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Sonntag, 6. Mai 2012

A Night in the Park oder Hannover hat gewonnen

Einmal im Jahr kommt es vor, das ich mit meinen wesentlich Fußball-begeisterteren Freunden zum letzten Heimspiel von Hannover 96 fahre. Eher selten ist mir das einen Kommentar oder einen Bericht wert, obwohl sich diese Nachmittage/Abende stets als sehr unterhaltsam erweisen, sodass ich ungern darauf verzichten würde. So auch der gestrige Tag. Aber diesmal war er besonders, und deshalb möchte ich Euch an meinem Tag teilhaben lassen. Und zur Beruhigung vorweg: Es geht nicht um Fußball.

Nun gut, ein bisschen schon, denn Hannover hat gewonnen, und ist dafür in die Qualifikation der Europa-Liga aufgerückt, was ich persönlich sehr begrüße. Es war ein streckenweit schnelles, spannendes Spiel (obgleich ich mir bei den vielen Fehlpässen Hannovers in den Arsch beißen möchte) mit immerhin zwei Toren (Endstand 2:1) bei gefühlten vierzig Ecken für die Roten, und einer Verabschiedungsgala für den ausscheidenden Altin Lala, was selbst ich als erklärter Hannover 96-Nichtexperte gewürdigt habe.

Na ja, ab hier beginnt der spaßige Part aber erst. Wer kennt ihn nicht, den Biergarten am Waterloo-Platz, wo es die besten Grillrippchen mit den größten Portionen gibt? Echt jetzt nicht? Also, das ist aber 'ne Bildungslücke. Gleich für den nächsten Hannoverbesuch auf den Tourplan legen, bitte.
Wie gesagt, es gibt im Waterloo-Biergarten die besten Grillrippchen, aber gestern war es kalt, verregnet und ungemütlich, weshalb der Biergarten nur mit halber Stärke operierte. Will sagen: Die Grillrippchenbude war geschlossen. Mist.
Nun habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, aus der ehemaligen Passerelle unter dem Hauptbahnhof stets ein Bento mit Sushi mit nach Hause zu nehmen, das ich während der Fahrt im Zug esse.
Mal unter uns und im Vertrauen: Ich liebe Sushi. ^^ Da ich aber die Öffnungszeiten des Ladens nicht kenne, und ich schon auf die Rippchen verzichten musste, trennte ich mich spontan von meinen Freunden, fuhr zum Hauptbahnhof und erreichte schließlich das Ziel meiner Begierde: Tokio Sushi in der Niki-de-Saint-Phalle-Promenade. Das Sushi-Essen habe ich in Hamburg für mich entdeckt, und zwar in der Sushi Factory hinter der Staatsoper, das ich jedem Sushi-Freund in Hamburg ans Herz legen möchte. Aber ganz unter uns: Tokio Sushi ist ehrlich gesagt einen Tick besser. Und das sage ich nicht aufgrund der besonderen Behandlung, die ich dort erfahre. Dabei habe ich noch nicht mal die gebratenen Nudeln probiert.
Na ja, normalerweise hole ich mir da nur ein Bento, also Sushi to go, wenn man so will. Diesmal aber wollte ich mir Zeit lassen und an der Theke essen. Dafür habe ich mir dann die 49 ausgesucht, eine große Platte mit California Rolls (die ich eigentlich nicht mag, mir aber gestern super geschmeckt haben), Maki, Nigiri und Sashimi. All das wurde vor meinen Augen frisch zubereitet, was ich für ein großes Qualitätsmerkmal halte.
Aber von Anfang an. Als ich vor zwei Jahren dort ein Bento bekommen habe, wurde ich von der Dame des Hauses, noch bevor ich etwas bestellen konnte, wegen dem kalten Wetter dazu verdonnert, erst mal eine Miso-Suppe zu essen. Und ehrlich gesagt, ich liebe Miso-Suppe, gerade die von Tokio Sushi, obwohl keine Tofu-Würfel drin sind. Dafür aber Nudeln. ^^
Im letzten Jahr - ich gehe da wirklich nur einmal im Jahr hin - musste ich die Miso-Suppe mitnehmen, darauf hat sie bestanden. Und dieses Jahr, ich gebe es zu, gab ich mich der Eitelkeit hin, sie würde mich wiedererkennen. Blödsinn, ich weiß. Immerhin bin ich nur einmal im Jahr dort, obwohl ich sehr gerne öfters dort essen würde. Na, vielleicht in Zukunft. ^^
Ich stand also schon einige Zeit an der Theke und sah die Speisekarte durch (sehr groß, sehr ausführlich, bebildert, und das Personal ist wirklich nett und beantwortet jede Nachfrage mit sehr großer Geduld) und fühlte mich ehrlich gesagt nicht wiedererkannt. Kunststück, wenn ich auch nur einmal im Jahr dort bin.
Dann aber sah sie mich doch, und prompt wurde mir eine Miso-Suppe serviert, bevor ich überhaupt einen Ton sagen konnte. In einer zweiten Tasse bekam ich Salatgurke - süß eingelegt. So und in der Form habe ich die noch nie gegessen. Ich fand das super interessant.
Mittlerweile war ich mit meinem Nachbarn, der sich seinen Chardonnay schmecken ließ und Sushi to go gekauft hatte, ins Gespräch gekommen. Martin, wenn Du das liest, ja, ich meine Dich. ^^
Wir redeten über die verschiedensten Themen, und spontan bot ich ihn an, meinen heißen Sake zu probieren, den ich grundsätzlich immer trinke, wenn ich die Gelegenheit dazu habe. Zwischendurch entfernte ich auch Papier von seinem Rucksack, das irgendein Rüpel da rauf geworfen hatte, anstatt sich einen Mülleimer zu suchen. (Ja, ich meine Dich, Du unhöflicher älterer und respektloser Herr. Nein, das kann man nicht als Spaß abtun. Das geschah aus gelangweilter Borniertheit und herablassendem Wesen. Tssss.)
Mittlerweile war meine Sushi-Platte fertig, und wenn ich mal die Menge und die Preise vergleiche zwischen Sushi Factory und Tokio Sushi (zur Verteidigung der Hamburger: Sushi Factory ist ein Kaiten Sushi-Laden, also du sitzt am Fließband und nimmst dir deine Teller runter; bezahlt wird, indem man die Teller sammelt und den Farbcode bezahlt) gewinnt Tokio Sushi deutlich bei Preis und Leistung. Sechs California Rolls, zehn oder zwölf Scheiben auf dem Rettich-Nest drapierte Sashimi (die ersten Sashimi meines Lebens), sechs Maki und - moment, lasst mich nachdenken - ich meine acht Nigiri... Da hätte ich in Hamburg zu einigen roten Tellern greifen müssen und einiges mehr bezahlt. Großes Lob also an Hannover. Und Hamburg: Natürlich komme ich mal wieder vorbei und leere ein paar Teller.^^
Auf jeden Fall, Martin war richtig aufgekratzt, als ich ihm erzählt hatte, dass ich Hobby-Autor bin, rief seine Frau an und wollte wissen wo er bleibt. An dieser Stelle eine herzliche Entschuldigung an Martins Frau und seine drei Kinder. Ich habe mich einfach so gut mit ihm unterhalten, es hat sehr viel Spaß gemacht, mit ihm zu reden. Wenn Ihr also auf jemanden böse sein wollt, dann auf mich, bitte.
Martin hat mir dann auch mal auszugsweise von der Geschichte erzählt, die er seinen Kindern zum Schlafengehen erzählt - aber mein Vorschlag, er solle die Fragmente mal zu einer richtigen Geschichte zusammenfügen, wollte er nicht annehmen. Martin, jeder Mensch trägt mindestens ein Buch im Herzen, das geschrieben werden will. Versuch es ruhig. Ich helfe Dir gerne bei der Formulierung und dergleichen, wenn das notwendig wird.
Ungefähr an der Stelle entschloss er sich dazu, mir einen Sake auszugeben und noch einen Chardonnay zu trinken. Dankbar angenommen.
Ungefähr um halb neun, als seine Frau - ehrlich, ich bitte aufrichtig um Entschuldigung, junge Frau - bereits zum dritten mal wissen wollte, wo er bleibt, entschloss er sich spontan dazu, mir mein Essen zu spendieren. Nach hartem Kampf stimmte ich dem schließlich zu, wenn er denn meinen letzten Sashimi essen würde. Thunfisch. Nahm er auch an. Wickelte einen Ingwer mit ein, ein Stück Wasabi-Paste. Also, jetzt weiß ich, wie man Sashimi richtig isst.
Also dabei belassen wollte ich es auch nicht, und entschloss mich spontan, einen vierten Sake zu trinken. Ja, au, mein Kopf. Der Sake und das viele Bier gestern amortisieren sich heute als Nachdurst und Kopfschmerzen. Und natürlich Martin noch einen Chardonnay auszugeben.
Und da ich ja quasi so gut wie kein Geld bei Tokio Sushi dagelassen hatte - hat ja Martin bezahlt, danke nochmal - wollte ich - ausnahmsweise - zehn Euro Trinkgeld da lassen. Dazu fühlte ich mich vom Herzen verpflichtet. Und es war ja eine Ausnahme.
Uff, Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das für ein Kampf war, bis die junge hübsche freundliche und sympathische Bedienung (weiblich, nur um das mal sicherzustellen) das Trinkgeld akzeptiert hat. Was mir den Laden erneut sehr sympathisch macht.
Ist aber übrigens im China-Imbiss in Hildesheim in der Fußgängerzone direkt an der Kaiser-Allee ebenso. Wenn der Wirt meint, man gibt ihm zu viel Trinkgeld, legt er noch was obenauf. In meinem Fall eine Flasche Pflaumenwein. Aber zurück nach Hannover.
Ich war also satt, zufrieden und hatte mein Geld dann eben nicht als Bezahlung, sondern als Trinkgeld dagelassen. Es wurde Zeit, zu meinen Freunden zurückzukehren, und bevor Martin einen vierten Anruf bekommen sollte... Tja. Also Schluss mit Sushi.
Ich bedankte mich herzlich bei meiner netten Bedienung, sehr herzlich bei der Wirtin, und ja, auch herzlich verabschiedete ich mich von Martin. Möge sich Dein Ärger in Grenzen gehalten haben.
Tokio Sushi ist definitiv mein Laden.

Aber damit ist der Abend ja noch nicht zu Ende. Nach drei Sorten Sushi, Miso-Suppe und süß eingelegten Kappa (Salatgurke) hieß es für mich, meine Freunde wiederzufinden. Aber ich wusste ja, dass sie nach dem eiskalten Biergarten in den warmen gemütlichen Irish Harp am Schwarzen Bären, direkt gegenüber der Disco Kapitol einkehren wollten. Allerdings fand ich den ersten von ihnen einen Laden weiter vorne, im türkischen Schnell-Imbiss. Der Harp hatte gestern nur kalte Küche, und an solchen Tagen schicken sie ihre Gäste für was Warmes gerne nach nebenan. ^^ Menge und Preis waren in einem erstklassigen Verhältnis, und meine Freunde sagten, es hätte sehr gut geschmeckt.
Ich nahm als erstes ein Kilkenny zu mir, wie immer wenn ich dazu die Gelegenheit habe; und dann aus Interesse und weil es auf der Karte stand, ein rotes Murphy's.
Meine Freunde hatten mich schon auf dem Heimweg gewähnt, und so musste ich ihnen erzählen, was mir passiert war. Geglaubt haben sie es mir freilich nicht.
Aber es gab noch vieles anderes, worüber wir reden konnten. Immerhin war da das Fußballspiel, wir saßen gemütlich zusammen (ich der einzige Nicht-Vater in der Runde, und die Jungs sind trotzdem locker drauf) in der tollen Atmosphäre des Harp, ich nutzte die Gelegenheit, um der irischen Bedienung ein paar englische Unterhaltungen aufzunötigen (nee, ernsthaft, ich glaube jetzt nicht, das sie genervt war ^^), durfte an einen zwölf Jahre alten Scotch schnuppern - acht fünfzig das Gläschen, etwa 1 cl, und war überrascht über das tolle Aroma des torfigen Whiskys, weil ich torfige eigentlich überhaupt nicht mag.
Irgendwann aber ging es von der Zeit her stark auf den letzten Zug zu, und fünfzig Euro für eine Taxi-Heimfahrt wollte keiner von uns bezahlen, weshalb wir den Abend beendeten.
Übrigens, wusstet Ihr, dass austreten im McClean im Hauptbahnhof jetzt statt fünfzig Cent einen stolzen Euro kostet? Das war das einzige Negative an dem Abend. Ansonsten war es eine tolle Zeit, ich hatte sehr viel Spaß und einiges erlebt, woran ich mich sehr lange erinnern werde.

Nächstes Jahr, letztes Heimspiel Hannover, das gleiche Prozedere nochmal, Jungs. ^^V

Edit um halb acht Abends: Gerade habe ich festgestellt, dass meine Blogstatistik mir mitteilt, ich habe heute 33.333 Aufrufe auf meinem Blog verzeichnet.
Danke, liebe Leser. Und meldet Euch ruhig zu Wort. Die anderen Kommentatoren werden Euch bestätigen, dass es vollkommen ungefährlich ist. ^^b

Kommentare:

Stinkstiefel hat gesagt…

Der Mann ist wirklich schon nach wenig zufrieden zu stellen. Einen Nachteil würde ich es jetzt aber nicht nennen.
Vllt sollte ich auch mal Großtanchen in Hannover besuchen, sushi habe ich bisher noch nie gegessen.

Ace hat gesagt…

Wenn Du das tust, sag vorher Bescheid. Ich komme dann auch.^^
Ist 'ne schöne Ausrede, um wieder Sushi zu schlemmen. XD

Stinkstiefel hat gesagt…

Genau und schon wieder 10 € Trinkgeld für die Bedienung. Du bist so leicht zu durchschauen. ^^

Ace hat gesagt…

Also, hübsch war sie ja, aber das mit den zehn Euro war eine Ausnahme.
Wie ich erzählt habe, hat Martin meine Rechnung übernommen, und deshalb habe ich die erbrachte Leistung nicht ordentlich würdigen können. Daher war es mir ein Bedürfnis, das noch mal besonders auszudrücken.
Keine Sorge, noch mal mache ich das nicht. ^^

jacqueaux hat gesagt…

Da bekommt man ja gleich wieder Lust auf Sushi. Ich weiß gar nicht, was es hier in Würzburg an (guten) Sushi-bars gibt.

Ace hat gesagt…

Nicht auf Kilkenny oder Murphy's? Mist, dann habe ich was falsch gemacht. XDDD

Hm, da kann ich Dir jetzt nicht helfen. Sushi ist auch eine tricky Geschichte, da kann man schnell was falsches kriegen.
Für die von mir erwähnten Läden in Hamburg und Hannover lege ich jedoch meine Hand ins Feuer.
Manchmal ist es auch nur ganz banal mit dem Sushi. So wie letztes Jahr, als ich beim Chinesen Sushi entdeckte - und beim Lachs-Nigiri entdeckt habe, dass sie Räucherlachs verwendet haben. Das war beinahe schon lustig.

Spelllord hat gesagt…

Ich kannte bisher nur einen im Hauptbahnhof naja liegt vileicht daran das ich da eigentlich immer nur zwischen zwei Zügen bin wenn überhaupt

Ace hat gesagt…

Ich glaube, wir meinen den gleichen. Der ist aber in der Passage, gleich wenn Du nach Osten raus in die U-Bahn runter gehst, links.

Anonym hat gesagt…

Moin Ace,

ich würde mal empfehlen im Pub Black & Tan zu probieren.

MfG
L. Cunningham

Ace hat gesagt…

Danke für den Hinweis, Lucas. Aber im Internet finde ich auf die Schnelle nichts zu dem Laden.
In welcher Stadt ist der?

Anonym hat gesagt…

Moin,

Black & Tan ist eine irische Spezialtät, ein Getränk und sollte auch wenn es nicht auf der Karte steht in jedem Pub erhältlich sein.

Mfg
L. Cunningham

Anonym hat gesagt…

Hi ACE, war ein netter Abend mit dir.
Und es war lustig die Geschichte hier zu lesen.
Viele Grüße Martin

Ace hat gesagt…

Lucas: Ach, ein Getränk. ^^
Und ich google hier nach einem Pub, das so heißt. Sag das doch. ^^
Ich werde in Zukunft darauf achten.

Ace hat gesagt…

Martin: Hast Du mich doch gefunden. ^^
Ich kann Dir versichern, mein Abend ging so weiter.
Ich hoffe, Du hast nicht allzu viel Ärger bekommen... -.-°