Mittwoch, 8. Februar 2012

Mal was anderes: Vom Ith bis zum Külf.

Tja, das soll es auch geben auf diesem Blog. Nichts über meine Tätigkeit als erfolgloser Autor, kein Kommentar zum Weltgeschehen (obwohl ich Euch heute den Spiegelfechter sehr ans Herz lege), sondern was Regionales.
Jeder, der des Scrollens mächtig ist, kann in meinem Impressum sehen, dass ich aus Banteln komme, einer kleinen Gemeinde im nördlichen Leinetal, direkt an B3 und der Bahnstrecke Hannover-Göttingen gelegen. Ja, mit eigenem Bahnhof.
Nun steht die Zeit nirgends still, und auch wenn es mir in den Fingern juckt, etwas zur hochinteressanten örtlichen Geologie zu recherchieren und dann hier zu interpretieren - immerhin sehe ich in praktisch jeder Himmelsrichtungen die Auswirkungen der letzten Eiszeit von vor zwanzigtausend Jahren - geht es um diese Hügel und Berge heute eher realpolitisch.
Kennt jemand den Ith? Hand hoch. Ja, du? Was gibt es zu ihm zu sagen?  Richtig. Der Ith ist ein rund zweiundzwanzig Kilometer langer und an der höchsten Stelle 439m hoher Klippenzug, den man, so habe ich es gelernt in der Schule, auch den Spazierstock nennt. Weil er so lang und dünn ist und im Norden in einer Kurve endet, die ihn, ja, aussehen lässt wie einen Spazierstock. Der Ith reicht von Eschershausen im Süden bis nach Coppenbrügge im Norden, und da er auch an das "Ohr" im Süden grenzt, den Hils, bildet er eine natürliche Barriere zwischen Weserbergland und Leinebergland. In einer netten kleinen Serpentine führt die B240 über den Berg zu einem tollen Restaurant auf dem Kamm mit phantastischer Sicht auf das Leinebergland - ehrlich, ich war in Holzminden stationiert und bin die Strecke ein dreiviertel Jahr beinahe täglich gefahren. Und ein klein wenig mühselig ist sie schon, die Straße.
Das sieht auch die EU so. Die hat nämlich festgestellt, dass der Landkreis Holzminden, der ein wenig unter dem demographischen Wandel leidet, eine bessere Anbindung an den Großraum Hannover braucht. Und dafür kriegt er eine ganz schnelle Straße nach Hannover - die B240. Damit das funktioniert, muss diese dreispurig ausgebaut werden und an den vielen kleinen Dörfern herumgeführt werden, durch die sie führt.. Und der Ith soll dafür untertunnelt werden. An sich keine schlechte Idee. Hätte es damals in meiner Bundeswehrzeit einen Tunnel gegeben, hätte ich locker zehn Minuten eingespart.

Kommen wir aber zum zweiten Teil der Geschichte. Kommen wir zum Külf, der wie ein kleiner Bruder des Ith wirkt, weil er auch ein langgezogener, schmaler Höhenzug ist, der bei Eime im Norden beginnt und in Godenau im Süden, rund neun Kilometer später, endet. Mit 260m ist er auch höhentechnisch kleiner als der Ith - aber in direkter Nachbarschaft zu Banteln. Erwähnenswert: Die B240 geht für etwa drei Kilometer durch das Külftal, die Region westlich des Külfs. Dabei durchquert sie diverse Ortschaften, die sie in Zukunft laut Planer umgehen wird. Darunter ist auch Eime.

Nun führen wir die Fäden zusammen. Wir können mit Recht sagen: Bantelns westlicher Nachbarort Eime bekommt eine Ortsumgehung auf EU- und Staatskosten. Eigentlich eine erfreuliche Sache. Hier kommt allerdings wieder der Külf ins Spiel. Es ist klar, dass bei der Umgehung des Ortes - also jener Straße, die derzeit DURCH den Ort geht, vorbei an Grundschule und Kindergarten, und als zweitmeistbefahrene Straße Niedersachsens gilt, Autobahnen ausgenommen - alle möglichen Trassen bedacht werden. Zwei dieser Trassen führen über den Külf, genauer gesagt eine führt über den Kamm direkt nach Banteln, eine andere nutzt eine natürliche Vertiefung einen knappen Kilometer weiter nördlich durch den Külf. Auch sie endet in Banteln.

Ich fasse zusammen: Holzminden bekommt eine dreispurige, extraschnelle Verbindung nach Hannover, und alle Orte auf dem Weg erhalten eine Ortsumgehung. Sogar der Ith wird untertunnelt, sicherlich das teuerste Projekt dabei. Nun gibt es für die Ortsumgehung von Eime sieben Routen, die sich auf die Westseite, die Ostseite und den Külf verteilen.

Um es kurz zu machen, es wird Variante sieben bevorzugt, die einen weiten Schlenker westlich um den Ort macht. Was die Anwohner nicht so gut finden. Die bevorzugen, den Verkehr über den Külf zu schicken, am liebsten über den Kamm auf der alten Deinser Straße, und den Verkehr komplett nach Banteln abzuschieben. Die entsprechenden Baumaßnahmen würden dann dazu führen, dass ein ahtunddreißig Meter breiter und achtzehn Meter tiefer Baueinschnitt für den Umbau der B240 vorgenommen werden müsste.
Aber wie ich schon sagte, es wird voraussichlich Route sieben nachgebessert werden, und die Umgehungsstraße westlich von Eime entlang führen. Sollte das noch einmal auf der Kippe stehen, so sind sich Banteln im Osten und Deinsen im Westen einig, dass sie die Külfroute nicht wollen.
Was mich bei diesem ganzen Szenario aufregt, ist folgendes: Ich schaue mir den Külf an, und dann stelle ich mir vor, dass der Kamm auf achtunddreißig Meter eingeschnitten wird, und man auf achtzehn Metern Tiefe die Sohle baut. Von den Baumaßnahmen für die an- und abführenden Brückenbauten, geschweige denn für das Verkehrsaufkommen direkt vor Banteln, wenn die B240 auf unsere B3 eingefädelt wird, habe ich kein Verständnis.
Nein, definitiv, da haben wir ein Überbleibsel der letzten Eiszeit vor uns, ein recht unberührtes Stück Natur, unseren Bergrücken quasi, und dann soll ohne Not eine Kerbe durchgehauen werden:
Beim wesentlich höheren und breiteren Ith hat die Idee ihren Charme, führt die Straße doch seitlich an der Bergflanke hoch, und auf der anderen Seite die Bergflanke wieder hinab. Und sie führt über den Sattel, nicht durch eine Kerbe, die ihn spaltet. Der Külf ist leider zu schmal und zu niedrig für solch eine charmante Idee. Diese Hauruck-Lösung kann es aber auch nicht sein.

Seid mal gute Nachbarn, Ihr Eimer, und versucht nicht, den schönen Külf zu verschandeln und uns in Banteln Euren Verkehr aufzudrücken. Seid lieber froh, dass der Verkehr endlich von der Schule und dem Kindergarten fortkommt. Und für die anderen Fragen wie Schallschutz und Gaststättengewerbe gibt es profunde Lösungen.
Meine zwei Cent zum Thema.

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