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Sonntag, 2. November 2014

And now to something completely different 3

Freitag habe ich Zeitung gelesen. Wirklich, das mache ich ab und zu. Tatsächlich versuche ich zumindest, einmal am Tag den internationalen Teil zu lesen. So auch Freitag morgen. Weshalb ich die Zeitung aufgehoben habe. Um jetzt, am Sonntag, an dem ich Zeit habe, in aller Ruhe einen Herzinfarkt zu vermeiden, indem ich mich NICHT aufrege, und stattdessen lieber einen nervenschonenden Blogeintrag zu verfassen.

Was stand denn so in der Zeitung, fragt Ihr?
Dazu muss man sagen, dass ich eine Zeitung vom Verleger Ippen lese, die Leine Deister Zeitung. Mehrere Blätter teilen sich hier die internationale und die nationale Redaktion; in heimischen Gronau Leine wird nur der Lokalteil eingebracht. Im internationalen Teil waren dann die besagten drei Dinge zu lesen, die mich ein wenig irritiert haben.

Nummer eins auf der Titelseite: Körperscanner an Flughäfen.
Bereits am 14.01.2010 habe ich über den damaligen Versuch, Nacktscanner zu etablieren, gebloggt. Dabei war mir der voyeuristische Aspekt eigentlich reichlich egal. WICHTIGER war mir, dass diese teure Technologie schlicht und einfach nicht annähernd so gut funktioniert, wie die Hersteller versprechen.
In der Markus Lanz-Show hat damals Professor Gruber den Nacktscanner bloßgestellt. Damals konnte das Gerät weder den Zünder in seinem Mund, noch die Haushaltschemikalien in seiner Jacke und erst recht nicht das Thermit entdecken, das er bei sich getragen hatte. Leider hat die Mediathek die entsprechende Lanz-Sendung schon lange gelöscht, aber auf Youtube ist sie sicher noch zu finden. Fakt ist: Die Scheiße funzte nicht, und es wäre mir auch neu, dass die jetzigen Nacktscanner besser geworden sind. Oder dass der voyeuristische Aspekt (der ehrlich gesagt irrelevant ist) entschärft wurde. Man gibt teures Geld aus für etwas, das einen unterstützen sollte. Stattdessen unterstützen Nacktscanner Terroristen. Damals, als sich ein Terrorist mit einer mit Sprengstoff gefüllten Unterhose hochjagen wollte - was nicht funktionierte, Probleme mit dem Zünder - kam er von einem niederländischen Flughafen, dessen Sicherheit mit Nacktscannern betrieben wird. Noch immer.
Was ist also die Lösung? Solange niemand beweisen kann, dass die Nacktscanner nun zuverlässig arbeiten - und damit meine ich nicht, dass sie niemals verschluckte oder in Körperöffnungen eingeführte Objekte finden werden, sondern jene, die sie zu finden in der Lage sein sollten - ist jeder angeschaffte Nacktscanner rausgeschmissenes Geld. Also wirklich, Leute, das ist aktive Terrorismusunterstützung. Muss es sowas geben, in Deutschland? Nein.

Nummer zwei war der Dobrindt, der mit seiner PKW-Maut rumnervt. Nachbesserungen hier, Schönheitsfehlerchen da, aber jetzt soll alles passen.
...sacken lassen.
Ein kluger Mann, wahrscheinlich noch klüger als ich hat gesagt, dass dieses ganze Geplänkel um die Maut nur zwei Ziele verfolgt: Alle deutschen Autofahrer zur Vignette zu zwingen, und ihnen das Gefühl zu geben, "schuld" sei Europa. Wie das? Nun, sobald die Maut einmal eingeführt ist, ist mit großer Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, dass die Entlastung der Autofahrer über die KFZ-Steuer von der EU als Übervorteilung ausländischer Autofahrer als nicht zulässig angesehen wird und die Bundesregierung die Entlastung streichen muss. Dann ist die Maut aber da. Und wir zahlen doppelt.
Macht ja auch Sinn, denn der eher geringe Verkehr ausländischer PKW in Deutschland könnte bestenfalls fünf Millionen Euro pro Jahr einbringen, also weit weniger als die 500 Millionen, die der Dobrindt anvisiert. Das geht nur, wenn alle deutschen Autofahrer mitgef*%&*t werden.

Nummer drei - der Putin. Stoppt ihn endlich! Wie kann er es wagen? Unglaublich, dieser Bursche! Hm, was hat er nun wieder gemacht? Er hat laut LDZ "außergewöhnlich umfangreiche Manöver des russischen Militärs abhalten lassen. Wo? An der Grenze der Ostukraine? Im Norden der Ukraine, in Steinwurfweite zu Kiev? An der Grenze zu den Balkanstaaten?
Nein, mit Flugzeugen über internationalen Gewässern. Die LDZ wartet auf Seite drei auch gleich mit einem Schaubild auf. Demnach befanden sich über dem Norwegischen Teil des Atlantiks vier Bomber und vier Tankflugzeuge, in der Ostsee vierzehn Flugzeuge, ganze zwei Bomber über dem Atlantik, und über dem Schwarzen Meer tatsächlich zwei Bomber und zwei Kampfflugzeuge. Macht also acht Bomber vom Typ Tupolew Tu-95 vier Iljuschin Il-78 Tankflugzeuge und sechzehn Jagdflieger aus der Suchoi-Serie und MiG-31. Wenn man mal einen Blick in die Wikipedia zum Thema riskiert und sich die Zahlen selbst zusammenstoppelt, sieht man schnell, dass es sich bei den vier Einsätzen nicht gerade um Großmanöver handelt. Eher könnte man sich fragen, ob die russische Luftwaffe unter Geldmangel leidet, weil sie ihre Flugzeuge in homöopathischer Dosierung trainieren lässt. Aber das ist es nicht, was mich aufregt. Es ist die Formulierung "außergewöhnlich umfangreiche Manöver".
Liebe deutsche Presse, sind die paar Mücken wirklich eine ganze Seite Bericht und die ganze mediale Empörung wert? Es waren nicht mal die nuklearbestückbaren Langstreckenbomber dabei. Wenn das schon außergewöhnlich umfangreich ist, wie haben die Bomber, Jäger und Tankflugzeuge bisher über Atlantik, Ostsee und Schwarzem Meer trainiert? Einzeln? In der Rotte? Also ehrlich, DAS finde ich weder beunruhigend noch ärgerlich. Aufgeblasen finde ich es, aufgeblasen von der Zeitung.
Sollte man nicht andersherum fragen, warum Moskau keine dreißig Maschinen in die Luft bekommen hat? Das wäre doch eine viel bessere Meldung gewesen, finde ich. Die russischen Flugmanöver aber gleich auf "Bedrohung" zu stricken ist ja bei diesen Zahlen schon peinlich.

So, genug aufgeregt, genug von der Seele geschrieben. Es möge sich jeder ein eigenes Bild machen - ich habe meine Sicht der Dinge ausreichend geschildert.

Donnerstag, 12. August 2010

Dieser Nacktscanner hat die Qualität einer Bombe

Eifrige Leser meines Blogs werden sich erinnern, dass ich am Montag einen Leserbrief an Herrn Christof Schneider geschrieben habe, der sich im der LDZ zum leidigen Thema Nacktscanner mit einem Kotau gegenüber der Industrie per Kommentar zu Wort gemeldet hatte.
Heute meldet sich Herr Schneider erneut mit einem Kommentar zu Wort, zum gleichen Thema, aber der aktuellen Diskussion angepasst.
Wie der Spiegel meldete, wollte der Hamburger Flughafen, wo die Nacktscanner aufgestellt werden sollen, die Geräte von L3 Communications Security beziehen, die ein Tochterunternehmen von L3 Communications ist, einem US-amerikanischen Rüstungskonzern. Dieser Konzern steht seit der internationalen Ächtung von Streubomben in Dublin in der Kritik, weil er diese speziellen Waffen noch immer produziert. Hauptsächlich für die USA selbst, die an den Beratungen und dem Ächtungsbeschluss nicht beteiligt waren, bzw. durch Abwesenheit glänzten.
Nun wurden Stimmen laut, die einen Rücktritt vom Kaufvertrag forderten, eben wegen der Vernetzung mit einem Streubombenhersteller.

Herr Christof Schneider hat dazu seine eigene Meinung. Er findet das schon "etwas peinlich", aber ein kleiner Angestellter im Ministerium kann ja doch nicht "alles wissen, was dieser Konzern so produziert". Und abgesehen davon "wollte man halt die besten Geräte auf dem Markt erwerben".

...sacken lassen.
Lieber Herr Schneider, haben Sie vielen Dank für diesen entlarvenden und ein wenig peinlichen Kommentar. Abgesehen davon, dass Sie Ihrer Linie treu bleiben und schon wieder vor der Nacktscanner-Industrie einknicken - waren Sie schon mal in einem Nacktscanner, Herr Schneider? - birgt er ein wunderbares Fazit. Sie sind nicht der einzige, der mit dem Argument des "besten Gerätes auf dem Markt" hausieren geht, aber erlauben Sie es mir, Ihnen mein Gegenargument stellvertretend für alle anderen um die Ohren zu hauen: Wenn L3 Communications Security die besten Nacktscanner weltweit herstellt, und wenn der Hamburger Flughafen so verbissen darauf bedacht ist, nur bei L3 zu kaufen... Wie verdammt Scheiße sind dann eigentlich alle anderen Geräte auf dem Markt? Vermutlich sehr Scheiße, wenn es unbedingt L3 sein muss.
Das wirft einen bezeichnenden Blick sowohl auf die Branche, als auch auf die Qualität, bzw. Funktionsfähigkeit dieser Technologie.

Montag, 9. August 2010

Leserbrief an die LDZ zum heutigen Kommentar

Sehr geehrter Herr Schneider,

mit großem Interesse habe ich heute Ihren Kommentar im überregionalen Teil der LDZ zum Thema "Körperscanner" gelesen. Der Kommentar trug die Überschrift: Keine Peepshow.
Hierzu muss ich Ihnen sagen, dass ich von Ihrer Unsachlichkeit und schlechten Recherche überrascht und enttäuscht bin. Ihr Kotau vor der Nacktscanner-Industrie ist schlicht und einfach peinlich. Lassen Sie mich das näher erläutern, in der Hoffnung, dass ein gestandener Journalist wie Sie ein Profi ist, der aus Fehlern lernen kann.

Zuerst möchte ich erwähnen, dass ich am Thema Nackt/Körperscanner sehr interessiert bin und es aufmerksam verfolge. Nicht weil ich ein Gegner der Technologie an sich bin, oder eine "Peepshow" befürchte, sondern weil sie schlicht und einfach nicht funktioniert. Das hat Markus Lanz bereits letztes Jahr in seiner Sendung eindrucksvoll bewiesen, als der aus amerikanischer Produktion stammende Körperscanner nicht in der Lage war, eine mit Klebeband ans Knie eines Gastes befestigte sogenannte Sprengkapsel zu entdecken. Auch war er nicht in der Lage, das Termit in seiner Jackentasche abzubilden. Das Termit wurde anschließend in einem Feldversuch in einer Stahlpfanne entzündet und durchschnitt sie bei viertausend Grad.
Ich sehe zwei Dinge nicht ein: Warum für eine Technologie Geld ausgeben, die nicht funktioniert?
Und: Warum Sie Ihre journalistische Integrität auf dem Altar der Industrie opfern.
Das erinnert doch stark an jene Zeiten in den USA, in denen ein Plastikbeutel mit Klebeband das eigene Haus vor Gasangriffen schützen sollte. Eine solche Hysterie und Geldverschwendung brauchen wir in Deutschland nicht. Der internationale Flughafen von Tel Aviv, der sicherste Flughafen der Welt, geht vollkommen andere Wege und wird den Nacktscanner gewiss nie aufstellen. Ihre Methode des "profiling" der Fluggäste erlaubt einen weit höheren Sicherheitsstandard als die Nacktscanner-Technologie.

Sie haben im Kommentar gesagt, zwei Drittel aller Deutschen hätten sich aus Sicherheitsgründen für den Nacktscanner ausgesprochen. Sie sehen mich überrascht. Diese Umfrage ist an mir vollkommen vorbei gegangen, und ich bin an dem Thema SEHR INTERESSIERT.
Sie haben keinerlei Quelle für diese Aussage angegeben, deshalb unterstelle ich Ihnen, dass Sie sich diese Zahlen aus den Fingern gesogen haben. Bitte belehren Sie mich mit einer Quellenangabe eines Besseren. Aber die Zahl ist defacto falsch, da Sie suggerieren, die gesamte Bevölkerung Deutschlands mit zweiundachtzig Millionen Menschen wäre befragt worden, nicht etwa ein repräsentativer Teil. Das ist peinlich für einen professionellen Journalisten.

Das Schlimmste an Ihrem Kommentar ist jedoch folgende Aussage:
"Nun führen die Kritiker an, die Geräte garantierten auch keine Sicherheit und könnten von skrupellosen, technisch versierten Terroristen umgangen werden, indem sie die Bomben im statt am Körper tragen. Korrekt. Doch nicht alle Terroristen sind Vollprofis."
Herr Schneider, was ist das für ein Quatsch, den Sie hier geschrieben haben?
Erstens: Wollen Sie sich darauf verlassen, dass Ihr nächster Flug von einem Terroristen gesprengt werden soll, der kein "Vollprofi" ist?
Zweitens: Diese Geräte sollen die Sicherheit verbessern, und sie sollen gerade die "Vollprofis" heraus fischen. Für einen professionellen Journalisten ist diese Aussage unkorrekt, schlecht recherchiert und blauäugig wiedergegeben. Mit anderen Worten: Setzen, sechs.

Lediglich mit dem Schlussabsatz stimme ich überein. Kompetenzwirrwarr verhindert Absprachen, und schlecht ausgebildetes Billigpersonal in der Flughafensicherheit erhöht die Fehlerquote. Das sind allerdings Baustellen, auf denen das Geld für die Nacktscanner besser investiert wäre.
Und ja, absolute Sicherheit im Flugzeug kann und wird es nie geben. Immerhin können die Mistdinger immer noch abstürzen.
Mit diesem Teil Ihrer Aussage kann ich mich identifizieren. Der Rest ist, Entschuldigung, Industriepropaganda. Ich hoffe, Sie wurden wenigstens dafür von den Herstellerfirmen bezahlt. Sonst war ihr Kotau nicht nur peinlich, sondern auch umsonst.

Mit freundlichem Gruß,

Alexander Kaiser


Anmerkung: Dieser Leserbrief ging heute per E-Mail an die Redaktion. Ich bin gespannt, ob und wie Herr Schneider reagiert.

Nachtrag am Mittwoch: Noch keine Reaktion. Dafür aber ein neuer Kommentar von Herrn Schneider in der Zeitung, in dem er eifrig auf Google Street View einbasht. Er suggeriert tatsächlich, Streetview hätte ein Interesse daran, SÄMTLICHE STRAßEN z.B. Hamburgs und damit auch die Wohnviertel aufzunehmen. Ein derart logistischer Aufwand erscheint mir doch zu hoch zu sein. Herrn Schneider allerdings nicht.

Nachtrag am Montag: Nach einer Woche noch immer keine Reaktion von Herrn Schneider. Ich hoffe, dass ihn meine Mail schlicht und einfach nicht erreicht hat; andernfalls wäre das ein Armutszeugnis für einen professionellen Journalisten.

Nachtrag am 06.05.2011: Natürlich nie eine Reaktion. Entweder ist die überregionale Redaktion der LDZ des E-Mailens nicht fähig, oder mein Leserbrief ist stantepede im Datenpapierkorb gelandet. Beides sehr peinlich für eine Zeitung, die in heutigen Zeiten bestehen will.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Raider heißt jetzt Twix - und Nacktscanner heißen jetzt Körperscanner, sonst ändert sich nix!

Ehrlich gesagt war ich schon etwas verwundert, als ich heute die LDZ aufschlug, die Tageszeitung meines Vertrauens. Allerdings hat es bis eben gedauert, bis ich dahinter kam, was mich störte.
Im Artikel kamen ein Sicherheitsbeauftragter des Frankfurter Flughafens und der Innensenator Hamburgs, Christoph Althaus, zu Wort, die den Einsatz von Nacktscannern erheblich befürworteten. Das hat eigentlich schon gereicht, um genügend Stoff für meinen Blog her zu geben.
Dann aber fiel mir auf, dass das einschlägige Jargonwort "Nacktscanner" im Artikel vollkommen vermieden wurde. Dieses - zugegeben - sehr negative Wort für die neue Sicherheitstechnologie soll also genauso aus der Diskussion verschwinden wie dazumal Raider, oder in der neueren Zeit das Wort Schweinegrippe?
Vielleicht hat Twix sich für die leckeren Keks-Karamell-Schokoriegel durchgesetzt. Schweinegrippe wurde in den Medien jedoch nur äußerst selten H1N1, Neue Grippe, Mexikanische Grippe oder Nordamerikanische Grippe genannt. Ebenso wenig wird sich "Körperscanner" für den Begriff "Nacktscanner" durchsetzen. Und damit ist die Problematik bereits auf den Punkt gebracht.
Während die Flughafensicherheit und Herr Althaus die neue Technologie unbedingt wollen - leider kann ich nicht auf ein Printmedium verlinken - und die Zeitersparnis loben, betonen die Kritiker immer noch den Angriff auf die Menschenwürde, der mit dieser Technologie in Kauf genommen wird. Der Bundestagsdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sagt dazu: "Ich habe bisher noch kein Gerät gesehen, das die Persönlichkeitsrechte wahrt."
Unser Innenminister in Niedersachsen, Herr Schünemann, bläst jedoch in ein anderes Horn. In einem Focus-Artikel fordert er zwar zuerst, dass die Profilsuche (wie am israelischen Flughafen Tel Aviv üblich und höchst erfolgreich - Anm. d. Autors) vor der Nacktscannertechnologie stehen müsse, betont aber, dass ein Nacktscan nicht so ehrverletzend sei wie z.B. die am Flughafen übliche Leibesvisite oder gar die Fälle, in denen sich Passagier ganz entkleiden müssten.
Zugegeben, in dem Punkt hat Herr Schünemann Recht - aber er unterschlägt, dass für das Entkleiden ein konkreter Verdachtsfall vorliegen muss.

Fazit: Tolle Idee, der Scannertechnologie ein besseres Image als Heilsbringer zu verpassen, ihren Namen auf etwas weniger anrüchiges ändern zu wollen und die Sicherheit in den Vordergrund zu stellen.
ABER die Diskussion geht in die vollkommen falsche Richtung. Denn wir wissen ja spätestens seit der Markus Lanz-Sendung zum Thema, dass die neue Technologie ein Totalversager ist.
Und selbst wenn sie so sehr verfeinert wird, dass sie tatsächlich auch auf die Haut geklebte Zünder entdeckt - wer hindert die Terroristen daran, ihr Handwerkszeug im Körper zu tragen?
Das wäre dann Terrorismus für'n Arsch, zugegeben. Aber effektiv.
Also, die Technologie FUNKTIONIERT einfach NICHT. Dafür Milliarden auszugeben, um den Flughafenbetreibern Absolution für vollständige Sicherheit zu erteilen und den Fluggästen eine Placebo-Sicherheit zu bieten, halte ich für vollkommen übertrieben.
Es gibt weitaus bessere Ansätze, und die kosten nicht einmal einen Bruchteil dessen was diese Unsinnskabinen kosten sollen.
Und wie wir ja alle wissen: Auch im Falle unseres verhinderten nigerianischen Selbstmordbombers hat die Nacktscannertechnologie komplett versagt. Denn der niederländische Flughafen Schiphol, von dem er gestartet ist, hat bereits fünfzehn Nacktscanner im Einsatz. Leider ist der ursprüngliche, von mir in einem früheren Blog-Eintrag gesetzte Link zum entsprechenden Artikel mittlerweile tot, aber die Süddeutsche Zeitung berichtete bereits 2008 über die Nacktscanner, die auf Schiphol im Einsatz sind - und der Link ist nicht gelöscht.

Ich kann es nicht oft genug sagen: Sprengstoffdetektoren sind weit sinnvoller als Nacktscanner, denn die finden auch eine Bombe, die im wahrsten Sinn des Wortes für den Arsch ist.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Thermit im Nacktscanner oder wie die neue Technologie Versagen lernte.

Es kommt vor, aber nicht allzu häufig, das ich tatsächlich mal im Fernsehen eine Talkshow sehe.
Gestern platzte ich eher zufällig in die Talkshow von Markus Lanz, und das mitten in eine ungekennzeichnete Werbesendung für den neuartigen Nacktscanner. In diesem speziellen Fall die Version, die keine Silhouetten abbildet. Befürworter und Gegner waren versammelt, ein Technik-Experte der Nacktscanner-Firma aus dem Ausland eingeflogen, und zwei riesige Blöcke aufgestellt, zwischen denen das Nacktscannen funktionieren sollte.
War die Stimmung anfangs noch sehr pro Scanner eingestellt, und deshalb durften (den Namen habe ich gerade im Internet recherchiert, weil ich mir keine Notizen gemacht habe) Herr Bosbach vom Innenausschuss des Bundestages sowie der englischsprachige Spezialist ungehindert ihre Technologie und ihren schnellen Einsatz anpreisen, vor allem weil das Hauptmanko, nämlich der Silhouttenscan, abgeschaltet und die Technologie damit nicht mehr voyeuristisch ist.
Bullshit! Für mich ist das Hauptthema nur am Rande die exhibitionistische Komponente. Ich fand, wie Ihr, meine lieben Leser, in meinem Blog nachlesen könnt, die Funktion des Scanners wesentlich wichtiger - und stellte seine Nützlichkeit in Frage.
Nun, wie gesagt, bis zu diesem Punkt war es eine Werbesendung für den Nacktscanner, und alles schien gut gelaufen zu sein. Aber leider hatten die Befürworter die Rechnung ohne zwei Personen gemacht. Der eine war Markus Lanz selbst, aber dazu später mehr. Der andere war der Gegner der Nacktscanner-Technologie, Professor Werner Gruber.

Professor Gruber ist für seine "Tipps an Terroristen" bekannt. So würde es aber nur ein Idiot formulieren. Er selbst versucht durch seine Hinweise auf Sprengladungen aus Haushaltschemikalien eher zu vermitteln das nichts wirklich einhundert Prozent sicher sein KANN, solange die wichtigste Grundvoraussetzung in der Welt nicht abgeschafft wurde, nämlich der Nährboden für Terrorismus durch Unterdrückung, Diskriminierung und Übervorteilung. Bis das der Fall sein wird, kann man für ein paar Cent auch Bomben basteln. Falls man die richtige Mischung kennt.
Im übrigen stimme ich hier als altgedienter Perry Rhodan-Leser mit dem Professor überein. Allgemeiner, weltweiter Wohlstand, freie Bildung und ein Ende der Diskriminierung und Unterdrückung von Ressourcenstaaten in Afrika und im Nahen Osten birgt einzig die Chance, Terror zu beenden. Religionsfreiheit und Religionstoleranz nicht zu vergessen.

Aber der gute Professor ist nicht nur ein Lebensphilosoph. Er ist auch Physiker, und sein Fachwissen wusste er gut in Szene zu setzen. Er selbst setzte sich dem Nacktscanner aus, mit einem Handy, einem Schweizer Taschenmesser und dem Transponder für sein Mikrophon am Körper.
Der Scanner erfasste den Transponder und das Handy, nicht jedoch das Messer.
Und dies wurde zur großen Stunde des Herrn Professors, als er nach und nach mehrere Behälter mit Haushaltschemikalien aus seiner Jacke hervor zog, die der Scanner NICHT entdeckt hatte.
Dies brachte den Spezialisten in Erklärungsnotstand, und er haspelte sich damit heraus, das Herr Gruber in einem Scanner auf einem Flughafen selbstverständlich sein Jackett ausgezogen hätte. Der Scanner hatte diese Behälter nicht erfassen können, weil sie nicht eng am Körper anlagen. Hallo? Wäre ich Terrorist, wüsste ich jetzt schon mindestens drei Wege, um dieses Manko des Nacktscanners auszunutzen! Weite Hemden sind da nur die kürzeste Idee.
Aber es kam noch besser. Professor Gruber präsentierte seinen Unterschenkel, auf den er mit Hilfe von Klebeband, also direkt auf der Haut (genau die Situation, die der Nacktscanner erkennen soll) ein Glasröhrchen geklebt hatte.
Diesmal blieb dem Spezialisten nur hilfloses Schweigen.

Nun aber schlug die Stunde von Markus Lanz. Der hatte bereits vor der Sendung ein Experiment vorbereiten lassen. Vor dem Studio wartete ein Versuchsaufbau auf Professor Gruber samt seiner Chemikalien, die Diskussionsteilnehmer und Markus Lanz.
Draußen war eine Eisenpfanne auf Steinen aufgebockt. Der Professor legte die Behälter hinein und erklärte, das es sich bei einer konkreten Mischung um Thermit handelte, eine Verbindung, die einmal entzündet, mit bis zu viertausend Grad abbrennen würde und unlöschbar ist. Kein Wunder, denn das Eisenoxyd im Thermit bringt den Reaktionssauerstoff ja schon mit.
Also zündete der Herr Professor die Mischung an, alle Beteiligten hielten weit, weit Abstand, und die Masse begann ellenlange Sekunden zu brennen. Nach einer gefühlten Minute war die Reaktion vorbei, und die Eisenpfanne an mehreren Stellen schlicht durchgebrannt!
Dankenswerterweise hielt Professor Gruber die Zusammensetzung des Thermits geheim.

Damit hat Herr Lanz die Befürworter mächtig auf Grundeis laufen lassen, denn der Scanner hat nicht nur dabei versagt, die Chemikalien zu finden, er hat auch das Glasröhrchen, das den Zünder hätte enthalten können, nicht einmal ansatzweise entdeckt.
Die Technologie taugt nichts. Sie ist nur teuer, aufwändig und vermittelt den Menschen etwa die gleiche Sicherheit wie jene Survival Kits, die in Amerika nach dem elften September verkauft wurden, und aus Atemmaske, Klebeband zum Fenster abdichten und Trockennahrung bestanden hatten: Bestenfalls eine vage.
Hier wird mit viel Geld versucht, noch viel mehr Geld zu verdienen. Aber da ich weiß, dass der nigerianische Terrorist, der durch seinen misslungenen Anschlag die Diskussion erst angeschoben hat, von Schiphol startete, einem niederländischen Flughafen mit bereits fünfzehn Nacktscannern, gehe ich mal nicht davon aus, es hier nicht mit einem Riesenkomplott der Nacktscannerindustrie zu tun zu haben. Obwohl, es wäre dann die gleiche hysterische Handschrift, die wir schon nach 9/11, Vogelgrippe und Schweinegrippe erlebt haben. Ups, ich habe es gesagt.

Als neue Technologie, welche die Sicherheit erhöht, taugt der neue Scanner m.E. also NICHT.
Stattdessen sollten wir uns wirklich, wirklich, wirklich (abgesehen davon, dass Flugzeugattentate immer noch sehr selten sind) mal am Flughafen von Tel Aviv orientieren, dem weltweit größte Sicherheit bescheinigt wird. Doch dann kann die Industrie ja nicht zehntausende schlecht funktionierender Geräte als brandneue und hochwertige Sicherheitstechnologie verkaufen. Pech.

Nachtrag: Das ZDF stellt wie immer die ganze Sendung online. Sehr empfehlenswert zu sehen.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Die Welt aus der eigenen Sicht sehen...

Mit diesem eher normalen Titel möchte ich gerne den Blog beginnen. Genauer gesagt mit zwei Personen, die m.E. die Welt etwas zu sehr aus eigener Sicht sehen.
Zwei Themen erwarten heute meine eifrigen Leser. Im einen geht es um den Islam im weitesten Sinne, im anderen um *sigh* die Nacktscanner.

Doch der Reihe nach. Vor ein paar Tagen wurde der als Mohammed-Karikaturist bekannt gewordene Kurt Westergaard in seiner dänischen Heimat von einem mit einer Axt bewaffneten Einzeltäter in seinem Haus überfallen. Er und sein Enkel konnten sich gerade so noch in sein Badezimmer retten. Die Polizei kam schnell hinzu, da der Mann unter Polizeischutz steht, und konnte den Täter verhaften. Ende gut, alles gut? Nein, sicherlich nicht. Ich will heute allerdings nicht über Westergaard oder seine Karikaturen sprechen, obwohl ich als eingefleischter MAD-Leser in dieser Beziehung abgehärtet bin, sondern über Trittbrettfahrer.
Ein Trittbrettfahrer fiel mir da in der heutigen LDZ ganz besonders ins Auge, nämlich die türkischstämmige Soziologin Necla Kelek. In einem Interview äußerte sie sich besorgt, geradezu entrüstet über die fehlende Resonanz in den Medien nach dem Anschlag und warf deutschen Medien Angst vor dem radikalen Islam, ja Duckmäuserschaft vor. Sie ging sogar so weit zu sagen, dass "man (die Medien) anscheinend froh sei das nichts schlimmeres passierte und man nun Eskalationen vermeiden will".
Weiter ging sie hart mit den Anhängern des islamischen Glaubens ins Gericht und warf ihnen vor - wobei sie erfreulicherweise nur zehn Prozent von ihnen meinte - man könne nicht für Minarette, Moscheen und Kopftücher sein und dann Selbstmordattentäter, Zwangsheirat und Ehrenmorde ausschließen, bzw. aus der Verantwortung.
Nun kenne ich Frau Kelek überhaupt nicht, und ehrlich gesagt habe ich auch nicht das Bedürfnis, sie kennen zu lernen. Denn ich halte nichts von Radikalen, egal in welche Richtung sie schießen. Ich bin nur ein wenig verwundert, weil ICH die Medienwelle gesehen habe, die nach dem Anschlag durch Deutschland rollte. Was hat Frau Kelek erwartet? Das automatisch ein Inhaftierungspogrom beginnt und alle "radikalen" Ausländer anschließend ausgewiesen werden? Oder das unsere Zeitungen sofort ein solches Vorgehen fordern?
Was Herrn Westergaard passiert ist, war eine Nachricht. Diese wurde verbreitet. Sicher ergaben sich daraus Forderungen nach Konsequenzen, aber die sollte der Attentäter tragen, nicht jene, die Glaubensbrüder dieses Mannes sein müssen, weil er sich zum Islam bekannt hat.
Auch verwundert es mich, dass sie fordert, dass neben dem Kopftuch auch ein Bekenntnis zum Ehrenmord kommen müsse. Hallo, Frau Kelek? Tot schweigen ist wohl eine herzlich dumme Idee, aber ich persönlich finde es schon mal einen sehr guten Anfang, wenn islamische Bürger in Europa Ehrenmorde schon mal NICHT unterstützen.
Ich frage mich gerade, ob Frau Kelek zur Radikalisierung gegen radikale Islamisten aufgerufen hat.
Liebe Frau Kelek, Minus und Minus ergibt NUR in der Mathematik Plus. Also seien wir einfach froh über jeden in Deutschland lebenden Moslem, der Ehrenmorden, Zwangsheiraten und Selbstmordattentaten nichts abgewinnen kann. Denn diese schleichende Revolution in den Köpfen bedeutet letztendlich, dass sie in Deutschland angekommen sind.


Thema Nummer zwei wurde vom Kommentar in der heutigen Ausgabe der Leine Deister Zeitung inspiriert: Der Autor Christof Schneider verteidigt dort vehement die Nacktscannerpläne, und erklärt auch wieso er das tut.
Leider habe ich hierfür keinen Internetlink gefunden, abschreiben will ich auch nicht, also werdet Ihr, meine lieben Leser, wohl die Zeitung kaufen müssen, wenn Ihr den Kommentar lesen wollt.
Jedenfalls verteidigt Herr Schneider die Nacktscannerpläne, und führt dabei an, "dass die Mehrheit der pragmatischen Deutschen" lieber ein wenig Intimsphäre aufgibt, um dafür ein wenig mehr Sicherheit beim fliegen zu haben".
Auch die Kritik, das der Nacktscanner einfach umgangen werden kann, indem man Waffen und Sprengstroff IM Körper durch den Scanner schmuggelt, kontert Herr Schneider mit dem Hinweis: "Doch nicht alle Terroristen sind Vollprofis".
Herr Schneider, Sie haben Unrecht. Terroristen, die sich auf Flugzeuge schmuggeln, die Sprengstoff mitbringen und/oder Waffen, SIND Vollprofis. Sie sind sozusagen die Crème de la Crème des internationalen Terrorismus. Denn die Kontrollen vor internationalen Flügen gehören zu den Aufwändigsten in der Welt (Einschränkung: Wenn sie durchgeführt werden), und setzen die Messlatte entsprechend hoch. Dass mit dem jungen Nigerianer, der durch eine Fehlfunktion der Zündflüssigkeit nicht erfolgreich war, nun kein hochkarätiger Terrorist, sondern nur ein schauspielerisch begabter Fanatiker der hinteren Chargen an Bord war, deutet vielleicht das Gegenteil an - außer man betrachtet das Selbstmordattentat als das was es ist: Ein Bauernopfer. Und obwohl das Attentat gescheitert ist und die Al Kaida-Sprengstoffspezialisten erst mal dran feilen müssen warum die Bombe nicht zündete, ihren Nutzen hat die Organisation trotzdem. Der Anschlag ist zwar fehlgeschlagen, der Attentäter in der Hand ihrer Feinde und Amerika wieder sicher... Aber sie ziehen dank der Medien ihren Nutzen daraus und verbreiten Angst und Schrecken, ohne Angst und Schrecken zu verbreiten. Solche Zeiten sollte man weder dazu missbrauchen, den Terroristen kostenlose Promotion zu liefern, noch trittbrettfahrenden, unnützen Technologien Tür und Tor aufzuhebeln.

In den letzten Jahre sind mir einige Flugzeugabstürze zu Ohren gekommen, aber nicht ein einziges erfolgreiches Attentat. Könnte es also sein, das fliegen immer noch die sicherste Form des Reisens ist, Terrorismus hin, Terrorismus her? Und könnte es nicht sein, dass die Bundesbürger DOCH etwas gegen unnütze, voyeuristische und wertlose Technologien haben, die sie bloß stellen? Herr Schneider, ergreifen Sie nicht Partei für eine Technologie, die in Holland schon einmal dabei versagt hat, einen Terroristen aufzuhalten - entweder aus technischen Gründen, oder weil sie falsch platziert war (wir erinnern uns alle: der niederländische Flughafen Schiphol, von dem der Nigerianer geflogen ist, HAT bereits fünfzehn Nacktscanner). Stattdessen bewahren Sie bitte unzählige Flughäfen davor, in überteuerte, sinnlose Technologien zu investieren, deren Kosten diese dann auf die Gesellschaften wälzen, von wo es zu den Fluggästen geht, oder noch schlimmer zu den zweiundachtzig Millionen Steuerzahlern in Deutschland. Noch mal: Terroristen, die sich an Flughäfen ran wagen, SIND Vollprofis.

Edit am 10.01.: Zusätzlich bemerkt ist die Hoffnung, dümmere Terroristen "abfischen" zu können nicht nur lächerlich, sondern auch noch äußerst gefährlich, Herr Schneider.

Dienstag, 5. Januar 2010

Nacktscanner nacktscannen nur wenn sie nacktscannen.

Es ist schon einige Zeit her, dass ein fanatischer Nigerianer bereit war, sich selbst in die Luft zu sprengen und das amerikanische Flugzeug, in dem er reiste, gleich mit.
Diese Tat, die verhindert wurde, weil der pulverförmige, bzw. kristalline Sprengstoff nicht zündete, sondern abbrannte (und, da bin ich kein Experte, deshalb nicht nachträglich explodierte, weil der Brand gelöscht werden konnte... Vielleicht wäre er aber auch dadurch nicht detoniert), warf den Ruf nach Nacktscannern auf. Diese Sicherheitstechnologie, die von vorneherein voyeuristisch empfunden wurde, soll tatsächlich, da sie durch die Kleidung dring, alles offenbaren, was "man" am Leibe trägt. Auf diese Weise, so die Befürworter der neuen und supernützlichen Technologie, wäre auch das Sprengstoffpäckchen entdeckt worden. Soweit so gut.
Vor einigen Tagen hörte ich dann, dass Hollands Flughäfen als so ziemlich einzige in Europa den Nacktscanner bereits einsetzen... Klick.
Der nigerianische Möchtegern-Bomber startete vom niederländischen Flughafen Schiphol... Klick.
Die Vertreter dieser neuen Sicherheitstechnologie behaupten, ihre Scanner hätten den Sprengstoff entdeckt... Klick.
Hierzu ein hilfreicher kleiner Link zu einem Artikel auf freiepresse.de, der zu berichten weiß, dass der Amsterdamer Flughafen Schiphol sechzig neue Nacktscanner einsetzen will. Der Witz an dem Artikel ist allerdings der letzte Satz. Zitat aus der Meldung: " Auf dem Amsterdamer Flughafen, von dem aus das US-Flugzeug Weihnachten startete, gibt es bereits 15 Nacktscanner."
Klick, klick, klick, klick, klick, klick. Bingo.
Was ist also passiert? Laut Bericht der Flughafensicherheit wurde der nigerianische Möchtegernterrorist mit dem Metallsucher gecheckt und oberflächlich abgetastet, bevor er in das Flugzeug nach Amerika stieg.
Wie jetzt? Schiphol hat fünfzehn Nacktscanner, und die stehen nicht an den internationalen Terminals? Also entweder lügt hier jemand nach Strich und Faden, um die neue Technologie Hoffähig zu halten... Oder in Schiphol gibt es einen sehr bedauerlichen Fehler im Sicherheitskonzept. Wenn das zu den Amis durchsickert, werden sie entweder sehr sauer sein oder ihr Vertrauen in diese neue revolutionäre Technologie vollkommen verlieren.
Lernt mal lieber vom sichersten Airport der Welt anstatt auf Technologie zu setzen, die sowieso umgangen werden kann.
Übrigens kann man mehrere Artikel zum Flughafen von Tel Aviv kontra Nacktscanner googlen, einige sind aber aus unerklärlichen Gründen nicht oder nur über kleine Tricks erreichbar.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Althaus durch den Nacktscanner schicken

Es gibt Dinge auf dieser Welt, die sind unausweichlich. Manchen Tatsachen oder Umständen kann man nicht entkommen. Eine davon ist die allgemeingültige Tatsache, dass auf den Tag die Nacht folgt... Oder dass man in bewölkten Nächten keine Sterne sehen kann... Dass Wasser grundsätzlich bergab fließt... Dass die Schlagzeilen der BLÖD-Zeitung dazu führen, das ich mich regelmäßig aufrege...

Heute soll es um letzteres gehen. Die aktuelle BLÖD-Schlagzeile regt mich nämlich auf: Althaus fährt wieder Ski!
Mein erster Gedanke war; Will er noch jemanden umbringen?
Aber der Reihe nach. Dieser Bericht, der BLÖD die halbe Titelseite wert ist, zeigt einen Skifahrer, der Althaus im Winterurlaub sein soll, sowie ein Foto der jungen Mutter, die vor gut einem Jahr beim Unfall mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten umgekommen ist.
Und jetzt kommt der Part mit dem aufregen. Nein, Althaus hat nicht schon wieder einen totgefahren. BLÖD verschweigt nur vollkommen, das Althaus am Unfall Schuld ist, rechtskräftig verurteilt wurde und eine hohe Geldstrafe an den Witwer zahlen musste.
Ich kenne Herrn Althaus nicht persönlich und kann ihn deshalb als Mensch nicht einschätzen. Aber ich nehme es ihm übel, dass er die politischen Gegner gebeten hat, sich im Wahlkampf über den Unfall auszuschweigen, ihn aber selbst politisch ausgeschlachtet hat. Und der BLÖD nehme ich es übel, diese Tatsache ebenfalls unter den Teppich zu kehren. Gewiss, es war ein Unfall, aber der Schuldige hat den Kopf zwischen die Schultern gezogen, die Verantwortung abgewälzt und gehofft, dass sein Verbündeter, die BLÖD-Zeitung, die Sache schon verwischt oder weit genug unter den Teppich kehrt. Der Teppich hat noch ein paar Beulen, wie das Foto des Opfers zeigt. (Wofür BLÖD sicherlich die nächste Klage ins Haus rollen wird, weil die Hinterbliebenen dieser Veröffentlichung GARANTIERT NICHT zugestimmt haben.)
Aber der Verursacher des Unfalls wird schon mal rausgeschwiegen. Leider haben wir kein so schlechtes Gedächtnis, lieber Herr Ex-Ministerpräsident, liebe BLÖD-Zeitung. Und wir beobachten euch weiterhin. (Vielleicht tue ich der BLÖD unrecht, und im weiteren Bericht auf Seite zwei wird erwähnt, das Althaus den Unfall verursacht hat. Aber man möge mir verzeihen, das ich davor zurückgeschreckt habe, die BLÖD aufzuschlagen. Jeder hat eine gewisse Hemmschwelle, die nicht so leicht zu überwinden ist.)

Teil zwei meines Blogs behandelt die so genannten Nackt-Scanner, eine besondere Form der Körperanalyse, bei der ein Proband in eine Scannerkabine tritt und anschließend auf einem Monitor ohne Kleidung abgebildet wird. Bis zum heutigen Tag gilt diese - funktionierende - Technik als Verletzung der Menschenrechte, empörend und übertrieben.
Seit sich ein radikaler Nigerianer mit achtzig Gramm kristallinem Sprengstoff in der Unterhose (angeblich im Auftrag von Al Kaida) beinahe in einem Flugzeug in die Luft gesprengt hätte, ist die Koalition in Berlin laut Tagesspiegel eindeutig PRO Nacktscanner eingestellt. Tja, was man nicht alles auf dem Trittbrett mitreisen lassen kann.
Der eine versucht auf der Empörung über Kinderpornographie mal schnell aus dem Rollstuhl heraus eine Internetzensur zu etablieren, der andere versucht die bisherige Sicherheitstechnologie durch einen Milliardenauftrag an eine Einzelfirma zu pushen. Aber ich habe nichts anderes von CDU/FDP erwartet. Die Doppelfrauenspitze wird für noch mehr derartige Überraschungen gut sein.
Liebe Koalition, lasst mich ein weiteres Adjektiv, den Nacktscanner betreffend, hinzufügen: Unnötig. Was passiert wohl, wenn der Nacktscanner Standard wird, mit dem man Menschen unter die Kleidung sehen kann? Ganz einfach: Potentielle Attentäter erkennen, dass der Nacktscanner AUCH NUR bis zur Haut reicht. Bereits jetzt schlucken Drogenkuriere Heroin und Kokain, verbergen es unsichtbar von jeder Leibesvisitation, und unsichtbar für Nacktscanner in ihren Körpern, gehen dabei ein großes persönliches Risiko ein... Solche "Drogenesel" werden von erfahrenen Beamten der Zollfahndung immer wieder im internationalen Flugverkehr entdeckt. Auch Al Kaida-Terroristen werden sich nicht zu schade sein, sich ein paar Gramm Sprengstoff in den Arsch zu stecken, wenn sie damit an einem Nacktscanner vorbei kommen. Und das ist auch die Idee mit dem Nacktscanner: Im Arsch.
Stattdessen sollte man in die richtige Technologie investieren, nämlich animalische oder technische Sprengstofffinder. Die animalischen haben wir schon lange. Es lebe die Hundenase. Die technische ist bereits sehr weit in ihrer Entwicklung. Beim Umgang mit Sprengstoff ist es nahezu unmöglich, absolut sauber zu arbeiten, was bedeutet, das die Umgebung des Sprengstoffs mit Spuren kontaminiert ist. Technische Spürnasen können diese Sprengstoffspuren finden und nachweisen. Das ist zuverlässig, geht schnell und greift die Menschenwürde nicht an. Aber wahrscheinlich ist das nicht spektakulär genug. Vielleicht glaubt Frau Merkel, den Familien auch was fürs Steuergeld zu bieten, und so ein Nacktscanner vor dem Urlaubsflug ist ja immerhin ein Erlebnis.

Was mich noch ganz fix zu einem dritten Thema bringt. War da nicht noch was kurz vor der Bundestagswahl? Hat da nicht ein arabisch aussehender Mann in sehr gutem Deutsch ganz Deutschland gedroht, das es zu Anschlägen kommen könnte, wenn "wir nicht die richtigen wählen"? Hm. Oktober, November, Dezember... Immer noch kein Anschlag. Brauchen die Jungs so lange? Brüstet sich die deutsche Polizei nicht mit verhinderten Anschlägen? Fanden sie bereits statt, und Al Kaida hat sich einfach ein unspektakuläres Ziel ausgesucht? (Das WAR doch neulich eine Fliegerbombe, oder? Und das Kölner Stadtarchiv ist doch wegen dem U-Bahnbau eingstürzt, oder?)
Und da drängt sich mir der Verdacht auf, dass besagter zorniger junger Mann mit genau diesem Ausgang der Bundestagswahl zufrieden sein könnte. So zufrieden, dass Al Kaida keine Anschläge angeordnet hat? Das Ausbleiben der Anschläge springt doch geradezu ins Auge: Ist Al Kaida CDU/FDP-Wähler? Der Gedanke liegt nahe. Die Alternative wäre, dass der junge, arabisch aussehende und so gut deutsch sprechende Mann ein Hoax war, oder ein recht zorniger, aber machtloser Einzeltäter, der sich über die viele Aufmerksamkeit in Deutschland gefreut hat.
Es gibt da natürlich auch noch die Erklärung, dass die große mächtige Terrororganisation Deutschland international nicht für voll nimmt und denkt das es ausreicht, ab und an mit einem Anschlag zu drohen, um in unseren Zeitungen und anderen Medien übermäßig präsent zu sein. Aber das dürfte an den Haaren herbei gezogen sein. Ich meine, Hey, es wir doch nicht gleich durch alle Medien mit fetter Schlagzeile gehen, die damit die Bundesbürger noch extra verunsichern, nur weil jemand ein Youtube-Video hoch geladen hat? Das erscheint mir dann doch bei unserer sachlichen, kritischen und gut recherchierenden Presselandschaft nicht möglich zu sein.
Sollte es in der Zwischenzeit oder kurz nach der Veröffentlichung dieses Blogs zu einem Al Kaida-Anschlag in Deutschland kommen, habe ich selbstverständlich unrecht gehabt. Daran glauben tue ich trotzdem nicht.

Edit am 04.01.: Eine Frage beschäftigt mich bei der ganzen Nacktscannergeschichte seit fünf Minuten: Hätte dieses Mistding eigentlich den kristallinen Sprengstoff in der Unterhose des Nigerianers entdeckt, oder wäre dieser nicht erkannt worden?
Auf die Antwort bin ich gespannt.