Seiten

Posts mit dem Label Google werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Google werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 29. Juni 2014

Google-Bashing auf Anfänger-Niveau - die TV Hören und Sehen 25 macht Google zum Weltdiktator

Ja, richtig gelesen. Eigentlich schätze ich die TV Hören und Sehen, für ihre Beiträge von Peter Scholl-Latour, für die Kolumne von Paulo Coelho, für die Uli Stein-Sketche und die Cartoons auf der letzten Seite. Aber ab und an baut sie so richtig Scheiße. Zum Beispiel wenn sie einen ungeschminkten Werbetext zur Homöopathie verfasst, ohne eine Sekunde selbst zu recherchieren, denn dann hätten die Redakteure gemerkt, dass die Dosierungen, die sie angepriesen haben, bis maximal D6 gingen, also nix mit sich erinnerndem Wasser, sondern tatsächlich noch vollkommen unhomöopathische reale Dosierungen enthalten haben. Mit anderen Worten: Es waren keine homöopathischen Produkte, sondern Naturpräparate.
Oder wenn sie sich unrecherchiert am Schettino-Bashing beteiligt und ihm zum Beispiel die längst widerlegten Drogenvorwürfe im Rahmen der Costa Concordia-Havarie vorhielt. Warum das Schiff mit Bug nach Süden auf Grund gelaufen ist, obwohl es Nordkurs hatte, (was bedeutet, der Kapitän hat gewendet, und es absichtlich auf Grund gesetzt, als der rettende Hafen nicht hat erreicht werden können) fanden die Redakteure auch nicht zu erklären für notwendig. Auf meinen Leserbrief habe ich übrigens NIE eine Antwort bekommen.
...sacken lassen.

Heute ist Google dran, und ich stelle fest, dass ich Artikeln der TV Hören und Sehen wohl nie wieder vertrauen kann - außer, es sind Reiseberichte. Auf der Titelseite ist folgender Header zu finden: Welt-Dikator Google? Als Untertitel steht da: Vom Internet-Imperium zur unheimlichen Supermacht?
Was fällt uns auf? Das, was der Topf voll Gold an Omma-Heftchen stets kritisiert: Fragezeichen-Journalismus. Um nämlich auf der rechtlich einwandfreien Seite zu bleiben, werden die Vorwürfe einfach als Frage formuliert, dann kann man die Zeitung auch nicht so leicht an den Eiern aufhängen.
Über dem eigentlichen Artikel heißt es dann jedoch nur noch: Weltmacht Google.
Dann beginnt die lange Kette an Anschuldigungen. So ist Google schuldig, weil es mittels speziellen Ballons auch die entlegendsten Gebiete der Erde mit W-Lan versorgen will; dass der Konzern mehrere Roboter-Entwickler aufgekauft hat, deren Patente ja auch mit Waffen ausgerüstet werden könnten, was dann ja eine Privatarmee bedeuten würde - zudem seien die Roboter ja kugelfest;  dass Google einen Konzern gekauft hat, der Drohnen produziert, mit denen Luftüberwachung, Vermessungen und W-Lan in wirklich alle Teile der Welt gebracht werden kann, ist überdies so böse, wie es nur sein kann...
Die anderen Beispiele belegen auch wieder, wie böse Google ist. Weil es ein künstliches Gehirn produzieren will, weil seine Forscher auf der Suche nach einem längeren Leben sind (was ja ein böses, böses Milliardengeschäft mit Medikamenten bedeutet) und weil Google nicht die Leben von ein paar hundert Millionen Menschen, sondern von Milliarden verändern will. Ja, abgrundtief böse. Vor allem auch, weil Google ja so eine Monopolstellung hat.
...sacken lassen.

Und wie rechtfertigt TV Hören und Sehen dann den Header auf der Titelseite mit den Worten: Welt-Diktator Google?
Nun, das liegt im Schlusssatz verborgen, und mit dem verabschiedet sich die Zeitschrift vollends von der seriösen Berichterstattung und betritt das Reich der Spekulation. Ich zitiere wörtlich: Das Problem ist nur, dass in der Menschheitsgeschichte bisher noch jede Monopolstellung  irgendwann ins Diktatorische kippte, selbst wenn sie mit positiven Idealen gestartet war.
Nun, gegen diese messerscharfe Erkenntnis kann man ja nichts weiter sagen. Dieser allgemein gehaltene Satz gegenüber einer FIRMA muss uns ja allen beweisen, wie böse Google ist.
Aber: Wir befinden uns nicht in einem Shadowrun-Szenario, und Konzerne ersetzen keine Nationalstaaten. Und verurteilt wird eigentlich erst, wenn ein Verbrechen geplant, oder wesentlich öfter, bereits durchgeführt wurde, nicht schon, sobald es theoretisch möglich wäre. Im Minority Report befinden wir uns auch nicht, liebe TV Hören und Sehen.
Also, ist Google böse oder die TV Hören und Sehen blöde? Für mich ist die Antwort klar.

Freitag, 21. März 2014

Phishingmails mit Links auf Googles Cloud Dienste, ein Gastbeitrag von Lars "Stolen" Mehrtens

Hi, ich bin Lars und komme aus der IT-Branche. Weil ich ein Fan von Ace' grandiosen Geschichten bin, lese ich auch seinen Blog. Ich finde es persönlich sehr gut, dass er auch seine Erfahrungen mit den Phishingmails teilt und so ein wichtiges Bewusstsein schafft: Alles was per Email kommt ist potenziell gefährlich. Jeder aufmerksame Leser auf dieser Seite weiß, dass Links in offensichtlichen bösartigen Mails absolut Tabu sind und wenn man sich nicht sicher ob was an der Mail dran ist, sollte man einfach mit seinen eigenen Lesezeichen zu Paypal (oder was auch immer) surfen und die Tatsachen so überprüfen.
Problem sind die weniger offensichtlichen Mails. So haben die Leute bei "Symantec" Emails entdeckt, welche etwas fieser sind. Diese haben böse Buben Emails verschickt, mit einem Link zu "einem wichtigen Dokument", welches in Google Docs hinterlegt sein soll. Bei normalen Phishingmails könnte man spätestens anhand der Linkadresse zum Dokument die Gefahr erkennen. Aber diese, äußerst pfiffigen, bösen Jungs haben sich bei Google Cloudspeicher gemietet und darauf verlinkt. Es ist also ein wirklich echter Google Link mit SSL Verschlüsselung und der Browser würde bestätigen: Jepp, hier gehts nach Google. Nach einem Klick(was wir alle natürlich trotzdem nicht machen würden), landet man auf einer Seite, die genau so aussieht wie der Google Anmeldebildschirm. Selbst ein halbwegs vorsichtiger Mensch würde jetzt vielleicht denken: "Na klar, ich will ein Dokument auf Google Docs ansehen, dafür muss ich mich anmelden". In Wirklichkeit schickt diese Anmeldeseite die eingegeben Daten allerdings nicht an Google, sondern an die bösen Jungs. Zu aller Gemeinheit geht danach wirklich wohl ein Google Dokument auf, sodass man das Dilemma nicht einmal mitbekommt. Und grade der Google Account ist bares Geld wert, denn damit sind gegebenenfalls Käufe aus dem Appstore möglich. Und sämtliche andere interessanten Dienste, die Google so anbietet: Adressen, Kalender, Email und so weiter.
Nun gut, Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Könnte man meinen. Aber eine solche gefakte Anmeldeseite könnte auch auf andere Weise den Weg zu euch finden. Stellt euch ein Popup vor, welches diese Anmeldeseite anzeigt. Man ist vielleicht noch so vorsichtig und die prüft die Adresszeile. Hier zeigt der Browser: Seite kommt von Google und ist mit SSL verschlüsselt, alles prima. Da kann man schon mal schwach werden... Nun bietet Google immerhin eine (sehr sinnvolle) sogenannte "zwei Faktor Authentifizierung"an: Bei jedem Anmelden von einem (neuen) Rechner oder Gerät, bekommt man eine SMS (oder Anruf) mit einem Code geschickt, der zum Anmelden ebenfalls notwendig ist. So ist der Google Account sicher, solange der böse Bube nicht auch noch das eigene Handy in der Hand hat.
Nachdem man das Verfahren aktiviert hat und sich grade zurücklehnen will, "weil nun ja wirklich nichts mehr schief gehen kann". Sorry Leute, ich muss euch nochmal etwas rütteln: Welche Logindaten habt ihr eigentlich bei Google? Ist das Passwort zufällig gleich oder sehr ähnlich dem Passwort von Facebook oder anderen Diensten? Denn Emailadresse und Passwort haben die bösen Buben ja in den oben beschrieben Fällen trotzdem bekommen. Sie können sich nur bei Google, dank der zwei Faktor Authentifizierung, nicht anmelden. Wenn die bösen Buben jetzt das Passwort(vielleicht noch leicht abgewandelt) und die Emailadresse bei verschiedenen anderen interessanten Diensten (Ebay, Paypal, Facebook) ausprobieren, könnten sie Glück haben. Dieses Passwortrecycling, oder auch im Comic nebenan "password reuse" genannt, ist eine echte Gefahr. Jaja, ich weiß, für jeden Dienst vollkommen verschiedene Passwörter sind unfassbar unhandlich. Und für mich persönlich sind sämtliche Ansätze, sich unterschiedliche Passwörter zu merken, misslungen. Daher habe ich mich für einen sogenannten Passwortsafe entschieden, den ich euch noch kurz Vorstellen will.
Ein Passwordsafe, dient zum Erzeugen und Speichern von Passwörtern mit den dazugehörigen Accountdaten. Diese Passwortdatenbank wird dann verschlüsselt abgespeichert und sollte mit einem guten Passwort geschützt werden. Ein einziges Passwort für alle Dienste sozusagen. Ein solches Programm sollte Open Source sein, damit der Hersteller keine Hintertüren einbauen kann.
Ich verwende, privat wie beruflich, Keepass, welches relativ verbreitet ist. Zur praktischen Nutzung: Mit dem Programm, erzeugt man zunächst eine leere Datenbank bei der man für jeden Dienst einen Eintrag anlegt. Keepass kann auch ein Passwort nach selbst definierten Richtlinien erzeugen. Jetzt verwendet man kein Passwort mehr doppelt und wenn eine Email/Passwort Kombination, auf welchen Wege auch immer, in die falschen Hände gerät, passiert nichts, außer dass der eine Dienst eben kompromittiert ist. Nach dem Verändern des Passworts, hättte sich auch das erledigt.
Diese Vorsichtsmaßnahmen reichen aus, um kein allzu leichtes Opfer von solch "gestreuten" Angriffen zu werden. Wenn Geheimdienste etwas über euch erfahren wollen, werden sie das wohl weiterhin. Und die NSA wird vermutlich überall wo es etwas interessantes gibt, ihre Finger bereits drin haben, noch bevor wir überhaupt irgendwo ein Passwort eingeben...

Mittwoch, 15. Mai 2013

Seit wann sind Autovervollständigungen Nachrichten?

Okay, es ist passiert. Wir leben jetzt in einer Welt, in der Angelina Jolie sich nicht durch eine subkutane Mastektomie die Milchdrüsen hat entfernen lassen, sondern laut unserer deutschen Fachpresse und den weltweiten Experten stattdessen eine komplette Amputation beider Brüste vornehmen ließ. Okay, streicht das mit den weltweiten Experten, denn CNN zum Beispiel berichtet vollkommen korrekt von einer Mastektomie, d.h., von einem Eingriff. Sind wohl doch nur wir Deutschen, die tatsächlich glauben, eine Komplettamputation würde tatsächlich mehr Sinn machen als die Entfernung des gefährdeten Gewebes... Kam mir gleich komisch vor. Die Heldin im Chaos, von Bildblogs 6 vor 9 verlinkt, hat's richtiggestellt und meine Vermutung bestätigt.

Wir leben jetzt aber auch in einer Welt, in der Google vom BGH gesagt wird, ihre Autovervollständigung sei redaktionelle Arbeit.
Was ist geschehen? Ein Unternehmer hat sich dran gestört, dass bei der Suche nach seinem Namen Begriffe wie Scientology von der Autovervollständigung als Suchergebnis angeboten wurden. Dies macht die Website automatisch, und zwar anhand der Suche der Personen, die diese Begriffe verwenden. Ein Vorgang, auf den Google keinen Einfluss nimmt.
Das war schon bei Frau Wulff so, die den Autovervollständigungsskandal (also das Skandälchen jetzt) um die Hinzufügung der Worte "Eskort" und "Rotlicht" zu ihrer Namenssuche genutzt hat, um ihr Buch zu promoten. Nun also hat Google eine höchst richterliche Anordnung zu befolgen und beanstandete Autovervollständigungen zu löschen.
Dr. Johannes Bruggaier, Webexperte im Team des Medienmoguls Dirk Ippen, hat dazu auch sehr treffend festgestellt, dass Google weder Zeit noch Geld investieren dürfte, um zu prüfen, ob jede Beschwerde rechtmäßig sei. Da Google jetzt für die Wortwahl der Autovervollständigung wie für eine redaktionelle Arbeit verantwortlich ist, werden sie eher, um Strafen zu vermeiden, jeder Löschaufforderung nachkommen, und jeder Halunke im Netz und da draußen in der Realität wird das nutzen, um zutreffende, aber geschäftsschädigende Zusätze löschen zu lassen. Megadownload zum Beispiel, die Abo-Abzock-Falle zum Beispiel wird das sicher ebenso nutzen wollen wie eine Person, die sich hochtrabend Dotcom nennt und nicht ganz zu Unrecht die Aufmerksamkeit des FBI erregt hat.
Dr. Bruggaiers Fazit bei "ist es das wert?" kann ich hingegen nicht zustimmen. Es ist die Löschung beanstandeter Autovervollständigungen nicht wert.

Es ist aber auch nicht schlimm. Denn die Links führen ja immer noch dorthin, wo über gewisse Personen Tacheless gesprochen wird. Und man kann seine Verdachtsmomente immer noch selbst eingeben, ohne dass man daran gehindert wird. Es ist halt nur nervig und ein klein wenig zeitaufwändig. Dieses vermeintlich furchtbar schlechte Urteil für Google geht im Prinzip nur auf Kosten einer Sache: Den Komfort der deutschen Benutzer. Genauso gut kann Google auch die Autovervollständigung (in Deutschland, für uns Deutsche) abschalten. Die Welt ändert sich deshalb nicht. Besagte Personen werden dadurch aber auch nicht besser. Oder schlechter. Es fehlt halt ab dato etwas Service. Das regt mich nicht weiter auf.
Was ich aber nicht so schön finde, ist eigentlich nur, dass das BGH 1) tatsächlich glaubt, die Autovervollständigung zu redaktioneller Arbeit aufwerten zu müssen (danach klingt es auch bei Dr. Bruggaier, und das ist m.E. vollkommen falsch), und 2) dass tatsächlich ein deutsches Gericht der Argumentation des Klägers gefolgt ist. Unabhängig davon, ob die Scientology-Vorwürfe stimmen oder nicht, es ist ein kleines, nicht sehr wichtiges, aber doch freies Stück Internet, das uns verloren geht...

Fazit: Kann man einer deutschen Presselandschaft trauen, die einen invasiven chirurgischen Eingriff, die subkutane Mastektomie bei Angelina Jolie in eine erheblich folgenschwerere, gefährlichere und deutlich sichtbarere Amputation umdichtet? Und, liebe ARD, ZDF, RTL, Pro7 und Ihr üblichen Verdächtigen, sollen die vielen Bilder von Angelina im hochgeschlossenen Pulli vielleicht suggerieren, dass sie jetzt vorne ohne Ballast herumläuft? (Entschuldige die Wortwahl, Angelina.)
Ich sage, hier ist die Sorgfaltspflicht verletzt worden. Mein Vertrauen in deutsche Medien ist wieder einmal erschüttert worden. Bäh.
Kann man einem deutschen Gericht trauen, das ein Urteil gegen Google gefällt hat und das aus den Ergebnis eines Algorhythmus eine redaktionelle Arbeit macht, ganz so als würde Google einen Praktikanten dransetzen, der den ganzen Tag nichts anderes tut, als Autovervollständigungen zu konstruieren? Man muss ja, es ist immerhin der BGH. Aber es ist wohl an der Zeit, eine Kammer zu schaffen, in der sich die Richter im Internet mindestens ebensogut auskennen wie im Persönlichkeitsrecht. Dann hätten sie die Autovervollständigung garantiert nicht mit einer Verleumdung gleichgesetzt.
Fragen über Fragen über Fragen. Zum Glück ist das Internet schneller, schlauer und ehrlicher als Ihr.

Freitag, 1. März 2013

LSR - Adieu, deutsche Verlage

Tja. Das war es dann wohl. Der deutsche Bundestag hat mit der schwarz-gelben Mehrheit das nächste Steuergeschenk durchgewunken, das Leistungsschutzrecht.
Noch mal kurz für alle, die immer noch nicht wissen, was das ist: Suchmaschinen wie Google (in diesem speziellen Fall NUR Google) suchen bei Pressemitteilungen auf den Homepages der Verlage die Titel der Artikel heraus, auf die sie verlinken. Wenn der Verlag es zulässt, z.B. durch eine Programmierernachricht an die Suchmaschine im sogenannten robot.txt, liefert Google zudem ein sogenanntes Snippet, also eine kurze Vorschau auf den Text, damit der Leser vorher schon weiß, was ihn erwartet, wenn er anklickt.
Toll? Wie praktisch? Super? Wartet es ab,
Nun fährt Google auf seinen Seiten natürlich Werbung. Und das tut Google auch, wenn es Snippets von den Verlagsseiten hochfährt. Nun argumentieren die Verlage, die durch die Verlinkung bereits Traffic kriegen, sie müssten auch von den generierten Werbeeinnahmen profitieren, denn immerhin würde Google ihre schützenswerten Leistungen benutzen, eben diese Snippets.
Das Leistungsschutzrecht tut genau das. Google, und zwar nur Google, soll als milliardenschwerer Konzern zur Kasse gebeten werden, weil die Snippets ein schützenswerter Text sind und das Urheberrecht bezahlt werden muss.

Drei Dinge sind dabei aber idiotisch bis schwachsinnig.
1) Auch wenn Google ein milliardenschwerer Gigantkonzern ist, warum muss es mit eigenen Werbeeinnahmen deutsche Verlagshäuser finanzieren, denen es Besucherverkehr zuführt? Wenn diese Verlage nicht wollen, dass Snippets erscheinen, müssen sie nur ihre robot.txt ändern. Wollen sie natürlich nicht, klar, wie könnten sie sonst Google melken? Und dies ab Inkrafttreten des Gesetzes sogar staatlich geschützt?
2) Was ist in Belgien geschehen, in einem Land, wo genau das versucht worden ist: Die Verlage per Gesetz an den Einnahmen von Google zu beteiligen? Google hat einfach seine Website nicht nur für belgische Snippet-Texte dicht gemacht, sondern gleich für alle Online-Varianten der belgischen Verlagshäuser. Die sind mittlerweile wieder angekrochen gekommen und haben einen Vergleich ausgehandelt. Dies steht zweifellos auch in Deutschland bevor und zwar lange bevor die Verlage auch nur einen Cent sehen. Aber wer anderen eine Grube gräbt...
3) Vom Leistungsschutzrecht profitieren nur die Rechteinhaber. Die Verfasser der Texte, die eigentlichen Urheber, so mag man argumentieren, würden so ihren Arbeitsplatz sichern. Aber abgesehen von dieser Augenwischerei zeigt es vor allem eines: Den Ausverkauf der eigentlichen Rechteinhaber in unserer Medienlandschaft. Die eigentlichen Urheber der Texte profitieren bestenfalls rudimentär.
...sacken lassen.

Fazit: Okay, ich bin ein Urheber. Alle meine Texte, ausgenommen die Gastbeiträge, stammen ausnahmslos von mir. Trotzdem bin ich nicht so blauäugig und würde glauben, Google müsse mir was abgeben, wenn es meinen Blog verlinkt. Oder so dreist sein, dafür sogar ein Gesetz zu verlangen. Meine Leistung, mein Blog. Wenn wir uns das mal real anschauen: Mein Blog in einer Google-Suche, daneben Werbung, eventuell noch ein Snippet, dazu die Werbeeinnahmen von Google und das gegenüberstellen, kommen wir bestenfalls auf Cent-Beträge. Für mich lohnt sich das Leistungsschutzrecht schon mal gar nicht. Dass große Verlage das anders sehen, verstehe ich. Dafür allerdings mussten die deutschen Verleger ein Gesetz herbeiwürgen, wie es fadenscheiniger kaum sein kann. Will sagen: Meine Unterstützung fürs LSR? Nein, danke. Unterstützung für den Willen großer Verlage, Google zu melken? Nein, danke.
Anstatt froh zu sein, dass sie gratis interessierte Leser zugeführt bekommen und selbst Traffic und Werbung generieren können, greifen sie dem Großkonzern also in die Tasche.
Wird natürlich NICHT so passieren. Die Belgier lassen grüßen.
Der nächste Schritt wird dann ein Gesetz sein - Springer AG und Konsorten sind ja nicht dumm - das bestimmt, dass Google deutsche Verlage und ihre Snippets NICHT auslisten darf. Damit Google auf jeden Fall bezahlen muss. Aber auch dagegen gibt es Zaubermedizin: Google wird sich dann einfach vom deutschen Markt zurückziehen. Das dürfte deutlich günstiger werden als den Verlegern Geld in den Rachen zu schmeißen. Phhh, suche ich meine Sachen eben mit englischem Google.

Fazit zwei: Ich denke von mir selbst, das ich ein sehr gerechter und objektiver Mensch bin. Man möge mir das Gegenteil beweisen. Ich habe das Leistungsschutzrecht lange Zeit in den Medien verfolgt und Argumente pro und kontra gehört. Aber spätestens als jemand das Argument gebracht hat - ironischerweise über den Twitteracc der Verlage - man würde auch Diebstahl rechtfertigen, wenn man das Leistungsschutzrecht nicht wolle, war mir klar, dass die Argumentation nicht nur bei den Haaren herbeigezogen ist, sondern dass den Verlegern der Weg zu den Honigtöpfen von Google soviel wert ist, dass sie sogar auf die bundesweite Stimmung keinerlei Rücksicht nehmen. Oder sich nicht darauf besinnen, ihr Geschäft selbst auf stabile Füße zu stellen, anstatt bei anderen abzukassieren.
Nein, liebe Verlage, Eure Argumentation war immer kontra.
Ich bin mir nicht sicher, ob das Leistungsschutzrecht noch durch den Bundesrat muss, aber wenn ja, dann wünsche ich mir, dass es dort gekippt wird. Denn ich für meinen Teil will Google in Deutschland behalten. Was spätestens dann, wenn das Gesetz Google II, zwangsweise Snippets deutscher Verlage zu bringen, um diese dann bezahlen zu müssen, auf dem Weg ist, nicht mehr der Fall sein wird. Dann macht Google Deutschland dicht. Ich kann es dem Konzern nicht verdenken.

Mittwoch, 28. November 2012

Als Ladendieb Schlagzeilen abgreifen - neues Schlachtfeld zum Leistungsschutzrecht

Tja, Sachen gibt's, die glaubt man erst, wenn man sie sieht. Zum Beispiel findet man auf Netzpolitik.org heute einen Artikel zum Thema Leistungsschutzrecht. Demnach hat der offizielle Twitteraccount des Bundes Deutscher Zeitungsverleger zur aktuellen Google-Kampagne Verteidige Dein Recht getwittert, es wäre eine schwache Kampagne. Auf Kritik des Users @ysannelsard_ am Leistungsschutzrecht erwiderte der offizielle Twitteraccount des BDZV: Sie sind also auch dafür, Ladendiebstahl zu legalisieren?
...sacken lassen.
Laut Netzpolitik.org hat @Bdzvpresse den entsprechenden Tweet wieder gelöscht, aber etliche User, darunter auch Netzpolitik.org, haben einen Screenshot des Tweets gemacht.
Ich will gar nicht so sehr auf die Diskussion selbst eingehen, die geführt wurde. Wer meinen Blog liest, weiß, dass ich das Leistungsschutzrecht noch weniger mag als ACTA oder die Auswüchse der deutschen Regierung, die versucht hat, wenig subtil Seiten im Netz sperren zu können, die ihr potentiell nicht gefallen. Nein, ich möchte etwas über die Problematik nachdenken.

Also, was haben wir hier? Google zieht sogenannte Snippets von News-Seiten und generiert daraus Schnuppertexte aus den Seiten der Verlagsangebote, die der interessierte User dann klicken kann, um zum entsprechenden Angebot zu gelangen. D.h., Google verlinkt mit kleinen Appetithappen Traffic auf die Seiten der Verlage. Und für diese Snippets soll Google jetzt bezahlen, so ist zumindest der Wille des Bundes Deutscher Zeitungsverleger. (Das ist zumindest noch davon übrig, nachdem die Netzgemeinde vollkommen berechtigt im schwammigen LSR einen Angriff auf die Informationsfreiheit und Blogger identifiziert hatte, und die Verleger zurückrudern mussten.) Das allerdings mit Ladendiebstahl zu vergleichen, ist schon ein starkes Stück.
Im Screenshot sagt dann auch Crazy Watto(@wattrak) prompt, dass die Verlage ihren Kontext dann eben nicht ungeschützt ins Netz stellen sollen - was die Musikindustrie ja auch nicht mache.
...sacken lassen.

Hm, darauf lohnt es sich, herumzukauen, denn wir wissen alle, dass die Musikindustrie eine wahnwitzige Abmahnindustrie ins Leben gerufen hat, um illegale Downloads ihrer lizensierten Musik zu verfolgen und mit Abmahngebühren von horrenden Ausmaßen zu belegen.
Nebenbei bemerkt stellt die Musikindustrie ihre Musik frei zur Verfügung; sie dudelt im Radio, im Fernsehen, auf Musiksendern und auf Stream-Radios im Internet, und das ohne Kopierschutz. Wie anno dazumal mit Kassette und Kassettenrekorder kann man sich "seine" Songs für Nix einfach saugen, wenn man die entsprechenden Tools hat. Und das völlig legal, weil die GEZ schon dafür sorgt, das für derart präsentierte Musik was gezahlt wird. Das macht sogar Youtube...
Hier haben wir ein recht merkwürdiges Thema, das dem Oberbegriff "Ladendiebstahl" nahekommt - aber auch nur nahekommt. Was passiert also mit all jenen, die Musik saugen, anstatt sie zu kaufen? Abgesehen davon, dass dies krankhaftes Verhalten sein muss - wer hört sich schon fünftausend Songs an? - entsteht den Musikverlagen nur symbolischer Schaden. Zwar ist klar, das ich als User ein gesaugtes Album wohl eher nicht mehr im Laden als Harddisc erwerbe, aber das bedeutet nicht automatisch, das ich das Album gekauft hätte, wäre es nicht im Netz illegal erhältlich gewesen.
(Btw kann ich den Großteil meiner Alben nicht hören, weil mein neues DVD-Laufwerk die Musik-CD's nicht erkennt. Ich arbeite dran. Bis ich eine Lösung habe, ärgere ich mich darüber und kaufe einfach keine CD's mehr, wenn ich sie nicht auf dem PC hören kann.)
Und der Haken ist, je mehr die Musik online illegal geshared wird, desto größer ist die Chance, dass User die Musik saugen, die vielleicht doch das Album im Laden oder auf Amazon gekauft hätten. Hier sehe ich noch einen gewissen Sinn, auch wenn die Methoden an Terror grenzen. Anstatt sich der Zeit anzupassen und Contents online und zu überschaubaren Preisen anzubieten - ich kaufe Musik zur Zeit nur auf Amazon zum Download - wird lieber eine Generation von Abmahnwölfen reich gemacht, die jenseits jeder Moral und zu horrendem Lohn agieren können.

Kommen wir aber zum Thema zurück, zum Leistungsschutzrecht. Wie sieht es hier aus, verglichen mit der Musikindustrie oder gar dem Ladendiebstahl? Ja, wenn ich mir Musik hole, ob frisch im Laden geklaut oder downgeloadet und damit einen imaginären oder realen Geldschaden verursache, dann hat der Ladenbesitzer das Recht, zu jammern, der Musikverleger vielleicht. Aber die Zeitungsverleger?


Was macht Google denn überhaupt? Die Snippets, also die kurzen Anheizer-Zeilen, bestehend aus Überschrift und kurzem Beitext, sehen die Verlage bereits als eigene künstlerische Leistung an. Diese zu bringen soll Google Geld kosten. Wenn es geht, viel Geld. Sehr viel Geld, denn Google ist ja reich und kann das zahlen. Aber nur, weil Google das Geld hat - ist es legal und moralisch richtig, es zu fordern? Nein. Denn im Gegensatz zur gesaugten Musik, wo ich tatsächlich etwas habe, hat Google... Nichts. Ein paar Zeilen, die zu was taugen? Richtig, den Content-Eigentümern Besucher auf die Seiten zu spülen. Es hat ein wenig von Sponsoring. Zeig mein Logo, damit ich bekannt werde. Ich habe den Nutzen durch Mehrkunden. Google geht da noch einen Schritt weiter. Es sagt die Richtung und wie weit es bis zur Firma ist, für die sie wirbt.
Für die Snippets Geld zu verlangen ist eine Frechheit. Eigentlich müsste Google für den Traffic bezahlt werden, den es den Verlagen auf die Seiten leitet, nicht umgekehrt. Und nur weil Google die Taschen voll hat und erfolgreich ist, heißt das nicht, es ist moralisch richtig, das Leistungsschutzrecht durchzusetzen. Natürlich kann man mal bei den Amis nachfragen, wann sie Google zerschlagen, wenn dessen Monopolstellung den freien Wettbewerb verhindert. Und natürlich steht es den Verlagen frei, nach chinesischem Vorbild eine eigene Suchmaschine zu erstellen, zu bewerben und vom User nutzen zu lassen. Allein, sie tun es nicht. Weil es einfacher ist, mit Google Geld zu verdienen. Auch ohne Leistungsschutzrecht.
Dann gibt es da noch das fadenscheinige Argument, neben den Snippets würde Werbung stehen, an der Google verdient, und das Geld, das Google verdient, müsse auch zum Teil an die Verlage gehen, wegen der Snippets... Wenn ich einen Supermarkt habe, kriege ich dann auch Geld von Aral, weil unter dem Wegweiser zu meinem Supermarkt eine Werbung für den Ölkonzern steht? Ich BITTE Euch, BDZV... Genau dieses Verhalten ist es, das Euch letztendlich scheitern lassen wird. Und zwar furios scheitern lassen wird. In Belgien hat Google die Zeitungen ausgelistet, Euch selbst ist das aus eigener Initiative im robot.txt gegen die Crawler von Google (keine Ahnung, was es genau bedeutet, aber es klingt wie cooler Scheiß) möglich. Und nebenbei hat Rupert Murdoch seinen Google-Boykott keine zwei Jahre durchgehalten, bevor er die robot.txt wieder hat ändern lassen, um doch Snippets von Google ziehen lassen zu können. Google sitzt nicht nur am längeren Hebel, Google hat auch Recht: Einfach einen Konzern zu zwingen für etwas zu bezahlen, was den Verlagen ohnehin Geld bringt, hat etwas von Diktatur. Nicht nur von Netz-Diktatur, sondern von richtiger Diktatur. Es ist eine kleine Entmündigung, und ein ebenso offensichtlicher Beschneidungsversuch wie ACTA und Co.

Zum Schluss noch mal ein kleiner Gedanke von mir als kleiner Blogger, der zur eigenen Sicherheit vor Abmahn-Anwälten weder Bilder veröffentlicht, noch direkt aus Zeitungen zitiert: Das Leistungsschutzrecht soll doch den künstlerischen Inhalt, also die Arbeit der Journalisten, schützen, richtig? Das, wofür die Verlage Geld bezahlen, und wofür sie in Form ihrer Druckzeitungen und Bezahlschranken, bzw. indirekt über die Werbung auf ihrer Homepage Geld verlangen...
Spätestens, als uns Usern zugesichert wurde, das recht schwammige und nachgiebige Leistungsschutzrecht würde nicht für Blogger gelten, war doch allen klar: Es geht nicht um Recht und Freiheit, Urheberrechtsschutz oder künstlerische Freiheiten, es geht nur ums Geld. Um Googles Geld. Und nebenbei werden auch noch alle anderen Suchmaschinen, selbst die kleinen, spezialisierten, gleich mit terrorisiert. Wenn ich so drüber nachdenke, wäre eine Lex Google wenigstens nicht verlogen gewesen.
In dem Sinne: Fordert Euer Leistungsschutzrecht, liebe Mitglieder des BDZV. Ihr werdet schon sehen, was Ihr davon habt, wenn Google Euch auslistet. Denn dann braucht Ihr ein Gesetz, das es Google verbietet, Euch auszulisten, und DIE Erklärung will ich dann mal sehen.

Montag, 10. September 2012

Hinter dem Internet - wenn PR-Frauen logische Fehler übersehen

Ja, dies ist in der Tat ein Blog-Eintrag über die Wulff. Die zweite Frau des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Wie heißt sie doch gleich? Hm, Bettina, sagt Google. Stimmt, Bettina.
Über die hat, das wird ihm unterstellt, der Günther Jauch was ganz Böses angedeutet: Sie hätte mal Escort gemacht, wird er aus einer Talkrunde zitiert. Das war laut meiner Tageszeitung im Mai.
Hier der Vollständigkeit halber mal seine Meinung zum Thema auf tagesschau.de.

Heute steht in der BILD, dass besagte Frau Wulff ein Buch geschrieben hat. Es heißt "Hinter dem Protokoll."
Und am Wochenende ging durch die Presse, dass sie Günther Jauch auf Unterlassung verklagt hat. Aber jetzt erst hat es die Nachricht in die Medien geschafft.

Ich will mich nicht über eine angebliche oder tatsächliche Vergangenheit von Frau Wulff im Escort-Gewerbe oder im Rotlichtmilieu auslassen. Ich möchte zu dem Thema anmerken, dass in Zeiten, in denen Gina Wild wieder zu Michaela Schaffrath werden konnte, nur besonders spießige, rückständige und konservative Menschen in einer jungen, intelligenten und hübschen Frau, die womöglich Escort gemacht haben könnte, einen Aufreger finden können. Mich lässt das eiskalt. Genauer gesagt, es interessiert mich nicht die Bohne.
Ich will mich auch nicht darüber auslassen, dass die Veröffentlichung über die Unterlassungsklage gegen Jauch und die Ankündigung der Buchveröffentlichung überraschend gut zusammen fallen, und eine gute Publicity garantieren. Oder darüber, dass BILD wieder dazu übergeschwenkt ist, den Wulff-Karren zu ziehen, was dem Buch schon vorab gute Abverkäufe garantiert.

Nein, mir geht es in diesem Blogeintrag um den zweiten "großen Wurf", der von Frau Wulff gelandet wurde. Ihre Unterlassungsklage gegen Google, in dem der Suchmaschine verboten werden soll, im Zusammenhang mit ihrem Namen auf Seiten zu verlinken, die Verbindungen zwischen ihr und Escort oder gar das Rotlichtmilieu darstellen.
...sacken lassen.


Das ist natürlich eine strategisch kluge Entscheidung von Frau Wulff. Die großen Printverlage wollen ohnehin gerade an die Honigtöpfe von Google, und mit Google Streetview hat sich der Konzern gerade unbeliebt gemacht (nicht bei mir, wohlgemerkt)... Außerdem, um die öffentliche Stimmung weiter gegen Google zu kippen, wird ja gerne und oft darauf hingewiesen, was Google an Daten über unser Surfverhalten speichert. Die Suchmaschine auch für die eigenen Zwecke an den Pranger zu stellen, ist en vogue. In gewissen, nicht ganz so freien und ganz so informierten Kreisen zumindest.
Nun verlangt Frau Wulff aber mit genau diesem Verbot... Zensur.

Ich will mal ganz kurz sagen, wie ich das sehe, bzw. den Vorgang der Google-Suche beleuchten.
Ich tippe einen Suchbegriff ein. Google liefert mir je nach Suchbegriff sagen wir null bis zwei Millionen weiterführende Links. Die Links, die beim gleichen Suchbegriff öfter angeklickt werden, wandern nach oben. Die, die weniger angeklickt werden, wandern nach unten. Die am häufigsten angeklickten Links bilden Seite eins. Im Klartext: Wenn ich Bettina Wulff bei Google eingebe, und ich kriege auf Seite eins erstmal zwanzig Links zu Seiten, die sich über ihre angebliche Vergangenheit als Escort-Dame oder im Rotlichtmilieu auslassen, dann ist das eine urdemokratische Entscheidung der Benutzer Googles. Sie haben gezielt und sehr, sehr oft mit Google nach diesen Seiten über Frau Wulff gesucht. Mehr und öfters als alle anderen Google-Nutzer, die etwas über Frau Wulff wissen wollten.
Sicher ist es technisch möglich, die entsprechenden Seiten zu sperren, damit sie über die Google-Suche nicht mehr gefunden werden können - Zensur bleibt es trotzdem. Denn nicht Google stellt diese Links an die Spitze, sondern der Algorhythmus der Suchmaschine. Eine Manipulation seitens von Google bleibt eine Manipulation, und außerdem tut der Konzern dann genau das, was ihm von der Politik und der Wirtschaft immer wieder vorgeworfen wird: Er würde die Link-Ergebnisse manipulieren. Dabei ist das einzige, was Google macht, entsprechende Anzeigen am rechten Seitenrand zu schalten, die zum gesuchten Thema passen. Dort wird auch in wenigen Tagen bei der Suche nach Bettina Wulff ihr Buch zu finden sein. Passend mit Verkaufslink.
...sacken lassen.

Ich fasse zusammen: Die Unterlassungsklage ist einerseits geschickt, weil Google-Bashing gerade Mode ist. Andererseits ist es ein Aufruf zu Zensur, und das auch noch an der falschen Stelle. Frau Wulff muss sich eigentlich mit den Seiten anlegen, die entsprechende Artikel über sie verfasst haben, und nicht Google damit behelligen. Das wäre effektiver, denn selbst wenn Google dieser Zensur zustimmen würde, die Artikel wären trotzdem noch im Web. Und es gibt immer jemanden, der sie weiterverlinkt.
Was haben wir hier also? Technisches Unverständnis bei Frau Wulff? Oder doch nur eine weitere taktische Werbung mit populären Begriffen für ihr Buchdebüt?
Ich vermute Letzteres. Dennoch bleibt die Forderung nach Zensur von Google selbst im wohlwollendsten Fall... ungeschickt. Nehme ich kein Blatt vor den Mund, nenne ich es eine Frechheit. Aber Werbung ist es in jedem Fall für Frau Wulff. Leider. Sogar ich blogge ja darüber. ^^°°°

Donnerstag, 26. Januar 2012

Internetzensur und Sauferei

Wie ich immer gerne schreibe, finden manche Themen mich, anstatt dass ich sie mir aussuche. So war es auch heute der Fall, als ich die Leine Deister Zeitung las, eine der lokalen Zeitungen des Unternehmers Dirk Ippen.
Die LDZ hat einen überregionalen Teil, der selbstverständlich nicht in Gronau Leine geschrieben wird, sondern in der überregionalen Redaktion in Kassel. Dort sitzen dann mit Sicherheit auch die beiden heutigen Kommentatoren, über die ich mich mockieren möchte. Oder besser gesagt, deren Meinungen mir Kopfschmerzen beschert haben. ^^°°° Und das bezieht sich direkt auf meinen Titel.

Internetzensur: Detlef Drewes berichtet in seinem Kommentar über die Bestrebungen der EU-Kommissarin Viviane Reding, Social Networks wie Facebook per Gesetz dazu zu bringen, dass sie die persönlichen Daten von Nutzern auf deren Wunsch unwiederherstellbar löschen.
Dafür findet er Sätze wie: "David gegen Goliath"(Anm.: Reding gegen FB), oder "Daten-Sammelwut der Unternehmen nicht länger hinnehmen", und "jeder muss Herr über seine persönliche Daten sein".
Wie es diese Auszüge bereits andeuten, ist Herr Drewes Feuer und Flamme für diese Idee, und sieht sie als wichtigen Schritt in Richtung Datenschutz. Ein Schlagwort, das er nicht erwähnt, das aber auch durch die Medien geistert, ist das sogenannte "Recht auf Vergessen".
Also, was haben wir hier? Den Wunsch, der BILD-Zeitung die Geschäftsgrundlage zu entziehen, vielleicht?
Sicher nicht. Vielleicht will Frau Reding tatsächlich die Datensicherheit im Internet verbessern. Vielleicht findet Herr Drewes das wirklich so supertoll. Nur... WIE SOLL DAS GEHEN?

...sacken lassen.
Und das ist eine ernst gemeinte Frage. Wie soll das zum Henker gehen? Wie soll zum Beispiel Facebook alle Daten löschen, die ein User im Laufe seiner aktiven Zeit hochlädt? Es wird oft bemängelt, dass Facebook exzessiv Daten sammelt und die Rechte an jedwelchem Material erhält, das auf seinen Seiten hochgeladen wird. Dies ist einerseits der Profilierung der User geschuldet, z.B. um Werbung auf ihn profilgerecht abzustimmen, und andererseits lässt die Rechtslage nichts anderes zu, als ein Mitnutzungsrecht für alle hochgeladenen Daten zu verlangen - wie sonst sollte sich FB absichern, wenn es diese Daten, also, Bilder, Geschichten, Kurznachrichten, dem Rest der Welt zugänglich macht? Natürlich ist es ärgerlich, nicht mehr der einzige Rechteinhaber z.B. am eigenen Bild zu sein und eventuell dabei zusehen zu müssen, wie FB es an eine Redaktion verkauft, die es dann für Werbezwecke einsetzt. Aber soweit ich weiß ist das noch nicht passiert, und wenn doch, dann in einem so kleinen Rahmen, sodass die begierig auf Ausrutscher von Facebook, Google und anderen "Datenkraken" lauernde Presse es noch nicht mitgekriegt und ausgeschlachtet hat.

Meine Meinung: Leute, ganz ehrlich, bringt uns das mehr Sicherheit? Selbst wenn FB alle meine Fotos, Profilnachrichten und dergleichen löscht, irgendwo im Internet gibt es einen Server, auf dem meine Facebookseite gespiegelt ist und weiterhin allen weltweit zur Verfügung steht. Facebook kann das weder verhindern, noch kann es diese Spiegel löschen. Auch eine rechtliche Grundlage würde dem keine Abhilfe schaffen, weil diese Spiegelungen nicht unter Vorsatz entstehen. Und was ist die Konsequenz: FB kann den gesetzlichen Anforderungen nach Löschung nicht nachkommen, und muss deshalb weg.
Da haben wir sie also, die Internetzensur. Ist zwar eine Extrapolation meinerseits, aber ich denke schon, dass es darauf hinauslaufen wird. Soziale Medien, die einen Lösch-Mechanismus nicht vorweisen können, geraten damit selbst in die prekäre Situation, vollkommen legal abgeschaltet zu werden.
Ich frage Euch: Wollt Ihr freiwillig auf Facebook, Google+, MySpace und myVZ verzichten? Wollt Ihr wirklich zulassen, dass diese Seiten geschlossen werden oder von Europa aus nicht mehr erreichbar sind, weil die in Brüssel und viel zu viele Menschen in Europa - nicht nur in der Politik - zu blöde sind, um zu begreifen, wie das Internet funktioniert?
...sacken lassen.
Davon mal ganz abgesehen muss ich hier mal fragen, was sich die Menschen dabei denken, die auf FB Babyfotos ihrer Kleinen hochladen, und diese dann allgemein zugänglich machen, quasi der ganzen Welt zur Verfügung stellen. Oder Urlaubsfotos. Oder Kurzgeschichten, Statusmeldungen, Unterhaltungen. Herrschaften, hier liegt die Verantwortung bei den Usern. Jeder einzelne sollte vor dem Hochladen kurz innehalten und sich fragen: Soll das wirklich die ganze Welt sehen können? Oder: Will ich wirklich die Rechte daran teilen?
Wer sich auf meinem FB-Account umschaut, der wird außer meinem Angry Eagles-Logo keine relevanten Daten finden. Keine Fotos, und vor allem keine meiner Kurzgeschichten und Romane. Ich benutze den Account lediglich zur Kommunikation, dafür aber sind alle meine Postings allgemein zugänglich.
Wer es also als inneres Bedürfnis sieht, seine neuesten Fotos hochzuladen und mit seiner dreihundert Personen-Community zu teilen, der sollte vielleicht drüber nachdenken, sich auf die Community zu beschränken, und seinen braungebrannten Körper nicht gleich der ganzen Welt vorzustellen.
Ich plädiere hier klar für mehr Eigenverantwortung der User, anstatt nach Lösungen aus der Politik zu rufen, die ohnehin nur nach einen geeigneten Tool für eine Internetzensur sucht, was an sich schon traurig genug ist.
Denkt dran, Leute, was Ihr hochladet, für wen Ihr es hochladet und wer es sehen können wird, anstatt Euch zu fragen: Was würde Ilse Aigner tun? Denn die hat vom Internet noch weniger Ahnung. Oder Viviane Reding.


Sauferei: Auch der zweite Kommentar, diesmal von Lorenz von Stackelberg, hat mir überhaupt nicht gefallen. Von Stackelberg referiert über die sogenannte Einstiegsdroge Cannabis und die Forderung der Linkspartei, sie zu legalisieren. Seiner Meinung nach kommt diese Frage immer wieder auf, durchläuft die Medienlandschaft, um dann bis zum nächsten Mal wieder in der Versenkung zu verschwinden.
Nun, nichts könnte mir egaler sein, als Hanf legalisiert zu sehen. Teufel auch, wer das Zeug braucht, soll es eben nehmen. Ich meine, Tabak ist eine bundesweite, leicht gegängelte, aber immer noch akzeptierte Droge, die von knapp der Hälfte der Deutschen in dieser oder jener Form konsumiert wird und teilweise erhebliche Gesundheitsschäden verursacht. Wissenschaftlich in Langzeitstudien bewiesen, wohlgemerkt.
Mein Ärger wird erst später geweckt, wenn von Stackelberg ein wenig süffisant behauptet, dass die Frage nach der Einstiegsdroge mitnichten entschieden sei, ganz so als hätten wir die letzten einhundert Jahre keinerlei Erfahrungen mit Hanf machen können, ganz so als gäbe es keine Studien über durchschnittliches Suchtverhalten bis hin zu harten Drogen. Ich möchte mich auch gar nicht dran aufhängen, ob Hanf zwangsläufig auf härtere Drogen "vorbereitet", oder nicht. Ich finde den Ton von von Stackelberg einfach uninformativ und süffisant.
Richtig fies aber wird es hier: "Natürlich ist auch Alkohol im Übermaß gesundheitsschädlich und kann süchtig machen; im Gegensatz zu Hanfprodukten orientalischen Ursprungs ist er aber [...] eine hierzulande kulturell akzeptierte Droge [...]."
Okay, wo fange ich hier denn mal an? Lohnt es sich darauf hinzuweisen, dass Cannabis eine der ältesten Kulturpflanzen Europas ist und bereits vor über fünftausend Jahren in Europa verbreitet war? Dass europäische Hanfpflanzen vielleicht weniger THC enthalten als die indischen Vettern, aber deshalb nicht davon frei sind? Nein, das wären ja wissenschaftliche Ansätze, und hier geht es um einen kulturellen Aspekt.
Also frage ich: Her von Stackelberg, was wollen Sie mir, den Menschen in Deutschland und speziell jungen Leuten sagen, die vielleicht "vor der Tüte" oder "vor der Bierflasche" stehen? Geht lieber saufen als rauchen, weil Alkohol gesellschaftlich akzeptiert ist?
...sacken lassen.

Herr von Stackelberg, auch Alkohol kann in kleinen Dosen süchtig machen, die Persönlichkeit verändern und körperliche Schäden verursachen, und das nicht nur bei regelmäßigem, überzogenem Konsum. Ich glaube, Sie können Ihrer Meinung, Ihrer Vehemenz gegen eine Legalisierung von Hanf keinen ungeschickteren, schlechteren und dümmeren Gefallen tun, als Hanf mit der Volksdroge Nummer eins, dem Alkohol zu vergleichen, und im gleichen Atemzug mit Ihrer kaum mißzuverstehenden Formulierung jungen Leuten zur Droge Alkohol zu raten.
Sehr viel ungeschickter geht es nun wirklich nicht. Ich vermisse hier sehr stark den "lasst es doch ganz sein"-Finger, der hier m.E. angebracht gewesen wäre.
Aber wenn schon Drogen in dieser Gesellschaft toleriert werden - und das werden sie, weil sie die Menschheit seit Anbeginn begleiten - dann darf es auch kein Tabu geben; dann sollte jede Droge, die keine schlimmeren, weitreichenderen oder schädlichen Auswirkungen hat als Alkohol oder Nikotin, auf dem Prüfstand der Legalisierung stehen. Denn bedenken Sie, vielleicht ist es das harmlosere Hanf, das die Menschen vor den gerade wieder einmal aufkommenden und höchst gefährlichen synthetischen Drogen bewahrt. Selbst wenn ein einziger Mensch lieber zum legalen Hanf als zum illegalen, hoch gefährlichen Angel Dust greift, ist die weiche Droge es wert.

So, genug aufgeregt. Wie immer, schreibt mir Eure Meinung in die Kommentare.

Sonntag, 8. August 2010

Moderne Sklavenhaltung oder auch Tagesschau.de

Meine lieben Leser. Es ist schon über ein Vierteljahr her, seit ich durch die Berichterstattung von Tagesschau.de in ein großes, breites Fettnäpfchen getreten bin, das sich damals "Rothemden" nannte. Durch die einseitige und unvollständige Berichterstattung habe ich damals tatsächlich geglaubt, die Proteste der "Opposition" in Bangkok seien friedlich verlaufen. Später entlarvte sich Tagesschau.de mit widersprüchlichen Aussagen und einem sehr informativen Interview mit dem deutschen Botschafter in Thailand weitestgehend selbst. Seither lese ich Tagesschau.de-Nachrichten mit einer gesunden Portion Skepsis. Wie ich heute sehen muss, zu Recht.

Heute steht ein wundervoller Artikel über die Auslastung des Internets des Online-Redakteurs Jan Starkebaum auf der Titelseite. Herr Starkebaum propagiert einerseits, dass das Internet überlastet ist, andererseits bietet er verschiedene Lösungen an, um dieses Problem zu lösen. Diese Lösungen stammen natürlich nicht von ihm, sondern von den Anbietern.
...sacken lassen.

Es ist nicht meine Art, meine Meinung über die Analyse zu setzen, aber diesmal tue ich es einfach: Was Herr Starkebaum sich da geleistet hat, das geht auf keine Kuhhaut. Nicht nur, dass er, wie es in den Medien gerade üblich ist, Google einen Seitenhieb verpasst; nicht nur, das er den Gedanken schürt, dass die Anbieter von Flatrates zu Volumenbasierten Tarifen zurückkehren wollen; nicht nur, das er suggeriert, dass Youtube-Nutzer und Leute, die sogenannte Warez (also illegal Filme und Musik downloaden)ziehen, am Kollaps des Internets Schuld sind; nein, der liebe Herr Online-Redakteur bemüht neben der urbanen Legende des kurz vor dem Kollaps stehenden Internets jedes ihm mögliche Argument, um Werbung vor Videos, Volumentarife vor Flatrates und Mehrkosten durch den Netzausbau mit Glasfaserkabeln zu rechtfertigen. Damit macht er sich der modernen Sklaverei durch den Kotau vor den Netzanbietern schuldig.

Aber gehen wir im Detail auf seine Ideen und Argumente ein.
1) Der Dateninfarkt des Internet, ein Fake wie die regelmäßig nicht einschlagenden Meteore?
Bereits 2007 prognostizierte der Spiegel für 2010 den Infarkt des Internets, also den totalen Zusammenbruch. Nun, wir haben 2010. Bin ich zu früh? Ist der Infarkt des Intenets zu spät? Fragen über Fragen. Aber ich nehme an, hier verhält es sich genauso wie bei einer Prophezeiung von Nostradamus: Erst wenn das Ereignis eingetreten ist, kann man es einer Prophezeiung zuordnen.
Also haben die Anbieter entweder in den letzten drei Jahren Unsummen investiert und herkuleanische Leistungen vollbracht, um den kommenden Infarkt abzuwehren, oder fünfundzwanzig Prozent Belastung durch Youtube, Videostreaming und ähnliches im Internet haben dann doch nicht für den Super-GAU gereicht.
Wie immer man es auch sieht, Herr Starkebaum hat ein uraltes Mysterium aus seinem feuchten Grab gezerrt, und mangelhaft wiederbelebt. Zudem nennt er im Gegensatz zum Spiegel 2007 keinen Termin für "seinen" Infarkt des Netzes. Das klingt für mich wie der Versuch, höhere Gebühren der Netzbetreiber schönzureden.

2) Wer mehr zahlt, hat auf der Datenautobahn Vorfahrt?
Oh mein Gott. Was für ein Schrott. Was für ein Witz. Das Internet funktioniert folgendermaßen: Von meinem PC geht eine Anfrage an eine bestimmte Seite. Diese Seite reagiert auf meine Anfrage und schickt die Antwort in vielen kleinen defragmentierten Datensätzen zu mir zurück. Diese Datensätze sind so codiert, dass sie auch bei mir ankommen. Dabei gibt es ab und an Verluste, und das bedeutet geringfügig längere Ladezeiten. Kann passieren, muss aber nicht. Mein Internet-Speed wird allerdings dadurch geregelt, wie hoch der Download ist, den mein Anbieter mir vermietet.
Um ein Zwei Klassen-Web zu ermöglichen, in dem der Mehrbezahler unabhängig von seinem Download-Speed Vorfahrt vor anderen Datenpaketen hat, müssten nicht nur die Severbetreiber weltweit mitspielen, man müsste in die gesamte Infrastruktur auch Zwischenserver setzen, die kontrollieren, ob das aktuelle Datenfragment eine Signatur hat, die sie einem Premium-Nutzer zurechnet. Auf diese Weise kann man das Internet verlangsamen, aber sicher keinen Premium-Zugriff ermöglichen.

3) Qualitätsklassen und Geschäftsmodelle?
Die Welt schrieb zum gleichen Thema (und endlich weiß ich, wo dieser ganze Quatsch her ist), Zitat: "Die Videoplattform YouTube verursache in drei Monaten den gleichen Datenverkehr im Internet wie alle Rundfunkstationen dieser Welt in einem ganzen Jahr..." Zitat Ende.
Dabei beruft sich Welt.de auf den Economist, hat also gar nicht selbst recherchiert und käut wieder. Etwas, was Tagesschau.de anscheinend auch sehr gut beherrscht. Einmal ganz davon abgesehen, dass eine Viertelmillion Homepages sicher nicht soviel Datenverkehr verursachen wie Clipfish und Konsorten, selbst wenn man den Radiostream dazurechnet. Aber wer versucht, Äpfel mit Birnen zu addieren, kommt eben immer zum gleichen Ergebnis: Beides ist Obst.

4) Werbeclips vor Videos schalten?
Eine mögliche Kostenbremse sieht Herr Starkebaum darin, vor Videoclips Werbeclips zu setzen, wie es zum Beispiel Web.de/Gmx.de und manchmal auch Youtube schon einige Zeit tun. Damit kann das Web refinanziert werden. Oder anders ausgedrückt: Ich bezahle die Telekom für meinen Internet-Anschluss, und große Firmen bezahlen Inhalte-Anbieter, nicht Provider, im Netz dafür, dass sie mich mit überflüssiger Werbung nerven.
Herr Starkebaum, ich dachte es geht um die Überlastung des Netzes, nicht um dessen Finanzierung? Wie soll ein vergrößertes Übertragungsvolumen durch MEHR VIDEOS das Web entlasten? Ein etwas durchsichtiges Argument, dass vermuten lässt, dass Sie versklavt sind, Herr Starkebaum. Versklavt von der Industrie.

5) Sorgen um freien Datenverkehr?
Der Artikel rührt einen schönen großen Pott an. Ingredienzien sind eBay, Google, Youtube und Amazon, die besonderen Wert auf freien Internet-Zugang setzen sollen.
Noch einmal, Herr Starkebaum, ich dachte, es geht hier um die Belastung durch zuviel Traffic? Freier Datenverkehr ist selbst dann gewährleistet, wenn mein Internet wie zu Modem-Zeiten schleicht, und ich mit 56KB durch das Internet surfe. Bitte lernen Sie doch das Vokabular der Branche, bevor Sie sich wieder mutwillig blamieren.
Die einzige Firma, die einigermaßen von Premium-Geschwindigkeiten und Usern zweiter Klasse betroffen sein würde, wäre ohnehin Youtube. Und damit das für diese Seite Folgen hat, müssten sich Provider weltweit für ein gemeinsames Zwei Klassen-Web entscheiden. Ansonsten werden nämlich zweieinhalb Milliarden Chinesen und Inder wesentlich schneller im Web sein, als es den Europäern dann möglich ist. Aber wir sind ja auch nur ne Viertelmilliarde. Und die Chinesen wird es freuen, wenn wir ihre Bandbreite in Ruhe lassen.
Noch einmal: Von langsamen Datenverkehr ist die Freiheit im Internet nicht bedroht. Wovon sie allerdings bedroht ist, das ist zum Beispiel der Anspruch der Bundesregierung, Google zu zensieren. Und im Gegensatz zu Chinas Forderungen werden Berlins Forderungen umgesetzt. DAS ist die richtige Gefahr für das freie Internet.

6) Netzanbieter werden zu Schrankenwertern?
Tschuldigung. Gerade ich, der öfter mal einen Tippfehler in seinen Blogposts hat, sollte mich nicht darüber lustig machen, wenn es einem anderen passiert. Aber einem Bezahlmedium des führenden öffentlich-rechtlichen Senders ARD darf so etwas nicht passieren. Es heißt SchrankenwÄrter. Mit ä, nicht mit e, Herr Starkebaum. Sicherheitshalber habe ich das mit Hilfe des Duden verifiziert. Zu den offensichtlichen Nachbetungen überholter Argumente kommen jetzt auch noch peinliche Tippfehler. Hat Tagesschau.de keinen Lektor in der Redaktion?

7) Netzausbau und Berlins vorsichtiges Bekenntnis zur Netzneutralität?
Hm. Hm. HM! Erst neulich hat mir die Telekom angeboten, meine Flat mit 16Mbit auf den VDSL-Standard von 25Mbit zu erhöhen. Und sobald das bei mir verfügbar ist, werde ich das auch tun. Der Netzausbau scheint in vollem Gange zu sein. ;D
Was Berlin allerdings von Netzneutralität hält, kann man absehen, wenn man sich die Diskussion über Bezahlinhalte, Internetzensur durch Zensursula, Stoppschilder vor bösen Seiten (anstatt sie zu löschen) und die Urheberrechtsdiskussion vor Augen hält.
Letztere ist meiner Meinung nach nichts weiter als eine Farce, da sich z.B. die BILD (als einer der Begründer der Urheberrechtsdiskussion) bei der Berichterstattung über die Loveparade ungeniert über das Urheberrecht der tödlich Verunglückten hinweg gesetzt hat, und eiskalt in der Druckausgabe abgelichtet hat. Das wäre mal ein Punkt für Netzneutralität; nämlich die Rechte unschuldiger BILD-Opfer zu wahren, und nicht darüber zu diskutieren, wie einem amerikanischen Großkonzern Geld für nix aus den Rippen geschnitten werden kann.

8) Bezahlmodelle und Kabelanbieter für Internet?
Herr Starkebaum beweist einmal mehr, dass er sein Vokabular nicht beherrscht.
Im letzten Block, in dem es wieder einmal um teureres Internet und die Polemik geht, selbiges für die User schmackhaft zu machen, referiert er über Internetanbieter über Kabel. Zitat: "Kabelanbieter drängen mit hundert Megabit-Raten auf den Markt." Zitat Ende.
Ich kann mich irren. Nein, ich bin mir sehr sicher, dass ich nicht irre. Diese 100 Mbit-Rate klingt doch nach genau der Leistung, die moderne WLAN-Netze zur Zeit leisten können. Ein Blick auf eine große Kabel-Internet-Vergleichsseite zeigt uns dann auch, dass Begriffe wie 100Mbit im Zusammenhang mit keinem Kabelbetreiber auftauchen.


Fazit: Tagesschau.de und besonders ihr Redakteur Jan Starkebaum macht mit diesem Artikel gleich mehrere Dinge klar. Zum Beispiel, dass sie ein willfähriger Sklave der Internet-Industrie ist und Preiserhöhungen schönredet, bevor sie überhaupt angedacht sind. Zum Beispiel, dass Herr Starkebaum keine Ahnung von dem hat, was er da (ab)geschrieben hat. Zum Beispiel, dass nicht nur deutsche Politiker absolut keine Ahnung vom Internet haben. Zum Beispiel, dass Videos und Google für Tagesschau.de die neuen Superbösen sind, und das obwohl sie dem modernen Internet nach eigener Aussage nur ein Viertel der Bandbreite kosten. Wäre es da nicht interessant gewesen, die anderen drei Viertel unter die Lupe zu nehmen, jetzt wo das Netz vor dem endgültigen Kollaps steht?

Setzen, sechs. Aufgabenstellung nicht erfüllt. Aber keine Sorge, die BLÖD sucht eigentlich immer ein paar alles nachplappernde, Recherchefaule Reporter und Redakteure.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Des Internet-Nutzers liebster Kuchen ist der Googlehupf

Seit knapp einem halben Jahr geht es immer wieder die gedruckte Presse rauf und runter. Auch die entsprechenden Internetseiten sind voll davon: Google soll zahlen. Wofür? Für den Verdienstausfall der Druckmedien, die den Internetsuchdienst direkt dafür schuldig sehen. Denn wer wird sich eine Zeitung kaufen oder ein beitragspflichtiges Internet-Applet nutzen, wenn er die Informationen per Google umsonst bekommen kann?
Das geht nun schon einige Zeit so, und meines Erachtens nach wird die Diskussion schärfer. Entschuldigt bitte, hier habe ich mich verschrieben. Natürlich wird nicht die Diskussion schärfer, sondern die Vorwürfe werden unverschämter.

Ich will heute mal nicht verlinken oder auf einzelne Artikel eingehen, sondern schlicht und einfach meine Meinung zum Thema in Worte fassen. Wenn ich mir die ersten Vorwürfe von Chefredakteuren ins Gedächtnis rufe, die Google ihre Verdienstausfälle bezahlen lassen wollen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Es ist ja nicht so als würde Google die Printmedien scannen und dann unentgeltlich für jedermann ins Web stellen. Wenn man über die Suchmaschine an Daten und Hintergrundfakten einfach schneller heran kommt als über die Tageszeitung, dann ist das nicht Googles Problem, sondern ungenügende Anpassung der Zeitungen. Wenn ich für meinen Blog recherchiere, verlinke ich in letzter Zeit gerne und oft. Meine persönliche Angst, hirnlos etwas nachzuplappern oder aus einer einzelnen Quelle zu zitieren und damit vielleicht Fehler zu wiederholen, soll damit ausgeschaltet werden. Ich sehe mich zwar nicht als Journalist, aber als Blogger habe ich doch auch Verantwortung. Egal wie viele Leute mich hier lesen. Selbst für meine treuesten Leser Subtra und Miyu muss ich so akkurat wie möglich sein. Punkt. Das es mir nicht immer gelingt und ich trotzdem manches Fettnäpfchen nicht vermeiden kann, zeigt mein gestriger Blog über den Besuch von Markus Kompa in der BILD-Redaktion. Aber ich bin ja lernwillig und auch immer bereit mich zu entschuldigen, wenn ich Fehler mache oder die Gefühle anderer Menschen verletze. Dafür nutze ich gerne und ausschließlich Google.

Was aber machen die Zeitungen? Sind die bereit dazu zu lernen? Passen sie sich der neuen Zeit an? Versuchen sie sich als gedrucktes Medium vom Internet abzugrenzen, hervor zu heben und ihren Status zu behaupten?
Leute, bloggen ist eindeutig eine Internet-Geschichte, die auch nur mit Links funktioniert. Die Presse hingegen ist etwas gedrucktes, ganz ohne Bookmarks jederzeit wieder zu finden, wenn man es archiviert. Ich finde die Zeitung an sich sehr praktisch, lese (meistens) jeden Tag meine Lokalzeitung, und dabei am liebsten den internationalen Teil, der mir wutschnaubend schon ein-, zweimal einen guten Blog geliefert hat, aber eben auch den Gedanken, Dinge im Internet für meinen Blog zu recherchieren, an die ich sonst nie gedacht hätte. Was noch viel öfter vorkam.
Wenn also gedruckte Medien Honorare für Verdienstausfall von Google verlangen, hinterlässt das leicht schizophren. Und damit meine ich nicht mich, sondern die Druckmedien. Verdienstausfall haben diese nur, wenn weniger Leute ihre Zeitungen kaufen, oder? Und Google kann diesen Verdienstausfall nur verursachen, wenn es die Zeitungen gratis im Web anbietet.
Wo ist also das große Problem? Soll man Google dafür verantwortlich machen, wenn große Zeitungen von der FAZ über die Süddeutsche bis hin zu WELT und BILD Artikel ins Web stellen, die dann von Google gefunden werden? Das halte ich doch für sehr fadenscheinig.
Auch das zweitaktuellste Argument der Printmedien, ihre Texte urheberrechtlich besser zu schützen ist ein zweischneidiges Schwert. Denn wenn sie ihre eigenen Arbeiten nicht selbst zu schützen vermögen, wie können sie dies von Google verlangen? Durchbricht Google etwa mit seinen Link die Sperren von Bezahl-Apps? Ich glaube eher nicht.
Was ich aber glaube, das ist, dass Google der größte Fisch im Wasser ist. Das beweist schon die Tatsache, dass der Konzern ne knappe Milliarde für Youtube gezahlt hat, um aus der Fun-Seite einen Teil des Mega-Konzerns zu machen. Was ich glaube, ist, dass Google etliche Mitarbeiter einsetzt, um von Bots gehypte Links zurück zu setzen, kriminelle Links zu löschen und den User im wuchernden und unübersichtlichen Internet zu beschützen - solange er über Google sucht.

Einen Link muss ich dann doch setzen. Der führt zum Suchmaschinenverzeichnis. Dort gibt es Links zu sechshundert Suchmaschinen, die meisten von ihnen recht speziell. Aber von denen spricht in der erbosten deutschen Printmedialandschaft niemand. Auch nicht von Yahoo oder Lycos. Viel Lärm um nichts? Eher das Baby-Prinzip: Wenn man nur lange und laut genug Krach schlägt, kriegt man irgendwann auch etwas.

Wege aus der selbst erschaffenen Krise: Viele Printmedien haben es versucht und werden es weiter versuchen, das Internet über die Werbung hinaus profitabler zu machen, indem sie Bezahlseiten verwenden. Dies hat mangels Interesse in der Vergangenheit nicht gut geklappt, und die Chancen stehen auch heute nicht besonders gut, dass dieser Plan aufgehen wird. Was also tun? Mit der Zeit gehen. Vermehrt auf Werbung setzen und sich für Links zu Firmen und anderen Zeitungen bezahlen lassen. Bezahl-Apps? Probieren kann man es ja, aber ich halte die Erfolgsaussichten für gering, weil nicht Google, sondern andere Zeitungen auf ihren Webseiten umsonst bringen, wofür die Apps sich bezahlen lassen wollen.
Das Potential nutzen, das jede Zeitung hat, nämlich ihr Printmedium. Den Sonderstatus der gedruckten Zeitung hervor heben, sie interessanter für Käufer machen und eindeutig zeigen, dass die Webseite das Printmedium unterstützt, nicht umgekehrt. Der Leser muss zur gedruckten Ausgabe geführt, verführt werden. Ideen dazu gibt es tausende. Macht wertvoller was Ihr habt. Denn seien wir doch ehrlich: Mit Monitoren nach Fliegen zu schlagen wird sich nie durchsetzen.

Okay, ernsthaft: Anstatt über Google zu lamentieren und Geld zu fordern, das ihnen überhaupt nicht zusteht, sollten die Printmedien es damit versuchen, ihre Produkte durch Qualität attraktiver zu machen. Das ist zwar nur ein Fingerzeig und keine Endlösung. Aber ich bin ja auch der Meinung, dass die gedruckte Zeitung niemals abgeschafft werden wird, auch nicht vom Internet. Vielleicht schrumpft der Markt zur Zeit, aber eventuell kann man den Konsumenten wieder ins Bewusstsein rücken, was er an der Zeitung an sich hat. Dazu müsste man aber wie gesagt kreativ werden und Qualität bieten. Nur so als Tipp von einem Laien wie mir.

Noch eines ist mir aufgefallen: Die Diskussion um Google hat sich verlagert, leicht verschoben. Ging es anfangs nur um GELD, so versuchen deutsche Leitartikel nun vermehrt die Gefahr zu betonen, die von dem Unternehmen droht, weil Google mehr über uns weiß als wir selbst. Das halte ich für plakativ. Google kann nicht wissen, was ich nicht über mich im Internet veröffentlicht habe, oder zugegeben andere. Aber selbst wenn ich das hinzu zähle, reicht es noch nicht zum gläsernen User, der von den Medien beschrieen wird.
Gut, gut. Diesen Lärm hätte ich gerne bei Schäubles und Zensursulas Plänen zur Internetzensur gehört. Oder bei der Verschärfung der BKA-Befugnisse inklusive Online-Durchsuchungen. Der Massenspeicherung unserer Telefon- und SMS-Daten zur Terrorbekämpfung. Der Entprivatisierung unserer Innenstädte durch flächendeckende Videoüberwachung.
Irgendwie drängt sich mir das Gefühl auf, dass der derzeitigen Google-Thematik mindestens doppelt so viel Aufmerksamkeit und Energie gewidmet wird als den anderen von mir genannten Themen zusammen. Und das ist nicht sehr nett.
Im Übrigen war Google die einzige Firma, welche die Weitergabe ihrer Daten an die Bush-Administration verweigert hat, während AOL, Microsoft und Yahoo obrigkeitshörig weg geknickt sind, ohne es eigentlich zu müssen, wie searchenginewatch.com zu verkünden weiß.

Fazit: Vielleicht weiß Google mehr über mich als der Rest des Internets, als die Printmedien und andere Suchmaschinen, vielleicht sogar mehr als die Bundesregierung. Aber wenn dem so ist, waren meine Daten bei ihnen bis heute in guten Händen. Und ich bin zuversichtlich, dass das auch in Zukunft so sein wird.

Edit: Gerade auf BILDBLOG.de in der Rubrik "6 vor 9" entdeckt. Ein amerikanischer Journalist referiert über die Klage des deutschen Verlegerverbandes gegen Google - weil Google zehnmal mehr durch Werbung verdient als ihre Klientel.
Man fühlt sich fast an den Prozess um ein paar Millionen Dollar gegen McDonalds erinnert, der den Konzern gezwungen hat, auf seine Kaffeebecher "Vorsicht, heiß" drucken zu müssen.
Der Text ist in englisch, aber leicht verständlich.

Weiterer Edit am 21.01.: Ralf Schwartz hat es heraus gefunden, was die Verlage an Google und Co. so kirre macht... Sie wissen einfach nicht, wie man mitspielt. ^^