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Montag, 22. September 2014

Was macht Ebola harmloser als Schweinegrippe?

Harmloser? Ebola? Habt Ihr das jetzt richtig gelesen? Ja, doch, oder? Aber warum wählt Ace einen so irreführenden Titel bei einer Krankheit, die beim ersten epidemischen Ausbruch im Kongo stolze 88% Sterberate hatte?
Ich versuche es mal nicht so kompliziert zu machen, auch, weil ich selbst kein Fachmann bin und einiges selbst nicht verstehe. Zuerst einmal verlinke ich auf den Blog von Lars Fischer, der alle Antworten bereits vorab gegeben hat. Sowohl zur Tödlichkeit, zur Gefährlichkeit, zur Ansteckung, und, und, und. Dabei fiel mir der wichtigste Satz relativ früh auf: "2000 Infizierte in vier Monaten. In der Zeit geht ne Grippe um die Welt."

...sacken lassen.
Ich weiß zwei Dinge definitiv: Ebola ist nicht so präsent in den Medien wie die Schweinegrippe auf ihrem Höhepunkt. Und bisher wurde auch vermieden, eine Ebola-Epidemie, die wir in Afrika zweifellos haben, zur Pandemie hochzuschreien, wie es bei H1N1 der Fall war.
Das hat einen, genau einen Grund, und der ist NICHT, dass die Medien gelernt haben und vorsichtiger mit sensationsheischenden Schlagzeilen und Panik verbreitenden Auflagenverstärkenden Artikeln umgehen. Ebola ist einfach zu weit weg. Glücklicherweise für alle mit schwachem Herzen, die sonst wieder Schauergeschichten in der Zeitung lesen müssten.

Aber mal ein paar Fakten hingeknallt: Ebola und H1N1 sind beides Viren. Aber Ebola gehört nicht wie H1N1, also die klassische Schweinegrippe, den Grippeviren an.
Damals, 2009, habe ich eine Menge über das Thema Schweinegrippe gebloggt und anhand der bisher veröffentlichten Fakten aufgezeigt, dass es sich bei H1N1 um eine eher harmlose Grippe mit moderaten Ansteckungszahlen und vergleichsweise geringen Todesfällen handelte. Auslöser der damaligen Panik war die erste Infektionswelle in Mexico City, die hauptsächlich junge Leute betraf und ihr deshalb den Beinamen einer Killergrippe einbrachte. Tatsächlich aber wurden ältere Leute eher weniger infiziert, weil sie gegen H1N1 eine natürliche Immunität aufgebaut hatten. Nämlich 1960, als eben genau dieser Virenstamm bereits einmal durch diese Weltregion zog. Die Folge waren einige berechtigte und viele vollkommen substanzlose Befürchtungen, ein wenig Panik und die Tatsache, dass Deutschland damals auf zwanzig Millionen Dosen an Impfstoff gegen die Schweinegrippe sitzen blieb, die das Land für teures Geld in den USA eingekauft hat.

Ebola ist anders. Es ist kein Grippe-Virus. Es nimmt einen ähnlichen Ansteckungsweg, findet seinen Weg nicht nur über Blut, Auswurf, Exkremente, sondern wahrscheinlich auch über Tröpfcheninfektion. Aber die Ansteckungsrate ist eher gering: Fast sechstausend Krankheitsfälle mit rund neunundvierzig Prozent Todesfällen klingt viel, Aber betrachten wir die Fakten. Sierra Leone, Guina, Liberia und Sierra Leone haben zusammen rund 21 Millionen Einwohner. Es sind relativ kleine Länder. Trotzdem entfällt das Gros der Infektionen auf diese vier. 99% fanden hier statt. Und das waren eben die rund sechstausend Fälle, genauer gesagt 5335, davon knapp die Hälfte Todesfälle.
Zum Vergleich von mir ein uralter Satz: In einer normalen Grippesaison sterben in Deutschland zwischen fünftausend und zwanzigtausend Menschen. Wir haben hier rund achtzig Millionen Mitbürger. Allerdings gehen in der Grippezeit die Ansteckungsraten auch in die Hunderttausende, wenn nicht Millionen.

Also: Wenn jemand die Ebola-Pandemie-Paniktrommel rührt, glaubt ihm nicht. Sicher, Ebola ist mit einer Fifty-Fifty-Chance auf Überleben oder Sterben eine hochwirksame Krankheit, zugegeben. Aber es sind nur 0,02 Prozent der Bevölkerung dieser vier Länder infiziert worden, und davon starb knapp die Hälfte.
Ich sage es hier nochmals: Die Epidemie ist schlimm, vor allem für jene, die daran gestorben sind. Und mangelnde Aufklärung und Todesangst machen den Überlebenden auch noch das Leben schwer, da sie wider gesicherter Fakten immer noch als Überträger angesehen werden; die medizinische Versorgung gestaltet sich nicht nur durch die hohe Ansteckungschance als schwierig, sondern das Fehlen einer rigorosen Vorbereitung wird hier immer deutlich, wenn Infizierten die Behandlung aufgrund mangelnder Kapazitäten verweigert wird. Aber die Epidemie ist nicht groß.

Fazit: H1N1 als Vertreter der Grippeviren hatte es leichter, konnte sich schneller ausbreiten. H1N1 hatte nicht eine derart hohe Todesrate (in Deutschland wurden der Schweinegrippe 141 Todesfälle zugeschrieben, wenn ich mich recht erinnere), aber wesentlich höhere Ansteckungsraten.
Ebola ist tödlich. Wie ein Münzwurf. Je nachdem, welche Seite oben liegenbleibt: Tod oder Leben.
Dazu kommen die Spätfolgen, wenn man einen längeren Zeitraum hämorrhages Fieber hatte, das ohne weiteres Symptom der Schädigung innerer Organe sein kann. Und zwar sind die Gesundheitssysteme in den betroffenen afrikanischen Nationen kurz vor dem Kollaps oder darüber hinaus, aber das eher aufgrund mangelnder Ausbildung, geringem Personalstand und fehlender Vorbereitung auf einen Ebola-Ausbruch. Dass die Vereinten Nationen eingreifen, nachdem die WHO den Notstand für die betroffenen Länder ausgesprochen hat, ist nur recht und billig.
Aber selbst in jenem unwahrscheinlichen Fall, dass das Virus Ebola in ein deutsches Ballungsgebiet käme und sich dort ungehindert ausbreiten könnte, vielleicht mit Infektionsfällen im fünfstelligen Bereich - WIR wären für einen solchen Fall gerüstet und auch in der Lage, die medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten. Das ist der bittere Punkt in der Geschichte.
Unsere Schlussfolgerung muss daher sein, in Zukunft anders mit Ebola und anderen Infektionskrankheiten umzugehen. Niemand braucht einen zweiten Schweinegrippe-Hype, niemand zwanzig Millionen Dosen Impfstoff, von denen neunzehn Millionen nicht verbraucht werden.
Aber: Afrika ist das Heimatland von Ebola. Diese Krankheit wird wieder und wieder auf Menschen übertragen werden und dort Epidemien auslösen. Was wir also tun müssen, ist nicht die Scherben auflesen, nachdem der Krug zerbrochen ist, sondern die afrikanischen Länder jetzt schon in die Lage zu versetzen, der nächsten Epidemie aus eigenen Kräften entgegen zu treten und der Bevölkerung die Ansteckungswege zu vermitteln, damit sie sich selbst schützen kann. Das wird der nächste große Schritt sein, der in Afrika durch die WHO stattfinden muss. Und er hätte schon vor Jahren stattfinden müssen.

Edit am nächsten Tag: Manchmal habe ich das, schreibe einen Titel und tippe drauflos undbringe dann die Erklärung nicht mit ein. Die reiche ich jetzt hiermit nach. Es ist zweifellos feststellbar, dass Ebola tödlicher ist als Schweinegrippe. Sehr viel tödlicher. Die Ansteckungsraten sind viiiel geringer, dennoch wird Ebola in den Medien nicht so behandelt, wie es sollte. Schweinegrippe, die sehr viel harmloser war, wurde zweifellos überhyped, aber über sie wurde umfassender berichtet. Das bewirkt den Eindruck, Ebola sei harmloser, und das finde ich nicht gut. Nur eines stimmt an dieser Sichtweise: Ebola ist weit weg. Weiiit weiiiiiiit weg. Noch.

Montag, 14. Mai 2012

Ein kleiner Pieks für mich, ein großer Schritt für den Herdenschutz

Hm, wie beginne ich das jetzt? Vorweg eines: Es geht um Impfung. Ja, ich bin Impfbefürworter. Und ja, als ich Kind war, gab es viele Impfungen noch nicht, und ich musste Mumps durchmachen, Masern, Windpocken. Dabei war ich zwei relevanten Risiken ausgesetzt. Im Fall der Masern, entweder an begleitenden Infektionen zu sterben, oder eines aus dreitausend Kindern zu sein, das an der Subakuten skleriosilen Panenzephalitis erkrankt und stirbt.
Das andere Risiko war Mumps mit der Gefahr, taub oder unfruchtbar zu werden. Gut, taub bin ich nicht, aber Kinder gezeugt habe ich noch keine.
Die Windpocken empfand ich nur als nervig. Extrem nervig. Da sind die Nebenwirkungen auch recht überschaubar.
Scharlach, Röteln und andere Krankheiten hatte ich bisher nicht.
Ich überlege mir gerade, wie viel Schmerzen, wie viel Juckreize und welche unüberschaubaren Risiken ich mir hätte ersparen können, wäre ich umfassend geimpft worden...

Gegenthema. Schweinegrippe. Genau, dieses Virus aus dem H1N1-Stamm, der in der Grippesaison 09/10 tatsächlich eine Pandemie auslöste. Und wäre das Virus auch nur halb so gefährlich wie die saisonale Grippe gewesen, dann wären sicherlich ein paar Millionen Menschen weltweit gestorben. Stattdessen erwies sie sich als relativ harmlos. In Deutschland wurden rund einhundertvierzig Tote der Schweinegrippe zugerechnet, weltweit meinte man über zehntausend Fälle erfasst zu haben. Das ist ein sehr, sehr harmloser Grippeverlauf, gibt es doch alleine in Deutschland pro Grippesaison zwischen fünftausend und zwanzigtausend Tote - wenn sie nicht besonders schlimm verläuft.
Gefeiert wurde die Schweinegrippe in den Medien als neue Supergrippe, als neueste Bedrohung der Menschheit, als baldige Apokalypse. Prompt kaufte die Bundesregierung Impfstoffe en masse, die niemand haben wollte.
Fakt ist einfach folgendes: Eine Impfung gegen die Schweinegrippe ist/war für gesunde Menschen mittleren Alters nicht notwendig, sie verlief recht ansteckend, aber wenig pathogen. Dennoch ging sie quasi einmal um die Welt. Die Impfstoffe haben die öffentlichen Kassen Millionen gekostet, und Verwendung fand nur ein winzig kleiner Teil.
Was mich dabei aufregt ist der Hype, der durch den Boulevard ging, angeführt von der BLÖD. Jeder Nachrichtenlesende Mensch konnte sehen, dass H1N1 um die Welt ging, aber das weder die Ansteckungszahlen noch die Zahl der Todesfälle - hier wieder eine Entschuldigung an die tatsächlichen Todesfälle im Zuge der Schweinegrippe und ihrer Angehörigen, ich meine meine Worte nicht herabwürdigend - auf das Ende unserer Zivilisation hindeuteten. Auf Mallorca feierten die Touristen Schweinegrippeparties, und Infizierte, bei denen die Krankheit ausgebrochen war, musste nicht gerade künstlich beatmet werden. Dennoch ging die Panikmache weiter, wurde ein Jahr aufgeschoben. Irgendwo musste sie ja tödlich sein. War sie aber nicht.

Da war der Schaden aber schon angerichtet. Wir mussten nicht großflächig geimpft werden. Punkt, aus. Aber genauso muss ich auch sagen: Es hätte niemandem geschadet. Ebenfalls Punkt, aus.
Das Schlimme, ja, das Verheerende an H1N1 und der tendenziösen und falschen Berichterstattung ist schlicht und einfach, dass Amateure versuchen, wissenschaftliche Themen zu erklären, und bei diesem Versuch polemisieren, ja, agitieren. Und zugleich darauf hoffen, von der neuen Superpandemie berichten zu können, die die halbe Menschheit ausrottet. Was die u.a. BLÖD deklassiert.
Der Impfung an sich wurde ein gigantischer, vielleicht nicht reparabler Schaden zugefügt. Eine moderate Berichterstattung und eine gelassenere Betrachtung des Themas hätte hier viel gerettet. Man hätte sich zum Beispiel beim ersten dokumentierten Ausbruch in Mexico City fragen können, warum es nur so wenige Infektionsfälle in einer Gigantstadt mit zwanzig Millionen Menschen gegeben hat; man hätte sich auch fragen können, warum hauptsächlich junge Menschen erkrankten.
Die Schlussfolgerung des Boulevards war die Vermutung, es könnte sich um einen terroristischen Anschlag handeln, gezielt auf die arbeitsfähige Bevölkerung.
Meine Schlussfolgerung hier im Blog war, dass Ältere nicht erkrankten, weil sie H1N1 schon einmal gehabt und deshalb Immunität erworben hatten. Ab diesem Punkt hätte man in der Tat gelassener sein können. Es hätte vieles gerettet. Keine Menschenleben, zugegeben. Aber Ansehen und Würde der Impfung.

Wie ich oben schon schrieb, bin ich Impfbefürworter. Aber ich habe mich damals gegen eine Impfung entschieden, weil ich sie für unnötig erachtet habe. Dennoch hole ich mir regelmäßig meine Tetanus-Kombi-Impfung ab (hoffentlich mit Keuchhustenschutz. Da muss ich meinen Arzt mal fragen), und nach diesem Artikel auf Scienceblog.de überlege ich mir ernsthaft, mich auch gegen Masern und dergleichen impfen zu lassen, um meinen Teil dazu beizutragen, dass diese Krankheiten aus Europa ein für allemal verschwinden.
Letztendlich waren es die Kommentare weiter unten im Artikel, die mich entsetzt haben. Jene der Impfbefürworter mit ihren klaren Fakten und Aussagen, jene der wenigen, aber hochaktiven Impfgegner mit ihren erschreckenden Ansichten. Die Impfgegnerszene muss ein fürchterlicher Ort sein. Vergleichbar mit denen von handelsüblichen orthodoxen Religiösen und Verschwörungstheoretikern. Nur solchen Menschen kann es einfallen, das z.B. die Spanische Grippe, die Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts weltweit Millionen Leben kostete, vom Impfstoff GEGEN diese Grippe ausgelöst worden sei, und das nur GEIMPFTE Menschen gestorben seien... Im Anbetracht des Umstandes, das die ersten Impfstoffe gegen Grippe erst Mitte der Dreißiger Anwendung fanden, ist der Vergleich mit Verschwörungstheoretikern und Kreationisten mehr als angebracht. Autsch.

Noch mal zusammengefasst: Was ist eine Kinderkrankheit? Eine harmlose Geschichte? Sicherlich nicht. Das Immunsystem von Kindern ist meines Wissens nach stärker als das von Erwachsenen, weshalb Masern und dergleichen bei Erwachsenen einen schwereren Verlauf haben. Deshalb aber darauf zu schließen, Kinder "brauchen" die verharmlost Kinderkrankheiten genannten Infektionen, um ein gutes Immunsystem aufzubauen, ist extremer Schwachsinn. Wie ich schon sagte, ich wäre froh über eine Impfung gewesen.

Eine der Impfgegner wartete mit folgendem Argument auf: Ihr Sohn hatte durch anerkannten Impfschaden bis zu seinem Tod mit neunzehn Jahren unter Anfällen und dergleichen zu leiden. Den Tod führte sie ebenfalls auf den Impfschaden zurück. Sie folgte übrigens auch der widerlegten Lüge, Impfungen würden Autismus auslösen.
Die Befürworter, darunter nach eigener Aussage Ärzte, hielten dagegen, das man einen Impfschaden relativ einfach bescheinigt bekommt, weil "die Impfung Dienst an der Allgemeinheit ist und gerade vom Gesetzgeber entsprechend gewürdigt wird", konkret mit Prozenten beim Versorgungsamt. Will sagen, lieber einen Krankheitsfall zuviel einem Impfschaden zuordnen, als einen zu wenig, weil wir alle davon profitieren, wenn Masern, Mumps und Co. uns nicht als Zwischenwirte für ihre Verbreitung missbrauchen können.
Nun mag es sein, dass besagte Mutter tatsächlich ihren Sohn durch einen Impfschaden verloren hat, und das sie zu Recht der Impfung skeptisch gegenübersteht. Was aber ist mit den Kindern von Müttern, die wegen zu geringem Impfschutz in ihrer Schwangerschaft Röteln durchmachen mussten, und deren Kinder daraufhin körperliche und geistige Schäden davon getragen haben? Selbst schuld weil sie nicht geimpft waren? Hm, merkt Ihr was? Richtig. Man kann ein einzelnes Schicksal nicht besonders gut mit der Masse der deutschen Bevölkerung aufrechnen.

Was ich noch dazu sagen möchte, sind zwei Worte: Pocken und Polio.
Dies sind zwei sehr prominente Vertreter nicht unbedingt der Kinderkrankheiten, wohl aber für Infektionskrankheiten. Bei den Pocken handelt es sich um eine fiebrige Infektion mit Todesraten von dreißig Prozent in unbehandelten Fällen. Die Welt wurde für Pockenfrei erklärt, weil in den letzten zwanzig Jahren keine Fälle mehr dokumentiert wurden. Klar kann man sich da nie ganz sicher sein, aber dennoch ist es ein Erfolg. Ein Erfolg für die Impfung, die dafür gesorgt hat, dass der Mensch, der das einzige Reservoir für die Pocken bildet, als eben dieses Reservoir durch die Immunisierung ausgefallen ist.
Polio ist ein ähnlich gelagerter Fall und war für eine hohe Kindersterblichkeit berüchtigt. Üblicherweise löste es unter anderem Atemlähmung aus, was für viele Fälle tödlich war. Auch kam es anschließend zu Lähmungserscheinungen, mitunter Verwachsungen. Dass wir hierzulande keine Polio-Fälle mehr haben, ist ganz klar ein Sieg der Impfung über diese Krankheit. Und nur menschlicher Unverstand kann die endgültige Ausrottung verhindern, oder gar die Rückkehr der Polio in das europäische Reservoir. Durch konsequentes Nicht-Impfen und Kontakt zu Erkrankten, was in der globalen Welt absolut kein Problem ist.
Wir erinnern uns, auch H1N1 und Vogelgrippe (beide im Nachhinein relativ harmlos) haben sich durch den weltweiten Flugverkehr ausgebreitet. Vogelgrippe darüber hinaus entlang der Transsibirischen Eisenbahn. Und auch wenn letztere Beispiele eher harmlos waren - gestorben sind einige Menschen, darunter Kinder, trotzdem dran. Nun stelle man sich eine solche globale Ausbreitung mit einem Erreger wie Polio vor, der in einem nicht geimpften Europa plötzlich nichtimmunisierte Wirte zuhauf finded. Gell, das klingt nach dem Ende aller Tage.

Mein Fazit: Ich bin überzeugter denn je, dass das Impfprogramm wichtig für uns ist, für Europa, für die Menschheit als Ganzes. Ich bin überzeugter denn je, das man NICHT als Kind an Masern erkranken "muss", um ein stabiles Immunsystem aufzubauen. Dafür kann man seine Kinder auch im Dreck spielen lassen, und das beugt gleichzeitig auch Allergien vor.
Und ich bin auch nicht davon überzeugt, dass "Impfen AIDS, Lepra, Grippe und Masern überhaupt erst auslöst", wie einer der Impfgegner zum Besten zu geben wusste. Aber es geht noch skurriler, denn natürlich "wurde das AIDS-Virus niemals gefunden", die Erkrankung an AIDS sei "nur eine Erfindung der Pharma-Industrie", und zum Thema Masern: "man tut den Kindern am besten einen Gefallen, wenn man gar nichts tut", als sie krank werden lassen, nicht impfen und dergleichen.
Wie sagte doch gleich einer der Impfbefürworter sinngemäß? Vorige Generationen haben die Krankheiten mühevoll zurückgedrängt und beinahe ausgerottet, und nun geht es einigen heutzutage zu gut, und sie schwurbeln mit ihren Anti-Impftheorien all die Erfolge ihrer Eltern dahin, und erschaffen damit eine Gefahrensituation für alle anderen. Zum Beispiel für Neugeborene, die erst ein halbes Jahr nach der Geburt geimpft werden können. Aber das ist ja kein Problem für diese Menschen, weil "es Infektionskrankheiten ja gar nicht gibt", und "die Symptome entstehen, wenn wir nicht im Reinen sind", oder  sogar "wir Infektionen durchmachen müssen, um Viren-Genom aufnehmen zu können".
Ehrlich, spätestens da hört es bei mir auf. Darum meine Bitte: Impft Eure Kinder, alleine schon, um kein Masern-Roulette spielen zu müssen und die schreckliche Variante zu riskieren, das eigene Kind an die Spätfolge Subakute skleriosile Panenzephalitis zu verlieren.

Montag, 3. Januar 2011

Der Steher ist zurück.

Ja, Leute, Ihr werdet es kaum glauben, aber ein Thema ist nicht tot zu kriegen: Ausgerechnet etwas, was laut der Presse UNS tot machen will, nämlich die gute alte H1N1-Schweinegrippe, die uns letzte Saison so wenig Grippetote wie noch nie während der Influenza-Saison beschert hat.
Dreißig Infizierte und zwei Tote, einer davon mit chronischer schwerer Vorerkrankung, ist Tagesschau.de gleich einen warnenden Artikel wert, mit dem Hinweis, man rechne mit "steigenden Zahlen in den nächsten Wochen".
Natürlich soll man sich die Hände waschen, wenn man nach Hause kommt, und ebenso selbstverständlich soll man sich impfen lassen.

...Noch mal für alle zum Mitschreiben: In einer normalen Grippesaison, wenn sich die saisonalen Viren bis nach Europa ausgebreitet haben, gibt es in Deutschland zwischen fünf- und zehntausend Tote. Diese kommen meistens aus Risikogruppen. Alten Menschen, Leuten mit Immunschwäche und/oder Vorerkrankungen, Personen die durch andere Krankheiten bereits geschwächt sind, Schwangere, die dadurch stärker belastet und damit angreifbarer sind. Zwei Tote sind nichts.
In einem weiteren Artikel ist sich Tagesschau.de auch nicht zu Schade, einen Experten zu Wort kommen zu lassen, der zumindest moderat über das Thema berichtet. Er geht mir zwar zu sanft mit der WHO um, und auch mit den hysterischen Medien, die nur der Story willens Panik geschürt haben, aber immerhin widerspricht er der Panik. Moderat.
Und er ruft dazu auf, sich impfen zu lassen, nicht nur gegen H1N1, sondern auch gegen zwei andere Viren, die bereits zirkulieren, und definitiv aggressiver sein werden.


Also, noch mal zum Mitschreiben: Generell ist die Impfung eine gute Sache. Man immunisiert sich gegen die bedrohlichen Viren, aber nicht unbedingt gegen das halbe Dutzend andere Krankheiten, die zugleich im Winter herum schwirren und leichtes Spiel haben.
Generell gilt: Impfung gegen die saisonale Grippe ist richtig und gut, WENN man zu einer der Risikogruppen gehört, die ich weiter oben genannt habe. Alte Leute mit geschwächtem Immunsystem. Chronisch Kranke. Schwangere. Und so weiter. Dann aber auch eher gegen die saisonale Grippe, nicht so sehr gegen H1N1. Aber, da der Virus relativ harmlos ist, schadet es auch nicht.
Alle anderen gesunden Menschen sollten jede Grippe-Infektion mit ein paar Tagen Bettruhe und zwei Wochen Schonung im Anschluss gut überstehen sollen - auch ohne Impfung. Und dann gibt es ja immer noch Tamiflu... Das angeblich wirkt. Aber na ja.

...Noch einmal an dieser Stelle: Ich bin kein Impfgegner, sondern ein Impfbefürworter. Und ich kann die Impfgegner, die gegen jeden kleinen Wirkstoff im Serum so vehement vorgehen als sei er definitiv tödlich, nicht verstehen und ihre Meinung nicht akzeptieren. Ihr geht mir auf den Geist mit euren Verschwörungstheorien, Masernparties und dem Gejammer über Schwermetalle im Impfstoff. Die H1N1-Hysterie hat euch zu Unrecht ins Konzept gespielt.

Mein Fazit: Gehört Ihr einer Risikogruppe an, lasst euch impfen. Aber die relativ harmlose Schweinegrippe sollte man auch so gut überstehen können. Rund einhundertvierzig Tote in einer Saison, die mindestens fünftausend hätte erleben sollen, sprechen dafür.
Also, nicht hysterisch machen lassen, wenn die blöde Zeitschrift mit den vier Buchstaben wieder auf den Panik-Zug aufschwingt und darauf hofft, dass ganz Deutschland nach einem Jahr bereits vergessen hat, wie es damals verarscht wurde.

Freitag, 2. April 2010

Kann man Schweinegrippe mit Regividerm heilen?

Einen wunderschönen zweiten April, meine lieben Leser. Wie man am Titel sehen kann, wird es in diesem Blog um zwei Themen gehen: Schweinegrippe und Regividern, das "Wundermittel" gegen Psoriaris und Neurodermitis. Ich tippe das bewusst erst heute, um den ersten April zu meiden. Außerdem ist das Wetter viel schöner. Die Sonne strahlt geradezu, und es wird merklich wärmer. Das lässt uns alle hoffen für die Osterfeuer am Samstag und/oder Ostersonntag.
Aber zum Thema.


Seit einiger Zeit geistert es durch die Foren, das rosa Wundermittel für fünf Millionen Psoriaris- und Neurodermitis-Patienten in Deutschland, die durch die angeblich einzig wirksamen Kortison-Salben auch noch zu leiden haben. Auf der ARD wurde es propagiert, und selbst Herr Plasberg in "Hart aber fair" war sich nicht zu Schade, für das vermeintliche Wundermittel unter dem Thema "Heilung unerwünscht" Werbung zu machen: Das absolut Nebenwirkungsfreie Regividerm.
Ich beobachte seit einiger Zeit die Reaktionen der Menschen. Ich beobachte ihre Kommentare in Blogs und Foren - sporadisch, zugegeben. Aber ich habe ein Auge darauf.
Wenn man diese Einträge liest, dann merkt man schon, das viele Menschen geradezu euphorisiert sind, weil "das Mittel so toll hilft". Andere, kritische Stimmen, sind da schon seltener, wenn von Jucken, vermehrten Hautrötungen und dem Abbruch der Behandlung berichtet wird. Was bei fünfundzwanzig Euro für einhundert Gramm Hautcreme schon ein gewisser finanzieller Verlust ist. Fünfundzwanzig Euro bei einer Creme, deren Herstellung wie viel kostet? Zwanzig Cent die Tube? Hr-hm...

Fakt ist: Neurodermitis und Psoriaris verläuft in Schüben. Zwischen schlimmen Zeiten kommen auch mal gute.
Fakt ist: Viele Betroffene kennen das eine oder andere nicht rosa Wundermittel aus dem Schlecker-Regal oder anderen Supermärkten, das bei ihnen super hilft. Wieder andere widmen sich zähneknirschend ihrer Kortison-Salbe, weil sie noch nichts gefunden haben, was bei ihnen alternativ wirkt. Daraus kann man aber ersehen, dass die Bekämpfung von Psoriaris und Neurodermitis eine individuelle Sache ist. Man kann den Betroffenen nur raten, so viel wie möglich auszuprobieren.
Fakt ist vor allem: Viele Anwender berichteten davon, dass Regividerm ihre Krankheit verschlimmert hat. Viele Anwender berichteten von Nebenwirkungen. Für ein Arzneimittel (kein Medikament wie z.B. die Kortisonsalben, wohlgemerkt), das angeblich VOLLKOMMEN FREI VON NEBENWIRKUNGEN sein soll, ist das ein absolutes Armutszeugnis.
Aber wie schon einer der Gäste in der entsprechenden "Hart aber fair"-Sendung sagte: "Eine Arznei, die keine Nebenwirkungen hat, die hat auch keine Wirkung."
Letztendlich IST Regividerm eine Hautpflegecreme, und für viele Menschen kann dies die ersehnte Linderung sein, wie für manche ihre Aldi-, LIDL-, oder REWE-Produkte. Aber sie bringt definitiv KEINE Heilung, und hat DEFINITIV NEBENWIRKUNGEN.
Es ist nur ein Mittelchen von vielen, und wir werden an den Umsatzraten sehen, wie vielen es helfen kann. Spätestens beim nächsten Krankheitsschub.
Für alle anderen, die gehofft haben, endlich von ihren Krankheiten los zu kommen, kann ich nur sagen: Alle, die geholfen haben, Regividerm auf so einen hohen Sockel zu stellen, haben im höchsten Maße unseriös gehandelt. Und das merke ich mir.


Auf tagesschau.de kommt heute Herr Gerd Antes zum Thema Schweinegrippe zu Wort, besser bekannt als Neue Grippe oder Amerikanische Grippe, oder auch H1N1. Herr Antes ist Mitglied der Ständigen Impfkommission Deutschlands, und hat einiges zu mäkeln. Wer aber glaubt, hier einen objektiven Bericht vorzufinden, eine Analyse oder gar etwas Handfestes, sieht sich getäuscht. Sein Anfangssatz macht Hoffnung, anschließend aber führt er uns wieder in die Niederungen der WHO.
Zitat: "Die Schweinegrippe-Pandemie war harmlos", meint Gerd Antes im Gespräch mit tagesschau.de.

Weiter unten geht Herr Antes dann richtig zur Sache.
Zitat:
Alle für diese Pandemie verfügbaren Impfstoffe wären bei einem wirklich aggressiven Virus zu spät gekommen. Als Anfang November in Deutschland die Massenimpfaktionen anliefen, waren in den Krankenhäusern schon die ersten Patienten an der Krankheit gestorben. Und dies obwohl das Influenza-Virus vergleichsweise einfach strukturiert ist. Es besitzt zwar nur zehn Gene und trotzdem können die Wissenschaftler bisher seine Gefährlichkeit nicht ausreichend bewerten.

Was haben wir hier also in der Hand, beziehungsweise auf den Monitoren? Eine Abrechnung mit der World Health Organisation der UNO, deren höchste Funktionäre eng mit der Pharmaindustrie verbandelt sind, weil sie ihre Posten direkt aus deren Labors heraus bekommen haben? Weil sie die Pandemie-Warnstufen extrem vereinfacht haben, um eine Pandemie-Warnung so bald wie möglich heraus geben zu können?
Eine kühle Analyse unserer Medien, die teilweise auf den Hysterie-Zug aufgesprungen sind, zum Beispiel unsere heißgeliebte SUN, äh, ich meine BILD?
Oder wenigstens ein Bericht über die unglaubliche Tatsache, dass zweihundertzweiundfünfzig nachgewiesene Tote der H1N1-Pandemie in Deutschland NICHTS gegen die fünf- bis zehntausend Opfer der üblichen Grippewelle sind, die erstaunlicherweise von der Schweinegrippe total verdrängt wurde?

Nichts dergleichen. Stattdessen stellt sich Herr Antes hin und kritisiert die zerstrittenen Medienfür ihre kontroverse Berichterstattung. Und er kritisiert das Gesundheitsministerium, weil es zur Impfmüdigkeit beigetragen hat.
Ich muss schon sagen, Herr Antes, ein Wolf wird nicht zum Schaf, nur weil er sich ein Schafsfell umwirft.

Zwei Dinge sind absolut sicher, H1N1 betreffend:
1) Viren neigen dazu, Gen-Informationen auszutauschen. Es bestand und besteht noch immer die Möglichkeit, dass H1N1 mit einem anderen, artverwandten Erreger Sequenzen austauscht, und eine neue Supergrippe hervorruft, die eine Pandemie auslöst, wie die meisten Medien letztes Jahr zur gleichen Zeit herbei gebetet haben. Aber genauso gut, nein, eher noch wahrscheinlicher entsteht harmloser Scheiß. Wäre dem nicht so, gäbe es die Menschheit schon lange nicht mehr.
2) Wenn wir uns hätten durchimpfen lassen, und der Virus wäre zu einem absoluten Killer mutiert, dann hätte eine sehr große Wahrscheinlichkeit bestanden, dass der Impfstoff gegen einen veränderten Virus NICHT gewirkt hätte. Warum? Das Immunsystem erkennt bekannte Erreger an ihrer Struktur. Bei der Impfung wird der Körper mit der Struktur des "Feindes" vertraut gemacht. Bei einer Sequenzänderung verändern sich auch die Schlüssel der Viren, und damit die Struktur. Manche Forscher bezeichnen so etwas als "Tarnkappenverhalten".

Alles in allem wurden mehr als genug Fehler begangen. Zum Beispiel hat niemand am Anfang der Grippewelle in der mit zwanzig Millionen Menschen überbevölkerten Stadt ernsthaft hinterfragt, ob zweitausend Tote wirklich eine Epidemiewarnung rechtfertigen. (Tatsächlich waren viele Menschen ab einem Alter von sechzig Jahren immun, was bedeutet, das sie diesen Virus vor rund vierzig Jahren schon einmal hatten.)
Zum Beispiel, warum die Pandemiewarnung nicht länger die Tödlichkeit eines Virus berücksichtigt, und sich nur noch an der Ausbreitung orientiert.
Zum Beispiel, das für Regierung, Bundeswehr, Sanitätspersonal und Polizei ein amerikanischer Impfstoff gekauft wurde, was den mit Verstärkern angereicherten im Inland produzierten Impfstoff zweitklassig erscheinen ließ.
Zum Beispiel, das den Impfgegnern in die Hände gespielt wurde; als erklärter Verfechter des Impfens kann ich hier nur den Kopf schütteln. Es wurde eine Menge Schaden angerichtet, Schaden der teilweise auf Jahrzehnte nicht wieder gut gemacht werden kann.

Ich kann es nicht oft genug betonen: Wäre der Virus mutiert und tödlicher geworden, hätte der H1N1-Impfstoff geholfen? Höchstwahrscheinlich nicht. Sonst müssten wir nicht in jeder Grippe-Saison einen neuen Impfstoff haben. Die regelmäßig von Hong Kong aus startenden regulären Grippe-Viren, die uns im Herbst zu erreichen pflegen, sind auch nichts anderes als H1N1. Nur anders zusammengesetzt.

Mein Fazit: Da wollte jemand Tamiflu verkaufen. Da wollten etliche Pharma-Unternehmen auf den vermeintlich lohnenden Impfzug aufspringen und haben ohne Auftrag Impfstoffe produziert. Da waren eine Menge Zeitungen, die Pandemie-Angst geschürt haben, man erinnere sich nur an die Berichte, dass nur junge Leute am Virus sterben würden, oder an die hässliche Episode mit dem zerbrochenen Probebehälter in einem Schweizer Schnellzug.
Wir können das Ganze als Lehrstück ansehen. Ein Lehrstück in zwei Akten, wobei Akt eins von den großen amerikanischen Pharma-Unternehmen betrieben wurde, um die Überbestände an Tamiflu zu verkaufen. Das war auch eine merkwürdige Geschichte. Im April sollte Tamiflu noch helfen, im Herbst, als der Impfstoff fertig war, plötzlich nicht mehr. Nachzulesen in meinen Blogeinträgen.
Akt zwei kam von den Boulevardzeitungen und Boulevardfernsehmedien, die hypeten, was das Zeug hielt, die mit Horrorprognosen Angst schüren wollten. Die nach jeder Zahl griffen, solange sie nur bedrohlich genug wirkte. Die sich selbst dazu steigerten, einem Sechstel der Weltbevölkerung diese Krankheit zu prophezeien. Und die nicht müde wurden, nach dem harmlosen Herbst-Verlauf noch eine zweite dramatisch verlaufende Welle im Winter zu prognostizieren. Ach, eigentlich prognostizieren sie immer noch dramatisch verlaufende Wellen.

Der Impfung an sich wurde großer Schaden zugefügt. Der WHO wurde großer Schaden zugefügt. Da kann man nur hoffen, dass die Welt von einer echten Pandemie verschont bleibt, denn in SOLCHEN HÄNDEN möchte ich mein Schicksal dann doch lieber nicht wissen.

In diesem Zusammenhang eine Bitte an all meine Leser: In dem Kommentaren werde ich keine offensichtliche Anti-Impf-Propaganda dulden. Also postet sie gar nicht erst.

Samstag, 23. Januar 2010

Fakten oder Fiktion? Schweinegrippe in den Medien

Tja, heute geht es in meinem Blog mal wieder um die Volkskrankheit, um H1N1. Und gleichzeitig geht es auch um eine Mathe-Aufgabe. Zuguterletzt auch um die Kunst, zwischen den Zeilen zu lesen.

Aber fangen wir konservativ an. Fangen wir bei den Pressestimmen an. Die verschiedenen Medien im Netz sind sich einig, dass H1N1, im Volksmund Schweinegrippe genannt, rückläufig ist.
Die Fakten auf den Tisch: Laut Tagesschau.de haben wir mittlerweile 217.294 Fälle von Infektion mit Schweinegrippe in Deutschland, und 189 Todesfälle, die mit dem Virus im Zusammenhang stehen. Beziehungsweise, bei denen ihr Tod auf H1N1 zurückgeführt wird. Weltweit starben demnach direkt oder indirekt 14.142 Menschen an der Neuen Grippe.
N-TV.de ist da etwas unspektakulärer und nennt neben der gleichen Zahl der weltweiten Toten lediglich 588 Verstorbene in der letzten Woche. Der Artikel ist kurz, unspektakulär und nebensächlich. Vielleicht, weil N-TV den Komplex Schweinegrippe genau so sieht.
Die Seite 1A-Krankenversicherung.de hingegen weiß trotz rückläufiger Neuinfektionen zu berichten, dass das Robert Koch-Institut weiterhin zur Impfung rät. Ein Blick auf deren Homepage verrät auch wieso: Demnach befürchtet das RKI eine zweite große Infektionswelle und sieht die Gefahr durch das Virus immer noch nicht gebannt.
www.naanoo.com hingegen nennt geringfügig andere Zahlen bei den deutschlandweit Infizierten und bei den deutschlandweit durch oder mit H1N1 Verstorbenen: 172.627 Infektionen und 61 Tote.
Interessant auch der kurze Artikel der Führter Nachrichten, die eine betroffene Lehrerin zu Wort kommen lassen. Demnach gab es in ihrer 22-köpfigen Klasse vier bestätigte Fälle von H1N1, sechs weitere, nicht getestete grippale Infekte und keine Toten. Ein Bericht quasi direkt von der Front, wenn man so will.

Wenn ich also zusammenfassen darf: Grundsätzlich sind sich alle in einem Punkt einig, nämlich das die Schweinegrippe längst nicht so gefährlich ist wie befürchtet. Und wenngleich das RKI eine zweite, eine dritte, eine vierte Welle befürchtet, heißt es zwar einerseits nicht das die Infektionen dann ebenso mild verlaufen, aber es heißt auch nicht, das sie aggressiver verlaufen.

Kommen wir mal zum Rechenexempel, und nehmen wir dafür die Zahlen von Tagesschau.de.
217.294 Infektionen in Deutschland mit 189 Todesfällen, in denen H1N1 nachgewiesen wurde sprechen eine deutliche Sprache. Leider nicht im Sinne der Pandemie-Hysteriker.
Demnach, wenn mich meine Dreisatzkünste nicht im Stich gelassen haben, infizierten sich 0,265% der Bevölkerung nachgewiesen an Schweinegrippe. Ob dies nun an der Impf-Aktion liegt, oder daran das H1N1 doch nicht so aggressiv übertragen wurde, möchte ich an dieser Stelle ebenso wenig beantworten wie die Frage nach der Dunkelziffer, die meistens nach dem Faktor zehn multipliziert wird.
Nein, wir wenden uns dem Hauptaugenmerk zu, nach dem die Gefährlichkeit einer Pandemie errechnet wird: Ihre Tödlichkeit. Danach hatten wir in Deutschland mit bisher 189 Toten praktisch gar keine Probleme. Okay, das hilft den Toten auch nicht weiter, aber wenn ich den Anteil der Toten an der Gesamtbevölkerung ausrechne, muss ich tief, tief, tief in die Nachkommastellen gehen: Gnädig aufgerundet sind das 0,00025%.
Zum Vergleich: Die reguläre Grippe fordert je nach Verlauf zwischen 5.000 und 15.000 Tote jährlich allein in Deutschland.
14.142 Tote weltweit, die der Schweinegrippe aufs Konto geschrieben werden, sind - entschuldigt meine Wortwahl und meinen mangelnden Respekt vor den Toten - nicht mal eine Fußnote. Oder aufgerundet 0,0000234%.
Und wir stellen fest: In Deutschland gab es, gemessen am Rest der Welt rein rechnerisch einen extrem schweren Verlauf der Schweinegrippe. Aber zum Weltuntergang reicht es dann doch nicht.
Was lernen wir daraus? Ruhe bewahren, Fakten selbst prüfen, sich nicht hysterisch machen lassen, nur weil Print- und Fernsehmedien glauben, ein guter Schockeffekt würde Quote bringen. Qualitätsmedien zurückfordern und die Presse dafür abstrafen, das sie der Impfung an sich einen so schlechten Ruf verpasst haben.

Das ist ein sehr interessanter Punkt, denn die ersten Impfgegner prophezeien jenen, die sich impfen ließen, heute bereits Spätschäden durch die Impfung voraus. Was natürlich Quatsch ist, denn zwar gibt es bei Impfungen immer wieder mal heftige Reaktionen, Grippeähnliche Effekte und sogar Todesfälle, aber sie bleiben die Ausnahme. Auch die Vorwürfe, Impfmittel seien mit Schwermetallen versetzt und würden unbekannte Schäden im Körper anrichten, kann ich so nicht einfach hinnehmen. Nicht als jemand der gegen Polio geimpft wurde und sich regelmäßig seine Tetanus-Impfung abholt.
Ich halte es hier wie der berühmte Arzt Paracelsus: "Ein Gift ist kein Gift. Kein Gift ist ein Gift. Allein die Dosis macht's, dass ein Ding kein Gift sei."

Donnerstag, 10. Dezember 2009

U.S.-Regierung warnt vor Schweinegrippe-Epidemie... 1976?

Richtig gelesen. Gerade bin ich über mehrere Links via Bildblog.de, FAZ.de und weltwoche.ch auf Youtube gelandet. Dort wurde Usern wie mir der Tipp gegeben, nach den Schlagwörtern "Swine Flu 1976" zu suchen.
Als Ergebnis landete ich bei einem zweiteiligen Enthüllungsbericht der CBS-Sendung 60 Minutes, die dem Propagandafeldzug folgt, der zur Impfung von 42 Millonen Amerikanern führte, sowie den dreiundvierzigtausend Amerikanern, welche die Regierung wegen Folgeschäden der Impfung verklagt.
Durchaus sehenswert, um Soll und Ist unserer Tage zu vergleichen. Außerdem unterstreicht es wieder mal, dass heiße Luft nicht gefährlich ist. Ausgelöst hatte die Geschichte damals ein Private in der Army, der aus dem Krankenbett heraus gezwungen wurde, an einem längeren Marsch teil zu nehmen. Das mit dem Krankenbett verschwiegen die offiziellen Stellen, betonten aber den "überraschenden und plötzlichen Todesfall eines jungen, gesunden Menschen".
Ein Schelm ist, der dabei Parallelen zur heutigen Zeit entdeckt.

Aber ich bin auch auf anderen Quatsch gestoßen, der sich nahtlos daran anschließt.
Ich habe dieses Jahr schon einmal erwähnt, dass ich eher ein Verfechter der Impfung bin und es sehr bedaure, dass der Impfung an sich durch die H1N1-Hysterie ein Bärendienst erwiesen wird. Prompt stoße ich auf "Lasst euch nicht impfen"-Videos. Nun, solange sie sich nur um Schweinegrippe drehen, ist alles in Ordnung. Ausgemachte Impfgegner hingegen sind mir ein Dorn im Auge.
Auch stieß ich auf ein Video, das Obama im Titel vorwarf, einen Plan entwickelt zu haben, die Bevölkerungszahlen zu senken und dafür den Schweinegrippe-Impfstoff zu missbrauchen.
Leider aber produziert eine Firma an der Rumsfeld Anteile hat, den Impfstoff. Ich bezweifle auch ernsthaft, dass Barry überhaupt Zeit hatte, sich einen solchen perfiden, hirnrissigen, abstrakten und darüber hinaus paranoiden Plan auszudenken. Das passt dann doch eher zu George "Dubia" Bush. ...Okay, da er nur eine Marionette war, zu seinen Beratern. Und da finden wir, wen wundert es, Donald Rumsfeld.

Letztendlich komme ich zu folgendem Schluss:
Risikogruppen sollten sich gegen die reguläre Grippe impfen lassen.
Wenn Du Grippe oder Schweinegrippe hattest, kuriere dich ordentlich aus, denn die große Gefahr ist nicht die Krankheit, sondern der geschwächte Kreislauf und das angegriffene Herz NACH der Infektion.
Lass dich nicht gegen Schweinegrippe impfen, vor allem nicht wenn du sie schon hast oder sie in deinem Umfeld bereits aufgetreten ist.
Ich glaube einfach nicht daran, dass Pharma-Unternehmen ihren eigenen Kundenkreis ausrotten wollen, um eine obskure Menschenreduzierungspolitik zu betreiben. Selbst bei allergrößter Skepsis rate ich, statt auf die großen Konzerne wie Roche eher auf die Medikamente europäischer mittelständischer Unternehmen zu wechseln, die es sich nicht leisten können, ihren Kundenstamm auszurotten.
Wenn sich das Schwänzchen noch nicht kringelt, ist es auch keine Schweinegrippe.

Montag, 9. November 2009

Ringelt sich das Schwänzchen schon?

Schweinegrippe und kein Ende. Eigentlich sollte ich ja alle Zeitungsartikel ignorieren, die den Virus NICHT mit H1N1 oder Neue Grippe betiteln, weil alleine das schon ein Hinweis darauf ist, dass ungenau recherchiert wurde. Aber ich habe es dennoch gemacht, bin ein paar Links von Bildblog.de gefolgt und hier gelandet! Und was Frau Friederike Tinnappel von der Frankfurter Rundschau in ihrem Leitartikel hier abliefert, abgesehen davon, dass sie am Montag, dem 9.11. bereits davon spricht, das morgen der 11.11. ist, kann man wie folgt zusammenfassen: Impf-Lobbyismus.

Nicht nur, dass sie vollkommen unbekümmert ohne Zahlenbelege arbeitet, sie scheut sich auch nicht, finsterste Polemik zu verwenden. Da sind die Impfstoffe, die vor zwei Wochen noch zuverlässig ausgeliefert wurden, plötzlich "wegen Engpässe nicht mehr geliefert worden", da werden Menschen die sich gegen die Impfung entscheiden die ewigen "Ich doch nicht"-Impfgegner genannt und damit karikiert, während die anderen jene sind, "die sich ernsthaft um ihre Familien sorgen". Und mit wahrer Hingabe beschreit sie nicht nur das Ende des Impf-Engpass, sondern auch die Verfügbarkeit neuer (und wahrscheinlich verträglicherer) Impfmittel von anderen Pharmaunternehmen.
Sie schließt mit Blick auf den Karneval und die dort folgenden Menschenmassen wie folgt: "Wenn wir uns alle impfen lassen, schlagen wir der Schweinegrippe ein Schnippchen."

Sehr geehrte Frau Tinnappel, Sie haben anscheinend ein paar elementare Dinge nicht begriffen.
1) Fünfundzwanzig Millionen mögliche Immunisierungen sind für ein Volk von zweiundachtzig Millionen Menschen mehr als ausreichend.
2) Wenn von dreißigtausend oder mehr Krankheitsfällen mit H1N1 geredet wird und wir auf elf Tote kommen - wobei bei diesen Opfern das Virus nachgewiesen wurde, nicht dessen Lethalität - haben wir einen supermilden Verlauf mit etwas Husten und Schnupfen, aber keine Pandemie, die Impf-Hysterie rechtfertigt.
3) Impfgegner pochen zwar auf die Nebenwirkungen der Impfung, aber darum geht es nicht, wenn ich mich nicht impfen lasse: Ich persönlich sehe keinen SINN darin, mich gegen diesen leichten Sommerhusten impfen zu lassen. Und ich bin Asthmatiker.
4) Mit Artikeln wie Ihrem muss man die Hände über dem Kopf zusammen schlagen und Medizinern wie Robert Koch und Wissenschaftlern wie Louis Pasteur Abbitte leisten, weil die positive Arbeit, die von ihnen begonnen wurde, von Ihnen absurd gemacht wird. Absurd in der gezielten Schürung von Panik, künstlichem Impfwillen und Lobbyismus für Pharma-Unternehmen, die nun auch noch auf den vermeintlich fetten Impfmarkt drängen, der gar nicht existiert.
5) Auch die Impfgegner sorgen sich um ihre Familien, deshalb sind sie ja skeptisch.

Frau Tinnappel, Sie leisten weder der Impfung an sich, noch der Bekämpfung der Schweinegrippe einen Dienst. Ich habe vergeblich in Ihrem Artikel nach Zahlen gesucht, nach Links zu Vergleichswerten und dergleichen. Was ich gefunden habe war eine Anzeige, über der das Wort Anzeige nicht zu finden war.
Was Ihren Schlusssatz angeht: Wir können der Schweinegrippe eben KEIN Schnippchen beim Karneval schlagen, wenn wir uns jetzt alle impfen lassen. Zwar dauert der Karneval bis zum Aschermittwoch... Aber um eine Immunität nach der Impfung zu entwickeln, bedarf es im Schnitt zwei Wochen. Zu spät für den 11.11. um Elf Uhr Elf.

Bitte mehr Fakten und weniger Meinung in Ihrem nächsten Leitartikel.
Ach, und bitte, überlassen Sie unsinnige, reißerische und sachlich falsche Texte doch bitte der BLÖD-Zeitung.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Zahlenprobleme mit der BLÖD-Zeitung

Es kommt vor. Wirklich, manchmal passiert es einfach. Da stehe ich vor dem Zeitschriftenregal und greife interessiert nach einer BILD-Zeitung.
So ist es auch heute geschehen. Der Aufmacher der BLÖD diesmal: Renommierter Professor befürchtet neununddreißigtausend Tote durch die Schweinegrippe-Epidemie.
Dazu noch etwas weiter unten: Schwerer Verlauf der Schweinegrippe und neue Epidemiewelle im Winter befürchtet. Dreißig Millionen Krankheitsfälle.
...sacken lassen.
Ich will jetzt nicht auf den Offensichtlichen Dingen herum reiten, wie zum Beispiel der Tatsache, dass nächste Woche die Massenimpfungen gegen H1N1 beginnen sollen, und sich viele Bundesbürger (nicht verschrecken lassen) gegen eine Impfung sind, weshalb es der Bundesregierung womöglich an fünfundzwanzig Millionen Impfkandidaten für das teure Produkt fehlen wird. Oder zu bedenken geben, ob ein Mensch, der gegen Schweinegrippe geimpft wurde, auch Impfschutz genießt, falls der Virus mutiert und damit einen vollkommen anderen Aufbau hat. Und ich möchte auch nicht großartig darauf herumreiten, wie oft schon ein "schwerer Verlauf der Infektion" herbeigeschrieen haben, der aber nie eingetreten ist. Fakt ist, dass man nur mit äußerstem Wohlwollen laut unserer Medienlandschaft einen einzigen Todesfall in Deutschland bestätigen könnte. Wie gesagt, mit äußerstem Wohlwollen und drei zusammengedrückten Augen, inklusive Hühneraugen.
Nein, darum geht es in meinem Blog nicht.

Diesmal geht es um die Zahlenmagie von BLÖD.
Nebenbei bemerkt, manche mögen sich wundern, warum ich einerseits BLÖD und dann BILD schreibe. Das ist leicht erklärt. BLÖD ist meine Meinung. BILD dient dazu, damit auch wirklich jeder versteht, WEN ich meine.
Die Zahlenmagie. Angenommen, Schweinegrippe mutiert. Angenommen, es kommt tatsächlich durch den neuen Virus zu einer Grippewelle, die dreißig Millionen Bundesbürger erfasst.
Und angenommen, es kommt in dessen Folge zu neununddreißigtausend Toten...
Dann haben wir prozentual gesehen IMMER NOCH einen milden Verlauf, da in diesem Fall der Virus für 0,1% der Bevölkerung tödlich wäre.
Zynisch? Giftig? Keineswegs. So rechnet man nun mal in Mathematik. Und in der Seuchenkunde misst man eine Grippe an ihrer Verbreitung und ihrer Tödlichkeit.
Einmal ganz davon abgesehen, dass eine Infektionswelle, die mehr als jeden dritten Bundesbürger mit fiebriger Erkältung ins Bett bannen würde, mehr als ungewöhnlich für eine Grippe wäre, um nicht zu sagen der pandemiale Super-GAU, befürchtet besagter von BLÖD zitierter Professor diese (theoretisch möglichen, praktisch nicht wahrscheinlichen) Zahlen für eine mutierte H1N1-Form. Und da gilt wieder die Frage: Wirkt die Impfung in diesem Herbst gegen H1N1 auch gegen eine mutierte Form? Und ich spreche hier von einer Schutzimpfung, keiner Aktivierung des Immunsystems. Eine Impfung macht den Körper mit einem Erreger vertraut, er bildet Antikörper und sorgt im Idealfall dafür, dass die Krankheitserreger bei einer tatsächlichen Infektion gar nicht erst dazu kommen, sich zu vermehren, weil sie erkannt und vernichtet werden. Ich glaube eher nicht.
Andererseits wird die Industrie sicherlich drei, vier Monate, nachdem der mutierte tödliche Killervirus mit dreißig Millionen Infizierten und neununddreißigtausend Toten durch Deutschland gezogen ist, einen Impfstoff entwickelt und zur Verteilung bereit haben.
Andererseits, wenn über zwei Fünftel der deutschen Bevölkerung diese Grippe bereits gehabt haben, ist das schon eine eigene Immunisierung.
Bleibt nur noch eine Frage: Wer bezahlt BLÖD für diese Schleichwerbung?

Edit am 22.10.: Heute habe ich die BLÖD tatsächlich mitgenommen. Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, sie war umsonst.
Der großer Aufmacher waren zehn Redakteure, die zur Impfung geschickt wurden, und die anschließend unisono darüber berichteten, wie harmlos die Impfung doch gewesen war, wie wenig man gespürt hat und wie wichtig es doch ist, dass Menschen im öffentlichen Leben nicht zur "Virus-Schleuder" werden.
Alles schön und gut. Wir haben nun zehn in gut zwei Wochen immunisierte BLÖD-Redakteure.
Der Haken bei der Geschichte ist schlicht und einfach: Die Diskussion geht nur sekundär um die Nebenwirkungen der Impfung (siehe Verstärker und den ganzen anderen Nonsens, der durch die Medien schleicht), es geht um den NUTZEN! Da H1N1 sich dazu entschlossen hat, in Deutschland weder tödlich zu sein, noch einen so genannten schweren Verlauf zu verursachen, ist genau diese Nutzen mehr als fraglich.
Und, wie ich oben schon erwähnte, ist diese Impfung nicht effektiv, falls sich H1N1 zur neuen Supergrippe durchmutiert, weil wir es dann mit einem neuen Virus zu tun haben.

Ich betätige mich mal wieder als Prophet: Es wird nicht lange dauern, und die BLÖD-Zeitung wird die Zwangsimpfung fordern, um "Deutschland vor der Katastrophe zu retten". Oder, zwischen den Zeilen gelesen, um die fünfzig Millionen Einheiten angekauften Impfstoff zu verbrauchen, damit er nicht vollkommen sinnlos Staub ansetzt.

Samstag, 19. September 2009

Es ist ruhig... ZU ruhig...

Eines der beliebtesten Themen der letzten Monate war H1N1, im Volksmund auch gerne Schweinegrippe genannt, weil das ein so schöner, griffiger Name ist, obwohl es nicht mehr oder weniger korrekt wäre als die Namen Menschengrippe oder Vogelgrippe. Ach nee, Vogelgrippe gab es ja schon, der ist schon ausgenudelt.
Warum ich jetzt mal wieder darauf komme? Werft mal einen Blick auf den Header.
Es ist zu ruhig. Der Impfstoff ist fertig, bereit zur Verteilung. Die Pharmakonzerne erwarten den Abverkauf der bestellten Impfdosen... Aber in Deutschland herrscht Impfmüdigkeit. Danke, liebe Boulevardpresse, danke, liebe Experten, danke, liebe WHO, die keine wirklich wichtige höchste Pandemie-Warnstufe hat. Danke dafür, dass die Menschen in Deutschland der Impfung nicht mehr vertrauen, welche die Pocken ausgerottet hat, die Kinderlähmung besiegte und von der europäischen Malaria nichts mehr übrig ließ. Danke für eine populärjournalistische Effekthascherei, die uns vielleicht demnächst in eine wirklich schlimme Pandemie stürzt, weil EUCH die Superlative ausgehen und niemand mehr eine WIRKLICHE Warnung ernstnehmen kann.
Okay, das tat gut, das war Dampf ablassen.

Aber wieder zurück zum Titel. Im Mai versuchte ich mich als Prophet und stellte ein paar Schlagzeilen vor, die ich erwartete. Unter anderem: "Aber der Impfstoff reicht nicht für alle!"
Bild.de war dann tatsächlich so freundlich, einen ähnlichen Spruch zu verwenden.
Heute werde ich wieder etwas prophezeien. Denn angesichts der Tatsache, dass H1N1 immer noch nicht tödlich in Deutschland verläuft, werden einschlägige Boulevardmedien, um den Absatz von Impfstoffen zu steigern, demnächst folgende Schlagzeilen haben:
"Schweinegrippe ist mutiert - die neue Superseuche auf dem Vormarsch?"
"Tausendmal tödlicher als Schweinegrippe. Die Superschweinegrippe kommt."
"Experten erwarten noch gefährlichere Pandemie."
"Normale Grippe und Schweinegrippe haben sich vermischt. Nun erwarten Experten die Superpandemie."
Und all das nur, um eine unbeliebte und unnötige Impfung an den Mann oder die Frau zu bringen. Hatte ich schon danke dafür gesagt, dass die eigentliche Impfung dadurch auch einen schlechten Ruf weg bekommen hat?
Nun, was bleibt ihnen auch anderes übrig? Dafür werden ja Blätter wie die BILD bezahlt. Für tendenziösen Journalismus, Schleichwerbung und das verdrehen der Wirklichkeit, bis es passt. Dann ist es zwar nicht mehr die Wirklichkeit, aber das hat BILD ja noch nie beeindruckt. Ich freue mich jedes Mal wenn ich einen sachlich korrekten, gut recherchierten Artikel in der BILD lese. Das sind dann meistens die, die nichts mit Panik, Horror, Entsetzen oder Schwerverbrechen zu tun haben. Vielleicht lese ich sie deshalb so ungerne. Die guten Artikel sind einfach zu selten.
Erst kürzlich hatte BILD noch getitelt: "Nun ringt der erste Schweinegrippepatient mit dem Tod."
Nun, da sein Tod nicht von BILD und BILD.de vermeldet wurde, ist er augenscheinlich NICHT gestorben. Was für ein Pech aber auch. Der erste Tote von achttausend Infizierten hätte ja der Pandemie-Warnung neue Würze geben können. Tut es also nicht, der Herr war nicht so nett zu sterben. Also greifen Boulevard-Medien demnächst zu obigen Schlagzeilen, verlasst euch drauf.

P.S.: Als Kind wurde ich gegen Kinderlähmung geimpft. Außerdem hole ich mir alle zehn Jahre meine Tetanus-Impfung ab. Unglaublich wäre es, wenn eine ganze Generation Deutscher ohne diesen Schutz aufwachsen würde und Kinderlähmung und Wundstarrkrampf als Todesursache in die Höhe schnellen würden. Dann hätten wir den Salat, die Opfer und die Kosten. Und alles nur weil absteigende bunte Blätter auf Teufel komm raus kommerzialisieren. Zum dritten Mal: Danke. Danke für unseriösen Journalismus.

Edit: Heute tituliert WDR.de folgendes: Eine einhundertachtzig Kilo schwere Raucherin ist nach einer verschleppten Grippe im Uniklinikum verstorben. Bei ihr wurde u.a. H1N1 nachgewiesen. Neben einer ganzen Reihe von anderen Viren. Über Art und Anzahl schweigt der Artikel. Wohlweislich, denn sonst könnte der Autor ja nicht daraus schließen, dass die anderen Viren und die verschleppte Grippe harmlos waren, und die Frau an H1H1 gestorben ist.
Prompt tönt der Gesundheitsminister von NRW, die Impfung müsse her, damit "Risikogruppen wie diese Frau" geimpft und gerettet werden können.
Ach, und die anderen nachgewiesenen Viren waren alle harmlos? Ganz abgesehen von der verschleppten Grippe? Man muss schon ein sehr schlechter Journalist sein, oder eben bösartig, wenn man a) Schlagzeilen mit Fragezeichen benutzt (vergleicht hierzu die BILD-Zeitung, wenn sie für üble Nachrede nicht dran gekriegt werden will) und b) auf Teufel komm raus OHNE OFFIZIELLE ERGEBNISSE die Schweinegrippe (H1N1) zur Todesursache erklärt.
Der Autor des Artikels ist sich auch nicht zu schade darauf hinzuweisen, dass H1N1 (Schweinegrippe) nun auch die Risikogruppen erreicht hat, es bereits zwanzigtausend Infizierte in Deutschland gibt, und es ja "europaweit einhundertfünfzig Tote" gegeben hat.
Okay, mir war klar, dass es um H1N1 zu ruhig war. Aber ehrlich gesagt graut mir vor der BILD-Schlagzeile von morgen. Wahrscheinlich ist für sie al-Masri Schuld.

Auch hier gilt wieder, mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Frau. Vor allem weil sich kleinkarierte, kurzsichtige und sensationsgeile Medien nun auf den Fall stürzen, ihn zum ersten Todesfall der Schweinegrippe in Deutschland machen und den Hinterbliebenen die Medienhölle auf Erden bereiten werden. Leute, holt euch bloß verdammt schnell einen guten Anwalt mit sehr guten Beißreflexen.

Mittwoch, 15. Juli 2009

Ja, sie lebt noch!

Ich betätige mich jetzt einmal als Prophet...
Folgende Schlagzeile wird vor allem in der von mir viel geliebten Zeitung mit den vier Großbuchstaben zu finden sein, aber auch als Aufmacher anderer Springer- und Boulevard-Blätter: "Schweinegrippe auf dem Vormarsch!" "Pandemie nicht mehr aufzuhalten!" "Das Ende der Welt noch in diesem Jahr?" "Wer darf sich durch eine Impfung retten?" "Zu wenig Impfstoff für alle Bürger, wer gehört zu den Auserwählten?"
Und ich wette, mindestens zwei dieser Überschriften werde ich auch in Zeitungsdschungel zu lesen bekommen.

Woher ich das weiß? Nun, seit dem Ausbruch von H1N1, auch Amerikanische Grippe oder volkstümlich Schweinegrippe genannt (ironischerweise wurde sie bei Schweinen aber bisher nicht nachgewiesen), ist gut ein Vierteljahr vergangen. Das bedeutet, die Impfstoffe sind fertig!
Oder um es anders auszudrücken: Die Pharma-Industrien, die fest mit einer weltweiten und tödlichen Pandemie gerechnet haben, investierten Material und Kosten mit immensem Aufwand in der Entwicklung eines Impfstoffs, der nun für ein paar hundert Millionen Bürger zur Verfügung stehen soll. Und was passiert? Die Tödlichkeit von H1N1 ist nicht nur verdammt weit unter den Erwartungen, trotz Pandemie ist das Thema zudem aus den Medien verschwunden.
Aber nun ist der Impfstoff fertig, und vor wenigen Minuten hörte ich bei den Privaten im Fernsehen folgenden Spruch: "Deutschland soll fünfzig Millionen Einheiten des Impfstoffs bekommen. Da aber jeder zweimal geimpft werden muss, reichen die Dosen nur für fünfundzwanzig Millionen Menschen."
Hand hoch, wer hier gezielte Panikmache und Geschäftemacherei vermutet!
Ach, du? Du auch? Und du da hinten? Genau das gleiche denke ich auch.
Nun ist der Impfstoff schon mal fertig, also muss er auch an den Mann gebracht, also verkauft werden, auf Teufel komm raus. Und wenn dazu H1N1 tödlicher geredet werden muss als sie ist, dann muss das halt so sein.
Außerdem könnte sie ja auch mutieren... Aber funktioniert der Impfstoff gegen einen defacto neuen Erreger? ^^°
Liebe Pharma-Industrie, vielen lieben herzlichen Dank für Eure Sorge um die Weltbevölkerung, für Euren Einsatz und die vielen Impf-Dosen, die Ihr produziert habt. Aber können wir das Zeug nicht einfach mit unseren Steuergeldern sinnlos bezahlen und damit die Regeln des freien Marktes ignorieren, und gut ist? Muss es auch noch verbraucht werden? Also ehrlich, das ist doch zuviel des Guten. Da kann Frau Chang in New York noch so lange über die Pandemie lamentieren, H1N1 ist nicht annähernd tödlich genug dafür.
Und wie gesagt, wenn das Virus mutiert, wirkt die Impfung dann noch? Ich denke nein.
Bezahlen müssen wir den Scheiß eh. Dumm gelaufen.
Und welchen Bärendienst erweisen wir hier eigentlich den regulären Impfungen, indem wir das Verfahren so in Verruf bringen? Pocken - weggeimpft. Kinderlähmung - durch Impfungen besiegt. Tuberkulose - in Europa nahezu im Griff durch Impfungen. Das ist nur Wasser auf die Mühlen der Impfungsgegner. Und eine schlechte Visitenkarte für die Pharma-Industrie.
Was ich jetzt schreibe, werdet ihr, werte Leser, von mir bestimmt kein zweites Mal hören, aber was soll´s: Leute, lasst euch nicht impfen. Nicht gegen die Amerikanische Grippe.


Edit: Gerade auf Bild.de entdeckt: ...aber der Impfstoff reicht nicht für alle!
Irgendwie habe ich ein Déjà-vu...

Edit am 18.07.: Britische Boulevardblätter hauen mächtig auf die Pandemie-Pauke und verbreiten Aufmacherschlagzeilen wie: "Worst Case: 65.000 People killed by Pig Flu."
"Schlimmstes Szenario: 65.000 Menschen sterben an Schweinegrippe."
Dazu sollte folgendes gesagt werden: Die so genannten Worst Case-Szenarien sind immer Planspiele, die davon ausgehen, dass sich eine Situation zum allerschlimmsten wandelt und die umgebenden Parameter dies noch unterstützen.
In unserem Fall würde das bedeuten, dass H1N1 doch noch tödlich werden würde.
Himmel, wir sind noch nicht einmal bei 65.000 Infektionen weltweit, bei denen 0,2% tödlich verlaufen und bei denen H1N1 als Todesursache vermutet wird. Wie also sollen wir auf 65.000 Tote kommen? o_O
Aber es stimmt wohl, der Impfstoff ist da, und nun muss er verbraucht werden. Die arme Pharma-Industrie hat ja sonst ein paar Millionen in den Sand gesetzt.
Ach, und wenn ich schon mal dabei bin: 65.000 Grippetote allein im United Kingdom klingt gewaltig, aber ist weit hinter den Horrorprognosen, welche noch im April aufgestellt wurden. Die Schreckensszenarien rudern zurück, wie es die Schlagzeilenlast der Yellow Press gerade noch vertragen kann...