Freitag, 15. Juli 2011

Diverses im Juli

Manchmal blogge ich eine lange Zeit nicht. Lange ist für mich eine Woche, in etwa. Das wird nächste Woche der Fall sein, wenn ich mit Freunden an der Ostsee bin, um die Clubkasse zu versaufen. In dieser Zeit bin ich vollkommen ohne jedes Internet, komme erst Sonntag wieder an einen Zugang, und das voller Absicht. Wie lange kann ein moderner Medienmensch ohne I-Net-Zugang überhaupt überleben? Wann fing das I-Net überhaupt an, so wichtig zu werden? Ich werde es sehen, wenn ich Sonntag Abend wiederkomme und vielleicht zitternd vor meinem ersten Internetschuss an der Tastatur sitze - oder eben nicht. Das Zittern kann ja auch woanders herkommen. ^^
Manchmal passiert in dieser Zeit recht viel, und ich finde einfach nicht den passenden Einstieg in einen Blogeintrag. Das passiert. Ist aber nicht so schlimm, denn ich lebe ja weder vom Bloggen, noch ist es mein Beruf oder gar meine Berufung.
Dann schreibe ich meistens Einträge wie diesen, in denen ich viele Gedanken zur Woche zusammenfasse.

Chatzimarkakis: Dass ihm die Doktorwürde aberkannt wurde, finde ich extrem hart. Zwar sollte jemand, der Erstes Staatsexamen und Zweites Staatsexamen geschrieben hat, mittlerweile genau wissen, wie man richtig zitiert, und dass man eindeutig anzeigen muss, wo ein Zitat beginnt. Aber immerhin hat er die Zitate richtig ausgewiesen. Ich denke, hier ist eine Uni in Panik auf den Doktor-Aberkennungszug aufgesprungen und will lieber einen prominenten Möchtegerndoktor mehr als zu wenig köpfen, bevor die Rufschädigung wie in Bayreuth dem Haus schadet. Aber falsches Zitieren war, soweit ich mich erinnern kann, nicht die Fehler-Hauptrelevanz für eine Doktorarbeit. Im Gegenteil, es ging um die wissenschaftliche Kernaussage, und ob diese selbst verfasst war.
Bei KTG, Koch-Mehrin und Stoiber Junior war dies nicht gegeben, bei ihnen hat man festgestellt, dass sie Zitate - auch leicht verändert wie bei KTG - als eigene Arbeit ausgegeben haben. Chatzimarkakis war vielleicht oberflächlich und ungenau. Aber ich persönlich denke, dass er nicht zu diesen unverantwortlichen Personen gehört, die sich einen Doktor erschlichen haben. Deshalb glaube ich, dass die Kommission ihm eine Frist zur Nachbesserung hätte setzen sollen. Das wäre der Sache wesentlich angemessener gewesen. Hier kommt nämlich die Lieblingsverteidigung der Gutti-Groupies voll zum Tragen: "Er hat ja nur ein paar Anführungszeichen vergessen!" Bei KTG war das vollkommen sachlich falsch - bei Chatzimarkakis hingegen stimmt es. Zumindest wenn ich mich auf die Pressestimmen verlassen kann, die ich lesen konnte. Also, lasst den Mann in Ruhe, er hat keinen Adelstitel.

Einige, die meinen Blog öfters lesen, so wie Silvia, Olaf und Stinkstiefel (Subtra und Miyu nicht vergessen), werden sich erinnern, dass ich im April ein paar Tage zu Fuß zur Arbeit gegangen bin. Diese Tage habe ich zu einer geradezu religiösen Erfahrung hochstilisiert, aber nichts draus gelernt. ^^
Dafür habe ich jetzt endlich nach langem hin und her herausgefunden, warum mein Wagen trotz so vieler neuer Ersatzteile immer wieder ausfällt: Ein Kabelbruch in der Versorgung der Benzinpumpe. ^^°°°
WENN es denn damit gegessen ist. Ich hoffe es. Wäre jedenfalls eine gute Gelegenheit für weitere spirituelle Erfahrungen, nämlich Dankesgebete an den Allmächtigen, der mich den Fehler hat finden lassen. (Beziehungsweise den Menschen, der ihn für mich Doppellinkshänder fand.)

Dann ist da ja auch noch der Frauenfußball. Ehrlich, Samstag beim Spiel habe ich mir gesagt, dass ich nicht verlieren kann, egal wie es ausgeht. Einerseits unterstütze ich unsere Damen gerne, andererseits bin ich ausgesprochener Japan-Fan. Die Nadeshikos haben dann zwar etwas härter gespielt als ich eigentlich sehen wollte, aber die unausgewogene Leistung unserer Mannschaft, vor allem im Abschluss führte zwangsläufig zum Elfmeterschießen. Dass die Nadeshikos dann in der Verlängerung doch noch ein Tor schießen konnten, ist ein wenig wie eine Münze zu werfen. Zwei gleichstarke Mannschaften begegneten sich, und eine hatte einen Tick mehr Glück.
Beim Spiel gegen Schweden im Halbfinale gefielen mir die Nadeshikos schon viel besser. Sie waren klar überlegen, spielten sich ihre Chancen gut heraus und schlugen zu, auch mal mit nem Gewaltschuss aus vierzig Metern. So macht Fußball Spaß.
Und deshalb drücke ich ihnen für das Endspiel gegen die USA auch die Daumen. Verdient haben sie es allemal. Und für wen soll man denn sonst sein, nachdem wir rausgeflogen sind?

Was war denn noch? Ach ja, das Law Blog von Udo Vetter wurde von Bildblog verlinkt, weil der Udo damit auf einen Blogeintrag von Nadine Lantsch eingeht, der, nun, sich im Allgemeinen über eine Erstarkung der patriarchischen Strukturen in der Welt und eine Abwertung der Emanzipation auszeichnet.
Die Dame gibt sich auch sehr kämpferisch. Udo Vetter stört sich dabei an einem bestimmten Absatz, der beklagt, das Strauß-Khan "trotz relativ eindeutiger Beweislage wohl freikommt", und das mit jedem Freispruch die verkrusteten patriarchischen Strukturen und deren Macht bewiesen wird. Erinnert mich ein wenig an Claudia D., die aus dem Kachelmann-Prozess, die jeder vergewaltigten Frau riet, ihren Peiniger nicht anzuklagen, wenn er Macht und Geld hat.
Was Udo Vetter aber vermitteln wollte, ging Frau Lantsch dann nicht in den Sinn, geschweige denn Verstand: Wenn eine Frau Anklage erhebt, vergewaltigt worden zu sein, dann ist das ein sehr schlimmer Umstand, aber noch lange kein Schuldbeweis.
Im Rechtsstaat, in dem wir leben, ist jedermann unschuldig, bis ihm seine Schuld bewiesen wurde.
Dem möchte ich persönlich noch gerne hinzufügen, dass die Medien diese Unschuldsvermutung ad absurdum erklärt haben, sowohl bei Assange, als auch Kachelmann und schließlich Strauß-Kahn. Das macht es aber nicht rechtens.
Das Prinzip ist doch folgendes: Eine Vergewaltigung ist eine äußerst primitive Methode, nicht nur von Männern, um einen Machtbeweis über den oder die Dominierte zu erbringen. Vielleicht geht es auch um Sex, aber da bin ich mir nicht sicher.
Aber ein Mensch ist erst dann ein Täter, ein Vergewaltiger, wenn er der Tat überführt werden konnte. Klar bedeutet das, dass in einem Rechtsstaat dann auch mal jemand freikommt, der eigentlich schuldig war, weil ihm nichts bewiesen werden konnte. Klar ist eine Vergewaltigung ein schreckliches Verbrechen, das einer Ahndung bedarf... Aber sicher nicht der Lynchjustiz oder den Pranger der Medien.
Die Medien suggerieren hier eine allgemeine gesellschaftliche Hilflosigkeit, Misstrauen in den Rechtsstaat, und Frauen wie Nadine Lantsch und Alice Schwarzer sehen in jedem Freispruch verkrustete Männerseilschaften von jenen, die Schuldige schützen.
Aber auch hier gilt: Unser Rechtsstaat funktioniert. Leider nicht perfekt, aber er funktioniert.
Und ebenso gilt: Nicht jeder Angeklagte ist auch schuldig. In den USA haben Untersuchungen ergeben, dass Tausende, die in den Todeszellen gelandet sind und hingerichtet wurden, unschuldig waren; solche Zustände wünsche ich mir für ein zivilisiertes Land wie Deutschland auf keinen Fall.
Vielleicht müssen wir es hinnehmen, dass ein Vergewaltiger wegen unsicherer Beweislage freikommt; vielleicht wohnt ein ehemaliger Straftäter, der wegen Aufhebung der Sicherheitsverwahrung frei gekommen ist, in der Nachbarschaft; vielleicht kennt man einen Politiker aus Berlin persönlich, also "einen von denen, die nur in die eigene Tasche wirtschaften"; und vielleicht stammen die blauen Flecken vom kleinen Marcel, die die Turnlehrerin der 2A entdeckt hat, nicht vom Klettern, sondern von Papas oder Mamas Ledergürtel. Vielleicht.

Wir sind nicht perfekt, und wir leben auch nicht in einer perfekten Gesellschaft. Es passieren Fehler, Nachlässigkeiten und viele andere Dinge, die Menschen nicht passen. Dazu gehört auch, dass ein Mann, den Alice Schwarzer schon als Vergewaltiger vorverurteilt hat, freigesprochen wird (wobei es Freisprüche Zweiter Klasse nicht gibt). Vielleicht findet die New York Times tatsächlich Hinweise darauf, dass die afroamerikanische Frau, die Strauß-Kahn der Vergewaltigung bezichtigt, tatsächlich zum Oralsex angestiftet wurde, um den mächtigen Sarkozy-Gegenkandidaten schnell und nachhaltig zu stürzen.
Das mag uns nicht gefallen, nicht so laufen wie wir es wollen. Aber im Rechtsstaat müssen wir das akzeptieren.
Zweifelsfrei gehört dazu auch, dass Nadine Lantsch ihre Meinung schreiben darf, und sich über "den Chauvi-Staat" aufregen darf, der die Assanges, die Kachelmanns und die Strauß-Kahns nicht durch Kastration bestraft.
Ebenso zweifelsfrei gehört es aber auch dazu, dass sie sich die entsprechenden Antworten anhören muss. Meine zum Beispiel.
Und eine "relativ sichere Beweislage", Frau Lantsch, ist auch nur eine relativ sichere Beweislage, kein Schuldspruch. Bitte regen Sie sich auf, wenn ein verurteilter Vergewaltiger seine Haftstrafe nicht antreten muss, weil Papa das mit Geld und Beziehungen in zweihundert Sozialstunden im Mädchenpensionat gewandelt hat.
DAS wäre Ihren kämpferischen Einsatz wirklich wert. Ansonsten, respektieren Sie bitte den Rechtsstaat.
Und, um das mal klarzustellen: Mit einer rechtskräftigen Verurteilung eines Vergewaltigers habe ich absolut kein Problem. Allerdings auch nicht mit der Strafverfolgung wegen Meineids und Vortäuschung einer Straftat einer Frau, die eine nicht stattgefundene Vergewaltigung aus niederen Beweggründen angezeigt hat.



So, mehr will mir gerade nicht einfallen. Da habe ich mich aber auch für die ganze Woche genug aufgeregt. ^^
Jetzt will ich hoffen, dass Japan Sonntag gewinnt, mein Wagen bald fehlerfrei läuft, und das bei Assange und Strauß-Kahn die Wahrheit ans Licht kommt. Damit sollten wir alle zufrieden sein. Auch radikale Feministinnen.

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