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Montag, 20. Februar 2012

Mit den Haaren gekokst?

Heute wandert ein merkwürdiger Bericht durch die Presse - Kapitän Schettino, Skipper des verunglückten Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia, war zum Zeitpunkt des Unfalls drogenfrei. Ob er es derzeit ist, bei der medialen Hetzjagd, keine Ahnung, aber ich persönlich gönne ihm jede Ablenkung. Persönliche Meinung.
Nun aber kommt das Merkwürdige: Es wurden Urin und Haarproben Schettinos untersucht. Und am Haar konnte man winzigste Spuren von Kokain finden.
Die Badische Zeitung zitiert hier einen der Experten, der aussagt, dass das nichts Ungewöhnliches sei. Schettino müsse mit jemandem Kontakt gehabt haben, der Kokain besessen und/oder konsumiert habe. Spuren von Kokain finde man ja auch an Geldscheinen.
Dennoch ist das Grund genug für die Verbraucherschutzorganisation Codacons, die mehrere Passagiere des Havaristen vertritt, eine Wiederholung der Tests zu verlangen.

Ich fasse zusammen: Schettino war nachweislich drogenfrei zum Zeitpunkt des Unfalls. Er hat also auch kein Kokain konsumiert, aber wahrscheinlich irgendjemanden angerempelt oder die Hand geschüttelt, der im Besitz dieser Droge war.
Meine Verständnisfrage ist jetzt: Warum ist das im Bericht vom gleichen Stellenwert wie die Information, dass Schettino drogenfrei war? Es kommt mir ein wenig so vor, als dürfe nicht sein, was nicht sein dürfe, und irgendetwas müsse man schließlich finden, wenn man nur lange genug sucht.
Spätestens an dieser Stelle hat die Berichterstattung den Status der Ehrverletzung erreicht.
Liebe Medien, wenn er Koks in den Haaren in winzigsten Spuren hat, aber selbst nachweislich keines genommen hat, dann ist das ein Schulterzucken wert, aber sicherlich nicht ein Drittel oder die Hälfte einer Meldung. Es brauchte nicht einmal erwähnt zu werden, weil es mit der Sache nichts zu tun hat. Rein gar nichts. Niente. Nada. Es gibt nur einen Grund, besonders auf die Winz-Spuren der Droge in seinen Haaren hinzuweisen: Man hofft, das etwas, irgend etwas bei ihm hängen bleibt. Anders kann ich mir diese Meldung nicht erklären. Und das ist äußerst unwürdig. Mehr denn je hoffe ich auf eine bald abgeschlossene unabhängige Untersuchung und deren Ergebnis.

Kommentare:

Stinkstiefel hat gesagt…

Haben hallt nichts besseres.
Hochwertige Artikel brauchen viel Recherche und die ist 'immer so aufwendig'.

PS: Ich bracuhe hier fünf Anläufe damit er dass hier veröffentlicht.

etarytf expresses

Mal sehen ob er die nimmt?

Anonym hat gesagt…

Das ist in der Tat alles andere als fein.

MfG
L. Cunningham

Ace hat gesagt…

Stinkstiefel: Hast es geschafft. Wichtig hier auf Blogspot ist: Erst anmelden, dann posten.
"Haben halt nichts besseres" trifft die Sache im Kern, denke ich.

Ace hat gesagt…

Lucas: Schlammschlacht. Schettino muss schuldig sein, weil es einen Schuldigen geben muss. Und sollte er wider Erwarten freigesprochen werden, so muss wenigstens sein Leben und seine Karriere zerstört sein. So kommen mir manche Medien gerade vor.

Stinkstiefel hat gesagt…

Auf N24 ein Doku über das Unglück.

Ace hat gesagt…

Jetzt schon eine Doku, wo die Informationslage selbst freundlich betrachtet "vage" ist? Zumindest was die Informationstiefe angeht?
Das ist dreist.

Stinkstiefel hat gesagt…

Da machen die Aussagen von Überlebenden viel der Sendezeit aus.

Ace hat gesagt…

Du meinst die Aussagen von Amateuren, die in einer Stress-Situation und nahe der Panik waren, und nun berichten sollen, wer wie effektiv war?
Vielleicht bin ich ungerecht, wenn ich das schreibe, aber es wurde schon so viel Mist berichtet, dass ich automatisch in den Skepsis-Modus wechsle, wenn ich was von diesem Thema höre. ^^°

Stinkstiefel hat gesagt…

Was ich interessant fand waren Ausschnitte des Funks zwischen der Küstenwache und dem Kapitän.

Panik!

Es ist immer leicht im Rückblick über Fehlverhalten zu urteilen. Tun wir über die Geschichte auch.

Ace hat gesagt…

Ich erinnere mich. Darin hat der Kapitän versprochen, als Letzter von Bord zu gehen.

Menschen unter Panik sind eine Informationsquelle mit Panik...

Anonym hat gesagt…

@Ace:
Wie bei angehörigen der Titanic-Besatzung:
Die Karriere ist im Eimer. Unfälle sind wie Vorwürfe der sexuellen Belästigung: Ein nicht wieder weg zu bekommender Makel, egal wie unschuldig man ist.

MfG
L. Cunningham

Ace hat gesagt…

Und das ist das Unfaire an der Geschichte. Der Mann ist beruflich doch bereits tot. Warum erfinden die Medien dann noch Behauptungen, die am nächsten Tag widerlegt werden? Und warum merkt niemand, was für einen Quatsch sie erzählen? Außer mir, meine ich.
Man ist gewillt, auch im Falle der kompletten Schuld auf Schettinos Seite zu wechseln.