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Dienstag, 26. Februar 2013

Homo-Ehe in Deutschland

Um es vorweg zu sagen, ich bin nicht homosexuell. Daher weiß ich auch nicht, was in homosexuellen Männern und Frauen vorgeht. Das fällt mir schon bei den meisten heterosexuellen Frauen schwer, btw. Auf jeden Fall haben die homosexuellen Männer und Frauen (Männer deshalb zuerst, weil die Zahl von homosexuellen Männern zu homosexuellen Frauen ungefähr zehn zu eins ist), die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben, anstatt Alibi-Beziehungen zu führen, einen langen und weiten Weg hinter sich, damit, um es burschikos auszudrücken, schwul sein in Deutschland endlich als normal angesehen wird. (Was es ja auch ist. Ein Teil der Menschen wird immer homosexuell sein. Das hat nichts mit Krankheit zu tun, nichts mit Erziehung oder Training, sondern schlicht und einfach mit Biologie.)
Seit dem Christopher Street-Zwischenfall haben sie einiges erlebt und mitgemacht. Während Schwule und Lesben mancherorts in der Welt noch immer oder schon wieder merkwürdig angestarrt werden, sei es in diversen russischen Städten, die ihre Jugend vor küssenden schwulen Pärchen schützen wollen, sei es in afrikanischen Ländern, die verhinden wollen, dass ihre Oberschüler von Schwulenorganisationen angeworben werden und die Todesstrafe für aktive Schwule fordern, sollte es das in Deutschland doch nicht mehr sein. Aber es sollte klar sein, dass Schwule und Lesben in Deutschland nicht wie die Türkei mit lediglich einer privilegierten Partnerschaft abzuspeisen sind. Nein, manche von ihnen wollen die volle, gleichwertige Ehe, wie die Heteropaare sie bekommen. Und das zu Recht.
...sacken lassen.

Nun regt sich in der Mitte der CDU Widerstand, ausgehend von dem Argument, dass Ehe und Familie vom Grundgesetz besonders geschützt sind, und dass es die gleichgeschlechtliche Ehe demnach eigentlich gar nicht geben dürfe, ohne diesen Schutz aufzuweichen.
Okay... Abgesehen davon, dass Homosexuelle genau diese Ehe anstreben, diesen besonderen Schutz, diese besonderen Privilegien, vergeben durch das Grundgesetz, die Gleichstellung mit dem Rest der Ehen in Deutschland an sich, frage ich mich doch eines...
Ist die CDU-Mitte wirklich so strunzdoof zu glauben, Schwule und Lesben würden einen andergeschlechtlichen Partner heiraten, wenn ihnen die gleichgeschlechtliche Ehe verweigert wird, oder ist das nur ein ziemlich doofer Versuch, dämlich auch noch, um homosexuelle Paare zu diskriminieren?
Letzteres, würde ich sagen, denn so dumm, Erklärung eins zu glauben, würde ich der CDU jetzt nicht unterstellen. Nicht sehr, zumindest.

Liebe CDU, Schwule und Lesben gehören zur Menschheit wie wir Heteros. Sie sind nicht aus dem Nichts gekommen und sie gehen auch nicht weg, wenn Ihr die Augen schließt. Alles, was sie wollen, ist, dass ihre Beziehungen genauso im vollen Umfang anerkannt werden wir unsere, dass sie Verträge als Ehepaar abschließen dürfen, vollwertig adoptieren dürfen und was der Privilegien für ein Ehepaar mehr sind. Alles, was sie nicht tun werden, ist, plötzlich heterosexuell zu werden, als müsse man dafür nur einen Schalter umlegen, sobald es schwierig wird. Ungerecht ist es außerdem.
Also, trollt keine schwulen Menschen, liebe CDU-Mitte. Es fällt immer auf Idioten zurück.

Kommentare:

betty0815 hat gesagt…

Diskriminierung bleibt Diskriminierung, egal um was es sich handelt. Nicht jeder Mensch kann und möchte so leben, wie es die Masse tut. Ich verstehe sowieso nicht, warum man so großes Gesumms darum macht wer wen liebt. Es kommt doch schließlich immer nur auf die Person an, der man sein Herz zu schenken bereit ist und nicht auf die Genitalien, die derjenige hat. Ich finde es in der heutigen Zeit einfach traurig, dass man noch Unterschiede macht und dass Schwul/Lesbische Paare eine Sonderform in unser Gesellschaft haben und nicht die gleichen Rechte wie jeder andere Normalsterbliche. Sie sind nicht anders als der Großteil der Heteros. Wahrscheinlich sind manche (CDU/CSU)zu verbohrt um die Anderartigkeit zu akzeptieren und so hinzunehmen wie sie ist. Es soll ja heute noch Leute geben, die denken dass Homosexualität ansteckend ist und ausgetrieben gehört...ohne Worte...

Ace hat gesagt…

Diese "Leute, die denken, dass Homosexualität ansteckend ist und ausgetrieben gehört" stecken vornehmlich in ultrakonservativen kirchlichen Gruppierungen oder konservativ-bürgerlichen Kreisen, die die Realität nicht akzeptieren können. Es ist traurig aber wahr. Sie denken wirklich, Homosexualität wäre nur eine heilbare Geisteshaltung. Nun, beim einen oder anderen (eher bei Frauen als bei Männern) im zehntausendstel Promillebereich mag es stimmen, dass er/sie sich bewusst für homosexuelle Liebe entschieden hat, aber das Gros hatte nicht wirklich eine Wahl. Und soweit ich weiß, ist das Coming out auch heutzutage noch derart stigmatisiert, dass Betroffene ihre wahre Sexualität verleugnen, auch vor sich selbst, und deshalb besonders leiden.
"Kritik" gegen Homosexualität kommt immer aus patriarchischen Strukturen, so wie schon erwähnt z.B. fundamentalistischen Kirchenkreisen, die um ihr Selbstbildnis fürchten und Schwule und Lesben deshalb gerne als "therapierbar" oder gleich Menschen zweiter Klasse ansehen.
Auch und gerade in christianisierten oder islamisierten Afrika passt Homosexualität nicht ins Wertebild der konservativen Gesellschaft und wird bekämpft. Aber kann man gegen sich selbst kämpfen?
Ich sage da immer: Wer quietscht, will geölt werden. XD

Ich glaube jetzt nicht, dass meine Texte viel bewegen werden, aber ich möchte schon, dass homosexuelle Besucher meiner Seite (die ich übrigens nur in diesem speziellen Fall so ansprechen möchte, denn Leser ist für mich Leser, solange es nicht um sexuelle Bekenntnisse geht)sehen können, dass hier ein Hetero ist, der sie in ihren Rechten und Wünschen nach Gleichstellung zumindest blogtechnisch unterstützt und sich von der üblichen gutbürgerlichen Homophobie nicht anstecken lässt.
Tatsächlich ist der größte Quatsch, wie Du sehr gut gesehen hast, betty, Menschen darauf zu reduzieren, wie sie sexuell orientiert sind. Einer der größten Fehler und eines der größten Verbrechen unserer Gesellschaft. Bei gleichzeitiger Ächtung der Sexualität. (Was lobe ich mir da ostdeutsche Ostseestrände, wo es den Leuten in dieser Beziehung so herrlich egal ist, was andere denken.^^ )