Montag, 15. Juni 2009

Nur Scholl-Latour konnte nach Iran gehen...

Wem dieser Titel bekannt vorkommt, und angelehnt an ein Zitat über Nixon, hat vollkommen Recht.
Zwar gibt es auch diesmal etwas über mein schreiben zu berichten - fast zweitausendachthundert Aufrufe auf Fanfiction.de, danke, liebe Leser ^^V - aber wieder einmal wende ich mich der Weltpolitik zu.

Ich bin verwundert. Ehrlich, ich bin zutiefst verwundert. Und diese Verwunderung betrifft den Iran und seinen gerade wiedergewählten Präsidenten Ahmadinedschad. Unruhen gibt es in der Hauptstadt. Seine politischen Gegner glauben nicht, dass er mit über sechzig Prozent der Stimmen gleich im ersten Wahlgang gewonnen hat. Sie sprechen von Unstimmigkeiten, von der Behinderung freier Kontrollen, und westliche Medien beschweren sich darüber, massiv behindert worden zu sein. Sein schärfster Kontrahent steht unter Hausarrest, nachdem er sich selbst zum Sieger erklärt hat, und das bei etwas mehr als einem Drittel der abgegebenen Stimmen. Ach, und Studenten gehen zu Tausenden auf die Straße, um gegen Ahmadinedschad zu protestieren.
Nun hat Ahmad*** nicht gerade den besten Ruf bei uns. Er gilt als Holocaust-Leugner, Nationalist und Feind des Westens. Und wahrscheinlich fördert er die Hamas im Gaza-Streifen.
Ach, und augenscheinlich lässt er iranische Wissenschaftler eine Atombombe konstruieren.

Andererseits ist das Thema zu differenziert, um es nur so zu betrachten. Der Iran ist nicht einfach nur der Iran, sondern auch das ehemalige Kaiserreich Persien, ein Land, das von Rechts wegen hätte reich sein müssen. Ein Land, das von Öl und Erdgas prosperieren müsste. Von diesen Schätzen kam nie besonders viel beim Volk selbst an, das Land befindet sich zudem gerade in einer Rezession. Und dann haben die Israelis auch noch mit einem Militärschlag gegen die Nukleareinrichtungen des fernen Nachbarn gedroht.
In solcher Atmosphäre ist ein Nicht Pro-Westlicher Präsident natürlich automatisch ein Nachteil - zumindest aus der westlichen Welt gesehen. Aber irgendwie beschleicht mich der Verdacht, dass Ahmad*** irgendetwas richtig machen muss.
Wer von uns hatte nicht unterschwellig das Gefühl, die USA würden nach ihrem erfolgreichen Schlag gegen die Ölwirtschaft des Mittleren Osten, tschuldigung, den Irak, nicht auch noch den Iran angreifen?
Und welche Nation, die augenscheinlich mit dem Iran verfeindet ist, verfügt über die Atombombe?
Normalerweise hätte ein Holocaust-Leugner vor meinen Augen keine Gnade verdient. Ahmad*** jedoch wurde so hartnäckig und so perfide falsch zitiert - dank dem Internet schnell nachweisbar falsch zitiert - dass ich mich frage, ob die Berichte darüber, ob er wirklich den Holocaust leugnete, so stimmen, wie sie wiedergegeben wurden.
Mich beschleicht der Verdacht an eine Kampagne der Westlichen Welt, um einen vielleicht ungeschickten, aber sichtlich beherzten Politiker daran zu hindern, wiedergewählt zu werden. Vielleicht mit der Motivation, dass ein mehr pro Westen ausgerichteter Präsident auf die Bombe verzichten würde.
Andererseits hat Scholl-Latour gesagt: "Was bleibt ihnen anderes übrig? Wenn sie die Atombombe haben, werden sie nicht angegriffen."
Von wem? Ein großes Geheimnis der Weltpolitik.
Und siehe da, Nord-Korea HAT die Bombe. Und etliche scharfe Petitionen, Rügen und aufgestockte Hilfslieferungen für die darbende Bevölkerung konnten Kim Jong-Il nicht dazu bringen, seine Atomwaffen abzuschaffen. Anscheinend hilft die Atombombe selbst gegen eine Superpolizei wie die USA.

Fazit: Ich bin dafür, nachdrücklich dafür, dass die Vorwürfe und Anzeigen der Opposition nachgeprüft werden. Eine demokratische Wahl muss eine demokratische Wahl bleiben. Und das Ergebnis muss dann von allen akzeptiert werden.
Ob das nun Menschen sind, die von den Gratis-Kartoffelrationen des Präsidenten profitiert haben, oder ob es Studenten sind, die ihr neues Idol nun nicht im Amt sehen, Demokratie sieht keine gewalttätigen Proteste als legal an.
Das bedeutet: Ist das Wahlergebnis legal, dann muss auch der Westen dies akzeptieren, soll die eigene Demokratie nicht zur Farce werden. Ist es manipuliert, dann bin ich ausdrücklich für Sanktionen, um den wahren iranischen Präsidenten zu unterstützen.
Mit stark tendenziöser Berichterstattung im Westen ist allerdings niemandem geholfen, außer dass eine demokratische Kontrolle der Wahl erschwert wird.
Und was die Bombe angeht - liefert dem Iran kein Uran.
Blauäugig? Vielleicht. Aber wie wir am Beispiel von USA, GB, Russland, Frankreich und China sehen, bedeutet die Bombe zu haben nicht automatisch, sie einzusetzen. Bei Indien und Pakistan bin ich da nicht so sicher... ^^°

Kommentare:

Miyu-Moon hat gesagt…

Da ich von solch wichtigen Weltgeschehen nurnoch am Rande mitbekomme, kann ich weniger zu der geschilderten Lage sagen, als dem was ich deinem Text entnehmen kann.
Entschuldige also, dass ich gleich einen politischen Term hinterfragen muss.
Da Pro ja "Für" ist, müsste ein Pro-Westler-Kandidat ja eigentlich für den Westen sein und damit aus unserer Sicht ein Vorteil oder nicht?

Ace hat gesagt…

Ob Pro oder Contra, der Iran ist ein uraltes Kulturland, das bereits lange vor der Islamisierung existiert hat. Wir sollten ihnen - gerade nach dem Golfkrieg mit dem Irak - zutrauen, ihr Geschick selbst in die Hand zu nehmen.
Der Iran ist keine Diktatur, sondern eine - zugegeben - religiös kontrollierte Republik. Sie haben demokratische Institutionen, und man sollte wie hier, bei vermutetem Wahlbetrug, diese demokratischen Institutionen rufen, und sich nicht dem Druck von ein paar zehntausend Demonstranten beugen.
Würde der Westen das machen, hätte George Bush Jr. sein erstes Amtsjahr nicht überlebt.
Recht muss Recht bleiben, auch im Iran. Und wenn die Wahl in Zweifel gezogen wird, muss sie kontrolliert werden, aber gewiss kann die gesamte Demokratie nicht wegen ein paar Demonstrationen über den Haufen geworfen werden.