Montag, 4. Januar 2010

Am Aschermittwoch ist 2012 - alles vorbei?

Seit einiger Zeit, sprich einigen Wochen, geistert eine ganz bestimmte Nachricht durch das Web und durch die Medien. Diese hat etwas mit der Jahreszahl 2012 zu tun. Denn in diesem Jahr soll der Maya-, bzw. Azteken-Kalender das Ende des Fünften Zeitalters erreichen. Grund genug für Witzbolde, Sensationstheoretiker und Endzeitphilosophen, Möchtegern-Dänikens und anderen Trotteln, die wahrscheinlich auch glauben, die Bibel sei ein historisches Sachbuch, das Ende der Welt herbei beschwören zu wollen.
...sacken lassen.

Leute, jetzt aber mal ernsthaft. Was ist aus dem Kometen geworden, der 2001 in der Nordsee einschlagen sollte, der das Leben auf der Erde vernichten wollte? Was ist aus den anderen großen kosmischen Bedrohungen geworden, die uns auslöschen sollten? Zum Beispiel eine explodierende Sonne, die nächste Eiszeit, weitere Asteroiden von der Größe Texas', und, und, und... Ist in den letzten zwölf Jahren ein Asteroid von nennenswerter, erwähnenswerter Größe auf der Erde aufgeschlagen? Nein, sicherlich nicht. Unsere Presse hätte da nämlich sofort eine misslungene UFO-Landung draus gemacht. Also, was soll die Panik? Warum sollte ein Relikt aus vergangener Zeit, das auf einem Mythos basiert, unser reales Leben 2012 mit einem Haps vernichten? Wie, man kann nicht vorsichtig genug sein? Also, ich sehe da keinen Anlass zur Sorge, und dies aus genau zwei stichhaltigen, leicht nachweisbaren Fakten, die ich hier präsentieren werde.

1) Mit dem 21.12.2012 soll das Ende für uns alle kommen, weil der Kalender der Azteken (richtig, nicht der Maya-Kalender) an diesem Tag enden soll. Auffällig daran ist, dass dieser Tag Wintersonnenwende ist. Das große Unglück soll also nicht an irgendeinem Tag geschehen.
Haken bei der Geschichte: Die Erde bewegt sich auf einer elliptischen Bahn um die Sonne, d.h. wir erreichen im Winter den sonnennächsten Punkt auf unserer Bahn und im Sommer den Sonnenfernsten Punkt. Die Jahreszeiten bilden sich durch die Achsneigung der Erde, nicht etwa dadurch, das wir der Sonne im Sommer näher wären. Im Gegenteil. D.h. auch wenn wir im Winter der Sonne eigentlich NÄHER sind, kriegen wir dadurch, dass die Achsneigung die Südhalbkugel exponiert, weniger Sonnenlicht und weniger Wärme ab. Es ist also kälter. Ein halbes Jahr darauf dreht die Achsneigung wieder und exponiert den Norden. Und obwohl wir der Sonne FERNER sind, haben wir Sommer, alleine durch die Achsneigung.
Warum ich das erwähne? Einmal weil ich selbst erst einmal recherchieren musste, um einhundert Prozent sicher zu sein. Und einmal, um ganz scheinheilig zu fragen: Was ist so besonderes an der Wintersonnenwende? Quasi auf dem stabilsten Punkt unserer Bahn um die Sonne, in einem großen weiten weichen Bogen, an dem uns unser Muttergestirn garantiert fest und sicher im Griff hat? Ich wage zu behaupten: Nichts. Aber ich wette etliche Möchtegernforscher von der Nordhalbkugel der Erde sind zu gerne auf den Zug aufgesprungen, weil sie glaubten, im WINTER müsste die Erde ihren fernsten Punkt von der Sonne erreicht haben, und sich damit an der Spitze ihrer elliptischen Bahn befinden. Der ideale Punkt für eine Katastrophe, zum Beispiel das die Erde ihre Umlaufbahn durch diffuse Zentrifugalkräfte verlässt. Aber keine Sorge, meine lieben Möchtegernforscher. Auch wenn es keinen astronomischen Grund gibt, auf das Ende der Welt zu warten, so könnt Ihr zumindest auf ein Eingreifen der aztekischen Götter hoffen.

2) Der Kalender der Azteken, Maya und dergleichen ist ein Fake.
Nein, das ist kein Witz. Ist leider einhundert Prozent wahr. All die Dinge über die fünf Zeitalter, über das Ende der Welt und dergleichen wurde aus der indischen Mythologie geklaut und in Maya-Schriftstücke hinein interpretiert. Warum ich das behaupte? Weil erste Berichte über die Entschlüsselung der Maya-Bilderschrift erst Ende des zwanzigsten Jahrhunderts gelangen, aber infantile und phantasievolle Übersetzungen bereits im neunzehnten Jahrhundert kursierten, die sachlich sowas von falsch waren.
Mein guter Freund Harun Raffael schreibt gerade an einem erschreckend guten Sachbuch über MU, Atlantis, die Maya-Kultur und ihre Historie. Dabei hat er festgestellt, dass... Nein, das ist falsch formuliert. Dabei kamen seriöse Astronomen und Archäologen mit Zitaten (mit Quellverweis) zu Wort, die den Maya-Mythos und ihre angebliche Zeitrechnung als vollkommenen Unsinn abtaten. Das hat nichts mit Hochnäsigkeit oder Lehrmeinungen zu tun und ist auch kein Futter für die Archäologie-Rebellen, die das Erbe eines Schliemanns antreten wollen. Es würde zu weit führen, auf die Hintergründe, den damaligen Zeitgeist, die Atlantis-Begeisterung und dergleichen einzugehen. Und es würde zu weit führen all das zu verlinken. Andererseits will ich einer Behauptung nicht nur mit einer Gegenbehauptung gegenüber treten, sondern zumindest mit einer Erklärung und Fakten.
Um es schlicht und einfach zu machen: Die erste Deutung der Maya-Schrift war ein Riesenreinfall. Die so genannten Codize, Bücher der Maya-Kultur, wurden in einer Art Bildschrift verfasst. Die meisten fielen der Zerstörungswut christlicher Fanatiker zum Opfer, angeführt von Bischof Diego de Landa. Diese vollkommene Kastration der Kultur der Azteken und anderer Völker erboste schließlich sogar die Kirche, und der gute de Landa wurde dazu gezwungen, einige noch erhaltene Bücher zu kopieren. Nun verstand de Landa von dieser Schrift nicht das geringste. Aber er war ein findiger Geist und verstand es zu interpretieren. Als Geistlicher war er sicherlich mit dem Althebräisch vertraut, das ebenso wie das altägyptische keine Vokale kennt und deshalb auf sinnvolle Interpretation angewiesen ist... Bei den Codize war er etwas großzügiger und bastelte sich die Übersetzungen zurecht, wie sie ihm sinnvoll erschienen. Das Ergebnis war eine wilde, obskure, aber spannende Menschheitsgeschichte, vom Vorbeginn aller Zeiten, die aber in etwa so viel Realität enthielt wie eine eine heutige Nachmittagstalkshow.
Auch Etienne Brasseur, der zwar als Historiker der Indianerkulturen wertvoll war, aber auf de Landas Übersetzungsversuche herein fiel, konnte die fiktive Geschichte bunter gestalten - aber nicht richtiger. Dass letztendlich doch im zwanzigsten Jahrhundert eine Übersetzung gefunden wurde, die Sinn machte, war tatsächlich zu einem geringen Teil der Verdienst der beiden. Dafür aber hatten sie die ganze Welt - wahrscheinlich ungewollt - zweihundert Jahre in die Irre geführt.
Der Codex Troano zum Beispiel, aus dem ein Großteil der fulminanten Geschichten stammten, enthält in Wirklichkeit religiöse Anweisungen und Tipps zur Bienenzucht, aber sicher nichts, was auf das Ende der Welt am 21.12.2012 hin deuten würde. Oder auf eine Methode, die Zeit zu zählen, geschweige denn die Zeitalter. Einen Hinweis auf einen Anfang des Fünften Zeitalters sucht man übrigens auch vergebens. Ohne Anfang kein Ende.

Fazit: Da das historische Gebilde der fünf Zeitalter mit dieser Argumentation zusammenfällt wie ein Kartenhaus, dem man die untersten Karten entnommen hat, sind auch sämtliche Daten irrelevant. Das Ende der Welt, angelehnt an das indische Kali Yuga (müsste ich recherchieren, wann das enden soll) , oder besser dort geklaut, hat also kein relevantes, sicheres oder recherchierbares Datum, außer es kann aus Anweisungen zur Bienenzucht orakelt werden.
Damit, so Leid es mir tut, gibt es keinen Weltuntergang am 21.12.2012, weder astronomisch, noch historisch gesehen. Aber tröstet Euch, vielleicht geht die Erde ja noch auf eine andere Art bis dahin unter. Nur leider, meine lieben Verschwörungs- und Endzeittheoretiker, kann man damit keine Bücher verkaufen, keine Meldungen lancieren und nicht die Menschen in Angst und Schrecken versetzen.

Kommentare:

Subtra aka DJ Dimension hat gesagt…

Also den Blogeintrag fand ich interessant und Cool, damit dürftest du den Gläubigen gerade einen fießen Dämpfer verpasst haben.

Aber hey es gibt ja noch immer die wahrscheinlichste aller Wahrscheinlichkeiten wie unsere Welt untergehen wird. Nämlich wenn die übermächtige USA und die Russen uns im Atomkrieg in die Steinzeit bomben.

Japan ist davon herzlichst unbetroffen falls die Wolke nicht in ihre Richtung zieht. Aber bis dahin haben sowieso Schilde, Nanowaffen und Mechs XD.

An die Gläubigen:

Jungs die Chance das die Erde von der Natur drauf geht ist eigentlich gleich Null. Warum? Der Mensch ist des Menschens und der Natur größter Feind. Wir Bomben, versuchen und weiß der Teufel noch was die Natur wie es uns beliebt. Ist doch Logo das irgendwann die Zeit kommt wo die Erde sagt: "Ich will nicht mehr, versucht ohne mich auszukommen". Bis dahin hoffe ich doch schleunigst das diese Wissenschaftler einen Weg finden günstig Wasserstoff herzustellen und Fusionsbatterien herzustellen. Das letzte was wir brauchen istn Auto auf Atomkraftwerktechnologie. (wobei es bestimmt einen gewissen Reiz darstellt sowas zusammen zu basteln)

An Ace:

Denkst du nicht auch wir sollten uns ins Meer zurückziehen und unsere Lungen an eine komplett neue Sauerstoffmischung angewöhnen lassen damit wir nicht vom Druck zerquetscht werden? Ich meine bald wird die Welt sowieso ins Wasser fallen mit der ganzen Erdwärme.

Biswohl die Japaner auch bald soweit sind schwimmende Inseln mit Flughäfen zu bauen, immer basteln sie schon an den Landerweiterungen mit Sand Import.

Ace hat gesagt…

Subtra: Keine Sorge. Es gibt zwar die Legende, dass Amerika und Russland genügend Atombomben haben, um die Erde dreimal zu vernichten, oder das ihr Einsatz durch den in die Atmosphäre gewirbelten Staub eine neue Eiszeit auslösen wird, aber wie Du treffend selbst festgestellt hast, haben beide Staaten keinen Grund, alle Landmassen der Welt zu bombardieren. Und das bisschen Radioaktivität halten wir schon aus, sonst hätten wir uns bereits nach Tschernobyl auf die Südhalbkugel zurückziehen müssen.

Ins Wasser zurückziehen? Recht unpraktikabel, aber auch nicht schlechter als in den Weltraum zu ziehen. Aber in der Tiefsee gibt es definitiv weniger Licht. Also gefällt mir der Vorschlag nicht soo sehr.

Und mal ganz unter uns: Die Erde wird unserer bestimmt niemals überdrüssig werden. Immerhin sind wir ihre geliebten Kinder, und Kindern verzeiht man einiges.

Subtra aka DJ Dimension hat gesagt…

Hast du dir nichtmal folgendes überlegt? Es reicht wenn sie all ihre Atombomben auf zwei Flecken der Erde ballern, die stanzen noch ein Loch, dann heißt die Erde von nun an Donut :P

Klar wir reisen ins All, aber bis dahin vergehen locker noch ein paar Jarhunderte. Außer es gibt ein Genie was die Weltraumstation ein bisschen größer macht. Die Spaceschuttles haben sich auch wirklich verändert, klobig und recht unpraktisch.

Mit der Wirtschaftskrise ist aber auch echt alles schief gelaufen. Im Internet sind die Deutschen ebenfalls nicht mehr sicher. Du erinnerst dich an das Ding mit der Schule was ich geschrieben habe? Ich glaub die Idee wird ein wenig spezieller in Deutschland angewandt und bald überall. Dann sind die Schulen wahrscheinlich die einzigen Orte mit dunklen Flecken wo man noch ne Freie Meinung hat.

Untergangstheorien gibt es reichlich. HA! die Wahrscheinlichste ist ja doch das unser Planet für ne Schnellstraße draufgeht XD.

Ace hat gesagt…

Subtra... Atombomben werden mehrere hundert Meter über der Erde gezündet, um maximale Oberflächenzerstörung zu erhalten. Atomwaffen sind Flächenwaffen, keine Präzisionsgeschosse. Und selbst dann sind es noch siebenunddreißig Kilometer Erdkruste, und danach kommen dreizehntausend Kilometer zähflüssiges Gestein, bevor wir ein Donut werden. Da mache ich mir mehr Sorgen um einen von Menschen gemachten Vulkan und die um die Erde herum tanzenden Stürme durch diese Wahnsinnstat.

Was Weltraumfahrt angeht: Schon mal einen Ball hoch geworfen? Jeder Ball, den Du so schleuderst, überwindet die Erdanziehungskraft. Das Problem ist also nicht unbedingt hoch zu kommen, sondern eine Methode zu entwickeln, bei der Du nicht jede Menge Treibstoff brauchst, um das Gewicht des Treibstoffs auch noch befördern zu können. Vielleicht gibt es da in nächster Zeit tatsächlich eine Revolution.

...in meinem Blog herrscht auch noch freie Meinung.

Mach's gut, und danke für den Fisch. ;P