Donnerstag, 17. Juni 2010

Schwedens Ausstieg aus dem Ausstieg

Ich bin nicht immer ganz glücklich mit tagesschau.de. Nicht mit der Berichterstattung, nicht mit den Kommentaren der Redakteure, und erst Recht nicht mit einigen Sprüchen in den Kommentaren der Leser. Doch was soll's, ich habe nun mal den Nachrichtenfeed, und es ist so einfach, mit einem simplen Klick einen Überblick zu wenigstens einem Teil der Welt zu bekommen.
So auch heute Mittag, als ich die interessante Meldung gelesen habe, dass Schweden morgen im Parlament darüber entscheidet, ob es aus dem Atomausstieg wieder aussteigt, sprich neue Kernkraftwerke baut.

Was ist passiert? In den Achtzigern beschloss Schweden, keine Atomkraftwerke mehr zu bauen und auf andere Energiequellen zu setzen.
Heute, rund dreißig Jahre später, sehen konservative schwedische Parteien jedoch Atomkraft als Wirtschaftsmacht an, die Arbeitsplätze schafft und eine stabile Energiewirtschaft ermöglicht, und das zu günstigen Preisen.
Das dringlichste Problem dabei, die Endlagerung, sehen sie durch den zwei Milliarden Jahre alten Granitfelsen unter der Stadt Oskarshamn als gesichert.
DAs ist ja gut und schön, liebe Schweden, und es ist auch allemal besser, Atommüll in Granit einzulagern, anstatt die deutsche Methode mit dem wasserlöslichen Salz auszuprobieren und zu scheitern. Dennoch bleiben einige unbequeme Fragen übrig.

Zum Beispiel für mich als Laien auf geologischem Gebiet: Schön und gut, dass Euer Granit zwei Milliarden Jahre alt ist, aber bleibt die Gesteinstasche, in die der Endmüll soll, die einhunderttausend Jahre, die das Zeug strahlt, auch in sich stabil?
Immerhin braucht man sich nur das eine oder andere Gebirge anzuschauen, um zwei Milliarden Jahre alte Gesteinsschichten oben in den Bergen zu finden, anstatt an ihren Wurzeln... Gestein hat die wirklich ärgerliche Eigenschaft, sich aufzufalten, zu verwerfen. Was heute unten liegt, ist in einer Million Jahren vielleicht ganz oben. Oder in der Mitte. Oder irgendwo weiter rechts vorne. Hält die Tasche ihre einhunderttausend Jahre? Oder wird sie noch innerhalb der einhunderttausend Jahre zerquetscht? Okay, das liegt viertausend Generationen in der Zukunft, und Menschen gibt es dann in unserer jetzigen Form sicher nicht mehr. Aber das Problem kann ja auch wesentlich früher auftreten. Der Erdmantel ist eben alles, nur nicht stabil. Und wer den zwei Milliarden Jahre alten Granit als Argument dafür angibt, der muss es sich gefallen lassen, wenn er als Argument dagegen angeführt wird.

Frage Nummer zwei: Warum setzt Schweden auf Atomstrom? Weil er am an CO2 ist? Sicherlich nicht, denn alleine beim Abbau, dem Transport und der Anreicherung fält mehr als genügend an.
Weil er günstiger ist? Vielleicht haben die Schweden den großen Trick gefunden, wie man Atomstrom günstig produziert. Bei uns in Deutschland jedoch ist er nur günstig, weil er subventioniert wird.
Weil er stabile Stromspannung liefert? Wohl wahr. Dafür kann ein Atomkraftwerk jedoch keinen Verbrauchsspitzen beliefern, d.h. es kann den Output nicht steigern. An oder aus. Dazwischen gibt es nichts. Für Spannungsspitzen braucht man konventionelle Kraftwerke.

Frage Nummer drei: Warum eine Energieform, die von Uran abhängig ist? Uran ist ein Rohstoff, der natürlich in der Erde vorkommt. Das bedeutet nicht, dass er endlich ist. Das bedeutet nur, dass er abgebaut werden muss, und zwar dort wo er vorkommt.
Wenn man einen Blick auf diese Karte wirft, erkennt man, dass Schweden nicht gerade großartige Reserven an Uran hat. Egal ob Öl oder Uran, diese Methode der Stromerzeugung macht abhängig. Weit abhängiger als die Wasserkraft im eigenen Land, Windkraftanlagen und Solarenergie. Uran ist gewiss nicht endlich, was nicht zuletzt daran liegt, dass man sicher noch nicht alle produktiven, Förderungswerten Lagerstellen gefunden und erschlossen hat. Aber teuer wird er, der Rohstoff Uran. Teurer, mit jedem Kernkraftwerk, das zusätzlich betrieben wird, das zusätzlich das Futter braucht. Mehr Kraftwerke im Land bedeutet einen erhöhten Bedarf. Damit verteuert Schweden sich selbst diese wichtige Ressource. Und macht sich abhängiger vom Lieferanten.

Viele, viele Nachteile, und ich bin noch nicht mal ins Detail gegangen.
So nett die Idee mit dem Granitbergwerk auch ist, und so praktisch sie erscheint, Schweden hat keine eigene Uranförderung. Zwar wissen Medien zu berichten, dass das Land eigenes Uran fördern und sogar exportieren kann, doch sich dagegen sträubt. Und somit verbleibt es wieder in der Abhängigkeit des internationalen Markts.
So wird das nur ein sehr teurer Spaß für die Bürger und die Subventionskassen, liebe Schweden.

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