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Mittwoch, 24. Oktober 2012

Erdbebenprognose ist kein An/Aus-Schalter

Stichwort Erdbebenprognose.
Schauen wir nach Japan, ein Land, das nicht nur am sogenannten pazifischen Feuerring liegt, defacto dem Rand der Pazifik-Kontinentalplatte, was die Folge hat, dass es rings an den Ufern des Pazifiks, und damit auch in Japan, Hunderte Vulkane und eine gesteigerte Erdbebengefahr gibt, sondern das auch noch aus vier langgestreckten Inseln besteht, die entlang des Feuerrings verlaufen.
Japan ist ein hochmodernes Land. Es schützt sich gegen Erdbeben zum Beispiel durch moderne Bauweisen, den Einbau von Gyroskopen in Hochhäusern, um die Schwingungen der Erschütterungen eines Bebens auszugleichen, verfügt an den Küsten über Tsunami-Sperren, und über einen gut trainierten Katastrophenschutz.
Japan lebt schon seit Jahrtausenden mit Erdbeben. Es ist nichts Ungewöhnliches für dieses Land. Man kennt und lebt mit den Erdbeben. Als letztes Jahr im Winter das Touhoku-Erdbeben der Stärke 9.0 das Land erschütterte und die anschließende Tsunami fast zwanzigtausend Menschen tötete (etwas über zweitausend werden noch immer vermisst), war dies das stärkste jemals gemessene Erdbeben seit Beginn der seismischen Aufzeichnungen für Japan. Es war eine unglaubliche Katastrophe, die, verbunden mit dem Reaktorunglück in Fukushima Daiichi und diversen anderen ostjapanischen Reaktorstandorten wohl kaum schrecklicher hätte sein können. Aber, und das sage ich hier jetzt mal, ohne etwas schönreden zu wollen, es hätte noch viel schlimmer ausfallen können.
Einmal ganz davon abgesehen, dass man vor einer zehn Meter hohen und mehrere Kilometer langen Wasserwand nicht besonders gut fliehen kann - womit man nicht rechnet, darauf kann man sich nicht vorbereiten - verhielten sich Japan und die Welt außergewöhnlich diszipliniert, und die Hilfsaktionen für die schwer getroffenen Provinzen liefen schnell mit weltweiten Teams an.
Wobei ich mich peinlich berührt daran erinnere, dass die deutschen Hilfsteams, kaum das sie angekommen waren, wegen angeblicher Gefahr der radioaktiven Verstrahlung wieder abgezogen wurden, Chinesen und Koreaner aber weitergemacht haben... Wahrlich kein Ruhmesblatt für uns Deutsche.
Ließ sich Japan davon unterkriegen? Nein. Bereits vorher hatte das Land schwere Erdbeben zu überstehen, eines davon erwischte 1995 die Stadt Kobe und löste eine mittlere Katastrophe mit fast fünftausend Toten aus. Die anschließenden Brände machten über dreihunderttausend Menschen obdachlos, und Japan lernte daraus.
Japan weiß, dass es durch Erdbeben stark gefährdet ist. Deshalb gibt es ja auch erdbebensichere Bauweisen, gerade in der Megastadt Tokio. Oder auch das Handy-Warnsystem, das ein bevorstehendes Erdbeben in einer Region bis zu dreißig Sekunden zuvor erfassen und eine Notfallwarnung an alle Handys der Region abgeben kann, um den Menschen zu ermöglichen, sich in der verbliebenen Zeit so gut es geht in Sicherheit zu bringen.
Und legendär natürlich jede japanische Nachrichtensendung, bei der ein Erdbeben das Studio durchschüttelt, die Sprecher es stoisch aussitzen und im Hintergrund die Schränke umfallen... Man kennt Erdbeben, man weiß damit umzugehen. Selbst das fatale Houtoku-Erdbeben konnte Japan nicht unterkriegen, und ab sofort weiß man in Japan mehr darüber, wie man sich vor einem 9.0er mit anschließender Super-Tsunami besser schützen kann. Wir können zu Recht sagen - ich sage das besonders - was Erdbeben angeht, da lassen sich die Japaner kein X für ein U vormachen, und sie streben beständig, als Volk, das ohnehin in einem stark gefährdeten Erdbebengebiet lebt, danach, den Schutz der Menschen und der Gebäude zu verbessern.

Szenenwechsel in die italienischen Abbruzzen, einem stark erdbebengefährdeten Gebiet, das sich relativ nahe am Vesuv befindet, jenem Supervulkan, der vor zweitausend Jahren jenes Gebiet, das heute von Neapel vereinnahmt wird, in einer gewaltigen Eruption praktisch entvölkert hat und dabei die Städte Pompeji, Stabiae und Herculaenum vernichtete.
Dass die Region relativ unruhig ist, wissen wir ohnehin, denn der Stromboli im Tyrrhenischen Meer ist nahezu permanent aktiv. Gleiches oder ähnliches gilt für den größten Vulkan Europas, den in Ostsizilien zu findenden Ätna. Italien befindet sich nun einmal in der prekären Lage, im Zusammenstoßgebiet von afrikanischer und europäischer Platte zu sein; und dass Spannungen, die die Alpen aufschieben, keinerlei Auswirkungen auf jenen Teil der afrikanischen Platte haben soll, der "direkt schiebt", ist vielleicht etwas zu blauäugig gedacht. Dementsprechend ereignete sich in der relativ tektonisch aktiven Region der Abruzzen 2009 ein Erdbeben der Stufe 6,3 auf der Richterskala.

Heute vermeldet der Stern, dass im Zuge des Erdbebens und der Bewältigung der Folgen sieben Wissenschaftler sowie der ehemalige Sprecher des Zivilschutzes, Bernardo di Bernadinis, zu sechs Jahren Haft verurteilt worden sind.
Die Begründung des Gerichts, di Bernadinis' Aussage, "es bestehe keine akute Erdbebengefahr, und die Bevölkerung könne sich bei einem Glas Wein entspannen", hätte zu hohen Opferzahlen geführt, ist umstritten. Und der Prozess selbst hat bereits im Vorfeld zu Protesten von über fünftausend italienischen Wissenschaftlern geführt.


...sacken lassen.
Gehen wir die Sache doch mal empirisch an. Die Abruzzen sind Erdbebengebiet, und das nicht erst seit gestern. Viele Tote gab es, als nicht Erdbebensichere Häuser zusammengestürzt sind. Noch immer sind viele tausende Menschen in der Region obdachlos. Es gab viel Wut und Ärger in der Region, nicht zuletzt deshalb, weil Bauvorschriften nicht eingehalten und die Hilfe vom damaligen Ministerpräsidenten Berlusconi viel zu spät und in viel zu kleinem Maßstab ankam. Was man auch daran sieht, dass noch immer Menschen obdachlos sind. Die Altstadt von L'Aquila war oder ist, ich weiß es nicht genau, seit dem Beben baufällig und in großen Teilen unbewohnbar.
Und da kommt ein Zivilschutzsprecher daher und sagt vor dem Erdbeben, dass die Menschen in aller Ruhe einen Wein trinken sollen. Verständlich, wenn sich dann der Zorn der Bevölkerung gegen die unpräzise, ja, verharmlosende Wissenschaft und einen unfähigen Zivilschutzbeautragten richtet, oder?
Mitnichten.
Die Erdbebenvorhersage ist eine unpräzise Wissenschaft, kein An/Aus-Schalter. Wir haben Vulkane in Deutschland, zum Beispiel in der Eiffel, die seit zwölf bis zwei Millionen Jahren inaktiv sind. Die werden auch in weiteren zwei Millionen Jahren nicht ausbrechen, aber eine gewisse Möglichkeit besteht eben doch, dass sie es tun. Man kann es nicht ausschließen.
Gleiches gilt für den "Supervulkan unter dem Yellowstone Nationalpark". Man sollte meinen, wenn eine vulkanische Magmakammer dieser Größenordnung auszubrechen gedenkt, gibt es erst einmal Jahre oder gar Jahrzehnte zuvor eine große Anzahl an Vorbeben. Von denen im Moment nichts zu bemerken ist. Auszuschließen, dass die Kammer morgen nicht doch ausbricht, kann man nicht. Allerdings ist die Chance, dass sie es ohne Vorbeben tut, doch verschwindend gering. Es ist möglich, aber nicht wahrscheinlich.
Anders sieht es in den Abruzzen aus. Die Region liegt auf einer geographisch aktiven Platte, quasi zwischen allen Stühlen. Größere und kleinere Beben sind in der Region normal.
Natürlich ist es nicht unmöglich, ein bevorstehendes Erdbeben einzugrenzen und bis auf ein paar Tage Ungenauigkeit vorherzusagen, wenn die Anzahl der Vorbeben stimmt, wenn sie sich stetig steigern, wenn alles z.B. auf den Ausbruch eines Vulkans hindeutet, wie beim Mount St.Helen in den Rocky Mountains. Aber manchmal kann das erste Vorbeben auch das Hauptbeben sein. Wir wissen noch zu wenig darüber, um auch ein solches zu erkennen, zumindest nicht mit einer mehrtägigen Vorwarnzeit. Nur gezielte, geförderte Forschung von Fachleuten auf diesem Gebiet kann den Erdbebenschutz stetig verbessern. Was aber äußerst unproduktiv ist, ist die Suche nach dem Schwarzen Peter bei den Erdbebenwissenschaftlern, wenn er eigentlich bei den Baufirmen und der Baubehörde der Region liegen müsste. Die Forscher haben das Erdbeben nicht gemacht, und sie hätten es auch nicht verhindern können. Auf sie wütend zu sein ist das Gleiche, wie den Boten zu töten, wenn er schlechte Nachrichten bringt.
Ich meine, wir reden hier von einem aktiven Erdbebengebiet. Klar war die Aussage von di Bernadinis im geringsten Fall ungünstig, aber wenn nun mal kein Vorzeichen für ein starkes Erdbeben vorhanden war, dann war die Lage nicht gefährdeter als an den Tagen zuvor. Und wie war sie, die Lage in den Abruzzen? Es bestand Erdbebengefahr. Wie an jedem anderen Tag. Quod erat demonstrandum.

Mein Fazit: Das Urteil von Aquila übersteht nie das Berufungsverfahren. Eine so unhalbare gerichtliche Position ist Augenwischerei, Opium für die Massen, um davon abzulenken, dass die Opfer des Erdbebens ganz anderen auf dem Gewissen lasten müssen, nicht den Wissenschaftlern.
Wer das so sieht, hat nicht verstanden, was Wissenschaft ist, was Erdbebenforschung ist, und wird auch nie seinen Nutzen aus ihr ziehen können. Erdbeben sind heutzutage vorhersehbarer, berechenbarer, können aber dennoch zu einer mehr als herben Überraschung werden.
In Japan gab es Dutzende, hunderte Vorbeben. Mit einem so gewaltigen Beben wie dem Touhoku-Erdbeben hat aber niemand gerechnet. Japan hat große Opfer hinnehmen müssen, muss viel aufbauen und leidet unter der Belastung durch die Verstrahlung der Fukushima-Region vom Daiichi-Reaktorkomplex. Will sagen, die Japaner arbeiten konstruktiv daran weiter, ihren Erdbebenschutz zu verbessern.
In Italien sehe ich bis jetzt nur den Willen, die Jagd nach Sündenböcken zu verbessern, als zum Beispiel mal in Japan nachzufragen, wie sie es denn mit dem erdbebensicheren Bauwesen machen.
Ein für mich vollkommen unverständliches Verhalten. Italien, nimm Dir ein Beispiel an Japan.

Mittwoch, 21. September 2011

Foodwatch wieder...

Es ist kaum zu glauben. Eine Zeitlang dachte ich wirklich, Foodwatch würde sich tatsächlich zu einer sinnvollen Verbraucherschutz-Organisation mausern, die nicht nur Fördermitglieder an sich binden und Zeitungsschlagzeilen produzieren will, sondern nützlich sein möchte... Da beweist sie mir heute das Gegenteil.
Neulich noch fand ich Foodwatch GUT. Dazu genügte ein Blick auf den Pfanner-Tee mit Litschi. Ursprünglich gehörten Litschi nicht mal auf die Zutatenliste, da die Firma behauptet hat, es müssen keine drin sein, nur weil der Saft so heiße... Mittlerweile ist die Litschi auf der Zutatenliste, ergo auch mit drin. Ein grandioser Erfolg, und eine richtig gute Sache, die Foodwatch da betrieben hat. Ich gebe zu, ich hatte HOFFNUNG.

Doch nun das. Foodwatch und die Ärzteorganisation IPPNW, oder auf Deutsch, Vereinigung der Ärzte zur Verhinderung eines Atomkriegs haben in einer Studie klargestellt, dass die Grenzwerte für Radioaktivität in Deutschland viel zu hoch sind.
...sacken lassen.
Der von mir verlinkte Artikel der Website der Frankfurter Rundschau ist nicht ganz vollständig. Sicherlich in der gedruckten Ausgabe, aber auch in meiner hiesigen Zeitung, der Leine Deister Zeitung, ist der Artikel ausführlicher und nennt sogar die Grenzwerte, um die es geht.
Demnach ist diesem Doppelpack der erlaubte Grenzwert von 370 Becquerel Cäsium pro Kilogramm für Säuglingsnahrung und Milchprodukte zu hoch, und soll auf acht gesenkt werden.
In allen anderen Nahrungsmitteln soll der Grenzwert von 600 Becquerel auf 16 gesenkt werden. Cäsium, natürlich.
...sacken lassen.
Bevor ich jetzt mit meinem laienhaften Wissen und einiger Unterstützung von Wiki und den starken Seiten mein Donnerwetter herniederfahren lasse, habe ich für Euch, meine Leser, zwei Fragen:
1) Warum wird immer Cäsium erwähnt? Wir wissen alle, dass Cäsium hochgiftig ist, auch in kleinsten Konzentrationen. Aber ist Cäsium das einzige, was strahlt? Und warum wird der Strahlenwert Becquerel angegeben, aber nicht die Menge an Gramm, Milligramm oder Mikrogramm, die Cäsium gemessen an einem Kilogramm Nahrung haben darf? Warum dieser Umweg über die Strahlenbelastung? Okay, das waren jetzt vier Fragen, zugegeben.

2) Wenn die IPPNW und Foodwatch die Senkung des Grenzwerts für Babynahrung von 370 auf acht Becquerel pro Kilogramm fordern, kommt das nur mir wie billiger Populismus vor? Das war Frage fünf, zugegeben.
...sacken lassen.

Der Kinderarzt Winfried Eisenberg wird ganz zu Recht damit zitiert, dass "selbst kleinste Strahlendosen [...] die Erbinformationen verändern, das Immunsystem schädigen und Krebs auslösen" können, und das dies besonders für Kinder und Jugendliche gilt. Aber was hat das mit den aktuellen Grenzwerten zu tun?

Menschen, die sich für das Thema interessieren, sprich sich ein klein wenig mit Radioaktivität auskennen, können auf Anhieb mehrere Fakten zitieren, die diese Forderung in einem merkwürdigen Licht erscheinen lässt, schon einmal ganz davon abgesehen, dass Foodwatch und IPPNW das arme Cäsium totreiten.
Da hätten wir:
Radioaktiver, sprich ionisierter Strahlung, also der Strahlung die entsteht, wenn Atomkerne, vornehmlich Isotopen, zerfallen, sind wir permanent ausgesetzt.
Die wichtigsten Quellen für radioaktive Strahlung sind: Der Boden in Form von Emissionen unter anderem des radioaktiven Edelgases Radon; der Himmel in Form von kosmischer Strahlung, die natürlich im Weltall vorkommt; und, man höre und staune, der menschliche Körper! Jaha, Herrschaften, wir strahlen selbst, und das nicht zu knapp. Die Aufteilung auf die einzelnen Werte hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab. Je höher man wohnt, desto höher ist die Belastung durch Weltraumstrahlung. Je nachdem in welcher Region man lebt, ist die Belastung durch Radon-Emissionen höher oder niedriger. Je nachdem was man zu sich nimmt, hat man mehr oder weniger Isotopen im Körper, die radioaktive Strahlung aussenden.
...sacken lassen.

Laut Wikipedia emissiert ein Mensch durch die in seinem Körper eingelagerten Isotope - weniger Cäsium, sondern eher durch Elemente wie das natürlich strahlende Kalium - 9000 Becquerel selbst. Bei einem Anteil von dreißig Prozent der natürlichen Strahlenbelastung durch den eigenen Körper, vierzig von kosmischer Strahlung und dreißig von Erdstrahlung (was ja je nach Ort variiert) schauen wir hier auf die natürliche Belastung des Menschen. Das, was der Mensch sowieso abkriegt, ob er will oder nicht. Genau, von diesem Zeug, das einem in Überdosis Krebs verursacht, die Haare ausfallen lässt und die Zähne kostet. In Überdosis, wohlgemerkt.
Das gilt für uns, das gilt für Kinder.
...sacken lassen.

Mein Fazit: Augenwischerei. Alles nur Augenwischerei. Die Forderung nach einer derart radikalen Senkung der Grenzwerte ist reiner Populismus. Klingt gut, aber was soll das bringen? Klar sind Grenzwerte für Cäsium eine sehr gute Idee, das Zeug IST ja hochgiftig. Aber es zeigt doch mal wieder den reinen Show-Effekt, wenn immer wieder Cäsium! Cäsium! geschrien wird, und andere radioaktive Quellen wie Radon, Kalium und Radium keine Erwähnung finden. ODer Uran. Warum nennt hier niemand Uran?
Wieder einmal wird hier schlicht auf die Angst der Menschen spekuliert. Jener Menschen, die nicht einmal so wenig wie ich über Radioaktivität wissen. Und diese sollen dann was? Foodwatch-Unterstützer werden? Sicher, es macht immer Sinn, über Belastungsgrenzen für Umweltgifte zu diskutieren, es macht immer Sinn zu schauen, ob die derzeitigen Grenzen nicht zu hoch angelegt sind, ob diese nicht ein Hintertürchen dafür sind, dass Menschen Schaden entsteht. Und gerade beim hochgiftigen Cäsium sollte man sehr umsichtig sein, vom Iod-Isotop 131, das sich in der Schilddrüse ablagert und dort schwere Schäden anrichten kann, ganz zu schweigen.
Aber ehrlich gesagt möchte ich diese Diskussion nicht mit jemandem führen, der die Grenzwerte für Kindernahrung fünfzigfach zu hoch hält, und die Werte für Erwachsene fast zwanzigfach zu hoch... Da denkt man doch spontan: Hey, Greenpeace, ist euch das noch nicht aufgefallen, Ihr Flaschen?

Nein, Herrschaften, es ist eine unwiderlegbare Tatsache, dass wir permanent Radioaktivität ausgesetzt sind. Sie kommt von oben, sie kommt von unten, und sie kommt aus uns selbst. Diese Radioaktivität alleine ist weit höher als die Grenzwerte für Kindernahrung in Deutschland. Und wir reden hier von der Normalbelastung für den menschlichen Körper, nicht von Extremfällen. Dazu muss man auch einrechnen, dass auch die durch Nahrung aufgenommenen Isotope zu dieser natürlichen Belastung gehören.
Die Grenzwerte sollen uns vor übermäßiger Belastung schützen, vor gefährlicher, ja, tödlicher Belastung. Aus diesem Grund sind sie bei uns sehr tief angesetzt, und in Japan doppelt so tief. Jetzt zu kommen und eine Senkung um das Fünfzigfache zu fordern ist schlichtweg Quatsch. Genauso wie der Cäsium-Chauvinismus im ganzen Artikel Quatsch ist. Ich habe es schon geschrieben: Cäsium ist nicht das einzige Element, das strahlt. Aber das Wort zieht wohl einfach besser. Noch eindringlicher kann man sich selbst nicht als Populisten entlarven.

Vielleicht ist eine Diskussion über die deutschen Grenzwerte und über gemeinsame europäische Grenzwerte keine schlechte Sache. Aber Foodwatch oder die IPPNW würde ich dabei nicht so gerne anhören. Beide Organisationen kennen laut Zeitung nur das radioaktive Isotop Cäsium und sehen nur dies als gefährlich an; die anderen radioaktiven Elemente verschweigen sie oder kennen sie nicht, und laut Zeitung wollen sie auch nur eine Senkung für den Anteil von Cäsium im Essen, es geht ihnen nicht um eine Senkung von Strahlungsbelastung im Allgemeinen. Dabei ist es Gamma-Strahlung egal, ob sie aus der Kernfusion von Wasserstoff zu Helium entstammt, von Cäsium emissiert wird, oder ob Radon sie abgibt.
Mit Schock-Begriffen Schock-Grenzwerte durchzusetzen ist und bleibt Populismus. Und bei einer körpereigenen Strahlenbelastung von lt. Wiki 9000 Becquerel eine Senkung des Grenzwerts von sechshundert auf sechzehn zu fordern - wohlgemerkt geht es hier um eine Obergrenze, die bereits niedrig angesetzt ist - ist vor allem sehr dreist.
Mit der Angst der Menschen zu spielen hingegen ist frech.

Noch ein kleines Schlusswort von mir: Natürlich ist Radioaktivität gefährlich, natürlich kann sie tödlich sein. Ich wäre nicht gegen Atomenergie, wenn das nicht der Fall wäre. Aber es gibt eine sinnvolle, sachliche Diskussion, und es gibt eine unsachliche, populistische und übertreibende Diskussion, die der Sache nicht hilft, aber dem, der sie ausspricht, mehr Aufmerksamkeit verschafft. Ich nenne das: Schreien um des Schreiens willen. Foodwatch hat das in meinen Augen schon oft genug gemacht. Und hat in puncto Sachlichkeit nicht dazu gelernt.
Die Radioaktivität, über die wir hier allerdings reden, ist moderat. Natürlich können Kinder, Kleinkinder und Babys bereits bei diesen niedrigen Grenzwerten durch über die Nahrung aufgenommene Isotope Krebs bekommen... Aber das können sie auch bei einem Grenzwert von acht Becquerel. Und wie ich weiter oben schon schrieb, der Radioaktivität entkommen können wir ohnehin nicht.
Für uns Menschen gilt, dass wir uns von zu hoher, zu langer, zu intensiver Strahlung schützen müssen.
Tatsächlich erleiden unsere Körper genau in diesem Moment, wir Erwachsene ebenso wie Kinder und Babys, abertausende Zellschädigungen in unseren Körpern durch die radioaktive Strahlung in unseren Körpern und in unserer DNS. Tatsächlich entarten gerade jetzt bei einigen von uns durch diese Schäden Zellen und werden zu Krebsgeschwüren.
Tatsächlich werden einige von uns erst in wenigen Minuten Krebs ausbilden...
Und tatsächlich ist unser Körper darauf eingestellt. Denn auch tatsächlich frisst der Körper jeden Tag entartete Zellen, vernichtet Krebs, repariert die DNS-Codes. Dennoch erkranken und sterben Menschen an Krebs. Aber das liegt nun einmal nicht primär an der Nahrung, und ein Pilot oder ein Flugbegleiter, oder eben eine Röntgenschwester im Krankenhaus haben eine höhere Strahlenbelastung und damit ein höheres Risiko, um an Krebs zu erkranken... Was aber nicht automatisch Krebs bedeutet. Das Gleiche gilt für die Nahrung.
Entkommen können wir der Radioaktivität nicht. Sie gehört zu unserem Leben einfach dazu. Ebenso wie der Krebs, der uns begleiten wird, solange wir Menschen aus organischer Materie bestehen werden. Allein, helfen kann uns die Forderung von Foodwatch und der IPPNW in keiner Form. Sie ist nur gut zur Profilierung beider Organisationen. Und das ist diesem ernsten Thema nicht angemessen.


Themawechsel. In meiner Tageszeitung steht auch, dass in Rom sieben Seismologen vor Gericht gestellt werden sollen, mit der Anklage auf Totschlag, weil sie vor dem Erdbeben am 6. April 2009 in L'Aquila nicht ausreichend gewarnt haben...
Noch so eine Sache, die man nahtlos in die Foodwatch-Diskussion mit einbeziehen kann. Wenn ich so etwas lese, denke ich automatisch an Kreationisten.
Die zitierten Wissenschaftler wurden nach einer Analyse gefragt, ob es in der Region L'Aquila nach mehreren kleineren Erdbeben zu einem großen kommen könnte.
Die Wissenschaftler waren sich einig, dass die bsiherigen Beben keine typischen Vorläuferbeben für ein "Big One" waren, aber sie konnten es auch nicht ausschließen.
Anschließend gab es das Beben, und es verwüstete die Stadt, es gab 308 Tote. Es hatte eine Stärke von 5,8 auf der Richterskala.
...sacken lassen.
Als ich in San Francisco war, im Jahr 2000, habe ich in meiner ersten Nacht im Hilton&Towers im, hm, dreißigsten oder vierzigsten Stock geschlafen. Ich war so totmüde wegen meinem Jetlag, ich verschlief sogar das Erdbeben, das die Stadt kurz erschütterte... Es hatte, wenn ich mich recht erinnere, eine Stärke von fünf Komma vier. Und man mag es kaum glauben, am nächsten Morgen stand nicht nur mein Hotel noch, sondern auch die restliche Stadt.
...sacken lassen.

Fazit: Man kann Erdbeben nicht zu einhundert Prozent vorhersagen. Die Japaner haben eine Methode entwickelt, die anhand gemessener Schockwellen eine Vorwarnzeit von zehn bis dreißig Sekunden bietet; genug Zeit, um Menschen per Handy zu warnen, damit sie Schutz suchen können, oder ins Freie kommen, genug Zeit, um Kraftwerke abzuschalten (was, wie wir wissen, auch nicht immer klappt).
Dass die Forscher L'Aquila nicht vorhersagen konnten, ja, ein großes sogar ausschlossen (aber nicht ganz) liegt einfach in der Natur dieser Wissenschaftsdisziplin.
Vergleichen wir jedoch mal das San Francisco-Beben, das ich verschlafen habe, und nehmen das L'Aquila-Erdbeben hinzu, was sehen wir da? Links eine unversehrte, erdbebensichere Stadt, die gelernt hat, mit dieser Naturkatastrophe umzugehen und kleinere Beben unbeschadet zu überstehen; rechts hingegen eine komplett verwüstete Stadt mit vielen Toten und Verletzten.
Das bringt mich zur Erkenntnis, dass es weder um die Erdbebenforscher geht, noch um die Erdbebenvorhersage an sich. Es geht darum, dass jemand für L'Aquila büßen soll, für die Pfuscharbeiten beim Bau der Häuser, für die langsamen bis nicht vorhandenen Hilfen, die der Staatschef eigentlich zugesagt hatte, für den Wiederaufbau der einsturzgefährdeten Innenstadt, für das zerstörte Leben der Opfer. Und wie es scheint, versucht man nun den Volkszorn von der korrupten Baubranche, vom Versagen der Politik und vom Pfade der Vernunft in Richtung der Wissenschaft zu drängen. Besser sie als... Wer?
Derjenige, der eine Antwort auf diese schlichte Frage hat, findet die wahren Verantwortlichen der Katastrophe von L'Aquila.
Oder um es mal anders auszudrücken: 5,8? Moderne Länder mit Erfahrung im Erdbebenschutz lachen doch über so ein Beben.
Italien ist ein Erdbebenland, aber augenscheinlich wurde die ganze Stadt L'Aquila NICHT erdbebensicher erbaut. Und das, obwohl vor allem in der Innenstadt viele moderne Gebäude stehen/standen, wenn ich die Fernsehbilder der geräumten Zone recht im Kopf habe. Wir reden hier über Korruption, Pfusch am Bau, Materialunterschlagung, und über weitere hässliche Dinge, die zur Vernichtung der Stadt beigetragen haben. Die Wissenschaftler haben damit am wenigsten zu tun.
Man kann nur hoffen, dass dieser populistische Täuschungsversuch grandios scheitert und die wirklich Schuldigen auf die Anklagebank gesetzt werden.
Jemanden zu bestrafen, nur weil man einen braucht, das ist absolut sinnlos. Es muss dann auch den Richtigen treffen.


Edit am 22.09.: Erstmals hat Foodwatch meinen kleinen Blog gefunden, und Herr Rücker nimmt ausführlich Stellung in den Kommentaren zu meinen Vorwürfen.
Um mal ein Zuckerli auszuteilen: Bei der Null Toleranz-Forderung von Iod131 in Nahrungsmitteln haben Foodwatch und IPPNW zu einhundert Prozent Recht.
Der Rest, na ja, lest die Kommentare.

Nachtrag: Nachdem ich einige Zeit darüber nachgedacht habe, komme ich zu dem Schluss, dass ein einheitlicher Höchstwert in der Exposition durch Ionenstrahlung sowohl für Nahrung als auch für Belastung z.B. benachbarte Kernkraftwerke Sinn macht. Wie hoch dieser Wert sein sollte, sei allerdings dahin gestellt. Denn wie gesagt, der eigene Körper produziert alleine schon 9000 Becquerel...

Mittwoch, 18. Mai 2011

Pwned 'bout Fukushima

Gestern wurde ich gepwned. Und das vollkommen zu Recht, wenn ich im Nachhinein nachdenke. Wegen der Reaktorkatastrophe in Fukushima Daiichi. Vom Freund meiner Schwester.
Was war passiert? Nun, das was immer passiert, wenn wir zusammensitzen: Wir unterhalten uns, hüpfen durch die Themen, und da wir beide ein breites Wissen haben, kommt immer was Konstruktives bei raus. Dann kam das Thema auf Fukushima, und ich, mit dem Gedanken daran, was passiert wäre, wenn bei einem, oder womöglich allen sechs Kernkraftwerken die sogenannten Cores supererhitzt auf z.B. Grundwasser getroffen wären, was eine wirklich erstklassige Explosion mit anschließender Verseuchung Nord-Honshus zur Folge gehabt hätte, sagte: Das hätte noch viel schlimmer kommen können.
Nun, der Freund meiner Schwester war nicht dieser Meinung. Er sagte, es wäre so schon schlimm genug, und es würde die Menschen, die unter Tsunami, Erdbeben und nun Atomkatastrophe leiden müssten, verhöhnen. Mit einem "Es hätte schlimmer kommen können" ist ihnen weder geholfen, noch werden sie in irgendeiner Form getröstet. Von den Toten, den Obdachlosen, den Evakuierten und den Angehörigen der Opfer, die ganze Liste runter. Keinem ist damit geholfen, diese Riesenkatastrophe auch nur ansatzweise, auch nur in Gedanken zu beschönigen. Pwned. Vollkommen zu Recht.

Es passt sich eigentlich. Ich wollte die Tage ohnehin etwas zu Fukushima Daiichi schreiben, alleine schon um zu zeigen, das ich das Thema weiterhin im Fokus habe (wobei, wie ich zugeben muss, die Folgen von Erdbeben und Tsunami etwas aus meinem Blickwinkel verdrängt werden, was nicht zuletzt an unserer einseitigen Berichterstattung in den Medien liegt - ich würde wirklich gerne mehr über den Wiederaufbau und die Versorgung der Bevölkerung erfahren, über die Arbeit der Hilfskräfte im Erdbebengebiet, und ich würde liebend gerne etwas darüber lesen oder sehen, dass Menschen in der Krisenregion tatsächlich wieder zur Normalität übergehen. Nun, hoffen darf man doch.).
Wenn ich jetzt darüber schreibe, dann mit dem schlechten Gedanken im Hinterkopf, dass ich tatsächlich dachte, es hätte schlimmer kommen können. Das alleine wäre wohl der Fall gewesen, wenn das Erdbebenepizentrum nicht im Pazifik, sondern beispielsweise direkt unter Tokio gelegen hätte. Oder wenn die Evakuierungszone näher an der Hauptstadt liegen würde. Dennoch, auch so ist es schlimm genug. Und ich habe nicht einmal ansatzweise Daten dazu - kann aber runterbeten, in welchen Reaktoren es zu Wasserstoffverpuffungen kam. Das ist zwiespältig.
Zehntausende Menschen an der Küste sind im Zuge eine Tsunami gestorben, die durch ein Erdbeben der Stufe 9 ausgelöst wurde, einem der stärksten Beben unserer Tage. Hunderttausende waren im Inland betroffen - selbst in der Mega-Region Tokio zeigte das Erdbeben Auswirkungen. Und ich habe absolut keine Ahnung, wie viele Menschen leiden und sterben mussten, weil sie erst späte oder gar keine Hilfe erhielten... In einem Land, das auf Tsunamis eingestellt ist. In einem Land, das auf Erdbeben eingestellt ist. Damit will ich den Helfern und den japanischen Streitkräften keine Unfähigkeit vorwerfen, sondern die GRÖßE der Aufgabe beschreiben, derer sie sich stellen mussten. Warum liest man davon so wenig? Und warum ist der berühmte deutsche THW bereits nach vier Tagen wieder außer Landes geflogen, angeblich weil "die radioaktive Wolke" auf sie zugekommen war, während andere Länder wie China (China, hm, mit dem Japan eigentlich gerade nicht so gut kann) und Südkorea im Lande blieben und halfen?

Alles in allem hätte es natürlich schlimmer kommen können. Ironischerweise geht es immer noch schlimmer. Aber ich gebe dem Freund meiner Schwester nach langem Nachdenken vollkommen Recht. Es war schlimm genug, es war erschütternd. Und es ist nicht vorbei. Weder in der überbevorzugten Berichterstattung über Fukushima Daiichi, die auch ich betreibe, noch in jenen Gebieten, die von Erdbeben und Tsunami verwüstet wurden. Wohlgemerkt, das Land ist auf Erdbeben eingestellt, und entsprechende Hafenanlagen und Strandwälle sollen gegen die Tsunamis helfen (was sie bei schwächeren wohl auch tun). Dennoch wurde es hart getroffen, und es verdient wie jedes andere Land auf diesem Erdball, das eine solche nationale Katastrophe wohl zwei Dinge:
Erstens, unsere Loyalität, Unterstützung und unsere Hilfe, wie wir sie auch allen anderen Ländern zuteil haben werden lassen.
Zweitens, dass die Berichterstattung über Japan aus diesen Tagen, wenn schon auf diese gigantische Katastrophe reduziert, dann doch wenigstens nicht auf die Atomkatastrophe reduziert ist/bleibt/sein wird. Die großen Nachrichtenagenturen und Sender sollten der Bekämpfung der Folgen von Tsunami und Erdbeben genauso viel Nachrichtenzeit einräumen wie der Berichterstattung über die sechs Reaktoren von Fukushima Daiichi.
Meine Meinung. Und, liebe Japaner, entschuldigt, wenn es irgendwann, irgendwo in meinem Blog so geklungen haben sollte, als wäre die Katastrophe nicht schon schlimm genug. Das wäre eine Dummheit, die mir tatsächlich auf der Seele liegen würde.

P.S.: Wer für Japan etwas tun will, kann dies mittlerweile auf die verschiedensten Wege tun. Für WoW-Zocker wie mich bietet Blizzard ein besonderes Cenarius-Jungtier als Pet an. Der Verkaufspreis von zehn Euro soll laut Blizzard Europe komplett an die Japanhilfe gehen.
Selbstverständlich habe ich dieses Pet - das erste Mal, dass ich für so etwas Geld ausgegeben habe.

Sonntag, 28. Februar 2010

Tsunamis machen keine Wellen

Okay, ich muss zugeben, ich bin KEIN Experte, weder für Erdbeben, noch für Naturkatastrophen und erst recht nicht für Tsunamis. Aber das hat mich bisher noch nie gehindert, zu einem Thema meine Meinung zu sagen. So wie in diesem speziellen Fall nach dem schweren Erdbeben vor der chilenischen Küste, in dem Journalisten dem allgemeinen Hysterie-Trend verfallen, und jede etwas größere Welle zur Tsunami erklären. Immerhin, betroffen von der Warnung war der gesamte Pazifik-Raum, und nachdem an Chiles Küste schon eine erhebliche Flutwelle gemeldet worden war, war die Warnung in jedem Fall gerechtfertigt.
Dennoch muss ich in diesem Fall über die Berichterstattung von Tagesschau.de den Kopf schütteln, wenn die offensichtliche Unwissenheit des Autors so penetrant sichtbar wird. Denn das, was dort an den Küsten von Hawaii, Samoa, Tonga, Neuseeland, Japan und Russland auflief und "teilweise die Höhe von zwei Metern erreichte" war gewiss eine schöne Welle, aber sicher keine Tsunami.
Denn eine zwei Meter hohe Tsunami hätte erhebliche Verwüstungen angerichtet. Schon die knapp anderthalb Meter hohe Welle von Hawaii hätte die Strände überspült. Eine Tsunami ist keine Oberflächenwelle, sondern eine Bewegung der gesamten Wassersäule. Das macht sie ja so gefährlich. Wenn ein Erdbeben oder ein Erdrutsch eine Tsunami auslöst, dann wird das Wasser in der kompletten Säule verdrängt, von der Oberfläche bis zum Meeresgrund. Im Pazifik haben wir Tiefen von bis zu sechs Kilometern. Das bedeutet eine Menge Wasser, das bewegt wird.
In Küstennähe fehlt der in Bewegung gesetzten Masse allerdings die Tiefe, und das meine ich nicht ironisch. Die Wassersäule staut sich auf, wächst in die Höhe, und es kommt zur gefürchteten Tsunami.
Es kommt also keinesfalls darauf an, wie hoch eine Tsunami ist, sondern wie viel Wasser sie mit sich führt, wie groß ihre pure Wucht ist, wie man an der Tsunami in Thailand 2004 sehen kann.
Hohe Wellen sind nicht automatisch Tsunamis. Doch es wäre mittlerweile sicherlich vom deutschen Journalismus zuviel verlangt, Unterschiede zu machen, wenn man doch Schlagwörter hat.

P.S.: Ich bezweifle mit keinem Wort, dass diese Wellen vom Erdbeben vor Chile ausgelöst wurden. Ich bezweifle nur, dass es Tsunamis waren. Selbst mit einem Meter Höhe hätten diese enorme Verwüstungen angerichtet.
Ein kleiner Tipp von mir, um das nächste Mal eine Tsunami zu erkennen: Bevor die Welle eintrifft, zieht sie das Wasser von den Stränden ab. Dieser Sog vor der Welle ist typisch für eine Tsunami, und der puren Masse geschuldet.
Etwas mehr journalistische Sorgfalt wäre wirklich nett, Tagesschau.de.

Edit: Tagesschau.de hat tatsächlich eine Erklärung zum Thema nachgeschoben. An der Erklärung, für Laien leicht verständlich, kann ich keinen groben Fehler finden.
Nur warum habt Ihr Euch nicht vorher an diesem Wissen orientiert? Dann wäre aus den durch den Pazifik laufenden Wellen keine Tsunamis geworden.