Donnerstag, 17. Februar 2011

Gutti-Bashing ist "in".

Das heißt aber nicht, dass ich mich daran beteiligen möchte.
Okay, ich korrigiere mich selbst: Nicht ausschließlich zum aktuellen, nachstehenden Thema.
Im Moment läuft eine hitzige Diskussion über KTG und seine Doktor-Arbeit, die mit einer Eins ausgezeichnet wurde. Lesen kann man das zum Beispiel in diesem Artikel von Tagesschau.de, aber auch hier auf Bild.de.
In den Kommentaren zu ersterem Artikel geht es hoch zur Sache.
Inhaltlich geht es darum: Hat KTG schlampig oder sogar mit Vorsatz gearbeitet, als er nicht gekennzeichnete Zitate verwendet hat?
Dieser Teil der Diskussion interessiert mich nicht, denn das ändert NICHTS am Umstand, dass er zitiert hat, wortwörtlich, und es nicht kenntlich gemacht hat. Nach Kenntnisnahme nicht weiter interessant, und es fügt meinem Bild zu KTG keine negativen Aspekte hinzu. Ohnehin steht die Meinung einiger Fachleute fest, und das reicht mir.

Viel wichtiger ist mir ein Aspekt, den KTG's standhafte Verteidiger anbrachten, indem sie das "Sampling" ihres Lieblingsministers bagatellisieren und auf seine Arbeit als Bundespolitiker verwiesen haben, die "viel mehr über ihn aussagt" und "wertvoller" ist...
...sacken lassen.

Seine Arbeit als Bundespolitiker, also?

Hm, mal sehen. Was haben wir da denn so? Einmal die Opel-Geschichte, damals als Wirtschaftsminister. Da hat er die ganze Angelegenheit ausgesessen, bis sich General Motors erbarmt und Opel doch behalten hat - obwohl ein potenter Investor in der Branche und ein russischer Partner bereit standen. Ergebnis: Ein Teil der Subventionen für Opel wird wohl auch weiterhin nach Detroit abgezweigt werden.

Ach ja, hätte ich fast vergessen: Wirtschaftsminister KTG ließ eine komplette Gesetzesvorlage von einem englischen Büro schreiben und hat es eins zu eins eingereicht. Da fragt man sich schon, ob er seine Staatssekretäre, Beamten und Mitarbeiter allesamt für Idioten gehalten hat, die nicht mal eine Gesetzesvorlage ausarbeiten können, wenn er für eine Fremdarbeit bei englischen Juristen ein paar Millionen berappt.

KTG, der Verteidigungsminister: Wahrlich kein Ruhmesblatt.

Oberst Klein und die gestohlenen Tanklaster.
Darüber habe ich gebloggt. Ausführlich. Man mag mich deshalb als Menschenfeind sehen, als Zyniker gar, aber das ändert nichts an meiner Einstellung. Der BW wurde Sprit geklaut, und als die Tankwagen stecken blieben, wurde das Diebesgut an Taliban-Sympathisanten aus den umliegenden Dörfern verteilt. Nicht irgendwann, sondern nach Mitternacht. Das ist in meinen Augen Diebstahl, und auch der Koran sieht das so. Außer, jemand möchte mir jetzt erklären, dass das Benzin ursprünglich dem afghanischen Volk gehört hat, und ihm nur wieder zugeführt wurde.
Meine Sicht damals wie heute: Oberst Klein hat im Rahmen seiner Möglichkeiten richtig entschieden. Er wurde von Paramilitärs angegriffen, und die Involvierung der Sympathisanten macht sie keinesfalls zu Nichtkombattanten oder gar "menschlichen Schutzschilden".
Gut, gut, KTG muss meine Meinung nicht teilen, aber die Abberufung des Generalinspekteurs der Bundeswehr, weil er "nicht rechtzeitig ausgiebig informiert" wurde, zieht nur einmal als Ausrede. Auch die Zahlungen an die Hinterbliebenen sind m.E. eine rechtlich unsichere Sache, denn seit wann werden Partisanen entschädigt? Eine andere Sache ist es natürlich, wenn wir die Anwesenheit der Bundeswehr generell in Frage stellen. Aber wenn wir davon ausgehen, dass sie von der Regierung und dem afghanischen Volk erwünscht ist, dann hat Muberkel der deutschen Politik mit den Entschädigungszahlungen einen Bärendienst erwiesen. KTG hat diese Affäre überlebt.

Da wurde doch tatsächlich Feldpost geöffnet, oder es wurden gleich leere Kuverts weiter verschickt. Die Briefpost deutscher Soldaten kam nicht an. Daraus wurde eine Affäre gemacht. Dabei ist NICHTS einfacher, als eine solide Staffette zurück zu verfolgen, um den in Frage kommenden Personenkreis einzuengen, und mit Ermittlungen zu beginnen. Soweit ich weiß, hat KTG großblumig verkündet, die Sache aufzuklären. Bisher habe ich keine Ergebnisse gesehen. Habe ich allerdings von KTG auch nicht erwartet. Eine minder wichtige Affäre, die entsprechend schnell geklärt werden könnte, wenn eine gewisse Zeitung mit vier Buchstaben hier nicht genauso hoch gespielt hätte wie mit der ARD, die im deutschen Feldlager nicht per Satellit zu empfangen gewesen war. Da frage ich mich, und zwar nur ich: Schauen die deutschen Soldaten da unten überhaupt die ARD?

Dann war da noch ein Soldat, der beim "Waffenreinigen" durch einen Unfall ums Leben kam. Anfangs war es ein Schuss beim Zerlegen der Waffe, dann soll einer der Kameraden herum geblödelt haben. In jedem Fall hat ein Soldat die strengen Bestimmungen für den Umgang mit scharfer Munition umgangen, entweder der Tote selbst oder ein Zweiter. In jedem Fall eine Sache, die fix geklärt worden wäre - wenn ein gewisser Minister durch sein Eingreifen nicht alles verschlimmbessert hätte. Internes Verfahren der Bundeswehr, und bei Erkennen eines Vorsatz Übergabe an die Justiz. So hätte es laufen müssen. Denn Fehler passieren, und sie finden immer einen Dummen. Ein Freund von mir war Falschirmjäger, und der erzählte mir, es sterben jedes Jahr bei der Ausbildung alleine zwei bis sechs Mann, durch Übermut, Unkonzentriertheit, unsachgemäßer Umgang mit der Ausrüstung. Schade nur, wenn durch die Dummheit ein anderer getötet wird. Eigentlich ne sichere Sache, außer es mischt sich ein Minister in einen Unfall ein - und vergisst die anderen zum Teil in Gefechten gefallenen über einhundert Toten der Bundeswehr.

Und wenn wir schon dabei sind: Da ist doch KTG mit seinem blonden Frolleinwunder nach Afghanistan geflogen. Der Beckmann und unser McAllister waren auch dabei. Was er nicht so gerne erzählt hat: Seine Frau blieb natürlich im sicheren Kabul, und er selbst entfernte sich auch nicht besonders weit von der Hauptstadt. Der sichere Luftwaffenstützpunkt Mazar el Sharif* diente als Kulisse für Kerners Kotau. Das, und der Minister in schusssicherer Weste, wobei das Pizza Hut sicherheitshalber nicht von den Kameras gezeigt wurde. Obwohl, das mit Pizza Hut und McDonalds habe ich nur gehört.
Dennoch, einen Fliegerhorst baut man eher selten mitten im Feindesland. Es besteht keine Notwendigkeit dafür. Die Biester sind einfach zu fix vor Ort, um sie absichtlich zu gefährden.
Abzüge in der B-Note wegen Fehler in der Selbstzurschaustellung, Herr Minister.

Ach ja, und dann ist da noch der Fall Sarah. Und ich meine den Fall Sarah. Warum hat KTG den Namen der toten Kadettin nicht aus den Medien raus gehalten? Warum hat er nicht auf eine interne Untersuchung gesetzt, wie es in solchen Fällen üblich ist? Warum wurde das Gestänkere von einigen Offiziersanwärtern durch die Presse gejagt, aber gleichzeitig Kapitän Schatz und der Stammbesatzung der Mund verboten?
Die arme junge Frau, am Anfang ihres Lebens, stürzte aus der Takelage und starb später an ihren Verletzungen. Ich würde jetzt gerne sagen, dass Unfälle, gerade auf Segelschiffen, nun mal passieren. Nicht nur dort, auf allen Schiffe. Und eher selten führen sie zu Tode, aber auch auf einem Stahlschiff in rauer See ist ein über Bord gehendes Besatzungsmitglied dem Tode näher als dem Leben.
Es tut mir Leid, dass die junge Frau ihr Leben verloren hat. Noch mehr tut mir Leid, wie sehr ihr Ansehen und ihre Persönlichkeitsrechte von den Medien im Nachinein missachtet, ja geschändet werden.
Dennoch, eine Abberufung von Kapitän Schatz, weil die BLÖD über Meutereien an Bord schreibt, entbehrt doch jeglicher Logik. Nach einem Meuterei-Vorwurf den Kapitän abzulösen ist doch wie Eulen nach Athen bringen.
Die übliche Vorgehensweise wäre erst einmal gewesen, zu klären, wie es zu dem Unfall kam - und wer in die Meuterei-Vorwürfe verwickelt war. Dies hätte zur Klärung beim Kommandanten vorliegen müssen, und wenn SEIN Bericht Unstimmigkeiten aufgewiesen hätte, wäre es Zeit für eine Untersuchungskommission gewesen.
Aber nein, ein gewisser Minister mit ruhiger Hand und überlegtem Blick entschied sich, nach Rücksprache mit dem BILD-Redakteur auf dem Beifahrersitz, Nägel mit Köpfen zu machen, und den Kapitän den Medien zum Fraß und zur Vierteilung vorzuwerfen.

...sacken lassen.
Alles in allem frage ich mich: Welche Leistungen im Ministeramt meinen die KTG-Fans? Kann sein, dass ich eines Tages in Berlin sitzen werde, auf einem Ministerposten, von dem ich keine Ahnung habe. Wo ich aber den Willen des Volkes vertreten muss, und deshalb mit gesundem Menschenverstand arbeiten muss. Kann sein, dass ich dann auch vor so einer schwierigen Situation mit einer von BLÖD hochgekochten Situation stehe und Rat brauche. Kann sein, dass ich dann einen falschen oder schlechten Rat bekomme. Kann sein, dass ich schlechte oder falsche Entscheidungen treffe. Es kann aber garantiert nicht sein, dass ich mich aufplustere, mit den Fäusten auf meiner Brust trommele und sage: Ich Minister - du nix! Im Ministerium arbeiten eine Menge Leute mit Erfahrung, die diesen Beruf gelernt haben. Ich würde einen Teufel tun, und ihnen nicht wenigstens bei diesen Problemen zuhören, um eine Entscheidung zu fällen, zu der ich stehen kann. Oder die ich - falls mich die Situation den Ministersessel kostet - auch dann noch vertreten kann, wenn ich den Schreibtisch ausräume.

Man muss KTG eigentlich in Schutz nehmen. Sein Verbündeter ist die BILD-Zeitung. Und die BILD geht für eine Story über Leichen, auch über jene ihrer Verbündeten.
Denn wie heißt es doch so schön: "BILD sprach zuerst mit den Toten!"

Mein Fazit: Er wird sicher nicht als bester, kompetentester, unbestechlichster oder ehrlichster Minister in unsere Geschichte eingehen, der gute KTG, aber sicher als bestfrisiertester. Ist ja auch was, oder? Auch wenn Westerwelle dem widersprechen würde.

Edit: Die CDU schlägt zurück und lässt folgendes verlauten:
"Das sah die Union anders. Sie nahm Guttenberg in Schutz und sprach von politisch motivierten Vorwürfen. "Es wird parteipolitisch seitens der Opposition ausgeschlachtet", sagte Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU). "Es ist lächerlich, wenn ein Wissenschaftler meint, er hätte diese Fehler routinemäßig gefunden. Man hat hier gezielt gesucht." Das sei lediglich "eine neue Episode in dem bekannten Spiel Schlag' den Guttenberg"."
(Zitat Ende. Sicher ist sicher.)

Mein lieber Herr Günter Krings... Egal welche Motive den Bremer Professor dazu geführt haben, die frei verkäufliche Doktorarbeit des KTG zu prüfen - er hat GEFUNDEN! Und das nicht zu knapp.
Aber wir wissen ja seit Helene Hegemann: Samplen ist für Nachwuchsautoren in - wahrscheinlich auch für Verteidigungsminister.


*Hier stand tatsächlich vor kurzem noch Sharm-el-Sheik. Da bin ich peinlichst durcheinander gekommen und habe den Namen eines ägyptischen Touristenorts zweckentfremdet. Ich bitte alle dreizehn Leser dieses Artikels um Entschuldigung.

Edit am Samstag, dem 19. Februar:
In den Kommentaren dieses Artikels von Tagesschau.de ändern die Guttenberg-Fans ihre Methode. Anstatt abzustreiten, dass KTG (oder sein Ghostwriter) aufs Übelste geklaut hat, beschimpfen sie das GuttenPlagWiki als Aasgeier, Menschen die mit ihrer freien Zeit mehr Sinnvolles anstellen könnten, als gehässige Neider, als Hetzer.
...sacken lassen.

Meine Damen und Herren Verteidiger, auch DIESE EURE EINSTELLUNG ändert leider nichts an den Fakten. Ein Jura-Professor hat bei einer Rezension der Doktorarbeit des KTG Zitatediebstahl, modifizierte wie zu einhundert Prozent übernommene, festgestellt. Das ist ein unumstößlicher Fakt. Hierum muss der Professor widerlegt werden, was aber nach allgemein bekannter Faktenlage nicht möglich ist. Also könnt Ihr toben, schimpfen, Verunglimpfung des Netzes herbeireden, Sachlichkeit fordern, so viel wie Ihr wollt. Es ändert nicht an den Fakten. Rein gar nichts. Es zeigt allerdings, wo Ihr steht und was Ihr bereit seid an den Haaren herbei zu zerren, um Eure Lichtgestalt zu verteidigen. Und das ist peinlich, peinlich, peinlich. Aber jeder Star kriegt nun mal die Fans, die er verdient. Wie wahr, wie wahr.

Kommentare:

Olaf hat gesagt…

Ich möchte mich genauso wenig wie Du an dem "Gutti Bashing" beteiligen wie Du...:) , aber dies ist ein typischer Abersatz also,
aber unser Gutti hat sich so lange in der grellen Sonne seiner unverhofften Popularität gesonnt, daß ja nun einmal auch Schattenseiten auftauchen mußten. Doch immerhin hat er es schon in jungen Jahren geschafft sich in der CSU! ein Profil zu verschaffen, das sich bis dahin etwas von dem Profil anderer Parteigänger abhob.Doch das ging wohl nur so lange gut bis er meinte sich ein BILD von seinnen Wählern gemacht zu haben. All seine Inzinierungen der letzten Zeit in Afganistan fand ich ziemlich unerträgich und auch dem Thema nicht angemesen. Doch was mich bei dieser Geschice am meisten gewundert hat ist das sich unsre allseits beliebte Muberkel sehr bedekt hält und unsrern Gutti werkeln lässt!!!!
Man scheint mit Physik in der Politik doch sehr viel anfangen zu
können.

Ace hat gesagt…

Es gibt genau zwei Szenarien, in denen die Szenerie endet.
1) Die Beweislage ist überwältigend. KTG hat entweder schreiben lassen (was seine Reaktionen erklären würde) oder wilder gesampled als Helene Hegemann. Er entschuldigt sich, gibt seinen Doktortitel zurück und versucht sich an einer eigenen Arbeit.
2) Die Beweislage wird von der Universität Bayreuth ignoriert, KTG reicht seine Doktorarbeit mit überarbeiteten Zitaten neu ein, sein Doktorvater nickt zu Ja und Amen, die Uni erklärt, alles sein rechtmäßig, und das gemeine, meckernde Volk habe gefälligst die Klappe bei Sachen zu halten, von denen es keine Ahnung hat.

Ich fürchte, Szenario 2 wird auf uns zukommen. Vor allem, da sich KTG ja mit den Worten entschuldigt hat: "Wenn bei tausendzweihundert Zitaten und vierhundertfünfundsiebzig Seiten ein paar Zitate nicht korrekt wiedergegeben sind, bitte ich um Entschuldigung."
Ehrlich, arroganter geht es nun wirklich nicht.
Dank BILD und Aussitz-Fachfrau Merkel kommt aber genau das auf uns zu, genauso wie KTG, der Kanzlerkandidat, sobald es irgend einem CDU-Funktionär auffällt, dass man KTG's Fehler als Menschlichkeit und Volksnähe verdrehen kann...
Davor fürchte ich mich jetzt schon: KTG hat wie alle anderen abgeschrieben, er ist einer von Euch! Urgs...

Olaf hat gesagt…

Ich fürchte auch das Szenario 2 eintrifft oder wenn ich es heute in auf der Titelseite der 4 Buchstaben Zeitung richtig gesehen habe ist schon eingetroffen.Aber mehr habe ich von der Sache nicht gesehen oder gelesen, schon gar nich aus dieser Zeitschrift.

Ace hat gesagt…

Na, dann können wir uns ja auf einen Orkan der Entrüstung seitens der ehrlichen Akademiker gefasst machen, vom Normalsterblichen mal ganz abgesehen, der diese Lösung als ungerecht empfindet.
Und auf die noch wildere, aber zahlenmäßig kleinere Reaktion der Noch-KTG-Verteidiger.

Abschreiben, klauen, kopieren heißt damit nicht länger neudeutsch "samplen", sondern "gutten".

Ace hat gesagt…

Zwei von drei Vorhersagen sind eingetroffen... Vielleicht sollte ich mich doch mal als Wahrsager versuchen. ^^V