Sonntag, 16. November 2014

Was vom Pfand übrig blieb...

Es gibt Sachen, die brennen mir auf der Seele. Dann müssen sie raus. Zum Beispiel als Blog-Eintrag. So wie diese Geschichte.
Ich war einkaufen. Kommt vor. Oft genug. Was nicht so oft vorkommt, ist, dass ich beschließe, einen bestimmten Laden nie wieder aufzusuchen. Das ist aber passiert. Gestern. Seither denke ich drüber nach, ob ich einen Blogeintrag draus mache oder nicht. Nun, woran sitze ich gerade?
...sacken lassen.

Ich werde keinen Ortsnamen nennen. Keinen Firmennamen. Ich werde keine Personen direkt ansprechen. Aber ich werde beschreiben, was ich gesehen und gehört habe. Und ich werde drüber schreiben, was mich dazu bewegt hat, diesen einen Laden nie wieder aufzusuchen.

Ich war einkaufen. Wie gesagt, das kommt vor bei mir. An meinem freien Tag, und nicht direkt nach der Arbeit, die zugegeben gerade etwas sehr schlaucht.
Ich bin rein, habe mein Leergut abgestellt (das wurde für mich weggepackt und verifiziert, für die Kasse), habe mir eine neue Kiste Bier geschnappt und wollte bezahlen.
Auftritt eines Mannes. Weiße Haare, Bart, definitiv älter. Hatte eine Tasche dabei. Voller leerer Flaschen.
Der Herr des Hauses, der gerade Leergut gemacht hat, hat ihn daraufhin mit dem Hinweis, man sei "nicht die Leergutannahme von Elze" mit sehr lauter Stimme wieder rausgeworfen. Das hat, ehrlich gesagt, auf mich gewirkt wie eine kalte Dusche. Ja, da habe ich das erste Mal beschlossen, diesen Laden nicht mehr aufzusuchen.
Als ich an der Kasse bedient wurde, sagte ich dann auch: "Ich bin zugegeben etwas ärgerlich."
"Warum?"
"Wenn das hier nicht die Leergutannahme von Elze ist, dann komme ich nicht mehr."
Er: "Okay."
Sie: "Aber das gilt doch nicht für Sie. Der Herr kommt viermal am Tag und bringt sein Leergut, das er aus den Gräben zieht. Da bin ich schon froh, dass mein Mann ein Machtwort gesprochen hat."
Ich: "Bisher ging ich davon aus, dass Leergutannehmen für den Händler ein Vorteil ist."

Sie: "Aber doch nicht in dem Fall. Die Flaschen sind immer vollkommen verdreckt und voller Tiere. Das will ich wirklich nicht anfassen. Und den Kunden können wir das ja auch nicht antun.
Aber wenn die Stadt mal nach einer Aufräumaktion kommt und hundertachtzig Flaschen mitbringt, dann nehmen wir die ja auch."
Ich, nach dem Bezahlen. "Nun gut. Ich werde meine Argumentation überdenken."
...sacken lassen.

So, ich habe meine Argumentation überdacht und ich habe darüber sinniert, dass ich die ganze restliche Zeit, eine Dreiviertelstunde, bis ich Zuhause war, unter Dampf gestanden habe.
Daher: Ich kaufe in diesem Laden nicht mehr ein.
Hier die Gründe:
1) Ein Lokalverbot für aus Gräben gezogene Pfandflaschen kann man durchaus freundlicher aussprechen. Dann ist es zwar auch nicht nett, aber immer noch besser, als rausgeschrien zu werden.
2) Wie dreckig müssen die Gräben rund um und in dieser Stadt sein, wenn es jemanden gibt, der ständig dreckige und mit Tieren besiedelte Flaschen anschleppen kann?
3) Es gibt da einen älteren Herrn in der nichtgenannten Stadt, der sammelt Pfandflaschen. Und bringt sie weg. Muss er es tun? Will er es tun? Darf er es tun? Bisher dachte ich, dass Flaschen sammeln nicht nur Pfandgeld bringt, sondern auch ein Dienst an der Allgemeinheit ist. Muss er es tun, dann armes Deutschland. Will er es tun, dann Respekt. Darf er es tun? Aber sicher.
4) Wenn es einem Einzelhändler zuviel wird, die ganzen Flaschen anzunehmen, ist das seine Sache. Aber genauso ist es meine Sache, ob ich dort einkaufen werde, oder eben nicht. 
5) Sollte ich jemals in eine Situation geraten, in der ich darauf angewiesen bin, Flaschenpfand von der Straße zu sammeln, Mülleimer zu plündern und Gräben abzusuchen, weiß ich, wo ich auf keinen Fall auf Verständnis treffe. Warum soll ich also hingehen, wenn es mir gut geht?
...sacken lassen.

Wie gesagt, ich nenne keine Namen, keine Details. Aber es hat mich schon schockiert, wie selbstgerecht und von der eigenen Entscheidung überzeugt die Betreiber waren, er wie sie. Und ich hoffe, meine Anmerkung hat sie angemessen erschrocken. Denn jede Aktion birgt auch eine Reaktion in sich.

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,
man erkennt einen guten Einzelhändler daran, wie er alle seine Kunden behandelt, nicht nur die aus den High Segment. Ich erkläre mich mit dem alten Flaschen sammelnden Herrn solidarisch und boykottiere Sie fürderhin. So wie ich Ihre Entscheidung hinnehme, die dreckigen, mit Tieren besiedelten Flaschen des älteren Herrn nicht mehr anzunehmen, so lasse ich Ihnen keine Wahl als meine Entscheidung Ihnen und Ihrem Gewerbe gegenüber annehmen zu müssen.
Ihr Trost: Ich war eh kein regelmäßiger oder gar guter Kunde.

Mit freundlichen Grüßen,
Alexander Kaiser

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