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Samstag, 22. Dezember 2012

Nänänänänä

Ich habe diesen provokanten Titel bewusst gewählt. Ich bin mir der Naivität der Aussage bewusst. Ich bin mir auch der Implikationen bewusst, die damit über mich angestellt werden können. Aber es ist mir egal. Das eigentliche Thema konterkarikieren zu können, ist es mir einfach wert.
Denn - Wir haben den 22.12.2012, und die Welt steht immer noch. Die Währung Euro ist NICHT zusammengebrochen. Es gibt KEINEN Weltkrieg. Ebenso ist Nibiru NICHT vorbeigekommen, um die Annuaki auf uns loszulassen, die uns alle versklaven wollen, damit wir für sie nach Gold schürfen. Auch gab es KEINEN Polsprung, und das Erdmagnetfeld wurde NICHT aufgehoben. Die Kernkraftwerke sind NICHT massenweise explodiert, und WEDER standen die Planeten in irgendeiner seltenen Konstellation, NOCH stand die Erde mit dem Milchstraßenzentrum in Konjunktion, NOCH zeigte die Erdachse direkt darauf. Es gab auch KEINEN Gammastrahlenblitz aus dem Zentrum der Milchstraße, und erst Recht KEINEN irgendwie gearteten und ominösen Synchronisationsstrahl, der uns auf eine höhere Ebene des Seins gehoben hat. Auch sind WEDER am Berg vom französischen Bugarach, NOCH ist das im türkischen Sirince passiert.
Habe ich was vergessen? Ach ja: Die Zahl der Erdbeben, Naturkatastrophen, Massenepidemien und Kriege hat NICHT zugenommen, und erst recht NICHT signifikant.
Gestern war ein Scheiß normaler Dezember-Tag, drei Tage vor Weihnachten. Mit allerdings ZWEI sehr gravierenden Ausnahmen:
1) Eine Menge Leute haben mit Büchern und Vorträgen zum NICHT STATTGEFUNDENEN Weltuntergang eine Menge Geld verdient, indem sie die Menschen geängstigt haben.
2) Männer, Frauen und Kinder hatten dank dieser gewissenlosen und/oder verblendeten IDIOTEN teilweise echte Todesangst ausgestanden.

Wir ziehen drei Lehren aus der Geschichte:
1) Ace Kaiser ist ein hämischer und sarkastischer Rechthaber.
2) Ihr Weltuntergangspropheten und Apologeten, schämt Euch, schämt Euch wirklich. Und wagt es ja nicht, noch einmal mit irgend einem verfickten Weltuntergangstermin anzukommen! Nein, Herr Broers, auch nicht mit einem nächsten Termin für einen "harmlosen" Bewusstseins-, oder Evolutionssprung!
3) Ihr da draußen, die Ihr Angst hattet, richtige Angst, kommt Ihr Euch jetzt nicht ein wenig blöde, aber vor allem verarscht vor? Merkt Euch dieses Gefühl, und denkt daran, wenn das nächste Mal jemand mit dem Ende der Welt hausieren geht.

In diesem Sinne: Ich hab's doch gesagt. Oft genug. Es wird nichts passieren. Gar nichts. Aber wahrscheinlich haben sich ein paar Menschen vor lauter Angst selbst umgebracht.
Und: Florian Freistetter hat's auch gesagt, oft genug.

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Eso-Eso-Eso

Okay, Leute, heute ist der zwanzigste Dezember 2012. Und was macht dieses Datum zu etwas besonderem, abgesehen natürlich davon, dass bald vierter Advent und bald darauf Weihnachten ist?
Richtig, die Welt soll morgen untergehen. Ach nee, doch nicht, es gibt ja nur einen Synchronisationsstrahl aus dem Zentrum der Milchstraße, der die Gesellschaft zerstört... Ach nee, doch nicht. Wir erleben ja alle nur das Ende der Zivilisation... Auch nicht. Nein, jetzt ist es nur noch der Bewusstseinssprung auf eine höhere Ebene des Bewusstseins.
Also ungefähr jene Ebene, die die Propheten dieser Botschaften beim Verbreiten ihrer Pamphlete schon erreicht hatten. Sei es durch Drogen, sei es durch psychosomatische Zustände... Tja.
Was passiert morgen also? Geht die Welt unter, oder werden wir alle nur ein wenig schlauer/besser/guter/höher/wasauchimmer?

Zuerst einmal die gute Nachricht: Passend zum Ende der Welt veranstaltet die Discothek Checkpoint die Zappenduster-Party. Auf der Tanzfläche bleibt das Licht aus, passend zum Ende aller Tage.
Und jetzt zu den schlechten Dingen: Es werden mindestens weltweit einhundertfünfzigtausend Menschen sterben.
Schauerlich, nicht wahr? Aber bei einer Gesamtbevölkerung von sechs Milliarden Menschen weltweit ist das nur der übliche statistische Wert.
Ansonsten passiert nicht mehr und nicht weniger als an allen anderen Tagen. Oh, eventuell regnet es morgen. Es könnte auch kalt genug für Eisregen oder Schnee werden. Das dürfte es dann aber auch schon gewesen sein. Abgesehen von der Checkpoint-Party natürlich. ^^V
Die Welt geht nicht unter. Garantiert nicht. Die Kultur auch nicht, der Westen nicht, und obwohl Muberkel sich bemüht hat, geht auch der Euro nicht unter. Tja. Es ist eben nur Wintersonnenwende, das ist auch schon alles.

Ich will mal ein wenig zusammenfassen, was mir so zum Thema im Gedächtnis geblieben ist. Und danach stelle ich Fragen.
1993 hat der Prediger Harold Camping das Ende der Welt terminiert. Ist was passiert? Nein.
Besagter Camping verlegte das Ende der Welt daraufhin auf Mai 2011. Als an jenem Tag nichts geschah, behauptete er, wir befänden uns bereits in der Zeit der Prüfung vor dem jüngsten Gericht, und der eigentliche Weltuntergang wäre erst im Herbst. Ist was passiert?
Nun, ich will nicht ausschließen, dass die Welt untergegangen ist und wir uns alle im Fegefeuer befinden, aber dann kann man es hier echt gut aushalten, finde ich. Das Internet läuft, das Bier schmeckt  - aber Reality TV hat schon was von ewiger Pein, zugegeben.

Etwa zur gleichen Zeit behaupteten Eso-Eso-Eso-Spinner, der frisch entdeckte Komet Elenin wäre in Wirklichkeit ein Neutronenstern, der mit der Erde kollidieren würde. Natürlich hat die NASA uns das alles verschwiegen, damit sich die Mächtigen in Ruhe retten konnten. Aber ist etwas passiert?
Der Witz bei der Geschichte ist aber, der Schweif eines Kometen ist noch nicht mal annähernd so dicht wie Morgennebel - wenngleich über eine viel größere Fläche verbreitet - während ein Neutronenstern der Überrest einer kollabierten Sonne ist, der einmal eine Million oder mehr Kilometer Durchmesser gehabt hat - und nun so ultradicht ist, dass ein starker Mann einen Teelöffel mit Materie des Neutronensterns nicht anheben könnte. (Und der arme Teelöffel würde sich wahrscheinlich verbiegen und plattgewalzt werden.)
Der Hype um Elenin ging soweit, dass sich der Entdecker des Kometen, ein promovierter Physiker, der in seiner Freizeit Kometen jagt, bei einem Interview ausweisen musste, um zu beweisen, dass es ihn gibt. Denn die Spinner sagten, der Name Elenin wäre eine versteckte Warnung an Insider, weil ELE im Namen Elenin Extinction Level Event bedeuten würde, Auslöschungslevelereignis. Ein Begriff, der vom Behörden gar nicht verwendet wird und der bisher nur im Abenteuerfilm Armageddon vorkam.
Ach ja, Erdbeben auslösen sollte er auch können. Nämlich dann, wenn er mit Sonne und Erde auf einer Linie lag. Tatsächlich fällt in die Zeit seines Einflugs das Touhoku-Erdbeben in Japan. Allerdings einen Tag zu spät für eine Linie Elenin-Erde-Sonne.
Und dann war da noch der gute Conrebbi auf Youtube, der sich mit Vorliebe mit Verschwörungstheorien beschäftigt - auf der Gegenseite, wohlgemerkt. Der hatte ein besprochenes Video zum sogenannten Elenin-PDF gemacht, das ich aber leider nicht mehr finden kann. Im Video ging es um den gekippten Saturn (also Fotos, bei denen die Kameras verschieden gehalten wurden und was prompt als gekippter Saturn ausgelegt wurde), um die Vernichtung der Erde durch den Neutronenstern Elenin, und, und, und. Die Kommentare dazu waren dann auch angefüllt mit Gläubigen und Vernünftigen. Auch ich habe mich auf der Seite verewigt und mit Fakten gegengehalten, aber wie gesagt, es ist nicht mehr zu finden... Na ja, Elenin hat die Welt nicht ausgelöscht und Chemtrails machen Conrebbi ja auch Spaß. Bei dem Thema glaube ich ihm aber erst, wenn er Kachelmann tatsächlich verklagt. Tja.

Aber das ist ja noch nicht der Höhepunkt. Das Beste kommt ja erst noch: Nibiru, eine geheimnisvolle Welt, entweder ein Riesenplanet, oder aber einer von mehreren Planeten, die einen braunen Zwergstern umkreisen, der so alle dreitausendsechshundert Jahre an der Erde vorbeikommt, damit die auf ihm lebenden Annuaki uns versklaven können.
Abgesehen davon, dass man sich fragt, warum die Annuaki freiwillig dreitausendsechshundert Jahre durch das kalte Weltall gondeln, anstatt auf der Erde zu bleiben, und abgesehen davon, dass Nibiru als Riesenplanet und erst Recht als Brauner Zwergstern seit November letzten Jahren problemlos am Himmel zu sehen sein müsste, bleibt uns hierfür nicht viel hinzuzufügen. Wenn er nicht noch morgen heranwarpt, um uns zu vernichten/versklaven/zu Tode zu langweilen/zutreffendes bitte einfügen, fällt Nibiru sowas von flach.

Da diese Option zwar immer noch möglich, aber verdammt unwahrscheinlich ist, haben sich die Eso-Eso-Eso wie Dieter Broers, der sich sicherheitshalber in Deutschland nicht mehr Doktor nennt, diverse andere Geschichten ausgedacht, die ich oben schon erwähnt habe. Herr Broers ist Erfinder des Synchronisationsstrahls aus dem Zentrum der Milchstraße, der uns erreicht, wenn wir in Konjunktion mit dem Zentrum stehen, der unser Bewusstsein erweitern soll. Der Witz bei der Geschichte ist: Es wird keine Konjunktion am morgigen Tag geben.  Und auch keinen Synchronisationsstrahl.
Auch sagte Dieter Broers in seinem Buch Checkliste 2012 eine weltumspannende Krise vorher. Dieses Buch hat sich demnach als absolut falsch erwiesen. Das Geld für dieses Buch könnt Ihr Euch schon mal sparen. Stattdessen investiert mal lieber hier drin.

Für die anderen Details weiterer Eso-Eso verlinke ich mal auf den Journalisten-Leitfaden des Astronomen Florian Freistetter, der sein Bestes tut, um verschreckte, verängstigte und potentiell selbstmordgefährdete Opfer des Hypes zu beruhigen und ihnen beizubringen, sich das Wissen dazu anzueignen, um selbst zu erkennen, warum es keinen Weltuntergang geben wird. Denn gegen Glauben hilft nur Wissen, Leute.

Was also bleibt als Fazit? Die traurige Erkenntnis, dass die Eso-Eso-Eso morgen leider nicht unglaubwürdig sein werden, obwohl die Welt nicht untergeht, oder wir einen Bewusstseinssprung erleben. Behaupten werden sie die Sache mit dem Bewusstseinssprung natürlich, logisch. Wie sollte ihnen auch das Gegenteil beweisen werden können? Und die traurige Erkenntnis, dass es immer noch Menschen gibt, die lieber glauben, als zu wissen. Dabei kann man die meisten Thesen mit logischem Nachdenken und ein wenig Recherche selbst entkräften.
Und ach ja: Der Maya-Kalender endet morgen nicht. Kalender tun so etwas nicht. Sie werden solange fortgeschrieben, wie es jemanden gibt, der sie fortschreibt. Und selbst wenn die Erde menschenleer und die Galaxis ohne jedes intelligente Leben wäre, er würde immer noch nicht enden. Kalender sind nur eine mathematische Krücke für Menschen, um auf dieser Welt in Zivilisation leben zu können, nicht mehr und nicht weniger.

Also, die Frage ist nicht mehr, ob irgendjemand vor morgen Angst haben muss, die Frage ist, was uns die Eso-Eso-Eso als Nächstes verkaufen wollen. Naturkatastrophen wie den Supervulkan unter Yellowstone vor dem Ausbruch, Chemtrails, HAARP, doch noch ein Besuch von Nibiru (leicht verspätet), ihnen wird schon etwas einfallen. Und dafür wollen sie Geld. Sagt das nicht alles?

Samstag, 21. Mai 2011

Verblüffende Erkenntnisse I: Die Gmx.de-Redaktion kann auch Medien

Ich bin ein ziemlich durchschnittlicher Mensch, denke ich. Wenn man mal davon absieht, dass ich blogge, und mit diesem Blog schon mal Häme und Spott auf meine Opfer niedergehen lasse. Natürlich nur, wenn sie es verdient haben. Genauso aber denke ich auch, dass ich, wenn jemand etwas gut macht, auch loben sollte, ja, loben muss.
Nun habe ich an der Web.de/Gmx.de-Nachrichtenredaktion selten ein gutes Blatt gelassen, weil diese sich verhält wie die BILD-Onlineredaktion auf einem Trip nach einem Goldenes Blatt-Joint. Aber heute wurde ich mehr als angenehm überrascht.
Dieser Artikel ist nicht nur lesenswert und informativ, er ist auch witzig. Ich empfehle ihn vorbehaltlos weiter und wünsche mir mehr davon, liebe Gmx.de-Redaktion. Worum es geht? Nun, augenscheinlich geht heute, am 21.05.2011 um acht Uhr Abends mittelamerikanischer Zeit die Welt unter. ...Wieder einmal. Und das weit vor dem Termin am 21.12.2012, an dem die Welt laut des angeblichen Azteken-Kalenders untergehen soll. Abgesehen von meiner offensichtlichen Empörung über diesen Religionsstreit über das Ende der Welt - das aktuelle Datum hat der Laienprediger Camping als Datum der Apokalypse genannt - der mich fragen lässt, welche Religion nun Recht hat, bin ich als Christ auch noch verärgert. Verärgert darüber, dass der Bible Belt nicht nur diesen Quatsch glaubt (Zwölf Uhr MEZ, und noch immer keine vier apokalyptischen Reiter am Himmel), sondern SCHON WIEDER auf einen Propheten hört, der BEIM ERSTEN TERMIN schon nicht getroffen hat, wie die amerikanische Wikipedia notiert hat.
Aber das ist nicht das einzige Lustige am Thema, denn im Zuge der bevorstehenden Apokalypse hat das amerikanische Center for Disease Control and Prevention einen Ratgeber online gestellt, der im Falle marodierender Zombie-Horden am Tag der Apokalypse unser Überleben sichern soll.

Mein Fazit: Tja, was soll ich dazu sagen? Laut der amerikanischen Wikipedia ist dieser Camping nicht nur ein Prophezeiungsversager - zu seinem ersten Termin Mitte der Neunziger ging die Erde NICHT unter (obwohl, sicher sein kann man da nicht, wenn ich mir die Bundesregierung heute so anschaue), und ob es zu seinem zweiten Termin klappt, ist fraglich, denn der gute Camping hat den Termin aus Hinweisen in der Bibel errechnet. Sprich: Er ist ein Anhänger solcher wundersamen Dinge wie kabalistische Zahlenmagie. Oder ganz anders ausgedrückt: Genauso wie die Interpretation eines Buchs über Bienenzucht durch viel Phantasie zu einer Prophezeiung des Endes der Welt durch die Azteken geführt hat, so hat, allerdings in erheblich kleinerem Maßstab, Herr Camping mächtig daneben gerechnet, bzw. willkürlich gerechnet. Oder anders ausgedrückt, er hat Hinweise gefunden, die gar nicht existieren. Was ja auch schwer möglich ist, solange er sich nicht auf die Syntax der Originaltexte im Originalformat berufen kann. Alle anderen - übersetzten - Bibeln sind keine Kopien, sondern Interpretationen. Er kann also gar nicht Recht haben. Soviel zum technischen Teil. Haken bei der Geschichte: Der alte Mann glaubt eventuell tatsächlich, was er da predigt. Schlimmer aber ist, dass es Menschen gibt, die ihm glauben. Und die werden auch nicht aufwachen, wenn die Welt heute um Acht in Amerika nicht untergeht. Stattdessen werden sie Herrn Camping nach dem nächsten Termin fragen, und das bereitet mir Kopfschmerzen. Kreationisten, du kannst einfach nicht mit ihnen. ^^°°°


Nachtrag am Sonntag, dem 22.05.2011: Acht Uhr Abends mittelamerikanischer Zeit für Samstag, den 21.05.2011 ist schon lange vorbei. Die Apokalypse verspätet sich. Erheblich.

Montag, 4. Januar 2010

Am Aschermittwoch ist 2012 - alles vorbei?

Seit einiger Zeit, sprich einigen Wochen, geistert eine ganz bestimmte Nachricht durch das Web und durch die Medien. Diese hat etwas mit der Jahreszahl 2012 zu tun. Denn in diesem Jahr soll der Maya-, bzw. Azteken-Kalender das Ende des Fünften Zeitalters erreichen. Grund genug für Witzbolde, Sensationstheoretiker und Endzeitphilosophen, Möchtegern-Dänikens und anderen Trotteln, die wahrscheinlich auch glauben, die Bibel sei ein historisches Sachbuch, das Ende der Welt herbei beschwören zu wollen.
...sacken lassen.

Leute, jetzt aber mal ernsthaft. Was ist aus dem Kometen geworden, der 2001 in der Nordsee einschlagen sollte, der das Leben auf der Erde vernichten wollte? Was ist aus den anderen großen kosmischen Bedrohungen geworden, die uns auslöschen sollten? Zum Beispiel eine explodierende Sonne, die nächste Eiszeit, weitere Asteroiden von der Größe Texas', und, und, und... Ist in den letzten zwölf Jahren ein Asteroid von nennenswerter, erwähnenswerter Größe auf der Erde aufgeschlagen? Nein, sicherlich nicht. Unsere Presse hätte da nämlich sofort eine misslungene UFO-Landung draus gemacht. Also, was soll die Panik? Warum sollte ein Relikt aus vergangener Zeit, das auf einem Mythos basiert, unser reales Leben 2012 mit einem Haps vernichten? Wie, man kann nicht vorsichtig genug sein? Also, ich sehe da keinen Anlass zur Sorge, und dies aus genau zwei stichhaltigen, leicht nachweisbaren Fakten, die ich hier präsentieren werde.

1) Mit dem 21.12.2012 soll das Ende für uns alle kommen, weil der Kalender der Azteken (richtig, nicht der Maya-Kalender) an diesem Tag enden soll. Auffällig daran ist, dass dieser Tag Wintersonnenwende ist. Das große Unglück soll also nicht an irgendeinem Tag geschehen.
Haken bei der Geschichte: Die Erde bewegt sich auf einer elliptischen Bahn um die Sonne, d.h. wir erreichen im Winter den sonnennächsten Punkt auf unserer Bahn und im Sommer den Sonnenfernsten Punkt. Die Jahreszeiten bilden sich durch die Achsneigung der Erde, nicht etwa dadurch, das wir der Sonne im Sommer näher wären. Im Gegenteil. D.h. auch wenn wir im Winter der Sonne eigentlich NÄHER sind, kriegen wir dadurch, dass die Achsneigung die Südhalbkugel exponiert, weniger Sonnenlicht und weniger Wärme ab. Es ist also kälter. Ein halbes Jahr darauf dreht die Achsneigung wieder und exponiert den Norden. Und obwohl wir der Sonne FERNER sind, haben wir Sommer, alleine durch die Achsneigung.
Warum ich das erwähne? Einmal weil ich selbst erst einmal recherchieren musste, um einhundert Prozent sicher zu sein. Und einmal, um ganz scheinheilig zu fragen: Was ist so besonderes an der Wintersonnenwende? Quasi auf dem stabilsten Punkt unserer Bahn um die Sonne, in einem großen weiten weichen Bogen, an dem uns unser Muttergestirn garantiert fest und sicher im Griff hat? Ich wage zu behaupten: Nichts. Aber ich wette etliche Möchtegernforscher von der Nordhalbkugel der Erde sind zu gerne auf den Zug aufgesprungen, weil sie glaubten, im WINTER müsste die Erde ihren fernsten Punkt von der Sonne erreicht haben, und sich damit an der Spitze ihrer elliptischen Bahn befinden. Der ideale Punkt für eine Katastrophe, zum Beispiel das die Erde ihre Umlaufbahn durch diffuse Zentrifugalkräfte verlässt. Aber keine Sorge, meine lieben Möchtegernforscher. Auch wenn es keinen astronomischen Grund gibt, auf das Ende der Welt zu warten, so könnt Ihr zumindest auf ein Eingreifen der aztekischen Götter hoffen.

2) Der Kalender der Azteken, Maya und dergleichen ist ein Fake.
Nein, das ist kein Witz. Ist leider einhundert Prozent wahr. All die Dinge über die fünf Zeitalter, über das Ende der Welt und dergleichen wurde aus der indischen Mythologie geklaut und in Maya-Schriftstücke hinein interpretiert. Warum ich das behaupte? Weil erste Berichte über die Entschlüsselung der Maya-Bilderschrift erst Ende des zwanzigsten Jahrhunderts gelangen, aber infantile und phantasievolle Übersetzungen bereits im neunzehnten Jahrhundert kursierten, die sachlich sowas von falsch waren.
Mein guter Freund Harun Raffael schreibt gerade an einem erschreckend guten Sachbuch über MU, Atlantis, die Maya-Kultur und ihre Historie. Dabei hat er festgestellt, dass... Nein, das ist falsch formuliert. Dabei kamen seriöse Astronomen und Archäologen mit Zitaten (mit Quellverweis) zu Wort, die den Maya-Mythos und ihre angebliche Zeitrechnung als vollkommenen Unsinn abtaten. Das hat nichts mit Hochnäsigkeit oder Lehrmeinungen zu tun und ist auch kein Futter für die Archäologie-Rebellen, die das Erbe eines Schliemanns antreten wollen. Es würde zu weit führen, auf die Hintergründe, den damaligen Zeitgeist, die Atlantis-Begeisterung und dergleichen einzugehen. Und es würde zu weit führen all das zu verlinken. Andererseits will ich einer Behauptung nicht nur mit einer Gegenbehauptung gegenüber treten, sondern zumindest mit einer Erklärung und Fakten.
Um es schlicht und einfach zu machen: Die erste Deutung der Maya-Schrift war ein Riesenreinfall. Die so genannten Codize, Bücher der Maya-Kultur, wurden in einer Art Bildschrift verfasst. Die meisten fielen der Zerstörungswut christlicher Fanatiker zum Opfer, angeführt von Bischof Diego de Landa. Diese vollkommene Kastration der Kultur der Azteken und anderer Völker erboste schließlich sogar die Kirche, und der gute de Landa wurde dazu gezwungen, einige noch erhaltene Bücher zu kopieren. Nun verstand de Landa von dieser Schrift nicht das geringste. Aber er war ein findiger Geist und verstand es zu interpretieren. Als Geistlicher war er sicherlich mit dem Althebräisch vertraut, das ebenso wie das altägyptische keine Vokale kennt und deshalb auf sinnvolle Interpretation angewiesen ist... Bei den Codize war er etwas großzügiger und bastelte sich die Übersetzungen zurecht, wie sie ihm sinnvoll erschienen. Das Ergebnis war eine wilde, obskure, aber spannende Menschheitsgeschichte, vom Vorbeginn aller Zeiten, die aber in etwa so viel Realität enthielt wie eine eine heutige Nachmittagstalkshow.
Auch Etienne Brasseur, der zwar als Historiker der Indianerkulturen wertvoll war, aber auf de Landas Übersetzungsversuche herein fiel, konnte die fiktive Geschichte bunter gestalten - aber nicht richtiger. Dass letztendlich doch im zwanzigsten Jahrhundert eine Übersetzung gefunden wurde, die Sinn machte, war tatsächlich zu einem geringen Teil der Verdienst der beiden. Dafür aber hatten sie die ganze Welt - wahrscheinlich ungewollt - zweihundert Jahre in die Irre geführt.
Der Codex Troano zum Beispiel, aus dem ein Großteil der fulminanten Geschichten stammten, enthält in Wirklichkeit religiöse Anweisungen und Tipps zur Bienenzucht, aber sicher nichts, was auf das Ende der Welt am 21.12.2012 hin deuten würde. Oder auf eine Methode, die Zeit zu zählen, geschweige denn die Zeitalter. Einen Hinweis auf einen Anfang des Fünften Zeitalters sucht man übrigens auch vergebens. Ohne Anfang kein Ende.

Fazit: Da das historische Gebilde der fünf Zeitalter mit dieser Argumentation zusammenfällt wie ein Kartenhaus, dem man die untersten Karten entnommen hat, sind auch sämtliche Daten irrelevant. Das Ende der Welt, angelehnt an das indische Kali Yuga (müsste ich recherchieren, wann das enden soll) , oder besser dort geklaut, hat also kein relevantes, sicheres oder recherchierbares Datum, außer es kann aus Anweisungen zur Bienenzucht orakelt werden.
Damit, so Leid es mir tut, gibt es keinen Weltuntergang am 21.12.2012, weder astronomisch, noch historisch gesehen. Aber tröstet Euch, vielleicht geht die Erde ja noch auf eine andere Art bis dahin unter. Nur leider, meine lieben Verschwörungs- und Endzeittheoretiker, kann man damit keine Bücher verkaufen, keine Meldungen lancieren und nicht die Menschen in Angst und Schrecken versetzen.