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Montag, 21. Februar 2011

Orden wider dem tierischen KTG

Gerade eben stieß ich per TV zufällig zur Karnevalssitzung der Verleihung des Ordens wider dem tierischen Ernst in Aachen. Preisträger sollte diesmal unser Verteidigungsminister KTG sein. Geschickt hat er seinen Bruder Philipp.

Zuerst mal eines vorweg: Sein Bruder war in mehr als einer Hinsicht ein würdiger Ersatz, jeder bekam sein Fett weg, von KTG selbst über Rechts und Links bis zu, man lese und staune, BILD und Spiegel. Ein Auftritt, der mir sehr gut gefallen hat, und bei dem ich mich gefragt habe, warum der gute Freiherr Philipp lieber in Österreich Forstverwalter ist, anstatt in Deutschland Politik zu machen. Wirklich, er hat einen tollen Auftritt hingelegt, seinen Bruder würdig vertreten und sicher dem einen oder anderen aus der Seele gesprochen. (Mir jedoch nicht, um das klar zu stellen.)
Zum Schluss hin ging er dann dazu über, KTG offensiv zu verteidigen, die Zitatgeschichte zu bagatellisieren, als "ob es im Land nichts Wichtigeres gäbe". "Die Heckenschützen von Rechts und Links" wären ja auch im Übermaß vorhanden.
Das war der Part, der mir nicht so gut gefallen hat, jedenfalls nicht so gut wie sein: "Lieber ein Bild von einem Mann, als ein Mann in BILD".
Nun gut, er ist sein Bruder, ein redegewandter, witziger und teilweise brillanter Mann, den ich vorsichtig beschlossen habe zu mögen. Dennoch seien auch mir ein paar letzte Worte vergönnt, um diesen spontanten Blogpost abzuschließen.

Lieber Philipp, sicherlich gibt es die Menschen, die Ihrem Bruder KTG am Zeug flicken wollen, die die Gelegenheit mit dem GuttenPlag Wiki als solche Chance erkannt haben und nutzen. Und sicher gibt es Wichtigeres als ein paar nicht gesetzte Ausrufungszeichen. Aber es sind nicht nur ein paar nicht gesetzte Ausrufungszeichen, sondern sehr, sehr viele.

Seien wir beide ehrlich miteinander. Ich mag Ihren Bruder nicht besonders, weil ich seine Politik für inkonsequent und BILD-gesteuert halte, zudem auch noch furchtbar falsch. Abschaffung der Wehrpflicht, Schaffung einer Berufsarmee, das ist für mich als ehemaliger Wehrdienstleistenden und Obergefreiten der Reserve ein Gräuel. Ich bin nun mal ein Fan des Staatsbürgers in Uniform.
Als ich davon erfuhr, dass Ihr Bruder KTG in seiner Doktorarbeit, die mit einer Eins, dem Summa cum Laude bewertet wurde, "abgeschrieben" hat, trug das nicht dazu bei, mein Bild von ihm zu verschlechtern. Und ja, vielleicht gibt es Wichtigeres in Deutschland, und vielleicht schießen sich Heckenschützen auf ihn ein. Aber ich stehe offen, auch wenn ich mich hinter meinem Blog verschanze, vor ihm, und habe ihm schon nach der Opel-Misere mein Vertrauen entzogen.
Seien wir noch mal ehrlich, und erkennen wir gemeinsam eines: Heckenschützen und Neider hin oder her, als "einfach netter Kerl", der er nach Ihren Worten ist, sollte er sich ein Herz fassen und die Konsequenzen tragen. Er bekam eine Eins dafür, dass er die Jura-Wissenschaft forscherisch voran gebracht hat - augenscheinlich hat sein Doktorvater noch nie was von Google gehört. Seinen Doktortitel abzulegen bedeutet hier wohl niemanden etwas, denn er hat ihn ja eher selten benutzt.
Beim "Gutten" erwischt worden zu sein, erfordert jedoch mehr als einen "einfach netten Kerl", es erfordert einen Mann mit Größe, Anstand und Charakter. Wir werden sehen, ob er sich heraus windet, und damit meine Meinung von ihm weiter demontiert, oder ob er nicht nur gegelt, sondern auch gestählt genug ist, Fehler einzugestehen, die Konsequenzen zu tragen und durchzuziehen, wie ich es von einem richtigen Mann erwarte.

Ihnen, Philipp, möchte ich sagen: Was für ein Kerl sind Sie. Ich bewundere Sie für Ihren Mut und Ihre unerschütterliche brüderliche Zuneigung, für Ihren Einsatz für Ihren strauchelnden Bruder (obwohl ich, wie ich mehrfach schrieb, KTG nicht mag).
Ein toller Auftritt, gute Pointen, und ein brüderliches Herz, das ich zu schätzen weiß. Warum gehen Sie nicht in die Politik? Statt eines Kanzlers KTG kann ich mir als SPD-Wähler und SPD-Kommunalpolitiker einen Kanzler Philipp Freiherr zu Guttenberg im Moment sehr gut vorstellen.
Und ich verzeihe Ihnen die Bagatellisierungen der diffamierten Wissenschaft Jura, die Sie als Verteidigung Ihres Bruders hervorgebracht haben.

Ihr Ace Kaiser

Kommentare:

Feliks_Dzerzhinsky hat gesagt…

"Seien wir beide ehrlich miteinander." - Ach bitte, bitte nicht. Sich ankuscheln genügt:
Uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg!

Ace hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Ace hat gesagt…

Urgs, da habe ich meinen eigenen Post gelöscht, weil ich ihn ergänzen wollte - und nun steht er da... Da hätte ich auch zweimal posten können. Es fehlt eine Edit-Funktion. Eindeutig eine Edit-Funktion.

Aber zu meinem ursprünglichen Kommentar:
Lieber Feliks, ich bin kein Feind des KTG aufgrund seiner ihm vorgeworfenen Plagiatie - ich war es schon immer.
Allerdings bin ich bereit, all das über Bord zu werfen und ihn vollkommen neu zu beurteilen, wenn er ein Mann ist, und seinen Fehler einsieht.
Er negiert mit seinem Verhalten die GESAMTE forschende Wissenschaft, die Uni Bayreuth und alle Doktoren, die ihren Titel ohne "Gutten" erworben haben.
Deshalb: Keine uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg.
Etwas anderes wäre es gewesen, wenn Du mich zu uneingeschränkter Solidarität zu seinem Bruder aufgefordert hättest, Feliks.

Was ich nachtragen wollte:
Das Zitat, mein lieber Feliks, bezieht sich auf Philipp zu Guttenberg. Da kann ich mir ankuscheln schon vorstellen.
Im Übrigen ist der verlinkte Artikel nach zehn Sekunden Lesen nicht mehr zu ertragen. Er liest sich gerade so, als hätte KTG NICHT geklaut und NICHT die forschende Wissenschaft und alle ehrlichen Doktoren bloßgestellt.

Ace hat gesagt…

So, jetzt bin ich auf dem Link von Feliks doch ein wenig länger als zehn Sekunden geblieben... Und nach der halben Seite Lektüre irgendwo zwischen irritiert und fassungslos.
Ist das Satire? Kann das Satire sein? Und kann Satire so anfangen und fortführen?`
Ich bin IMMER noch irritiert.
Es sollte sich jeder eine eigene Meinung zu dieser verlinkten Seite bilden. Obwohl ich es nicht jedem raten kann, darauf zu klicken.