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Samstag, 21. März 2015

Der Varoufakis-Stinkefinger - eine knappe Chronologie

Hey, habt Ihr das auch mitgekriegt? Der griechische Finanzminister und so, auf den sich BILD und Co. eingeschossen haben, soll ja angeblich den Deutschen dafür, dass sie Griechenland so viel Geld zur Verfügung stellen - nämlich um die Bankschulden zu bezahlen, die die Griechen bei der EZB und den griechischen, deutschen und anderen europäischen Banken haben - den Stinkefinger gezeigt haben. Das ging ziemlich heftig durch die Medien, die BILD hat sich drauf gestürzt wie ein Vampir auf einen Blutspendebus, und auch bei Günther Jauch war es Thema.
Varoufakis sagte dann auch schnell, er habe niemals nie den Stinkefinger (also den Mittelfinger, ja, genau den) gezeigt, und schon gar nicht Deutschland. Experten aber meinten, das Video mit dieser Szene sei echt, denn, ich zitiere: "Nur in einem Studio kann das gefälscht werden".
...sacken lassen. Ist ja so ziemlich aus den Medien verschwunden, nicht wahr? Ich hab's auch anfangs nicht so recht verstanden, aber heute habe ich mal ein paar Puzzleteile zusammengesetzt und will jetzt eine kurze Chronologie erstellen, was wirklich passiert ist und ein paarmal ein Fazit ziehen.

Okay, da gibt es dieses Satiremagazin auf ZDF Neo, das Neo Magazin Royale, das dieses sehr coole Musikvideo über den griechischen Finanzminister gedreht hat, in dem die Crew der Sendung die Deutschangst von BILD und Co. (Jauch) verarscht hat.
Am Schluss des Videos taucht dann ein Schnipsel von einem Auftritt Varoufakis' auf einem Symposium in Zagreb von 2013 auf, auf dem er sagt, von mir verkürzt und vereinfacht: "Dafür sollte man den Deutschen den Stinkefinger zeigen und sagen: Löst das jetzt alleine." Und tatsächlich ZEIGT Varoufakis den Stinkefinger, während er das sagt.
Moment mal... Das ist eine Szene aus einem Musikvideo eines Satiremagazins? Richtig. Behalten wir das mal im Hinterkopf.
Es dauert einige Zeit, aber dann wird die Szene TATSÄCHLICH ENTDECKT! Und sie geht viral. Dank BILD und Co. Es geht sogar soweit, dass Günther Jauch von seinem Olymp herabsteigt und den griechischen Finanzminister direkt mit dem Video konfrontiert. Und obwohl Varoufakis Stein und Bein schwört, niemals nie den Stinkefinger gezeigt zu haben, schon gar nicht auf dieser Veranstaltung, und nicht während dieses Satzes, lässt der Jauch stattdessen einen Experten zu Wort kommen, der sagt: "Die Bewegung stimmt, die Schatten stimmen. Um das zu fälschen, hätte man schon ein Studio gebraucht." So wie das von Neo Magazin Royale?
Also wird der Mann für schuldig befunden, und BILD frohlockt schon, dass er sich jetzt endlich selbst als Finanzminister abgeschossen hat.
...sacken lassen.

Hier wurden zwei Fehler gemacht.
Der erste Fehler ist, niemand hat wirklich professionell danach gesucht, ob es Anzeichen dafür gibt, dass das Video echt ist, beziehungsweise nach dem Originalmaterial, von eben dieser Veranstaltung 2013 in Zagreb, und die Aufnahmen verglichen.
Der zweite Fehler ist: Niemand hat sich bemüht zu verifizieren, ob die Quelle, nämlich obiges Musikvideo, eine eigene Quelle hat, beziehungsweise mal einfach bei den Machern nachgefragt.
Tja, und ein paar Tage später haben sich BILD, Jauch und Co. dann ganz fürchterlich blamiert, als die Neo Magazin Royale-Macher alles aufgelöst haben. Böhmermann und Co. haben nicht nur gestanden, gefaked zu haben, sie haben auch gezeigt, wie sie es gemacht haben.
...sacken lassen.

Nun kann man natürlich sagen: Alles Propaganda. Die springen für Varoufakis in die Bresche.
Man kann aber auch sagen: Zeigt mir doch die Originalaufnahmen vom Symposium mit eben genau dem Stinkefinger. Geht nicht? Dann wenigstens eine ältere Quelle für diese Aufnahmen als das Musikvideo? Geht auch nicht?
Wir halten fest: Varoufakis sagt: Nein, das habe ich nie gemacht.
Böhmermann und Team sagen: Das waren wir, das brauchten wir fürs Video, wir hatten das Bodydouble, wir hatten die Technik und wir hatten die Computer dafür.
Ein kluger Mann hat mal gesagt, dass die Wahrheit das ist, was übrig bleibt, wenn man die unwahrscheinlichen Varianten aussortiert. Also, wenn nicht noch jemand mit Originalaufnahmen aus Zagreb aufwartet, die wider Erwarten an genau dieser Stelle den Stinkefinger zeigen, dann würde ich mal ganz fest davon ausgehen, dass... Ja, was denn?
...sacken lassen.

Ich fasse es in meinem Fazit zusammen: Dass BILD versagt hat, zu recherchieren, sich die Originalaufnahmen zu besorgen und diese mit dem Videoschnipsel zu vergleichen, damit war zu rechnen. Dass aber Jauchs ARD-Team nicht nur darauf hereinfällt, sondern auch noch Apologeten auffährt, um die "Echtheit" zu bestätigen, ist nicht nur mangelnde Recherche, sondern auch ein massiver Gesichtsverlust.

Fazit zwei: Hat er aber doch, oder hat er nicht...? Selbst wenn die Beweislast nicht erdrückend genug wäre, um den griechischen Finanzminister zu entlasten, frage ich hier wie viele andere: Gibt es nicht dringendere Themen als einen erhobenen Mittelfinger, zum Beispiel beim Versuch der aktuellen griechischen Regierung, das Volk von rigiden Sparkurs der Austeritätsfanatiker zu entlasten? Nein, und das haben wir ja schon bei Steinbrück gesehen. Und das von Leuten, deren Beruf Journalismus ist, deren Tätigkeit also... Recherche beinhaltet?
Was machen wir also mit einer Redaktion, die sich nicht nur blamiert hat, sondern auch schlicht und einfach ihre Arbeit nicht getan hat? (Ja, die BILD schließe ich damit ausdrücklich ein.)
Vielleicht sollte man ihnen... Nun, den Stinkefinger zeigen?

P.S.: Mich hat die letzten Tage einiges verwirrt, vor allem wie die Fakten geflossen sind. Diese mehr chronologische Abfolge habe ich darum gepostet, um das Geschehen mal zu sortieren. Vielleicht ist es auch für den einen oder anderen von Euch da draußen nützlich.

Dienstag, 11. November 2014

Wahrlich kein Ruhmesblatt, LDZ - Mitgebasht auf die GDL

Also, ich bin wirklich böse. Mit meiner Zeitung. Die, die ich abonniert habe. Die ich täglich lese.
Warum? Wie ich schon oft erzählt habe, gehört meine Zeitung zum Medienkonstrukt des Herrn Ippen, und deshalb teilen sich viele Zeitungen die überregionale Redaktion für Welt-, und Bundesereignisse, und vor Ort hier in Gronau wird der Lokalteil gemacht. Das führt dazu, dass bundesweit von den verschiedensten Zeitungen Redakteure und Journalisten Kommentare verfassen können - und leider auch machen. Ein Kommentar am Samstag und einer gestern, am Montag, befasste sich mit der GDL. Und hatte nichts besseres zu tun, als sich am Bashing zu beteiligen.
Liebe Redakteure der Ippen-Zeitungen, das war kein Ruhmesblatt. Ich will jetzt gar nicht großartig darauf eingehen, dass Eure kommentierenden Kollegen - ein Kommentar ist ja immer auch eigene Meinung - der Deutschen Bahn dabei moralisch geholfen haben, das STREIKRECHT zu unterminieren, und dass ein Gericht bemüht werden musste, um der Bahn die Grenzen aufzuzeigen; ich will auch gar nicht auf die Hetzjagd eingehen, der GdL-Weselsky ausgesetzt war - gut, BILD hat seine Nummer veröffentlicht, aber Eure Kollegen haben dazu genickt; und ich will auch gar nicht wissen, wieso Eure Kollegen das Streikrecht, das einzige Instrument der Arbeiter und Angestellten in unserem Land im Arbeitskampf so miesgemacht und runtergeredet haben... Ich meine, was nützt ein Kuschelstreik? Er muss wirtschaftlich schaden. Ja, der Bahn. Ja, den belieferten Firmen, die dann Druck auf die Bahn ausüben. Macht steht gegen Macht, und der mit dem längeren Atem gewinnt. Leider hat sich der Großteil der deutschen Presse und auch Eure scheinheiligen kommentierenden Kollegen als unfähig nur zu gerne daran beteiligt.
Aber auf eine Sache möchte ich eingehen. Nämlich die Behauptung Eurer Kommentatore, Weselsky wäre größenwahnsinnig, weil er für ALLE Zugbegleiter, Ausbilder, Gastronomen und wen es sonst noch in der Deutschen Bahn gibt, verhandeln möchte. EINE EINZIGE kurze Recherche, ein BLICK auf die Homepage der GdL stellt die Sicht aus Arbeitnehmerseite dar. Die GdL will nicht ALLE vertreten, nur all jene, die bei ihnen organisiert sind. Und das ist ja wohl der Sinn einer Gewerkschaft. Was aber macht die Bahn? Versucht mit der Unterstützung der EVG (die aus gutem Grund nicht mehr Transnet heißt, seit ihr ehemaliger Vorsitzender in den BAHNVORSTAND gewechselt ist) der GdL zu VERBIETEN, ihre eigenen Mitglieder zu vertreten. Dass die EVG nicht mal ansatzweise einen Arsch in der Hose hat, beweisen zwei Dinge. Erstens: EVG-Mitglieder verteilten Tütenfutter an wartende Reisende, anstatt sich mit den streikenden Arbeitern zumindest solidarisch zu zeigen. Versteht mich nicht falsch, wenn das Bahnbedienstete gemacht hätten, wäre das unproblematisch, aber es WAREN EVG-Leute. Zweitens, ausgerechnet in der BILD kommen Lokführer zu Wort, die "den Streik ganz doll doof finden". EVG-organisierte Lokführer, wohlgemerkt. Jetzt soll die EVG bei allen zukünftigen Verhandungen mit am Tisch sitzen, und wenn sie einer Entscheidung zustimmt, soll die GdL automatisch folgen. Wer macht den so einen Scheiß mit???
...sacken lassen.

Ich fasse zusammen. Eure Kommentatoren haben schlicht und einfach gelogen, als sie behauptet haben, die GdL will jemand anderen vertreten als die bei ihnen organisierten Mitglieder.
Und: Die Aktionen des Großteils der deutschen Presse war ein Angriff auf alle Arbeiter und Angestellten des Landes, als das Streikrecht per se attackiert wurde. Und ich schäme mich, dass eine Andrea Nahles aus MEINER Partei gleich mit einem neuen Gesetz kommen wollte. Auch dabei haben Eure Kommentatoren geholfen.
Wirklich, das war weder eine Ruhmestat, noch war es richtig. Anstatt zu helfen, den blutrünstigen und hirnlosen BILD-Mob mitzufüttern hätte hier auch mal jemand journalistische Arbeit verrichten können, wie zum Beispiel beim Spiegel geschehen. So aber fühle ich mich als Angestellter angegriffen und verspüre das dringende Bedürfnis, mich mit den Kollegen der GdL zu solidarisieren.
Was ist der nächste Schritt? Abschaffung des Streikrechts für alle? Helfen Eure Komentatoren dann da auch mit? So geht Journalismus also auch. Wahrlich kein Ruhmesblatt, LDZ.

Donnerstag, 4. April 2013

Die BILD hat nicht alle Kugeln in der Maschine...

Tja, dumm gelaufen, Ace Kaiser.
Da bin ich doch tatsächlich auf die Berichterstattung von tagesschau.de und Bild.de reingefallen und habe der Printausgabe der BILD hämisch vorgeworfen, zu faul für die Recherche zu sein und Notar und Lotto-Team für blöd hinzustellen.
Dieses Video beweist zwei Dinge:
1) BILD Print hatte Recht.
2) Notar und Team der Lottozahlen war es entweder scheißegal, oder es war ein "Lichtreflex", weshalb sie die Einwurfbox nicht richtig kontrolliert, bzw. im Auge hatten. Nun gut, das wird denen nicht noch mal passieren, schätze ich.
Heißt aber auch, BILD Print hatte zwar reißerische Headlines, aber auch eine korrekte Berichterstattung.
Auch, wenn ich das nur sehr ungern tue, weil eine Schwalbe ebensowenig den Sommer bringt wie ein korrekter Artikel BILD zu einer richtigen Zeitung macht: Ich entschuldige mich bei BILD Print für meinen reißerischen Blogeintrag und meine unverholene Häme. Die war diesmal nicht angebracht.
Und ja, gerne noch mal: BILD Print hat in der heutigen Ausgabe vollkommen korrekt berichtet.

Montag, 10. September 2012

Hinter dem Internet - wenn PR-Frauen logische Fehler übersehen

Ja, dies ist in der Tat ein Blog-Eintrag über die Wulff. Die zweite Frau des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Wie heißt sie doch gleich? Hm, Bettina, sagt Google. Stimmt, Bettina.
Über die hat, das wird ihm unterstellt, der Günther Jauch was ganz Böses angedeutet: Sie hätte mal Escort gemacht, wird er aus einer Talkrunde zitiert. Das war laut meiner Tageszeitung im Mai.
Hier der Vollständigkeit halber mal seine Meinung zum Thema auf tagesschau.de.

Heute steht in der BILD, dass besagte Frau Wulff ein Buch geschrieben hat. Es heißt "Hinter dem Protokoll."
Und am Wochenende ging durch die Presse, dass sie Günther Jauch auf Unterlassung verklagt hat. Aber jetzt erst hat es die Nachricht in die Medien geschafft.

Ich will mich nicht über eine angebliche oder tatsächliche Vergangenheit von Frau Wulff im Escort-Gewerbe oder im Rotlichtmilieu auslassen. Ich möchte zu dem Thema anmerken, dass in Zeiten, in denen Gina Wild wieder zu Michaela Schaffrath werden konnte, nur besonders spießige, rückständige und konservative Menschen in einer jungen, intelligenten und hübschen Frau, die womöglich Escort gemacht haben könnte, einen Aufreger finden können. Mich lässt das eiskalt. Genauer gesagt, es interessiert mich nicht die Bohne.
Ich will mich auch nicht darüber auslassen, dass die Veröffentlichung über die Unterlassungsklage gegen Jauch und die Ankündigung der Buchveröffentlichung überraschend gut zusammen fallen, und eine gute Publicity garantieren. Oder darüber, dass BILD wieder dazu übergeschwenkt ist, den Wulff-Karren zu ziehen, was dem Buch schon vorab gute Abverkäufe garantiert.

Nein, mir geht es in diesem Blogeintrag um den zweiten "großen Wurf", der von Frau Wulff gelandet wurde. Ihre Unterlassungsklage gegen Google, in dem der Suchmaschine verboten werden soll, im Zusammenhang mit ihrem Namen auf Seiten zu verlinken, die Verbindungen zwischen ihr und Escort oder gar das Rotlichtmilieu darstellen.
...sacken lassen.


Das ist natürlich eine strategisch kluge Entscheidung von Frau Wulff. Die großen Printverlage wollen ohnehin gerade an die Honigtöpfe von Google, und mit Google Streetview hat sich der Konzern gerade unbeliebt gemacht (nicht bei mir, wohlgemerkt)... Außerdem, um die öffentliche Stimmung weiter gegen Google zu kippen, wird ja gerne und oft darauf hingewiesen, was Google an Daten über unser Surfverhalten speichert. Die Suchmaschine auch für die eigenen Zwecke an den Pranger zu stellen, ist en vogue. In gewissen, nicht ganz so freien und ganz so informierten Kreisen zumindest.
Nun verlangt Frau Wulff aber mit genau diesem Verbot... Zensur.

Ich will mal ganz kurz sagen, wie ich das sehe, bzw. den Vorgang der Google-Suche beleuchten.
Ich tippe einen Suchbegriff ein. Google liefert mir je nach Suchbegriff sagen wir null bis zwei Millionen weiterführende Links. Die Links, die beim gleichen Suchbegriff öfter angeklickt werden, wandern nach oben. Die, die weniger angeklickt werden, wandern nach unten. Die am häufigsten angeklickten Links bilden Seite eins. Im Klartext: Wenn ich Bettina Wulff bei Google eingebe, und ich kriege auf Seite eins erstmal zwanzig Links zu Seiten, die sich über ihre angebliche Vergangenheit als Escort-Dame oder im Rotlichtmilieu auslassen, dann ist das eine urdemokratische Entscheidung der Benutzer Googles. Sie haben gezielt und sehr, sehr oft mit Google nach diesen Seiten über Frau Wulff gesucht. Mehr und öfters als alle anderen Google-Nutzer, die etwas über Frau Wulff wissen wollten.
Sicher ist es technisch möglich, die entsprechenden Seiten zu sperren, damit sie über die Google-Suche nicht mehr gefunden werden können - Zensur bleibt es trotzdem. Denn nicht Google stellt diese Links an die Spitze, sondern der Algorhythmus der Suchmaschine. Eine Manipulation seitens von Google bleibt eine Manipulation, und außerdem tut der Konzern dann genau das, was ihm von der Politik und der Wirtschaft immer wieder vorgeworfen wird: Er würde die Link-Ergebnisse manipulieren. Dabei ist das einzige, was Google macht, entsprechende Anzeigen am rechten Seitenrand zu schalten, die zum gesuchten Thema passen. Dort wird auch in wenigen Tagen bei der Suche nach Bettina Wulff ihr Buch zu finden sein. Passend mit Verkaufslink.
...sacken lassen.

Ich fasse zusammen: Die Unterlassungsklage ist einerseits geschickt, weil Google-Bashing gerade Mode ist. Andererseits ist es ein Aufruf zu Zensur, und das auch noch an der falschen Stelle. Frau Wulff muss sich eigentlich mit den Seiten anlegen, die entsprechende Artikel über sie verfasst haben, und nicht Google damit behelligen. Das wäre effektiver, denn selbst wenn Google dieser Zensur zustimmen würde, die Artikel wären trotzdem noch im Web. Und es gibt immer jemanden, der sie weiterverlinkt.
Was haben wir hier also? Technisches Unverständnis bei Frau Wulff? Oder doch nur eine weitere taktische Werbung mit populären Begriffen für ihr Buchdebüt?
Ich vermute Letzteres. Dennoch bleibt die Forderung nach Zensur von Google selbst im wohlwollendsten Fall... ungeschickt. Nehme ich kein Blatt vor den Mund, nenne ich es eine Frechheit. Aber Werbung ist es in jedem Fall für Frau Wulff. Leider. Sogar ich blogge ja darüber. ^^°°°

Mittwoch, 11. April 2012

BILD-Zeitung: Noch nie wurde so geschwurbelt und verdreht

Ich weiß, ich sollte es nicht tun, auf gar keinen Fall. Aber Mittwochs, wenn ich einkaufen gehe, fällt mein Blick beinahe wie ein Zwang auf die BLÖD und ihre Schlagzeile.
Heute, in prominenter Position, finden wir folgendes: Hartz IV - Noch nie wurde so viel geschummelt und getrickst

...sacken lassen.

Für uns, die wir keine BLÖD kaufen wollen, liefert BILD.de zum Glück den Artikel nach. Die Schlagzeile suggeriert hier, das es um 912.377 Fälle von aufgedecktem Sozialbetrug geht - die Meldung suggeriert sogar, dass es 912.377 Einzelpersonen seien. Wenn man weiter liest, erfährt man aber, das im letzten Jahr lediglich 912.377 sogenannte Sanktionen verhängt wurden, die von aufgedeckten Betrugsversuchen und Tricksereien bei Hartz IV nicht weiter entfernt sein können. Damit rudert BLÖD doch mächtig zurück, und aus der Meinungsbildenden Kopfschlagzeile (bei der ich sofort davon ausging, dass BLÖD auch abgelehnte Anträge mit eingerechnet haben musste, aber es wurde wesentlich schlimmer) wird nach der Filetierung der ganze große Quatsch, wie er nun mal in BLÖD steht, offenbart.
582.353 Fälle von ausgesprochenen Sanktionen wurden laut der Website verhängt, weil Termine nicht eingehalten wurden. Darunter fallen laut BLÖD auch Vorstellungstermine bei potentiellen Arbeitgebern, was die Möglichkeit für diese Sanktion doch sprunghaft in die Höhe schnellen lässt.
Eine lukrative Einsparung für die Hartz IV-Verwalter, denn im Schnitt wurden laut BLÖD Kürzungen von über 115,- Euro vorgenommen. Das sind fast sechzig Millionen Euro, die nicht ausgezahlt wurden.
Gut, mag jetzt der eine oder andere sagen, bleibt das Geld wenigstens in den Sozialkassen.
Schlecht, sage ich, denn die Menschen, die dieses Geld nicht kriegen, bei einem Hartz IV-Satz von 364,- Euro, haben ein Anrecht auf dieses Geld, weil sie zuvor gearbeitet und in die Sozialkasse eingezahlt haben. Davon abgesehen sind es über 115,- Euro, die sie weniger haben, die sie nicht wieder in die Wirtschaft zurückführen können. Oder anders ausgedrückt: Sechzig Millionen Euro sind letztes Jahr nicht in den Wirtschaftskreislauf zurückgewandert. Das ist schlecht. Für den Binnenmarkt. Für den Mittelstand. Für die Konjunktur. So wurden also auf dem Rücken sozialer Kürzungen wir alle geschwächt. Ich halte das für sehr kurzsichtig und dumm.

Es geht aber auch noch weiter im Artikel.
So sollen 147.135 Fällen Kürzungen ausgesprochen worden sein, weil gegen die Wiedereingliederungsmaßnahmen verstoßen wurde, z.B. die Anzahl der Bewerbungen wurde nicht eingehalten. Macht noch mal rund fünfzehn Millionen Euro, die den Hartz IV-Empfängern und damit der Wirtschaft vorenthalten wurden. Denn machen wir uns da nichts vor: Von 364,- Euro kann kein Haushalt in Deutschland Rücklagen bilden. Das Geld geht dementsprechend garantiert wieder in den Wirtschaftskreislauf ein, und nicht auf die Kayman-Inseln oder die Seychellen, wo es der deutschen Wirtschaft überhaupt nichts nutzt.
In 138.312 Fällen wurde die Geld-Keule geschwungen, weil eine Fortbildungsmaßnahme, eine Arbeit oder eine Ausbildung abgebrochen oder gar nicht erst angetreten wurde. Abgesehen vom freien Willen des einzelnen Menschen, was man tun will und was nicht, der hier abgeschafft wird, bringt es der Sozialkasse wieder rund vierzehn Millionen Euro Einsparungen auf Kosten der Hartz IV-Empfänger und der deutschen Binnenwirtschaft.
Wenn wir das mal kurz zusammenrechnen, dann kommen wir auf eingesparte knappe neunzig Millionen Euro. Knappe neunzig Millionen Euro, die nicht wieder in die Wirtschaft eingeflossen sind. Knappe neunzig Millionen Euro, die denen vorenthalten wurden, die sie brauchten und brauchen.
Jetzt höre ich die ersten schon wieder reden: Aber diese Sozialschmarotzer... Oder: Wenn sie doch aber gegen ihre Auflagen verstoßen haben... Oder auch sehr beliebt: Die hängen doch sowieso nur Zuhause ab, schauen fern und trinken Bier und lassen ihre Kinder verkommen, genauso wie man es auf RTL immer sehen kann...
...sacken lassen.

Ich möchte an dieser Stelle eines klar sagen: Die rund neunhunderttausend Fälle vom Anfang des Artikels treffen erstens schon mal keine rund neunhunderttausend Personen oder gar Haushalte. Hier haben wir automatisch auch Mehrfachstrafen, d.h. einzelne Personen wurden mehrfach belangt, was die Zahl, hm, keine Ahnung, vielleicht halbieren würde.
Davon einmal abgesehen sind die Hartz IV-Familien aus dem Fernsehen, die nur Bier trinken und ihre Kinder vernachlässigen, in Messie-Häusern leben und das mit zweihundert Hunden und Katzen... Richtig: Fernsehen. Das als repräsentativ für alle Menschen zu sehen, die Hartz IV kriegen, ist eine unglaubliche Dummheit von jedem, der das tatsächlich glaubt.
In der Realität sieht es so aus, dass jeder Mensch, der länger als ein Jahr arbeitslos ist, in Hartz IV rutscht, und dann mit 364,- Euro sein Leben bestreiten muss. Zwar gibt es Zuschüsse zu den Heizkosten, zur Miete, aber die 364,- Euro müssen für alles andere reichen. Darin ist alles enthalten: Von neuen Möbeln, dem Kino- beziehungsweise Theaterbesuch über das Bier für den sozialen Umgang in der Stammkneipe, Bekleidung und Telefon bis hin zur Busfahrkarte.

Stellt Euch mal vor, Ihr seid arbeitslos geworden und findet nicht sofort wieder einen Job. Dann kommt das große Hartz IV-Stigma. Man kann darauf verzichten, es zu beantragen, aber dann hat man gar nichts mehr und lebt von seinen Reserven. Das mag für einige möglich sein, aber sicher nicht für den Durchschnittsmenschen.
Dann sage ich: Willkommen. Ihr seid mit einem Schlag in der Gruppe deutscher Bürger gelandet, die von Zeitungen wie BLÖD und Sendern wie RTL am meisten gehasst und stigmatisiert werden. Ihr seid plötzlich bei den Leuten, die als Kindervernachlässigende, saufende, unsoziale Knallchargen charakterisiert werden.

Fazit: Natürlich habe ich mich von vorne herein darüber aufgeregt, als ich die Schlagzeile las. Mir war klar, das es keine neunhunderttausend Einzelpersonen geben konnte, die den Staat betrügen und bescheißen. Für die BLÖD war es eine folgerichtige Schlagzeile, es war das gute alte "Erst mal behaupten"-Spiel.
Wie sich dann herausstellte, ging es gar nicht um Strafen für versuchten Betrug, sondern um die Anzahl verhängter Sanktionen, also Geldkürzungen, und dies auch in über neunhunderttausend Fällen, nicht bei neunhunderttausend Personen, geschweige denn Haushalten.
Aus dem Lug und Betrug der Schlagzeile wurde ein soziales Problem. Denn so wie ich das sehe, sind die Behörden angehalten, möglichst viel Hartz IV zu sparen, und das tun sie dann auch. Mit jedem Jahr mehr, weil sie dazu lernen und besser darin werden, denen, die wenig und gar nichts haben, noch mehr vorzuenthalten.

Vom Hartz IV-Etat, der rund 49 Milliarden Euro umfasst, sind allerdings nur 24 Milliarden dazu bestimmt, an die Hartz IV-Empfänger ausgezahlt zu werden. Rund die Hälfte aber fließt zugunsten einer Branche, die es nur dank Hartz IV gibt.

Ich fasse zusammen. Hartz IV-Empfänger sind eher selten schuld an ihrem Schicksal. Jeder kann in seinem Leben auf Hartz IV angewiesen sein, und das Stigma bekommen, das Zeitungen wie BLÖD und Sender wie RTL fleißig betreiben. Hartz IV bedeutet dunkelsten sozialen Abstieg. Hartz IV bedeutet auch, das man Behauptungen aufstellen kann wie die BLÖD heute - anscheinend auch schlicht und einfach lügen, weil Hartz IV-Empfänger der Feind des Sozialstaats sind, und überhaupt allgemein unfähig.
Oft wird ja gesagt, es gibt so viel Hartz IV-Geld, das die Menschen keine Lust haben zu arbeiten.
Hm, rechnen wir doch mal fix aus, wie viel man bei einem Mindestlohn (Brutto) von 8,23 € in einem Monat mit Vierzig-Stunden-Woche verdienen würde. Wir gehen von zweiundzwanzig Tagen aus, sprich: 22 Tage X 8 Stunden X 8,23€ = 1448,-€, Brutto, wohlgemerkt.
Das macht laut der Seite vom Lohnsteuerhifeverein für einen Alleinstehenden ohne Kinder mit Steuerklasse I fast 1.043,- € Netto. Das ist für jeden, der in einem ordentlichen Lohnverhältnis steht, natürlich keine ansprechender Lohn. Aber es ist mehr als Hartz IV.

Der Witz bei der Geschichte ist allerdings: Dank der CDU haben wir nicht mal den Mindestlohn in Deutschland, und dank der viel zu niedrigen Hartz IV-Sätze wird plötzlich sogar ein Stundenlohn von sechs Euro in einem vollen Arbeitsmonat attraktiv. Allerdings, wenn die Menschen weniger verdienen, geben sie auch weniger aus, und das schadet wiederum der Wirtschaft.
Ist aber auch zu komisch, wenn man von der Lohn-Preis-Spirale spricht, die Preise aber anziehen, obwohl die Löhne sie gar nicht mehr jagen, aber das nur am Rande.
Betrogen, verarscht, klein geredet, belächelt und verflucht, und auch noch gezwungen, ausgebeutet zu werden um skrupellose Unternehmer reich zu machen, das ist Hartz IV in Deutschland.
Wer gewinnt hier? Derjenige, der das Kapital hat und skrupellos genug ist, seinen Angestellten nur sechs Euro oder weniger in der Stunde zu zahlen. Und all das auf dem Rücken von Hartz IV und jenen, die in dieses Stigma hinein gezwungen werden.
Es wird Zeit, das sich zwei Dinge in Deutschland ändern: Hartz IV und Dumping-Löhne. Ist nur beides nicht mit CDU/CSU und FDP zu machen.
Und wenn wir schon mal dabei sind: Liebe SPD, ich als treues Mitglied sage Euch, Ihr habt uns Hartz IV eingebrockt, also korrigiert dieses System, das sich als unglaublicher Fehler heraus gestellt hat, bitte wieder.


Edit am 13.04.: Gleich mal auf Bildblog zum selben Thema verlinken.

Freitag, 30. März 2012

Wenn BILD säht, wird Sturm geerntet.

Vor einigen Tagen wurde eine Minderjährige in einem Emdener Parkhaus tot aufgefunden. Was genau passiert ist, was dem Kind passiert ist, wissen wir nicht, denn die Staatsanwaltschaft hält sich wohltuend zurück, bittet darum, den Namen des Kindes aus der Presse raus zu halten, und Spekulationen nicht zu Tatsachen zu erheben, solange die Ermittlungen laufen.
...sacken lassen.

Dies hielt unter anderem BILD nicht davon ab, den Namen des getöteten Mädchens zu nennen, über den Tathergang und über einen möglichen sexuellen Missbrauch zu spekulieren. Wir können wohl froh sein, dass das getötete Mädchen kein Facebook-Profil hatte - wie wir in ausreichendem Maße wissen, kennt die Zeitung mit den vier großen Buchstaben nur den eigenen Voyeurismus, nicht aber den Opferschutz, oder gar den Schutz der Angehörigen, die durch den Tod ihres Kindes/ihrer Verwandten durch eine schwierige Zeit gehen, und bestimmt nicht durch die Medienmühle gedreht werden wollen.
Nützt ihnen natürlich nichts, ebenso wenig wie der Aufruf der Staatsanwaltschaft zu mehr Ruhe und weniger Vermutungen, die zu, ja, Tatsachen erhoben wurden.

Naturgemäß hat BILD auch Probleme mit der Unschuldsvermutung, also dem Umstand, das der Rechtsstaat einen mutmaßlichem Täter beweisen muss, dass er schuldig ist - nicht, dass der Täter seine Unschuld beweisen muss.
Das bekam auch ein jugendlicher Tatverdächtiger zu spüren, der angeblich in der Nachbarschaft des Mädchens wohnt, und von einer anderen Jugendlichen als möglicher Täter ins Spiel gebracht wurde, weil "er sich merkwürdig verhält".
Nun hatte der Junge kein wasserdichtes Alibi und soll sich auch in Widersprüche verstrickt haben. Das sind Indizien, aber noch keine Beweise. Besser wäre es, Kamerabeweise zu haben, die ihn zur Tatzeit in der Nähe des Tatorts zeigen, aber das nur nebenbei.
BILD scherte das jedenfalls nicht, und die Berichterstattung ging nicht um den mutmaßlichen Täter, sondern um "den Täter", der "Einzelgänger ist und Killerspiele spielt".
...sacken lassen.

Der Höhepunkt des Geschehens war, so ist sogar meiner Tageszeitung zu entnehmen, der Facebook-Aufruf eines Achtzehnjährigen zur Lynchjustiz am Verdächtigen, woraufhin eine größere Gruppe Jugendlicher längere Zeit eine Polizeiwache "belagert" hatte, angeblich die ganze Nacht hindurch.
...sacken lassen.

Nein, dieser Blogeintrag dreht sich nicht um Täter und Opfer, um Angehörige, um Bekannte. Er dreht sich einzig um den wütenden Lynchmob, wie die Presse ihn nennt, und um eine einseitige Berichterstattung. Geradezu peinlich mutet es an, wenn man bedenkt, das ausgerechnet BILD - in meinem Fall per Ausschnitt im BILDBlog - verkündet, dass der Verdächtige nicht der Täter sei, wie auch Stern berichtet.
Ich meine, ob er wirklich unschuldig ist, das bleibt abzuwarten, bis die Ermittlungen beendet sind, und eventuell gegen den mutmaßlichen Täter - der durchaus ein Dritter sein kann - Anklage erhoben wird. Das ist die normale Polizeiroutine, mit derem Jargon BILD aber noch nie besonders gut zurecht kam. Und das heißt auch nicht, das der Jugendliche der Täter ist/war. Es heißt nur, das er Bestandteil der polizeilichen Ermittlungen ist, selbst wenn die Polizei ihn nicht mehr verdächtigt.
Im Umkehrschluss aber haben sich ausgerechnet im ruhigen Emden, über das man nur was hört, wenn mal wieder die Ems vertieft werden soll, oder ein Kreuzfahrschiff an die Küste verlegt wird, ein paar Dutzend Jugendliche zum Lynchmob verabredet.
Die Frage, die sich mir stellt, die sich uns allen stellt, ist NICHT, ob Facebook jetzt wieder böse ist.
Die Frage ist, wie sehr die einseitige Berichterstattung, die Stilisierung des Verdächtigen zum unbestreitbaren Täter, wie sehr der Eingriff in die polizeilichen Ermittlungen, wie sehr die Personalisierung des Opfers - entgegen dem Wunsch der Familie, entgegen der Bitte der Ermittlungsbehörde - dazu beigetragen hat, dass eine Gruppe Jugendlicher sich berufen fühlte, ein Lynch-Happening zu veranstalten, weil "er ja schuldig ist".
Das hätte auch per Telefonkette, per Mail-Kette oder einem anderen sozialen Netzwerk als Facebook erfolgen können, sogar über Annoncen in der Zeitung. Facebook trifft hier keine Schuld, so wie der Rasen in den seltensten Fällen Schuld ist, wenn Hamburg wieder verliert. *sic*
Nein, Schuld hat hier ein Jugendlicher, der zum Lynch-Flashmob aufgerufen hat, Schuld haben die Jugendlichen, die zum Lynch-Flashmob gegangen sind, Schuld hat hier die BILD, die dieses abstruse Happening begünstigt hat.
...sacken lassen.

BILD weiß das meiner Meinung nach nur zu gut. Und genau deshalb gibt es keine Schimpftiraden gegen die "schlaffe Staatsanwaltschaft, die den Täter gehen lässt", sondern ein einfaches "er war es gar nicht". Würde BILD den Atem der Emdener Staatsanwaltschaft nicht im Nacken spüren, wäre noch mehr Polemik einher gekommen, eventuell mit einem ultimativen "Jetzt spricht der mutmaßliche Täter"-Interview.
Nein, BILD rudert zurück. Wahrscheinlich weil die Staatsanwälte in Emden noch Menschen mit Biss sind, die ihren Job machen und sich nicht vom weitverbreitetsten Klopapier Deutschlands reinreden lassen. Obwohl, der letzte Satz ist lediglich meine Spekulation.

Man denke einmal den undenkbaren Fall. Die Jugendlichen, die das Ganze noch als Spaß ansahen, wären in der Nacht aufgepeitscht worden. Durch den Initiator mit ein paar Hasstiraden, durch Alkohol, durch was auch immer. Nehmen wir an, sie hätten die Wache gestürmt. Nehmen wir auch an, der Verdächtige hätte dort gesessen, und nicht in U-Haft in einem Gefängnis. Nehmen wir an, die Beamten hätten Widerstand geleistet, wie es ihre Pflicht ist, und letztendlich von der Schusswaffe Gebrauch gemacht. Denken wir, wie es weiter gegangen wäre. Der losgelassene Mob wäre irgendwann vor der Zelle des Verdächtigen aufgetaucht, hätte ihn wie auch immer da raus geholt und auf offener Straße an einer Laterne aufgeknüpft.
Der Schaden: Ein toter Verdächtiger, etliche Tote und/oder Verletzte im Mob und unter den Polizisten und eine ganze Reihe Strafverfahren, die mit Kindesmissbrauch und Mord in Vertuschungsabsicht durchaus mithalten können.
Wie hätten die Schlagzeilen ausgesehen? Welche Stimme wäre am lautesten gewesen? Was wäre berichtet worden? Wie viele Leben wären zerstört gewesen?
Und was wäre gewesen, wenn am nächsten Tag verkündet worden wäre, die Vorwürfe gegen den Verdächtigen wären fallen gelassen worden, weil kein Tatbestand mehr bestünde?
Richtig, noch mehr Ermittlungsverfahren, und davon nicht wenige gegen Zeitungsverlage mit der Anklage der Aufhetzung.
...sacken lassen.

Leute, um es mal auf den Punkt zu bringen: In den USA sitzen ein paar tausend Menschen in den Todeszellen und warten auf ihre Hinrichtung. Etwa ein Drittel von denen, die schon hingerichtet wurden, sind im nachhinein rehabilitiert worden. Das ist das Problem bei etwas so endgültigem: Wenn jemand tot ist, hat er nichts mehr von seiner Rehabilitierung und von seiner wiedergewonnenen Freiheit.
Wir haben hier in Deutschland ein ganz klares Gewaltmonopol, und das liegt beim Staat. Der Staat sorgt im Zuge seiner Arbeit für eine gerechte Justiz, die ohne Anschauung der Person ihre Urteile fällt. Ist nicht perfekt, das System, zugegeben. Aber es ist weit besser als in einem totalitären Staat mal eben von der Straße zu verschwinden, weil einem Ermittler deine Nase nicht passt.
Um es auf den Punkt zu bringen: Wir haben in Deutschland in dubio pro reo - im Zweifel für den Angeklagten. Wir müssen dem Angeklagten beweisen, das er schuldig ist. Und wenn wir das nicht können, wird er nicht nur freigelassen, es gibt auch eine ziemlich gerechtfertigte Chance dafür, dass der ehemals Tatverdächtige unschuldig ist.
Das Recht in die eigene Hand nehmen sollte nur, wer auch bereit ist, anschließend selbst vor Gericht zu sitzen. Denn der Rechtsstaat behandelt immer alle gleich. Das schließt die Mitglieder eines Lynch-Flashmobs ebenso ein wie hetzende und polarisierende Reporter in Schundblättern.
Überlegt Euch das gut; in Emden sind wir an einer Katastrophe vorbei geschliddert. Aber es gibt keine Garantie, das sich das nicht doch wiederholt. Und dann ist eine Gewalthoheit ausschließlich bei der Polizei das Beste, was Deutschland hat.

Freitag, 9. März 2012

BILD sprach zuerst mit dem Weltfrauentag...

Tja, Sachen gibt's. Ich bin heute zufällig an einem Kiosk vorbei gekommen und habe einen Blick auf die BLÖD-Schlagzeile geworfen. Ich weiß, ich weiß, das sollte man besser nicht tun, aber es ist so nett zu wissen, dass all das aufgesetzte Gutmenschentum, das die BLÖD zu demonstrieren versucht, bei der erstbesten Gelegenheit doch wieder auf dem Götzenaltar der Auflage und des Boulevards geopfert wird.
So auch heute wieder, war doch der Header: "Weltfrauentag - BILD schafft das Seite 1-Girl ab."
...sacken lassen.

Wieder einmal beweist BLÖD, dass sie nichts verstanden hat.
Das klassische Seite 1-Girl, oder im eigentlichen Kontext, das Page 3-Girl (weil es im britischen Boulevard immer auf Seite drei erscheint), mag Hardcore-Feministinnen wie Frau Schwarzer ein Dorn im Auge sein (komisch nur, dass sie für BLÖD geworben hat. Sehr schizophren), aber generell ist weder der Frauenkörper an sich verdammenswert - oder verhüllenswert - noch ist es eine besonders schlimme Sache, eine Frau halbnackt oder nackt zu betrachten, sofern sie sich freiwillig (für eine angemessene Gage) auszieht und Fotos machen lässt. Manche werden jetzt vielleicht einwenden, dass das schon eine Form von Ausbeutung oder gar eine Vorstufe der Prostitution ist. Dem muss ich entgegenhalten, dass an der Nacktheit an sich nichts Verwerfliches ist. Wenn sich natürlich gewisse Medien dazu hinreißen lassen, solche Fotos mit falschen Biographien auzustatten, quasi als Feigenblatt für die Nackten, dann erreichen wir den Bereich des Verrats der eigenen Ambitionen. (Hihi, Ambitionen. Im Zusammenhang mit der BLÖD ist es ja schon Parodie, dieses Wort ernsthaft zu verwenden.)

Aber um auf mein Kernargument zurückzukommen, BLÖD hat nichts verstanden:
Gleichberechtigung hat nichts damit zu tun, dass die Zeitung das Seite 1-Girl abschafft (obwohl ich ehrlich gesagt selbst als ich noch in BILD hineingeschaut habe, nie ein Freund dieser Rubrik war), Gleichberechtigung bedeutet, der Seite -1 Girl einen Seite 1-Boy an die Seite zu stellen.

...sacken lassen.
Wenn die BLÖD also mit scheinbar progressiven Neuerungen auftrumpfen will, muss man ihr ganz klar zwei Dinge vorwerfen:
1)  Gleichberechtigung nicht verstanden?
2) Warum habt Ihr überhaupt Jahrzehntelang diese Rubrik unterhalten, wenn sie jetzt auf einmal abschaffenswert ist?
Fragen über Fragen. Aber nicht nur bei der BLÖD:

Das alles hat nämlich, liebe Gmx/Web.de-Redaktion nichts damit zu tun, dass die männlichen Leser der BLÖD nun ganz stark sein müssen.
Damit fischt die Redaktion in den gleichen trüben Gewässern wie BLÖD all die letzten Jahrzehnte. So gesehen vielleicht doch ganz nett, wenn BLÖD auf ein Klischee verzichtet. Mal sehen für wie lange...

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Aus gegebenem Anlass

Als langjähriger Manga-Leser, der noch die alten Tank Police-Alben aus dern Achtzigern im Schrank hat, als begeisterter Anime-Fan, der mit Captain Future, Pinocchio, Nils Holgerson, Wickie und vielen weiteren Anime aufgewachsen ist, möchte ich protestieren.
Um diesen Protest zu formulieren, verlinke ich hier auf den aktuellen Bildblog-Post und verweise auf die Erklärung von Nicole B. zum Tode ihres guten Freundes  Jonathan H. und seine Diffamierung in der BLÖD und Dresdner Morgenpost.
Ich gebe Nicole B. vollkommen Recht und bin angewidert von diesen Auswüchsen des Boulevards.
Selbst wenn alle Vorwürfe, die BLÖD und Dresdner Morgenpost gegen ihn erheben, wahr sein sollten (was ich nicht eine Sekunde glaube) - Jonathan H. ist das Opfer. Und Ihr habt ihn noch einmal getötet. Das ist unverzeihlich. Jegliche nicht-öffentlichrelevante Berichterstattung zu einem Gewaltverbrechen ist eine Verhöhung der Opfer. Aber was habe ich anderes erwartet?

Mit Respekt für Nicole B.s Mut, und vor dem Opfer, verbleibe ich angewidert von der Boulevard-Presse, ihrer schlechten Recherche und ihrer Sensationsgier.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Irre! BILD wundert sich über Kapitalflucht der Griechen ins Ausland.

Und suggeriert, wenn ich das richtig gelesen habe, dass die Griechen, die ihr Geld kurz vor dem Bankenkollaps "in Sicherheit" bringen, ihr Privatvermögen nicht ins Ausland schaffen dürfen, weil es ja "Griechen-Geld" ist, und das soll gefälligst im Land bleiben. Warum, frage ich mich. Soll das Geld verstaatlicht werden, um griechische Schulden zu bezahlen?
Hm, Deutschland hat auch Staatsschulden, daher finde ich diese Idee der BILD gar nicht mal so schlecht. Warum nicht auch hier? Verstaatlichen wir doch am Besten das Vermögen des Vorschlagenden, um unser Staatsdefizit auszugleichen. Ich meine, wenn BILD schon mal so eine Idee in den Raum stellt, dann ist dem deutschen Steuerzahler das Vermögen der Axel Springer AG mehr als willkommen.
...sacken lassen.
Einmal unabhängig davon betrachtet, wie die rund zweihundert Milliarden Euro zustande gekommen sind, ob es sich um die Privateinlagen der Kleinsparer handelt, oder um die eine oder andere Milliardärs-Million, grundsätzlich ist gegen die Verschiebung des Geldes, z.B. in die Schweiz rechtlich nichts zu sagen. Mag sein, dass hier die Superreichen Griechenlands, die die berühmten fünf Prozent ausmachen und eine Mitschuld an der griechischen Staatskrise tragen, ihr Geld retten wollen.
Mag sein, dass korrupte Ärzte, Anwälte, Architekten, Vorarbeiter, Vorstandschefs, Besserverdiener und Polizisten - auch die nicht korrupten - ihr Scherflein aus griechischen Banken heraus transferieren, bevor sie den Abflug machen, also die Banken jetzt.
Und mag auch sein, dass besagte Banken pleite gehen, weil ihnen nun zweihundert Milliarden fehlen: Es ist nicht strafbar. Korrupt zu sein durchaus. Aber sicher nicht, sein Geld ins Ausland zu schaffen.
Nach deutschem Recht muss auch im Ausland gewonnenes Vermögen in Deutschland versteuert werden. Ich denke, Griechenland ist da nicht viel anders. Wenn die Griechen also ihre Auslandsvermögenswerte gründsätzlich bei der Steuer korrekt angeben, sehe ich hier nur einen Grund für einen Bericht, nämlich dass dieser Aderlass der Banken die Wirtschaft weiter schwächen wird.

Abgesehen davon hält Egghats Blog eine Obergrenze für zweihundertachtzig Milliarden Euro griechisches Auslandsvermögen für realistisch.
Das macht etwa vier Fünftel des Brutto-Inlandsprodukts aus.
Das Geld, über das BILD also berichtet, wird nicht gerade im Moment ins Ausland geschafft, sondern wurde dort schon zuvor investiert. Solange diese Vermögen angemeldet sind, und die Steuern auf die Verzinsung entrichtet wird, ist auch hier alles im grünen Bereich, (Egghats Blog hält etwa 2,6 Milliarden Euro Schwarzgeld für möglich) und es bleibt wieder nur der von mir identifizierte Wunsch der BILD, privates Vermögen zu verstaatlichen. Nicht unbedingt das der Superreichen, nicht die Vermögen der Korrupten (Griechenland hat sehr unter der über Jahre etablierten Korruption zu leiden), nein, es muss das Vermögen "der Griechen" sein.

Es wurde über Griechenland viel geredet und viel diskutiert, und die BILD hat dabei viel gehetzt; zwei ihrer Schmierfinken, die man auch noch Journalisten nennen muss, haben für ihre Hass- und Panik-Kampagne auch noch einen Preis bekommen. Aber zu fordern, dass Privatvermögen herhalten sollen, um Staatsschulden auszugleichen... Ist das nicht durch und durch und in jeder Form... Kommunistisch? Wandelt sich also die alte Mitte-Rechts-Einpeitscherin BILD jetzt in das Kampfblatt der Weltrevolution?
Wohl eher nicht. BILD reitet alles, was sie satteln kann, und wie immer ist sie sich für kein Thema zu schade. Schade ist einzig und allein, dass es Leute gibt, die ihr alles nachplappern.
...sacken lassen.

Bringen wir es mal auf den Punkt. Griechisches Schwarzgeld im Ausland bedeutet die gleichen Probleme wie für Deutschland. Es wird nicht versteuert, der Staat, und damit der Bürger, hat nichts davon. Angemeldetes griechisches Vermögen im Ausland hingegen wird versteuert, der Staat kriegt seinen Anteil, und leistet somit seinen Teil für die Entschuldung des Staates. Griechisches Kapital im Ausland würde auch ein Bankensterben überstehen und hinterher dem Staat weiterhin frisches Kapital einbringen. Und das scheint die einzige Überlebensstrategie für Griechenland zu sein, das von amerikanischen Rating-Agenturen niedergeratet wird, durch Put-Optionen der Investoren-Haie beschossen wird, und dann auch noch schlechte, ungerechte und einseitige Presse kriegt. In Deutschland zum Beispiel, durch die Axel Springer AG.
Um es mit den Worten von Peter Scholl-Latour zu sagen: "Griechenland ist nicht groß und wichtig genug, um deshalb den Euro zu riskieren."
Ich neige dazu, eher diesem großen Journalisten zu vertrauen als den Tintenklecksern von BILD mit ihren Endzeitszenarien.


Und wenn ich schon mal dabei bin: FOODWATCH steht in der Zeitung, und ich finde absolut keinen Grund, die Organisation für ihre neuesten Ansichten zu kritisieren.
Wenn FOODWATCH sich dagegen ausspricht, dass Stiftungen und Fonds in der Lebensmittelbranche investieren und damit Hedgefond-Managern das Kapital in die Hand geben, um Lebensmittel weltweit durch die im Ölgeschäft leidlich bekannten Verbrechen namens Termingeschäfte zu verteuern, und damit Hungersnöte auslösen, dann kann ich FOODWATCH nur Recht geben. Auf der einen Seite gibt es genügend Lebensmittel für alle, aber internationale Finanzwilderei treibt die Preise so in die Höhe, dass die Menschen im Angesicht der Reissäcke verhungern, weil sie sie sich nicht mehr leisten können.
Es ist nicht das erste Mal, dass mit Termingeschäften Nahrung künstlich verteuert wird und z.B. afrikanische Staaten in soziale Unruhen geworfen werden, weil die Rendite wichtiger war als die Menschen. Erst 2008 haben wir das erlebt. Bitte nicht noch mal. Termingeschäfte an sich müssen global verboten werden.

Was ist ein Termingeschäft? Hm, ich bin kein Ökonom, wohl aber Kaufmann, deshalb mein kurzer Abriss zum Thema.
A kauft Erdöl, sagen wir von B. Es geht um die Summe X. Aber das Erdöl wird erst in der Zukunft wirklich gekauft und bezahlt werden. Bis dahin ist es nur in der Bilanz verkauft worden. Aber in der Öl-Produktion des Landes von B wird das Erdöl schon als verkauft heraus gerechnet. Was passiert also: Das Öl ist noch nicht einmal gefördert, geschweige denn bezahlt, aber die Summe X fehlt bereits in der Produktion.
Was wissen wir aus dem kaufmännischen Unterricht? Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Das Angebot wurde um die Menge X verringert, zwar noch nicht bezahlt und auch nicht ausgeliefert, aber das ist dem Markt leider egal. Das Angebot sinkt bei gleicher Nachfrage. Ergebnis: Der Preis steigt.
Nun bezahlt A das Öl und verkauft es für den künstlich erhöhten Preis weiter. Schon hat er durch das Termingeschäft einen besseren Gewinn gemacht.
Natürlich gibt es bei Termingeschäften das Risiko, dass genau das Gegenteil geschieht, nämlich das der Preis fällt, und A das schlechte Geschäft macht. Aber je mehr finanzstarke Investoren sich den Termingeschäften anschließen, desto mehr sinkt die Ölmenge auf dem Markt, und desto höher klettert der Preis.
Das ist mit uns und dem Erdöl in den letzten Jahren geschehen.
So war es aber auch 2008 bei den Lebensmitteln, und so wird es augenscheinlich 2011 wieder bei den Lebensmitteln sein.
Wenn wir Termingeschäfte also verbieten, dann verhindern wir eine künstliche Verknappung der Rohstoffe, und damit eine künstliche Erhöhung der Preise, die wir alle auszugleichen haben. Schätze, es wird Zeit für die Politik, ein paar der Kapitalisten-Haifische da draußen zu schlachten...

Mittwoch, 7. September 2011

Ich wollte doch nur den Rechtsstaat retten...

Wenn ich Mittwochs im Aldi einkaufen gehe (ehrlich, ich habe kein Problem, das zuzugeben), dann zieht es mich magisch immer wieder an den Zeitschriftenstand. Ich werfe dann den kategorischen Blick auf die BILD-Schlagzeile.
Heute prangte dort: "Ich wollte doch nur ein Kind retten!" Untertitel: "Jetzt spricht der verurteilte Polizist im Fall Dennis."

...sacken lassen. Um die Sache mal kurz in Erinnerung zu rufen, der damals neunjährige Dennis war entführt worden. Als der Täter gefasst wurde, war der Junge bereits tot. Die Ermittler wussten das zu dem Zeitpunkt aber nicht, und schließlich drohte einer der Beamten mit Folter, was den Täter dazu bewegte, einen - falschen - Aufenthaltort des Jungen preis zu geben.
Nun gab es einen Prozess, in der die angedrohte Folter Gegenstand der Verhandlung war.
Und es gibt die BILD mit ihrer ganz eigenen Meinung, was rechtens ist und was nicht.

Aber egal, ob der Junge zu dem Zeitpunkt schon tot war oder noch hätte gerettet werden können, über die Grausamkeit und die Perfidität der Tat bestehen keine Zweifel und sicher auch keine mildernde Umstände. Der Mann hat jedes Jahr, das er in Resozialisierung verbringt, auch verdient.
Was aber den Polizisten angeht, so wusste er im Gegensatz zur BILD sehr genau, was der Rechtsstaat ist und welche Gesetze er gerade gebrochen hatte. Da mag sich die BILD ruhig Seitenweise empören, Telefon-Teds schalten und jammern und lamentieren, es ändert nichts an den Fakten.
Dass BILD den Rechtsstaat gerne so sieht wie sie ihn braucht, das haben wir ja alle gesehen, als sie KTG verteidigt hat, selbst als der Ausmaß seines Betruges bereits erwiesen war. Damals war die Beugung des Rechtsstaats ja "nicht so schlimm", weil "so einen guten Politiker kriegen wir nie wieder".
Diesmal hat BILD ernsthafte Probleme damit, zu verstehen, dass Recht und Gesetz auch für Polizisten gilt. Nicht ungewöhnlich, denn diese Zeitung glaubt ja oft genug, dass sich Deutschland nach ihr zu richten hat, und nicht umgekehrt. Und viel zu oft hat sie auch noch Recht damit, wenn die anderen Medien hemmungslos und ohne Recherche aus der BILD zitieren.

Aber der Polizist, der muss sich doch bewusst gewesen sein, dass die Drohung wie ein Bumerang auf ihn zurückschlagen würde. Immerhin musste man ja annehmen, dass dieser Beamte, wenn er einmal damit durchkommt, erneut Folter androht oder sogar durchführt, und das vielleicht bei einem Bagatelldelikt oder einem Unschuldigen.
Er musste gewusst haben, dass der Justiz gar nichts anderes übrig bleibt, als ihn zu bestrafen. Warum jammert er jetzt also? Warum ist das BILD eine Schlagzeile wert?
Frage eins: Keine Ahnung, vielleicht wurde er bequatscht.
Frage zwei: Weil es die BILD nicht schert.
Bis zu diesem Punkt kann man mit der Androhung von Folter nicht einverstanden sein, denn schließlich ist das hier nicht der CIA und nicht Amerika. Aber man hätte den persönlichen Mut des Ermittlers anerkennen können, der seinen Beamtenstatus, seinen Beruf für diesen Jungen riskiert hat. Der in vollem Bewusstsein der bevorstehenden Konsequenzen das Recht gebrochen hat und auch bereit war dafür gerade zu stehen.
Nun fiel die Strafe eher milde aus - ihm wurden zehntausend Euro abverlangt. Es hätte ihn weit schlimmer treffen können. Vielleicht ließ er sich deshalb bequatschen und für eine BILD-Schlagzeile missbrauchen. Viel Geld weg, aber Pension sicher.
...sacken lassen.
Wenn sich der Beamte aber gar nicht bewusst war, was er da angedroht hat, und was die Folgen davon sein würden, was der Rechtsstaat in seinem Fall tun würde, dann frage ich mich, ob er bei der Polizei am richtigen Platz ist. Wir brauchen keine Sheriffs in Deutschland, sondern Kommissare.

Das Gesetz ist in Deutschland für alle gleich, für Dich, für mich, für Polizisten, ja, auch für skrupellose Kindermörder, auch wenn BILD das nicht wahrhaben will.
Und auch das ist ein Trost: Diese Gesetze gelten auch für BILD.
Und das ist auch gut so. Ein Zwei Klassen-Gesetz würde uns normale Bürger nämlich zuallererst in die falsche Klasse dieses Gesetzes schieben, und da will ich nicht hin. Also, BILD, bitte nicht schon wieder Stimmung gegen Rechtsstaatlichkeit machen - womöglich gibt es sonst eine Facebook-Gruppe für Folter im Polizeidienst, die fünfhunderttausend Fans hat...


Edit am 05.10.: Gerade in der Vorankündigung gehört: Der gute Polizist hat ein Buch zum Thema geschrieben.
Da frage ich mich doch drei Dinge.
1) Wie zum Henker kann man ein Buch füllen mit der Frage, ob man in einem Rechtsstaat einem Kindesentführer mit Folter drohen darf?
2) War die ganze Schlagzeile in der BILD also nur der Aufhänger für eine Buchverkaufskampagne, wie wir sie schon so oft erlebt haben? Für Bohle, Lahm, Sarazin, Beispielsweise?
3) Was kostet der Schinken überhaupt, und wer ist bereit, dafür Geld auszugeben?

Montag, 6. Juni 2011

1111 - schon wieder, und Diverses

Was soll ich sagen, außer danke? Nun hat bereits der fünfte Storyblock von mir auf Fanfiktion.de, die Fanfiction Full Metal Panic!: Nordatlantik diese Schnapszahl an Aufrufen erreicht. Natürlich, es ist nur eine Fanfiction, nur die Handlung und einige Charaktere sind von mir, und Kanon ist es schon mal gar nicht. Aber Spaß hat es gemacht, dafür zu schreiben, und Spaß wird es mir auch in Zukunft machen. ^^
Also bleibt mir treu und lest mich weiterhin.


Kommen wir nun zu etwas anderem. Kommen wir zu EHEC.
Wie mir meine Tageszeitung vermelden konnte, sind zwei Ereignisse eingetreten: Einerseits ist der Verkauf von frischem Gemüse und - erstaunlicherweise - frischem Obst durch die EHEC-Geschichte eingebrochen; andererseits wurden bis jetzt einundzwanzig Todesfälle durch EHEC gemeldet.
Okay, noch mal ordentlich sacken lassen. Was haben wir hier? Wir leben in einem Land, das im Jahr in der Grippezeit zwischen fünftausend und fünfzehntausend Tote hat - durch die Grippe. Nun aber gibt es im Moment einundzwanzig Tote durch EHEC, genauer gesagt durch HUS, das hämolitisch-urämische Syndrom, einer schweren Folgeerkrankung mit blutigem Durchfall, Fieber, Erbrechen, Darmkrämpfen und weiteren nicht so schönen Begleiterscheinungen, ja, bis hin zum Tod.
Das ist alles nicht sehr schön, um nicht zu sagen eine sehr hässliche Geschichte, vor allem für die Toten und die HUS-Patienten.
Aber schauen wir doch mal auf die Verhältnismäßigkeit. In der Berichterstattung hieß es, dass die Kliniken wegen der vielen HUS-Fälle an ihre Kapazitäten stoßen.
...sacken lassen.
Nun befinden wir uns in einem Land, das dieses Jahr mindestens fünftausend Tote durch Influenza haben wird. Wie viele Erkrankte braucht es, um auf diese Zahl zu kommen? Wie viele schwere Fälle, wie viele Menschen auf Intensivstation?
Okay, seien wir unwissenschaftlich-aggressiv und behaupten wir vollkommen aus der Luft gegriffen: Die Hälfte aller Toten stirbt allein zu Hause, die Hälfte stirbt auf der Intensivstation. Weitere Intensiv-Fälle gibt es nicht. Ist natürlich vollkommen falsch, zugegeben. Aber wir haben jetzt zweitausendfünfhundert bundesweit belegte Plätze auf Intensivstationen im Vergleich zu wie vielen HUS-Fällen? Dieser Artikel, der sich auf das Robert Koch Institut beruft, kommt auf 486 HUS-Fälle von Schleswig-Holstein bis Niedersachsen. Und jetzt sollen norddeutsche Kliniken DAVON an den Rand ihrer Kapazität getrieben worden sein? Wenn das der Wahrheit entspricht, Herrschaften, dann graut mir vor der nächsten Grippe-Saison. Oder vor der nächsten tödlichen Killerkrankheit, die uns laut der Medien bedroht...

Mein Fazit zu EHEC und HUS-Syndrom: Noch einmal an dieser Stelle, ich will weder die Infizierten, die mittlerweile Genesenen, und auf keinen Fall die Toten und ihre Angehörigen beleidigen oder herab würdigen. Und bei knappen fünfhundert HUS-Fällen auf einundzwanzig Todesfälle zu kommen, beweist eine sehr ernste und gefährliche Erkrankung. Ein Schelm würde das nun relativieren, und statt der HUS-Fälle die EHEC-Infektionen als Maßstab heran ziehen, aber Schwamm drüber. Auf jeden Fall ist die öffentliche Berichterstattung maßlos übertrieben. Es treibt tatsächlich so etwas wie die "German Angst" durch den Blätterwald. Natürlich nicht durch die Redaktionskantinen von BILD und Konsorten, aber durch die Chefbüros. Nämlich die Angst, dass EHEC zu harmlos ist, keine reißerischen Schlagzeilen mehr verspricht und damit keine Auflagensteigerung mehr herbei führt.
Doch bis dahin passiert das, was ich heute gehört habe: Eine mir persönlich bekannte Verkäuferin sagte mir heute, ihre Tochter würde ihre Kinder kein Obst und kein Gemüse mehr essen lassen... So weit ist es also schon gekommen, dass wir KINDERN die fürs Wachstum notwendigen Vitamine und Mineralien vorenthalten, weil die German Angst wieder einmal unrational macht.

Leute, kommt mal wieder runter! Wir haben es mit einem Bakterium zu tun! Einem Bakterium! Und die Biester sind ganz leicht in Schach zu halten! Sie sterben bei Temperaturen über siebzig Grad ab; sie sind nicht IM Gemüse, sondern AUF dem Gemüse, und gründlich geputztes Gemüse ist garantiert EHEC-frei. Und zuguterletzt, Ihr Freunde der German Angst, Ihr gläubigen Anhänger der Panik-Presse, Ihr, die Ihr so gerne in der Panik badet: Schmeißt das Gemüse in die Mikrowelle. DAS übersteht auch kein Bakterium. Und nochmal, es geht hier um Gemüse, NICHT um Obst.
Ich gehe derweil rohes, ungewaschenes Gemüse essen.
Weil ich es kann.

Noch eine kleine Reflektion zum Thema: Meine Cousine hat mir erzählt, HUS würde gar nicht durch Bakterien ausgelöst werden, sondern das käme wegen der radioaktiven Strahlung von Fukushima, die sich überall in Deutschland abgesetzt hätte, und von der uns die Regierung nichts verraten kann, um keine Panik zu schüren.
Meine liebe Cousine, abgesehen davon, dass es überall in Deutschland öffentliche und private Geigerzähler gibt, die einen entsprechend hohen Anstieg der Radioaktivität vermeldet hätten, sind die Fallzahlen für eine radioaktive Verseuchung mit blutiger Darmerkrankung viel zu gering. Wäre dies tatsächlich der Fall, dann müssten wir zehntausende Fälle haben. Und das nicht bundesweit. Selbst wenn nur besonders empfindliche Menschen auf die Radioaktivität reagieren würden, kämen bei zweiundachtzig Millionen Bundesbürgern doch erheblich mehr Fälle zusammen.
Also, die Radioaktivität aus Fukushima ist es nicht, sei unbesorgt.


Nächster Punkt, wo wir gerade schon mal Fukushima erwähnt haben.
Ich stelle jetzt mal eine Denksportaufgabe, und ich möchte, dass Ihr sie gründlich lest, darüber nachdenkt, und dann noch einmal überlegt, ob Ihr meinem Fazit zustimmt.
Also, los geht's. Ich bin Obstlandwirt und baue Äpfel an. Im Schnitt produziere ich pro Ernte achttausend Tonnen Äpfel. Der Haken ist leider, der Markt nimmt mir nur siebentausend Tonnen ab. Ich habe also eine Überproduktion von eintausend Tonnen Äpfeln. Was tue ich also? Stampfe ich eintausend Tonnen Äpfel ein, oder versuche ich sie anderweitig los zu werden? (Alle, die jetzt denken, warum verkauft er sie nicht an eine Apfelmus-Fabrik, kriegen einen Bonuspunkt fürs Mitdenken, müssen sich aber wegen Störung des Unterrichts setzen und kriegen eine Sechs.)
Nein, da ich mehr Äpfel auf den Markt bringe, als er mir eigentlich abnehmen will, versuche ich das Kaufinteresse künstlich zu steigern. Das geht am Besten über den Preis. Denn wenn ich beim jetzigen Preis schon siebentausend Tonnen los werde, könnte ich bei einem günstigeren Preis auch die achttausend Tonnen verkaufen. Und ich verdiene immer noch besser daran, wie als wenn ich den Überschuss verrotten lassen müsste.
Mein Fazit: Angebot und Nachfrage regeln den Markt. Im Moment biete ich ein Überangebot, das über der Marktnachfrage liegt, und deshalb fällt der Preis. Können mir soweit alle zustimmen? Gut. Wer mir nicht zustimmen will, der wird beim Weiterlesen keine Freude haben, und ich verabschiede mich von ihnen.

Kommen wir jetzt zum Punkt, der mit Fukushima zu tun hat: Atomstrom.
Atomstrom machte bis vor Kurzem rund fünfundzwanzig Prozent unseres "Energiemixes" aus. Nun sind sieben Kraftwerke abgestellt, was die Stromleistung auf unter zwanzig Prozent schraubt. Dennoch müssen wir keinen Strom importieren. Wieso nicht? Weil die Energieleistung der abgeschalteten Kraftwerke ungefähr der Strommenge entspricht, die unsere großen vier Stromkonzerne ins europäische Ausland verkaufen.
Moment Mal, werden jetzt hoffentlich einige sagen, wieso verkaufen sie den Strom nicht hier in Deutschland, wenn er doch hier produziert wird? Und warum entsteht durch das Überangebot eigentlich kein Preisverfall? Warum wird Strom nicht billiger, wenn mehr produziert wird als der Markt abnehmen will?
Tja, das ist eine gute Frage. Der ich noch eine weitere hinzu fügen möchte: Warum bezahlen wir den vierthöchsten Strompreis in Deutschland, obwohl wir immer noch zwanzig Prozent "billigen" Atomstrom haben?
Auf alle Fragen im Detail einzugehen fehlt mir heute die Lust und die Zeit. Außerdem habe ich genau zu diesem Thema schon oft genug gebloggt. Aber ich möchte trotzdem noch mal auf die unglaubliche Dreistigkeit der Stromkonzerne verweisen, die den Staat ihren Atommüll teuer entsorgen lassen, die uns in Deutschland zugunsten ihrer Aktionäre teuer für das eigentlich billige Produkt Strom bezahlen lassen (weil sie ohne die verbotenen Kartellabsprachen einfach einig sind, dass Strom nicht billiger sein darf - der Nachteil eines Oligopols, eines von wenigen Mächtigen beherrschten Marktes), und die jetzt auch noch jammern, um Deutschland noch ein paar Subventionsmilliarden aus den Rippen zu schneiden, weil der Atomausstieg so "teuer auf ihren Kassen lastet".
Und gewisse Zeitungen wie z.B. die mit den vier großen roten Buchstaben, die sich immer als "Vertreter Volkes Stimme" auftut, haben nichts Besseres zu tun, als den Stromkonzernen regelrecht die Stiefel zu lecken und ihre Propaganda zu verbreiten. Ein unwürdiges Schauspiel, mindestens ebenso unwürdig wie Muberkels Umfaller in der Atompolitik.
Um das Ganze würdiger zu gestalten, müsste einer der Oligopol-Partner wie EON ausreißen, eigenmächtig die Preise senken, in Konkurrenz treten um weitere Marktanteile abzuschöpfen, was auch die anderen Großkonzerne zwingen würde, den Preis zu senken, um konkurrenzfähig zu sein. Das würde eventuell einen Preis produzieren, der angemessen wäre. Günstiger würde es in jedem Fall werden.
Und wenn wir schon mal dabei sind: Die Entsorgung des Atommülls als indirekte Steuer, der künstlich hoch gehaltene Preis durch das Strom-Oligopol und das zukünftige Gejammer um Ausgleichszahlungen wird uns weit mehr kosten, als es die Subventionen für Solarstrom jemals werden.
Ja, auch wenn es einigen weh tut, wenn ich das sage, aber der teure Strompreis entsteht nicht wegen der Solarkraft. So viel können wir gar nicht subventionieren, um auf diese Preise zu kommen. Und das ist traurig genug.


Und dann war da ja noch der Fall Kachelmann mit dem "Freispruch Zweiter Klasse".
Meine Meinung dürfte jedem, der meinen Blog liest, bekannt sein. Doch ich erwähne es hier noch einmal: Ich halte Kachi für unschuldig, und das nicht weil BILD und Focus ihr Bestes getan haben, um das gegenteilige Bild zu suggerieren, sondern weil ich von "ihrer" Geschichte von Anfang an nicht überzeugt war.
Nun geistert aber vor allem durch die Springer-Medien die Mär vom Freispruch Zweiter Klasse. Also einem Freispruch, der weniger wert ist.
...sacken lassen.
Im letzten Jahr hat, begonnen mit der an Willkür erinnernden Verhaftung, der viel zu langen U-Haft und der herzlosen, zügellosen Berichterstattung in den Medien über Kachis Privatleben, eine unwürdige Szenerie ihren Anfang genommen. Bis hin zu jenem Punkt, dass sich über ein Dutzend Frauen gemeldet hat, das "ebenfalls eine Affäre" mit dem Wettermoderator hatte oder gehabt haben wollte. Lanciert von Käseblättern, Klatschzeitungen und der BILD kamen viele (eventuell für Geld) von ihnen auch zu Wort. Dazu wurden intime Details, illegalerweise Ermittlungsergebnisse und jede Menge Falschinformationen durch die Presse gejagt.
Wie gesagt, ich halte Kachi für unschuldig, und sehe in der Nebenklägerin ob der m.E. selbst zugefügten Wunden, ihren Verstrickungen in den Vernehmungen und vor Gericht tatsächlich eine Frau, die auf Rache aus war. Nicht Rache für eine Vergewaltigung, sondern für ein verdorbenes Leben, was man Kachi durchaus vorwerfen könnte. Das Allheilmittel "Vergewaltigung" war dafür allerdings in Verbindung mit einem übereifrigen Staatsanwalt die denkbar schlechteste Methode. Denn nun ist zwar Kachis Reputation durchaus schwer beschädigt udn sein Privatleben in Konfetti zerschrotet worden. Aber der Freispruch Zweiter Klasse, tja, der hat ihr ungeplanterweise ebenso geschadet. Da half auch kein schickes Halstuch, das übrigens über der Stelle lag, wo sich ein Schnitt mit einem Messer befinden sollte...
Die großen Verlierer dieses Rechtsstreit sind die Privatleben, die Emanzipation der Frauen, Vergewaltigungsopfer, die ordentliche Presse, Nebenklägerin und Angeklagter, die Staatsanwaltschaft, die Richter, aber nicht die Boulevard-Presse, die ja wieder was zum berichten hat. Traurigerweise. Aber solange sie gekauft und gelesen werden, werden diese Schundblätter ihre Berichterstattung auch nicht ändern.
M.E. geht es hier nicht um einen Freispruch Zweiter Klasse (den es so im Strafgesetzbuch auch gar nicht gibt), sondern um einen Prozess Zweiter Klasse, der für alle Beteiligten - abgesehen vom zerstörten Privatleben - noch glimpflich ausgegangen ist. Besonders für Staatsanwaltschaft und Nebenklägerin. Letztere wird sich nicht wegen Meineid und Vorspiegelung einer Straftat verantworten müssen, erstere werden nicht wegen Amtsmissbrauch selbst angeklagt. Denn das wäre die Konsequenz gewesen, wenn das Gericht nicht "in dubio pro reo" auf Freispruch entschieden hätte, sondern weil es von der Unschuld Kachis überzeugt gewesen wäre und in der Version der Nebenklägerin eine dreiste Lüge gesehen hätte.
...sacken lassen.

Welchen Nutzen können wir als Leser daraus ziehen? Nun, es muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er oder sie einen Nutzen aus dieser Gerichtsverhandlung Zweiter Klasse ziehen kann. Ich persönlich sehe da schon einen Nutzeffekt: Ich weiß wieder, warum ich die BILD nicht lese, und ich werde in Zukunft effektiv den FOCUS meiden, und dazu jedes Klatschblatt von GALA über Goldenes Blatt bis BILD. Und wenn wir schon bei verlorener Reputation sind: Frau Alice Schwarzer, einstmals die Vorreiterin für Gleichberechtigung wirbt jetzt nicht nur für BILD, sondern spannt sich freiwillig vor ihren Propagandakarren. Damit sind auch Frau Schwarzers Glaubwürdigkeit und die EMMA die Verlierer in diesem Prozess.


So, das ist doch wieder mal viel mehr geworden als ich eigentlich vorgehabt habe zu schreiben; tatsächlich wären das letzte Woche vier Blogeinträge geworden, wenn ich sie heute nicht gerafft hätte. Aber egal. Ich habe ohnehin den Verdacht, dass mein Blog besser bei Euch Lesern ankommt, wenn ich mindestens zwei Themen behandle.
Wie immer freue ich mich auf Eure Kommentare, Eure Klicks in den Kästchen oder einfach nur Euren Besuch.

Apropos Klicks in Kästchen: In meinem Post über Homöopathie hatte ich zwei Nicht mein Ding-Kästchen, und sechs im Kein Kommentar, aber ich war hier.
Herrschaften, wenn Ihr mir etwas zu sagen habt, wenn Ihr über Nutzen und Wert von Homöopathie mit mir streiten wollt, Ihr wisst wo Ihr mich findet. Ich bin immer bereit mich belehren zu lassen, und ich nehme gerne neue Informationen an. Andererseits bin ich aber auch kein wankelmütiger Strohhalm. Aber wer die Diskussion scheut, kann von seinem Standpunkt nicht sehr überzeugt sein, glaube ich.


Nachtrag um 18.00 Uhr: Noch eine Sache, dir mir auf die Nieren schlägt, seit ich sie in der Zeitung gelesen habe.
Es gibt da eine Partei, nennen wir sie mal CDU. Die hat den kompletten Atomausstieg so mir nichts, dir nichts in den Wind geblasen und den großen Stromkonzernen damit eine nahezu steuerfreie Gewinnspanne von mehreren Milliarden Euro im zweistelligen Bereich verschafft. Damit ist sie SPD und den Grünen natürlich schön vor den Karren gefahren. Jetzt, nach Fukushima, bemüht sich die gleiche Partei, aus welchen Gründen auch immer, um den erneuten Atomausstieg, und das so ziemlich zu dem Termin den Rot/Grün bereits vereinbart hatte.
Jetzt kommt der Hammer: Prompt lässt die CDU-hörige Presse nichts unversucht, um das als ERFOLG zu werten und zu behaupten, die CDU wäre jetzt grüner als die Grünen.
Nach dem Motto, die CDU hätte erreicht, was dreißig Jahre lang das Kernanliegen der Grünen gewesen sei, wird jetzt ein Erfolg, ein Triumph herbeigeredet, und so auch versucht, die abtrünnigen CDU-Wähler, die die Grünen gewählt haben, wieder umschwenken zu lassen.
Hat man jemals einen größeren Quatsch geschrieben? Die CDU hat nicht den Grünen ihre Kernkompetenz genommen, sie ist schlicht und einfach opportunistisch einer Gelegenheit nachgelaufen und hat ein Thema aufgegeben, das sie wahrscheinlich ohnehin nicht hätte durchdrücken können. Nicht wenn der Bundesrat ein Mitspracherecht gehabt hätte, und wofür auch geklagt worden wäre. Nein, hier ist keine neue CDU-Kompetenz entstanden, sondern es hat sich wieder einmal die Richtungs-, Plan, und Ziellosigkeit der CDU unter Muberkel gezeigt.
Liebe CDU, Eure abtrünnigen Wähler waren so schlau, die Grünen zu wählen. Denkt Ihr wirklich, die würden so ein offensichtliches Manöver nicht durchschauen? Soviel also zur Ökokompetenz der CDU.


Nachtrag am Dienstag, dem 07.06.2011: Das JakBlog befasst sich ebenfalls mit dem Thema Hysterie um EHEC, und wie ich finde, trotz einiger Fehler recht gut. Ich empfehle dabei allerdings allen meinen Lesern, auch einen Blick in die Kommentare zu werfen, wo mit diesen Fehlern durchaus ruppig umgesprungen wird.
Aber was bleibt ist unsachgemäße Medienhysterie im Fall von EHEC. Man muss NICHT gleich von Killerkeimen von Killerspanischen Killergurken schreiben, wenn das RKI zu abwaschen, schälen und kochen rät. Am Bedrohlichsten sind m.E. die BILDiesken Züge, die unsere Medienlandschaft im Zuge des Hysteriehypes annimmt.

Samstag, 16. April 2011

Idiotenfalle BILD... Und andere Dummheiten.

Gestern war ich einkaufen. Im Supermarkt. Wie der Zufall es wollte, blieb ich bei den Zeitschriften stehen, um ein paar Schlagzeilen zu lesen, und um mich über den Header der BILD zu amüsieren. Diesmal war daran nichts amüsant. Diesmal war die Schlagzeile... Ich weiß nicht. Soll ich hier sarkastisch, ironisch, parodistisch oder ehrlich empört weiter machen? Ich kann es nicht sagen.
Doch zuerst die Fakten. Die Schlagzeile lautete: "Todesfalle Facebook".
Und im Text darunter wurde man belehrt, dass eine junge Frau von einem Internetbekannten getötet wurde, den sie auf Facebook kennen gelernt und anschließend getroffen hatte.
...sacken lassen.
Ich muss zugeben, für die junge Frau hat die Schlagzeile vollkommen Recht. Für sie wurde Facebook zur Todesfalle. Sie ist tot. Und nun?
...sacken lassen.
BILD geht mal wieder plakativ vor. Facebook, wegen seiner Informationspolitik ohnehin ein beliebtes Ziel ausgerechnet der Meinungsfreiheit und Rechte am eigenen Bild nicht besonders hoch schätzenden Zeitung, wird hier drangsaliert. Und das vollkommen zu Unrecht.
Was ist mit VZ? Was mit MySpace? Friendfinder, lokalen Chats, bundesweiten Foren, ja, auch den Foren von BILD.de? Was gibt der BILD das Recht, ausgrechnet Facebook plakativ zur Todesfalle zu erklären? Und zwar so, dass es wie eine allgemeine Erkenntnis aussieht, und sich nicht nur auf diesen einen Fall bezieht? Was hat Facebook, was all die anderen Communitys nicht haben? Eine aufregende Todesfallstatistik vielleicht?

Im Bild.de-Artikel wird jedenfalls kein Grund dafür genannt, warum Facebook jetzt eine allgemeine Todesfalle sein soll, wie der Titel suggeriert.
Keine Zahlen, keine Statistiken, keine Vergleiche zu früheren ähnlichen Fällen und Opfern auf Facebook, nichts. Kein Hinweis auf Opfer in anderen Communitys. Und auch kein Hinweis auf die Opfer jener Menschen, die ihre Täter im Real Live kennen gelernt haben, wie dieser Blogger im Ich sag mal deutlich macht.

Keine Fakten, nix zu kauen, ein Opfer, das gestorben ist, und nun noch mal drangsaliert wird - von BILD. Ihr Foto ist unverpixelt auf der Homepage zu finden, und da vermisse ich - nicht zum ersten Mal - den Respekt der Redaktion vor der Toten. Falls es überhaupt das richtige Foto ist, denn die BILD ist bekanntermaßen nicht sehr kleinlich dabei, wenn es darum geht, überhaupt ein Foto zu veröffentlichen.
Mein Fazit: Todesfalle Facebook-Hysterie.


Kommen wir zu etwas vollkommen anderen, kommen wir zu Dirk Ippen, Journalist, Verleger und Zeitungsbesitzer.
Dieser schrieb heute im Kommentar (und damit im überregionalen Teil) der LDZ über die Energiewende der Bundesrepublik und bediente auf dreiste und meine Intelligenz beleidigende Weise die Stromlobby. So schreibt er unter anderem, dass es weltweit über fünfhundert Kernkraftwerke geben würde, die Strom produzieren, weitere würden hinzu kommen, und die Welt würde den Kopf darüber schütteln, dass Deutschland einen Alleingang beim Ausstieg macht.
...sacken lassen.
Herr Ippen, das ist so nicht richtig. Laut Wikipedia waren mit Stand 2009 438 Reaktorblöcke in Betrieb. Selbst Kernenergie.de schreibt für 2010 von 438 Kernkraftwerken. Herr Ippen, haben Sie etwa all jene stillgelegten und noch nicht abgebauten Kernkraftwerke, oder jene die nie in Betrieb gegangen sind, mitgezählt? Oder mangelt es einem alten Hasen wie Ihnen an richtiger Recherche, wenn ein blutiger Amateur wie ich auf einer Befürworterseite und einer neutralen Seite seine Zahlen zweimal bestätigt bekommt? Das ist Polemik oder wirklich schlechte Recherche. Das sollte einem alten Hasen nicht passieren - außer er schreibt seinen Kommentar im Sinne von Lobby-Arbeit.

Dazu kommen, einmal losgelöst von Herrn Ippens Kommentar, zwei wichtige Fakten: 1) Die Neubauten von Atomkraftwerken können jene Kraftwerke, die aus Altersgründen vom Netz genommen und wieder abgebaut werden nicht annähernd ersetzen.
Greenpeace schreibt hierzu: "Atomenergie hat einen Anteil am weltweiten Primärenergieverbrauch von etwa sechs Prozent, Tendenz sinkend."
2) Die ZDF-Sendung WISO räumt mit dem Argument des billigen Atomstroms auf. Fakten, die ich seit langem kenne und von vielen Seiten bestätigt bekommen habe. Und wir reden hier von Vergünstigungen an die Atomlobby, bevor überhaupt ein Cent für die Endlagerung bezahlt wurde, die noch immer unsicher, ungeklärt und höchst gefährlich ist. Abgesehen davon, dass der Bund dafür aufkommen muss.
...sacken lassen.

Eine andere Information ist mir im Gedächtnis, nämlich das Atomkraft Nachwuchsprobleme hat. Sprich, der Studiengang, der Ingenieure und Physiker für AKWs ausbildet, "produziert" nicht einmal ein Drittel derer, die in absehbarer Zeit aus Altersgründen in den Ruhestand gehen. Was also muss passieren? Greencards für indische Atomingenieure und Nuklearphysiker, damit unsere "sichere Atomenergie" weiter laufen kann?

Mein Fazit: Ich kann es nicht mehr hören, das Märchen vom CO2-freien, günstigen und umweltfreundlichen Atomstrom. Bitte, Herrschaften, Ihr seid ja mittlerweile so schlimm wie Kreationisten.
Und noch einmal möchte ich auf eines hinweisen: Wir zahlen in Deutschland den vierthöchsten Strompreis in Europa, bei gerade einmal ein Viertel Anteil der Kernenergie an unserer Stromerzeugung. Und das bei dem Fakt, das wir Stromexportweltmeister sind. Oder vielmehr vier uns gut bekannte Konzerne.
Wenn Stromkonzerne also Strompreissteigerungen herbei beten, weil "ja der billige Atomstrom wegfällt", schreie ich hier lauthals nach dem Bundeskartellamt.
Deutschland, ein Land in Geiselhaft der vier großen Stromerzeugerkonzerne, die uns jeden Preis zahlen lassen, der ihnen genehm ist? Und die jetzt einen fadenscheinigen Grund gefunden haben, wieder mal aufs Gas zu treten?
Angebot und Nachfrage reguliert den Markt normalerweise. In diesem Fall hilft geschickte Lobby-Arbeit anscheinend zu ein paar Milliarden Extra-Profit. Armes Deutschland in Geiselhaft.

Dienstag, 14. September 2010

BILD verteidigt die Redefreiheit? Guter Witz.

Seit einiger Zeit läuft die Debatte über Sarrazin und seine Aussagen, Migranten in Deutschland betreffend. Es ist noch gar nicht lange her, da habe ich in meinem Blog eine Aussage zerpflückt, die über Sarrazins Buch in den Medien kursierte. Das habe ich vor allem deshalb gemacht, weil ich bereits zweimal über Thilo Sarrazin gebloggt habe. Einmal war ich auf den Zug aufgesprungen und hatte ihn bashen geholfen (direkt nachdem BLÖD Auszüge aus einem Interview gebracht hatte, die nicht sehr schmeichelhaft für Migranten waren), später hatte ich das Interview gelesen, erkannt, wie die BLÖD die Worte aus dem Zusammenhang gerissen hatte, und mich entschuldigt. Auch diesmal, bei der aktuellen Buchdebatte, gehe ich grundsätzlich davon aus, dass Thilo Sarrazin wieder aus dem Zusammenhang zitiert wird. Weil ich grundsätzlich allem misstraue, was die BLÖD schreibt, und das bisher zu Recht.

Nun habe ich sein Buch noch immer nicht gelesen, denn Herr Sarrazin verdient mit dreiundzwanzig Euro recht gut daran, und das will ich mir nicht leisten.
Aber es gibt einen anderen Aspekt, über den man bloggen kann, auch ohne das Buch zu kennen. Und das ist die Art und Weise, wie die BILD Argumente aus dem Buch aufnimmt und verbreitet, egal ob aus dem Zusammenhang gerissen oder nicht.
Argumente wie: Das muss man doch noch sagen dürfen!, oder: Das ist Zensur!, sind Irreführung pur. Denn was die BLÖD uns da als neue Erkenntnisse unterjubelt oder als mittlere Sensation verkauft, ist allesamt kalter Kaffee. Neu an der Geschichte ist nur, dass (angeblich/augenscheinlich) Thilo Sarrazin diese Argumente in seinem Buch erwähnt hat.
Für BLÖD kommt es dann auch gar nicht darauf an, die "Wahrheit" zu berichten, oder "es aussprechen zu müssen oder nur zu können", sondern schlicht und einfach darum, Auflage zu machen. Das ist ihr einziges Ziel, und deshalb polarisiert ein Kai Diekmann auch schon mal mit einem Blog, um den Blick auf BILD und BILD.de zurück zu lenken.
Es geht der Redaktion der BLÖD nicht darum, dem Volk aus der Seele zu sprechen, und darauf hinzuweisen, dass es in Deutschland "zu viele integrationsunwillige Migranten gibt", sie bedienen lediglich Vorurteile, und hoffen dabei auf höhere Klickzahlen und besseren Absatz der Auflage. Dabei dient der Redaktion Sarrazins Buch nicht als Quelle, sondern als Feigenblatt. Und das ist das eigentlich Verwerfliche. Unter dem Deckmantel, auch unangenehme Dinge einmal aussprechen zu dürfen, die Redefreiheit, die Pressefreiheit zu wahren, polarisiert die BILD, legt einseitiges Gewicht auf die eigenen Fakten, ohne Vergleiche, ohne journalistische Sorgfalt, einfach nur dem Effekt zuliebe.
Korrektheit? Keine Chance. Gute Recherche? Warum, wenn man den Deutschen augenscheinlich aus dem Munde spricht? Arroganterweise wimmelt es dann in den Headern auf BILD und BILD.de auch von Umfrageergebnissen unter ihren Lesern, die dann großmundig angekündigt werden mit: So denken die Deutschen.
Nein, liebe BLÖD, so denkt ein Teil Deiner Leser, nämlich jener Teil, der Deinen Telefon-TED mit jedem Anruf ein wenig reicher gemacht hat. Aber es wäre ja nicht im Sinne der BLÖD, SO ehrlich zu sein. Dann könnte man ja nicht die Diskussion weiter anheizen, Argumente die jeder in Deutschland äußern kann und teilweise bereits geäußert hat (Stichwort Stammtisch), als Revolution verkaufen (so wie die Kanzlerin den Atom-Ausverkauf als Revolution bezeichnet hat) und sich nebenbei als Hüter der Meinungsfreiheit aufplustern. UND zweiundachtzig Millionen Deutschen die aktuelle Telefonumfrage als ihre Meinung unterzuschieben.

Ein sehr kluger Mann hat neulich erst geschrieben, dass Thilo Sarrazins Buch viel zu viel Aufmerksamkeit erhalten hat. Ich neige dazu, ihm in diesem Punkt Recht zu geben. Wie gesagt, ich habe das Buch nicht gelesen. Aber ich sehe, was die BLÖD darum für eine Kampagne macht. Und die Kampagne geht nicht auf Kosten der integrationsunwilligen Migranten in Deutschland, sondern auf Kosten aller Ausländer in Deutschland, egal ob eingebürgert oder nicht. Denn die BLÖD ist gar nicht daran interessiert zu informieren, zu trennen und zu differenzieren. Sie ist nur an Auflage interessiert, und wenn deswegen irgendwo irgendwas brennt, um so besser. Darüber kann man berichten und die Auflage steigern.
Und das wird so lange gut gehen, wie wir deutsche Konsumenten der BLÖD Aufmerksamkeit schenken. Ja, auch ich mit meinem heutigen Blog-Eintrag oder die Arbeit des Bildblog gehört zu dieser Aufmerksamkeit, das weiß ich selbst. Aber immerhin spricht Bildblog unangenehme Wahrheiten aus, und ich versuche es zumindest.
Die TAZ berichtet heute, nachzulesen im sechs vor neun auf Bildblog.de, von zwei Geschäftsleuten in Ottensen, die keine BILD-Zeitung mehr verkaufen. Auch DAS ist Meinungsfreiheit, meine liebe BILD, mein lieber Kai Diekmann. UND es ist ein Anfang.

Dienstag, 31. August 2010

Sarrazin schon wieder

Okay, ich gebe es gerne und offen zu: Ich irre, und das nicht gerade selten. Zum Beispiel habe ich wie alle anderen auf Sarrazin rumgehackt, als BILD ihn mit seinem "Kopftuchmädchen-Spruch" zitiert hat. Danach entdeckte ich irgendwann das Original-Interview, aus dem das Zitat stammt, im Web. Und ich musste erkennen, dass die Wortwahl vielleicht nicht sehr geschickt war, aber Sarrazin hier für die Integration dieser "Kopftuchmädchen" warb, anstatt es bei Sozialhilfe zu belassen und danach beide Augen für ihr weiteres Schicksal, ihr Zukunft und ihre Integration fest zu zu machen.

Im Moment wird über sein Buch diskutiert. Ich habe es nicht gelesen. Aber ich weiß, wie BILD damit umgeht. Und ich weiß, dass ich wieder Gefahr laufen würde, ihm Unrecht zu tun, wenn ich es nicht lese, und mich nur auf die Zitate in BILD und Spiegel berufe.
Das hole ich eventuell nach. Das Lesen, nicht das Zitieren.
Ein Argument jedoch, das gerade hitzig debattiert wird, will ich kurz mit meiner Laien-Bildung in Biologie beleuchten: Nämlich das hetzerisch zitierte "Juden-Gen".
Wenn BLÖD ausnahmsweise mal richtig zitiert hat, dann hat laut Sarrazin jeder Jude ein bestimmtes Gen. Und jeder Baske. Darüber regen sich die Medien jetzt auf und erklären das zu einer ganz bösen Sache.

Natürlich ist es vollkommener Unsinn. Nicht alle Juden haben ein bestimmtes Gen, das sie als Juden kennzeichnet, identifiziert, oder was man hier auch immer einsetzen möchte. Immerhin gibt es genügend konvertierte Juden aus vollkommen anderen Volksstämmen, Eingeheiratete, und dergleichen. Aber unsere Medien behandeln dieses Argument gleichbedeutend wie mit einer Herabwürdigung. Wieso?
Rein biologisch gesehen waren die Juden ein eigener Volksstamm. Und in einem solchen Stamm wird die eigene Genetik weiter gegeben. Das jüdische Volk zum Beispiel kommt an sich aus dem Nahen Osten und teilte früher (und teilweise heute noch) viele Charakteristika der Menschen in dieser Region. Das ist nun mal genetisch bedingt. Es ist absolut nicht auszuschließen, dass viele Juden ein bestimmtes Gen in ihrer Erbmasse haben, das wir Europäer oder Schwarzafrikaner nicht besitzen. Nicht einmal andere Völker im Nahen Osten. Das ist nichts Schlimmes, keine Diskriminierung, sondern einfach nur ein Fakt.
Uns Europäern werden in der Genetik beispielsweise fünf Frauen von den Spezies Homo Sapiens und Cro Magnon zugerechnet, von der alle Europäer genetisch abstammen. Auch das ist nichts Böses. Es ist Wissenschaft.

Natürlich will ich nicht ausschließen, dass Herr Sarrazin dieses Argument gewählt hat, um Juden und Basken zu diskriminieren. Aber ich glaube es nicht. Die Tatsache, WER dieses Zitat verbreitet, lässt vermuten, dass die Faktenverdrehung wieder Hochkonjunktur hat.

Mein Fazit: Ein "Juden-Gen" ist durchaus möglich, sogar wahrscheinlich. So wie es auch viele "Europa-Gene" gibt, die exklusiv in unserem Genpool vorkommen. Das ist nicht gut, das ist nicht böse, das ist einfach Wissenschaft. Wer das zur Diskriminierung nutzt, oder als Argument des Beweises der Diskriminierung, hat seine Biologie noch aus dem Dritten Reich der Herrenmenschenzeit. Wissenschaftlich ist das in keiner Weise haltbar. Denn was sagt schon ein Gen über einen Menschen aus? Vielleicht steuert dieses spezielle Gen den Hautstoffwechsel. Vielleicht bestimmt es die Größe des Blindarms. Vielleicht hängt von ihm die Größe der Nasenporen ab. Oder die Möglichkeit, Schuppen zu bekommen.
Na und? Das sagt nichts über die Genetik aus. Und es sagt absolut nichts über den Menschen aus, ob er nun Jude oder Christ, Europäer oder Asiat ist. Rein gar nichts.
Also, meine lieben Argumenteverdreher, freut Euch darüber, dass zu viele Menschen in Deutschland noch weniger von Genetik verstehen als ich, und macht weiter mit toll klingenden, aber recht substanzlosen Sprüchen und Zitaten Euren Reibach.
Ich sitze derweil hier, schüttle den Kopf und überlege ernsthaft, ob ich mir Sarrazins Buch nicht kaufen sollte, um es zu lesen und danach darüber zu urteilen.
Hättet Ihr besser auch in dieser Reihenfolge so gemacht, BILD und Spiegel.

Dienstag, 27. Juli 2010

Wer büßt für die BILD?

Eigentlich wollte ich zur Loveparade in Duisburg nichts schreiben, nicht auf den Zug aufspringen und bereits Gesagtes bis zur Unkenntlichkeit wiederkäuen. Eigentlich hatte ich gedacht, dass sich jeder denken kann, dass zu einer Loveparade mehr als die rund dreihunderttausend Menschen kommen würden, die auf das alte Güterbahnhofsgelände gelassen werden sollten. Und eigentlich sind Stadt und Veranstalter, so brutal das jetzt aus meiner Feder klingt, mit zwanzig bestätigten Toten und über fünfhundert offiziell gezählten und behandelten Verletzten, noch ziemlich glimpflich davon gekommen. Das hätte noch viel schlimmer ausgehen können.
Dennoch, zwanzig Tote sind zwanzig Tote zuviel, sind zwanzig Familien, die Angehörige verloren haben, sind zwanzig Schicksale, sind zwanzig unglaubliche Unglücksfälle, die hätten vermieden werden können.
Doch beinahe mag man aufatmen, weil es keine hundert oder tausend Tote waren.
Und man (in diesem Fall ich) kann nur hoffen, dass das derzeitige Hin und her-Schuldzugeweise bald einer sachlichen Analyse Platz macht, und die Verantwortlichen im Rahmen unserer Gesetzgebung angemessen bestraft werden. Hoffen wir auf eine Diskussion, die auf dem Boden bleibt, analysiert und erklärt, und nicht hetzt, beschämt und das Schicksal der Toten ausschlachtet.

Apropos Schicksal der Toten ausschlachten. Wer den Titel aufmerksam gelesen hat, der weiß was jetzt kommt. Richtig, wir haben natürlich einen berühmten Ausreißer in der Gruppe der brichtenden Medien, der ohne einen Hauch von Hemmungen Bilder der Verstorbenen auf der Titelseite präsentiert. Bilder, die sie fröhlich zeigen, lebendig, und die deshalb vermuten lassen, dass die BLÖD-Redakteure auf Teufel komm raus Bilder gesucht haben, und dazu meines Erachtens StudiVZ, MySpace und andere Dienste geplündert haben. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass hier zwanzig Familien das Recht am Bild ihrer toten Kinder verramscht haben, um sie dem geifernden Publikum wie ein Kuriosum zu präsentieren. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, dass sie das wünschen. Übrigens wäre auch denkbar, das ein Teil der Bilder von der Loveparade selbst stammt, quasi von unbeteiligten Dritten, die des schnöden Mammons Willen an BLÖD verkauft haben. NOCH SCHLIMMER.

Und als wären die Bilder nicht schon schlimm genug, und würden sie nicht bereits massiv gegen den Pressekodex verstoßen, so titelt die BILD: "Dies sind die Toten der Loveparade." Weiter schreibt sie: "Wer büßt für die Toten?"*
Lieber Kai Diekmann, Chefredakteur der BILD: Wer büßt in der Redaktion der BILD-Zeitung für diese Berichterstattung? Für die obszöne Entehrung der gestorbenen Unfallopfer auf dem Küchentisch der Nation? Wer hat die Eier zu sagen: Wir hätten die Gesichter aus Respekt vor der Trauer und den Gefühlen der Angehörigen verpixeln müssen!? Wer hat bei Euch die Chuzpe zuzugeben, einen Fehler gemacht zu haben?
Das Schreckliche an der BLÖD ist leider, dass dort niemand diesen Fehler einsehen, eingestehen wird. Sie werden lieber ein paar zehntausend Euro Strafe für private Klagen zahlen, nur um ihre reißerischen Schlagzeilen behalten und die Bilder der Toten zeigen zu können.
Noch mal, und das aus tiefstem Herzen: Es ist journalistisch gesehen vollkommen unnötig, Bilder der Toten zu zeigen. Dies verletzt die trauernden Hinterbliebenen, verletzt das Schamgefühl einer Nation und degradiert uns zu Voyeuren, die wir nach Meinung der BILD-Redaktion sind. Ich bin entsetzt.

Es schmerzt ja beinahe schon das zu sagen, aber wir können wahrscheinlich froh sein, dass die BILD keine Fotos der Opfer auf der Titelseite zeigt, die nach dem Unglück aufgenommen wurden. Selbst das ist der BLÖD-Redaktion zuzutrauen.
Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen. Mein Ärger Kai Diekmann.



*Die Schlagzeilen habe ich aus dem Kopf nachgeschrieben. Ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit jeder einzelnen Silbe. Man möge mir das verzeihen. Ich hatte einfach Hemmungen, für die BILD auch noch Geld auszugeben.

Donnerstag, 24. Juni 2010

BILD mit Gelb verwarnen wäre angebracht.

Gestern Abend gelang es sowohl Deutschland, als auch unserem Spielgegner Ghana, ins Achtelfinale der Weltmeisterschaft zu kommen. Nicht zuletzt das gigantische Aufbäumen der Australier in ihrem Spiel gegen Serbien hat entscheidend dazu beigetragen, dass Afrika eine Mannschaft sicher weiter hat. Uns hat natürlich vor allem der Siegtreffer von Özil geholfen. Die Leistung war durchwachsen, und das gefährliche Kurzpaß-Spiel, das uns zur Weltmeisterschaft bringen wird, blitzte relativ spät, dann aber erfolgreich auf. Letztendlich zählt der Sieg.

Was aber zählt für BILD, die ich nur zu gerne mal BLÖD nenne? Abgesehen von der reißerischen, vor falschem Patriotismus triefenden Berichterstattung, die zudem nach allen Seiten austritt, in erster Linie eine Entschuldigung, warum ihre Prognosen vor dem Ghana-Spiel NICHT eintreffen könnten. Wie macht sie das? Nun, sie schiebt die gestern mögliche Niederlage einfach auf den Schiedsrichter. Und das mit einem großen Header in der gedruckten BLÖD, sowie natürlich einem begletendem Artikel auf Bild.de. Carlos Simon heißt der Mann, der gestern gepfiffen hat, und BLÖD war sich nicht zu schade, ihn gründlich zu diffamieren. Interessant daran ist, dass die Hauptseite heute nicht mal den allerkleinsten Link auf diesen Bericht bereit hält... Aber Google macht es möglich. Danke, Jungs. ^^b
Dass man mit Simon auch anders umgehen kann, ohne den Verdacht der Manipulation zu verheimlichen, zeigt ausgerechnet die T-Online-Homepage.

Was bleibt da noch zu sagen? Dass ein Verdacht noch nicht ausreicht, einen Menschen schlecht zu machen. In dubio pro reo, meine liebe BLÖD-Redaktion. Und wenn Ihr einen gnädigen Sündenbock sucht, dann nehmt doch nächstes Mal bitte Matthäus - weil der Deutschland nicht trainiert hat.
Das Spiel Ghana - Deutschland in der Gruppe D der WM 2010 jedenfalls wurde nach meinem persönlichen Empfinden fair gespielt, kaum von Fouls unterbrochen, und zudem von Carlos Simon sehr fair, sauber und hervorragend geleitet. Dafür hätte er eigentlich den Titel "Player of the Game" verdient. BLÖD hingegen wird mit Gelb verwarnt. Hoffentlich fliegt die Redaktion bald mit Gelb-Rot vom Platz. Wir können das nur hoffen.

Dienstag, 19. Januar 2010

Die ganze BILDBLOG-Arbeit umsonst?

Das Thema meines heutigen Blogeintrags ist die BLÖD-Zeitung. Wie eigentlich jeden Tag rief ich heute Bildblog.de auf und las mir die neue Rubrik "sechs vor neun" durch, in der sechs interessante Links aus der gestrigen Tagespresse präsentiert werden.
Mich persönlich hat dabei der Bericht von Heise-Redakteur Markus Kompa interessiert, der für seine Dichtkunst in einem Wettbewerb auf Kai Diekmanns Blogseite einen Tag in der BILD-Redaktion gewann.
Dabei gewinnt man, je mehr Markus Kompa über die Redaktion von innen berichtet, den vagen Eindruck, dass die Welt wohl doch etwas zu schlecht zur gedruckten BLÖD ist, weil sich die Redakteure so offen geben und so lange und hart recherchieren. Dabei tragen sie nicht Anzug, sondern Jeans und Freizeitklamotten, im Gegensatz zum armen Markus, der "im Dreireiher" aufgeschlagen war.
Auch ein Besuch in der Rechtsabteilung beeindruckt den Autoren, vor allem als er feststellen muss, dass "die BILD Paparazzi-Fotos diversen Frauenzeitschriften überlässt, die BILD-Leser-Reporter ja gar nicht so viele Bilder von Prominenten machen und man sich ernsthaft bemüht, bei BILD die Rechte für die veröffentlichten Bilder zu bekommen".
Nun, Herr Kompa, so schlimm ist die BLÖD also gar nicht, wenn sie sogar versucht, ihre komplizierte 68er Verwantwortung aufzuarbeiten. Und es sind ja auch alle hart arbeitende Familienmenschen, oder? Aber auf jeden Fall ganz, ganz nett.
Muss Bildblog.de jetzt die Arbeit einstellen, weil es kein Feindbild mehr hat? Mitnichten. Als erstes sollte sich BLÖD, genauer gesagt die Online-Variante zum Beispiel bei der sechzehnjährigen Anna P. entschuldigen, die vom Opfer per Fotobeweis zur Täterin gemacht wurde.

Herr Kompa, auch wenn sich die Rechtsabteilung der BLÖD bemüht, die Rechte für alle Bilder zu bekommen, ist das nicht das gleiche wie Bilder nicht zu veröffentlichen, deren rechtlicher Status vage ist. Und auch wenn unter "Diekmann alles besser" ist und die BLÖD nur noch vierzig Prozent Anteil an den Rügen des Presserates hält, so sind das immer noch vierzig Prozent zuviel.
Es ist keine Ausrede, dass BLÖD und Diekmann polarisieren wollen oder gerne Diskussionen anschieben. Das entbindet nicht von der Pflicht, die Persönlichkeitsrechte sowohl der normalen Bürger als auch der Prominenten zu achten - was BLÖD aber ungerne tut. Mag sein, dass Diekmann einen besseren Job macht und einen spritzigen Blog mit feiner Zunge führt, aber Minus ist immer noch Minus.
Nicht umsonst gibt es einen "Hilfe, ich bin in BILD"-Ratgeber, der einer Privatperson genau rät, wie sie NICHT aller Rechte beraubt, bloß gestellt und falsch zitiert wird.
Vielleicht ist die Redaktion auf einem guten Wege, aber noch weit, weit, weit vom Ziel entfernt. Niemand verlangt von BLÖD ernsthaften Journalismus, aber ein wenig Ehrlichkeit und gute Recherche wären doch nett. Dafür könnte sich der Herr Chefredakteur gerne mal Zeit nehmen. Die hat er ja, und nutzt sie für seinen Blog.
Zeitmanagement kann man lernen, Herr Diekmann. Zugegeben, ich beherrsche es auch nicht, aber ich veröffentliche ja auch keine zwanzig Zentimeter großen Schlagzeilen.


Edit: Markus Kompa hat einen Kommentar in meinem Blog gepostet. Er sagt, ich interpretiere in seinen Text hinein, dass er der BLÖD für ihre 68er-Zeit Absolution erteilt.
Nun, ich gehe hier mehr oder weniger mit Markus scharf ins Gericht, deshalb ist dieser Einwand mehr als gerechtfertigt. Deshalb stelle ich fest: Die Aufarbeitung der 68er-Vergangenheit habe ich deshalb eingebaut, weil dank des neuen BILD-Archivs eine öffentliche Diskussion unter anderem über diese wenig ruhmreiche Zeit in den Medien kursiert. Wenn Markus in diesem Punkt nicht dastehen will, auf BLÖD-Seite zu sein, gebe ich ihm sogar Recht. Das braucht er nicht und soll er auch nicht. Sicherheitshalber entschuldige ich mich bei Markus Kompa an dieser Stelle. Ich war ja auch nicht sehr nett zu ihm. :D
Aber, Markus Kompa, danke für Deinen Besuch. Manchmal denke ich wirklich, hier kommt fast nie einer vorbei.
P.S.: Ich habe noch mal über die "Schaum vorm Mund"-Sache nachgedacht, bzw. sie ließ mir keine Ruhe. War ich zu scharf zu Markus Kompa, weil er BLÖD nicht runter gebattlet hat? Ist für mich nur kritische Springer-Kritik gute Kritik? Ich habe den Gedanken ein wenig laufen lassen. Okay, ein paar der Formulierungen in diesem Blog sind Markus gegenüber nicht nett, geradezu spöttisch zu nennen. Aber im großen und ganzen habe auch ich Fakten genannt.
Und nein, nur weil jemand ohne Schaum vorm Mund über BILD schreibt, gehört er für mich nicht zu den BILD-Sympathisanten. Und ich stehe zu meinen Kritikpunkten.

P.P.S.: Dass Markus Kompa in der Tat ein kritischer Betrachter der BILD ist, sieht man hier.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Althaus durch den Nacktscanner schicken

Es gibt Dinge auf dieser Welt, die sind unausweichlich. Manchen Tatsachen oder Umständen kann man nicht entkommen. Eine davon ist die allgemeingültige Tatsache, dass auf den Tag die Nacht folgt... Oder dass man in bewölkten Nächten keine Sterne sehen kann... Dass Wasser grundsätzlich bergab fließt... Dass die Schlagzeilen der BLÖD-Zeitung dazu führen, das ich mich regelmäßig aufrege...

Heute soll es um letzteres gehen. Die aktuelle BLÖD-Schlagzeile regt mich nämlich auf: Althaus fährt wieder Ski!
Mein erster Gedanke war; Will er noch jemanden umbringen?
Aber der Reihe nach. Dieser Bericht, der BLÖD die halbe Titelseite wert ist, zeigt einen Skifahrer, der Althaus im Winterurlaub sein soll, sowie ein Foto der jungen Mutter, die vor gut einem Jahr beim Unfall mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten umgekommen ist.
Und jetzt kommt der Part mit dem aufregen. Nein, Althaus hat nicht schon wieder einen totgefahren. BLÖD verschweigt nur vollkommen, das Althaus am Unfall Schuld ist, rechtskräftig verurteilt wurde und eine hohe Geldstrafe an den Witwer zahlen musste.
Ich kenne Herrn Althaus nicht persönlich und kann ihn deshalb als Mensch nicht einschätzen. Aber ich nehme es ihm übel, dass er die politischen Gegner gebeten hat, sich im Wahlkampf über den Unfall auszuschweigen, ihn aber selbst politisch ausgeschlachtet hat. Und der BLÖD nehme ich es übel, diese Tatsache ebenfalls unter den Teppich zu kehren. Gewiss, es war ein Unfall, aber der Schuldige hat den Kopf zwischen die Schultern gezogen, die Verantwortung abgewälzt und gehofft, dass sein Verbündeter, die BLÖD-Zeitung, die Sache schon verwischt oder weit genug unter den Teppich kehrt. Der Teppich hat noch ein paar Beulen, wie das Foto des Opfers zeigt. (Wofür BLÖD sicherlich die nächste Klage ins Haus rollen wird, weil die Hinterbliebenen dieser Veröffentlichung GARANTIERT NICHT zugestimmt haben.)
Aber der Verursacher des Unfalls wird schon mal rausgeschwiegen. Leider haben wir kein so schlechtes Gedächtnis, lieber Herr Ex-Ministerpräsident, liebe BLÖD-Zeitung. Und wir beobachten euch weiterhin. (Vielleicht tue ich der BLÖD unrecht, und im weiteren Bericht auf Seite zwei wird erwähnt, das Althaus den Unfall verursacht hat. Aber man möge mir verzeihen, das ich davor zurückgeschreckt habe, die BLÖD aufzuschlagen. Jeder hat eine gewisse Hemmschwelle, die nicht so leicht zu überwinden ist.)

Teil zwei meines Blogs behandelt die so genannten Nackt-Scanner, eine besondere Form der Körperanalyse, bei der ein Proband in eine Scannerkabine tritt und anschließend auf einem Monitor ohne Kleidung abgebildet wird. Bis zum heutigen Tag gilt diese - funktionierende - Technik als Verletzung der Menschenrechte, empörend und übertrieben.
Seit sich ein radikaler Nigerianer mit achtzig Gramm kristallinem Sprengstoff in der Unterhose (angeblich im Auftrag von Al Kaida) beinahe in einem Flugzeug in die Luft gesprengt hätte, ist die Koalition in Berlin laut Tagesspiegel eindeutig PRO Nacktscanner eingestellt. Tja, was man nicht alles auf dem Trittbrett mitreisen lassen kann.
Der eine versucht auf der Empörung über Kinderpornographie mal schnell aus dem Rollstuhl heraus eine Internetzensur zu etablieren, der andere versucht die bisherige Sicherheitstechnologie durch einen Milliardenauftrag an eine Einzelfirma zu pushen. Aber ich habe nichts anderes von CDU/FDP erwartet. Die Doppelfrauenspitze wird für noch mehr derartige Überraschungen gut sein.
Liebe Koalition, lasst mich ein weiteres Adjektiv, den Nacktscanner betreffend, hinzufügen: Unnötig. Was passiert wohl, wenn der Nacktscanner Standard wird, mit dem man Menschen unter die Kleidung sehen kann? Ganz einfach: Potentielle Attentäter erkennen, dass der Nacktscanner AUCH NUR bis zur Haut reicht. Bereits jetzt schlucken Drogenkuriere Heroin und Kokain, verbergen es unsichtbar von jeder Leibesvisitation, und unsichtbar für Nacktscanner in ihren Körpern, gehen dabei ein großes persönliches Risiko ein... Solche "Drogenesel" werden von erfahrenen Beamten der Zollfahndung immer wieder im internationalen Flugverkehr entdeckt. Auch Al Kaida-Terroristen werden sich nicht zu schade sein, sich ein paar Gramm Sprengstoff in den Arsch zu stecken, wenn sie damit an einem Nacktscanner vorbei kommen. Und das ist auch die Idee mit dem Nacktscanner: Im Arsch.
Stattdessen sollte man in die richtige Technologie investieren, nämlich animalische oder technische Sprengstofffinder. Die animalischen haben wir schon lange. Es lebe die Hundenase. Die technische ist bereits sehr weit in ihrer Entwicklung. Beim Umgang mit Sprengstoff ist es nahezu unmöglich, absolut sauber zu arbeiten, was bedeutet, das die Umgebung des Sprengstoffs mit Spuren kontaminiert ist. Technische Spürnasen können diese Sprengstoffspuren finden und nachweisen. Das ist zuverlässig, geht schnell und greift die Menschenwürde nicht an. Aber wahrscheinlich ist das nicht spektakulär genug. Vielleicht glaubt Frau Merkel, den Familien auch was fürs Steuergeld zu bieten, und so ein Nacktscanner vor dem Urlaubsflug ist ja immerhin ein Erlebnis.

Was mich noch ganz fix zu einem dritten Thema bringt. War da nicht noch was kurz vor der Bundestagswahl? Hat da nicht ein arabisch aussehender Mann in sehr gutem Deutsch ganz Deutschland gedroht, das es zu Anschlägen kommen könnte, wenn "wir nicht die richtigen wählen"? Hm. Oktober, November, Dezember... Immer noch kein Anschlag. Brauchen die Jungs so lange? Brüstet sich die deutsche Polizei nicht mit verhinderten Anschlägen? Fanden sie bereits statt, und Al Kaida hat sich einfach ein unspektakuläres Ziel ausgesucht? (Das WAR doch neulich eine Fliegerbombe, oder? Und das Kölner Stadtarchiv ist doch wegen dem U-Bahnbau eingstürzt, oder?)
Und da drängt sich mir der Verdacht auf, dass besagter zorniger junger Mann mit genau diesem Ausgang der Bundestagswahl zufrieden sein könnte. So zufrieden, dass Al Kaida keine Anschläge angeordnet hat? Das Ausbleiben der Anschläge springt doch geradezu ins Auge: Ist Al Kaida CDU/FDP-Wähler? Der Gedanke liegt nahe. Die Alternative wäre, dass der junge, arabisch aussehende und so gut deutsch sprechende Mann ein Hoax war, oder ein recht zorniger, aber machtloser Einzeltäter, der sich über die viele Aufmerksamkeit in Deutschland gefreut hat.
Es gibt da natürlich auch noch die Erklärung, dass die große mächtige Terrororganisation Deutschland international nicht für voll nimmt und denkt das es ausreicht, ab und an mit einem Anschlag zu drohen, um in unseren Zeitungen und anderen Medien übermäßig präsent zu sein. Aber das dürfte an den Haaren herbei gezogen sein. Ich meine, Hey, es wir doch nicht gleich durch alle Medien mit fetter Schlagzeile gehen, die damit die Bundesbürger noch extra verunsichern, nur weil jemand ein Youtube-Video hoch geladen hat? Das erscheint mir dann doch bei unserer sachlichen, kritischen und gut recherchierenden Presselandschaft nicht möglich zu sein.
Sollte es in der Zwischenzeit oder kurz nach der Veröffentlichung dieses Blogs zu einem Al Kaida-Anschlag in Deutschland kommen, habe ich selbstverständlich unrecht gehabt. Daran glauben tue ich trotzdem nicht.

Edit am 04.01.: Eine Frage beschäftigt mich bei der ganzen Nacktscannergeschichte seit fünf Minuten: Hätte dieses Mistding eigentlich den kristallinen Sprengstoff in der Unterhose des Nigerianers entdeckt, oder wäre dieser nicht erkannt worden?
Auf die Antwort bin ich gespannt.