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Mittwoch, 24. Oktober 2012

Erdbebenprognose ist kein An/Aus-Schalter

Stichwort Erdbebenprognose.
Schauen wir nach Japan, ein Land, das nicht nur am sogenannten pazifischen Feuerring liegt, defacto dem Rand der Pazifik-Kontinentalplatte, was die Folge hat, dass es rings an den Ufern des Pazifiks, und damit auch in Japan, Hunderte Vulkane und eine gesteigerte Erdbebengefahr gibt, sondern das auch noch aus vier langgestreckten Inseln besteht, die entlang des Feuerrings verlaufen.
Japan ist ein hochmodernes Land. Es schützt sich gegen Erdbeben zum Beispiel durch moderne Bauweisen, den Einbau von Gyroskopen in Hochhäusern, um die Schwingungen der Erschütterungen eines Bebens auszugleichen, verfügt an den Küsten über Tsunami-Sperren, und über einen gut trainierten Katastrophenschutz.
Japan lebt schon seit Jahrtausenden mit Erdbeben. Es ist nichts Ungewöhnliches für dieses Land. Man kennt und lebt mit den Erdbeben. Als letztes Jahr im Winter das Touhoku-Erdbeben der Stärke 9.0 das Land erschütterte und die anschließende Tsunami fast zwanzigtausend Menschen tötete (etwas über zweitausend werden noch immer vermisst), war dies das stärkste jemals gemessene Erdbeben seit Beginn der seismischen Aufzeichnungen für Japan. Es war eine unglaubliche Katastrophe, die, verbunden mit dem Reaktorunglück in Fukushima Daiichi und diversen anderen ostjapanischen Reaktorstandorten wohl kaum schrecklicher hätte sein können. Aber, und das sage ich hier jetzt mal, ohne etwas schönreden zu wollen, es hätte noch viel schlimmer ausfallen können.
Einmal ganz davon abgesehen, dass man vor einer zehn Meter hohen und mehrere Kilometer langen Wasserwand nicht besonders gut fliehen kann - womit man nicht rechnet, darauf kann man sich nicht vorbereiten - verhielten sich Japan und die Welt außergewöhnlich diszipliniert, und die Hilfsaktionen für die schwer getroffenen Provinzen liefen schnell mit weltweiten Teams an.
Wobei ich mich peinlich berührt daran erinnere, dass die deutschen Hilfsteams, kaum das sie angekommen waren, wegen angeblicher Gefahr der radioaktiven Verstrahlung wieder abgezogen wurden, Chinesen und Koreaner aber weitergemacht haben... Wahrlich kein Ruhmesblatt für uns Deutsche.
Ließ sich Japan davon unterkriegen? Nein. Bereits vorher hatte das Land schwere Erdbeben zu überstehen, eines davon erwischte 1995 die Stadt Kobe und löste eine mittlere Katastrophe mit fast fünftausend Toten aus. Die anschließenden Brände machten über dreihunderttausend Menschen obdachlos, und Japan lernte daraus.
Japan weiß, dass es durch Erdbeben stark gefährdet ist. Deshalb gibt es ja auch erdbebensichere Bauweisen, gerade in der Megastadt Tokio. Oder auch das Handy-Warnsystem, das ein bevorstehendes Erdbeben in einer Region bis zu dreißig Sekunden zuvor erfassen und eine Notfallwarnung an alle Handys der Region abgeben kann, um den Menschen zu ermöglichen, sich in der verbliebenen Zeit so gut es geht in Sicherheit zu bringen.
Und legendär natürlich jede japanische Nachrichtensendung, bei der ein Erdbeben das Studio durchschüttelt, die Sprecher es stoisch aussitzen und im Hintergrund die Schränke umfallen... Man kennt Erdbeben, man weiß damit umzugehen. Selbst das fatale Houtoku-Erdbeben konnte Japan nicht unterkriegen, und ab sofort weiß man in Japan mehr darüber, wie man sich vor einem 9.0er mit anschließender Super-Tsunami besser schützen kann. Wir können zu Recht sagen - ich sage das besonders - was Erdbeben angeht, da lassen sich die Japaner kein X für ein U vormachen, und sie streben beständig, als Volk, das ohnehin in einem stark gefährdeten Erdbebengebiet lebt, danach, den Schutz der Menschen und der Gebäude zu verbessern.

Szenenwechsel in die italienischen Abbruzzen, einem stark erdbebengefährdeten Gebiet, das sich relativ nahe am Vesuv befindet, jenem Supervulkan, der vor zweitausend Jahren jenes Gebiet, das heute von Neapel vereinnahmt wird, in einer gewaltigen Eruption praktisch entvölkert hat und dabei die Städte Pompeji, Stabiae und Herculaenum vernichtete.
Dass die Region relativ unruhig ist, wissen wir ohnehin, denn der Stromboli im Tyrrhenischen Meer ist nahezu permanent aktiv. Gleiches oder ähnliches gilt für den größten Vulkan Europas, den in Ostsizilien zu findenden Ätna. Italien befindet sich nun einmal in der prekären Lage, im Zusammenstoßgebiet von afrikanischer und europäischer Platte zu sein; und dass Spannungen, die die Alpen aufschieben, keinerlei Auswirkungen auf jenen Teil der afrikanischen Platte haben soll, der "direkt schiebt", ist vielleicht etwas zu blauäugig gedacht. Dementsprechend ereignete sich in der relativ tektonisch aktiven Region der Abruzzen 2009 ein Erdbeben der Stufe 6,3 auf der Richterskala.

Heute vermeldet der Stern, dass im Zuge des Erdbebens und der Bewältigung der Folgen sieben Wissenschaftler sowie der ehemalige Sprecher des Zivilschutzes, Bernardo di Bernadinis, zu sechs Jahren Haft verurteilt worden sind.
Die Begründung des Gerichts, di Bernadinis' Aussage, "es bestehe keine akute Erdbebengefahr, und die Bevölkerung könne sich bei einem Glas Wein entspannen", hätte zu hohen Opferzahlen geführt, ist umstritten. Und der Prozess selbst hat bereits im Vorfeld zu Protesten von über fünftausend italienischen Wissenschaftlern geführt.


...sacken lassen.
Gehen wir die Sache doch mal empirisch an. Die Abruzzen sind Erdbebengebiet, und das nicht erst seit gestern. Viele Tote gab es, als nicht Erdbebensichere Häuser zusammengestürzt sind. Noch immer sind viele tausende Menschen in der Region obdachlos. Es gab viel Wut und Ärger in der Region, nicht zuletzt deshalb, weil Bauvorschriften nicht eingehalten und die Hilfe vom damaligen Ministerpräsidenten Berlusconi viel zu spät und in viel zu kleinem Maßstab ankam. Was man auch daran sieht, dass noch immer Menschen obdachlos sind. Die Altstadt von L'Aquila war oder ist, ich weiß es nicht genau, seit dem Beben baufällig und in großen Teilen unbewohnbar.
Und da kommt ein Zivilschutzsprecher daher und sagt vor dem Erdbeben, dass die Menschen in aller Ruhe einen Wein trinken sollen. Verständlich, wenn sich dann der Zorn der Bevölkerung gegen die unpräzise, ja, verharmlosende Wissenschaft und einen unfähigen Zivilschutzbeautragten richtet, oder?
Mitnichten.
Die Erdbebenvorhersage ist eine unpräzise Wissenschaft, kein An/Aus-Schalter. Wir haben Vulkane in Deutschland, zum Beispiel in der Eiffel, die seit zwölf bis zwei Millionen Jahren inaktiv sind. Die werden auch in weiteren zwei Millionen Jahren nicht ausbrechen, aber eine gewisse Möglichkeit besteht eben doch, dass sie es tun. Man kann es nicht ausschließen.
Gleiches gilt für den "Supervulkan unter dem Yellowstone Nationalpark". Man sollte meinen, wenn eine vulkanische Magmakammer dieser Größenordnung auszubrechen gedenkt, gibt es erst einmal Jahre oder gar Jahrzehnte zuvor eine große Anzahl an Vorbeben. Von denen im Moment nichts zu bemerken ist. Auszuschließen, dass die Kammer morgen nicht doch ausbricht, kann man nicht. Allerdings ist die Chance, dass sie es ohne Vorbeben tut, doch verschwindend gering. Es ist möglich, aber nicht wahrscheinlich.
Anders sieht es in den Abruzzen aus. Die Region liegt auf einer geographisch aktiven Platte, quasi zwischen allen Stühlen. Größere und kleinere Beben sind in der Region normal.
Natürlich ist es nicht unmöglich, ein bevorstehendes Erdbeben einzugrenzen und bis auf ein paar Tage Ungenauigkeit vorherzusagen, wenn die Anzahl der Vorbeben stimmt, wenn sie sich stetig steigern, wenn alles z.B. auf den Ausbruch eines Vulkans hindeutet, wie beim Mount St.Helen in den Rocky Mountains. Aber manchmal kann das erste Vorbeben auch das Hauptbeben sein. Wir wissen noch zu wenig darüber, um auch ein solches zu erkennen, zumindest nicht mit einer mehrtägigen Vorwarnzeit. Nur gezielte, geförderte Forschung von Fachleuten auf diesem Gebiet kann den Erdbebenschutz stetig verbessern. Was aber äußerst unproduktiv ist, ist die Suche nach dem Schwarzen Peter bei den Erdbebenwissenschaftlern, wenn er eigentlich bei den Baufirmen und der Baubehörde der Region liegen müsste. Die Forscher haben das Erdbeben nicht gemacht, und sie hätten es auch nicht verhindern können. Auf sie wütend zu sein ist das Gleiche, wie den Boten zu töten, wenn er schlechte Nachrichten bringt.
Ich meine, wir reden hier von einem aktiven Erdbebengebiet. Klar war die Aussage von di Bernadinis im geringsten Fall ungünstig, aber wenn nun mal kein Vorzeichen für ein starkes Erdbeben vorhanden war, dann war die Lage nicht gefährdeter als an den Tagen zuvor. Und wie war sie, die Lage in den Abruzzen? Es bestand Erdbebengefahr. Wie an jedem anderen Tag. Quod erat demonstrandum.

Mein Fazit: Das Urteil von Aquila übersteht nie das Berufungsverfahren. Eine so unhalbare gerichtliche Position ist Augenwischerei, Opium für die Massen, um davon abzulenken, dass die Opfer des Erdbebens ganz anderen auf dem Gewissen lasten müssen, nicht den Wissenschaftlern.
Wer das so sieht, hat nicht verstanden, was Wissenschaft ist, was Erdbebenforschung ist, und wird auch nie seinen Nutzen aus ihr ziehen können. Erdbeben sind heutzutage vorhersehbarer, berechenbarer, können aber dennoch zu einer mehr als herben Überraschung werden.
In Japan gab es Dutzende, hunderte Vorbeben. Mit einem so gewaltigen Beben wie dem Touhoku-Erdbeben hat aber niemand gerechnet. Japan hat große Opfer hinnehmen müssen, muss viel aufbauen und leidet unter der Belastung durch die Verstrahlung der Fukushima-Region vom Daiichi-Reaktorkomplex. Will sagen, die Japaner arbeiten konstruktiv daran weiter, ihren Erdbebenschutz zu verbessern.
In Italien sehe ich bis jetzt nur den Willen, die Jagd nach Sündenböcken zu verbessern, als zum Beispiel mal in Japan nachzufragen, wie sie es denn mit dem erdbebensicheren Bauwesen machen.
Ein für mich vollkommen unverständliches Verhalten. Italien, nimm Dir ein Beispiel an Japan.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Pwned 'bout Fukushima

Gestern wurde ich gepwned. Und das vollkommen zu Recht, wenn ich im Nachhinein nachdenke. Wegen der Reaktorkatastrophe in Fukushima Daiichi. Vom Freund meiner Schwester.
Was war passiert? Nun, das was immer passiert, wenn wir zusammensitzen: Wir unterhalten uns, hüpfen durch die Themen, und da wir beide ein breites Wissen haben, kommt immer was Konstruktives bei raus. Dann kam das Thema auf Fukushima, und ich, mit dem Gedanken daran, was passiert wäre, wenn bei einem, oder womöglich allen sechs Kernkraftwerken die sogenannten Cores supererhitzt auf z.B. Grundwasser getroffen wären, was eine wirklich erstklassige Explosion mit anschließender Verseuchung Nord-Honshus zur Folge gehabt hätte, sagte: Das hätte noch viel schlimmer kommen können.
Nun, der Freund meiner Schwester war nicht dieser Meinung. Er sagte, es wäre so schon schlimm genug, und es würde die Menschen, die unter Tsunami, Erdbeben und nun Atomkatastrophe leiden müssten, verhöhnen. Mit einem "Es hätte schlimmer kommen können" ist ihnen weder geholfen, noch werden sie in irgendeiner Form getröstet. Von den Toten, den Obdachlosen, den Evakuierten und den Angehörigen der Opfer, die ganze Liste runter. Keinem ist damit geholfen, diese Riesenkatastrophe auch nur ansatzweise, auch nur in Gedanken zu beschönigen. Pwned. Vollkommen zu Recht.

Es passt sich eigentlich. Ich wollte die Tage ohnehin etwas zu Fukushima Daiichi schreiben, alleine schon um zu zeigen, das ich das Thema weiterhin im Fokus habe (wobei, wie ich zugeben muss, die Folgen von Erdbeben und Tsunami etwas aus meinem Blickwinkel verdrängt werden, was nicht zuletzt an unserer einseitigen Berichterstattung in den Medien liegt - ich würde wirklich gerne mehr über den Wiederaufbau und die Versorgung der Bevölkerung erfahren, über die Arbeit der Hilfskräfte im Erdbebengebiet, und ich würde liebend gerne etwas darüber lesen oder sehen, dass Menschen in der Krisenregion tatsächlich wieder zur Normalität übergehen. Nun, hoffen darf man doch.).
Wenn ich jetzt darüber schreibe, dann mit dem schlechten Gedanken im Hinterkopf, dass ich tatsächlich dachte, es hätte schlimmer kommen können. Das alleine wäre wohl der Fall gewesen, wenn das Erdbebenepizentrum nicht im Pazifik, sondern beispielsweise direkt unter Tokio gelegen hätte. Oder wenn die Evakuierungszone näher an der Hauptstadt liegen würde. Dennoch, auch so ist es schlimm genug. Und ich habe nicht einmal ansatzweise Daten dazu - kann aber runterbeten, in welchen Reaktoren es zu Wasserstoffverpuffungen kam. Das ist zwiespältig.
Zehntausende Menschen an der Küste sind im Zuge eine Tsunami gestorben, die durch ein Erdbeben der Stufe 9 ausgelöst wurde, einem der stärksten Beben unserer Tage. Hunderttausende waren im Inland betroffen - selbst in der Mega-Region Tokio zeigte das Erdbeben Auswirkungen. Und ich habe absolut keine Ahnung, wie viele Menschen leiden und sterben mussten, weil sie erst späte oder gar keine Hilfe erhielten... In einem Land, das auf Tsunamis eingestellt ist. In einem Land, das auf Erdbeben eingestellt ist. Damit will ich den Helfern und den japanischen Streitkräften keine Unfähigkeit vorwerfen, sondern die GRÖßE der Aufgabe beschreiben, derer sie sich stellen mussten. Warum liest man davon so wenig? Und warum ist der berühmte deutsche THW bereits nach vier Tagen wieder außer Landes geflogen, angeblich weil "die radioaktive Wolke" auf sie zugekommen war, während andere Länder wie China (China, hm, mit dem Japan eigentlich gerade nicht so gut kann) und Südkorea im Lande blieben und halfen?

Alles in allem hätte es natürlich schlimmer kommen können. Ironischerweise geht es immer noch schlimmer. Aber ich gebe dem Freund meiner Schwester nach langem Nachdenken vollkommen Recht. Es war schlimm genug, es war erschütternd. Und es ist nicht vorbei. Weder in der überbevorzugten Berichterstattung über Fukushima Daiichi, die auch ich betreibe, noch in jenen Gebieten, die von Erdbeben und Tsunami verwüstet wurden. Wohlgemerkt, das Land ist auf Erdbeben eingestellt, und entsprechende Hafenanlagen und Strandwälle sollen gegen die Tsunamis helfen (was sie bei schwächeren wohl auch tun). Dennoch wurde es hart getroffen, und es verdient wie jedes andere Land auf diesem Erdball, das eine solche nationale Katastrophe wohl zwei Dinge:
Erstens, unsere Loyalität, Unterstützung und unsere Hilfe, wie wir sie auch allen anderen Ländern zuteil haben werden lassen.
Zweitens, dass die Berichterstattung über Japan aus diesen Tagen, wenn schon auf diese gigantische Katastrophe reduziert, dann doch wenigstens nicht auf die Atomkatastrophe reduziert ist/bleibt/sein wird. Die großen Nachrichtenagenturen und Sender sollten der Bekämpfung der Folgen von Tsunami und Erdbeben genauso viel Nachrichtenzeit einräumen wie der Berichterstattung über die sechs Reaktoren von Fukushima Daiichi.
Meine Meinung. Und, liebe Japaner, entschuldigt, wenn es irgendwann, irgendwo in meinem Blog so geklungen haben sollte, als wäre die Katastrophe nicht schon schlimm genug. Das wäre eine Dummheit, die mir tatsächlich auf der Seele liegen würde.

P.S.: Wer für Japan etwas tun will, kann dies mittlerweile auf die verschiedensten Wege tun. Für WoW-Zocker wie mich bietet Blizzard ein besonderes Cenarius-Jungtier als Pet an. Der Verkaufspreis von zehn Euro soll laut Blizzard Europe komplett an die Japanhilfe gehen.
Selbstverständlich habe ich dieses Pet - das erste Mal, dass ich für so etwas Geld ausgegeben habe.

Samstag, 2. April 2011

Schämt euch, einen Atomunfall gehabt zu haben...

...so kommt mir der französische Staatspräsident Sarkozy gerade vor. Die Woche hat er eine Stippvisite in Tokio gehabt und mit Naoto Kan gesprochen. In Japan gibt es gerade die größte anzunehmende Nuklearkatastrophe seit Harrisburg und Tschernobyl (von kleineren Pannen wie der Verstrahlung von neunzig Arbeitern in einer japanischen Wiederaufbereitungsanlage vor ein paar Jahren reden wir besser gar nicht erst), deren Brisanz und Tragik nur noch hätte übertroffen werden können, wenn die anderen beiden Kraftwerke, die ebenfalls Probleme gemeldet hatten, ebenfalls in den GAU gegangen wären. Das Umland ist nachhaltig kontaminiert, Greenpeace empfiehlt nach eigenen Messungen, den Evakuierungsbereich auf vierzig Kilometer auszudehnen...
Wobei das im Moment noch nach einer Geschichte von Jahren aussieht, nicht nach Jahrzehnten wie in Tschernobyl. Aber dennoch, das schwer gebeutelte Land kriegt Besuch vom Staatschef des europäischen Landes, das sich zu achtzig Prozent aus Atomstrom versorgt, und dieser Staatschef hat die Frechheit den Japanern zu sagen, sie sollten nicht voreilig über Atomstrom entscheiden? Der auch noch frech zu einem G20-Gipfel zum Thema Atomkraft lädt?
Mein lieber Herr Staatspräsident, natürlich kann Japan jetzt nicht umdenken! Der Ausstieg eines so auf Atomkraft konzentrierten Landes wie Japan dauert ein Jahrzehnt oder zwei!
Das Land liegt am Boden, hunderte Helfer haben gefährliche, wenn nicht letale Strahlendosen aufgenommen, über einhunderttausend Japaner sind von den durch die Explosionen fein verteilten radioaktiven Partikel betroffen: Es IST ETWAS PASSIERT in Japan... Und SIE machen Lobby-Politik für Atomkraft?

Der G20-Gipfel wird neue Sicherheitskriterien für AKWs ausarbeiten, vorlegen, an die Länder verweisen, und dort werden sie verworfen werden.
Das ist reine Lobby-Arbeit für eine Energieform, die seit den Neunzigern auf dem absteigenden Ast ist.
Schämen Sie sich, Herr Sarkozy, Japan den Spiegel vorzuhalten, ohne selbst hinein gesehen zu haben.


Aber kommen wir zu etwas anderem, kommen wir zu Deutschland und seiner Atomkraft.
Kommen wir zu Baden-Württemberg und dem Wahlsieg der Opposition.
Ja, meine lieben Schwarz/Gelb-Anhänger, es ist ein Wahlsieg der Opposition.
Ja, ich weiß, die CDU hat die meisten Stimmen bekommen und wäre nun damit beauftragt, eine Regierung zu bilden. Aber so verblödet ist Mappus nun doch nicht, eine Minderheitenregierung auf zu ziehen, die von der Mehrheit von Rot/Grün sklavisch abhängig wäre. Auch eine Koalition mit SPD oder Grünen steht nicht wirkich zur Debatte, denn nicht nur der Mappus muß weg, sondern auch die Schwarz/Gelben Krusten-Strukturen. Logische Schlussfolgerung ist eine Mehrheitskoalition, und das nicht unbedingt mit der Partei mit den meisten Stimmen.
Aber genau das, dieses demokratische Basisverhalten, scheint vielen nicht zu schmecken.
Laut Bildblog schrieb der BILD-Kolumnist Wagner u.a.: "Liebe Baden-Württemberger... [...]seid Ihr Eurer Steaks überdrüssig?"
Er schrieb auch: "Lieber Herr Kretschmann... [...]vor Ihnen habe ich keine Angst!"
Dass Wagner augenscheinlich einen an der Waffel hat und heute nicht mehr weiß, was er gestern geschrieben hat, ist uns allen klar. Dass er so offen Schwarz/Gelb propagiert wie die ganze BLÖD, ist auch nichts Neues. Wohlstandsängste schüren ist in dieser Aufzählung kein neues Verbrechen. Es ist aber hirnrissiger Blödsinn, in einem Land mit derartiger Infrastruktur, mit einer derartigen Landschaft an Mittelstand und Hochindustrie drei Dinge anzunehmen: 1) Dass es wirtschaftlich mit BaWü den Bach runter gehen wird, weil die Firmen allesamt die Koffer packen und abwandern, 2) dass in BaWü mit Grün/Rot die Lichter ausgehen, 3) dass sich die Baden-Württemberger auf diesem extrem niedrigen Niveau emotional manipulieren lassen.
Also, bitte, bitte, liebe CDU- und FDP-Tagträumer in BaWü, lieber Herr Wagner, macht bitte weiter auf diesem Niveau, das so leicht zu entlarven ist für jedermann, dessen einzige Tageslektüre NICHT die BLÖD ist.

Aber Hey, machen wir uns nichts vor. Meine Partei, die SPD, hat stark verloren(sowohl in BaWü als auch Rheinland-Pfalz) und wäre eigentlich der Wahlverlierer. Wäre da nicht eine ungewöhnlich starke Partei namens Die Grünen, die unsere Ergebnisse wieder rausgerissen hat.
Wir bewegen uns hier in einem vollkommen demokratischen Rahmen, Herrschaften. Und das ist auch gut so. Hier zu jammern, sich zu beschweren und Zukunftsängste zu schüren können sich nur Anhänger von CDU und FDP leisten; Wähler von SPD und Grünen würden für so ein kindhaftes Verhalten ausgelacht werden.


Nachtrag, der nichts mit den obigen Themen zu tun hat:
Ich habe gerade wieder einen Witz erfunden, der irgendwie auf Kosten von Copy-Guttenberg geht. Es handelt sich um einen "Deine Mutter"-Witze, also lest nicht weiter, wenn Ihr das Genre nicht abkönnt.
Alle anderen: Here we go!
"Deine Mutter ist so fett, wenn KTG ihr ein Autogramm auf den Hintern schreibt, kriegt er alle seine Vornamen in einer Linie alleine auf die linke Arschbacke."

Samstag, 12. März 2011

Fukushima 1

Ich möchte heute nicht groß polemisieren, beschreiben oder kommentieren. Ich möchte mir nur etwas von der Seele schreiben.
Im Nordosten Japan, auf der Hauptinsel Honshu, zweihundertvierzig Kilometer nördlich von Tokio, liegt das Atomkraftwerk Fukushima. Fukushima 1 hatte nach dem große Beben in der Region erhebliche Probleme mit der Stromversorgung und damit der Reaktorkühlung. Dann ereignete sich in Japans ältestem Reaktor, ein Siedewassermodell, in den frühen Morgenstunden dieses Tages eine Explosion. Teile der Reaktorhülle wurden fort gesprengt, unsicher ist noch, ob der Reaktor selbst beschädigt ist, und/oder ob es zu einer Kernschmelze kommt oder kam. Die internationale Atomenergiebehörde hat den Vorfall als Gefahrenstufe vier eingestuft. Zum Vergleich, die Tschernobyl-Katastrophe war Gefahrenstufe sieben. Dennoch widersprechen sich die Berichte, und nach der ersten Evakuierung in einem Umkreis von zehn Kilometern wurde nun noch auch der zwanzig Kilometer-Radius zur Evakuierung aufgerufen. Außerdem wird die Vergabe von Jod vorbereitet. Dies tut man, weil Iod gerne radioaktive Strahlung aufnimmt und lange im Körper bleibt. Ist der Körper aber mit Jod gesättigt, wird das strahlende Jod wieder ausgeschieden. Aber das nur nebenbei.

Meine Gedanken und meine guten Wünsche sind jetzt in diesem Moment bei der betroffenen japanischen Bevölkerung, die unter dem heftigen Erdbeben, der erschreckenden Tsunami im Anschluss leiden mussten, und die nun dem atomaren GAU ins Antlitz blicken müssen.
Sie sind bei den Männern und Frauen vor Ort, die versuchen, eine Katastrophe wie Tschernobyl mit aller Macht zu verhindern.
Sie sind bei den Menschen aus dem Ausland, die alles in ihrer Macht stehende tun, um die Abwendung der Katastrophe herbei zu führen.
Heute Nacht, Herrschaften, werden in Fukushima Helden geboren.
Ich bete, dass ihre vereinten Mühen den Erfolg bringen werden, den sie sich erhoffen, den wir alle uns erhoffen.
Und sollte der Schlimmste aller Fälle eintreten, hoffe ich auf eine internationale solidarische Gemeinschaft, die Japan in jeder Form unterstützt, um über diese Katastrophe hinweg zu kommen.