschränkung habe: Das gilt nur für den Fall, dass der Artikel auch davor passt, und NICHT mit Gewalt vorgesetzt wurde, wie ich traurigerweise schon erleben musste.

4) Formulierungen sind SEHR WICHTIG. Oder anders ausgedrückt, der Lesefluss ist es. Man kann in einem Text noch so ambitioniert sein, noch so gute Ideen haben, wenn man den Leser nicht bei der Stange hält, nützen auch die fünfzig Einselfer-Quietschkommis aus dem eigenen Zirkel nichts. Deshalb rate ich immer wieder: Ihr habt einen Satz geschrieben und die von mir vorgestellten Regeln beachtet, aber irgendwie ist noch was falsch? Lest ihn laut. Ein Satz, der gut klingt ist normalerweise auch gut geschrieben. Eine sehr sichere und einfache Methode zum besseren Schreiben.
Wenn Ihr hier und da dennoch unsicher seid, FRAGT MICH!

5) Auch diesen Tipp erwähne ich immer wieder: Lest viel!
Und zwar nicht unbedingt die vor Fehlern strotzenden Geschichten Eurer Lieblingsfanautoren, die Euch immer so tolle Bewertungen geben, sondern lektorierte Bücher, in denen das Deutsch steht, das Ihr lernen wollt. Meinetwegen lest die Texte von Leuten auf Fansites, aber nur von denen, die es können. Nur so lernt man dazu. Wer vor Fehlern überquellende Texte liest, lernt die Fehler.

6) Don't like it, don't read it gibt es nicht.
Alle Autoren, egal wie alt und egal wie hoffnungsvoll oder wie groß ihre Klientel auch sein mögen, stellen sich der Kritik, sobald eine Geschichte frei veröffentlicht wurde. Jeder hoffnungsvolle Jung-Autor, der eigentlich nur Quietschkommis hören will, muss das wissen, das nun Hinz und Kunz vorbei kommen können, um zu kommentieren. Und wenn es mehr als ein "Ist das Scheiße" ist, sondern ernsthafte Tipps zur Verbesserung, dann sollte man nicht mit "Don't like it, don't read it" antworten.

7)Das Eingemachte.
a) Wie schreibe ich eine gute Geschichte?
Zuallererst sollte man sich über eines klar sein: Was will ich schreiben, und wie lang soll es werden? Natürlich kennen wir das alle: Wir fangen mit einer Kurzgeschichte an, und bevor wir uns versehen, sind es zwanzig Seiten geworden, ohne das ein Ende abzusehen ist. Das ist legitim. Was aber wenn wir uns am Zügel reißen? Dann ist es nicht verkehrt, den Plot zu kennen, bzw. niedergeschrieben zu haben.
b) Wenn man weiß, das die Geschichte länger werden soll, hat es sich bewährt, entweder eine kurze Biographie zu jeder wichtigen Person zu schreiben, die Dinge wie Alter, Aussehen, Reaktionen und das Umfeld berücksichtigen (Nadia ist eine Waise. Sie ist dreizehn Jahre und sucht mit ihrem Jugendfreund Sam nach ihrer Vergangenheit. Sie ist fröhlich, weltoffen, etwas naiv, aber das macht nichts weil sie den schwarzen Gürtel in Judo hat. Sie hat blaue Augen, braune Haut, schwarze Haare, ein schmales Gesicht mit dezenter Nase und Segelohren. Sie ist eigentlich recht hübsch.).
c) Bei bestimmten Geschichten lohnt es sich, auch Exposés zu Orten zu verfassen, zu Technologie, zur Vorgeschichte der eigenen Story. Je größer sie werden soll, desto ausführlicher ist sie auch auszuarbeiten.
d) Geschichten schreiben ist wie ein Rollenspiel spielen. Hier gilt die Gesagt, getan-Regel. Alles was man nicht in die Geschichte schreibt ist folglich nie passiert, egal wie oft man hinterher drauf hinweist. Deshalb ist die Planung der Handlung ebenso essentiell wie eine gute Nachbearbeitung. Man liest grundsätzlich seine eigene Geschichte noch einmal durch, wenn sie fertig ist, und korrigiert seine Fehler und Unterlassungen.
e) Eine gute Geschichte muss den Leser beim ersten Satz fesseln und "bei der Stange halten". Es schadet also nichts, am perfekten Eröffnungssatz zu feilen. Bedenkt dabei aber IMMER, er muss auch zum folgenden Text passen. Schreibt also keinen Splatteranfang, wenn es eigentlich um eine Selbstfindungsstory geht.

8) Noch ein Tipp für Fortgeschrittene: Ihr habt einen Text geschrieben? Ihr seid stolz auf Euch? Wollt Ihr dennoch was Neues lernen? Okay, dann nehmt einen beliebigen Text von Euch und dreht die Sätze um. D.h. nehmt einen Satz und stellt den komplett um. Allerdings sollte er später noch einen Sinn ergeben. Genauso wie der Text. Das hat was von: Dinge aus einer neuen Perspektive sehen. Und es macht Spaß.

9) Noch mal kurz zum Thema Self Insert: Es ist absolut legitim, sich selbst in seine eigenen Stories zu seinen Lieblingsserien rein zu schreiben. Und in den eigenen Stories darf man auch tun und lassen WAS IMMER MAN WILL.
Aber bedenkt eines: Je mehr Ihr übertreibt, je mehr die Kanon-Charaktere, die Ihr für Eure Story benötigt, gegen ihr Verhalten in der Serie/den Romanen/den Mangas/den Animes handelt, desto uninteressanter ist die Story für potentielle Neuleser. Ein guter Self Insert geht einfach in der Haupthandlung auf. Alles andere provoziert Kritik und hat zudem mit der Originalserie nichts mehr zu tun. Außer ein paar Namen, vielleicht.

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